Samstag, 24. Juni 2017

[Rezension] Am I Normal Yet? — Holly Bourne


Inhalt
Evie will nur normal sein. Immerhin wurde die Dosis ihrer Medikamente verringert, und dass sie ein Date hat, muss bedeuten, dass es aufwärts geht, nicht wahr? Doch dann wird das Date nicht nur zu einem Albtraum, auch das Gefühlsdrama lässt Evie befürchten, wieder in alte Muster zurückzufallen. Das einzig Gute: Auf der Party, auf welcher ihr Date den Bach runterging, hat sie Amber und Lottie kennengelernt, mit denen sie sich ziemlich schnell anfreundet. Doch wie kann sie sich helfen lassen, wenn ihre Freunde nicht über ihre Krankheit Bescheid wissen?

Meine Meinung
Ich habe Am I Normal Yet? aus einer reinen Laune heraus gekauft. Das eBook war günstig, es klang nach einem etwas anderen Jugendbuch, und die Bewertungen bei Goodreads waren überraschend gut. Holly Bourne hat bereits ziemlich viele Bücher veröffentlicht, und ich bin fest entschlossen, in der Zukunft noch mehr von ihr zu lesen!
Aber zurück zum Anfang: Am I Normal Yet? hat schon eine ganz besondere Prämisse. Wir haben ein Jugendbuch, das sich auf Thematiken konzentriert, die in anderen Büchern oft untergehen oder gar nicht erst erwähnt werden: Freundschaft, Mental Health und Feminismus. Allein schon den Versuch zu unternehmen, das in ein Buch zu packen, finde ich bewundernswert — hinzu kommt, dass Holly Bourne verdammt gute Arbeit geleistet hat.
"When boys get older, if they don't find someone they get called bachelors. We get called spinsters. There isn't a word that means male spinster. Just like there isn't a word for a guy who sleeps around — whereas there are TONS for girls. The Englisch language itself is sexist — it reinforces those overgeneralized, screwed-up notions about how boys and girls are allowed to be..."
(Holly Bourne, Am I Normal Yet?)
Die Freundschaft der drei Mädchen — die später den Spinster Club (dt. Club der alten Jungfern) gründen — ist einfach herrlich. Sie unterstützen sich gegenseitig, sind ehrlich zueinander und können sich auch eingestehen, wenn sie etwas falschgemacht haben. Nie hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass Amber und Lottie nur als Freundinnen charakterisiert werden; stattdessen gibt Bourne ausnahmslos jedem Charakter in dem Buch einen wirklichen Charakter, mit eigenen Geschichten und entsprechenden Eigenheiten. Gerade beste Freundinnen werden so oft stereotypisiert — hier aber nicht, und allein das machte das Buch zu einem absoluten Lesevergnügen.
Bald häuften sich die positiven Aspekte: Ich schloss die Protagonistin Evie unglaublich ins Herz, liebte ihre enge Beziehung zu ihrer Schwester, allein schon der Schreibstil ist herrlich erfrischend. Holly Bourne bringt einen ganz besonderen Humor mit ein, wegen dem ich öfters lachend (oder zumindest grinsend) vor dem Buch saß.
"Everyone's on the cliff edge of normal. Everyone finds life an utter nightmare sometimes, and there's no 'normal' way of dealing with it." Sarah sighed. "There is no normal, Evelyn. There's only what's normal to you. You're chasing a ghost."
(Holly Bourne, Am I Normal Yet?)
Mein Lieblingsaspekt — neben der Freundschaft und den feministischen Einflüssen — war aber ganz klar die Ausgestaltung von Mental Health. Evie kämpft seit Jahren mit einer OCD und einer generalisierten Angststörung. Ich kann nicht als Betroffene sprechen, hatte aber den Eindruck, dass Bourne sehr sorgfältig recherchiert hat und das Thema auch im Buch exzellent angeht. Vor allem wird hier, im Gegensatz zu anderen Büchern, nichts romantisiert. Wir erleben Evie an Höhepunkten, aber auch an (vielen) Tiefpunkten. Ihr Verhalten wird nicht beschönigt, hässliche Aspekte nicht ausgelassen. Vor allem wird ihre Therapie nicht nur angesprochen, sondern explizit im Buch thematisiert und nicht klischeehaft abgespeist. Auch im Nachhinein bin ich noch vollkommen begeistert von dieser akkuraten und ehrlichen Repräsentation.
Es gab nichts, das mich an Am I Normal Yet? wirklich gestört hat. Ich habe hauptsächlich einen kleineren Kritikpunkt anzubringen, das einzige Klischee, das sich überhaupt in dem Buch finden lässt: Im Laufe der Handlung gibt es drei Jungs, die mehr oder weniger plötzlich an Evie interessiert sind. (Zugegeben, nicht gleichzeitig, und keiner schwört ihr seine ewige Liebe, was einen Pluspunkt gibt.) Ich war einfach manchmal etwas überrumpelt in der Hinsicht, weil es mir etwas... unrealistisch erschien? Gleichzeitig muss ich zumindest Bournes Umgang damit loben. Denn wieder wird nichts romantisiert, und auch Lottie und Amber halten vor Evie nicht zurück, was sie davon halten.
"You find his arrogance and his alphaness sexy — because you've been conditioned into thinking that's how boys should be."
(Holly Bourne, Am I Normal Yet?)
Tja, ich wünschte, ich hätte mit sechzehn Jahren so gedacht. Vor allem wünschte ich aber, dass solche Verhaltens- und Denkweisen in mehr Jugendbüchern herausgefordert werden würden.
Was soll ich sagen — ich habe es keine Sekunde bereut, Am I Normal Yet? spontan gekauft zu haben. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich das Buch verschlungen und allein schon die Tatsache, dass es zwei weitere Bände aus Ambers bzw. Lotties Sicht gibt, freut mich ungemein! Bourne hat ein unglaublich wichtiges Buch geschrieben, das nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit bekommt, wie es verdient — das muss sich ändern!
Schließen möchte ich mit einer Aussage der Autorin:
"Feminism is for all genders. Feminism benefits all genders."
Amen.

Fazit
Am I Normal Yet? hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistern können. Holly Bourne porträtiert nicht nur eine authentische Mädchenfreundschaft, sondern spricht auch wichtige Themen wie Mental Health und Feminismus an. Von diesem Werk könnten sich viele andere Jugendbücher eine Scheibe abschneiden!


Am I Normal Yet? ⚬ 433 Seiten ⚬ Usborne Publishing ⚬ kann als Einzelband gelesen werden ⚬ 2,76€* (eBook) bzw. 8,99€* (Print)  

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Dienstag, 20. Juni 2017

[Rezension] The Distance from me to you — Marina Gessner


Inhalt
Kendra und ihre beste Freundin Courtney haben einen gemeinsamen Plan: In dem Sommer nach ihrem Schulabschluss wollen sie den 3500km langen Appalachian Trail bewältigen. Doch in der letzten Sekunde entscheidet sich Courtney, zu Hause zu bleiben.
Kendra will die Wanderung trotzdem durchziehen, und so startet sie alleine. Auf dem Trail trifft sie auf Sam, der vor seiner Vergangenheit fliehen will, und die beiden stürzen sich in eine Beziehung.

