Samstag, 28. Januar 2017

[Rezension] Windwitch - Susan Dennard

Da es sich hierbei um den zweiten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!


Inhalt
Merik Nihar sollte tot sein. Doch er überlebt die Explosion seines Schiffes und macht sich auf die Suche nach dem Verräter.
Safi und Vaness werden ebenfalls von einer Attacke auf ihr Schiff überrascht. Auch ihnen gelingt es, zu fliehen... nur um in die Fänge von jemand ganz anderem zu geraten.
Iseult macht sich auf die Suche nach Safi, ihrer Strangschwester, doch ihr Weg kreuzt sich mit Aeduans. Die beiden schließen eine Allianz, die unmöglich halten kann - und es doch irgendwie tut.
Doch die Konflikte zwischen den Charakteren sind längst nicht die einzigen, die brodeln - und auch die Abgründe in ihnen sind tiefer als erwartet...

Meine Meinung
Windwitch war eines meiner meistantizipierten Bücher dieses Jahres - und, so viel kann ich vorwegnehmen, auch wenn es mich nicht umgehauen hat, so war es definitiv keine Enttäuschung!
Laut der offiziellen Inhaltsangabe steht Merik im Mittelpunkt des Buches, aber so ganz kann ich das nicht bestätigen. Ist wohl auch gut so, denn Merik war einer der Charaktere im Buch, die mich am wenigsten überzeugt haben. Er wirkte distanziert und abweisend; so sehr ich mich auch bemühte, gelang mir kaum ein Einblick in seinen Kopf. Und seine Begleiterin Cam von seiner ehemaligen Crew konnte ich noch weniger ausstehen - warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Irgendetwas an ihrer Art wirkte einfach noch schroffer, noch distanzierter als Meriks Verhalten.
Das ist besonders in Anbetracht der Tatsache schade, dass ich Merik in Truthwitch unglaublich gut leiden konnte - aber gerade rückblickend war das wohl mehr Schein als Sein, haben wir in Truthwitch nie übermäßig viele Szenen aus seiner Perspektive gekriegt. Allerdings muss ich auch anmerken, dass meine Perzeption von ihm gerade zum Ende Windwitchs hin geändert hat... und ich ihn zumindest ein wenig besser verstehen konnte.
Für die anderen Charaktere konnte ich zum Glück mehr Sympathie aufbringen. Zum Einen für die anderen Neuankömmlinge - darunter Caden, ein Hell-Bard, den ich Stück für Stück mehr ins Herz schloss. Auch Vaness ist ein interessanter Charakter, über den wir in Windwitch etwas mehr lernen. 
Von den Protagonisten war Safi war so bissig, direkt und einfach... lebendig wie eh und je. Iseult macht einige Veränderungen durch, die sie als Charakter nur noch komplexer werden lassen. Und Aeduan... Aeduan ist sowieso mein Liebling. Die mysteriöse Aura, die ihn umhüllt, wird nur ein wenig in Windwitch gelüftet, aber gerade die Szenen mit ihm und Iseult sind pures Gold wert - nicht, weil Dennard plötzlich eine Romanze vom Himmel fallen lässt oder dergleichen. Stattdessen sind es die kleinen Dinge, die Andeutungen, zwischenmenschliche Kleinigkeiten, die mir einfach Lust machten, weiterzulesen. 
"A blink of confusion. Two shuddering breaths. Then understanding braced through him. [...] He wiped his face on his shoulder, then offered Iseult his hand. She clasped it tight, her fingers lacing between his. Together they ran."
(Windwitch, Susan Dennard)
Das Buch lebt von diesem Zwischenmenschlichen, von den Charakteren - weswegen die Tatsache, dass die Handlung stellungsweise etwas ziellos ist, zumindest ein wenig in den Hintergrund rückt.
Denn ich will es nicht beschönigen: Ich habe mich oft gefragt, wo das große Ganze ist. Warum ich das Gefühl habe, dass die Charaktere auf der Stelle treten... und erst gegen Ende gelang es mir, die einzelnen Fäden miteinander zu verbinden.
Im letzten Viertel geht die Geschichte auch erst so richtig los - Plottwist folgt auf Plottwist und Susan Dennard beweist einmal mehr, warum ich mich überhaupt erst in Truthwitch verliebt habe. Die Welt, der Schreibstil und natürlich die Charaktere sind einfach ein Meisterwerk.
Es ist kein Geheimnis, dass Susan Dennard Schwierigkeiten hatte, Windwitch zu schreiben. Und unabhängig davon, ob/wie sich das auf das Buch ausgewirkt hat, hat auch Windwitch seine Schwierigkeiten - damit meine ich vor allem den Plot, der etwas hinterherhinkt. So hat am Ende des Tages das Lesen des Buches zwar ein wenig länger gedauert, aber ich habe es nicht maßgeblich weniger genossen. Die Charaktere (Merik ausgenommen) und vor allem die unglaubliche Entwicklung, die sie durchmachen, haben mich zusammen mit dem Schreibstil vollkommen in den Bann gezogen. Susan Dennard ist einfach die Meisterin der Andeutungen, und vor allem gelingt es ihr, packende Bücher zu schreiben, die auch ohne die obligatorische Romanze den Leser packen.
Wer Truthwitch (Schwestern der Wahrheit im Deutschen) mochte, wird Windwitch mögen, wenn nicht sogar lieben!

