Samstag, 25. März 2017

[Rezension] The Hate U Give - Angie Thomas


Inhalt
Die sechzehnjährige Starr lebt in zwei Welten: Garden Heights, einem verarmten Viertel, in dem sie aufgewachsen ist; und Williamson, eine Elite-Schule, wo sie eine von wenigen Schwarzen ist. Starrs Leben verändert sich radikal, als sie sieht, wie ihr bester Freund Khalil von einem weißen Polizisten erschossen wird. Bald ist Khalils Tod in allen Schlagzeilen, von vielen wird er als Drogendealer abgestempelt. Starr ist die einzige Zeugin. Doch ihre Worte könnten ihr Leben in Gefahr bringen...

Meine Meinung
Als ich The Hate U Give zum ersten Mal gelesen habe, brauchte ich zweieinhalb Tage dafür. Danach trug ich es bei Goodreads ein, verpasste dem Buch fünf Sterne, und tat zwei Stunden später etwas, das ich noch nie getan habe: Ich las es direkt noch einmal.
Beim zweiten Lesen liebte ich es noch mehr. Und, ganz im Ernst, ich habe jedes bisschen meiner Selbstbeherrschung zusammenkratzen müssen, um nicht noch ein drittes Mal damit anzufangen. The Hate U Give hat mir das Gefühl gegeben, bei jedem Lesen noch ein bisschen mehr zu entdecken, die Wichtigkeit des Buches noch stärker zu verinnerlichen. THUG ist das perfekte Beispiel für all die Dinge, die ich bei Young Adult Büchern lesen möchte, und ein Beispiel für die, von denen ich noch gar nicht wusste, dass ich sie lesen muss.
Zuallererst ist da natürlich Starr. Allein die Art und Weise, wie sie erzählt, ist einzigartig. Thomas' Schreibstil passt perfekt; sie redet nicht um den Brei herum und verschönt erst recht nichts. Wir erleben eine Starr, die zum zweiten Mal in ihren 16 Jahren den Mord eines schwarzen Kindes miterleben muss und sich von den Gräueln übergeben muss. Wir erleben eine Starr, die sich an die Schulter ihres Vaters anlehnt, weil er der Einzige ist, der ihr noch ein Gefühl von Sicherheit geben kann. Und wir erleben eine Starr, die realisiert, dass die Dinge, die sie zu sagen hat, sehr wohl wichtig sind.
A lump forms in my throat as the truth hits me. Hard. "That's why people are speaking out, huh? Because it won't change if we don't say something."
"Exactly. We can't be silent."
"So I can't be silent."
So wie Starr Stück für Stück mehr begreift, realisierte auch ich während des Lesens immer wieder, was für Privilegien ich eigentlich habe. Dass diese viel größer sind als ich bisher geahnt habe. In THUG gibt es eine Szene, wo Starr, ihre Mutter und ihre Brüder beim Essen sitzen und man Schüsse hört. Die Familie zieht sich in einen Raum zurück, der keine Außenwand hat, um geschützt zu sein. Erschreckend war nicht (nur), dass sie sich in solch einer Situation befanden. Was mich am meisten schockierte, war die Normalität, die Ruhe, mit der sie mit dem Ganzen umgingen. Weil sie es gewohnt waren.
Aber auch wenn Starr die Protagonistin von THUG ist, so ist sie längst nicht die Einzige, deren Geschichte hier erzählt wird. Wir erfahren auch über die Geschichte von Starrs Onkel Carlos, der ebenfalls Polizist ist. In den drei Jahren, die Starrs Vater im Gefängnis verbrachte, ist er für Starr wie ein zweiter Vater geworden. Wir lernen aber auch mehr über Starrs Halbbruder Seven, der alles für seine Familie tun würde und daraufhin zwischen zwei Fronten steht. Selbst die ganzen Nachbarn in Garden Heights bekommen eigene Namen, Gesichter, Geschichten. Ich habe noch nie ein Jugendbuch gelesen, in dem ausnahmslos jeder Charakter detailliert ausgearbeitet war und sich nahtlos einfügte. Ich hatte das Gefühl, bei Starr zu sein, im Laden ihres Vaters zu stehen, das Loft ihres Freundes Chris zu betreten.
I used to tell him he was so pale he looked like a marshmallow. He hated that I compared him to food. I told him that's what he got for calling me caramel. It shut him up.
Stichwort: Chris. Ein weiterer Aspekt, den ich an THUG als Jugendbuch liebte: Unsere Protagonistin ist ausnahmsweise mal schon in einer Beziehung, als ihre Geschichte beginnt. Darüber hinaus ist Chris weiß, was mehrmals zu Konflikten zwischen den beiden führt. So fragt sich Starr, ob sie ihre Identität vernachlässigt, wenn sie mit Chris zusammen ist. Ob nicht jemand Weißes, Blondes, Reiches (ihre Worte) besser geeignet wäre. Chris wird nicht nur sehr lieb und authentisch dargestellt, sondern tritt auch regelmäßig in Fettnäpfchen und wird für sein "weißes Verhalten" aufgezogen. Angie Thomas bringt vor allem bei ihm oft eine leichtere, humoristische Note rein.
"I swear, I don't understand white people. Breadcrumbs on macaroni, kissing dogs on the mouth—"
"Treating their dogs like kids," I add.
"Yeah!" says DeVante. "Purposely doing shit that could kill them, like bungee jumping."
"Calling Target 'Tar-jay,' like that makes it fancier," says Seven.
"Fuck," Chris mutters. "That's what my mom calls it."
Seven and I bust out laughing.
Was mich ebenfalls regelmäßig zum Schmunzeln brachte, war Starrs Familie, insbesondere ihre Eltern. Lisa und Maverick Carter erleben wir in allerlei Lebenslagen. Wir sehen sie streiten, sich gegen Starr "verschwören", es wird selbst erzählt, wie sie sich kennenlernten. Starr nennt ihre Eltern an einem Punkt ihr "OTP" (One True Pairing). Familie wird in THUG einfach großgeschrieben, ist immer präsent, und es wird fantastisch gemacht.
Die Themenvielfalt geht da noch weiter - auch alltäglicher Rassismus wird angesprochen. Eine "Freundin" Starrs lässt immer wieder bedenkliche Dinge von sich. Nach Khalils Tod entscheidet sich ein Großteil von Starrs Schule, zu protestieren - um dem Unterricht zu entkommen, nicht wegen Khalil, da er ja eh "nur" ein Thug war.
They act like I'm the official representative of the black race and they owe me an explanation. I think I understand though. If I sit out a protest, I'm making a statement, but if they sit out a protest, they look racist.
Denn zuletzt geht es in The Hate U Give um die Khalils. Um die Schwarzen, die in den letzten Jahren von weißen Polizisten erschossen wurden, obwohl sie keine Waffe bei sich trugen, geschweige denn eine Gefahr darstellten. Und, ja, es geht auch um die Khalils, die noch kommen werden. Starr formuliert es besser als ich es jemals könnte:
Yet I think it'll change one day. How? I don't know. When? I definitely don't know. Why? Because there will always be someone ready to fight. Maybe it's my turn.
The Hate U Give ist einer der besten YA-Romane, den ich jemals gelesen habe. Vor allem hat mir Angie Thomas eine Welt nahegebracht, die ich vorher so nicht kannte - vor der ich, ganz im Ernst, einen Großteil meines Lebens meine Augen verschlossen habe. Sie hat mir gezeigt, wie gut ich es habe, und mich fürchten lassen, was für idiotische Dinge ich Zeit meines Lebens von mir gegeben habe. All das hat sie in Starrs Geschichte gepackt, mit einer authentischen Erzählstimme, Charakteren, die ich unglaublich gerne kennenlernen würde, und Worten, die genau dort treffen, wo's wehtut.

Fazit
Ich habe es auf anderen Plattformen schon geschrieben, aber eigentlich brauche ich nicht viel mehr zu The Hate U Give sagen als: Wenn ihr 2017 nur ein einziges Buch lest, dann dieses. THUG begegnet all die hohen Erwartungen und übertrifft sie anschließend. Jetzt schon das wichtigste Buch des Jahres.


The Hate U Give ⚬ Hardcover: 464 Seiten ⚬ Balzer + Bray ⚬ Einzelband ⚬ aktuell 9,99€ ⚬ Kaufen?

Dienstag, 21. März 2017

[Rezension] Smoke - Dan Vyleta


Inhalt
Charlie und Thomas sind Kinder einer Welt, in der Sünden, falsche Gedanken und Lügen durch Rauch sichtbar werden. Sie gehen auf ein Elite-Internat, wo ihnen beigebracht wird, wie sie den Rauch auf ein Minimum reduzieren können. Doch mit der Zeit beginnen sie, die Gesetzlichkeiten des Rauches zu hinterfragen - und decken eine Verschwörung nach der anderen auf, in Dimensionen, die sie kaum erahnen können.