Meine Meinung
Vielleicht hätte ich es besser wissen müssen.
In letzter Zeit bin ich den "klassischen" Jugendbüchern à la Girl meets Boy aus dem Weg gegangen. Weil ich kein Fan von den Liebesgeschichten war, weil sie bestenfalls schlecht und schlimmstenfalls katastrophal dargestellt wurden. Dennoch entschloss ich mich, The Distance from me to you eine Chance zu geben. Denn die Idee eines Mädchens, das alleine eine 2000 Meilen lange Wanderung macht, hat mich einfach unglaublich fasziniert und ich war zumindest gespannt, wie die Autorin dieses Element ausgestalten würde.
Leider konnte mich das Buch nicht im Geringsten überzeugen, schlimmer noch: Es hat mich durchweg schockiert und wütend gemacht.
Schon in den ersten Kapiteln, noch bevor Sam überhaupt eingeführt wird, wird klar, dass hier viel schwarz-weiß gezeichnet wird. Courtney bleibt zu Hause wegen einem Jungen; obwohl sie als beste Freundin betitelt wird, hatte ich nicht das Gefühl, zwischen ihr und Kendra eine Freundschaft zu sehen.
Mit Brendan, Kendras Freund, ist es ähnlich. Er wird als "lieb, aufrichtig und ernst" beschrieben, außerdem will er im Herbst sein Studium aufnehmen. Da der Klappentext bereits Sam ankündigt, rechnete ich damit, dass Kendra und Brendan sich trennen würden. Genau das passierte auch: Als Kendra auf dem Trail unterwegs ist, erhält sich die Nachricht von Brendan, er wolle sich auf sein Studium konzentrieren und daher eine Beziehungspause. Aha. Das ist von seiner Seite schön blöd, aber Kendras Reaktion ist noch absurder. Sie trauert nicht, ist nicht wütend, verurteilt ihn höchstens für seine Prioritäten. Schließlich steckt er ja in seinen Plänen fest.
Grundsätzlich fiel es mir unglaublich schwer, eine emotionale Beziehung zu den Charakteren aufzubauen. Das liegt gar nicht einmal daran, dass Gessner in der dritten Person schreibt — vielmehr berichtet sie tatsächlich nicht von den Gefühlen der Charaktere. Sie reagieren kaum emotional, setzen sich nie mit ihren Handlungen auseinander... und das gilt für die Protagonisten! Die wenigen Nebencharaktere werden nur klischeehaft charakterisiert, sodass sie vollkommen blass bleiben.
Meine Meinung über Kendra schwankte regelmäßig, worauf ich später noch zurückkommen werde, aber aus ihr hätte man grundsätzlich etwas machen können. Was Sam anbetrifft... puh.
Eingeführt wird er als klassisches Loveinterest: Groß, gutaussehend, ein Mädchenmagnet. (Dass er seit Wochen auf dem Trail herumläuft und vermutlich nicht mehr frisch riecht, erwähnt niemand.) Er flirtet natürlich mit Kendra, die sich als bestenfalls unauffällig beschreibt, und da die beiden in dieselbe Richtung laufen, begegnen sie sich in der Folge immer wieder.
Anstatt die Chance auszunutzen und die beiden sich wirklich kennenlernen zu lassen, konstruiert die Autorin lediglich zufällige Treffen, von denen eins absurder als das andere ist. Sam erzählt nichts von sich selbst und seiner Vergangenheit, und wenn Kendra etwas sagt, dann verhöhnt er sie regelrecht dafür. Leute, ich habe so einiges gelesen, aber ich bin noch nie einem so verachtungsvollen Charakter begegnet. Sam ist unfähig, irgendetwas zu kommunizieren, und in der Folge dessen schlichtweg voreingenommen und verbittert:
Sam hatte ihr nichts davon gesagt, wie aufgewühlt und unruhig er war. Komisch, dass sie es nicht bemerkte. Er vergaß, dass er manchmal [...] schwer zu durchschauen war.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Nur, dass wir uns richtig verstehen. Sam macht Kendra für seine Unfähigkeit verantwortlich. Sie muss ihn verstehen. Ganz zu schweigen von verallgemeinernden, sexistischen Aussagen wie diesen:
Sie sah genauso aus, wie ein Mädchen aussehen sollte, süß, brav und anständig.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Unglaublich, wie reiche Mädchen ihr Geld verschwendeten, ganz abgesehen von ihrer Energie.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Da fehlen selbst mir die Worte, und ich dachte, ich hätte schon alles gelesen.
Das Ganze gipfelt in einem von zahlreichen Ausbrüchen Sams:
"Halt die Klappe", rief Sam endlich.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Es besteht einfach keinerlei Chemie zwischen den beiden, wie auch? Sie reden ja nicht miteinander. Sie wissen in der Konsequenz nichts voneinander und hören sich nicht zu. An irgendeinem Punkt entscheidet Kendra, sich vor ihm auszuziehen, was den Start der "Beziehung" der beiden markiert. Wow. Super romantisch. Ich glaube, ich hätte das sogar noch hingenommen, aber das, was ich oben zitiert habe, markiert keine schlecht geschriebene, sondern eine schlichtweg toxische Beziehung. (Sam bringt sie im Laufe des Buches auch noch dazu, sehr viele, sehr blöde Dinge zu machen.) Was für ein Bild wird da jüngeren Lesern vermittelt?
Dieses Verhalten färbt natürlich auch auf Kendra ab:
Die ganzen Bücherstapel zu Hause, das viele Lernen, die ganzen guten Noten, und trotzdem wusste sie nicht, wie man es anstellte: die simpelste, grundlegendste Sache der Welt, nämlich einen Jungen dazu zu bringen, sie zu küssen.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Das Problem habe ich schon öfters bei Jugendbüchern beobachtet. Gerade, wenn das Mädchen einen Hintergrund aus einer intakten bzw. wohlhabenden Familie und guten Noten hat, wird das oft als etwas Schlechtes dargestellt? Als ob man sie dafür verurteilen müsste. Als ob sie das zu einem Langweiler oder einem weniger guten Menschen machen würde. Wieder gibt es nur schwarz oder weiß. Verdammt schade. Es ist nichts Falsches daran, aus seiner Komfortzone auszubrechen. Aber auch hier animiert Sam Kendra zu Dingen, auf die sie niemals eigenständig gekommen wäre, und wodurch sie unverantwortliche Entscheidungen trifft, mit denen sie sich selbst in Gefahr bringt. Und das nur, um mit ihren "langweiligen" Regeln zu brechen? Um begehrenswert für diesen Jungen zu sein?
Was Sam anbetrifft, kann ich nichts Revidierendes sagen. Seine Vergangenheit rechtfertigt nicht im Geringsten sein Verhalten.
Kendra... Kendra hätte eine ziemlich gute Protagonistin werden können. Es gibt vereinzelte Augenblicke im Buch, in denen man einen ganz anderen Blick auf sie erhaschen kann. Allein schon die Tatsache, dass sie sich vornimmt, die Wanderung alleine durchzuziehen, fand ich unglaublich bewundernswert! Leider geht die Kendra des Anfangs (wenn auch sie Vorurteile hegt und undankbar wirkt) im Mittelteil verloren. Der Wanderaspekt geht mit Sams Auftauchen den Bach herunter, rückt schlichtweg in den Hintergrund und verliert sich stellenweise komplett. Da wäre so viel mehr gegangen!
Am Ende des Buches gelang es Gessner zumindest, einen Hoffnungsschimmer zu erwecken (nicht nur, weil es vorbei war). Ich werde nichts spoilern, aber meiner Meinung nach hat sie mit dem Ausgang die bestmöglichste Entscheidung getroffen; noch dazu sieht auch Kendra bis zu einem gewissen Grad ein, was für gefährliche Entscheidungen sie getroffen hat.
Aber, wie bereits gesagt, nichts kann über diesen katastrophalen männlichen Protagonisten hinwegretten. Wieder einmal ist es schockierend, was man in Jugendbüchern vorfinden kann, was von vielen als schlichtweg "normal" gelesen wird. Da bildet The Distance from me to you keine Ausnahme.

Fazit
The Distance from me to you hätte ein außergewöhnliches Jugendbuch sein können, kann aber in seiner Umsetzung nicht überzeugen. Gerade die beschriebene Liebesgeschichte ist nicht nur unrealistisch und wenig romantisch, sondern geradezu toxisch. Da geht noch einiges!


Vielen Dank an bloomoon und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

The Distance from me to you ⚬ übersetzt von Katrin Behringer 336 Seiten ⚬ bloomoon ⚬ Einzelband 12,99€ (eBook) bzw. 14,99€ (Print)

Samstag, 17. Juni 2017

"Ich kaufe mir niemals einen E-Reader!" (Eine Liebesgeschichte)

Ich erinnere mich noch vage daran, wie es war, als die ersten E-Reader in Deutschland auf den Markt kamen. Damals waren sie so neu und besonders und überall brachen die Diskussionen aus, ob sie das "echte" Buch ersetzen würden. Umfragen wurden gemacht, Statistiken konstruiert, erste Befürchtungen ausgesprochen. Ich schüttelte nur den Kopf, nahm mein tausendseitiges Taschenbuch zur Hand und sagte mir, also ich könnte ja niemals die Tinte gegen E-Ink austauschen.

Tja, jetzt, ein paar Jahre später, bin ich Besitzerin eines Kindle Paperwhites. Und obwohl ich das Teil erst seit etwas über einer Woche habe, weiß ich jetzt schon, dass ich es nie wieder hergeben möchte.


Das soll kein Post werden, in dem ich euch irgendwelche technischen Details vorstelle. Ich habe nie einen anderen E-Reader genutzt, kann keinen Vergleich ziehen. Aus meiner Amateurperspektive kann ich allerdings sagen, dass ich mich für den Paperwhite aus zwei Gründen entschiede habe: Der Preis war in Ordnung für das, was ich wollte, (89€, wenn er im Angebot ist!) und der E-Book-Kauf über Amazon ist simpel und problemlos für mich. Das war allerdings erst, nachdem ich mir eingestanden hatte, dass ich diesen bösen E-Book-Reader doch nicht mehr so übel fand.

