Mittwoch, 24. Mai 2017

[Rezension] Der Schwarze Thron — Die Schwestern - Kendare Blake


Inhalt
Die Drillinge Katharine, Mirabella und Arsinoe sind mit verschiedenen magischen Talenten geboren worden — und sie alle sind Anwärterinnen auf den Thron. Wenn sie ein bestimmtes Alter erreichen, beginnt ein Kampf um Leben und Tod. Denn nur eine kann Königin werden...

Meine Meinung
Der Schwarze Thron  Die Schwestern ist eines dieser Bücher, das seit einer Ewigkeit auf meiner Wunschliste stand, ich mir aber — aus welchem Grund auch immer — nie zulegte. Deshalb habe ich mich umso mehr darüber gefreut, das Buch vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt zu kriegen. Vielen Dank an der Stelle noch mal dafür!
Die Idee klingt vielversprechend: Ein Drillingspaar, das sich auf den Tod bekämpfen muss. Eine Welt mit verschiedenen magischen Elementen, und vor allem vielen Leuten hinter den Kulissen, die versuchen, die Fäden nach ihren Vorstellungen zu ziehen. Leider konnte mich die tatsächliche Umsetzung weniger überzeugen.
Eines muss man Kendare Blake lassen: Ihr Schreibstil hat mich unglaublich fasziniert. Sie schreibt in der dritten Person Präsens, beschränkt sich nicht auf die Sicht der Drillinge, sondern schlüpft auch in die Perspektive zahlreicher Nebenfiguren. Dabei gelingt es ihr, nahtlos von einer Sicht in die andere überzugehen, manchmal auch inmitten einer Szene — fand ich sehr cool. Andererseits fürchte ich auch, dass der Schreibstil für dieses Buch vielleicht ungeeignet war; ich hatte oft das Gefühl, dass die Stimme von jedem Charakter dieselbe war und dass ich sie maximal durch ihre Namen unterscheiden konnte. Außerdem wirkt der Stil oft sehr nüchtern, fast schon kindlich; dass das Buch ein paar... brutalere Momente hat, bildet dazu einen ziemlich krassen Kontrast, der mir persönlich negativ aufgefallen ist.
Grundsätzlich hat Blake in mir einen Interessenskonflikt ausgelöst: Ich war überwältigt und unterwältigt zugleich. Einerseits bekommt man praktisch drei Bücher, schließlich wird die Geschichte von jeder Anwärterin erzählt, die in ihrer eigenen Nische mit eigenen Freunden/Ziehfamilien/politischen Machtpolen lebt. Das bedeutet verdammt viele Namen, die ich bis zum Ende des Buches ehrlich gesagt nicht auf die Reihe gekriegt habe. Gleichzeitig... gleichzeitig passiert einfach nichts. Alle drei Geschichten treten mehr oder weniger auf der Stelle, ein paar wenige Ausnahmen gegen Ende der Geschichte. Auf mich wirkte alles so... sinnlos. Als würde man bloß ein Ende herauszögern, die Reihe so weit wie möglich in die Länge strecken. Das war ziemlich frustrierend.
Auch in anderen Aspekten hätte so viel mehr passieren können — allen voran der Weltenbau, aber auch das politische Element des Romans war zweidimensional. Die Motivationen der einzelnen Charaktere sind schwach oder mir unergründlich, und die Magie und das ganze Warum bleiben auch sehr vage. Überhaupt weiß ich nicht, was ich von der Einteilung in Giftmischer (Katharine), Elementwandler (Mirabella) und Naturbegabte (Arsinoe) halten soll. Gerade die letzten beiden überschneiden sich irgendwie?
Seltsam fand ich auch, dass sie als Bewohner der Insel Fennbirn eine unglaublich stereotype und vorurteilige Auffassung von den Landbewohnern hatten, die nicht genauer erklärt wurde und auf mich einfach einseitig und voreingenommen wirkte.
Aber Arsinoe war eine Königin. Die Insel würde sie niemals gehen lassen.
(Der Schwarze Thron — Die Schwestern, Kendare Blake, Penhaligon)
Was mich jedoch am meisten frustrierte, waren die durchweg sinn- und zwecklosen Liebesbeziehungen. Ja, Plural. Leider. Zuallererst musste jede der (fünfzehnjährigen!) Anwärterinnen mindestens einen Typen zugeordnet kriegen. Meistens kennen sie sich genau fünf Minuten, bis sie bereits übereinander herfallen. Katharine, zum Beispiel, wird gelehrt, wie sie richtig küssen soll. Äh, ja. Grundsätzlich wird andauernd von irgendwelchen Freiern geredet, die sich dann auf die Königin stürzen wollen, die am ehesten den Kampf gewinnt. Als ob das bisher Beschriebene nicht schon schlimm genug wäre, wird das Ganze von einer Betrugsgeschichte getoppt.

Spoiler
Und zwar geht es dabei um Arsinoes beste Freundin, Jules, die in einer Beziehung mit Joseph ist. Joseph aber betrügt sie zweimal (!) mit Mirabella, OHNE GRUND, und sein Verhalten wird NICHT angeprangert. Jules ist einmal traurig, beim zweiten Mal schon fast resigniert. Joseph hingegen knutscht und schläft sich weiter durch die Weltgeschichte. Hä? Was genau sollte das? Ich versteh's nicht. Auf keiner der beteiligten Seiten. Aber toll, was damit dem jüngeren Publikum vermittelt wird.

Ich habe nicht genau darauf geachtet, aber meines Eindrucks nach ist die Gesellschaft Fennbirns darüber hinaus stark heteronormativ und, tja, weiß. Der einzige Junge (einer der Freier), der mit dunkler Haut beschrieben wird, wird ein paar Seiten später als flüchtend umschrieben und quasi als Feigling bezeichnet.
Ja, ich habe das Lesen des Buches nicht gehasst. Zumindest anfangs nicht. Der Schreibstil ist wirklich okay, und er ermöglicht es, das Buch zügig durchzukriegen. Katharine habe ich irgendwie ins Herz geschlossen, und ginge es nur um sie, würde ich die Reihe vielleicht sogar weiterverfolgen. In den letzten Zügen des Buches gibt es sogar ein paar wirklich überraschende Plottwists, aber das genügt leider auch nicht, um meinen Glauben in die Geschichte wiederherzustellen. Wie gesagt, die Idee ist toll, aber die Umsetzung ist flach und bisweilen katastrophal. Der Schwarze Thron Die Schwestern macht zahlreiche Versprechen, kann aber keins davon halten.

Fazit
Der Schwarze Thron Die Schwestern hat eine grandiose Prämisse, die in ihrer Umsetzung leider in den Sand gesetzt wurde. Die Charaktere sind flach und untereinander austauschbar, es gibt zu viele unrealistische Liebeleien und zu wenig Politik und Plot, und der Weltenbau ist auch dürftig. Von meiner Seite gibt es keine Empfehlung.


Der Schwarze Thron Die Schwestern ⚬ übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer ⚬ Klappenbroschur: 448 Seiten ⚬ Band 1 14,99€

Vielen Dank an Penhaligon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Samstag, 20. Mai 2017

[Rezension] A Court of Wings and Ruin - Sarah J. Maas

Da es sich hierbei um einen dritten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.


Inhalt
Der Krieg gegen Hybern steht kurz bevor. Doch Feyres persönlicher Rachezug beginnt schon viel früher, indem sie von innen heraus gegen Tamlin ankämpft. Doch schon ziemlich bald stellt sich die Frage, wie viele Verbündete sie wirklich zusammentrommeln kann — und ob das genug sein wird.

Meine Meinung
Ich glaube, ich habe einen Prythian-Overkill. Bevor ich A Court of Wings and Ruin begonnen habe, habe ich die ersten zwei Bände noch einmal gelesen, und im Gegensatz zu Throne of Glass hatte ich Feyre tatsächlich irgendwann ein bisschen satt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich das Gefühl hatte, dass Maas sich öfters wiederholt — aber dazu später mehr.
Ich bin im Nachhinein froh, keine unglaublich hohen Erwartungen gehabt zu haben. ACOWAR ist gut, aber es ist im Großen und Ganzen nicht grandios.
Fangen wir jedoch mit den Dingen an, die ich geliebt habe: Wir haben einen unglaublich ausgiebigen Einblick in die anderen Courts bekommen — zu sehen, wie jeder Court andere Eigenheiten hat oder wie die High Lords sich verhalten, hat einfach sehr viel Spaß gemacht. Da ist noch so viel von Prythian, das es noch zu entdecken gibt, und im Nachhinein bin ich nur noch neugieriger.
Ein weiteres Highlight waren die für Maas typischen Plottwists. Ich schreibe typischen, weil es nach neun Büchern von ihr wirklich einfach so ist; sie hat eine Art und Weise, die verschiedenen Stränge zu verknüpfen, die fast schon einzigartig ist. Es gibt wenige Autoren, denen es so oft gelingt, mich perplex vor dem Buch sitzen zu lassen.
Und natürlich könnte ich nicht über diese Trilogie sprechen, ohne all die fantastischen Charaktere zu erwähnen. Sie sind das Herzstück dieser Bücher, und gerade die Entwicklungen, die schon zu Beginn der Trilogie eingeführt wurden, haben sich hier auf eine grandiose Art und Weise weiterentwickelt. Damit meine ich nicht nur die üblichen Verdächtigen Feyre und Rhysand (auch wenn Feyres Entwicklung als Überlebende eines Traumas wirklich sehr sorgfältig konstruiert und beeindruckend ist), sondern gerade die "Neben"charaktere — Lucien, Nesta, Elain, Cassian, Amren, um ein paar zu nennen. Was sie so besonders macht, ist, dass jeder von ihnen seine eigene Geschichte hat; man mag zwar nicht jedes Detail von dieser Geschichte erfahren, doch allein durch die paar Einblicke entsteht eine unglaubliche Dreidimensionalität, von der die Bücher einfach leben. Ich kann gar keinen Favoriten mehr nennen. Ich habe sie alle auf ihre eigene Art und Weise geliebt und das Buch allein schon wegen ihnen genossen.
Was jedoch genervt hat: Dass sich ein paar Sachen bei Maas nach dem Schema F wiederholen. Wieder und wieder macht Feyre etwas Dummes, und Rhys sagt ihr, sie solle das nie wieder machen, und natürlich macht sie es wieder. Oder umgekehrt — Rhys begibt sich in Gefahr, Feyre rastet schier aus, weil Rhys ja nicht jahrhundertealt ist und weiß, was er macht, nicht wahr? Dieses übertriebene Beschützen hat mich einfach irgendwann dazu gebracht, die Augen zu verdrehen. Aber das ist vielleicht schon Kritik auf hohem Niveau.
Denn wahrscheinlich sind es auch die Charaktere, die mich über den etwas... trägeren Teil des Buches hinweggerettet haben. Es wäre übertrieben, zu sagen, dass es langweilig war oder dass nichts passiert ist — aber nach den ersten einhundert Seiten hatte ich schlichtweg das Gefühl, dass die Geschichte stagniert. Das Lesen hat immer noch Spaß gemacht, und es war irgendwie interessant, aber einfach nicht so spannend, dass ich sofort wissen musste, wie es weitergeht. In dem Teil des Buches geht es um mehr und mehr Gespräche, und die meisten von ihnen treten ein wenig auf der Stelle oder drehen sich andauernd um dieselben Themen. Und ja, für mich leider, gibt es auch wieder zahlreiche Sexszenen.

