Samstag, 31. Dezember 2016

17 Neuerscheinungen, auf die ich mich 2017 freue

Da wir uns in den letzten Zügen des Jahres befinden, ist es endlich an der Zeit, einen Ausblick auf 2017 zu wagen. Der Monats-/Jahresrückblick wird im Laufe des Januars folgen, da ich aktuell nicht alle die Bücher zur Hand habe, die ich dafür benötige ;)

Ohne Umschweife - und vor allem ohne irgendeine Chronologie - geht's an die Bücher. (Mir ist bewusst, dass ein Großteil davon Fortsetzungen sind - die Beschreibungen sollten keine Spoiler enthalten.)

Windwitch - Susan Dennard (10. Januar 2017)
Der zweite Band in der Reihe rund um Iseult und Safi, zwei Freundinnen in einer Welt mit einer ganz besonderen Art von Magie. Mir hat der erste Band - Schwestern der Wahrheit bzw. Truthwitch - so gut gefallen, dass ich mittlerweile die deutsche und die amerikanische Ausgabe besitze (und gelesen habe). Mein Highlight? Dass ich endlich einmal geschnallt habe, dass es keine Trilogie, sondern eine vierbändige Reihe werden wird!
→ Meine Rezension zu Schwestern der Wahrheit
→ Mehr Informationen zu Windwitch auf Goodreads


A Conjuring of Light - V.E. Schwab  (28. Februar 2017)
Victoria Schwab ist eine Autorin, die ich 2016 kennen und lieben gelernt habe - deshalb macht es mich fast ein wenig traurig, mich nächstes Jahr gleich von zwei ihrer Reihen "verabschieden" zu müssen. Die Shades of Magic-Reihe ist eine meiner liebsten Buchreihen aller Zeiten, und in A Conjuring of Light findet nun auch Kells und Lilas Geschichte ihr Ende, hach.
→ Meine Rezensionen zu A Darker Shade of Magic und A Gathering of Shadows
→ Mehr Informationen zu A Conjuring of Light auf Goodreads

Traitor to the Throne - Alwyn Hamilton (2. Februar 2017)
Bei Rebel of the Sands handelt es sich ebenfalls um eines meiner liebsten Bücher 2016. Amanis Entwicklung von einem Mädchen, das nur ihrer Heimat entfliehen will, hin zu einer jungen, autonomen Frau, die sich einer Rebellion anschließt, hat mich vollkommen in den Bann gezogen. Auch hier habe ich sowohl die englische als auch die deutsche Version gelesen und bin jetzt ganz gespannt, was Amani noch alles erleben wird.
→ Meine Rezension zu Amani - Rebellin des Sandes
→ Mehr Informationen zu Traitor to the Throne auf Goodreads

Our Dark Duet - Victoria Schwab  (13. Juni 2017)
Was soll ich überhaupt noch zu Victoria Schwab sagen? Ach ja: Sie ist nicht nur eine fantastische Autorin, sondern auch von den Covergöttern gesegnet. Mit Our Dark Duet findet die Monsters of Verity-Dilogie ihr Ende und wir müssen uns von Kate und Augusts Abenteuern verabschieden. Der Vorgänger, This Savage Song, war ein grandioser Auftakt rund um eine gespaltene Stadt, die von Monstern heimgesucht wird.
→ Meine Rezension zu This Savage Song
→ Mehr Informationen zu Our Dark Duet auf Goodreads

Lord of Shadows - Cassandra Clare (23. Mai 2017)
Leute, muss ich eigentlich dazu überhaupt noch etwas sagen? :D Cassandra Clare ist eine der Autorinnen, an der ich mich niemals sattlesen werde - egal, wie viele Geschichten in der Schattenjäger-Welt sie erzählt. Natürlich gibt es Parallelen. Aber jede Reihe hat doch so etwas Einzigartiges an sich, das mich wieder und wieder in den Bann zieht... hach, ich freue mich. Und das Cover ist wirklich toll.
→ Meine Rezension zu Lady Midnight
→ Mehr Informationen zu Lord of Shadows auf Goodreads


Seeker - Veronica Rossi (16. Mai 2017)
Ich habe das Gefühl, dass die Riders-Dilogie bzw. der erste gleichnamige Band zu wenig Beachtung erhält. Generell ist Veronica Rossi eine unterschätzte Autorin. In dem ersten Band erweckt Rossi die vier apokalyptischen Reiter (die manche vielleicht aus Supernatural kennen!) zum Leben und schickt sie auf ein rasantes Abenteuer, dessen Ende besonders schockierend war.
→ Meine Rezension zu Riders
→ Mehr Informationen zu Seeker auf Goodreads


A Court of Wings and Ruin & Throne of Glass #6 - Sarah J. Maas (2. Mai 2017 bzw. September 2017)
Damit habt ihr schon gerechnet, oder? Gleich beide Maas-Reihen finden 2017 ein Ende, und ich weiß nicht, vor welchem Abschluss ich mich mehr fürchte. Sowohl die A Court of Thorns- als auch die Throne of Glass-Bücher haben mich so heftig berührt wie kaum ein anderes Buch. Vor diesen Büchern habe ich geweint, gelacht, geflucht (hauptsächlich geweint, ehrlich gesagt) - ich bin wirklich, wirklich gespannt/verängstigt.
→ Meine Rezension zu A Court of Mist and Fury / Empire of Storms
→ Mehr Informationen zu A Court of Wings and Ruin auf Goodreads


Giants: Zorn der Götter - Sylvain Neuvel (13. Juni 2017)
Giants: Sie sind erwacht ist ganz klar meine Leseüberraschung 2016. Ich taste mich immer noch langsam an Science-Fiction heran, aber Neuvel schafft nicht nur zahlreiche, spannende Charaktere, sondern auch eine Geschichte, die in viele Fachbereiche übergreift und doch begeistern kann. Ich freue mich wirklich wahnsinnig auf den zweiten Band!
→ Meine Rezension zu Giants: Sie sind erwacht
→ Mehr Informationen zu Giants: Zorn der Götter auf Goodreads



Und zu guter Letzt ein paar weitere interessante Neuerscheinungen (und somit auch mal Einzelbände ;)) - ein Klick aufs Cover bietet euch mehr Informationen:

     

Jetzt verratet mir - auf welche Neuerscheinungen freut ihr euch in 2017?
In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Rutsch - auf ein frohes neues Jahr! <3

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Über Bücher und Selbstliebe - Teil 2

doch wie soll diese Revolution aussehen?

Eine "Ich mache das, weil es mir gut tut"-Revolution also. Doch wie soll die aussehen?

Ich habe lange überlegt, welche Richtung ich mit diesen zwei Beiträgen einschlagen will. Will ich predigen, dass man seine Beschäftigung für sich behalten soll, damit möglichst niemand anderes ein schlechtes Gewissen kriegt? - Natürlich nicht.