Fazit
Windwitch ist kein perfekter Folgeband, aber trotz Schwächen ein gelungener. Susan Dennard zeigt abermals, was für grandiose, dreidimensionale Charaktere sie geschaffen hat, die nicht nur mit ihren hellen, sondern auch mit ihren dunklen Seiten den Leser in den Bann ziehen.


Windwitch ⚬ Hardcover: 384 Seiten ⚬ Reihe: 2/4 ⚬ Tor Teen ⚬ ca. 10,49€ ⚬ Kaufen?

Samstag, 14. Januar 2017

[Rückblick] Tschüss, 2016! (... und mein Lesemonat Dezember)

Alternativ: Der gefühlt spätesteste Rückblick, der jemals das Licht der Internetwelt erblickt hat. 

Liebe Freunde der Unterhaltungsliteratur,
ich könnte euch einen langen oder einen sehr langen Artikel präsentieren. Ich könnte auch zahlreiche Gründe aufzählen, warum der Post erst jetzt kommt, aber wie gesagt, das trägt alles zur Länge bei. (Und es wird jetzt schon lang.)
Wer nur den Jahresrückblick lesen möchte, darf so frei sein und einfach zu dem Absatz "Ein Blick auf 2016..." runterscrollen.
Steigen wir ohne Umschweife in meinen Lesemonat Dezember ein:


Die Tales from the Shadowhunter Academy sind eine schöne Ergänzung; der Einstieg fiel mir etwas schwer, aber mit der Zeit wurde ich selbst mit Simon warm - und das soll (für mich) was heißen. Für Fans der Chroniken der Unterwelt und der Chroniken der Schattenwelt auf jeden Fall empfehlenswert!

Auf diesen Science-Fiction-Roman komme ich gleich noch einmal zurück, so viel aber sei gesagt: Ein grandioses Debüt, das ich binnen weniger Tage verschlungen habe!

3) Miss Peregrine's Home for Peculiar Children - Ransom Riggs (2/5)
Leider die Enttäuschung des Jahres für mich! Von dem Buch habe ich über einen Zeitraum von Jahren nur Gutes gehört - der Funken sprang beim Lesen einfach nicht über, weil ich mit Jacob - dem Protagonisten - gar nicht warm wurde und auch der Plot nicht wirklich vom Fleck kam.

Ein typischer "Green" - der Anfang zieht sich ein wenig, danach aber wird man von Weisheiten überschwemmt und erlebt Abenteuer mit dem Genie Colin, der sich die Frage stellt, wie es nach Katherine 19 weitergeht.

Ein weiterer quasi-Reread - ich habe bereits die deutsche Ausgabe, Schwestern der Wahrheit, gelesen und fand es klasse! Da allerdings die Fortsetzung auf Englisch bereits diesen Januar erschien und ich die Geschichte sowieso zuvor noch einmal lesen wollte, musste die amerikanische Ausgabe her.
In Truthwitch geht es um die Strangschwestern Safi und Iseult, die von einer Katastrophe in die nächste schlittern; um Merik, der versucht, sein Königreich zu retten, und Aeduan, eine Bluthexe, der hinter Safi her ist. Das Besondere an dem Buch ist, dass Safis und Iseults Freundschaft im Vordergrund steht, was eine willkommene Abwechslung ist <3 Auf Englisch gefiel es mir noch einen Ticken besser (die deutsche Übersetzung hakt stellenweise), ich kann euch das Original also nur nahelegen!