Leichter Spoiler für Empire of Storms und ACOWARDiese fast schon Sexbesessenheit war auch etwas, das mich bei Maas’ anderer Reihe unglaublich frustriert hat. Ich habe die ersten Bände geliebt, aber in Empire of Storms rückte das meiner Meinung nach wirklich Wichtige einfach in den Hintergrund, was so schade ist! Bei ACOWAR war es ähnlich; Feyre und Rhys haben über ihren mating bond andauernd irgendwelche schmutzigen Sachen ausgetauscht, egal, wie ernst die Situation war – als könnten sie keine fünf Minuten an etwas anderes denken. Sie schlafen nicht nur andauernd, sondern selbst im Kriegscamp miteinander, während um sie herum Leute sterben. Ich bin mir sicher, dass es zahlreiche Leute gibt, denen das gefällt. Aber ich habe mich aus anderen Gründen in die Bücher verliebt.

Wie steht es jetzt um die Diversität des Buches? Bereits im Voraus brach eine gigantische Diskussion aufgrund der Acephobia* in Kapitel 3 aus, die auch im Kontext immer noch bedenklich und problematisch ist. Ansonsten würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass Maas es nicht versucht hat; öfters ist von dunklen Hautfarben die Rede, und es werden tatsächlich mehrere bisexuelle bzw. lesbische/schwule Charaktere eingeführt. Meiner Meinung nach ist die Repräsentation ein passabler Anfang, wenn auch noch gehörig Luft nach oben ist; ich habe bei anderen Bloggern/Booktubern allerdings auch andere Perspektiven gehört.

Spoiler für ACOWARMors Sexualität liegt mir dabei besonders am Herzen – sie outet sich als lesbisch, was an sich klasse ist, aber die Art und Weise und vor allem der Zeitpunkt, den Maas dabei gewählt hat, ist katastrophal. Mor befindet sich seit Jahrhunderten in einem liebenden Umfeld: Warum öffnet sie sich ausgerechnet gegenüber Feyre? Warum hat sie vorher einfach nichts gesagt und sich stattdessen entschieden, Azriel leiden zu lassen? Auch das plötzliche Outing wirkte auf mich eher so, als würde Maas verbissen versuchen, mehr Diversität einzubringen. Mor lebt in keiner Gesellschaft, in der Homosexualität abgelehnt wird. Stattdessen lässt sie Azriel willentlich leiden und versteckt sich selbst... aber warum?

Ich kann mich nur wiederholen — es ist ein Anfang, so holprig er auch sein mag. Von Maas' Seite würde ich mir jedoch wünschen, dass sie vielleicht einmal Stellungnahme beziehen würde und sich in Zukunft besser informiert und weiterentwickelt.
Der letzte Punkt, den ich ansprechen möchte, ist natürlich das Ende. Ich war etwas nervös deswegen, schließlich handelt es sich hierbei um den ersten Abschluss einer Reihe, den wir von Maas bekommen haben. Im Nachhinein bin ich etwas zwiegespalten.
Versteht mich nicht falsch: In den letzten hundert Seiten war ich wieder einmal in Maas' Bann gefangen. Ein Plottwist folgte auf den anderen und, ja, auch ich saß wieder heulend im Bett. (Wenn auch nicht so schlimm wie bei A Court of Mist and Fury.) Aber es fehlte einfach etwas. Es war ein grandioses und berauschendes Finale, aber es war nicht vollständig. Es gibt so viele Storylines, die noch in der Luft hängen, was einfach unglaublich schade ist. Ob es schlichtweg Sorglosigkeit von Seiten der Autorin ist oder eine "Masche", um den Leser dazu zu bringen, auch ja die Spin-Offs zu lesen, wenn sie erscheinen — ich weiß es nicht. Ich bin ein wenig enttäuscht, auch wenn ich dem Buch gleichzeitig am liebsten wegen dem Nervenkitzel am Ende fünf Sterne gegeben hätte.
Eigentlich weiß ich selbst Tage später noch nicht so ganz, was ich von A Court of Wings and Ruin halten soll. Es war gut, aber es war immer noch problematisch, und die Story war zu lang und zu kurz an den falschen Stellen. Ganz im Ernst: Die Trilogie als Ganzes betrachtet würde ich niemandem empfehlen. Ich hoffe jedoch, dass es Maas in Zukunft mehr und mehr gelingt, sich von schädlichen Klischees abzuwenden.

Fazit
A Court of Wings and Ruin war ein solider Abschluss, wenn auch das Ende meiner Meinung nach zu offen gestaltet wurde. Vor allem ist es nicht frei von problematischen Aspekten; auch wenn Maas versucht, mehr Diversität zu integrieren, gelingt ihr das nur bedingt. Für Fans der Reihe lesenswert, Interessierten würde ich die Trilogie nicht empfehlen.


A Court of Wings and Ruin ⚬ Taschenbuch: 699 Seiten ⚬ Bloomsbury UK ⚬ Band 3/3 ca. 8,49€

* Ich kenne keinen deutschen Begriff für Acephobia; falls mir jemand damit aushelfen könnte, wäre ich sehr dankbar!

Samstag, 13. Mai 2017

7 Momente, in denen ich mir wünsche, ich würde nicht 99% meiner Zeit mit Büchern verbringen

Lesen ist ein tolles Hobby: Man bildet sich weiter, taucht in fremde Welten ein, muss sich nicht mit anderen Menschen unterhalten... Aber hin und wieder gelange ich in Situationen, in denen ich mir wünsche, ich würde einfach, was weiß ich, Briefmarken sammeln. Weil die Bücherobsession nicht immer so reibungslos verläuft, wie ich das gerne hätte.* Ich stelle euch heute sieben dieser Fälle vor. Kennt ihr noch andere?

* Achtung: Beitrag mit einer Prise Sarkasmus lesen.


1. Bücher mit unterschiedlichen Größen
Ugh. Einfach nur UGH.
Man kann da noch so vorsichtig sein: Gerade bei englischen Büchern drölf Mal kontrollieren, dass man auch die richtige Ausgabe beim richtigen Verlag bestellt hat... dann kommt das Buch an und ist zwei Zentimeter höher als der Vorgänger. WARUM. Solange der Inhalt stimmt, könnte man sagen, ist das ja egal.
... nein. Weil ich jedes Mal, wenn ich auf mein Regal schaue, diesen Größenunterschied sehe und mich frage, womit ich das verdient habe.

2. Coverwechsel
Diese sind noch hinterhältiger. Sie schleichen sich dann an, wenn man die Reihe liebt, unbedingt weiterverfolgen will und dann... beim letzten Buch plötzlich die Cover geändert werden. Was, wenn man mich fragt, ein Verbrechen ist.
Klar gibt's dafür legitime Gründe: Manchmal verkaufen sich die Hardcover nicht so gut, man muss auf Taschenbücher umsteigen, um die Reihe weiter verlegen zu können... aber es hinterlässt trotzdem einen bitteren Beigeschmack. Schließlich war man von Anfang an da und hat das Buch unterstützt! (Das hat man davon!)

3. Treulose Tomaten aka Reihen, die einfach nicht weiter übersetzt werden
MEHR BETRUG. Da greift man zur Übersetzung — aus welchem Grund auch immer — und liest ein, zwei, drei Bücher... und realisiert erst ein Jahr später, dass Teil vier nie übersetzt wurde. Das wäre mit Briefmarken nicht passiert.

4. Hinterhältige Leserillen
Man sagt immer, es gibt zwei Arten von Lesern: Die, die sich nicht um Leserillen kümmern (was mir ein absolutes Rätsel ist), und die, die lieber einen Krampf in der Hand als Knicke im Buchrücken riskieren.
Dabei darf man die Rechnung nicht ohne die Bücher selbst machen. Es gibt nämlich diese ganz fiesen Taschenbücher, die man nur falsch angucken muss und zack, da sind all die fünfhundert Leserillen, die ich niemals haben wollte. Egal, wie sorgfältig man das Buch hält — der Knick kommt früher oder später. Meistens stillheimlich, bis man das Buch zuschlägt und einen Herzinfarkt bekommt. Mindestens.

5. Bibelseiten
Kommt nicht selten vor, wenn die Autoren ein wenig eskalieren und die Fortsetzung einfach fünfhundertmal so lang ist wie der Vorgänger. Man hat das Buch schon vorbestellt und freut sich drauf und schlägt es auf und... reißt fast die halbe Seite aus, weil sie so dünn ist. ARGH. Beim Lesen bloß keine falsche Bewegung machen oder zu laut atmen. Man könnte ja das Buch ruinieren.

6. Bücher, deren Erscheinungsdatum nach hinten verlegt wird
Wieder gilt: Ich weiß, dass es dafür legitime Gründe gibt. Manchmal geht's dem Autor einfach nicht gut genug. Manchmal wird die Geschichte doppelt so lang wie geplant. Oder das Lektorat dauert länger, was weiß ich. Man will "das Beste aus dem Buch rausholen".
Aber das erspart mir trotzdem nicht den Schmerz, den ich verspüre, wenn ich noch länger warten muss. Weil ich nicht nur null Geduld habe, sondern auch noch ein Sieb als Gedächtnis und ich in einem Jahr sicher nicht mehr weiß, was in dem Buch passiert ist... wenn ich mich überhaupt noch an die Namen der Charaktere erinnern kann. #FalschesHobby?

7. Verkappte Trilogien
Davon kann ich auch ein Lied singen. Man liest nichtsahnend ein Buch, das man für einen Einzelband hält, nur um an ein Ende zu kommen, DAS KEIN ENDE IST. Ach, eine Fortsetzung? Es wird eine Trilogie? Und da hätte man mir keine Vorwarnung geben können?
Genauso schlimm: Wenn aus der Trilogie plötzlich eine Hexalogie wird. WARUM. Das Problem ist gar nicht mal unbedingt, dass mir die Bücher nicht gefallen. Gerade das macht es noch schlimmer — was, wenn man merkt, dass die Folgebände einfach die Geschichte unnötig strecken? Dass der/die Autor/in die Lieblingscharaktere zu Monstrositäten gemacht hat?! Diesen bitteren Nachgeschmack wird man nie wieder los. So viele Ansprüche. So viel ANGST. 