Will ich euch erzählen, dass ihr nie wieder eure Stresslevel in die Höhe treiben sollt? - Genauso wenig.

die Kunst des Zeitnehmens
Ich will aber, dass ihr euch einmal Zeit nehmt. (Vielleicht gerade jetzt vor Jahresende?) Dass ihr euch hinsetzt und darüber nachdenkt, was euch wichtig ist. Was ihr gerne in eurer Freizeit macht, was euch wirklich Spaß bereitet. (Das heißt natürlich nicht, dass die Schule/euer Studium/euer Job nicht Spaß machen kann/soll!) Denn es ist so wichtig, dass ihr solch eine Sache für euch habt. Dass ihr euch diese Sache immer beibehaltet.

Es ist okay, Bilder zu teilen, in denen man herzeigt, wie viel man lernt. Es ist auch okay, Notenbilder herzuzeigen oder was auch immer man heutzutage noch der Welt mitteilen will. Aber genauso sollten wir an diese anderen Momente denken.

Umso älter ich werde, desto mehr genieße ich es,  zu reflektieren. Und wenn ich bisher eines gelernt habe, dann ist es das: Im Leben ist alles ein Lernprozess. Und es hilft wirklich, sich Gedanken zu machen.

Ich bin jetzt natürlich nicht "geheilt". Ich werde immer noch frustriert und ich vergleiche mich immer noch öfter, als es mir lieb ist, mit anderen. Aber ich bin mir diesen Dingen bewusst. Und so kämpfe ich auch bewusst dagegen an, nehme mir bewusst Zeit für mich.

die Vergänglichkeit unserer Gesundheit
Denn - so klischeehaft sich das auch anhört - ihr habt eure körperliche UND eure geistige Gesundheit nur einmal. Und keine Note, keine Leistung der Welt darf so wichtig sein, dass ihr diese dafür aufs Spiel setzt.

Vor allem ist es bewiesen*, dass regelmäßige Pausen euch effektiver arbeiten lassen. Und wenn ihr merkt, dass euer innerer Workaholic Überhand nimmt, dann zwingt euch, diese Pausen zu machen. Steht auf, entfernt euch vom Schreibtisch und nehmt eure aktuelle Lektüre zur Hand. Lernt Stück für Stück, das schlechte Gewissen zu bekämpfen - und den Kampf zu gewinnen.

Ich bin mir sehr bewusst, wie banal das klingt. Und es passt auch irgendwie nicht recht auf einen Buchblog. Aber es ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt - vor allem etwas, das wir meiner Meinung nach alle lernen sollten. Denn natürlich ist es heutzutage üblich, immer mehr und immer härter zu arbeiten. Doch damit steigt auch die Burn-Out-Rate immer schneller und höher**... und das ist kein schöner Trend.

Also nehmt euch die Zeit zum Lesen. Oder zum Schauen eurer Lieblingsserie. Weil ihr es verdient.

Samstag, 24. Dezember 2016

[Kurzrezension] Ein Heim für besondere Kinder und ein Überfluss an Katherines


Miss Peregrine's Home for Peculiar Children - Ransom Riggs Worum geht's?
Um Jacob, der seinen Großvater auf grausame Art und Weise verliert. Zur Bewältigung seines Traumas begibt er sich auf die Spuren der Vergangenheit seines Opas und stellt fest, dass die Geschichten, die er immer erzählte, wohl doch wahr waren...
Meine Meinung
Der Hype um Miss Peregrine's Home for Peculiar Children ist gewaltig. Und nach Jahren, in denen ich nichts als Lob gehört habe, habe ich mir endlich ein eigenes Exemplar zugelegt. Tja, was soll ich sagen? Es gefiel mir überhaupt nicht.
Riggs kann gut schreiben, das steht außer Frage, und auch die Idee für die Geschichte ist ganz zauberhaft. Aber die Umsetzung... puuuh. Jacob konnte ich auf den Tod nicht ausstehen - ich wurde einfach nicht mit ihm als Erzähler warm und er blieb, wie die anderen Charaktere auch, unglaublich blass. Zusätzlich wurde eine absolut unrealistische Liebesgeschichte in die Story reingepresst, und das Ende hat mich noch zusätzlich wütend gemacht.
Was mich aber am meisten gestört hat, war diese schleppend langsame Erzählung. Es passiert nichts, einfach gar nichts. Die Ermordung von Jacobs Großvater und der Pseudo-Showdown am Ende sind das Einzige am Buch, was irgendwie spannend ist. Dazwischen... endlose Seiten voller Nichtigkeiten, in denen weder die Geschichte noch die Charaktere irgendwie vorankommen. Die Bilder sind zwar nett und auch echt unheimlich, tragen aber nichts zur Geschichte bei.
Den Hype kann ich absolut nicht verstehen. Für mich wohl eine der Enttäuschungen des Jahres.

Taschenbuch ○ 382 Seiten ○ Quirk Books ○  Kaufen?

An Abundance of Katherines - John Green
Worum geht's?
Um Colin, der soeben von der 19. Katherine verlassen wurde. Und einen IQ von über 200 hat. Mit seinem Freund Hassan begibt er sich auf einen unvergesslichen Road-Trip.
Meine Meinung
Mit An Abundance of Katherines habe ich alle John Green-Bücher gelesen, und auch dieses stellt keine Enttäuschung dar! Zugegeben, anfangs war ich skeptisch - man hört nicht gerade viel Gutes über das Buch. Ich kann's nur teilweise nachvollziehen.
Mein größter Kritikpunkt ist eigentlich der Anfang des Buches - es zieht sich einfach, und so ziellos, wie der Road-Trip anfangs ist, scheint auch die Geschichte zu sein. Doch dann kommt das Ganze erst so richtig ins Laufen, und mit jeder Seite schließt man Colin etwas mehr ins Herz. Er versucht, ein Theorem zu entwickeln, das den Verlauf seiner alten Beziehungen erfasst und sogar zukünftige vorhersagen kann. Das bedeutet, dass man im Buch immer mal wieder kleine Graphen und Formeln findet, was mir unglaublich gut gefiel! (Es handelt sich dabei um leichte Mathematik, keine Sorge. ;)) Außerdem gibt es immer wieder kleine Fußnoten, die das Geschehen einfach bereichern - gerade eben, weil Colin so intelligent ist. Ich dachte zuerst, das würde den Lesefluss stören, aber dem war überhaupt nicht so.
Vor allem die Message, die sich immer stärker aus der Geschichte rauskristallisiert, hat mir mal wieder unglaublich gut gefallen. So ist An Abundance of Katherines nicht mein liebstes John Green-Buch, aber deswegen nicht weniger lesenswert.


Taschenbuch ○ 272 Seiten ○ Penguin Books ○ Kaufen?

~

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ganz frohe Weihnachten! <3 Und wenn ihr nicht feiert, dann wünsche ich euch ein ruhiges, erholsames Wochenende!