Meine Meinung
Smoke klang so vielversprechend. England im 19. Jahrhundert. Ein mysteriöser Rauch, die Frage nach Gut und Böse, darin zwei Heranwachsende.
Und die ersten 100 Seiten schienen mir auch genau das zu bieten. Wir lernen Charlie und Thomas kennen, die nicht nur beste Freunde sind, sondern eigentlich das Einzige sind, das der jeweils andere hat. Die Schule wird als eine erschreckende Institution beschrieben, mit dem Mitschüler Julius, der nachts alle zusammentrommelt und sie nach dem Zufallsprinzip auf ihre Sünden prüft. Doch dann naht Weihnachten. Thomas und Charlie machen sich zu Thomas' Onkel auf, und ab da geht die Geschichte, gelinde gesagt, den Bach runter.
Aber noch mal einen Schritt zurück, zu Thomas und Charlie. Vyleta hat mit ihnen nicht nur eine besondere, innige Freundschaft geschaffen, sondern auch ein Paar, das gegensätzlicher nicht sein könnte. Thomas' Eltern sind tot; sein Vater war ein Mörder, er fürchtet, ebenfalls der Sünde zu verfallen. Charlie hingegen ist in einem reichen Elternhaus aufgewachsen, seine Hemden sind quasi nie mit irgendwelchem Ruß (das Resultat des Rauches) befleckt. Ihre Freundschaft scheint unter schlechten Voraussetzungen zu stehen, doch in Wahrheit behandeln sie sich vorbehaltlos, erzählen sich alles und sind einfach füreinander da. Die Freundschaft der beiden war etwas, das mich durchweg durch das Buch beeindruckt hat.
"Du hättest es mir erzählen sollen. Ich bin dein Freund!"
[...]
"Ja. Aber wirst du es auch noch sein, wenn ich jemanden umbringe?"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Das Ganze hat aber eine Kehrseite. Eine ziemlich paradoxe, um ehrlich zu sein. Trotz der 600 Seiten, die das Buch fasst, hatte ich nach dem Zuschlagen der letzten Seite das Gefühl, nicht viel schlauer geworden zu sein - egal, auf welcher Ebene.
Wie gesagt: Vyletas Idee ist grandios. Aber es ist, als er hätte er einen Samen gepflanzt und wäre nie zurückgekommen, um die Ernte zu holen. Smoke ist eigentlich ein passender Titel, denn die Geschichte ist auch mehr Rauch als alles andere - die Idee einer Idee, eine Sammlung vieler Ansätze und nichts Handfestem. Obwohl sich Thomas, Charlie und Livia (auf die komme ich später noch zurück) auf die Suche nach Antworten begeben, "erhalten" sie diese nur mit Anführungszeichen. Bitten um Erklärung werden meist beantwortet, dass man es dem Fragenden "zeigen" werde, aber stattdessen bekommt man eine schwammige Vorführung und eine dürftige, ein paar Zeilen lange Erklärung. Selten habe ich mir bei Büchern eine längere Erklärung gewünscht, aber hier hätte ich selbst Infodumping mit offenen Armen empfangen. Dutzende, hunderte Seiten lang werden Fragen gehäuft und mehr oder weniger viel Spannung angesammelt... doch als Leser bleibt man in der Luft hängen.
Darunter gehört unter anderem die Frage, wie der Rauch ersteht - die Erklärung fand ich so an den Haaren herbeigezogen, dass ich mir lieber keine gewünscht hätte. Auch werden immerzu verschiedene Farben des Rauches beschrieben, deren Bedeutungen man nur erahnen kann. Es ist wirklich ein Jammer, und einer, der mich während des Lesens einfach an den Rand der Verzweiflung trieb. Ich frage mich immer noch, ob Vyleta einfach zu subtil gearbeitet hat, oder ob ich schlichtweg zu blöd war, um's zu verstehen.
Doch Zweidimensionalität ist auch bei Charlie und Thomas zu finden. Obwohl man sich mit dem Charakter der Jungen ausgiebiger beschäftigt, wird ihre Vergangenheit höchstens im Nebensatz erwähnt. Als wären sie mit 16 Jahren auf das Papier getreten und hätten nur vage Schatten hinter sich. Wieder war ich frustriert.
Ich kann leider auch verallgemeinernd sagen, dass die Motivation sämtlicher Charaktere ein bisschen rätselhaft ist und bleibt. Wer auf welcher "Seite" ist bzw. wer für was kämpft, wurde mir bis zum Ende nicht klar.
Mein größter Kritikpunkt, den ich in anderen Rezensionen so noch gar nicht gesehen habe (was mich schockiert), ist jedoch die Liebesgeschichte bzw. die weiblichen Charaktere in Smoke. Kurz gefasst: Es wird eine junge Frau, Livia, eingeführt, in die sich tatsächlich sowohl Charlie als auch Thomas verlieben - und vice versa. Es geht mir aber weniger um die Dreiecksgeschichte (obwohl die allein mich schon zur Weißglut bringen könnte) als um die Art und Weise, wie sie beschrieben wird.
"Was hältst du von ihnen?"
[...]
"Die Mutter ist ganz Parfüm und Charme. Und die Tochter [Livia]-"
"Teerseife und Gebetsbücher!"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Grundsätzlich gibt es keine Frauenfigur in Smoke, bei der nicht an irgendeinem Punkt das Aussehen kommentiert oder die als Verführerin dargestellt wird. Hier noch einmal Livia, die einem Mann ihre Wange anbietet:
"Möchten Sie mich küssen? Nur zu. Ihre Frau wird es nie erfahren."
Er tut es, flüchtig, schüchtern wie ein Kind.
"Oh, Sie Wüstling!"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Auch Thomas' Gedanken werden meiner Meinung nach sehr bedenklich dargestellt:
Wie leicht es ihr mittlerweile zu fallen scheint, ihn anzufassen. Der Gedanke macht ihn wütend.

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Und das sind nur ein paar wenige ausgewählte Beispiele. Ich habe dutzende Bemerkungen im Buch gefunden, manche noch erschreckender als die anderen. Solche Äußerungen sind schlichtweg erschreckend und sollten nicht in einem Buch stehen. Vor allem sollten sie niemandem als Vorlage dienen (können).
Ich muss generell eine Warnung für das Buch aussprechen, denn zum einen gibt es ein paar (wenn auch realitätsferne) explizite Szenen, in denen Gewalt angewandt wird. Außerdem gibt es tatsächlich eine Stelle, in der ein Charakter von selbstverletzendem Verhalten spricht bzw. dieses beschreibt. Um niemanden zu triggern, werde ich die Stelle nicht zitieren.
Wenn ich Dan Vyleta eines lassen muss, dann ist es der Schreibstil. Grundsätzlich ist der Aufbau des Buches sehr neuartig - es wird abwechselnd aus der dritten Person Präsens und der ersten Person Präsens eines Nebencharakters erzählt. Das habe ich nie so gesehen; vor allem funktioniert es bei Smoke sehr gut und bringt Abwechslung in das teils zähe Geschehen mit hinein. Und Vyleta kann wirklich fantastisch schreiben. Er flicht Weisheiten in seinen Text, die man einfach nur abnicken möchte.
Worte sind wie Rauch, entdecke ich: Lässt man sie erst einmal hinaus, vermehren sie sich unkontrolliert.

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Aber der Schreibstil rettet auch nicht über die Probleme des Buches hinweg. Und niemals über die tiefergehenden, über die Äußerungen, die einfach nur noch erschreckend sind. Smoke soll ein Buch über Moral sein, über Gut und Böse,  und das ist es auch die ersten hundert Seiten lang. Es ist nur irgendwie vom Weg abgekommen und ins Abseits gerutscht.

Fazit
Smoke ist mehr Schein als Sein. Die Idee, die ersten einhundert Seiten und der Schreibstil des Autors können was. Der Rest wird nur oberflächlich angekratzt; Charaktere und Geschichte bleiben zweidimensional und ziehen sich gewaltig. Was letztendlich den Ausschlag gab, sind bedenkliche Aussagen, die sich durch das Buch hindurchziehen - keine Empfehlung von mir. Solche Bücher sollte man nicht unterstützen.


Smoke ⚬ Paperback: 624 Seiten ⚬ carl's books ⚬ Einzelband ⚬ 16,99€ ⚬ Kaufen?

Vielen Dank an carl's books für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Weitere Meinung: booktraveler

Mittwoch, 15. März 2017

[Rezension] We Are Okay - Nina LaCour


Inhalt
Marin ist nach dem Tod ihres Großvaters regelrecht geflohen. Nichts außer ihrem Handy und ihrem Geldbeutel hat sie mit nach New York genommen, und erst recht hat sie mit niemandem aus ihrem alten Leben gesprochen. Jetzt ist Weihnachten, und Marin bleibt als Einzige in ihrem Wohnheim über die Ferien.
Vor allem kommt Mabel - Marins beste Freundin - zu Besuch, und Marin bleibt nichts anderes übrig, als sich Stück für Stück ihrer Vergangenheit zu stellen.

Meine Meinung
Das Cover von We Are Okay hat mich fast schon verfolgt - egal, wo ich im Internet unterwegs war, immer wieder schien ich darüber zu stolpern. Dann stand ich im Buchladen vor einem Exemplar, und einen Augenblick später an der Kasse. Ich wusste lediglich, dass es sich um ein Jugendbuch handelt und dass LaCours Schreibstil grandios sein soll, als ich mit dem Buch begann - und das reichte vollkommen aus.
We Are Okay ist nicht vom Plot getrieben. Es ist ein Buch, das vom Zwischenmenschlichen lebt, von Gefühlen und Beziehungen und noch mehr Gefühlen. Die Kapitel wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die sich im Laufe des Buches annähern, und es wird durchgängig aus Marins Sicht erzählt.
Anfangs fiel es mir noch etwas schwer, in die Geschichte reinzukommen - gerade, weil es eben nicht auf Action zielt, sondern der Ton eher sanfter, langsamer ist. Ich fragte mich immer wieder, wohin die Erzählung führen soll, was die verschiedenen Passagen bedeuten. Erst nach ein paar Kapiteln erkannte ich den roten Faden, die Motive, die sich durch das Buch ziehen - Freundschaft und Familie im Vordergrund, aber auch Einsamkeit und Trauer.
Ab da war ich vollkommen in der Geschichte gefangen. We Are Okay hat gerade mal 230 Seiten, man kann das Buch - und das kann ich nur empfehlen - locker in ein paar Stunden lesen. Und Nina LaCours Schreibstil ist wirklich grandios, wird den Lobpreisungen voll und ganz gerecht. Jedes Wort ist richtig platziert, und ein Großteil traf mich mitten ins Herz. Mehrmals standen mir die Tränen in den Augen, teils auch, weil ich Marins Gefühle - als sie diese dann zulässt - sehr gut nachvollziehen konnte.
"I was okay just a moment ago. I will learn how to be okay again."
(Nina LaCour, We Are Okay)
Wie oben schon angedeutet, behandelt We Are Okay eine Vielzahl von Themen, die trotz des Schwerpunkts auf Marins Gedankenwelt nicht zu kurz kommen. Auch ihre beste Freundin Mabel und die Vergangenheit der beiden wird ausreichend beleuchtet, genauso wie die Geschichte von Mabels Großvater. Zum Ende hin warteten sogar noch mehrere Überraschungen auf den Leser, die ich so nie erahnt hätte.
We Are Okay ist außerdem ein weiteres tolles Beispiel für Diversität: Mabel ist Spanierin, und LaCour flicht ihre Kultur geschickt und sensibel ein, außerdem ist die Protagonistin Marin homosexuell. Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass das Thema Sexualität nicht explizit diskutiert wird, sondern einfach als selbstverständlich dargestellt wird. Ich kann für die Art der Darstellung nicht sprechen, da Nina LaCour allerdings selbst mit einer Frau verheiratet ist, denke ich, dass sie das Thema korrekt repräsentiert haben wird.
Letztendlich war We Are Okay viel zu schnell vorbei, und es kochten immer noch viel zu viele Gefühle in mir. Das Buch hat einfach irgendetwas in mir getroffen, und ich werde es eines Tages noch mal zur Hand nehmen und Marins Geschichte ein weiteres Mal durchleben müssen.
We Are Okay mag mit leisen Tönen sprechen - aber es hinterlässt einen lauten Nachklang.