Puh. Mein Puls ist schon beim Gedanken an all diese Dinge angestiegen. Ich meine, Lesen ist toll. Bücher sind grandios. Aber manchmal... manchmal sitze ich vor meinem Bücherregal und suhle mich in meinen First World Problems.
Könnt ihr das nachempfinden? Wart ihr auch schon in einer der oben genannten Situationen gewesen oder habt ihr noch weitere Dinge, die euch halb in den Wahnsinn treiben? Wir können zusammen leiden. 👩‍💻

Samstag, 6. Mai 2017

[Rezension] The Young Elites - Marie Lu


Inhalt
Adelina ist eine malfetto — eines der Kinder, das das Blutfieber überlebt hat, wenn auch mit Narben. Für ihren Vater ist sie eine Abscheulichkeit, eine Schande für den Familiennamen.
Manche der Überlebenden haben Fähigkeiten entwickelt, was sie zu Young Elites macht. Adelina, mit dieser großen Dunkelheit in ihrem Inneren, ist womöglich eine von ihnen. Bald überschlagen sich die Ereignisse, und sie kommt in Kontakt mit der Dagger Society — einer fast schon elitären Gruppe Young Elites, die den König stürzen wollen. Adelina könnte ihre Rettung sein. Oder ihr Verderben.

Meine Meinung
Ich hätte The Young Elites fast nicht gelesen. Ich hatte das Buch schon im Hinterkopf, seitdem es im Englischen erschienen ist; habe zahlreiche Meinungen gehört, die meisten weniger begeistert. Dann kam die Publikation in Deutschland, und meine Neugier war wieder aufs Neue entfacht. So sehr, dass ich all die durchschnittlichen Rezensionen aus meinen Gedanken schob und mir sagte: Du hast Marie Lus Legend-Reihe auch geliebt. Versuch's doch einfach.
Ich sollte öfter auf mich selbst hören.
Adelinas Geschichte ist eine von Höhen und Tiefen — mehr Tiefen, um ehrlich zu sein — und natürlich könnte ich dieses Buch nicht rezensieren, ohne über sie zu sprechen. Sie wird oft als Anti-Heldin beschrieben, aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich der Bezeichnung zustimmen kann. Ist sie überhaupt eine Heldin? Wer ist sie? Und wie tief reicht die Dunkelheit in ihr? Ganz im Ernst: Ich kann keine dieser Fragen beantworten. Ihr Charakter hat mich dennoch unglaublich gepackt, gerade, weil er so schwer zu fassen ist — natürlich hat sie ihre guten Momente, denen, in welchen sie eher einer "typischen" Young Adult-Protagonistin entspricht, aber dann tut sie wieder Dinge, die ich weder nachvollziehen noch gutheißen kann, und ich bin einfach unglaublich... fasziniert? Manchmal habe ich sie hassen wollen. Meistens habe ich sie schütteln wollen. Doch am Ende des Buches war ich immer noch interessiert, wollte einfach mehr von ihrer Geschichte. Ich könnte nicht sagen, dass ich sie bewundere. Aber ich glaube, ich mag sie. (Irgendwie.)
Grundsätzlich beweist Lu mit The Young Elites, dass man nicht immer Charaktere braucht, die man gut leiden kann, um ihre Geschichte zu mögen — da ist zum Beispiel Tieren, der Inquisitor, der erst nach Adelinas Leben, dann nach ihren Kräften trachtet. Tieren ist ein unglaublich guter Bösewicht, mit Motiven, die mir beim ersten Lesen fast zu unglaublich erschienen, um wahr zu sein.
Oder Enzo, der Führer der Dagger Society. Wären wir in einem typischen YA-Buch, wäre er wohl das klassische love interest, mit der düsteren Aura und dem faszinierenden Aussehen. Aber auch hier wird der Geschichte Originalität verliehen, denn seine Motive, seine Ziele, sein ganzes Handeln haben mich schlichtweg beeindruckt. Ich glaube, zusammen mit Raffaele — einem weiteren Young Elite, der so sanft und nachsichtig auftritt, dass man es ihm fast nicht abkaufen möchte — ist er mein Lieblingscharakter. Wie Adelina konnte auch ich mich nicht seinem Bann entziehen.
Gut gefallen hat mir auch die Art und Weise, wie das Buch verfasst war, wenn auch es anfangs etwas befremdlich auf mich wirkte — Lu erzählt überwiegend aus Adelinas Sicht im Präsens, wechselt aber manchmal in die dritte Person Präsens, um in die Köpfe anderer Charaktere zu schlüpfen. Dadurch wurde das Spektrum der Geschichte noch einmal größer und nur noch spannender.
Die Geschichte spielt in Kenettra im 14. Jahrhundert, eine Welt, die mich stark an das Italien der Renaissance erinnert hat. Ich habe noch nie eine Geschichte mit solch einem Setting gelesen, und es hat mir unglaublich gut gefallen — Lu gelingt es mühelos, dem Leser Adelinas Welt nahezubringen, nicht zuletzt, weil diese bis ins kleinste Detail ausgearbeitet ist und einfach überzeugt. Normalerweise habe ich so meine Probleme, mich in einem mir fremden Setting zurechtzufinden, aber hier gelang mir die Anpassung mühelos. Auch die Erklärung, die für die Fähigkeiten der Young Elites geliefert wird, war besonders originell und toll integriert.
Warum ich dem Buch dennoch keine volle Punktzahl verleihe, kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht, weil mich die Entwicklung zum Ende hin so unerwartet getroffen hat, dass ich jetzt noch nicht sicher bin, wie die Geschichte weitergehen soll — vielleicht auch, weil ich Adelina doch nicht alles verzeihen kann. Ich glaube, es liegt auf jeden Fall daran, dass ich hin und wieder Adelinas Sicht auf die Dinge etwas zu abrupt fand, weswegen ein paar Ereignisse mich schlichtweg etwas aus der Bahn geworfen haben. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Adelinas Geschichte noch so einiges mehr beinhaltet — und ich sie definitiv weiter verfolgen werde. Letztendlich ist The Young Elites für mich ein weiterer Beweis für Marie Lus Können, und sie kann sich damit in die Ränge meiner Lieblingsautoren einreihen.

Fazit
The Young Elites ist ein gelungener Auftakt mit einer Protagonistin, die mich als Leser immer wieder dazu brachte, meine eigene Auffassung von Moral in Frage zu stellen. Zusammen mit einem actionreichen Plot und einem grandiosen Weltenbau hat mich Marie Lu wieder einmal überzeugen können.


The Young Elites ⚬ Taschenbuch: 384 Seiten ⚬ Speak ⚬ Band 1/3 ⚬ ca. 8,99€ ⚬ Kaufen?

Weitere Rezensionen: Ink of Books ⚬ Zeit zu Lesen

Mittwoch, 3. Mai 2017

[Rückblick] Lesemonat April 2017

Wir sind jetzt an dem Zeitpunkt des Jahres angekommen, wo ich den Versuch, auch nur ansatzweise zu verstehen, wie die Zeit so schnell vergeht, aufgebe.
April war ein Monat, an den ich mich nicht detailliert erinnere, was vor allem daran liegt, dass ich einen Großteil des Monats noch Semesterferien hatte, und Ferien sind doch meistens mehr eine verschwommene Erinnerung als alles andere. Nennenswert im April sind höchstens mein elftes beendetes Manuskript, das eine gehörige Geburt war, und der Beginn meines zweiten Semesters. Und vielleicht noch das Eingeständnis, dass ich auch nicht so reflektiert lese, wie ich es gerne würde.

Im April gelesen habe ich acht Bücher. Das ist okay, aber gerade angesichts der vielen freien Zeit ein wenig... dürftig? Ich hatte auch kein Buch, das mich wirklich gepackt hat, oder das mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. (Kann mich außerdem bitte jemand mal schlagen? Ich hatte The Young Elites im Regal neben mir stehen, war aber schlichtweg zu blöd, es mit aufs Bild zu packen. #ProblemeEinesBuchbloggers)


1) Clockwork Angel - Cassandra Clare (5/5) Reread
Ich bin bekennender Fan von Clares Büchern, und es ist erschreckende sechs Jahre her, seitdem ich Clockwork Angel zum ersten Mal gelesen habe. Da ich im März üble Lust auf Urban Fantasy und viktorianisches London bekam, musste ich die Reihe einfach noch einmal beginnen. Nicht zuletzt wegen Lord of Shadows, das im Mai erscheint. Ich habe es, wenn überhaupt möglich, noch mehr geliebt als beim ersten Mal.

Ich hatte nicht sonderlich hohe Erwartungen an Jackaby, aber irgendwie hat es nicht mal diese erfüllt. Das Buch hatte Potential, war aber letztendlich so kurzweilig, dass es mir jetzt schon schwerfällt, mich daran zu erinnern.

3) Clockwork Prince - Cassandra Clare (5/5) Reread
Bei Clockwork Prince hat mich ganz besonders überrascht, wie wenig ich noch wusste, gerade, was Jem und Tessa anbetrifft. Zu meiner Verteidigung: Es war damals eines der ersten englischen Bücher, die ich je gelesen hatte.

Hier hat mich die Idee besonders fasziniert, denn die Stimme des Erzählers ist sehr originell und auch in die Aufmachung des Buches ist sehr viel Mühe hineingeflossen. Leider hören die positiven Sachen an der Stelle auf — gerade die Charaktere sind schlichtweg unterentwickelt und unsympathisch.

The Crown's Game war einfach fantastisch, von der ersten bis zur letzten Seite. Skye erweckt das Russland des 19. Jahrhunderts zum Leben und füllt es mit einer besonderen Magie und authentischen Charakteren.

6) The Hate U Give - Angie Thomas (5/5) Reread (nicht abgebildet)
Das ist mein letzter Reread von THUG für mindestens dieses Jahr, versprochen! Ich musste nur noch einmal. Ich bin unverbesserlich, ich weiß. (Aber ich habe selbst nach dem dritten Lesen noch neue Dinge entdeckt!)

7) The Young Elites - Marie Lu (4/5) (nicht abgebildet)
Nach einer ewigen Debatte mit mir selbst, habe ich mir das Buch endlich zugelegt. Was soll ich sagen: Ich habe es keine Sekunde lang bereut. Für mich hat's funktioniert. Ausführliche Rezension folgt noch.