Was sich geändert hat? Gute Frage. Ich brauche meistens etwas Zeit, um mich an Neuerungen zu gewöhnen. Ausschlaggebend war letztendlich, dass ich mittlerweile einen Großteil der Bücher, die ich lese, auf Englisch verschlinge. Und gerade Amazon hat oft echt unverschämt gute Kindle-Deals. (The Long Way to a Small, Angry Planet, das ihr oben abgebildet seht, kostet aktuell 99 Cent!) Klar kann man dadurch Gefahr laufen, nur noch auf "Kaufen" zu klicken. Aber das passiert auch mit gedruckten Büchern. ;) Für mich ist es einfach optimal.

Hinzu kommt, dass ich letztes Jahr für's Studium ausgezogen bin und relativ oft zurück in die Heimat fahre — und so witzig es auch ist, das Klischee des Bloggers zu erfüllen, der gefühlt fünfundzwanzig Bücher von A nach B schleppt, für die Nerven macht es keinen Spaß. Der Kindle wiegt kaum was. Und ich kann mehr Bücher bei mir haben, ohne dass ich einen halben Nervenzusammenbruch habe, weil mir der Platz im Rucksack ausgeht.

Die Einrichtung war super einfach. Die Handhabung ist simpel. Ein Oxford Dictionary ist bereits vorinstalliert, was eben gerade bei englischen Büchern das Lesen einfacher macht. Es gibt eine Notizfunktion, dank der ich Stellen, auf die ich gegebenenfalls in Rezensionen zurückgreifen möchte, direkt markieren kann. Der Touch ist vollkommen in Ordnung. Nachts brauche ich kein Leselicht. Und ich kann in der Sonne lesen — da spiegelt nichts, das Display muss nicht einmal heller gestellt werden, die Schrift bleibt trotzdem deutlich lesbar.

Die Verliebtheit hält an. Weil ich das Buch an jeder Stelle bequem pausieren kann und mir nicht um ein Lesezeichen den Kopf zerbrechen muss, weil ich in jeder Position auf dem Bett lesen kann, ohne dass mir das Handgelenk halb abbricht, weil das Hardcover zu schwer oder unhandlich ist oder ich ständig die Seiten offenhalten muss.


Nein, ich werde dem gedruckten Buch nie, nie, niemals abschwören. Aber für mich ist der Kindle Paperwhite eine perfekte Ergänzung, die ich nicht mehr vermissen möchte.

Viel mehr interessieren mich aber eure Erfahrungen: Habt ihr einen E-Reader? Möchtet ihr euch gerne einen anschaffen? Oder seid ihr überzeugt, dass euch niemals so ein Teil ins Haus kommt? Ich bin gespannt. 👩‍💻

Sonntag, 11. Juni 2017

Noch mehr Bücher wird 5 Jahre alt! (Peinliche Beiträge + Gewinnspiel!)


Am 11. Juni 2012 habe ich zum ersten Mal auf Veröffentlichen gedrückt.
Damals hieß Noch mehr Bücher noch Amoureux des Livres, woran sich ein paar von euch vielleicht noch erinnern werden. Außerdem hatte es zwei Autorinnen mehr — verrückt, oder?
In den letzten fünf Jahren habe ich viele Erfahrungen gemacht. Von den ersten Followern über das erste Rezensionsexemplar bis hin zu Beiträgen, die so oft geteilt und angeschaut und retweetet und kommentiert wurden, dass es mir den Atem raubte. Designs wurden verändert, HTML-Kriege gekämpft, Rezensionen neu strukturiert.
Die einzige Kontinuität? Meine Liebe zu dem Blog. Egal, ob in babyblau oder in altrosa, in kommentarlosen und kommentarreichen Zeiten — zu keinem Zeitpunkt habe ich bereut, vor nunmehr fünf Jahren begonnen zu haben. Ich wurde öfters schon nach dem Warum gefragt, und ich habe eine schlechte Erinnerung, heißt: Keine Ahnung, was mich damals bewogen hat. Heute ist es ganz klar ein Mitteilungsbedürfnis. Ich schreibe über die Dinge, die mir wichtig sind — und auf Leute zu treffen, die dieselben Interessen teilen, ist jeden Tag aufs Neue ein ganz besonderes Geschenk.

Danke
Danke für eure Klicks. Ob auf das Folgen bei GFC, Bloglovin, Twitter und Co. oder schlichtweg auf den neuen Blogbeitrag. Es ist verdammt cool, zu wissen, dass es da draußen irgendjemanden gibt, der sich zumindest ansatzweise für den Gedankenmüll interessiert, den ich hier fabriziere.

Danke für all die herzensguten Menschen, die ich über die Jahre kennenlernen durfte. Es sind viel zu viele, um allen gerecht zu werden, deshalb fühlt euch einfach angesprochen. (Mara, Tina, Julia, Denise, Jacquy, Aileen ♥︎) Ob es eure Kommentare, Tweets oder eure eigenen Blogbeiträge/Arbeiten sind — ihr seid eine konstante Inspirationsquelle.

Danke für all die positiven Erfahrungen, die ich machen durfte; ich schätze mich sehr glücklich, nur wenigen negativen Ereignissen in den fünf Jahren begegnet zu sein. Das ist (leider) nicht selbstverständlich.

Aus dem Archiv
Dankesreden und Rückblicke sind ja schön und gut, aber am 11. Juni 2012 war ich ganze dreizehn Jahre alt und auch wenn ich im Nachhinein zumindest von meiner Rechtschreibung beeindruckt bin, so sind in den letzten fünf Jahren doch einige Fauxpaus zu finden. (Wenn ihr nur für das Gewinnspiel da seid und euch nicht mit mir über mich lustig machen wollt, einfach weiter nach unten scrollen.)

Aus meiner Rezension zu Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern, 23.7.13:
(Ein unpersönlicher Stil, der das Ganze um einiges unpersönlicher macht? Was ich nicht sage...)

Schattenschwingen von Tanja Heitmann war für mich ein ziemlicher Griff ins Klo, und ich habe mich noch vor (!) der Bloggründung am 27.2.12 gehörig darüber aufgeregt:
(Schön zu sehen, dass ich immerhin schon damals einen Riecher für schlechten Plot hatte.)

Ich habe am 23.5.15 über die Faszination High Fantasy geschrieben und, äh, schlecht über meine Vergangenheit geredet:
(Von meinem sechzehnjährigen Ich hätte ich wirklich eine bessere Wortwahl erwartet.)

Mein persönliches Highlight ist jedoch mein Kommentar vom 15.11.15, versteckt zwischen den Zeilen meiner Geburtstagsausbeute:
(Spoiler: Ich lernte in den darauffolgenden Monaten nicht unbedingt, Dantons Tod zu lieben, aber ich mochte es zumindest.)

Es gibt aber auch einige Posts, auf die ich sehr stolz bin:

Meine Auseinandersetzung mit "anspruchsvoller Literatur", Teil 1 und Teil 2.

Als mir schon 2015 auffiel, dass ich es ein wenig leid war, andauernd über erzwungene Liebesbeziehungen in Jugendbüchern zu stolpern.

Ich bin auch noch ein wenig stolz auf meine Liebeserklärung zu The Song of Achilles von Madeline Miller; das war damals die ausführlichste Rezension, die ich je geschrieben hatte, und ich erinnere mich noch daran, wie lange ich vor dem Bildschirm saß.

Nichts hat mir jedoch so viel Ehrfurcht beschwert wie das Eingeständnis, dass ich vielleicht doch nicht so reflektiert lese, wie ich es gerne tun würde.

Gewinnspiel
In all den Jahren habe ich jedoch niemals ein Gewinnspiel veranstaltet, und es wird Zeit, das zu ändern. (Auch wenn ein Teil von mir schreit: Da nimmt doch eh niemand dran teil! Nehmt teil. Tut mir den Gefallen. ;))

Ich habe lange überlegt, was ich verlosen soll, und mich schließlich dafür entschieden, eines der Bücher zu verschenken, die mich in den letzten Monaten auf irgendeine Art und Weise besonders berührt haben. Ich kann verstehen, dass da vielleicht nicht für jeden Geschmack ein Buch dabeisein wird; aber irgendwie soll das Gewinnspiel ja auch meinen Blog (und letztlich meinen Lesegeschmack) reflektieren.