Fazit
We Are Okay ist das erste Buch, das ich von Nina LaCour gelesen habe, aber es wird definitiv nicht das letzte sein. Mit unglaublichem Feingefühl erzählt die Autorin Marins Geschichte und bringt nicht nur eine Vielfalt von Themen in die Erzählung, sondern schafft es wieder und wieder, den Leser zu berühren. Ein tolles Buch, das vom Zwischenmenschlichen lebt und es sich zu Eigen macht.


We Are Okay ⚬ Taschenbuch: 240 Seiten ⚬ Dutton Books for Young Readers ⚬ Einzelband ⚬ ca. 9,99€ ⚬ Kaufen?
  

Samstag, 4. März 2017

[Rückblick] Lesemonat Februar 2017

Ich dachte, nach 2016 würde sich mein Leben endlich etwas langsamer bewegen, aber jetzt ist schon wieder März und ich zweifele das Ganze ein wenig an. Gefühlt gehe ich noch zweimal schlafen und dann ist 2020, was zumindest zum Vorteil hätte, dass ich dann sämtliche Staffeln Game of Thrones und Riverdale schauen könnte.
Bleiben wir doch erst mal beim Februar.
Februar war für mich ein exzellenter Lesemonat - am 14.2. habe ich meine letzte Klausur geschrieben, und von dort an konnte mich nichts mehr daran hindern, noch mehr Geld für Bücher auszugeben zu lesen.


Meyers neues Werk scheint bei den meisten weniger gut anzukommen, aber ich persönlich habe es geliebt. Die Welt, die Charaktere, der Schreibstil - es kam einfach zum richtigen Zeitpunkt, und ganz im Ernst, am liebsten wäre ich bei Catherine eingezogen.

2) Fantastic Beasts and Where to Find Them: The Original Screenplay - J. K. Rowling (5/5)
Es war auf jeden Fall eine besondere Erfahrung, ein Drehbuch zu lesen, und nach ein paar Anfangsschwierigkeiten gefiel es mir sehr gut! Man durchlebt den Film noch mal auf eine ganz andere Art und Weise und entdeckt auch kleine Details, die Rowling zwischen den Zeilen versteckt hat. Außerdem ist die Aufmachung des Drehbuchs ein Traum!

3) And I Darken - Kiersten White (4/5)
And I Darken lag außerhalb meiner Komfortzone, und ich habe es kein bisschen bereut. Die Geschichte ist düster und voller Intrigen, und Ladas und Radus Erfahrungen haben mich einfach in den Bann gezogen.

4) Traitor to the Throne - Alwyn Hamilton (5/5)
Ich habe Rebel of the Sands so sehr geliebt, dass ich es gleich zweimal in 2016 gelesen habe; meine Vorfreude auf Traitor to the Throne konnte ich kaum in Worte fassen. Kurz gehalten: Es hat meine Erwartungen gesprengt. Ein mehr als würdiger zweiter Band!

5) Wing Jones - Katherine Webber (3/5)
Ein Buch, das nicht nur von der Aufmachung, sondern auch vom Inhalt her sehr beeindruckend ist. Hat mich noch einmal überzeugt, mehr diverse Bücher zu lesen.

6) My Not So Perfect Life - Sophie Kinsella (3/5)
Hat ein paar Elemente eines "typischen" Kinsellas, ist aber im Großen und Ganzen etwas schwächer als die anderen Werke, die ich bisher von ihr kannte. Von der Idee her aber sehr gelungen.

7) The Fault in Our Stars - John Green (5/5) Re-Read
Das Schicksal ist ein mieser Verräter habe ich 2012 gelesen und lieben gelernt. Ich hatte das starke Bedürfnis, zu der Geschichte zurückzukehren, und habe dieses Mal das Original zur Hand genommen. Innerhalb 24 Stunden war ich durch damit, und ich glaube, ich liebe es noch mehr. Ist definitiv nicht das letzte Mal, dass ich Hazels und Gus' Geschichte besucht habe.

8) Alice's Adventures in Wonderland - Lewis Carroll (5/5)
Wie passend, dass ich den Monat mit Heartless begann und mit Alices Abenteuern beendete. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was mich erwarten würde, aber ich bin restlos begeistert. Ich habe während des Lesens einige Parallelen zwischen beiden Büchern entdeckt und liebe Meyers Adaption der Geschichte der Königin der Herzen nur noch mehr. Ein sehr schöner Klassiker <3

Acht Bücher, und acht davon sind auf Englisch. (Kein Wunder, dass ich keine ordentlichen deutschen Sätze mehr hinbekomme.) Februar war also auf voller Linie ein Erfolg.
Insgesamt sind das 3184 Seiten, also ca. 114 pro Tag. 😎
Im März sowie einen Großteil vom April habe ich Semesterferien, und sofern ich nicht eine Klausur wiederholen muss, bin ich fest entschlossen, diese Wochen mit viel Büchern, viel Schreiben und vielen Serien/Filmen zu füllen.
Für März habe ich mir nichts außer A Conjuring of Light vorgenommen - ich habe schon mehr als die Hälfte gelesen, und, hach, mein armes Herz. Es wird auf jeden Fall ein guter Monat!

Wie war denn euer Februar? 👩‍💻

Mittwoch, 1. März 2017

[Rezension] My Not So Perfect Life - Sophie Kinsella


Inhalt
Cat ist 26 und hat sich ihren Traum erfüllt: Sie lebt nicht nur in London, sondern hat auch einen tollen Job und zeigt all dies auf ihrem Instagram-Feed.
Okay, vielleicht bleibt der Spitzname "Cat" nicht ganz hängen und alle nennen sie immer noch Katie, ihre Wohnung ist eine WG mit schrägen Mitbewohnern, im Job wird sie von ihrer Chefin Demeter tyrannisiert und ihr Instagram ist eine einzige Lüge.
Doch dann schlägt ihr Leben eine ganz andere Richtung ein...

Meine Meinung
Vor My Not So Perfect Life hatte ich zwei andere Bücher von Kinsella gelesen, und beide sehr gerne gemocht. Ich war umso aufgeregter, als ich ihr neues Buch in den Händen hielt: Die Geschichte könnte nicht aktueller sein, befinden wir uns doch gerade in einer Phase, in der die kollektive Erkenntnis, dass die sozialen Medien eben nicht die Realität widerspiegeln, einsetzt. Deshalb war ich sehr gespannt, was Kinsella aus dem Thema macht.
Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass Katie sich konstant selbst belügt - oder sich zumindest die Dinge schönredet: Die ewig lange und anstrengende Pendel-Strecke, die teils erniedrigenden Aufgaben, die sie für ihre Chefin erledigen muss - all das sei ja nicht so übel, schließlich habe sie ihren Traumjob in ihrer Traumstadt, endlich weg von dem Landleben, dem sie ihr Leben lang entfliehen wollte. Die Geschichte wird aus Katies Sicht in der ersten Person erzählt, aber leider schweifen Katies Gedanken schon auf den ersten Seiten ins schier Unermessliche ab. Das erste Kapitel besteht zu Großteilen aus Hintergrundgeschichten und ewigen Gedankengängen und wird dadurch immens in die Länge gezogen - in der Gegenwart passiert nämlich kaum etwas. Das ist mir im Laufe des Buches zwar nicht mehr so oft, leider aber oft genug negativ aufgefallen. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass My Not So Perfect Life knappe 100 Seiten weniger vertragen könnte. Vieles zieht sich einfach oder wird unnötig breitgetreten.
Auch mit Katie kam ich weniger gut klar. Am Anfang habe ich sie noch ein wenig verstehen können: Ich denke, wir alle würden versuchen, uns die Dinge schönzureden, wenn unsere Träume plötzlich zu Alpträumen zu tendieren drohten. Aber als dann alles noch schiefer läuft als zuvor, und Katie zwischenzeitlich auf der Farm ihres Vaters und dessen Freundin aushilft, entdeckt man als Leser eine fast schon... bösartige Seite an ihr. Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen, um Spoiler zu vermeiden - es war einfach hässlich. Gegenüber Kunden verhält sie sich schlichtweg unprofessionell und bringt Aktionen, die nicht mehr witzig, sondern nur noch traurig und bemitleidenswert sind. Ab dem Moment war sie bei mir leider unten durch - gerade in Anbetracht der Tatsache, dass sie in verschiedenen Situationen mehr als glimpflich davon kommt.
Viel mehr dagegen mochte ich Katies Chefin Demeter, was absurd klingt, gerade, weil sie zu Anfang der Geschichte sehr stereotypisch und schwarz-weiß dargestellt wird. Im Laufe des Buches ist allerdings gerade sie diejenige, die am meisten Entwicklung hinlegt und in deren Innenleben man den besten Einblick bekommt. Wenn es ein Highlight des Buches gab, dann definitiv Demeter.
Eine Liebesgeschichte gibt es - natürlich - auch. Sie war subtil und nett genug gestaltet, um mich nicht weiter zu stören, wurde aber am Ende so präsent gemacht, so erzwungen, dass sie mir eher nur ein weiterer Dorn im Auge war. Der Fokus wurde einfach auf brutale, unpassende Weise verschoben, wenn man mich fragt.
Glücklicherweise hat Kinsella plottechnisch noch etwas gutmachen können: Gerade in den letzten Zügen des Buches gibt es tatsächlich einen genial gestalteten Plottwist, der im Laufe der Geschichte so dezent eingeführt wurde, dass man ihn erst rückblickend begreifen konnte - dieses Element, das ich wirklich überhaupt nicht erwartet hatte, hat der Geschichte dann doch noch etwas Besonderes gegeben, was mir sehr gut gefallen hat.
Und - das muss man Sophie Kinsella lassen - die Moral der Geschichte ist definitiv eine wichtige, wie schon oben angedeutet. Nur weil der Instagram-Feed perfekt ist, muss es noch lang nicht das Leben der Person dahinter sein.