8) Clockwork Princess - Cassandra Clare (5/5) Reread
Und, um meinen Lesemonat abzuschließen, das letzte Buch in der Infernal Devices-Trilogie. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich die Trilogie noch mehr liebe als die Mortal Instruments. Vor allem bin ich wieder einmal fasziniert, wie man ein Buch nach all den Jahren anders aufnimmt. War ich damals eine absolute Team Jem-Unterstützerin, fand ich Will dieses Mal viel faszinierender. (Vielleicht musste ich auch einfach ein bestimmtes Alter erreichen, um seinen Charakter völlig zu begreifen.) Wie auch immer — es war mir eine Freude.

Das macht 3428 Seiten, ca. 114 pro Tag. Nicht mein bester Monat, wie gesagt, aber immer noch voll in Ordnung.

Mai... ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Hatte ich die letzten Monate keinen wirklichen Plan, erscheinen diesen Monat so viele Bücher, dass ich am liebsten noch einmal Semesterferien haben möchte, um sie alle inhalieren zu können. Spontan fallen mir ein, dass Seeker von Veronica Rossi, Lord of Shadows von Cassandra Clare, The Crown's Fate von Evelyn Skye und Giants — Zorn der Götter von Sylvain Neuvel erscheinen werden; Sarah J. Maas' A Court of Wings and Ruin* ist bereits gestern rausgekommen. Vor all diesen Büchern will ich Riders, Lady Midnight und natürlich A Court of Thorns and Roses und A Court of Mist and Fury noch einmal lesen. Vermutlich werde ich einiges auf den Juni schieben; diesen Monat sollten mich außerdem noch zwei Rezensionsexemplare erreichen.

(Außerdem sind Pläne dazu da, um über den Haufen geworfen zu werden. Wahrscheinlich verfalle ich wieder den Stresskäufen. Ich habe den Post gestern, am Dienstag, geschrieben, und heute bereits wieder ein Buch stressgekauft (das ist jetzt ein Verb, okay). So viel dazu. 😂)

Genug von mir. Wie war euer Lesemonat April? 👩‍💻

* Ich werde A Court of Wings and Ruin doch lesen. Hauptsächlich, weil ich gehört habe, dass Maas tatsächlich mehr Diversität eingebracht haben soll, und ich mir einfach meine eigene Meinung bilden will.

Freitag, 28. April 2017

"Das Buch ist problematisch, aber..."

Das ist jetzt schon der härteste Beitrag, den ich jemals geschrieben habe. Vermutlich ist es auch der ehrlichste.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werdet ihr mehr oder weniger intensiv von den Diskussionen Wind bekommen haben, die derzeit in (Buch)Bloggerkreisen stattfinden. Von unglaublich wichtigen Diskussionen. Gerade Paper Princess stieß eine regelrechte Kaskade an Beiträgen los. Ein Buch, das für Jugendliche vermarktet wird und von vielen in den Himmel gelobt wird — trotz gewaltverherrlichender Inhalte. Trotz einer minderjährigen Protagonistin, die sich prostituiert. Trotz vieler, vieler anderer Probleme.

Während die Diskussion größer und größer wurde, kam mir immer öfter der Gedanke: Wie kann man so ein Buch lesen und nicht die Problematik erkennen? Dann sah ich letztens eine Frau in der Buchhandlung, die nach dem dritten Teil ebendieser Reihe fragte. Und zwei Mädchen, die vor dem Regal voller pseudo-erotischen, frauenfeindlichen Romane standen und sich über diverse Titel unterhielten. Da wurde das Ganze plötzlich um einiges realer. Diese abstrusen Rezensionen waren auf einmal nicht mehr so abstrakt. Ich hatte das Bedürfnis, die Leute zu schütteln. Zu rufen: Wie könnt ihr so etwas immer noch in Buchhandlungen ausstellen? Wie kann so etwas überhaupt durchs Lektorat kommen?

Ich sagte mir, dass ich besser sei. Dass ich niemals so ein Buch in den Himmel loben würde, und erst recht nicht würde ich die Inhalte unter den Tisch kehren. In den letzten Monaten bin ich schließlich aufgewacht. Ich habe endlich begriffen, warum Diversität so wichtig ist, und vor allem angefangen, Bücher zu lesen, die nicht nur heterosexuelle Beziehungen mit weißen, überdurchschnittlich attraktiven Figuren in den Vordergrund stellen. Ich habe angefangen, das, was ich lese, zu hinterfragen: Ist das eine gesunde Beziehung? Warum ist es problematisch, wenn Daemon Katy als "dumme Nuss" bezeichnet? Und warum sind eigentlich alle weißer als Mayonnaise? Ich fühlte mich, als wäre ich vom Weg abgekommen und hätte jetzt eine Erleuchtung gehabt.

Dabei habe ich selbst damals Obsidian in den Himmel gelobt, was in Retrospektive ebenso problematisch ist. Aber das war 2014, sagte ich mir. Jetzt weißt du es besser. Du bist damals genauso manipuliert worden wie alle anderen Teenager. Die meisten Bücher haben ihren Reiz verloren, sobald ich im Klappentext nur lese, dass ein mysteriöser Typ auf den Plan tritt. Alles, was mit New Adult betitelt wird, beäuge ich skeptisch. Ich lese Beiträge, die ausführen, warum der neue Film mit Scarlet Johansson rassistisch ist.

Aber dabei ignoriere ich die Bücher einer ganz bestimmten Autorin. Die ich auch hier auf dem Blog in den Himmel gelobt habe. Die ich auf verschiedenen Social Media-Kanälen angepriesen habe. Deren Bücher für mich fast eine Art Bibel waren. Und ich realisiere, dass ich mich die ganze Zeit selbst belogen habe. Dass ich mich für besser hielt. Aber am Ende des Tages war ich auch eine derjenigen, die vor problematischen Inhalten die Augen verschlossen hat. Die dachte: Ach, das ist doch nur Gelaber. Die haben sich eben auf die Autorin eingeschossen. Oder, auch ein Klassiker: Das ist Fantasy.

Vermutlich könnt ihr euch mittlerweile denken, um wen es hier geht. Vielleicht habt ihr sogar mitgekriegt, auf was genau ich anspiele. Richtig: Es ist Sarah J. Maas. Ich habe sämtliche ihrer Bücher, die bis dato erschienen sind, gelesen und rezensiert. Ich habe sie geliebt. Ich weiß nicht, ob ich sie immer noch liebe.

Wisst ihr, wenn man zumindest ein wenig in einem Fandom unterwegs ist, dann kriegt man eben auch Wind von "Hatern". Man entdeckt bei anderen Bloggern negative Rezensionen und will das so gar nicht wahrhaben. Das Buch irgendwie verteidigen. Man sucht nach Gründen, weswegen die Rezensenten unrecht haben. Denn schließlich ist ja jede Meinung berechtigt, genau?

Nein.

Schon allein, weil man die Inhalte von Paper Princess auch nicht objektiv gut finden kann. Oder Den Mund voll ungesagter Dinge oder Trinity oder wie sie alle heißen.

Aber ich kann doch die problematischen Inhalte eines Buches sehen, darauf aufmerksam machen und das Buch trotzdem lieben, oder?

Kann ich das? Ich habe mir die Frage schon vor Monaten gestellt. Damals habe ich sie mit ja, klar beantwortet. Natürlich kann ich das. Heute sehe ich das nicht mehr so. Heute weiß ich gar nicht mehr, was ich sagen soll.

Ich wollte zuerst argumentieren, dass in der Throne of Glass-Reihe das Problem ja "nur" darin besteht, dass die Charaktere zu 99% weiß sind und heterosexuelle Beziehungen führen und allein schon, dass jeder unbedingt einen sexy Fae-Partner haben muss. Aber wer bin ich, zu sagen, dass Rassismus weniger problematisch ist als Ellas Prostitution in Paper Princess? Eben. Da gibt es kein Abwägen. Es ist beides verdammt noch mal ein Problem. Es ist sogar ein Problem, über das gesprochen wird. Aber die Fans — und da nehme ich mich nicht aus! — verschließen davor die Augen. Geht ja um die Lieblingsbücher. Kann gar nicht sein, dass die problematisch sind. Ist alles nur Fiktion! Die Leute motzen doch bloß, weil [hier absolut nicht legitimen Grund einfügen].

Oder A Court of Thorns and Roses. (Leichte Spoiler für den ersten Band folgen.) Ich habe das Buch zum ersten Mal vor etwas über einem Jahr gelesen. Damals kam es mir schon komisch vor, dass die Fae auf dem Fest ihren Trieben nachgehen müssen. Dass Tamlin sich fast auf Feyre stürzt. Aber ich hab's auf mein Alter geschoben. Habe nicht weiter darüber nachgedacht. Aber das hat nichts mit dem Alter zu tun. Höchstens damit, dass zu wenig darüber gesprochen wird, dass Männer sich nicht wie liebesgeile Tiere auf Frauen stürzen und sich dabei einen Sch*** um die Zustimmung der Frau kümmern sollten. Jetzt lese ich das Buch zum zweiten Mal. Schließlich kommt nächste Woche der letzte Band der Trilogie raus. Aber zum ersten Mal in meinem Leben lese ich ein Maas-Buch und es schüttelt mich einfach. Das Weiterlesen ist fast schon schmerzhaft.

Das war der fast-Auslöser für diesen Beitrag. Den letzten Anstoß hat mir dann folgendes gegeben:
Wisst ihr, als allererstes hat mein Kopf wieder nach Ausreden gesucht. Ich würde abwarten, bis A Court of Wings and Ruin draußen ist und mir dann selbst ein Bild machen. Die beiden Charaktere in dem Ausschnitt sind Zwillinge. Und so weiter und so fort. Dieses Rechtfertigungs-Denken ist so tief in mir drinnen, dass es zum Reflex geworden ist. Es erschreckte mich selbst. Es führte dazu, dass ich vor meinem Laptop saß und dutzende Diskussionen zu dieser Leseprobe durchlas, neben mir wohlgemerkt das Exemplar von A Court of Thorns and Roses. Und ich überlegte, wie ich es rechtfertigen würde, wenn ich mir A Court of Wings and Ruin zulegen würde. Was, wenn ich es mögen würde? Was, wenn ich es nicht mögen würde? Wie sollte ich das rezensieren?

Wie sollte ich das rezensieren und dabei noch länger ignorieren, dass die Frau, die ich als Lieblingsautorin beschrien habe, verdammt üble Dinge in ihren Büchern stehen hat? Wie sollte ich das rezensieren und über diese Dinge reden, ich, die das alles sonst gefeiert hat? Macht mich das zu einem schlechten Fan?

Aber bin ich überhaupt noch ein Fan? Vor allem, was habe ich getan? Schließlich habe ich diese Bücher empfohlen. Es gibt genug Leute in meinem Umfeld, die die Throne of Glass-Reihe oder die ACOTAR-Bücher wegen mir zur Hand genommen habe. Und irgendwie fühle ich mich, als hätte ich versagt. Ich fühle mich elend, und das zurecht. Denn auch ich habe eine Vorbildfunktion, jedes verdammte Mal, wenn ich hier auf Veröffentlichen drücke.