Es gibt einen Gewinn. Ich wünschte, ich könnte euch allen etwas schenken, aber das ist bei mir finanziell einfach nicht drin. Daher darf sich der/die Gewinner*in aus der unten stehenden Aufzählung ein Buch aussuchen. Entweder:


Es gibt vier Farben der Magie: Im roten London befindet sie sich im Gleichgewicht mit dem Leben. Im weißen London wird die Magie versklavt, kontrolliert, unterdrückt. Dem grauen London ist sie fast abhandengekommen. Und im schwarzen London hat sie das Leben selbst vertilgt.
Als einer der wenigen Antari springt Kell zwischen den verschiedenen Welten hin und her. Doch er führt ein Doppelleben: Er ist Botschafter der Könige, aber auch ein Schmuggler. Eines Tages wird ihm als Bezahlung für einen außergewöhnlichen Botengang ein schwarzer Stein zugesteckt. Dass es sich um ein mächtiges magisches Artefakt handelt, merkt er erst, als er sich von einem gefährlichen Feind verfolgt sieht, der ihm das gute Stück abjagen möchte und dabei vor keinem Mittel zurückschreckt.
Auf der Flucht trifft der Magier die gewitzte Diebin Delilah Bard, die Kell zunächst ausraubt, ihm dann aber hilft. Allerdings erwartet sie eine Gegenleistung von ihm ...
(Quelle Meine Rezension ⚬ Ihr könnt das englische oder das deutsche Taschenbuch wählen)


The Crown's Game — Evelyn Skye
Vika Andreyeva can summon the snow and turn ash into gold. Nikolai Karimov can see through walls and conjure bridges out of thin air.
They are enchanters—the only two in Russia—and with the Ottoman Empire and the Kazakhs threatening, the tsar needs a powerful enchanter by his side.
And so he initiated the Crown’s Game, a duel of magical skill—and the greatest test an enchanter will ever know. The victor becomes the Imperial Enchanter and the tsar’s most respected adviser. The defeated is sentenced to death.
Raised on tiny Ovchinin Island her whole life, Vika is eager for a chance to show off her talent in the grand capital of Saint Petersburg. But can she kill another enchanter—even when his magic calls to her like nothing else ever has?
For Nikolai, an orphan, the Crown’s Game is the chance of a lifetime. But his deadly opponent is a force to be reckoned with—beautiful, whip smart, imaginative—and he can’t stop thinking about her.
And when Pasha, Nikolai’s best friend and heir to the throne, also starts to fall for the mysterious enchantress, Nikolai must defeat the girl they both love… or be killed himself.
As long-buried secrets emerge, threatening the future of the empire, it becomes dangerously clear—the Crown’s Game is not one to lose.
(Quelle Meine Rezension Englisches Taschenbuch)


Sleeping Giants / Giants: Sie sind erwacht — Sylvain Neuvel
Als die kleine Rose eines Abends beim Spielen in einer Höhle eine gewaltige Metallhand entdeckt, ahnt sie noch nicht, dass dieser Fund ihr ganzes Leben verändern wird. Siebzehn Jahre später will sie, inzwischen eine herausragende Physikerin, das noch immer ungelöste Rätsel aufklären. Gemeinsam mit einem Expertenteam aus Wissenschaftlern und Militärs findet Rose heraus, dass die Hand zu einem riesigen Roboter gehört, dessen Körperteile über den ganzen Globus verteilt sind. Doch wer hat den Roboter gebaut? Wann wurde er in der Erde vergraben? Und was bedeuten die seltsamen Zeichen auf dem Metall?
(Quelle ⚬ Meine Rezension ⚬ Ihr könnt das deutsche oder das englische Taschenbuch wählen)


The Hate U Give — Angie Thomas
Sixteen-year-old Starr Carter moves between two worlds: the poor neighborhood where she lives and the fancy suburban prep school she attends. The uneasy balance between these worlds is shattered when Starr witnesses the fatal shooting of her childhood best friend Khalil at the hands of a police officer. Khalil was unarmed.
Soon afterward, his death is a national headline. Some are calling him a thug, maybe even a drug dealer and a gangbanger. Protesters are taking to the streets in Khalil’s name. Some cops and the local drug lord try to intimidate Starr and her family. What everyone wants to know is: what really went down that night? And the only person alive who can answer that is Starr.
But what Starr does—or does not—say could upend her community. It could also endanger her life.
(Quelle Meine Rezension Englisches Hardcover)


Rebel of the Sands — Alwyn Hamilton
Dustwalk is an unforgiving, dead-end town. It's not the place to be poor or orphaned or female. And yet Amani Al'Hiza must call it 'home'.
Amani wants to escape and see the world she's heard about in campfire stories.
Then a foreigner with no name turns up, and with him she has the chance to run.
But the desert plains are full of dangerous magic. The Sultan's army is on the rise and Amani is soon caught at the heart of a fearless rebellion...
An epic story of swirling desert sands, love, magic and revolution.
(Quelle Meine Rezension Englisches Taschenbuch)

Teilnahmebedingungen:
  • Ihr müsst meinem Blog folgen. (Ob GFC, Bloglovin, Twitter, Facebook etc. steht euch frei.)
  • Hinterlasst mir einen Kommentar: Wie lange folgt ihr meinem Blog schon? Gibt es irgendwelche Dinge, die ihr euch in Zukunft noch von mir wünscht, oder die euch besonders gut gefallen?
  • Sagt mir außerdem, welches Buch ihr euch im Gewinnfall wünscht.
  • (Und wer einen peinlichen Blogbeitrag in seinem Archiv lauern hat, ist verpflichtet, den mit mir zu teilen. ;))
  • Eure E-Mail-Adresse brauche ich auch noch, um euch im Gewinnfall zu kontaktieren!
Noch mehr Bedingungen:
  • Ihr müsst aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommen.
  • Ihr seid entweder schon 18 oder habt die Erlaubnis eurer Eltern.
  • Falls das Paket beschädigt ankommt oder Amazon die Zustellung versemmelt, kann ich keine Haftung übernehmen.
  • Im Gewinnfall müsst ihr eure Adresse mit mir teilen, die ich nach der Zusendung des Gewinns wieder löschen werde.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das Gewinnspiel läuft bis Sonntag, dem 25. Juni 2017, 18 Uhr.

Gewonnen hat Julia, herzlichen Glückwunsch! Und danke an alle, die so fleißig teilgenommen und so liebe Kommentare hinterlassen haben!


Damit seid ihr endlich erlöst. Ich möchte noch einmal ein großes Danke aussprechen, eine Gruppenumarmung und Kekse in die Runde werfen und euch ganz viel Glück beim Gewinnspiel wünschen!

(Auf die nächsten fünf Jahre. So schnell wird mich hier keiner los.)

Samstag, 3. Juni 2017

[Rezension] One of Us Is Lying — Karen M. McManus


Inhalt
Bronwyn, Nate, Addy, Cooper und Simon finden sich — wenn es nach ihnen geht, zu Unrecht — beim Nachsitzen ein. Simon ist fünfzehn Minuten später tot. Während die Todesursache bald festgestellt werden kann, ist die Frage, wer es getan hat, eine, die unlösbar scheint. Waren die vier Mitschüler nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Hat es womöglich einer von ihnen getan oder — wie die Polizei behauptet — vielleicht sogar alle zusammen?
Eines ist sicher: Jeder von ihnen trägt ein Geheimnis mit sich herum, eines dunkler als das andere. Und wie es so mit Geheimnissen ist, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ans Licht kommen...