Sonntag, 18. Dezember 2016

[Rezension] Giants: Sie sind erwacht - Sylvain Neuvel


Inhalt
Die kleine Rose stößt auf eine gigantische Metallhand beim Spielen. Siebzehn Jahre später, mittlerweile als außerordentliche Physikerin, arbeitet sie daran, das Mysterium aufzudecken. Doch die Körperteile sind auf der ganzen Welt verteilt, und schon bald wird das ganze Unternehmen größer und verworrener, als alle Beteiligten jemals erwartet hätten...

Meine Meinung
Giants: Sie sind erwacht ist eines dieser Bücher, von denen ich etwas ganz anderes erwartet habe, die meine Erwartungen erst sprengen und dann übertreffen.
Denn gleich beim Lesen der ersten Seiten fällt auf: Das ist kein gewöhnliches Buch. Tatsächlich erzählt Sylvain Neuvel seine Geschichte in Form von Interviews und Tagebucheinträgen... und wie gut er das macht!
Ehe ich mich versah, wurde ich völlig in die Geschichte hineingezogen. Stück für Stück erfahren wir mehr - über die Geschehnisse, über die Charaktere. Und vermutlich macht es gerade die besondere Erzählform so gut: Erstmalig hat man als Leser nicht das Gefühl, über alles Bescheid zu wissen, und erst recht nicht, mehr als die Charaktere zu wissen - man ist vielmehr direkt in der Geschichte drinnen, die Informationen werden Stück für Stück enthüllt. Alles ist so geschickt konstruiert und spannend niedergeschrieben, dass man nie das Gefühl hat, den Faden zu verlieren - im Gegenteil sogar.
Als Germanistikstudentin habe ich mich ganz besonders über die linguistischen Einflüsse gefreut - das Buch ist nicht nur Science Fiction, es umfasst Physik, Biologie, Linguistik, Geschichte, Mathematik, Politik... und alles auf eine Art und Weise präsentiert, die auch der Leser, der mit diesen Fachgebieten üblicherweise nichts zu tun hat, mühelos nachvollziehen kann. Neuvel hält die Balance zwischen all diesen wissenschaftlichen Informationen und Teilen, in denen es einfach nur um die Charaktere geht, gekonnt.
Und so entwickelt sich die Geschichte. Das anfangs so klar definierte Ziel - alle Teile des Roboters zu finden und sie zusammenzubauen - wird verschwommener, die Charaktere befinden sich auf Irrwegen und vor gewaltigen Hürden und dann ist da immer noch die Frage der Moral, wie weit kann man gehen, wie viel kann man riskieren? Es ist alles einfach auf so eine faszinierende Weise ineinander geflochten, dass man gar nicht anders kann, als weiterzulesen - an der Stelle also auch ein Lob an den Übersetzer, der hier wirklich großartige Arbeit geleistet hat.
Inmitten all dessen stehen natürlich die Charaktere - Rose, die das Ganze erst "ins Rollen" gebracht hat, aber zum Beispiel auch Kara oder Vincent. Die Interview-Form tut ihren Charakteren keinen Abbruch; ziemlich schnell erkennt man sie an der Art und Weise, wie sie sprechen, wie sie den Fragen des Interviewers (dessen Identität übrigens verhüllt bleibt) begegnen.
Ihr merkt es schon - ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite geliebt. Giants ist originell, in der Idee und in der Schreibweise, und vor allem darin, wie es den Leser wieder und wieder in die Irre führt und schockt. Ich kann den zweiten Band (der im Juni erscheinen wird) kaum abwarten!

Fazit
Giants ist ein genialer Auftakt zu einer Science-Fiction-Reihe, deren Komplexität einfach nur beeindruckt und gleichzeitig dem Lesefluss kein bisschen im Wege steht. Geniale Idee, genialer Plot, geniale Charaktere - ich bin völlig begeistert!


Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Giants ○ Broschur: 416 Seiten ○ Heyne Verlag ○ Band 1 ○ 14,99€ ○ Kaufen?

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Über Bücher und Selbstliebe - Teil 1

wir schneiden schlecht ab
Was für Effekte die sozialen Medien auf uns haben, wird uns Tag um Tag um Tag wieder erzählt. Wir sitzen in Vorlesungen und hören nur mit einem Ohr zu, in der anderen Hand das Handy, schieben das Essen auf dem Teller so lange hin und her, bis es an der richtigen Stelle ist, und überlegen, welches Foto wir als Nächstes posten, ohne unseren Feed zu zerstören. Den obligatorischen Hashtag nicht vergessen, mehr Likes, mehr Bestätigung, mehr Anerkennung.

Oft fällt in diesen Nachrichten auch der Begriff des Vergleichens. Wir eifern den meistgefolgten Instagrammern nach und beobachten die Youtube-Stars, die ihre Hauls jetzt direkt auf Snapchat machen. Und wir schneiden immer schlecht ab.

Meistens bezieht man sich da auf materielle Dinge. Oder argumentiert, es sei alles mehr Schein als Sein und die anderen seien nicht halb so glücklich, wie sie sich geben.

Aber wie ist das bei diesen #studyposts? Bei den Leuten, deren Snaps immer nur aus Bibliotheksbildern bestehen? Die ihre Instagram-Posts mit #studybreak taggen und - falls man sie mal antrifft! - erzählen, dass sie nur noch Uni-Kram machen und vor Stress nicht einmal mehr zum Essen kommen.

Ihr schließt die Instagram-App. Drückt den Snap der Person weg, frustriert. Und nach dem Gespräch zwingt ihr euch selbst, den Stoff noch einmal durchzugehen, obwohl ihr eigentlich fix und fertig seid und die Spannungskopfschmerzen schon seit einer Woche mit euch herumschleppt.

Das ist kein Post über soziale Medien. Das ist ein Post, in dem ich euch darauf aufmerksam machen will, was es für ein Gift sein kann, seine Erfolge (in meinem Fall besonders Lernerfolge) zu vergleichen. Und was das mit Selbstliebe und, ja, Büchern zu tun hat.

keine Zeit zum Lesen?
Zuallererst möchte ich noch einen anderen Satz in den Raum werfen, ein bisschen weiter ausholen - ein Satz, den ihr wahrscheinlich alle schon gehört oder sogar selbst geäußert habt.
Ich habe im Moment gar keine Zeit zum Lesen.
Statt dem "Lesen" dürft ihr natürlich euer liebstes Hobby nach Wahl einfügen. Und gerne noch einen Grund dahinter schieben, idealerweise etwas wie "weil ich so viel für [xy] machen muss".

Ich habe solche Sätze vor langer Zeit abgelegt. Warum? Weil ich Zeit zum Lesen habe. Ich habe auch Zeit zum Lernen, zum Schreiben, Zeit, mich um den Blog zu kümmern oder mich mit Freunden bei einem Kaffee zu treffen. Nur nutze ich diese Zeit nicht immer für all diese Dinge - weil manchmal eben eine Klausur ansteht, oder ich noch eine Lektüre lesen muss. Ich setze also meine Prioritäten, wähle aus, welche Zeit ich für was nehme.