Fazit
My Not So Perfect Life war leider ein weniger perfektes Buch und definitiv schwächer als die anderen zwei Werke (Finding Audrey und Remember Me?), die ich bisher von Kinsella kennenlernen durfte. Ich kam mit der Protagonistin nicht wirklich klar, und die Erzählung wies darüber hinaus einige Längen auf. Dennoch mochte ich die Idee dahinter, und die Moral, dass vieles mehr Schein als Sein ist, ist definitiv eine, die wir uns alle vor Augen halten sollten.


Vielen Dank an Lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

My Not So Perfect Life ⚬ Hardcover: 400 Seiten ⚬ Bantam Press ⚬ Einzelband ⚬ ca. 20€ Kaufen?

Samstag, 25. Februar 2017

[Rezension] Wing Jones - Katherine Webber


Inhalt
Wings Leben war bisher schon alles andere als einfach. Mit einer ghanaischen und einer chinesischen Großmutter wird ihr Aussehen immer wieder zum Inhalt verbaler Angriffe ihrer Mitschüler. Ihr einziger Lichtpunkt in ihrem Leben: Ihr Bruder Marcus, einer der besten Footballer der Schule und der "Star" der Familie, und sein bester Freund Aaron. Doch dann wird ihre Familie von einer Tragödie getroffen, und die Jones' stehen plötzlich vor noch viel größeren Problemen. In der bisher dunkelsten Zeit ihres Lebens entdeckt Wing ihr Lauftalent...

Meine Meinung
Es fiel mir sehr schwer, eine Inhaltsangabe von Wing Jones zu schreiben. Einerseits liegt das daran, dass mir selbst beim Lesen nicht ganz so klar war, wo die Geschichte hinwill - andererseits ist aber auch die Fülle von Themen "schuld", auf die ich später noch zurückkommen werde. Deshalb wundert euch nicht, wenn etwas bewusst vage klingt; ich will euch bloß nicht so viel vorwegnehmen.
Können wir zuallererst bitte darüber reden, was für ein absoluter Hingucker das Buch ist? Dieser Farbverlauf ist ein Traum! Ich bin immer noch ganz verliebt, hach. (Aber allein schon die Schrift auf dem Cover als Schnürsenkel ist super cool!)
Primär soll es aber um den Inhalt des Buches gehen. ;) Wie oben schon angedeutet, ist Diversität* in Wing Jones unglaublich präsent - eigentlich ist es seit Crooked Kingdom das erste "ordentlich" diverse Buch, das ich gelesen habe. Wing hat ghanaische und chinesische Wurzeln, aber auch Marcus' bester Freund Aaron ist schwarz; es ist die Rede von einer jüdischen Kindheitsfreundin Wings, und im Laufe des Buches lernen wir auch ein lesbisches Paar kennen. Gleichzeitig hat Webber die 1990er als Schauplatz gewählt: Wings (schwarzer) Vater fiel Rassismus zum Opfer, auch in der Schule kriegt Wing immer wieder blöde Kommentare zu hören, wegen ihres Aussehens, wegen ihres Gewichts... Webber porträtiert eine traurige Realität (die auch heute noch präsent ist) - und sie macht es verdammt gut.
Wing selbst ist mit fünfzehn Jahren eine noch relativ junge Protagonistin. Umso schockierender ist es, zu lesen, was sie bereits alles erleben musste - und jetzt in diesem Moment erlebt. Sie versucht immer, sich klein zu machen, kann aber dem großen Drama doch nicht ergehen, als ihre Familie von einem Schicksalsschlag getroffen wird. Mit einem Mal wächst die Vielfalt an Themen im Buch noch weiter: Familie, Schuld, Moral, Liebe, Freundschaft, Laufen - all das und noch so viel mehr wird thematisiert. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, und das ist etwas, was mir an dem Buch sehr gefiel. 
Leider wird im offiziellen Klappentext der Fokus auf Wings Laufen gelegt, was meine persönliche Leseerfahrung etwas trübte. Ich erwartete einfach mehr, was ich letztendlich erhielt, traf schlichtweg nicht darauf zu. Es dauert einen gesunden Teil des Buches, bis Wing das Laufen für sich entdeckt, und auch dann ist es nur kurze Zeit sehr positiv dargestellt. Irgendwann wird es mehr zum Mittel, um ein bestimmtes Ziel (das ich nicht spoilern möchte) zu erreichen - und das ist sehr schade; fast so erschreckend wird es, als Wings Training krankhafte Ausmaße annimmt. Ich vermisste die euphorische Darstellung, die Wing am Anfang verspürte.
Grundsätzlich gab es ein paar Aspekte im Buch, die mich gestört haben. Zum Beispiel Wings Löwin und ihr Drachen - ja, ihr habt richtig gehört. Bereits im ersten Kapitel werden zwei imaginäre Wesen eingeführt, die Wing immer wieder in ihrem Leben begleiten, die sie hinaus in die Nacht locken und seltsame Dinge tun lassen. "Seltsam" ist für mich wirklich das passende Wort hier - ich habe bis zum Ende nicht verstanden, was das sollte, fand es schlichtweg schräg.
Auch die Liebesgeschichte im Buch konnte mich nicht überzeugen. Die Beschreibungen sind einfach viel zu schwülstig gewesen, gerade für eine Fünfzehnjährige - seitenlang ging es darum, wie schnell ihr Herz schlug, dass sie an nichts anderes außer an ihn denken konnte und so weiter und so fort. Themenvielfalt okay - aber das war für mich einfach too much. Letztendlich war das so überwältigend, dass die vom Unfall betroffene Person, die Wings Entwicklung überhaupt erst ausgelöst hat, komplett in den Hintergrund rückte und ich nur noch genervt war.
Mein letzter Kritikpunkt ist das Ende - nach Längen innerhalb des Buches hatte ich als Leser das Gefühl, abrupt abgespeist zu werden. Viel zu viele Fragen waren für mich noch offen, und ich war einfach unbefriedigt.
Ich hatte allerdings wirklich zahlreiche gute Momente mit Wing Jones - wie bereits erwähnt, die Diversität ist ein großer Pluspunkt, und auch der Schreibstil transportierte die Geschichte sehr gut. Besonders mochte ich, dass die Familie nicht außen vor gelassen wurde, sondern wirklich in die Geschichte integriert war, und dass auch das Thema Freundschaft im Laufe des Buches immer wichtiger wurde.
Was ich bisher so von Wing Jones mitgekriegt habe, war durchweg positiv - meine Meinung fällt also etwas aus dem Raster. Vielleicht kann es euch ja mehr überzeugen als mich; es ist auf jeden Fall ein Buch, das sehr, sehr viele wichtige Dinge anspricht.

Fazit
Wing Jones ist ein Young Adult-Buch, das nicht in das übliche Muster passt - und das ist positiv gemeint. Diversität ist groß geschrieben, und auch eine gewaltige Vielfalt an Themen wird im Laufe des Buches angesprochen. Ich hatte zwar vereinzelte Probleme mit dem Buch, bin letztendlich aber dennoch froh, Wing und ihre Familie kennengelernt zu haben.


Wing Jones ⚬ Taschenbuch: 384 Seiten ⚬ Walker Books ⚬ Einzelband ⚬ ca. 8,99€ ⚬ Kaufen?

* Einen grandiosen Artikel, weshalb Diversität so wichtig ist, hat Sanne vom Papierplanet geschrieben.

Mittwoch, 22. Februar 2017

[Rezension] Traitor to the Throne - Alwyn Hamilton

Da es sich hierbei um einen zweiten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.


Inhalt
Es ist über ein halbes Jahr vergangen, seitdem Amani bei den Rebellen ein Zuhause gefunden hat. Ahmeds Botschaft verbreitet sich langsam, aber sicher - wenn auch nicht ohne Rückschläge. Auch Amanis Weltbild wird erneut erschüttert, als sie gekidnappt wird und in den Fängen des Sultans höchstpersönlich landet. Stück für Stück kommt sie hinter die Pläne des Mannes, gegen dessen Herrschaft sie kämpft, und muss feststellen, dass diese größer und wahnsinniger sind als sie jemals hätte ahnen können.