Ich weiß nicht mehr, was ich mit dem Beitrag sagen wollte. Ich weiß nur, dass ich es sagen musste, weil ich es nicht länger nicht sagen konnte. Weil ich auch weiß, dass es unter euch viele Maas-Fans gibt, und es tut mir leid, aber irgendwie können wir das Ganze nicht mehr totschweigen. Nein, es tut mir nicht leid. Es tut mir nur leid, dass ich ebenfalls nicht besser war. Dass ich ebenfalls zu den "Das Buch ist problematisch, aber..."-Sagern gehöre. Gehörte? Ich hoffe, gehörte.

Ich weiß nicht, ob ich A Court of Wings and Ruin kaufen werde. Ich denke, dass ich die Throne of Glass-Reihe beenden werde, wenn es so weit ist. Macht mich das zu einem schlechteren Menschen? Das weiß ich nicht. Aber ich kann mit Sicherheit eines sagen: Ich werde nicht mehr die Klappe halten, wenn ich es komisch finde, dass jetzt jeder Charakter ein Loveinterest hat. Ich werde nicht mehr still sein. Denn der Status "Lieblings"-irgendwas schützt kein Buch, keinen Autor vor seinen Fehlern. Niemals.



Weitere Links:

Über Paper Princess' Problematik: Paper Princess, ein Exempel; Oder: Was zur Hölle ist los mit euch?! ಠ_ಠ von Bücher verschlingen.

Eine Rezension zu Den Mund voll ungesagter Dinge und warum das Buch ein schlechtes Vorbild für Heranwachsende ist.

Über A Court of Thorns and Roses von Bücher verschlingen: "Eine Neuerzählung von Die Schöne und das Biest, mit rapey biest-Biest und seinen Vergewaltiger-Freunden."

Auch sehr lesenswert: die Rezension zu ACOTAR von Mareike.

Eine exzellente Link-Sammlung von Artikeln rund um das Frauenbild in Büchern (erneut von Bücher verschlingen): Paper Princess, ein Exempel; oder: Es hat begonnen.

Ein Video von whittynovels über schädliche Beziehungen in Young Adult.

Und zuletzt noch der Blog Writing with Color, an dem einfach alles grandios ist — nicht zuletzt, weil er über all die PoC-Tropes spricht, die viel zu viele von uns viel zu lange hingenommen haben.

Nina C. Hasse hat einen exzellenten Beitrag über Probleme in Liebesromanen geschrieben.

(Wer mehr Beiträge hat, nur her damit: Ich würde euch gerne verlinken.)

Mittwoch, 26. April 2017

[Rezension] The Crown's Game - Evelyn Skye


Inhalt
Vika ist ein Enchanter — eine mächtige Magierin, deren Kräfte eines Tages dem Zar dienen sollen. Ihr ganzes Leben lang wurde sie von ihrem Vater auf die Rolle vorbereitet.
Doch da ist auch noch Nikolai, der ebenfalls seit Jahren trainiert wurde. Ein zweiter Enchanter, was die beiden in eine Konstellation bringt, die höchstens alle paar hundert Jahre vorkommt. Denn wenn es zwei von ihnen gleichzeitig gibt, bleibt nur eine Option: The Crown's Game, ein Wettbewerb auf Leben und Tod.

Meine Meinung
The Crown's Game war zu hundert Prozent ein Impulskauf. Ich hatte von dem Buch schon eine Weile gehört, und schließlich war es eine Rezension, die mir den letzten Stoß gab. Ein paar Tage später hielt ich es in den Händen; ein paar weitere Tage später schlug ich es zu und war mir nicht ganz sicher, was ich da gerade gelesen habe. Grundsätzlich ist The Crown's Game ein Buch, das mit den Erwartungen des Lesers spielt und dann doch einen ganz anderen Weg einschlägt.
Darüber hinaus ist es ein Werk, das vorrangig von den Charakteren lebt und weniger von actionreichen Szenen. Da sind natürlich Vika und Nikolai, die beiden Enchanter, aber auch Pasha, der Zarewitsch, Nikolas bester Freund und zuletzt der Sohn des Zars, des Mannes, der das Spiel erst initiiert hat.
Vika war meine absolute Favoritin des Trios. Zu ihr habe ich nicht nur die größte Verbundenheit gespürt, sondern sie hat mich schlichtweg mit ihrer Art beeindruckt — sie ist unglaublich willensstark und liebt ihren Vater über alles; gleichzeitig kämpft sie mit sich selbst, fragt sich, ob sie Nikolai einfach kaltblütig töten kann, um den Wettkampf zu gewinnen.
Nikolai mochte ich zumindest anfangs weniger — vermutlich, weil ich manchmal das Gefühl hatte, keinen richtigen Draht zu ihm zu finden. Dennoch war es spannend zu sehen, wo die Schwerpunkte seiner Fähigkeit im Gegensatz zu Vikas liegen. Außerdem ist er einer dieser Charaktere, die man erst im Nachhinein richtig zu schätzen weiß; wie zum Beispiel seine Selbstlosigkeit, die er hinter seinen Taten versteckt.
Ein wenig an Rhy aus A Darker Shade of Magic erinnert hat mich Pasha: Ein Thronfolger, der noch nicht wirklich bereit ist, die Bürden des Königsreichs auf den eigenen Schultern zu tragen — und es dennoch viel zu früh tun muss. Allein dafür habe ich ihn ins Herz geschlossen; er ist einfach ein unglaublich lebensfroher Charakter, immerzu optimistisch (anfangs sogar noch etwas naiv) und einfach so... weltoffen. Er macht, ohne zu viel zu verraten, meiner Meinung nach auch die spannendste Entwicklung durch. Leider geht sie etwas zu schnell vonstatten, was besonders im Kontrast zu dem gemächlicheren Tempo des Buches mich etwas aus der Bahn warf. Aber das ist eine Kleinigkeit; bei The Crown's Game ist jede Kritik auf hohem Niveau.
Evelyn Skye hat den Wettkampf zwischen Nikolai und Vika grundsätzlich ganz anders gestaltet, als ich erwartet habe; ich dachte eher an Kämpfe auf Leben und Tod wie bei The Hunger Games oder Throne of Glass. Stattdessen entwickelte sich der Wettbewerb eher wie ein Schachspiel; ein Enchanter macht seinen Zug, dann kommt der nächste... bei den einzelnen Runden nahm sich Skye ausreichend Zeit, um die Magie darzustellen und sie vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen.
Ich muss sowieso anmerken, dass sowohl der Weltenbau als auch die Ausgestaltung der Magie vollkommen gelungen ist. The Crown's Game spielt in Russland, und aus dem Nachwort der Autorin lässt sich schließen, dass sie sich tatsächlich an einen großen Teil der historischen Gegebenheiten gehalten hat. Durch ihr Studium wurde ihr bereits die meiste Recherche abgenommen, was ich besonders spannend finde. Ich kann nicht für eine korrekte Darstellung sprechen, aber zumindest so viel sagen: Vikas Russland ist vor meinen Augen zum Leben erwacht.
Mein Highlight dieses Weltenbaus: Dass Magie fast schon wie eine Religion behandelt wird. Entweder man glaubt daran — oder tut es nicht. Die Leute, die nicht daran glauben, erfinden unglaublich faszinierende/schräge Ausreden für bestimmte Phänomene. Das war einfach ein i-Tüpfelchen, das mich immer wieder zum Schmunzeln brachte.
Obwohl das Tempo der Geschichte zur Mitte hin etwas langsamer wird, nahm das Ende nur umso mehr Fahrt auf und ließ mich vollkommen schockiert zurück. Zwei gute Nachrichten: The Crown's Game ist der Auftakt einer Dilogie. Der zweite Teil erscheint im Mai. Mehr will man als Leser doch nicht hören, oder?
Es war wirklich ein fantastisches Debüt. Eines, dem man anmerkt, wie viel Arbeit hineingeflossen ist.  Es gibt nur kleinere Schwächen: Manchmal bewegt sich die Geschichte einfach zu langsam. Hin und wieder fehlte mir ein wenig der Draht zu den Charakteren. Aber abgesehen davon hat mich das Russland der Charaktere mit offenen Armen empfangen — und ich bin unglaublich gespannt, zu welchem Ende Vikas, Nikolais und Pashas Geschichte gelangen wird.

Fazit
The Crown's Game ist ein unglaublich gutes Debüt, das mit faszinierenden Charakteren, einem grandiosen und bildhaften Weltenbau und seiner ganz besonderen Magie beeindruckt. Für all die, die Geschichten lieben, die von ihren Charakteren und einem prächtigen Weltenbau leben — und erst recht etwas für Fans von Leigh Bardugos Grischa-Werken.


The Crown's Game ⚬ Taschenbuch: 416 Seiten ⚬ Balzer + Bray ⚬ Band 1/2 ⚬ ca. 9,99€ ⚬ Kaufen?

Samstag, 22. April 2017

8 Anzeichen, dass dein Schreibleben langsam überhand nimmt


Ich habe auf dem Blog schon ein paar Mal über das Schreiben geredet. Vor ein paar Tagen habe ich mein elftes Manuskript beendet und plane jetzt gerade das nächste Projekt. Das läuft aktuell etwas zäh, aber immerhin gab es mir die Idee für den Beitrag. Ich wette, dass es unter euch auch den ein oder anderen Hobbyschreiber/Autor gibt. Für all die anderen: Nächste Woche kommt wieder eine Rezension.

Lange Rede, kurzer Sinn — auf geht's. 8 Anzeichen, dass dein Schreibleben langsam überhand nimmt.

1. Du bist überall, aber nicht hier
Eigentlich sitze ich mit meiner Mutter beim Essen. Aber irgendwann schweift mein Blick ab und ich schaue eigentlich nirgendwo mehr hin, weil ich in Gedanken bei meinem Plot bin. Ich wollte ja schon längst damit fertig sein. Aber da sind immer noch die zwei Lücken, die ich geflissentlich ignoriere. Und für die fünfundzwanzig Nebencharaktere brauche ich noch Namen. Mit total cooler Bedeutung, die außer mir niemals jemand verstehen wird.
Mama wiederholt ihre Frage ein zweites Mal. Vielleicht kriegt sie dieses Mal sogar eine Antwort.

2. Deine Aufmerksamkeit erreicht einen Tiefpunkt
Nicht, weil ich nicht aufmerksam sein will. Aber Spotify spielt auf einmal das Lied, das mich total an meine Protagonisten erinnert. Plötzlich muss ich mit den Tränen kämpfen, weil ich fast schon stolz auf das super dramatische Ende bin, das ich geplant habe.