Meine Meinung
Auf One of Us Is Lying habe ich mich schon seit Monaten gefreut; dass der örtliche Thalia es schon Tage vor dem Erscheinen vorrätig hatte, wertete ich noch als zusätzliches Zeichen. Ich weiß gar nicht mehr, was mich so sehr an dem Buch fasziniert hat; vermutlich hatte ich einfach mal wieder Lust auf einen "guten alten" Contemporary. Genau das — und vielleicht noch ein bisschen mehr — sollte ich bekommen.
Zuallererst finde ich es beeindruckend, wie gut es McManus gelingt, die Geschichten der vier Jugendlichen (Simon bekommt logischerweise keine Perspektive) zu erzählen. Obwohl das Buch keine vierhundert Seiten hat, hatte ich nie das Gefühl, dass irgendjemand zu viel oder zu wenig zu Wort kam. Zugegeben habe ich nicht alle von ihnen von anfangs an gemocht, — gerade mit Addy hatte ich meine Probleme — aber als ich das Buch zuschlug, war ich schon ein wenig traurig, sie alle gehen zu sehen.
Das Ding ist, sie werden im Klappentext der Geschichte als Stereotype beschrieben: Bronwyn ist die Streberin, Nate der Drogendealer, Addy das folgsame Hündchen ihres Freundes, Cooper ist der perfekte Schönling, dem die Sportstipendien förmlich zufliegen. Dabei macht die Autorin so viel mehr aus ihnen, verpasst ihnen Familien, Hobbys, Freunde und schafft es noch irgendwie, das alles ins Buch zu packen, ohne dass irgendwo Längen entstehen. Grundsätzlich finde ich klasse, welche Rolle Familie in One of Us Is Lying einnimmt. Nein, es werden nicht harmonische Familien präsentiert — aber wenigstens werden die Eltern und Geschwister erwähnt und tauchen tatsächlich auf, anstatt immer "zufällig" außer Haus zu sein. Gerade Addys und Bronwyns Schwestern sind ziemlich präsent, was ich klasse finde.
Man könnte argumentieren, dass dadurch das Mysterium rund um Simons Tod in den Hintergrund rückt — wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, ist das definitiv bis zu einem gewissen Grad der Fall. Das Ding ist, dass mich das überhaupt nicht gestört hat. Ich hätte über die Charaktere einfach so lesen können und das Buch trotzdem noch genossen, obwohl dieser Kriminalaspekt dem Ganzen einen zusätzlichen Kick gegeben hat. Es ist durchaus gut gemacht — mit genau der richtigen Prise Überraschungen, dass ich das Buch nur noch mit Mühe weglegen konnte.
Zugegeben, ich habe ausnahmsweise tatsächlich erraten, wer Simon umgebracht hat. Ich hatte zumindest von Anfang an eine Vermutung, die sich bewahrheitete, und somit hatte ich nicht den "großen Knall" am Ende des Buches, was für mich okay war und zumindest meinem Lesegenuss keinen Abbruch tat.
Was ich allerdings kritisieren muss, — ohne zu sehr zu spoilern, daher keine Namen — ist ganz speziell das Ende zweier Charaktere. In den letzten Augenblicken wurde noch (unnötiges) Drama hineingebracht, weswegen besagte Charaktere nicht das Happy End bekommen konnten, was ich mir für sie gewünscht hätte (sie waren/sind meine Favoriten). Das ist ein klitzekleiner Wermutstropfen, denn im Großen und Ganzen hat mich One of Us Is Lying nicht nur überzeugt, sondern in erster Linie überrascht. Ja, die Idee ist nicht neu; manch andere würden sie vielleicht sogar als "ausgelutscht" bezeichnen. Aber mit authentischen Charakteren verleiht Karen M. McManus der Geschichte einen ganz besonderen Twist, weshalb ich letztendlich froh bin, ihr Debüt gelesen zu haben.

Fazit
One of Us Is Lying ist ein tolles Debüt. Karen McManus nimmt eine allseits bekannte Idee und macht ihr eigenes Ding daraus — besonders die Charaktere haben mich beeindruckt, aber auch das Mysterium rund um Simons Tod beinhaltet einige (böse) Überraschungen. Von mir gibt's eine ganz klare Empfehlung für alle, die Lust auf ein Contemporary mit authentischen Charakteren haben!


One of Us Is Lying ⚬ Taschenbuch: 368 Seiten ⚬ Delacorte Press ⚬ Einzelband ca. 7,99€

Mittwoch, 31. Mai 2017

[Rückblick] Lesemonat Mai 2017


Keine Ahnung, wie der Mai an mir vorbeigezogen ist. Ich bin mir ganz sicher, dass gestern erst Silvester war.
Aber ganz im Ernst: Ich weiß auch nicht, wie ich so viel gelesen habe. Der ganze Monat ist ein großes, schwarzes Loch in meiner Erinnerung. Vielleicht sollte ich auch einfach mehr schlafen. 😂 Steigen wir einfach gleich in die Materie ein:

Beim zweiten Lesen hat mir ACOTAR wesentlich weniger gut gefallen. Einerseits war es zu erwarten gewesen, weil ich mich in den Wochen davor intensiv mit Maas auseinandergesetzt habe, andererseits... andererseits frage ich mich, wie ich so viel beim ersten Mal übersehen konnte? Gerade die Beziehung zwischen Feyre und Tamlin konnte ich null nachvollziehen.

ACOMAF hingegen hat mir genauso gut wie beim ersten Lesen gefallen! Ich finde einfach Prythian unglaublich faszinierend und Feyres Entwicklung und Überwindung ihrer Traumata ist einfach gut und sensibel beschrieben.

Zugegeben: Nach ACOWAR hatte ich eine Maas-Überdosis. Das Buch hat mir gut gefallen, wenn auch es definitiv noch einige Problemstellen hat, weswegen ich die Reihe im Ganzen auch nicht empfehlen würde. Die Charaktere sind klasse, aber viel zu oft (und in viel zu vielen unangemessenen Augenblicken) liegt der Fokus auf Feyres und Rhysands schmutzigen Gedanken, was nach einer Weile echt nervt.

War für mich leider ein Reinfall. Ich war sehr auf das Buch gespannt, doch Blake kann kaum etwas, das über die gute Idee hinausgeht, abliefern. Die Charaktere bleiben flach, der Plot ist dürftig, und es gibt einen Haufen erzwungene Liebeleien, von denen eine unrealistischer als die andere ist.

Giants: Zorn der Götter ist wohl mein Monatshighlight. Der zweite Band hat mich fast noch mehr als sein Vorgänger gepackt; Neuvel schreibt einfach ein unglaublich zugängliches Science Fiction, und auch wenn der dritte Teil noch in Arbeit ist, freue ich mich jetzt schon darauf.

Mit Furthermore beweist Mafi ein weiteres Mal, wie gut sie schreiben kann; leider ist der Anfang des Buches etwas zäh und es dauerte, bis ich eine Verbindung zu den Charakteren aufbauen konnte. Alles in allem ist es jedoch eine schöne Geschichte, aus der jede Altersklasse etwas wegnehmen kann.

Auch hier hatte ich ein paar Probleme, einen Zugang zu finden, was sich nach den ersten sechzig Seiten jedoch legte. Ich hatte gar nicht gedacht, jemals so an den Seiten eines Non-Fiction Buchs zu kleben, aber Sows Schreibstil ist exzellent, die Themenauswahl präzise und trifft dort, wo es wehtut. Was gut so ist. Absolute Pflichtlektüre!

Das macht insgesamt 3338 Seiten, ca. 109 pro Tag.  Das ist okay, schließlich hat mittlerweile auch die Uni wieder begonnen und erfordert meine Aufmerksamkeit — ich glaube dennoch, dass stellenweise etwas mehr gegangen wäre. Andererseits hat das bestimmt auch damit zu tun, dass die gelesenen Bücher diesen Monat mich einfach (bis auf Giants) nicht umgehauen haben. Und nach Giants hatte ich kurzzeitig eine ich-lese-nie-wieder-so-etwas-Gutes-Phase, was ihr bestimmt kennt.

Juni... wie zur Hölle kann es jetzt schon Juni sein?! Ich habe es mittlerweile aufgegeben, zu versuchen, die Neuerscheinungen dann zu lesen, wenn sie rauskommen, und hoffe einfach, dass ich bis zum Ende des Jahres halbwegs up-to-date bin. Mir fällt langsam auf, dass all die neuen und besonderen Autoren/Bücher, die ich letztes Jahr entdeckt habe, mir dieses Jahr zum Verhängnis werden, weil ich all die Neuerscheinungen und Fortsetzungen lesen will. Befinde mich gerade also in einer Buch-Geld-Ratio-Krise. 😂 Nichts Neues, nicht wahr?

Wie war denn euer Lesemonat Mai? Hattet ihr ein Monatshighlight — wenn ja, welches?

Samstag, 27. Mai 2017

[Rezension] Giants: Zorn der Götter - Sylvain Neuvel

Da es sich hierbei um einen zweiten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!


Inhalt
Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Dr. Rose Franklin und ihr Team die wahnwitzige Aufgabe auf sich nahmen, den Roboter Themis zusammenzubauen. Doch noch immer haben sie mehr Fragen als Antworten, und ihnen läuft die Zeit davon, als ein weiterer Roboter in London auftaucht. Schon bald müssen sie realisieren, dass dies nur der Anfang ist — und dass ihnen die größte Herausforderung erst noch bevorsteht, die die ganze Menschheit bedroht.