Meine Meinung
Traitor to the Throne gehört ebenfalls zu den Büchern, deren Erscheinen ich dieses Jahr kaum erwarten konnte. Und - so viel kann ich vorwegnehmen - es hat mich nicht im Geringsten enttäuscht.
Das Buch setzt einige Monate nach den Geschehnissen im letzten Band ein. Ein erstes, zusammenfassendes Kapitel klärt darüber auf, was in der Zwischenzeit vorgefallen ist. Dann sind wir zurück im Geschehen, das wieder aus Amanis Perspektive erzählt wird - und Leute, ich verrate euch nicht zu viel, wenn ich sage, dass Amani in diesem Teil noch mehr Biss hat.
Ich habe Amani im ersten Band geliebt; jetzt, nach Traitor to the Throne, vergöttere ich sie schon fast. Ihre Entschlossenheit, ihre Fähigkeit, einen kühlen Kopf auch in brenzligen Situationen zu behalten, ihre sarkastischen Kommentare - all das ist präsenter denn je. Doch Hamilton zeigt auch, dass Amani eben nicht perfekt ist. Amani selbst sagt es - dass sie zum Beispiel immer noch sich zuerst retten würde, dass es ihr nicht gelingt, so selbstlos zu sein, wie sie manchmal gern sein würde.
Gleichzeitig ist sie unabhängig - natürlich bewegt sie sich in einem Netzwerk von Freunden (ich werfe hierbei einen intensiven Blick auf Shazad, die fast die verborgene Heldin der Geschichte ist) und bändelt auch mit Jin an, doch das ist alles nicht so überwältigend. Gerade die Romanze (was auch teils daran liegt, dass Jin in diesem Band kaum anwesend ist) ist einfach so schön dezent, sie überwiegt nicht die ganze andere Handlung und strotzt auch nicht vor schwülstigen Liebesgeständnissen. Ich liebe einfach die Charaktere, alte und neue, die wir in Traitor to the Throne kennenlernen - und was für welche!
Was ich besonders an dem Band liebte, war die Tatsache, dass der Sultan auftritt - mehr als nur einmal, er nimmt zeitweise eine große Rolle in Amanis Leben ein, prägt ihre Gefangenschaft im Harem sehr. Der Sultan ist der große Endgegner - derjenige, den Ahmed stürzen will. Zu den Anschuldigungen bekommen wir plötzlich ein Gesicht, und nicht nur das: Wir bekommen eine dreidimensionale Figur, einen Mann, der mehr als nur ein Bösewicht ist, sondern ein Charakter mit Tiefen, wie man sie kaum erahnen kann. Ich war fasziniert, so fasziniert - generell von dem ganzen Einblick ins Innere des Harems, der uns geboten wurde. Ich würde gerne mehr sagen, doch das ist kaum möglich, ohne zu spoilern - aber glaubt mir: Alwyn Hamilton hat so einiges in petto, und vor allem trampelt sie ausgiebig auf den Leserherzen herum.
Grundsätzlich wird der Weltenbau in Traitor to the Throne weiter ausgearbeitet; einerseits kriegen wir mehr von der Welt zu sehen, andererseits werden aber auch so viele Legenden mehr erzählt, die sich Stück für Stück in das Bild einer Welt einfügen, die trotz ihrer Fremdheit sehr vertraut wirkt. Nicht zuletzt "schuld" daran ist Hamiltons Schreibstil, der sich nicht mit überflüssigen Beschreibungen aufhält, sondern auf den Punkt kommt und einfach... erzählt.
Traitor to the Throne misst fasst 600 Seiten - und es gibt keine einzige, die ich nicht geliebt habe. Das Buch hat mich zum Lachen gebracht, es ließ mir den Atem stocken und ja, mir kamen auch die Tränen. Ein grandioser Folgeband zu einem fantastischen Debüt.

Fazit
Traitor to the Throne steht Rebel of the Sands in nichts nach, im Gegenteil - es übertrifft seinen Vorgänger um Längen. Hamilton begeistert mit neuen Charakteren, einer fantastischen Protagonistin und fesselnden Plottwists. Wer Rebel of the Sands liebte, wird Traitor to the Throne vergöttern!


Traitor to the Throne ⚬ Taschenbuch: 592 Seiten ⚬ Faber & Faber ⚬ Reihe: 2/3 ⚬ ca. 6,99€ ⚬ Kaufen?

Mittwoch, 15. Februar 2017

[Rezension] And I Darken - Kiersten White


Inhalt
Lada und Radu könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie ist brutal, schonungslos, eifert ihrem Vater nach. Er ist zart, verletzlich, sensibel, will am liebsten nicht bemerkt werden. Die Kindheit der beiden nimmt eine abrupte Wendung, als sie ihrer Heimat Wallachia entrissen werden, um im Osmanischen Reich aufgezogen zu werden. Umso älter sie werden, desto größer wird auch das Netz aus Intrigen und Geheimnissen um das ungleiche Geschwisterpaar...

Meine Meinung
Ich habe die Inhaltsangabe bewusst grob und vage gehalten, da ich der festen Überzeugung bin, dass man lieber etwas ahnungsloser an ein Buch herangeht als umgekehrt. Und gerade die offizielle Inhaltsgabe von And I Darken verrät so einiges, das wirklich erst nach einem guten Stück des Buches passiert.
Zugegeben liegt das zum Teil daran, dass in And I Darken eine Zeitspanne von 16 Jahren abgedeckt wird und, das möchte ich gleich vorwegnehmen, die Charaktere die treibende Kraft sind, nicht der Plot. Es hatte ein paar The Song of Achilles-Vibes, was ein Grund war, weswegen ich mich gleich wohl fühlte.
Die Geschichte spielt erst im Fürstentum Walachei, dann im Osmanischen Reich... und zu einer Zeit (um 1400 herum), die mir völlig fremd war - und gleichzeitig nicht. Kiersten White gelingt es, mit viel Liebe zur Detail all diese fremden Welten zu erschaffen. Verschiedenste Sitten und Bräuche, ganze Religionen sind geschickt in die Geschichte eingeflochten - selbst ein Glossar gibt es (das ich leider viel zu spät entdeckt habe). Ich bin jemand, der leicht den Überblick verliert, gerade bei vielen Namen und Ämtern und Kulturen, die ich nicht kenne, von daher war ich angenehm überrascht und vor allem nur selten verwirrt. ;)
Aber auch wenn die Beschreibung der Welt ein Teil des Romans ist, so sind die Charaktere, wie bereits angedeutet, doch einfach das Kernstück der ganzen Erzählung. Ich meine, gerade Lada und Radu begleiten wir von ihrer Geburt an! Und ich kann nicht mal ansatzweise beschreiben, wie fasziniert ich sowohl von ihrer Entwicklung als auch von ihrer Komplexität bin. Bei den Geschwistern handelt es sich um keine Figuren, die man unbedingt mag oder zumindest nicht liebt - aber sie sind einfach so unglaublich interessant. Lada mit ihren brutalen Zügen und unbeschreiblicher Determination, Radu, der lernt, ein anderes Spiel zu spielen, um zu überleben. Gleichzeitig flicht White weitere Themen ein; zum Beispiel Radus Homosexualität, mit der er immer wieder anstößt, Fragen nach Moral, Politik, Krieg. And I Darken mag als Young Adult vermarktet werden, doch es ist düster und komplex und ganz sicher keine leichte Lektüre.
Radu, Lada und Mehmed (ein ostmanischer Thronfolger, der erst im Laufe der Geschichte eingeführt wird) basieren alle auf realen Figuren, Lada insbesondere auf Vlad dem Pfähler; in diesen Teil der Vergangenheit habe ich mich erst hinterher etwas eingelesen und bin fasziniert von Whites Parallelen, vielmehr aber auch von den Interpretationen, die sie vorgenommen hat.
Es gab rückblickend nur ein paar Kleinigkeiten, die mich daran hinderten, dieses Buch zu lieben: Stellenweise war es einfach zu langsam, vor allem nach der Hälfte schleppte es sich ein wenig. Außerdem konnte ich Mehmed, der trotz seiner späten Einführung zu einem zentralen Charakter wird (wer's wissen will, kann es in der Kurzbeschreibung nachlesen), nicht so gut leiden wie Radu und Lada. Mehmed bleibt einfach etwas blass, etwas sprunghaft und gleichzeitig undurchsichtig, was zumindest stellenweise daran liegt, dass wir schlichtweg keine Szenen aus seiner Sicht bekommen haben - aber wer weiß, vielleicht kann ich mich ja im zweiten Band vollends für ihn erwärmen. Denn die Fortsetzung Now I Rise erscheint - zum Glück! - schon Ende Juni.
Letztendlich bin ich einfach froh, dass ich zu And I Darken gegriffen habe. Das Buch lag wieder einmal etwas außerhalb meiner Komfortzone, und wieder einmal habe ich diesen Ausbruch definitiv nicht bereut. Sehr empfehlenswert!

Fazit
And I Darken ist ein gelungener Auftakt zu einer Trilogie, die mit einem spannenden historischen Setting und vor allem mit unglaublich faszinierenden Protagonisten überzeugt. Eine klare Empfehlung meinerseits!


And I Darken ⚬ Taschenbuch: 496 Seiten ⚬ Band 1/3 ⚬ Delacorte Press Books for Young Readers ⚬ ca. 7,99€ ⚬ Kaufen?


Mittwoch, 8. Februar 2017

Lieber Harry...