6) Iphigenie auf Tauris - Johann Wolfgang Goethe (1/5)
(Fehlt oben auf dem Bild.) Tja, der Lesemonat wäre nicht vollkommen ohne das obligatorische Reclam-Heftchen. Iphigenie auf Tauris ist das schlechteste Drama, das ich jemals gelesen habe, und selbst die Interpretation konnte nichts daran ändern. Die Sprache ist einfach zu vollgestopft mit Metaphern und Anspielungen, was das Lesen schlichtweg zur Qual macht.

7) Harry Potter and the Philosopher's Stone - Joanne K. Rowling (5/5)
Wie viele andere kenne und liebe ich die Harry Potter-Bücher - den ersten Band habe ich mit sechs Jahren verschlungen, und die Magie hat bis heute nicht nachgelassen. Zu Weihnachten erhielt ich den wunderwunderwunderschönen Schuber und bin jetzt wieder voll und ganz im Harry Potter-Fieber angekommen.

Insgesamt macht das 2568 Seiten, ca. 83 pro Tag. (Und gefühlt die Hälfte wurde in den Weihnachtsferien gelesen, aber nur gefühlt.)
Wir stecken bereits mitten im Januar, und so viel sei gesagt: Die Statistik wird nicht gerade berauschend sein, und sie wird überproportional viel Harry Potter enthalten. Sorry not sorry.
Ein Blick auf 2016...
Wenn ich auf 2016 zurückblicke, dann möchte ich gerne ein langgezogenes und sehr lautes "Uff" von mir geben. 2016 war für mich schon ein ziemlich cooles (vollgepacktes, anstrengendes) Jahr - ob jetzt lesetechnisch, blogtechnisch oder persönlich. Ich könnte auch noch Stunden darüber reden, aber zuerst einmal kriegt ihr die knallharten Fakten:

In 2016 habe ich 70 Bücher gelesen. (75, wenn man Rereads mitzählt!)
Ganze 43 dieser Bücher waren auf Englisch, worauf ich besonders stolz bin! (48 mit Rereads.)
Insgesamt hatten diese Bücher 28241 Seiten, so viel habe ich zuletzt in 2012 gelesen - das macht etwa 403 Seiten pro Buch. (Rereads hier nicht mitgezählt.)
Im Durchschnitt habe ich diese Bücher mit 3,99 Punkten/Herzen bewertet.

Was euch diese Statistiken sagen sollen? Zwei Dinge.
1) Mittlerweile lese ich teilweise schneller (lieber sowieso) auf Englisch als auf Deutsch.
2) Ich habe 2016 unglaublich viele unglaublich gute Bücher gelesen. Ich habe nicht jedem Buch vier, fünf Herzen hinterhergeworfen, sondern tatsächlich überwiegend verdammt gute Bücher aufgeschlagen. Und das macht mich am allerglücklichsten.

Bei der Menge an Büchern kann ich nicht auf jeden Favoriten eingehen, und die Lowlights 2016 unterschlagen wir gekonnt.
Hier ein paar honourable mentions - Bücher, die genial waren, aber nicht genial genug, um es in meine absoluten Favoriten zu schaffen:
- Die fünfte Welle und Das unendliche Meer von Rick Yancey
- Winter von Marissa Meyer
- Lady Midnight von Cassandra Clare
- Six of Crows von Leigh Bardugo
- Queen of Shadows und Empire of Storms von Sarah J. Maas
- Rebel of the Sands von Alwyn Hamilton

Kollektives Luftholen.

Jetzt kommen wir zu den Favoriten-Favoriten, die ich einfach im Detail erwähnen muss. (Obwohl ich auch versucht bin, Romane über oben genannte Lieblinge zu schreiben. <3)


Giants: Sie sind erwacht von Sylvain Neuvel ist ein Favorit-Favorit 2016, weil es mich nicht nur aus meiner Komfortzone lockte, sondern auch zeigte, wie cool es außerhalb sein kann.
Neuvel bringt Science Fiction auf ein neues Level, macht es trotz komplexerer Begrifflichkeiten dem Leser leicht zugänglich und wagt sich in weitere Themenkomplexe wie Linguistik, Politik, Wirtschaft... alles in einer ganz besonderen Erzählweise, durch Interviews und Protokolle, geschrieben und geführt durch Charaktere, die eigenartiger nicht sein können und dem Leser doch unglaublich ans Herz wachsen.