Meine Meinung
Giants: Sie sind erwacht war eines meiner Jahreshighlights 2016. Ihr könnt gar nicht glauben, wie sehr ich mich auf die Fortsetzung gefreut habe — und so viel kann ich sagen, ich bin wieder einmal begeistert!
Das System ist dasselbe wie schon beim ersten Band: Die Geschichte wird auf ihre ganz besondere Art und Weise durch Interviews und gegebenenfalls Berichte erzählt. Im Zentrum steht wieder der mysteriöse Interviewer (über den wir in diesem Band tatsächlich mehr erfahren!), der die Fäden in den Händen zu halten scheint.
Obwohl zwischen den Ereignissen in beiden Büchern zehn Jahre verstrichen sind, wurde man als Leser erstaunlich schnell und mühelos in die zwischenzeitlichen Geschehnisse eingeführt. In Giants: Zorn der Götter gibt es sogar einen weiteren Zeitsprung, und auch dieser gelingt Sylvain Neuvel mühelos.
Auch die Thematik bleibt spannend, Neuvel kreiert ein weiteres Mal Science Fiction vom Feinsten: In dem Buch finden sich Aspekte der Physik, Linguistik, Politik und verstärkt der Biologie — all das Komplexe wieder so heruntergebrochen, dass selbst Fachfremde kein Problem haben, sich zurechtzufinden. Im Gegenteil: Man ist wieder und wieder aufs Neue fasziniert, was der Autor geschaffen hat. Es wirkt so real, dass mir die Idee, dass es in dem Buch eigentlich um eine Alien-Invasion gibt, stellenweise fast schon absurd vorkam! An dieser Stelle liegt auch mein einziger, kleiner Kritikpunkt: Der Grund hinter der Invasion war mir letztendlich fast schon zu banal. Ich hatte nach all den Geschehnissen irgendetwas Größeres, Wirkgewaltigeres erwartet — aber vielleicht muss ich das Ganze auch erst sacken lassen.
Wo ich schon von Geschehnissen spreche — meine Güte. Ich dachte, Giants: Sie sind erwacht hätte mich an die Grenzen meiner Nerven gebracht. Aber das war noch gar nichts gegen diesen Band. Ich habe die zweite Hälfte des Buches in einem Rutsch durchgelesen, was mir wirklich schon ewig nicht mehr passiert ist; es war mir einfach unmöglich, es wegzulegen. Grundsätzlich ist der Plot einfach so viel größer angelegt, als ich jemals erwartet hätte. Vom Syndrom eines schlechten zweiten Bandes keine Spur, im Gegenteil — Neuvel legte immer noch einmal eine Schippe drauf, wenn ich es für unmöglich glaubte.
Ich kann auch nicht genug betonen, wie sehr mir die Charaktere ans Herz gewachsen ist — allen voran Kara und Vincent, aber auch Rose und selbst den mysteriösen Interviewer habe ich lieb gewonnen. Ich bin wieder einmal beeindruckt, wie viel nur über Dialog bzw. Interviews übermittelt werden kann. Und meine Güte, haben sie mich in Existenzkrisen gestürzt. Ich habe einen Großteil des Buches auf einer Busfahrt gelesen, und ich habe unverschämt oft aus dem Fenster geblinzelt, weil mir die Tränen kamen.
Also, ja, ich bin aufs Neue begeistert. Eigentlich noch mehr als zuvor. Giants: Zorn der Götter ist mehr eine würdige Fortsetzung, die ich nur auf hohem Niveau kritisieren kann. Ansonsten beweist Neuvel erneut, wie gut er nicht nur schreiben, sondern auch diese verschiedenen Themenbereiche miteinander verflechten kann. Von mir gibt's eine ganz klare Empfehlung. Und alle, die die Reihe noch nicht begonnen haben, sollten das definitiv nachholen!

Fazit
Giants: Zorn der Götter steht seinem Vorgänger in nichts nach. Wieder beweist Neuvel, dass er nicht nur authentische Charaktere schreiben, sondern auch seinen Plot größer und größer konstruieren kann, ohne sich in komplizierten Erklärungen zu verstricken. Er macht Science Fiction zugänglich, und er macht es verdammt gut — ich bin begeistert!


Giants: Zorn der Götter ⚬ übersetzt von Marcel Häußler ⚬ Taschenbuch: 480 Seiten ⚬ Band 2 14,99€

Vielen Dank an Heyne für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 24. Mai 2017

[Rezension] Der Schwarze Thron — Die Schwestern - Kendare Blake


Inhalt
Die Drillinge Katharine, Mirabella und Arsinoe sind mit verschiedenen magischen Talenten geboren worden — und sie alle sind Anwärterinnen auf den Thron. Wenn sie ein bestimmtes Alter erreichen, beginnt ein Kampf um Leben und Tod. Denn nur eine kann Königin werden...

Meine Meinung
Der Schwarze Thron  Die Schwestern ist eines dieser Bücher, das seit einer Ewigkeit auf meiner Wunschliste stand, ich mir aber — aus welchem Grund auch immer — nie zulegte. Deshalb habe ich mich umso mehr darüber gefreut, das Buch vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt zu kriegen. Vielen Dank an der Stelle noch mal dafür!
Die Idee klingt vielversprechend: Ein Drillingspaar, das sich auf den Tod bekämpfen muss. Eine Welt mit verschiedenen magischen Elementen, und vor allem vielen Leuten hinter den Kulissen, die versuchen, die Fäden nach ihren Vorstellungen zu ziehen. Leider konnte mich die tatsächliche Umsetzung weniger überzeugen.
Eines muss man Kendare Blake lassen: Ihr Schreibstil hat mich unglaublich fasziniert. Sie schreibt in der dritten Person Präsens, beschränkt sich nicht auf die Sicht der Drillinge, sondern schlüpft auch in die Perspektive zahlreicher Nebenfiguren. Dabei gelingt es ihr, nahtlos von einer Sicht in die andere überzugehen, manchmal auch inmitten einer Szene — fand ich sehr cool. Andererseits fürchte ich auch, dass der Schreibstil für dieses Buch vielleicht ungeeignet war; ich hatte oft das Gefühl, dass die Stimme von jedem Charakter dieselbe war und dass ich sie maximal durch ihre Namen unterscheiden konnte. Außerdem wirkt der Stil oft sehr nüchtern, fast schon kindlich; dass das Buch ein paar... brutalere Momente hat, bildet dazu einen ziemlich krassen Kontrast, der mir persönlich negativ aufgefallen ist.
Grundsätzlich hat Blake in mir einen Interessenskonflikt ausgelöst: Ich war überwältigt und unterwältigt zugleich. Einerseits bekommt man praktisch drei Bücher, schließlich wird die Geschichte von jeder Anwärterin erzählt, die in ihrer eigenen Nische mit eigenen Freunden/Ziehfamilien/politischen Machtpolen lebt. Das bedeutet verdammt viele Namen, die ich bis zum Ende des Buches ehrlich gesagt nicht auf die Reihe gekriegt habe. Gleichzeitig... gleichzeitig passiert einfach nichts. Alle drei Geschichten treten mehr oder weniger auf der Stelle, ein paar wenige Ausnahmen gegen Ende der Geschichte. Auf mich wirkte alles so... sinnlos. Als würde man bloß ein Ende herauszögern, die Reihe so weit wie möglich in die Länge strecken. Das war ziemlich frustrierend.
Auch in anderen Aspekten hätte so viel mehr passieren können — allen voran der Weltenbau, aber auch das politische Element des Romans war zweidimensional. Die Motivationen der einzelnen Charaktere sind schwach oder mir unergründlich, und die Magie und das ganze Warum bleiben auch sehr vage. Überhaupt weiß ich nicht, was ich von der Einteilung in Giftmischer (Katharine), Elementwandler (Mirabella) und Naturbegabte (Arsinoe) halten soll. Gerade die letzten beiden überschneiden sich irgendwie?
Seltsam fand ich auch, dass sie als Bewohner der Insel Fennbirn eine unglaublich stereotype und vorurteilige Auffassung von den Landbewohnern hatten, die nicht genauer erklärt wurde und auf mich einfach einseitig und voreingenommen wirkte.
Aber Arsinoe war eine Königin. Die Insel würde sie niemals gehen lassen.
(Der Schwarze Thron — Die Schwestern, Kendare Blake, Penhaligon)
Was mich jedoch am meisten frustrierte, waren die durchweg sinn- und zwecklosen Liebesbeziehungen. Ja, Plural. Leider. Zuallererst musste jede der (fünfzehnjährigen!) Anwärterinnen mindestens einen Typen zugeordnet kriegen. Meistens kennen sie sich genau fünf Minuten, bis sie bereits übereinander herfallen. Katharine, zum Beispiel, wird gelehrt, wie sie richtig küssen soll. Äh, ja. Grundsätzlich wird andauernd von irgendwelchen Freiern geredet, die sich dann auf die Königin stürzen wollen, die am ehesten den Kampf gewinnt. Als ob das bisher Beschriebene nicht schon schlimm genug wäre, wird das Ganze von einer Betrugsgeschichte getoppt.