Lieber Harry,

Ich bin mir nicht ganz sicher, wann wir uns das erste Mal trafen. Ich glaube, ich war sechs Jahre alt. Vor allem aber erinnere ich mich daran, im Zug gewesen zu sein. Ich flog förmlich über die letzten Seiten deines Abenteuers, und dann war es auf einmal vorbei - zumindest vorerst - und ich hatte für den Rest der langen Zugfahrt gar nichts mehr zu lesen.
Ich erinnere mich auch noch an dein letztes Abenteuer. Direkt am Erscheinungstag landete deine Geschichte bei uns im Haus, und ich sah das Buch auf dem Tisch liegen. Fast schon ehrfürchtig schlug ich es auf, erhaschte einen Blick auf den Epilog, klappte es schnell wieder zu.
Im selben Jahr erschien auch der fünfte Teil im Kino. Auch daran erinnere ich mich noch. Dass ich, obwohl der Film FSK 12 war, zusammen mit meiner Mutter im Kinosaal sitzen durfte. Die Leinwand erhellte sich und ergänzte Bilder zu den Fantasien in meinem Kopf.
Vielleicht hat mich hast du mich geprägt, Harry, vielleicht aber war ich letztendlich bei all diesen "ersten Malen" zu jung, um es vollkommen zu begreifen. Du warst auf jeden Fall ein Teil meines Lebens, und wenn ich zufällig über einen der Filme im Fernsehen stolpere, dann freue ich mich.
Streichen wir den letzten Satz: Du bist ein Teil meines Lebens.
Denn wenn ich eines mit Sicherheit benennen kann, dann ist es das Gefühl, das mich überkommt, wenn ich eines deiner Abenteuer in den Händen halte. Zuhause. Denn obwohl mein Hogwarts-Brief nicht kam und ein Teil von mir dem immer noch hinterher trauert, so sind mir Hogwarts und Dumbledore und Hermine und Ron und auch du, Harry, so vertraut wie kaum etwas anderes. Wenn ich die ersten Worte lese, dann überkommt mich eine Wärme, ein Gefühl von Sicherheit, das mich für eine Weile von der "echten" Welt ablenkt.

Und dafür bin ich dir sehr, sehr dankbar.

Liebe Grüße,
Isabella


Zu Weihnachten habe ich das wunderbare Geschenk des Harry Potter-Schubers bekommen und mich wieder einmal in den Büchern verloren - oder, besser gesagt, gefunden. Etwa zur gleichen Zeit habe ich Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind im Kino gesehen und geliebt. Wirklich den Ausschlag für den Post gegeben hat allerdings das Drehbuch dazu. Ich war erst skeptisch, und es dauerte ein paar Seiten, bis ich mich richtig an diese ganz besondere Art von Lektüre gewöhnen konnte. Dann aber kehrte das vertraute Gefühl von Heimat zurück - besonders mit Joanne K. Rowlings kleinen Andeutungen im Nebentext, die man im Film gar nicht so mitkriegt.
Es wird immer Menschen geben, die argumentieren, dass man endlich aufhören soll, Harry Potter als Heiligtum zu behandeln. Die sagen, dass es nur noch eine Geldmache Rowlings ist. Das sehe ich nicht so, und es ist auch kein Post, in dem ich irgendwelche Argumentationen abhandeln will. Ich will euch einfach nur dazu ermuntern, in euren "Harry Potters" zu schwelgen - ob das jetzt tatsächlich die Potter-Bücher sind oder einfach Werke, an die ihr verdammt gute Erinnerungen habt.

“It matters not what someone is born, but what they grow to be.”
(J.K. Rowling, Harry Potter and the Goblet of Fire

Samstag, 4. Februar 2017

[Rezension] Heartless - Marissa Meyer


Inhalt
Der unverheiratete König hat Interesse an Catherine - für jedes andere Mädchen wäre dies ein Grund zur Freude. Catherines Leidenschaft liegt jedoch beim Backen, ihr Traum ist es, zusammen mit ihrer Magd Mary Ann eine Bäckerei zu eröffnen.
Als Catherine auf einem Ball begreift, dass der König ihr gleich in aller Öffentlichkeit einen Heiratsantrag machen wird, entflieht sie den Festivitäten - und stolpert in die Arme Jests, der Joker des Königs. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebe, und Cath ist fest entschlossen, ihre Zukunft eigenhändig zu gestalten... doch das Schicksal hat andere Pläne.

Meine Meinung
Bevor ich in meine Lobeskapaden ausbreche, einen kleinen Disclaimer: Ich habe weder Alice im Wunderland gelesen noch irgendeine Filmadaption gesehen -  schlug also mit nahezu keinem Vorwissen Heartless auf.
Denn Heartless ist nicht nur irgendeine Geschichte; sie ist eine Vorgeschichte der Königin der Herzen, oder vielmehr Meyers eigene Interpretation davon. Für mich war das Ganze besonders schräg; ich bin Alice im Wunderland bisher nicht nur entgangen, ich habe es regelrecht gemieden, wirkte es immer etwas befremdlich auf mich. Heartless habe ich vordergründig wegen der Autorin erworben, wegen meiner Neugier, was sie wohl als Nächstes zu Papier gebracht hat - ich hatte somit keinerlei Erwartungen, als ich an das Buch heranging.
Und ich hatte auch keine Ahnung, was mich erwarten würde. Vom ersten Kapitel an begegnet man als Leser einer ganz besonderen, wundersamen Welt mit sprechenden Hasen, Kartensoldaten und allerlei weiterer wundersamer Bewohner. Meistens ist es so, dass die Hauptfigur selbst neu in solch einer Welt ist; hier allerdings waren alle mit den Begebenheiten vertraut und ich war die "Fremde", die, die sich umsah, sich wunderte, sich mit einer ganz neuen Welt vertraut machte.
Das ist alles bewusst so gewählt - denn Meyers Schreibstil ermöglichte es mir ohne weiteres, die Welt und ihre Bewohner nachzuziehen. Vor meinen Augen erstanden Cheshire, der Laden des Hutmachers, Jest mit seinem Raben als Begleiter, als hätte ich sie mein ganzes Leben lang schon gekannt.
Zu Anfang überwiegt auch die locker-leichte Atmosphäre des Buches - wir schweben in den Düften von Caths Zitronentarts und bissigen Austauschen mit Cheshire.
"Are you here for a reason, Cheshire?"
"Why, yes, I would enjoy a cup of tea. I take mine with lots of cream, and no tea. Thank you."
(Marissa Meyer, Heartless, S. 199)
Schnell aber schwindet diese Atmosphäre, und das Buch wird immer düsterer, düsterer, düsterer - in Dimensionen, die sich nicht mehr mit den Lunar Chronicles vergleichen lassen.
Inmitten all dem ist natürlich vorrangig Catherine - eine Protagonistin, die ich so noch nie gelesen habe, die ich aber doch schnell ins Herz schloss. Ich konnte mich unglaublich gut mit ihr identifizieren, und kann mir vorstellen, dass ich damit nicht die Einzige bin. Ihr Traum von der Bäckerei ist quasi unmöglich, da ihre Eltern strikt dagegen sind, und doch hört sie nie auf zu träumen - sie schafft den Schritt vom Traum zur Wirklichkeit jedoch nur so halb, ist letztendlich irgendwie eine Gefangene der Gesellschaft. Die ganze Zeit über bleibt die Frage, ob es ihr gelingt, auszubrechen.
Auf der anderen Seite ist Jest. Jest ist einer dieser männlichen Charaktere, die eine oberflächliche Nonchalance mit sich bringen, und ehe ich mich versah, grinste ich nur noch wegen der Gespräche der beiden. Sie haben eine wundervolle Dynamik zusammen, und obwohl von Anfang an klar ist, dass es eine Liebesgeschichte geben wird, so streckt sich diese über das Buch aus und ist einfach herzerwärmend. Ich kann es nicht anders beschreiben - es ist, als wäre Heartless zu einem Zeitpunkt in mein Leben gekommen, in dem ich es dringend benötigte.
"She shuddered. 'No, it wasn't Raven. It was... I thought I saw... nothing.'
'I see nothing all the time.'
'As I said before, it was very warm inside, that's all. And I've barely eaten all day.'
'No doubt the corset of tortures didn't help.'
Her scowl deepened. 'A lady's undergarments are not a suitable topic of conversation.'
He raised his hands in surrender. 'Only a theory, my lady. I'm sure your lack of sustenance is much more the culprit. Here.' He reached for a pouch at his belt and retrieved a chocolate. 'I was saving this for later, and so I must have been saving it for you.'
(Marissa Meyer, Heartless, S. 56)
Auch die Nebencharaktere sind alle ein Faszinosum in sich - der Hutmacher, der König, selbst Caths Eltern. Alle sind durch ihre eigenen Charakteristika gekennzeichnet und, obwohl nicht durchgehend liebenswert, passen sich perfekt in dieses wundersame Gefüge ein.
Wie ich oben schon erwähnt habe, ist Heartless nicht durchweg eine leichte Geschichte. Spätestens ab der Hälfte des Buches schnürte sich mir immer öfter und öfter die Kehle zu, als sich Ahnungen anbahnten, eine düstere als die andere... Und tatsächlich löste das Buch einen Haufen Emotionen aus, von Trauer über Wut bis zu mehr Trauer, ehe ich es zuschlug und einfach gar nicht mehr wusste, was ich fühlen sollte. Auch jetzt muss ich immer noch an die Geschichte denken und kann gar nicht glauben, was Meyer mir damit angerichtet hat - vor allem bei einem Buch, von dem ich keinerlei Erwartungen hatte. Heartless hat mir definitiv mein Herz gestohlen.

Fazit
Mittlerweile glaube ich, dass es nichts gibt, das Marissa Meyer nicht schreiben kann. Der Einzelband Heartless hat mich mit der wundersamen Welt, in der er spielt, und den noch wundersameren Charakteren von der ersten Seite an überzeugt und mich unglaublich berührt. Ein grandioses Werk!


Heartless ⚬ Taschenbuch: 453 Seiten ⚬ Einzelband ⚬ Feiwel and Friends ⚬ ca. 7,99€ ⚬ Kaufen?