Madeline Millers The Song of Achilles ist ein Favorit-Favorit 2016, weil es den besten Schreibstil enthält, den ich jemals gelesen habe - und weil das Buch von viel zu wenigen gewürdigt wird.
The Song of Achilles erzählt von Patroclus und Achilles, ihrer Freundschaft, ihrer Liebe, ihrem Schicksal. Egal, ob man die Geschichte vorher kennt oder nicht (wie ich) - Miller verzaubert den Leser von der ersten Seite an. Es ist eines dieser Bücher, dem keine Rezension, keine mögliche Menge an Lobpreisen gerecht werden könnte.


A Darker Shade of Magic und A Gathering of Shadows von V.E. Schwab gehören zu meinen Favorit-Favoriten 2016, weil sie mich einer Autorin nahegebracht haben, die ich sowohl als Schriftstellerin aber auch als Persönlichkeit unglaublich zu schätzen gelernt habe.
Schwab hat eine der besten fiktionalen Welten geschaffen, in denen ich mich jemals aufgehalten habe. Sie hat Charaktere kreiert, die ich kennen und lieben lernte, die sich nicht über irgendwelche Beziehungen, sondern ausschließlich über sich selbst definieren lassen. Zwei wunderbare Bücher, die vor allem das wunderbare Gefühl der Entschleunigung mit sich bringen.

Mein Favorit-Favorit-Favorit 2016 (ich höre jetzt auf, versprochen) ist allerdings Crooked Kingdom von Leigh Bardugo, weil— nein, vergesst das.
Es gibt nicht genug Weils auf der Welt, die erklären könnten, wie viel mir das Buch - die ganze Dilogie - bedeutet. Die erklären, was ich fühlte, bevor ich diesen zweiten Band aufgeschlagen habe, als ich das erste Kapitel las, als ich einen Tag lang das Bett nicht mehr verließ, weil ich mich nicht mehr von dem Buch lösen konnte. Weil ich im wahrsten Sinne des Wortes an den Charakteren klebte, weil ich selbst Monate nach Beenden des Buches immer noch an sie denke, an die Gefühle, die sie in mir ausgelöst haben, denen ich niemals mit Worten gerecht werden kann. Alle Bücher, die ich in diesem Post erwähnt habe, sind Herzensbücher... dieses ist aber das Buch für mich.
Die sechs Protagonisten — Kaz, Inej, Jesper, Wylan, Matthias und Nina — sind nicht nur das ideale Beispiel für Diversität in Büchern, sondern generell ein ideales Beispiel für die unperfektesten perfektesten Charaktere, die es da draußen in der Buchwelt gibt. Bardugo setzt diese Charaktere in eine Welt voller Dunkelheit, die Stück für Stück für Stück heller wird... und so eine Bereicherung für uns alle darstellt.

Danke, 2016. Danke für diese Bücher, die meine Welt so viel besser gemacht haben und mich auf eine Art und Weise prägten, die ich nicht für möglich gehalten hätte - so kitschig das auch klingt.
Und danke auch an euch - dafür, dass ihr den Blog besucht, meine mehr oder weniger (meist mehr) langen Texte euch zu Gemüte führt, für die herzallerliebsten Kommentare... danke.
Auf 2017 - es kann nur gut werden. <3
(Und lasst doch gerne ein paar eurer Favoriten da. Ich würde gern wissen, welche Bücher euch berührt haben.)

Samstag, 7. Januar 2017

[Rezension] Tales from the Shadowhunter Academy - Cassandra Clare


Inhalt
Das Leben von Simon Lewis ist in Begriff, sich ein weiteres Mal fundamental zu ändern. Immer noch mit den Folgen seines Gedächtnisverlusts kämpfend macht er sich nun auf den Weg in die Shadowhunter Academy - um selbst einer dieser berüchtigten Schattenjäger zu werden. Doch der Weg dahin ist nicht einfach...