Denn ich behaupte: Ihr habt alle Zeit zum Lesen. (Oder für das liebste Hobby eurer Wahl.) Ja, auch wenn ihr für die Klausur lernen müsst, auf die ihr euch schon seit Wochen vorbereitet. Oder noch ein paar Aufgaben bearbeiten solltet.

Ich will auch nicht implizieren, dass ihr das Lernen/Arbeiten lassen solltet.

Aber denkt doch mal daran zurück, weshalb ihr überhaupt erst angefangen habt, ein Buch nach dem anderen zu verschlingen.*

Weil ihr gerne in fremde Welten eintaucht. Weil ihr am liebsten selbst mit dem Kommissar an dem kniffligen Fall arbeiten würdet. Weil es für euch nichts Besseres gibt als eine toughe Protagonistin. Weil ihr einfach diesen einen Autor besonders mögt, da er so gut schreiben kann.

Was haben all diese Dinge miteinander? Sie tun euch gut. Das Lesen tut euch gut.

Und deshalb solltet ihr niemals, niemals sagen, ihr hättet keine Zeit dafür.

Schieben wir diesen Aspekt beiseite, ich komme später noch einmal darauf zurück. Stattdessen möchte ich gerne erklären, was genau das jetzt mit dem Vergleichen zu tun hat.

Zuallererst etwas ganz Banales. Eure Freundin hat euch zum fünften Mal erzählt, wie viel sie lernt**, und deshalb fühlt ihr euch jetzt gezwungen, wenigstens ansatzweise ähnlich viel zu lernen. Ihr verändert eure Prioritäten (ganz unabhängig davon, ob ihr das Extralernen wirklich braucht!) und habt somit weniger Zeit zum Lesen. Oder der Katastrophenfall: Ihr fühlt euch einfach nur schlecht, könnt euch weder auf das Lernen noch aufs Lesen konzentrieren.

mehr Druck, mehr Druck, mehr Druck
Egal, wie es ist - ihr schadet euch selbst damit. Und es ist an der Zeit, das zu realisieren.

Natürlich leben wir in einer Gesellschaft, in der es vordergründig darum geht, Leistungen zu erbringen. Geht ihr zur Schule, ist das "hohe Ziel" das Abitur, und seid ihr an der Uni, reden im ersten Semester alle schon vom Master. Während ihr noch darum kämpft, überhaupt zu bestehen, denkt manch anderer schon an den nächsten Notenschnitt. Mehr arbeiten, besser sein, mehr Druck, mehr Druck, mehr Druck.

Aber auf wessen Kosten?

Natürlich könnt ihr euch das Wissen reinpressen, in diesen idiotischen Wettkampf um das mehr-mehr-mehr einsteigen. Doch - und damit werfe ich etwas in den Raum, über das ich selbst noch nachdenke und noch lange, lange nachdenken werde - geht das alles nicht auf Kosten eurer Lebensqualität?

Natürlich kann man das mal machen.

Aber ich bin es leid. Ich bin dieses tägliche Vergleichen leid, dieses "Kannst du das schon?" und "Hast du dies schon gemacht?" und "Nein, ich bin so beschäftigt, ich habe nicht einmal eine freie Stunde mehr am Tag". Ich bin es leid, mich schlecht zu fühlen, weil ich um zwanzig Uhr aufhöre mit dem Lernen. Weil ich nicht den halben Tag in der Bibliothek verbringe und weil nicht jeder Snap aus einem Lernbild besteht. Ich will nicht, dass sich die Äußerung eines Satzes à la "Heute gönne ich mir mal einen lernfreien Abend" mehr wie eine Rechtfertigung denn wie eine simple Aussage anhört.

Wir brauchen eine "Ich mache das, weil es mir gut tut"-Revolution.

-- TEIL 2 FOLGT --

* Ich werde mich von nun an ausschließlich auf das Lesen beziehen, um den Sachverhalt einfacher darzustellen - ich gehe auch stark davon aus, dass ein Großteil von euch gerne in der Freizeit liest. ;)
** Auch "lernen" steht hier vereinfachend: Ich meine damit alle Arbeit, die in euer Studium/eure Bildungslaufbahn fließt.

Und noch ein kleiner Disclaimer: Ich erwarte bei aller Liebe nicht, dass jeder das, was ich hier geschrieben habe, nachvollziehen kann - ich bin mir auch sehr wohl bewusst, dass gerade heutzutage viele bspw. wegen ihres Jobs auf soziale Medien u.ä. angewiesen sind und sich fast schon bewusst auf den Wettbewerb einlassen. Ich habe hier lediglich einen Aspekt gewählt, mit dem ich mich besonders gut identifizieren kann.

Samstag, 10. Dezember 2016

[Rezension] The Crown - Kiera Cass


Da es sich hierbei um den letzten Band einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!

Inhalt
Eadlyns Selection neigt sich dem Ende zu - doch sie weiß weder, wen sie erwählen soll, noch kann sie sich überhaupt Gedanken um die Bewerber machen; ihre Mutter liegt im Krankenhaus, ihr Bruder ist in Frankreich und das Gewicht eines Königreiches lastet auf ihren Schultern. Und egal, was sie macht, die Zustände scheinen sich nur noch weiter zu verkomplizieren...