Spoiler
Und zwar geht es dabei um Arsinoes beste Freundin, Jules, die in einer Beziehung mit Joseph ist. Joseph aber betrügt sie zweimal (!) mit Mirabella, OHNE GRUND, und sein Verhalten wird NICHT angeprangert. Jules ist einmal traurig, beim zweiten Mal schon fast resigniert. Joseph hingegen knutscht und schläft sich weiter durch die Weltgeschichte. Hä? Was genau sollte das? Ich versteh's nicht. Auf keiner der beteiligten Seiten. Aber toll, was damit dem jüngeren Publikum vermittelt wird.

Ich habe nicht genau darauf geachtet, aber meines Eindrucks nach ist die Gesellschaft Fennbirns darüber hinaus stark heteronormativ und, tja, weiß. Der einzige Junge (einer der Freier), der mit dunkler Haut beschrieben wird, wird ein paar Seiten später als flüchtend umschrieben und quasi als Feigling bezeichnet.
Ja, ich habe das Lesen des Buches nicht gehasst. Zumindest anfangs nicht. Der Schreibstil ist wirklich okay, und er ermöglicht es, das Buch zügig durchzukriegen. Katharine habe ich irgendwie ins Herz geschlossen, und ginge es nur um sie, würde ich die Reihe vielleicht sogar weiterverfolgen. In den letzten Zügen des Buches gibt es sogar ein paar wirklich überraschende Plottwists, aber das genügt leider auch nicht, um meinen Glauben in die Geschichte wiederherzustellen. Wie gesagt, die Idee ist toll, aber die Umsetzung ist flach und bisweilen katastrophal. Der Schwarze Thron Die Schwestern macht zahlreiche Versprechen, kann aber keins davon halten.

Fazit
Der Schwarze Thron Die Schwestern hat eine grandiose Prämisse, die in ihrer Umsetzung leider in den Sand gesetzt wurde. Die Charaktere sind flach und untereinander austauschbar, es gibt zu viele unrealistische Liebeleien und zu wenig Politik und Plot, und der Weltenbau ist auch dürftig. Von meiner Seite gibt es keine Empfehlung.


Der Schwarze Thron Die Schwestern ⚬ übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer ⚬ Klappenbroschur: 448 Seiten ⚬ Band 1 14,99€

Vielen Dank an Penhaligon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Samstag, 20. Mai 2017

[Rezension] A Court of Wings and Ruin - Sarah J. Maas

Da es sich hierbei um einen dritten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.


Inhalt
Der Krieg gegen Hybern steht kurz bevor. Doch Feyres persönlicher Rachezug beginnt schon viel früher, indem sie von innen heraus gegen Tamlin ankämpft. Doch schon ziemlich bald stellt sich die Frage, wie viele Verbündete sie wirklich zusammentrommeln kann — und ob das genug sein wird.

Meine Meinung
Ich glaube, ich habe einen Prythian-Overkill. Bevor ich A Court of Wings and Ruin begonnen habe, habe ich die ersten zwei Bände noch einmal gelesen, und im Gegensatz zu Throne of Glass hatte ich Feyre tatsächlich irgendwann ein bisschen satt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich das Gefühl hatte, dass Maas sich öfters wiederholt — aber dazu später mehr.
Ich bin im Nachhinein froh, keine unglaublich hohen Erwartungen gehabt zu haben. ACOWAR ist gut, aber es ist im Großen und Ganzen nicht grandios.
Fangen wir jedoch mit den Dingen an, die ich geliebt habe: Wir haben einen unglaublich ausgiebigen Einblick in die anderen Courts bekommen — zu sehen, wie jeder Court andere Eigenheiten hat oder wie die High Lords sich verhalten, hat einfach sehr viel Spaß gemacht. Da ist noch so viel von Prythian, das es noch zu entdecken gibt, und im Nachhinein bin ich nur noch neugieriger.
Ein weiteres Highlight waren die für Maas typischen Plottwists. Ich schreibe typischen, weil es nach neun Büchern von ihr wirklich einfach so ist; sie hat eine Art und Weise, die verschiedenen Stränge zu verknüpfen, die fast schon einzigartig ist. Es gibt wenige Autoren, denen es so oft gelingt, mich perplex vor dem Buch sitzen zu lassen.
Und natürlich könnte ich nicht über diese Trilogie sprechen, ohne all die fantastischen Charaktere zu erwähnen. Sie sind das Herzstück dieser Bücher, und gerade die Entwicklungen, die schon zu Beginn der Trilogie eingeführt wurden, haben sich hier auf eine grandiose Art und Weise weiterentwickelt. Damit meine ich nicht nur die üblichen Verdächtigen Feyre und Rhysand (auch wenn Feyres Entwicklung als Überlebende eines Traumas wirklich sehr sorgfältig konstruiert und beeindruckend ist), sondern gerade die "Neben"charaktere — Lucien, Nesta, Elain, Cassian, Amren, um ein paar zu nennen. Was sie so besonders macht, ist, dass jeder von ihnen seine eigene Geschichte hat; man mag zwar nicht jedes Detail von dieser Geschichte erfahren, doch allein durch die paar Einblicke entsteht eine unglaubliche Dreidimensionalität, von der die Bücher einfach leben. Ich kann gar keinen Favoriten mehr nennen. Ich habe sie alle auf ihre eigene Art und Weise geliebt und das Buch allein schon wegen ihnen genossen.
Was jedoch genervt hat: Dass sich ein paar Sachen bei Maas nach dem Schema F wiederholen. Wieder und wieder macht Feyre etwas Dummes, und Rhys sagt ihr, sie solle das nie wieder machen, und natürlich macht sie es wieder. Oder umgekehrt — Rhys begibt sich in Gefahr, Feyre rastet schier aus, weil Rhys ja nicht jahrhundertealt ist und weiß, was er macht, nicht wahr? Dieses übertriebene Beschützen hat mich einfach irgendwann dazu gebracht, die Augen zu verdrehen. Aber das ist vielleicht schon Kritik auf hohem Niveau.
Denn wahrscheinlich sind es auch die Charaktere, die mich über den etwas... trägeren Teil des Buches hinweggerettet haben. Es wäre übertrieben, zu sagen, dass es langweilig war oder dass nichts passiert ist — aber nach den ersten einhundert Seiten hatte ich schlichtweg das Gefühl, dass die Geschichte stagniert. Das Lesen hat immer noch Spaß gemacht, und es war irgendwie interessant, aber einfach nicht so spannend, dass ich sofort wissen musste, wie es weitergeht. In dem Teil des Buches geht es um mehr und mehr Gespräche, und die meisten von ihnen treten ein wenig auf der Stelle oder drehen sich andauernd um dieselben Themen. Und ja, für mich leider, gibt es auch wieder zahlreiche Sexszenen.

Leichter Spoiler für Empire of Storms und ACOWARDiese fast schon Sexbesessenheit war auch etwas, das mich bei Maas’ anderer Reihe unglaublich frustriert hat. Ich habe die ersten Bände geliebt, aber in Empire of Storms rückte das meiner Meinung nach wirklich Wichtige einfach in den Hintergrund, was so schade ist! Bei ACOWAR war es ähnlich; Feyre und Rhys haben über ihren mating bond andauernd irgendwelche schmutzigen Sachen ausgetauscht, egal, wie ernst die Situation war – als könnten sie keine fünf Minuten an etwas anderes denken. Sie schlafen nicht nur andauernd, sondern selbst im Kriegscamp miteinander, während um sie herum Leute sterben. Ich bin mir sicher, dass es zahlreiche Leute gibt, denen das gefällt. Aber ich habe mich aus anderen Gründen in die Bücher verliebt.

Wie steht es jetzt um die Diversität des Buches? Bereits im Voraus brach eine gigantische Diskussion aufgrund der Acephobia* in Kapitel 3 aus, die auch im Kontext immer noch bedenklich und problematisch ist. Ansonsten würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass Maas es nicht versucht hat; öfters ist von dunklen Hautfarben die Rede, und es werden tatsächlich mehrere bisexuelle bzw. lesbische/schwule Charaktere eingeführt. Meiner Meinung nach ist die Repräsentation ein passabler Anfang, wenn auch noch gehörig Luft nach oben ist; ich habe bei anderen Bloggern/Booktubern allerdings auch andere Perspektiven gehört.

Spoiler für ACOWARMors Sexualität liegt mir dabei besonders am Herzen – sie outet sich als lesbisch, was an sich klasse ist, aber die Art und Weise und vor allem der Zeitpunkt, den Maas dabei gewählt hat, ist katastrophal. Mor befindet sich seit Jahrhunderten in einem liebenden Umfeld: Warum öffnet sie sich ausgerechnet gegenüber Feyre? Warum hat sie vorher einfach nichts gesagt und sich stattdessen entschieden, Azriel leiden zu lassen? Auch das plötzliche Outing wirkte auf mich eher so, als würde Maas verbissen versuchen, mehr Diversität einzubringen. Mor lebt in keiner Gesellschaft, in der Homosexualität abgelehnt wird. Stattdessen lässt sie Azriel willentlich leiden und versteckt sich selbst... aber warum?