3. Pinterest ist nicht länger dein bester Freund
Es ist so viel mehr als das: Ich könnte schließlich neue Bilder finden, die perfekt die Atmosphäre meines Projekts einfangen. Oh, ein Model, das genau wie meine Protagonistin aussieht? Ein Spruch, der die Einstellung meines Nebencharakters wiedergibt?
Ganz im Ernst: Ich habe mich schon mehrmals auf eine stundenlange Suche begeben, um die Namen von verschiedenen Models herauszufinden. Ich folge zweien auf Instagram, die tatsächlich genau so aussehen, wie ich mir die Charaktere vorgestellt habe. Schäme ich mich? Ein wenig. Aber man tut, was man tun muss.

4. Du verlässt öfter denn je das Haus
Normalerweise zähle ich mich eher zu den Eremiten unter den Schreiberlingen. Aber seitdem ich mir vorgenommen habe, diese Geschichte wirklich zu plotten und daraus resultierend ein Problem nach dem anderen auf mich wartet, habe ich das Spazierengehen für mich entdeckt. Jetzt laufe ich wie eine Blöde durch die Gegend und spreche in mein Handy, wenn mir endlich eine Lösung einfällt*.

* Mit jeder Lösung kommen mindestens fünf neue Probleme.

5. Und nachdem du einen Überschuss an frischer Luft hast, verlässt du dein Bett nicht mehr
Vorteil: Ich verhalte mich nicht mehr auffällig in der Öffentlichkeit.
Nachteil: Ich kann nicht einmal normal im Bett liegen. Stattdessen habe ich die Fötus-Haltung bezogen und frage mich, wie ich jemals glauben konnte, dass die Geschichte funktionieren würde.

6. Du weißt nicht, was höher ist: Dein Koffein- oder Zuckerkonsum?
Aber wem will ich hier was erzählen.
(Außerdem gibt es nur eine richtige Antwort darauf: Beides.)

7. Wenn dir ein neuer Logikfehler auffällt, hast du eine Sinnkrise
Oder du bist wie ich: Nachdem ich den ganzen Plot fünfmal umgeworfen habe, kann mich nichts mehr schocken. Ich bin schon betäubt.

8. Aber du freust dich auch wie ein kleines Kind, wenn etwas tatsächlich funktioniert
Wenn es richtig klick macht. Wenn all die Zahnrädchen, die ich vorher so sorgfältig konstruiert habe, ineinander greifen. Dann weiß ich wieder, warum ich all das mache: Weil ich es liebe.

Im Ernst: In wie vielen Anzeichen habt ihr euch wiedererkannt? Fallen euch noch mehr ein? Und —wie gefallen euch solche Beiträge?
In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Samstag, und viel Erfolg mit euren Projekten. Schokolade mag nicht gegen existenzbedrohende Schreibkrisen helfen, aber Salat tut das ja auch nicht.

Mittwoch, 19. April 2017

[Rezension] Me and Earl and the Dying Girl - Jesse Andrews


Inhalt
Greg verbringt seine Freizeit hauptsächlich damit, mit seinem besten Freund Earl Filme zu machen, die niemals jemand zu Gesicht bekommt. Sein Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als seine Mutter ihn überredet, sich mit Rachel anzufreunden — Rachel, die mit Leukämie diagnostiziert wurde und nicht mehr lange zu leben hat.

Meine Meinung
Es ist eine dieser Rezensionen, bei der ich keine Ahnung habe, wie ich den Inhalt des Buches zusammenfassen soll. Allerdings nicht, weil zu viel passiert. Auch nicht, weil ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Nicht einmal, weil der Inhalt des Buches schwer zu beschreiben ist. Es liegt schlichtweg daran, dass ich keine Ahnung habe, was Jesse Andrews mit Me and Earl and the Dying Girl bezwecken wollte.
Zuallererst muss man dem Buch eins lassen: Es ist in seiner Aufmachung und Erzählweise unglaublich originell. Greg wendet sich direkt an den Leser. Er spricht über das Aufschreiben seiner Geschichte, und wie schwer ihm das Schreiben fällt. Manchmal gibt er das Geschehene in Listen wieder, oder aber in Form eines Filmskripts. Das gefiel mir unglaublich gut, und man merkt auch, wie viel Mühe in die Gestaltung geflossen ist.
Und ganz im Ernst: Ich mochte Gregs Stimme. Selbst Bücher, die als humorvoll beschrieben werden, bringen mich selten zum Grinsen, geschweige denn zum Lachen; bei Me and Earl and the Dying Girl gab es allerdings mehrere Momente, in denen ich laut gelacht habe. Zumindest das kann Greg dem Leser gut vermitteln.
Ich habe oben bewusst geschrieben, dass ich Gregs Stimme mochte — Greg als Protagonist war mir nämlich im besten Fall gleichgültig, gegen Ende hin habe ich mich zunehmend über ihn aufgeregt. Zu Beginn des Buches brüstet er sich noch damit, wie stolz er darauf ist, dass es ihm gelingt, in der Schule keiner wirklichen Gruppe anzugehören und einfach so unsichtbar wie möglich zu sein. Aber diese Hauptsache-niemand-bemerkt-mich-Haltung überträgt er auch auf alle anderen Bereiche seines Lebens. Er kümmert sich nicht um seine Noten. Er kümmert sich nicht darum, auf welches College er geht. Selbst um seine proklamierte Liebe zum Filmemachen kümmert er sich nicht. Es machte einfach auf mich den Eindruck, als würde er sich nicht im Geringsten darum bemühen, auch nur irgendetwas aus sich zu machen, und das war unglaublich frustrierend für mich.
Earl konnte ich noch weniger ausstehen. Seine Familie wird erschreckend beschrieben; sein Haus ist in einem katastrophalen Zustand, seine zahlreichen Brüder prügeln sich regelmäßig, gehen selten bis nie zur Schule und haben auch noch etwas mit Drogen am Hut. Greg verwendet bei Earls Beschreibung Einschränkungen: Die Drogen habe er aufgegeben. Jetzt rauche er nur noch. Was mich an Earl aber am meisten gestört hat, war seine unglaublich vulgäre Ausdrucksweise. Jedes zweite Wort war irgendeine Beleidigung, idealerweise noch vollkommen sinnfrei aneinander gehängt. Generell machen seine Dialoge mit Greg keinen Sinn: Jeder versucht nur, den anderen in irgendwelchen abstoßenden Ausdrücken zu übertrumpfen. Earl hat seine besten Momente gegen Ende des Buches, als er aus irgendeinem Grund plötzlich anfängt, lauter Weisheiten von sich zu geben. Außerdem ist er der Einzige, der Rachel gegenüber so etwas wie Empathie zeigt. Die Entwicklung ist mir ein Rätsel — genau wie Earls Freundschaft mit Greg —, aber in diesen Momenten war er mir zumindest wesentlich lieber als Greg.
Besonders schade ist, dass Rachels Geschichte hinter all dem verloren geht. Man sollte vom Titel ausgehend meinen, dass sie zumindest einen gewissen Anteil an der Geschichte hat, aber ganz im Ernst, die (wohl gemerkt anfangs von Gregs Mutter erzwungenen) Treffen bestehen meistens darin, dass Greg Rachels große Schneidezähne auffallen und dass Rachel nicht wirklich viel sagt und dass Greg deswegen anfängt, viel zu reden, und sie früher oder später zum Lachen bringt. Ich kann nicht mal sagen, ob ich Rachel mochte oder nicht, weil ich schlichtweg das Gefühl hatte, sie gar nicht zu kennen.
Das Ding ist, ich habe mich nicht schlecht unterhalten gefühlt. Im Gegenteil, ich hatte das Buch in drei Tagen ausgelesen und der Erzählstil und die Aufmachung haben mich wirklich fasziniert. Es ist schlichtweg schade, dass das Buch keinen roten Faden hat. Greg fängt irgendwo an und hört irgendwo anders auf. Als Leser wird man da zwangsweise enttäuscht. Vielleicht ist man auch einfach verwöhnt — schließlich bekämpfen die meisten Protagonisten das Böse und retten die Welt und kriegen am Ende noch einen tollen Job. (Oder so.) Aber zumindest was die Originalität anbetrifft, kann Me and Earl and the Dying Girl punkten. Was den Rest anbetrifft... eher weniger.

Fazit
Me and Earl and the Dying Girl ist ein Buch, bei dem ich mir auch Tage später nicht so sicher bin, was es aussagen wollte. Fest steht: Es ist kein typisches Krebsbuch, und grundsätzlich ist die Aufmachung sehr originell und faszinierend. Leider konnte ich weder den Protagonisten Greg noch seinen "besten Freund" Earl so richtig ausstehen, daher gibt es von mir an der Stelle keine Empfehlung.


Me and Earl and the Dying Girl ⚬ Taschenbuch: 304 Seiten ⚬ Amulet Books ⚬ Einzelband ⚬ Preis: ca. 9,99€ ⚬ Kaufen? 

Samstag, 15. April 2017

[Talk About Books] 5 Lesenswerte Einzelbände

Einzelbände haben ihren eigenen Reiz. Man weiß, dass man beim Beenden des Buches nicht monate- oder jahrelang* auf eine Fortsetzung warten muss**. Das Ende steht fest. Man lässt sich nur auf ein  einziges Abenteuer mit den Charakteren ein. Wenn's nicht so gut ist, was soll's - man gerät ja nicht in Versuchung, noch einen zweiten oder dritten Band kaufen zu müssen. Vor allem lässt man sich nicht auf eine Trilogie ein, die dann plötzlich zu einer Hexalogie wird. Und Einzelbände können auch nicht unter dem Band-2-Durchhänger leiden.

Vor allem gibt es, gerade, wenn es um Fantasy geht, viel zu wenig Einzelbände. (Wer da gute Empfehlungen hat - nur her damit!) Und so sehr ich doch ein Reihen-Fan bin, liebe ich es doch immer mal wieder, einen guten Einzelband zu lesen. Deshalb stelle ich euch heute fünf Einzelbände aus verschiedenen Genres vor - hoffentlich ist für jeden von euch was dabei. Lasst mir am Ende des Posts doch mal einen Einzelband da, den ihr geliebt habt!

* Jahrzehntelang, wenn man den Fehler gemacht hat, sich auf George R. R. Martin einzulassen.
** Es sei denn, man beendet ein Buch und stellt dann erst fest, dass es doch kein Einzelband war. Dann fühlt man sich erst einmal betrogen.