Meine Meinung
Ich habe das Lesen dieses Buchs ein wenig hinausgezögert - allein der Gedanke, mich dieses Mal wirklich von Eadlyn, America und Maxon zu verabschieden, ließ mich ein wenig melancholisch werden. Diese Reihe wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.
Nach dem Beenden des vierten Bandes, The Heir, war ich selbst unschlüssig, wo die Geschichte noch hinführen würde - gerade in Anbetracht des jungen Herren, den Eadlyn wählen würde. Es gab viele Bewerber, und vor allem viele Bewerber, die gut zur Eadlyn gepasst hätten, und ich war wirklich gespannt, wie Cass sich festgelegt hatte.
Stattdessen nahm die Geschichte eine Wendung, die ich gar nicht so erwartet habe. Aufgrund von Americas Zustand entschließt sich Eadlyn, mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen, macht erste (unangenehme) Erfahrungen in der Politik und muss ziemlich bald lernen, ihren Standpunkt und ihre Werte zu vertreten. Besonders gut gefiel mir, dass Cass hierbei der Eadlyn treu blieb, die wir bereits aus dem Vorgänger kennen. Eine Eadlyn, die sich traut, den Mund aufzumachen - die manchmal abweisend oder kalt wirkt, aber eigentlich nur einen Weg zu finden versucht, mit all diesen Verpflichtungen umzugehen. Viele ihrer Entscheidungen brachten mich nur dazu, sie weiter ins Herz zu schließen.
So wie auch bei The One (dem dritten Band) wird auch in The Crown der Fokus (noch) ein wenig stärker aufs Volk gelenkt. Trotz der Abschaffung der Kasten gibt es dort immer noch viele Missstände, da die Leute Schwierigkeiten haben, das Rangdenken abzulegen. Ich mochte dieses Politische, diese Ernsthaftigkeit, die die Autorin somit in die Geschichte einbrachte, unglaublich gerne.
Trotz der unerwarteten Wendungen liegt letztendlich der Fokus immer noch auf Eadlyns Selection. Ich mochte einen Großteil der Jungs sehr gerne - egal, ob Erik, Kile, Hale... sie alle wurden immer lebendiger mit eigenen Hintergründen und Persönlichkeiten und einfach Eigenheiten, die sie immer charmanter machten.
Ich würde jetzt am liebsten schreiben "trotz der Kürze des Buches..." - doch es gab leider ein paar Aspekte, die tatsächlich dadrunter gelitten haben. Es hätte dem Plot einfach gut getan, mehr Zeit zu haben, in der er sich entfalten kann. Es gab so viele spannende Handlungsstränge, die in Band 4 eingeführt wurden und die in The Crown zwar nicht fallen gelassen, aber dennoch eher dürftig abgewickelt wurden. Auch das Ende - so toll es auch war, aber dazu komme ich gleich - hätte sich gern noch über ein paar Seiten mehr ziehen dürfen.
Aber meine Güte... was für ein Ende es war! Ich konnte das Buch absolut nicht weglegen und habe bis in die Nacht hinein gelesen, getrieben von dem Verlangen, zu erfahren, wie Eadlyns Geschichte ausgeht - puuuh. Anders formuliert: Ich saß Rotz und Wasser heulend im Bett. Nicht einmal, weil das Ende traurig war. Oder unpassend. Es war einfach so... schön und rührend! Der richtige Abschluss für die süße Geschichte, die ich über die Jahre kennen und lieben gelernt habe. Auch wenn ich America, Maxon und Eadlyn definitiv vermissen werde.

Die Selection-Reihe - Resümee
Ich erinnere mich noch daran, wie ich nach dem ersten Buch gegriffen habe. Ich erwartete nicht viel - eine leichte Geschichte, wenn auch mit viel Kitsch und Klischees.
Eine leichte Geschichte bekam ich... gewissermaßen. Gleichzeitig gefielen mir die Bücher besser und besser, umso weiter ich las, und irgendwann fühlte ich mich in Americas Welt schlichtweg zu Hause.
Vielleicht liegt es daran, dass ich nie die höchsten Erwartungen an die Bücher hatte, und sie sind natürlich nicht vollkommen. Aber ich habe es keine Sekunde bereut, vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren The Selection aufgeschlagen zu haben.

Fazit
In The Crown findet Eadlyns Geschichte ein rundes, wenn auch nicht perfektes Ende. Ein Buch, eine Reihe, die mich zum Lachen und Weinen, zum Schwärmen und Bewundern gebracht hat, und die definitiv einen Ehrenplatz in meinem Regal hat.


The Crown ○ Taschenbuch: 279 Seiten ○ HarperCollins ○ Reihe: 5/5 ○ ca. 8,78€ ○ Kaufen?

Mittwoch, 7. Dezember 2016

[Rückblick] Lesemonat November 2016

Ja, ich bin verdammt spät dran. Die Entschuldigungen spare ich mir, die machen das Ganze nur unnötig lang. ;)
Im November habe ich trotz dem NaNoWriMo und einem Haufen Zeug, das es für die Uni zu erledigen gab, dennoch irgendwie eine gesunde Menge gelesen. Wie so ziemlich jedes Jahr ist mir das ein Rätsel, aber okay. Zu den Büchern:


Gemina hat mir wesentlich besser als Illuminae gefallen - die Charaktere waren cooler, die Geschichte actionreicher und die Plottwists noch überraschender! Ich bin sehr gespannt auf den letzten Band.

2) Ignite Me - Tahereh Mafi (5/5) Re-Read
Eigentlich sollte ich dazu eine neue Rezension schreiben, denn in der Rezi zum deutschen Exemplar war ich nicht halb so begeistert, wie ich es nach Ignite Me war. Als hätte es nach dem zweiten Lesen der drei Bücher einfach klick gemacht - ich fand es grandios! Ob das daran liegt, dass ich die Zeitabstände zwischen den Büchern kürzer waren oder ich die Charaktere jetzt besser verstehe... keine Ahnung. Ich nehme es mit Freuden hin. ;)

3) Die Familie Selicke - Arno Holz, Johannes Schlaf (2/5)
Eine weitere Unilektüre, die mir eher weniger gefiel. Nahezu der komplette erste Akt ist im Dialekt verfasst, was das Lesen einfach unglaublich anstrengend (und stellenweise unmöglich) macht. Danach wurde es jedoch besser, und besonders in Hinblick auf die Familienanalyse ist das Drama doch echt interessant.

Was soll ich denn noch zu Schwab sagen?! Sie schleicht sich Buch für Buch immer mehr in mein Herz. This Savage Song war eine komplett andere Leseerfahrung als A Darker Shade of Magic, aber mindestens genauso genial!

5) Top Dogs - Urs Widmer (2/5)
Mehr Unilektüre, dieses Mal ein Pseudo-Drama - hier hat es hauptsächlich die Interpretation gerettet, denn rein vom Lesen her ist es wirklich... nicht spaßig. Es geht unglaublich viel verloren, was man eben bei einer Aufführung sehen würde - das habe ich selten so stark beobachtet wie hier.

Mein erstes Jandy Nelson-Buch gefiel mir leider nicht so gut, was hauptsächlich an der Protagonistin und generell an der ganzen Liebeskonzeption im Buch lag. Schade!

7) Poetik - Aristoteles
Tja, was soll ich sagen? Es ist unglaublich beeindruckend, was der Gute schon vor uns allen wusste. War zwischenzeitlich etwas trocken, aber grundsätzlich interessant und erstaunlich einfach zu lesen.

Eine grandiose Fortsetzung! Steht seinem Vorgänger in nichts nach - mache mir jetzt aber schon Sorgen um den dritten und finalen Teil. (Im Sinne von: Schwab wird sämtliche Leser-Herzen brechen!)

9) The Crown - Kiera Cass (4/5)
Es war mitten in der Nacht, als ich dieses Buch zuschlug - ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen. Und was für ein Abschluss es war! Ich habe sogar die ein oder andere Träne vergossen (Spoiler: es waren viele - muss ein toller Anblick gewesen sein). Aber es war auch ein tolles Buch. <3 Rezension folgt!

Ein grandioses Debüt von einer unglaublich lieben und bodenständigen Autorin rund um einen Haufen Royaler, deren (Liebes)Leben gehörig auf den Kopf gestellt werden.