Meine Meinung
Ich muss ehrlich sein.
Bei den Tales from the Shadowhunter Academy kam mein keine-Ahnung-aber-muss-kaufen-Syndrom voll und ganz zu Tage. Ich dachte, dass es sich hierbei um eine Kurzgeschichtensammlung handelt, die eben zu "Clarys Zeit" spielt. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass sich das Buch primär um Simons Erfahrungen dreht - und das in Anbetracht der Tatsache, dass ich Simon bisher eher weniger leiden konnte. Ob das idiotisch von mir war? Absolut. Dafür war dann die Wirkung, die das Buch auf mich hatte, umso schöner.
Zugegeben: Gerade bei der ersten Kurzgeschichte war ich noch sehr skeptisch. Cassandra Clare hat die Geschichten ja nicht alleine, sondern in Zusammenarbeit mit Sarah Rees Brennan, Maureen Johnson und Robin Wasserman geschrieben. Und anfangs merkt man das noch sehr deutlich - dass es eben nicht primär Clares markanter Stil ist. Außerdem wirkte Simon einfach sehr... weinerlich. Ich meine, klar, ist verständlich. Aber seine Selbstzweifel wurden primär als ein ewiges Hin und Her dargestellt, und das hat mich eben genervt.
Dann kamen allerdings die Geschichten, in denen es um vergangene Schattenjäger ging. Ich werde jetzt nicht verraten, welche - aber es war eine gesunde Mischung aus Charakteren, die ich noch nicht kannte und lieben lernte, und Charakteren, die ich bereits liebte. Und es war einfach herrlich. Dass Simon eben ein wenig in den Hintergrund rückte und wir zum Beispiel Clary und Jace wiedersahen, oder Alec und Magnus. Vor allem in Interaktion mit denen wurde Simon langsam aber sicher sympathischer - auch am Ende des Buches bin ich noch nicht so weit, ihn zu lieben, (ein paar Geschichten mehr hätten mich gefreut! :D) aber ich verstehe und respektiere ihn um einiges mehr.
Eine der Fragen, die mich auch noch herumgetrieben hat, war diese: Wie relevant sind die Tales from the Shadowhunter Academy für das Verständnis von Lady Midnight? Man las unterschiedliche Meinungen - es sei essentiell, es sei optional. Ich würde mich tendenziell letzterem zuordnen - sie waren auf jeden Fall eine schöne Ergänzung! Von bestimmten Charakteren lese ich sowieso gerne, und von manchen Aspekte, die in Lady Midnight nur am Rande erwähnt werden, werden die Hintergründe immens ausgearbeitet, was einfach sehr cool ist!
Verglichen mit den Bane Chronicles sind mir diese noch ein bisschen lieber, aber das liegt eben an den Charakteren. ;) Und ich bin immer noch nicht der größte Fan davon, dass mehrere Autoren an einer Geschichte schreiben... aber grundsätzlich war es einfach schön, wieder in die Schattenjäger-Welt zurückzukehren. <3

Fazit
Die Tales from the Shadowhunter Academy machen einfach Spaß zu lesen - man lernt nicht nur über Simon, sondern auch über andere Charaktere, neue und altbekannte, und grundsätzlich ist dieses "Schattenjäger-Feeling" einfach wieder da. Eine tolle Ergänzung!


Tales from the Shadowhunter Academy ○ Hardcover: 672 Seiten ○ Margaret K. McElderry Books ○ ca. 11,99€ ○ Kaufen?

Montag, 2. Januar 2017

4 Dinge, die ich in Jugendbüchern nicht mehr lesen kann

Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Aber in letzter Zeit hat sich meine Sichtweise auf diverse Aspekte in Jugendbüchern so sehr verändert, dass ich immer öfter und immer schneller genervt bin - mir fallen Dinge auf, die ich früher einfach so hingenommen habe. Hier also vier Klischees, die mich in letzter Zeit ganz besonders wahnsinnig gemacht haben:

Die "beste Freundin"
Spoiler: Sie ist gar keine beste Freundin. 
Grundsätzlich ist sie aber hübscher als die Protagonistin, die neben ihr geradezu verblasst, und vor allem kriegt sie bisher aaaalleeee Typen ab, bis man fast schon den Eindruck bekommt, der Autor/die Autorin möchte sie schlichtweg als Schlampe abstempeln.
Unterstützt wird der Eindruck dadurch, dass die "beste Freundin" keinen eigenen Charakter hat. Sie ist einfach da, und taucht grundsätzlich nur auf, wenn es keine anderen Mittel mehr gibt, um den Plot voranzutreiben. Vor allem ist sie die Erste, die verschwindet, wenn der mysteriöse Typ auftaucht.

Wird voll erfüllt in Nur ein Tag von Gayle Forman.
Wer ausnahmsweise mal über eine gesunde Freundschaft lesen will, dem kann ich nur Schwestern der Wahrheit von Susan Dennard ans Herz legen.