Mittwoch, 1. Februar 2017

[Rückblick] Lesemonat Januar 2017

Ja, ich zitiere mich selbst. Aber dieser Tweet fasst eigentlich alle meine Gefühle dem Januar gegenüber zusammen.
Was mich am meisten ärgert? Dass es Marissa Meyers Heartless es nicht auf die Liste geschafft hat. Aber ich hätte entweder (noch mehr) Lernzeit oder Schlafzeit opfern müssen, und das... das konnte ich mir nicht antun. 😂 Macht euch jetzt schon auf Lobeskapaden in der Rezension und im nächsten Rückblick gefasst. Februar ist ja noch kürzer als jeder andere Monat. Januar war trotzdem ein okayer Lesemonat, und, wie ich euch bereits vorgewarnt habe, ein sehr Harry Potter-lastiger.


1) Harry Potter and the Chamber of Secrets - Joanne K. Rowling (5/5)
Leute, was erwartet ihr von mir? Wie könnte ich dem - irgendeinem - Harry Potter-Buch weniger als fünf Sterne geben?
Leigh Bardugo hat es in diesem Interview überraschend gut beschrieben: "There are times when I want to read stories of underdogs and revolution and great corrupt powers being overthrown. Hypothetically. But there are also times I want to simply be transported and I want to escape and I want to believe that magic is real. And I think there is a certain gentleness we look for even in fantasy stories sometimes. A kind of wish fulfillment that’s really satisfying and comforting.
I often find myself rereading the first few books of the "Harry Potter" series because it’s such a comforting world. And I think that it’s OK to indulge in that.
"

Dasselbe gilt somit auch für:

2) Harry Potter and the Prisoner of Azkaban - Joanne K. Rowling (5/5)
(Obwohl ich diesen Teil ein bisschen mehr als alle anderen liebe.)

3) Harry Potter and the Goblet of Fire - Joanne K. Rowling (5/5)

4) Windwitch - Susan Dennard (4/5)
Windwitch war eine tolle Fortsetzung mit ein paar Schwächen - im Großen und Ganzen war ich einfach wieder sehr froh, mit Aeduan, Iseult und Co. wiedervereint zu sein.
Meine Rezension findet ihr hier.

Das macht, wie man unschwer erkennen kann, vier Bücher. 1823 Seiten (über 2000, wenn ich Heartless rechtzeitig gelesen hätte, damn), ca. 59 pro Tag. Januar begann klasse, dann waren die Weihnachtsferien jedoch vorbei und Januar war zwar immer noch klasse, nur zwang ich mich, meine Lesezeit auf meine Uni-Notizen zu verwenden. 😉
Februar... in Februar warten zwei Neuerscheinungen auf mich, auf die ich mich unglaublich freue - Traitor to the Throne von Alwyn Hamilton und A Conjuring of Light von V.E. Schwab. Mein Herz wird also mindestens zweimal gebrochen.
Außerdem befinden sich fünf Klausuren in der nahen Zukunft, die erste morgen... super, jetzt hab ich mich selbst nervös gemacht. Aber so was hält mich mit Sicherheit nicht davon ab, irgendwelche Blogartikel zu posten. Macht ja auch Spaß, der Kram hier. 😋

Wie war denn euer Lesemonat Januar? Irgendwelche bestimmte Vorsätze fürs Lesejahr 2017?

Samstag, 28. Januar 2017

[Rezension] Windwitch - Susan Dennard

Da es sich hierbei um den zweiten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!


Inhalt
Merik Nihar sollte tot sein. Doch er überlebt die Explosion seines Schiffes und macht sich auf die Suche nach dem Verräter.
Safi und Vaness werden ebenfalls von einer Attacke auf ihr Schiff überrascht. Auch ihnen gelingt es, zu fliehen... nur um in die Fänge von jemand ganz anderem zu geraten.
Iseult macht sich auf die Suche nach Safi, ihrer Strangschwester, doch ihr Weg kreuzt sich mit Aeduans. Die beiden schließen eine Allianz, die unmöglich halten kann - und es doch irgendwie tut.
Doch die Konflikte zwischen den Charakteren sind längst nicht die einzigen, die brodeln - und auch die Abgründe in ihnen sind tiefer als erwartet...

Meine Meinung
Windwitch war eines meiner meistantizipierten Bücher dieses Jahres - und, so viel kann ich vorwegnehmen, auch wenn es mich nicht umgehauen hat, so war es definitiv keine Enttäuschung!
Laut der offiziellen Inhaltsangabe steht Merik im Mittelpunkt des Buches, aber so ganz kann ich das nicht bestätigen. Ist wohl auch gut so, denn Merik war einer der Charaktere im Buch, die mich am wenigsten überzeugt haben. Er wirkte distanziert und abweisend; so sehr ich mich auch bemühte, gelang mir kaum ein Einblick in seinen Kopf. Und seine Begleiterin Cam von seiner ehemaligen Crew konnte ich noch weniger ausstehen - warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Irgendetwas an ihrer Art wirkte einfach noch schroffer, noch distanzierter als Meriks Verhalten.
Das ist besonders in Anbetracht der Tatsache schade, dass ich Merik in Truthwitch unglaublich gut leiden konnte - aber gerade rückblickend war das wohl mehr Schein als Sein, haben wir in Truthwitch nie übermäßig viele Szenen aus seiner Perspektive gekriegt. Allerdings muss ich auch anmerken, dass meine Perzeption von ihm gerade zum Ende Windwitchs hin geändert hat... und ich ihn zumindest ein wenig besser verstehen konnte.
Für die anderen Charaktere konnte ich zum Glück mehr Sympathie aufbringen. Zum Einen für die anderen Neuankömmlinge - darunter Caden, ein Hell-Bard, den ich Stück für Stück mehr ins Herz schloss. Auch Vaness ist ein interessanter Charakter, über den wir in Windwitch etwas mehr lernen. 
Von den Protagonisten war Safi war so bissig, direkt und einfach... lebendig wie eh und je. Iseult macht einige Veränderungen durch, die sie als Charakter nur noch komplexer werden lassen. Und Aeduan... Aeduan ist sowieso mein Liebling. Die mysteriöse Aura, die ihn umhüllt, wird nur ein wenig in Windwitch gelüftet, aber gerade die Szenen mit ihm und Iseult sind pures Gold wert - nicht, weil Dennard plötzlich eine Romanze vom Himmel fallen lässt oder dergleichen. Stattdessen sind es die kleinen Dinge, die Andeutungen, zwischenmenschliche Kleinigkeiten, die mir einfach Lust machten, weiterzulesen. 
"A blink of confusion. Two shuddering breaths. Then understanding braced through him. [...] He wiped his face on his shoulder, then offered Iseult his hand. She clasped it tight, her fingers lacing between his. Together they ran."
(Windwitch, Susan Dennard)
Das Buch lebt von diesem Zwischenmenschlichen, von den Charakteren - weswegen die Tatsache, dass die Handlung stellungsweise etwas ziellos ist, zumindest ein wenig in den Hintergrund rückt.
Denn ich will es nicht beschönigen: Ich habe mich oft gefragt, wo das große Ganze ist. Warum ich das Gefühl habe, dass die Charaktere auf der Stelle treten... und erst gegen Ende gelang es mir, die einzelnen Fäden miteinander zu verbinden.
Im letzten Viertel geht die Geschichte auch erst so richtig los - Plottwist folgt auf Plottwist und Susan Dennard beweist einmal mehr, warum ich mich überhaupt erst in Truthwitch verliebt habe. Die Welt, der Schreibstil und natürlich die Charaktere sind einfach ein Meisterwerk.
Es ist kein Geheimnis, dass Susan Dennard Schwierigkeiten hatte, Windwitch zu schreiben. Und unabhängig davon, ob/wie sich das auf das Buch ausgewirkt hat, hat auch Windwitch seine Schwierigkeiten - damit meine ich vor allem den Plot, der etwas hinterherhinkt. So hat am Ende des Tages das Lesen des Buches zwar ein wenig länger gedauert, aber ich habe es nicht maßgeblich weniger genossen. Die Charaktere (Merik ausgenommen) und vor allem die unglaubliche Entwicklung, die sie durchmachen, haben mich zusammen mit dem Schreibstil vollkommen in den Bann gezogen. Susan Dennard ist einfach die Meisterin der Andeutungen, und vor allem gelingt es ihr, packende Bücher zu schreiben, die auch ohne die obligatorische Romanze den Leser packen.
Wer Truthwitch (Schwestern der Wahrheit im Deutschen) mochte, wird Windwitch mögen, wenn nicht sogar lieben!

Fazit
Windwitch ist kein perfekter Folgeband, aber trotz Schwächen ein gelungener. Susan Dennard zeigt abermals, was für grandiose, dreidimensionale Charaktere sie geschaffen hat, die nicht nur mit ihren hellen, sondern auch mit ihren dunklen Seiten den Leser in den Bann ziehen.


Windwitch ⚬ Hardcover: 384 Seiten ⚬ Reihe: 2/4 ⚬ Tor Teen ⚬ ca. 10,49€ ⚬ Kaufen?

Samstag, 14. Januar 2017

[Rückblick] Tschüss, 2016! (... und mein Lesemonat Dezember)

Alternativ: Der gefühlt spätesteste Rückblick, der jemals das Licht der Internetwelt erblickt hat. 

Liebe Freunde der Unterhaltungsliteratur,
ich könnte euch einen langen oder einen sehr langen Artikel präsentieren. Ich könnte auch zahlreiche Gründe aufzählen, warum der Post erst jetzt kommt, aber wie gesagt, das trägt alles zur Länge bei. (Und es wird jetzt schon lang.)
Wer nur den Jahresrückblick lesen möchte, darf so frei sein und einfach zu dem Absatz "Ein Blick auf 2016..." runterscrollen.
Steigen wir ohne Umschweife in meinen Lesemonat Dezember ein:


Die Tales from the Shadowhunter Academy sind eine schöne Ergänzung; der Einstieg fiel mir etwas schwer, aber mit der Zeit wurde ich selbst mit Simon warm - und das soll (für mich) was heißen. Für Fans der Chroniken der Unterwelt und der Chroniken der Schattenwelt auf jeden Fall empfehlenswert!