(Das macht mehr Bücher als im Oktober, fällt mir gerade auf - aber das liegt hauptsächlich an den Pflichtlektüren und an der Tatsache, dass diese wenig Seiten fassen. ;))
Insgesamt sind wir für diesen Monat bei 2700 Seiten, 90 pro Tag. Ist meiner Meinung nach immer noch ein ordentlicher Schnitt. :D
Was im Dezember noch auf mich zukommen wird? Keine Ahnung. Ein Rezensionsexemplar wartet noch auf mich, abgesehen davon ist das ein wenig ein planloser Monat - ich muss sowieso erst einmal damit klar kommen, dass 2016 schon wieder vorbei sein soll.

Wie war denn euer Lesemonat November? <3

Sonntag, 4. Dezember 2016

[Rezension] Royal Me: The Masquerade - Tina Köpke

Inhalt
Von einem Tag auf den anderen wird Thronfolgern auf der ganzen Welt gesagt, dass ihr Leben in Gefahr ist - bedroht von einer Terrororganisation, deren Ziel keins geringeres ist als so viele Monarchien wie möglich ins Wanken zu bringen.
Eine Gruppe von jungen Royalen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, eingepfercht in einem Castle in Schottland. So abgeschottet von der Welt tritt das Überleben schnell in den Hintergrund... und stattdessen treten die verworrenen Liebesleben der jungen Erwachsenen zu Tage.

Meine Meinung
Wie sehr habe ich mich darauf gefreut, diese Rezension schreiben zu können <3 Royal Me ist nämlich ein Werk, das mir ganz besonders am Herzen liegt - ich hatte nämlich das Vergnügen, Betaleserin spielen zu dürfen. Schon damals hatte ich die Episode innerhalb weniger Tage durch - und zurück blieb der Wunsch nach mehr.
Für diese Rezension habe ich Tinas Werk ein zweites Mal gelesen, und wieder flog ich förmlich durch die Seiten.
Zum Einen liegt das an ihrem grandiosen Schreibstil - Tina schafft es nicht nur, das Callahan Castle (der Ort, an dem die Royalen verweilen) lebendig werden zu lassen, sondern auch die Gefühle der Charaktere sehr viel greifbarer und einfach echter zu machen. 
Ich war am Anfang skeptisch. Konnte mich die erste Episode eines Serials mit weniger als 30.000 Wörtern, noch dazu aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, überzeugen? Waren diese knapp hundert Seiten genug, um eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen?
Es brauchte nur eine erste Szene aus Vals Sicht. Val ist ein italienischer Bilderbuch-Macho, dessen Zunge viel zu scharf ist und der viel zu viel Alkohol verträgt (und trinkt). Binnen weniger Minuten saß ich lachend vor dem Dokument und war umso erstaunter, als ich die Szene plötzlich vorbei war.
Und so ging es mir mit einem Großteil der Charaktere - und die, denen ich anfangs skeptisch gegenüberstand, wuchsen mir mit der Zeit umso mehr ans Herz. Jeder von ihnen ist nicht nur in seinem Auftreten, sondern in seiner ganzen Erzählstimme so... individuell, dass ich nicht anders konnte, als sie zu lieben.
Abgesehen von Val wäre da zum Beispiel noch Priya aus Indien, deren Kultur so fremd ist und durch Tinas Schreibstil dem Leser doch erstaunlich gut nahe gebracht wird.
Da ist Oliver, der mit Val zusammen mein absoluter Liebling ist, den man einfach nur in den Arm nehmen möchte. Und Lina, mit der er eine gemeinsame Vergangenheit hat - doch die Dinge sind nicht so einfach...
Oder Anouk, die isländische Thronfolgerin, anfangs auch "Eisprinzessin" genannt. Doch eigentlich hat sie ein Herz aus Gold.
Und, wie gesagt, damit habe ich längst nicht alle angesprochen. Es sollte aber reichen, um zu zeigen, dass Royal Me: The Masquerade vor Diversität nur so strotzt - aber auch an Ideenreichtum mangelt es der ersten Episode nicht. Allein durch die enge Charakterbindung fiebert man automatisch mit, will, dass sich bestimmte Pärchen bilden und andere nicht, will am liebsten heulen, wenn es den Charakteren schlecht geht. (Vielleicht habe ich ein, zwei Mal selbst zu den Taschentüchern gegriffen...)
Obwohl es relativ kurz ist, so besitzt Royal Me dennoch einen ordentlichen Spannungsbogen, ist nicht nur ein Auftakt, sondern so viel mehr als das. Man liest ein Kapitel nach dem anderen, blinzelt zweimal, und plötzlich ist es vorbei und man will nur noch mehr. Mehr von Val und Oliver und Alicia und Priya und Lina und Anouk und Callum und Maya. Mehr Drama und mehr zauberhafte Worte. Mehr Royal Me.

Fazit
Es ist fast nicht zu glauben, dass es sich bei Royal Me: The Masquerade um Tina Köpkes Debüt handelt. Trotz der Kürze fehlt es der ersten Episode an nichts; stattdessen begegnet man einer Menge fantastischer Charaktere, wird in deren Leben hineingezogen und will sie gar nicht mehr loslassen. Ein toller Auftakt!


Titel: Royal Me: The Masquerade
E-Book: 87 Seiten
Verlag: Selfpublished
Reihe: Episode 1
Preis: 1,49€

Mittwoch, 30. November 2016

[Rezension] A Gathering of Shadows - V.E. Schwab

Da es sich hierbei um einen zweiten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt
Vier Monate ist es her, seitdem sich Lilas und Kells Wege zuletzt gekreuzt haben. Vier Monate, die Lila größtenteils auf einem Schiff verbracht hat und Kell in dem Versuch, sich irgendwie an die Tatsache zu gewöhnen, dass er sein Leben an das seines Bruders gebunden hat.
Vier Monate, bis sich die Wege der beiden wieder kreuzen, weil Kells Bruder Rhy ein magisches Turnier veranstaltet - und die Leben der beiden werden ein weiteres Mal fundamental auf den Kopf gestellt...