Der Auserwählte
Er hat ein Sixpack (denn wer will sich schon an einen weichen Oberkörper lehnen), ist mindestens dreißig Zentimeter größer als die Protagonistin und hat ein sehr mysteriöses Geheimnis.
Vor allem aber haben wir keine Ahnung, warum er der Auserwählte ist. Ach ja, wegen dem Plot. Es ist ja schön und gut, dass er ganz nett aussieht und einfach p-e-r-f-e-k-t ist. Aber Spaß beiseite, warum genau ist er in einer Beziehung mit der Protagonistin? Was mag er an ihr? Was mag sie an ihm, ganz abgesehen von den großen, starken Händen und der mysteriösen Aura? Was bringt die Beziehung den beiden? Warum sollte ich die Beziehung der beiden gutheißen?
Genau. Bei dem Auserwählten gibt es keine Antwort auf all die Fragen. Er ist eben einfach heiß.

Wird voll erfüllt bei Über mir der Himmel von Jandy Nelson.
Eine gesunde Liebesbeziehung findet ihr unter anderem in Cinder von Marissa Meyer (und in den Folgebänden Scarlet, Cress, Winter).

Die überflüssige Liebesbeziehung
Das ist etwas, das mir vor allem in letzter Zeit verstärkt aufgefallen ist. Wir haben alles: Tolle Charaktere, einen tollen Plot, einen tollen Schreibstil. Das Buch neigt sich der Zielgeraden und - was ist das? - aus heiterem Himmel taucht eine Liebesgeschichte auf. Die der Geschichte überhaupt nichts Gutes tut. Sie ist einfach nur da, weil welches Buch kann heutzutage noch ohne einen romantischen Aspekt auskommen? Wie soll es sich verkaufen?
Mit dem Auserwählten und der "besten Freundin" kann ich wenigstens von Anfang an rechnen. Die überflüssige Liebesbeziehung taucht aber dann auf, wenn eigentlich alles gut ist, und zerstört sämtliche schöne Erinnerungen an das Buch binnen Sekunden.

Besonders übel in Holding up the Universe von Jennifer Niven, aber auch echt nervig in Miss Peregrine's Home for Peculiar Children von Ransom Riggs.
Victoria Schwab beweist, dass Bücher auch ohne Liebesgeschichte grandios sein können - zum Beispiel in A Darker Shade of Magic oder in This Savage Song.

Der belesene Protagonist
Dieser Fall hier ist nicht ganz so schlimm wie die drei oberen, aber ich verdrehe trotzdem jedes Mal die Augen, wenn mir einer über den Weg läuft.
Der belesene Protagonist hat ein mindestens einhundert Jahre altes Lieblingsbuch in fünf Ausgaben und vor allem kann er es von der ersten bis zur letzten Seite rezitieren. (Im Idealfall findet er noch eine/n Auserwählte/n, der dasselbe antike Lieblingsbuch hat!) So grundsätzlich hat er sich durch die halbe Weltliteratur des 19. Jahrhunderts gelesen und würde am liebsten den ganzen Tag von Sturmhöhe schwärmen.
Leute, ich sage nichts gegen diese Bücher. Und wenn das eure Lieblingsbücher sind, dann ist das schön.
Aber jetzt mal ganz im Ernst: Ein Großteil der Jugendlichen heutzutage liest vielleicht eine Handvoll Bücher im Jahr - wenn's hochkommt. Und selbst die, die lesen (da zähle ich mich dazu), wühlen zumindest in ihrer Jugend nicht in anspruchsvollster Literatur, nur um dann in passenden Momenten mit Zitaten um sich zu werfen.

Ist mir aufgefallen in Über mir der Himmel von Jandy Nelson, aber seien wir ehrlich, John Greens Protagonisten neigen auch dazu, und Jennifer Nivens All the Bright Places platzt in der Hinsicht aus allen Nähten.


Ganz im Ernst, Leute? Jetzt geht es mir besser. ;) Nein, Spaß beiseite - auch wenn ich oben einen eher lockeren Ton angeschlagen habe, so ist das Ganze etwas, auf das man meiner Meinung nach tatsächlich aufmerksam machen muss. Natürlich bildet Literatur immer eine idealisierte Realität ab, aber all diese Klischees sind realitätsferner als manch andere - und können schnell den Blick auf die Realität etwas verzerren.

Was nervt euch denn manchmal so richtig an (Jugend-)Büchern?

Übrigens hat Mara von cakes & colors ebenfalls vor ein paar Wochen über 5 Klischees in Young Adult Büchern, die sie nicht ausstehen kann, geschrieben - und ich kann ihr da nur voll und ganz zustimmen! Schaut unbedingt mal bei ihr vorbei. :)