Ich kann mich nur wiederholen — es ist ein Anfang, so holprig er auch sein mag. Von Maas' Seite würde ich mir jedoch wünschen, dass sie vielleicht einmal Stellungnahme beziehen würde und sich in Zukunft besser informiert und weiterentwickelt.
Der letzte Punkt, den ich ansprechen möchte, ist natürlich das Ende. Ich war etwas nervös deswegen, schließlich handelt es sich hierbei um den ersten Abschluss einer Reihe, den wir von Maas bekommen haben. Im Nachhinein bin ich etwas zwiegespalten.
Versteht mich nicht falsch: In den letzten hundert Seiten war ich wieder einmal in Maas' Bann gefangen. Ein Plottwist folgte auf den anderen und, ja, auch ich saß wieder heulend im Bett. (Wenn auch nicht so schlimm wie bei A Court of Mist and Fury.) Aber es fehlte einfach etwas. Es war ein grandioses und berauschendes Finale, aber es war nicht vollständig. Es gibt so viele Storylines, die noch in der Luft hängen, was einfach unglaublich schade ist. Ob es schlichtweg Sorglosigkeit von Seiten der Autorin ist oder eine "Masche", um den Leser dazu zu bringen, auch ja die Spin-Offs zu lesen, wenn sie erscheinen — ich weiß es nicht. Ich bin ein wenig enttäuscht, auch wenn ich dem Buch gleichzeitig am liebsten wegen dem Nervenkitzel am Ende fünf Sterne gegeben hätte.
Eigentlich weiß ich selbst Tage später noch nicht so ganz, was ich von A Court of Wings and Ruin halten soll. Es war gut, aber es war immer noch problematisch, und die Story war zu lang und zu kurz an den falschen Stellen. Ganz im Ernst: Die Trilogie als Ganzes betrachtet würde ich niemandem empfehlen. Ich hoffe jedoch, dass es Maas in Zukunft mehr und mehr gelingt, sich von schädlichen Klischees abzuwenden.

Fazit
A Court of Wings and Ruin war ein solider Abschluss, wenn auch das Ende meiner Meinung nach zu offen gestaltet wurde. Vor allem ist es nicht frei von problematischen Aspekten; auch wenn Maas versucht, mehr Diversität zu integrieren, gelingt ihr das nur bedingt. Für Fans der Reihe lesenswert, Interessierten würde ich die Trilogie nicht empfehlen.


A Court of Wings and Ruin ⚬ Taschenbuch: 699 Seiten ⚬ Bloomsbury UK ⚬ Band 3/3 ca. 8,49€

* Ich kenne keinen deutschen Begriff für Acephobia; falls mir jemand damit aushelfen könnte, wäre ich sehr dankbar!

Samstag, 13. Mai 2017

7 Momente, in denen ich mir wünsche, ich würde nicht 99% meiner Zeit mit Büchern verbringen

Lesen ist ein tolles Hobby: Man bildet sich weiter, taucht in fremde Welten ein, muss sich nicht mit anderen Menschen unterhalten... Aber hin und wieder gelange ich in Situationen, in denen ich mir wünsche, ich würde einfach, was weiß ich, Briefmarken sammeln. Weil die Bücherobsession nicht immer so reibungslos verläuft, wie ich das gerne hätte.* Ich stelle euch heute sieben dieser Fälle vor. Kennt ihr noch andere?

* Achtung: Beitrag mit einer Prise Sarkasmus lesen.


1. Bücher mit unterschiedlichen Größen
Ugh. Einfach nur UGH.
Man kann da noch so vorsichtig sein: Gerade bei englischen Büchern drölf Mal kontrollieren, dass man auch die richtige Ausgabe beim richtigen Verlag bestellt hat... dann kommt das Buch an und ist zwei Zentimeter höher als der Vorgänger. WARUM. Solange der Inhalt stimmt, könnte man sagen, ist das ja egal.
... nein. Weil ich jedes Mal, wenn ich auf mein Regal schaue, diesen Größenunterschied sehe und mich frage, womit ich das verdient habe.

2. Coverwechsel
Diese sind noch hinterhältiger. Sie schleichen sich dann an, wenn man die Reihe liebt, unbedingt weiterverfolgen will und dann... beim letzten Buch plötzlich die Cover geändert werden. Was, wenn man mich fragt, ein Verbrechen ist.
Klar gibt's dafür legitime Gründe: Manchmal verkaufen sich die Hardcover nicht so gut, man muss auf Taschenbücher umsteigen, um die Reihe weiter verlegen zu können... aber es hinterlässt trotzdem einen bitteren Beigeschmack. Schließlich war man von Anfang an da und hat das Buch unterstützt! (Das hat man davon!)

3. Treulose Tomaten aka Reihen, die einfach nicht weiter übersetzt werden
MEHR BETRUG. Da greift man zur Übersetzung — aus welchem Grund auch immer — und liest ein, zwei, drei Bücher... und realisiert erst ein Jahr später, dass Teil vier nie übersetzt wurde. Das wäre mit Briefmarken nicht passiert.

4. Hinterhältige Leserillen
Man sagt immer, es gibt zwei Arten von Lesern: Die, die sich nicht um Leserillen kümmern (was mir ein absolutes Rätsel ist), und die, die lieber einen Krampf in der Hand als Knicke im Buchrücken riskieren.
Dabei darf man die Rechnung nicht ohne die Bücher selbst machen. Es gibt nämlich diese ganz fiesen Taschenbücher, die man nur falsch angucken muss und zack, da sind all die fünfhundert Leserillen, die ich niemals haben wollte. Egal, wie sorgfältig man das Buch hält — der Knick kommt früher oder später. Meistens stillheimlich, bis man das Buch zuschlägt und einen Herzinfarkt bekommt. Mindestens.

5. Bibelseiten
Kommt nicht selten vor, wenn die Autoren ein wenig eskalieren und die Fortsetzung einfach fünfhundertmal so lang ist wie der Vorgänger. Man hat das Buch schon vorbestellt und freut sich drauf und schlägt es auf und... reißt fast die halbe Seite aus, weil sie so dünn ist. ARGH. Beim Lesen bloß keine falsche Bewegung machen oder zu laut atmen. Man könnte ja das Buch ruinieren.

6. Bücher, deren Erscheinungsdatum nach hinten verlegt wird
Wieder gilt: Ich weiß, dass es dafür legitime Gründe gibt. Manchmal geht's dem Autor einfach nicht gut genug. Manchmal wird die Geschichte doppelt so lang wie geplant. Oder das Lektorat dauert länger, was weiß ich. Man will "das Beste aus dem Buch rausholen".
Aber das erspart mir trotzdem nicht den Schmerz, den ich verspüre, wenn ich noch länger warten muss. Weil ich nicht nur null Geduld habe, sondern auch noch ein Sieb als Gedächtnis und ich in einem Jahr sicher nicht mehr weiß, was in dem Buch passiert ist... wenn ich mich überhaupt noch an die Namen der Charaktere erinnern kann. #FalschesHobby?

7. Verkappte Trilogien
Davon kann ich auch ein Lied singen. Man liest nichtsahnend ein Buch, das man für einen Einzelband hält, nur um an ein Ende zu kommen, DAS KEIN ENDE IST. Ach, eine Fortsetzung? Es wird eine Trilogie? Und da hätte man mir keine Vorwarnung geben können?
Genauso schlimm: Wenn aus der Trilogie plötzlich eine Hexalogie wird. WARUM. Das Problem ist gar nicht mal unbedingt, dass mir die Bücher nicht gefallen. Gerade das macht es noch schlimmer — was, wenn man merkt, dass die Folgebände einfach die Geschichte unnötig strecken? Dass der/die Autor/in die Lieblingscharaktere zu Monstrositäten gemacht hat?! Diesen bitteren Nachgeschmack wird man nie wieder los. So viele Ansprüche. So viel ANGST. 

Puh. Mein Puls ist schon beim Gedanken an all diese Dinge angestiegen. Ich meine, Lesen ist toll. Bücher sind grandios. Aber manchmal... manchmal sitze ich vor meinem Bücherregal und suhle mich in meinen First World Problems.
Könnt ihr das nachempfinden? Wart ihr auch schon in einer der oben genannten Situationen gewesen oder habt ihr noch weitere Dinge, die euch halb in den Wahnsinn treiben? Wir können zusammen leiden. 👩‍💻