Meine Meinung
Die Shades of Magic-Reihe ist (bisher) das perfekte Beispiel für Bücher, die von den Charakteren vorangetrieben werden. Damit will ich nicht sagen, dass nichts passiert. Es passiert sogar einziges (und, wie üblich, wird der Plot gerade zum Ende hin wesentlich actionreicher), aber im Vergleich zu A Darker Shade of Magic ist A Gathering of Shadows noch einmal um einiges... gemütlicher.
Aber das macht überhaupt nichts.
Von Kell habe ich bereits in meiner letzten Rezension geschwärmt. In A Gathering of Shadows wuchs er mir noch mehr ans Herz: Nach den Ereignissen des ersten Bandes fühlt er sich mehr denn je wie ein Untertan denn ein wirkliches Mitglied der Königsfamilie. Rund um die Uhr wird er von Wachen begleitet, die sichergehen sollen, dass er nicht in eine andere Welt reist oder generell den Palast verlässt - alles "zum Schutze Rhys". Er muss quasi die Konsequenzen dafür tragen, dass er seinen Bruder gerettet hat - und langsam aber sicher frisst es ihn auf.
Allein aufgrund dessen tat er mir einfach unglaublich leid. Die Zerrissenheit, die auf diese Umstände folgte, war jedoch noch schlimmer. Eine Zerrissenheit, die eine ganz andere Seite Kells ans Tageslicht bringt - einen zweifelnden Kell, der mehr und mehr den Wunsch verspürt, seiner eigenen Familie zu entfliehen, dessen geliebtes rotes London nicht mehr (nur) ein Heimatgefühl vermittelt.
Wie man schon zwischen den Zeilen herauslesen konnte, wird auch Rhy viel präsenter. Rhy war eigentlich mein Highlight des Buches - in der Rezension zu A Darker Shade of Magic wünschte ich mir noch, mehr von ihm zu lesen, und in A Gathering of Shadows bekam ich diesen Wunsch vollkommen erfüllt. Endlich erhielt ich einen Einblick in Rhys Kopf und liebte ihn zugleich nur noch mehr. Sein Humor und damit verbunden die Beziehung zu Kell lockerten die düstere Atmosphäre einerseits auf, andererseits brachte es mich dazu, die beiden Brüder weiter ins Herz zu schließen.
Und Lila... selbst Lila, der ich im ersten Band noch eher zögerlich gegenüberstand, hat mich jetzt endlich vollkommen überzeugt. Auch sie hat sich weiterentwickelt, und erstmalig können wir eine andere Seite von ihr erahnen... einen Teil von ihr, der nicht konstant Leute wegstößt und flüchten möchte. Allein die "Beziehung" zu Alucard Emery, einem weiteren genialen Nebencharakter (und der Kapitän des Schiffes, auf dem sie die vier Monate verbrachte), ist unglaublich spannend gestaltet und schreit nach MEHR.
Wie ihr seht, ist die Rezension wieder einmal sehr auf die Charaktere fokussiert - aber alles andere würde dem Buch nicht gerecht werden. Ich habe es bereits gesagt: Der Fokus liegt eben auf den Charakteren. Sie sind unglaublich essentiell für die Geschichte!
Aber auch der Weltenbau bedruckt wieder einmal. In A Gathering of Shadows gewährt Schwab uns einen detaillierten Einblick in das Schloss und vor allem auch ins weiße London... wo uns mehr Überraschungen erwarten, ein größerer Plottwist lauerte schon in den ersten Seiten des Buches. Ebenfalls flocht Schwab neue Aspekte über die Magie an sich ein, was vor allem das Turnier sehr spannend machte.
Ich habe es schon mehrmals gesagt, und betone es gerne noch einmal: A Gathering of Shadows ist kein Buch, in dem die Dinge Schlag auf Schlag passieren - aber sie passieren, und mit einer emotionalen Wucht, die kaum vorzustellen ist. Ihr kennt das Prinzip aber schon von A Darker Shade of Magic, also bin ich mir sicher, dass euch der Folgeband (mindestens) genauso gut gefallen wird.
Zuletzt bleibt nur noch die Frage, wie zur Hölle das alles ausgehen soll... das ist mir ein absolutes Rätsel, denn A Gathering of Shadows endet an einem Punkt, an welchem so ziemlich alles passieren könnte.
Aber egal, wie sie sich entschieden hat - in ein paar Monaten zur Erscheinung des finalen Bandes, A Conjuring of Light, wird Schwab uns definitiv ein weiteres Mal das Herz brechen.

Fazit
A Gathering of Shadows steht seinem Vorgänger in nichts nach. Im Gegenteil sogar: V.E. Schwab baut noch mehr Magie, mehr Charakterstärke, mehr Weltenbau in die Geschichte ein und macht somit auch diesen Band zu einem absoluten Meisterwerk.


Titel: A Gathering of Shadows
Taschenbuch: 508 Seiten
Verlag: Titan Books
Reihe: 2/3
Preis: ca. 8,99€
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Samstag, 26. November 2016

[Neuzugänge] Was passiert, wenn's passiert

... oder, wenn man sich am Ende des Oktobers vornimmt: Im November, da habe ich Geburtstag, da kaufe ich mir eine T-o-n-n-e Bücher. Und es tatsächlich macht.

Einen schönen Samstag euch allen!
Um das gleich vorneweg zu nehmen: Nein, die Neuzugangs-Posts werden von nun an nicht regelmäßig kommen. Es bietet sich nur im Moment sehr schön an, weil sich einige Bücher angesammelt haben (was bei mir sehr selten vorkommt) und auch welche, die ich nicht sofort lesen werde, aber über die ich trotzdem sprechen möchte.

Also, hier sind die Schätzchen:


And I Darken von Kiersten White und Reasons to Stay Alive von Matt Haig standen schon länger auf meiner Wunschliste, und weil ich ein paar Payback-Punkte "übrig" hatte, habe ich mir eben die beiden bestellt. (Das war allerdings schon Ende Oktober, ups.)
Reasons to Stay Alive habe ich bereits gelesen und es hat mir gut gefallen. Von And I Darken habe ich einfach schon unglaublich viel (Gutes) gehört und bin sehr gespannt, wie es mir gefallen wird.


Medimops ist ein sehr gefährlicher Ort, wisst ihr? Ich brauchte eigentlich nur ein Buch fürs Studium (das hier nicht abgebildet ist, ganz im Ernst, das will ich euch ersparen), und um mir die Versandkosten zu sparen, brauchte ich eben noch ein, zwei... oh, vier, Bücher mehr. :D
Kurz gesagt: Nineteen Eighty-Four von George Orwell und The Secret History von Donna Tartt wollte ich schon immer mal lesen - das sind für mich auch einfach Bücher, die man irgendwann in seinem Leben einfach lesen muss. Von Me and Earl and the Dying Girl von Jesse Andrews habe ich auch schon einiges gehört. Das Buch ist in überraschend gutem Zustand und ich bin sehr gespannt. :)
Choker von Elizabeth Woods sah einfach... hübsch aus. Ja, das ist kein guter Grund. Aber zusammen mit der Inhaltsangabe dachte ich mir, warum eigentlich nicht. :D


Über mir der Himmel von Jandy Nelson erhielt ich (ein Rezensionsexemplar vom Bloggerportal, vielen Dank!) ungefähr zeitgleich zu der Medimops-Bestellung, wenn ich mich recht entsinne. Ich habe es schon vor ein paar Tagen beendet, hier findet ihr die Rezension (in der ich mich über viele Klischees in Jugendbüchern aufrege).
A Gathering of Shadows von V.E. Schwab war ein Geburtstagsgeschenk. <3 Ich habe A Darker Shade of Magic absolut geliebt. Ich lese den Folgeband gerade und bisher steht er seinem Vorgänger in nichts nach!