Auf diesen Science-Fiction-Roman komme ich gleich noch einmal zurück, so viel aber sei gesagt: Ein grandioses Debüt, das ich binnen weniger Tage verschlungen habe!

3) Miss Peregrine's Home for Peculiar Children - Ransom Riggs (2/5)
Leider die Enttäuschung des Jahres für mich! Von dem Buch habe ich über einen Zeitraum von Jahren nur Gutes gehört - der Funken sprang beim Lesen einfach nicht über, weil ich mit Jacob - dem Protagonisten - gar nicht warm wurde und auch der Plot nicht wirklich vom Fleck kam.

Ein typischer "Green" - der Anfang zieht sich ein wenig, danach aber wird man von Weisheiten überschwemmt und erlebt Abenteuer mit dem Genie Colin, der sich die Frage stellt, wie es nach Katherine 19 weitergeht.

Ein weiterer quasi-Reread - ich habe bereits die deutsche Ausgabe, Schwestern der Wahrheit, gelesen und fand es klasse! Da allerdings die Fortsetzung auf Englisch bereits diesen Januar erschien und ich die Geschichte sowieso zuvor noch einmal lesen wollte, musste die amerikanische Ausgabe her.
In Truthwitch geht es um die Strangschwestern Safi und Iseult, die von einer Katastrophe in die nächste schlittern; um Merik, der versucht, sein Königreich zu retten, und Aeduan, eine Bluthexe, der hinter Safi her ist. Das Besondere an dem Buch ist, dass Safis und Iseults Freundschaft im Vordergrund steht, was eine willkommene Abwechslung ist <3 Auf Englisch gefiel es mir noch einen Ticken besser (die deutsche Übersetzung hakt stellenweise), ich kann euch das Original also nur nahelegen!

6) Iphigenie auf Tauris - Johann Wolfgang Goethe (1/5)
(Fehlt oben auf dem Bild.) Tja, der Lesemonat wäre nicht vollkommen ohne das obligatorische Reclam-Heftchen. Iphigenie auf Tauris ist das schlechteste Drama, das ich jemals gelesen habe, und selbst die Interpretation konnte nichts daran ändern. Die Sprache ist einfach zu vollgestopft mit Metaphern und Anspielungen, was das Lesen schlichtweg zur Qual macht.

7) Harry Potter and the Philosopher's Stone - Joanne K. Rowling (5/5)
Wie viele andere kenne und liebe ich die Harry Potter-Bücher - den ersten Band habe ich mit sechs Jahren verschlungen, und die Magie hat bis heute nicht nachgelassen. Zu Weihnachten erhielt ich den wunderwunderwunderschönen Schuber und bin jetzt wieder voll und ganz im Harry Potter-Fieber angekommen.

Insgesamt macht das 2568 Seiten, ca. 83 pro Tag. (Und gefühlt die Hälfte wurde in den Weihnachtsferien gelesen, aber nur gefühlt.)
Wir stecken bereits mitten im Januar, und so viel sei gesagt: Die Statistik wird nicht gerade berauschend sein, und sie wird überproportional viel Harry Potter enthalten. Sorry not sorry.
Ein Blick auf 2016...
Wenn ich auf 2016 zurückblicke, dann möchte ich gerne ein langgezogenes und sehr lautes "Uff" von mir geben. 2016 war für mich schon ein ziemlich cooles (vollgepacktes, anstrengendes) Jahr - ob jetzt lesetechnisch, blogtechnisch oder persönlich. Ich könnte auch noch Stunden darüber reden, aber zuerst einmal kriegt ihr die knallharten Fakten:

In 2016 habe ich 70 Bücher gelesen. (75, wenn man Rereads mitzählt!)
Ganze 43 dieser Bücher waren auf Englisch, worauf ich besonders stolz bin! (48 mit Rereads.)
Insgesamt hatten diese Bücher 28241 Seiten, so viel habe ich zuletzt in 2012 gelesen - das macht etwa 403 Seiten pro Buch. (Rereads hier nicht mitgezählt.)
Im Durchschnitt habe ich diese Bücher mit 3,99 Punkten/Herzen bewertet.

Was euch diese Statistiken sagen sollen? Zwei Dinge.
1) Mittlerweile lese ich teilweise schneller (lieber sowieso) auf Englisch als auf Deutsch.
2) Ich habe 2016 unglaublich viele unglaublich gute Bücher gelesen. Ich habe nicht jedem Buch vier, fünf Herzen hinterhergeworfen, sondern tatsächlich überwiegend verdammt gute Bücher aufgeschlagen. Und das macht mich am allerglücklichsten.

Bei der Menge an Büchern kann ich nicht auf jeden Favoriten eingehen, und die Lowlights 2016 unterschlagen wir gekonnt.
Hier ein paar honourable mentions - Bücher, die genial waren, aber nicht genial genug, um es in meine absoluten Favoriten zu schaffen:
- Die fünfte Welle und Das unendliche Meer von Rick Yancey
- Winter von Marissa Meyer
- Lady Midnight von Cassandra Clare
- Six of Crows von Leigh Bardugo
- Queen of Shadows und Empire of Storms von Sarah J. Maas
- Rebel of the Sands von Alwyn Hamilton

Kollektives Luftholen.

Jetzt kommen wir zu den Favoriten-Favoriten, die ich einfach im Detail erwähnen muss. (Obwohl ich auch versucht bin, Romane über oben genannte Lieblinge zu schreiben. <3)


Giants: Sie sind erwacht von Sylvain Neuvel ist ein Favorit-Favorit 2016, weil es mich nicht nur aus meiner Komfortzone lockte, sondern auch zeigte, wie cool es außerhalb sein kann.
Neuvel bringt Science Fiction auf ein neues Level, macht es trotz komplexerer Begrifflichkeiten dem Leser leicht zugänglich und wagt sich in weitere Themenkomplexe wie Linguistik, Politik, Wirtschaft... alles in einer ganz besonderen Erzählweise, durch Interviews und Protokolle, geschrieben und geführt durch Charaktere, die eigenartiger nicht sein können und dem Leser doch unglaublich ans Herz wachsen.


Madeline Millers The Song of Achilles ist ein Favorit-Favorit 2016, weil es den besten Schreibstil enthält, den ich jemals gelesen habe - und weil das Buch von viel zu wenigen gewürdigt wird.
The Song of Achilles erzählt von Patroclus und Achilles, ihrer Freundschaft, ihrer Liebe, ihrem Schicksal. Egal, ob man die Geschichte vorher kennt oder nicht (wie ich) - Miller verzaubert den Leser von der ersten Seite an. Es ist eines dieser Bücher, dem keine Rezension, keine mögliche Menge an Lobpreisen gerecht werden könnte.


A Darker Shade of Magic und A Gathering of Shadows von V.E. Schwab gehören zu meinen Favorit-Favoriten 2016, weil sie mich einer Autorin nahegebracht haben, die ich sowohl als Schriftstellerin aber auch als Persönlichkeit unglaublich zu schätzen gelernt habe.
Schwab hat eine der besten fiktionalen Welten geschaffen, in denen ich mich jemals aufgehalten habe. Sie hat Charaktere kreiert, die ich kennen und lieben lernte, die sich nicht über irgendwelche Beziehungen, sondern ausschließlich über sich selbst definieren lassen. Zwei wunderbare Bücher, die vor allem das wunderbare Gefühl der Entschleunigung mit sich bringen.

Mein Favorit-Favorit-Favorit 2016 (ich höre jetzt auf, versprochen) ist allerdings Crooked Kingdom von Leigh Bardugo, weil— nein, vergesst das.
Es gibt nicht genug Weils auf der Welt, die erklären könnten, wie viel mir das Buch - die ganze Dilogie - bedeutet. Die erklären, was ich fühlte, bevor ich diesen zweiten Band aufgeschlagen habe, als ich das erste Kapitel las, als ich einen Tag lang das Bett nicht mehr verließ, weil ich mich nicht mehr von dem Buch lösen konnte. Weil ich im wahrsten Sinne des Wortes an den Charakteren klebte, weil ich selbst Monate nach Beenden des Buches immer noch an sie denke, an die Gefühle, die sie in mir ausgelöst haben, denen ich niemals mit Worten gerecht werden kann. Alle Bücher, die ich in diesem Post erwähnt habe, sind Herzensbücher... dieses ist aber das Buch für mich.
Die sechs Protagonisten — Kaz, Inej, Jesper, Wylan, Matthias und Nina — sind nicht nur das ideale Beispiel für Diversität in Büchern, sondern generell ein ideales Beispiel für die unperfektesten perfektesten Charaktere, die es da draußen in der Buchwelt gibt. Bardugo setzt diese Charaktere in eine Welt voller Dunkelheit, die Stück für Stück für Stück heller wird... und so eine Bereicherung für uns alle darstellt.

Danke, 2016. Danke für diese Bücher, die meine Welt so viel besser gemacht haben und mich auf eine Art und Weise prägten, die ich nicht für möglich gehalten hätte - so kitschig das auch klingt.
Und danke auch an euch - dafür, dass ihr den Blog besucht, meine mehr oder weniger (meist mehr) langen Texte euch zu Gemüte führt, für die herzallerliebsten Kommentare... danke.
Auf 2017 - es kann nur gut werden. <3
(Und lasst doch gerne ein paar eurer Favoriten da. Ich würde gern wissen, welche Bücher euch berührt haben.)