1. The Song of Achilles - Madeleine Miller

Worum geht's? Um Achilles und Patroclus; erst um ihre Freundschaft, später um ihre Liebe, die durch den Trojanischen Krieg, in den Achilles gezogen wird, wieder und wieder auf die Probe gestellt wird.
Warum ihr es lesen solltet: Miller gelingt es, die griechische Mythologie einfach und verständlich rüberzubringen - Vorkenntnisse braucht man nicht. Außerdem ist der Schreibstil ein einziges Meisterwerk, vermutlich ist es sogar das am besten geschriebene Buch, das ich jemals gelesen habe. Achtung: Rechnet damit, dass das Buch euch mehrmals das Herz brechen wird. Dafür bekommt ihr wundervolle Charaktere und eine Geschichte über Schicksal, Moral und Liebe.

ausführliche Rezension ⚬ Kaufen? ⚬ deutsche Übersetzung: Das Lied des Achill


2. The Hate U Give - Angie Thomas

Worum geht's? Um die sechzehnjährige Starr, die zusehen muss, wie ihr bester schwarzer Freund Khalil von einem weißen Polizisten erschossen wird. Als der Mord in den Medien auseinander gepflückt wird, lernt Starr allmählich, wie wichtig ihre Stimme ist.
Warum ihr es lesen solltet: Ganz im Ernst: Wenn ihr The Hate U Give noch nicht gelesen habt, worauf wartet ihr?* Ich weiß, ich rede andauernd über das Buch, aber das Thema ist einfach wichtig. Wir können nicht länger vor den Ungerechtigkeiten die Augen verschließen, die die ganze Zeit um uns herum passieren. Wem das noch nicht genügt: Das Buch überzeugt nicht nur wegen der Thematik, sondern allein schon wegen Starr und der Dynamik ihrer Familie. Trotz des düsteren Themas erwischt man sich stellenweise beim Grinsen.

ausführliche Rezension ⚬ Kaufen? ⚬ deutsche Übersetzung (erscheint am 24.7.): The Hate U Give

* Legitimer Grund: Ihr wartet auf die deutsche Übersetzung.

3. Was ich euch nicht erzählte - Celeste Ng

Worum geht's? Lydia ist tot. Zurück bleibt ihre Familie - und die Dinge, die sie nicht aussprechen.
Warum ihr es lesen solltet: Celeste Ng zeichnet ein berührendes Familienportrait. Hier geht es nicht um Action, sondern um die Charaktere - und was für welche es sind. Das Buch, das in den 1970ern spielt, spricht nicht nur die Themen Familie und Verlust an, sondern beschäftigt sich auch intensiv mit Migration und den damit verbundenen Stereotypen. Es ist einfach bereichernd - auch gerade für diejenigen, die (wie ich) sonst weniger in dem Genre unterwegs sind.


4. Heartless - Marissa Meyer

Worum geht's? Um Cath, die den König heiraten soll, an dem sie kein Interesse hat — eigentlich will sie nur ihre eigene Bäckerei eröffnen. Doch das Schicksal hat andere Pläne... (Eine Art Vorgeschichte der Königin der Herzen aus Alice im Wunderland.)
Warum ihr es lesen solltet: Weil es einfach perfekt die quirlig-abgedrehte Atmosphäre des "originalen" Wunderlandes einfängt. Meyer gelingt es, den Leser in den Bann zu ziehen — und am Ende reihenweise Herzen zu brechen.


5. We Are Okay - Nina LaCour

Worum geht's? Um Marin, die nach dem Tod ihres Großvaters mit nichts mehr als ihrem Handy und ihrem Geldbeutel in ein neues Leben geflohen ist. Doch jetzt kann sie ihrer Vergangenheit — und ihrer Trauer — nicht länger davon laufen.
Warum ihr es lesen solltet: Weil es eines dieser Bücher ist, das einfach dort trifft, wo's wehtut. Außerdem kann man es wunderbar in einer Sitzung lesen. Wie Was ich euch nicht erzählte, zielt We Are Okay mehr auf die Charaktere ab als auf die Handlung, aber der Fokus liegt absolut richtig, was nicht zuletzt an LaCours wunderbar poetischem Schreibstil liegt.


Jetzt würde ich gern euren Input hören: Was hält ihr von solchen Beiträgen, in denen ich euch Bücher zu einem gewissen Thema / mit einer Gemeinsamkeit vorstelle? Kennt ihr irgendeines der Bücher? Lest ihr lieber Einzelbände oder stürzt ihr euch regelrecht auf Reihen?

Ich für meinen Teil widme mich jetzt wieder meiner aktuellen Lektüre — The Crown's Game von Evelyn Skye —, bei der es sich auch um den Auftakt zu einer Trilogie handelt. Denn so sehr ich Einzelbände auch schätze (und brauche!), ich genieße es auch, lieb gewonnene Charaktere ein weiteres Mal zu sehen.

Mittwoch, 12. April 2017

[Rezension] Jackaby - William Ritter


Inhalt
Als Abigail Rook in New Fiddleham ankommt, will sie nur eines: Einen Job finden. Eins führt zum anderen, und so wird sie Assistentin des Detektivs R. F. Jackaby. Doch Jackaby ist kein gewöhnlicher Detektiv - er hat ein Auge für Ungewöhnliches... und ist meistens in ungewöhnliche Fälle verstrickt. Noch am selben Tag wird Abigail in ihren ersten Fall verstrickt. Ein Serienmörder ist am Werk, und als die Hinweise sich häufen, steigt auch der Verdacht auf, dass es sich dabei um keinen Menschen handelt...

Meine Meinung
Ich weiß gar nicht so genau, was ich von Jackaby erwartet habe - was seltsam ist, denn nach dem Lesen des Buches fühle ich mich, als wären meine Erwartungen überhaupt nicht erfüllt worden. Andererseits fällt es mir schon schwer, die Essenz des Buches zu umreißen; denn auch wenn es gute dreihundert Seiten lang ist, habe ich irgendwie das Gefühl, dass nichts passiert ist.
Aber zurück zum Wesentlichen. Zuallererst wäre da unsere Protagonistin Abigail. Am Anfang war sie mir irgendwie sympathisch: Das Geld, das ihre Eltern für ihr Studium gespart haben, hat sie verwendet, um die Welt zu bereisen - irgendwann aber landet sie in New Fiddleham und muss sich eingestehen, dass sie keinen Schritt weiter ist. Sie wirkt wie ein eigenständiges Mädchen, das für sich denken kann und vor allem einen eigenen Willen hat, was insbesondere in Anbetracht der Tatsache interessant ist, dass die Geschichte im späten 19. Jahrhundert spielt. Doch nach ein paar Kapiteln geht es mit ihr schlichtweg bergab. Sie heftet sich Jackaby an die Fersen; wenn sie überhaupt noch etwas sagt, dann etwas Offensichtliches. Das fast schon Absurde ist, dass sie genau wegen ihrer "Fähigkeit", das Offensichtliche und Banale auszusprechen, von Jackaby geschätzt und letztlich engagiert wird. Detektivarbeit leistet sie gar keine.
"[...] Genau das ist es, was mich gleich vom ersten Tag an so an Ihnen beeindruckt hat — Ihr Gespür für Banales und Nebensächliches."

(Jackaby, William Ritter, cbt)
Und das ist nur das Oberflächliche. Die Art und Weise, wie William Ritter von ihr erzählt, hat mir auch nicht gefallen - und dabei ist das Buch aus ihrer Perspektive geschrieben! Es misslang mir, auch nur die kleinste Verbindung zu Abigail aufzubauen. Ich interessierte mich einfach null für sie. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass sie alles nur observierte und letztendlich tatenlos war.
Besonders schade war auch, dass andere Frauencharakter typisch negativ dargestellt wurden - es wird beschrieben, wie sie über Abigails Auftreten lästern und sich klischeehaft verhalten. Bis auf einen Geist gibt es keinen weiblichen Nebencharakter, der nicht irgendwie negativ gegenüber Abigail auffällt.
Ich entdeckte zwei Damen, die miteinander flüsterten und strenge, tadelnde Blicke in meine Richtung warfen. Eine der beiden trug ein mit Blumen überladenes albernes Häubchen [...].

(Jackaby, William Ritter, cbt)
Auch besonders nervenaufreibend: Ziemlich schnell bekommt Abigail von Jackaby irgendwelche ominösen Dinge erzählt, von kleinen (unsichtbaren) Tieren, die in ihrer Kleidung sitzen, über seltsame Vorkommnisse bis hin zu Banshees. Und sie nimmt das einfach so hin. Von einer Sekunde auf die andere hat sie alles akzeptiert, obwohl sie das meiste nicht einmal sieht (darauf komme ich gleich noch).
Jackaby hingegen war mein "Highlight" des Buches. Anführungszeichen, weil selbst er letztendlich mich mehr verwirrt als begeistert zurückgelassen hat. Immerhin brachten mich diverse Aussagen von ihm zum Schmunzeln; sein ganzes Auftreten wirkt ziemlich inkohärent und mysteriös, wir erfahren quasi gar nichts über seine Vergangenheit und auch nicht wirklich viel über seine Fähigkeit. Wie eben schon angedeutet, ist Jackaby der Einzige seiner "Art". Er sieht, hört und weiß Dinge, die kein anderer beherrscht. Daher wirkten seine Erzählungen oft abgehoben und unglaubwürdig.
Grundsätzlich fühlte sich das magische Konstrukt einfach falsch an. Nichts an New Fiddleham ist magisch. Es ist eine stinknormale, durchschnittliche, ja, langweilige Stadt mit unterdurchschnittlichen Charakteren und... einer Prise Magie? Ich weiß nicht. Das wirkte auf mich zusammenhanglos, so zwecklos. Lieber wäre es mir gewesen, wäre Jackaby ein nicht-magisches Mysterium gewesen, "schlichtweg" ein Genie. Letztendlich war es absurderweise Jackabys mysteriöse Art, die das Buch halbwegs leserlich machte.
Für den Krimiplot konnte ich mich auch nicht wirklich begeistern, was eben vordergründig daran lag, dass ich sämtlichen Charakteren komplett neutral gegenüberstand. Die Geschichte konnte mich einfach nicht packen. Und die Spurenjagd war sehr offensichtlich und einfach total uninteressant gestaltet. Letztendlich ist es Jackaby, der das Rätsel löst, und Abigail bringt sich nur unnötig in Gefahr und muss dann zu guter Letzt, um alle Klischees zu erfüllen, auch noch gerettet werden.
Es ist nicht so, dass Jackaby ein schlechtes Buch ist. Dazu fehlt es ihm einfach an Essenz. Immer, wenn ich nach irgendetwas im Plot greifen wollte, glitt es mir zwischen den Fingern hindurch. Abigail als Protagonistin war eine graue Maus, die man kaum bemerkte. Höchstens der Dialog zwischen ihr und Jackaby war noch ganz amüsant. Abgesehen davon war Jackaby leider ein sehr nichtsaussagender Reinfall für mich.

Fazit
Die Prämisse von Jackaby war verlockend. Leider konnte mich die Umsetzung nicht im Geringsten überzeugen; die Protagonistin war nichtsaussagend und stellenweise schlichtweg nervenaufreibend, und auch der Plot plätscherte vor sich hin und konnte mich nicht packen. Schade!


Jackaby ⚬ Taschenbuch: 320 Seiten ⚬ übersetzt von Dagmar Schmitz ⚬ cbt ⚬ Band 1/4, aber in sich abgeschlossen ⚬ 9,99€ ⚬ Kaufen?

Samstag, 8. April 2017

[Rezension] A Shadow Bright and Burning - Jessica Cluess


Inhalt
Die sechzehnjährige Henrietta Howel würde alles für ihren besten Freund Rook tun. Und sie würde alles dafür tun, dass ihre Magie unentdeckt bleibt - denn sie weiß, dass die Entdeckung ihrer Fähigkeit, Feuer zu schaffen, ihren Tod bedeuten würde.
Dann jedoch wird Rook angegriffen, und um ihn zu retten, setzt Henrietta ihre Magie ein. Ein Zauberer wird auf sie aufmerksam; doch anstatt sie umzubringen, wird sie auf ein Anwesen gebracht, auf dem sie mit sechs weiteren Jungen lernen soll, ihre Kraft zu beherrschen. Denn laut einer Prophezeiung ist Henrietta die Auserwählte in dem andauernden Krieg.
... Aber ist sie das wirklich?

Meine Meinung
Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, weshalb ich A Shadow Bright and Burning überhaupt gekauft habe.
Es hat durchschnittliche Bewertungen auf Goodreads, der offizielle Klappentext ist voller Klischeesätze und gefühlt hat das Buch niemand gelesen. Es verging sogar so viel Zeit zwischen dem Kauf des Buches und dem tatsächlichen Lesen, dass ich bis dato vergessen hatte, worum es ging. Ich wusste nur noch irgendetwas von viktorianischem London und Fantasy.
In anderen Worten: Ich erwartete höchstens, A Shadow Bright and Burning zu mögen. Stattdessen war ich umso überraschter, dass ich es liebte.
Die Liebe fängt schon bei Henrietta an. (Extra Liebe gibt's dafür, dass ihre Hautfarbe als "dunkel" beschrieben wird!) Cluess erzählt aus ihrer Perspektive in der ersten Person Präteritum und verleiht der Protagonistin eine richtige eigene "Stimme" - Henrietta ist keine dieser Auserwählten, die keinen Plan hat, was sie macht; sie ist keine, die ihre Kraft dann von einem Tag auf den anderen perfekt beherrscht; und zu guter Letzt ist sie keine typische graue Maus, die sich selbst schlechtredet. Kurzum: Sie ist eine der seltenen Young Adult-Protagonistinnen, die nicht alle Klischees absahnen. Im Gegenteil: Mit teilweise bissigen Antworten brachte sie mich oft zum Lachen, und ihr Dickkopf gemischt mit ihrem Humor war einfach herrlich erfrischend und brachte in die teils doch düstere Geschichte eine leichtere Note rein. Mein Highlight: Ganz trocken nennt sie ihren Stab, mit dem sie Magie wirkt, "Porridge".
Ebenfalls genoss ich, wie mit dem Thema "die Auserwählte" gespielt wurde. Durch geschickte Wendungen und Offenbarungen wechselte ich manchmal jede Seite meine Meinung über Henrietta. Ist sie nun die Auserwählte, oder nicht? Wer ist sie dann? Woher kommt sie? Wer waren ihre Eltern? Cluess schafft ein Mysterium nach dem anderen, und es war faszinierend. 
Aber auch die anderen Charaktere haben verdammt viel Spaß gemacht. Von Agrippa, der Zauberer, der Henrietta aufnimmt und als Art Vaterfigur fungiert, bis hin zu den Jungs, mit denen sie trainiert - ihr hattet ja keine Ahnung, wie skeptisch ich anfangs war. Die weibliche Protagonistin eingepfercht mit sechs Jungs im selben Alter? Sollten wir statt einem Liebesdreieck jetzt ein Liebesheptagon haben? Die Antwort ist natürlich nein, sonst hätte ich vermutlich schon längst aufgehört, das Buch in den Himmel zu loben. Denn die Jungs sind nicht nur alle gut ausgearbeitet und jeder eine Persönlichkeit für sich, sondern auch zumindest zu einem Großteil wenig an Henrietta interessiert. Zumindest in dem Sinne. Und selbst als die Romantik dann auftaucht, ist sie so dezent und irrelevant für den weiteren Verlauf des Buches, dass ich mich nur noch mehr in das Werk verliebte.
Doch zurück zu den sechs Jungs - zwei davon habe ich ganz besonders ins Herz geschlossen. Da ist zum einen Magnus, der noch mehr Sprüche raushaut als Henrietta und mich von seinem ersten Auftreten an konstant zum Lachen brachte.
"Over there," Magnus called, pointing to the front of a beautiful building, "is the Theatre Royal. I should take you for a show sometime. Have you ever been to the theatre, Miss Howel? Do they get much Shakespeare up in Yorkshire?" His smile was full of false innocence.
"No, but I can spot bad acting when it's right in front of me," I said. Magnus laughed so hard I feared he'd fall off his horse.
Und dann ist da Blackwood, der auf mich wie eine Variation von William Herondale von Cassandra Clares The Infernal Devices wirkte, rein von dem Aussehen und dem Verhalten her. Blackwood ist der reifste von den Jungen; er ist jung zum Earl ernannt worden und trägt die größte Verantwortung in der Gruppe der Lehrlinge. Gegen Ende des Buches erhält seine Schale erstmalig Risse - und ich bin gespannt, was da noch kommt.
Jetzt redet sie die ganze Zeit von den Charakteren, denkt ihr? Die Geschichte ist mindestens genauso cool. Zum einen hat Cluess ein London abgebildet, das vor meinen Augen lebendig geworden ist; ich lief durch die Gänge der Schule, in der Henrietta zu Beginn des Werkes unterrichtet, und zuletzt auch im Anwesen, wo sie zur Schülerin wird. Inmitten all diesem befindet sich die Magie - Jessica Cluess unterscheidet zwischen Hexen, Zauberern und Magiern (Witches/Sorcerers/Magicians im Original), die alle ihre eigenen Fähigkeiten haben. Die Zauberer bilden dabei die Elite der Gesellschaft; durch Ereignisse der Vergangenheit sind Hexen quasi ausgestorben, und die Magier sollen ihnen bald folgen, wenn man die entsprechenden Leute fragt.
"What exactly were the terms of the royal pardon for magicians?" I asked.
"In exchange for their lives, they would take no apprentices and perform no public magic," Blackwood replied. "When this generation of magicians dies, their magic will end in England forever. To break the pardon is to forfeit your life."
Gleichzeitig wird Cluess' England von sogenannten Ancients bedroht; sieben dämonenartige Wesen, die seit Urzeiten bestehen und jetzt versuchen, die englischen Städte Stück für Stück an sich zu reißen. Wir befinden uns von der ersten Seite an in einem Krieg - ein weiterer Aspekt, den ich originell fand und an dem Buch geliebt habe -, zu dem Henrietta dazukommt; sie ist kein Auslöser, und erst recht ist sie nicht die Lösung.
Ich könnte allerdings nicht das Buch rezensieren, ohne nicht auch Rook zu erwähnen - Henriettas bester Kindheitsfreund, der mit ihr in die Stadt reist und in dem Haus, in welchem sie trainiert wird, als Stallbursche engagiert wird. Als Rook klein war, wurde er von einem Ancient angegriffen und trägt seitdem Wunden, die nicht verheilen, und ihn sowohl körperlich als auch mental beeinflussen. Soweit ich das mitgekriegt habe, wird Rook von den meisten Rezipienten des Buches gemocht; ich persönlich konnte ihn nicht leiden. Warum? Ganz einfach: Er erinnerte mich - aus irgendeinem idiotischen Grund - total an Mal aus der Grischa-Trilogie. Genau, wie ich Alina und Mal zusammen nie verstanden habe, konnte ich auch Rooks und Henriettas Freundschaft nur bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Ich fand ihre Motive nobel, ihm zu helfen; gleichzeitig brachte er sie mehrmals in unmögliche Situationen, und ich wollte ihn einfach nur noch schütteln. Ich habe außerdem die Befürchtung, dass er in sie verliebt ist, klopfe jetzt aber einfach dreimal aufs Holz und hoffe, dass sich das nicht bewahrheitet.
Es gab noch ein paar weitere kleine Dinge, die ich fairerweise zur Kritik anbringen muss: Leider hat auch Henrietta ihre Momente, in denen sie sich blindlings in irgendwelche Situationen stürzt, in denen sie sich nicht befinden sollte. Man muss ihr allerdings zugutehalten, dass sie sich meistens selbst rettet/retten kann (und, wie bereits gesagt, ich habe sie voll und ganz ins Herz geschlossen). Außerdem gibt es eine Stelle, in der wir in Magnus einen Wandel sehen, den ich persönlich als zu abrupt und einfach rätselhaft empfand - das war aber zum Glück einmalig. Zuletzt finde ich, dass bei Cluess' Weltenbau noch Luft nach oben ist. Wir haben schon eine spannende Basis bekommen, auf die sie hoffentlich in den nächsten zwei Bänden aufbauen wird.
Denn letztendlich handelt es sich hier nicht nur um den Auftakt zu einer Trilogie, sondern noch dazu um Jessica Cluess' Debüt - und was für eins es ist. Vor allem ist es ihr gelungen, mich voll und ganz in die Geschichte zu ziehen und mich meine Umgebung vergessen zu lassen. A Shadow Bright and Burning war für mich ein grandioser Auftakt; ich habe mit den Charakteren gelacht, geweint, geflucht und fast jeden von ihnen ins Herz geschlossen.

Fazit
A Shadow Bright and Burning hat mich vollkommen begeistert. Jessica Cluess hat das viktorianische London als Schauplatz für eine faszinierende Magie und noch faszinierendere Charaktere gewählt. Das Buch ist definitiv etwas für Fans von Clares The Infernal Devices; aber auch Leute, die Lust auf ein ganz besonderes Urban Fantasy-Abenteuer mit originellen Charakteren haben, werden hier auf ihre Kosten kommen. Von mir gibt's eine klare Empfehlung!


A Shadow Bright and Burning ⚬ Hardcover: 416 Seiten ⚬ Random House ⚬ Trilogie-Auftakt ⚬ aktuell ca. 14€ ⚬ Kaufen?