Die einzelnen Tales from the Shadowhunter Academy sind ja schon seit einer gefühlten Ewigkeit als E-Books erschienen; da ich mich aber (immer noch) gegen diese kleinen elektronischen Dinger wehre, habe ich ganz brav das Buch vorbestellt. ;) Und hier ist es! Ich bin sehr gespannt, besonders, weil man öfters gehört hat, dass manche Szenen aus Lady Midnight dann eine ganz andere Bedeutung kriegen. Grundsätzlich freue ich mich einfach darauf, wieder einmal in die Welt der Schattenjäger einzutauchen.
An Abundance of Katherines war ein absoluter Spontankauf. Ich habe sonst alle Bücher von John Green gelesen (also die, an denen ausschließlich er geschrieben hat) und freue mich schon drauf - ich bin grundsätzlich sehr im Contemporary-Fieber im Moment.


Zu guter Letzt möchte ich euch diese Schönheiten nicht vorenthalten. <3 Die Selection-Serie von Kiera Cass ist sozusagen meine literarische Guilty Pleasure - ich mag die Bücher einfach sehr, sehr gerne, hatte sie aber bisher nur ausgeliehen. Als ich alle fünf im Buchladen sehen stand, konnte ich einfach nicht anders... und ich freue mich noch immer wahnsinnig über diesen Spontankauf.
The Crown, den letzten Band, habe ich noch nicht gelesen, bin aber schon sehr gespannt darauf, wie Eadlyns Geschichte ausgehen wird!

So... zum Abschluss noch zwei Dinge:
1) In der Heimat warten zwei weitere Bücher auf mich. Aber über die spreche ich ein anderes Mal. ;)
2) Ich war fest entschlossen, den Post zeitlich zu strukturieren, aber wie dem ein oder anderen vielleicht aufgefallen ist, ist mir das absolut misslungen... ich musste noch einmal zurückgehen und Bücher fotografieren, die ich vergessen hatte etc. Kurz gesagt: Mein Kopf ist einfach komplett woanders gewesen. :D

Jetzt verratet mir aber, welche Bücher ihr schon kennt oder auch lesen wollt. Ich freue mich auf eure Antworten, habt einen schönen Samstag!

Mittwoch, 23. November 2016

Leselaunen #11

Die Leselaunen wurden freundlicherweise von Lara von Bücherfantasien übernommen und finden von nun an dort statt.

Aktuelles Buch?
Im Moment lese ich A Gathering of Shadows von V.E. Schwab, das ist der Folgeband zu A Darker Shade of Magic, die Geschichte rund um Kell und Lila. Inhaltlich kann ich nicht viel dazu sagen, ich habe auch noch nicht sonderlich viel gelesen - es ist auf jeden Fall wieder toll, zurück in dieser ganz besonderen Welt zu sein. <3 Schwab ist innerhalb der letzten Wochen zu einer meiner liebsten Autorinnen geworden.

Nebenher lese ich ein zweites Mal Royal Me - The Masquerade von der lieben Tina Köpke. Ich hatte bereits das Glück, bei dieser ersten Episode als Betaleserin engagiert worden zu sein, und was soll ich sagen?! Merkt euch den 4. Dezember vor! (Eine ausführliche Rezension kommt natürlich auch noch. :)) In Royal Me geht um royale Sprösslinge, deren Leben von einer Terrororganisation bedroht werden. In der Folge dessen müssen sie nach Schottland auf die Isle of Mull flüchten; doch die Nachkömmlinge haben ganz andere Dinge - vor allem ganz viel Unfug - im Kopf...


Momentane Lesestimmung
Tja. Sie wäre toll, wäre ich nicht konstant übermüdet oder nicht zu Hause, wo mein Buch auf mich wartet. :D Das ärgert mich insofern, dass ich wirklich, wirklich wissen will, wie es in A Gathering of Shadows weitergeht... aber nun gut. Spätestens am Wochenende habe ich (etwas) mehr Zeit.

Zitat der Woche?
“It hurts,” he whispered. 
“What does?” asked Kate. 
“Being. Not being. Giving in. Holding out. No matter what I do, it hurts.” Kate tipped her head back against the tub. “That’s life, August,” she said. “You wanted to feel alive, right? It doesn’t matter if you’re monster or human. Living hurts.” 
(Victoria Schwab, This Savage Song)

Und sonst so?
Tja, vor zwei Wochen habe ich noch darüber gesprochen, dass mein NaNoWriMo-Projekt ein wenig... konfus ist. Normalerweise habe ich diese Krise erst bei 40.000 Wörtern (die was-zur-Hölle-mache-ich-hier-Krise), aber da ich dieses Mal im Jugendbuch-Bereich unterwegs bin (und mein Projekt somit (etwas) kürzer ist/wird), musste sich das wohl ein wenig nach vorne verschieben. ;) Was ist in der Zwischenzeit passiert? Ich habe einfach weiter geschrieben, genau genommen 31.000 weitere Wörter, und somit meinen sechsten NaNo gewonnen/"beendet". Beendet in Anführungszeichen, weil ich natürlich weiterschreibe in der Hoffnung, dieses Projekt bis zum Ende des Monats beendet zu kriegen. :)

Was ist in eurem (Lese-)Leben so los?
Einen schönen Mittwoch euch allen! <3

Sonntag, 20. November 2016

[Rezension] Über mir der Himmel - Jandy Nelson

Inhalt
Lennie versucht immer noch, mit dem Tod ihrer Schwester klarzukommen - jeder Tag ohne Bailey fühlt sich einfach nicht richtig an. Als sie zum ersten Mal nach dem Verlust wieder in die Schule geht, trifft sie dort auf Joe, den Neuen, zu dem sie sich schnell hingezogen fühlt. Doch dann ist da auch noch Toby, Baileys Freund, der Einzige, der sie und ihre Trauer verstehen kann. Ehe sie sich versieht, steht Lennie zwischen zwei Jungs...

Meine Meinung
An Über mir der Himmel habe ich mal wieder gemerkt, wie sehr sich mein Blick auf Young Adult-Bücher verändert hat. Nicht, dass ich jetzt "zu alt" dafür bin. Aber gerade durch regen Austausch in letzter Zeit und vieler interessanter Artikel rund um Dinge, die ich sonst immer nur so hingenommen habe, habe ich doch einiges dazu gelernt - und einiges realisiert.
Jandy Nelsons Bücher wurden gefühlt immer und überall gepriesen. Deshalb freute ich mich sehr, ein Rezensionsexemplar von Über mir der Himmel zu erhalten, freute mich auf ein grundsätzlich eher leichteres Jugendbuch, das mich doch irgendwo berührte.
Ein leichtes Jugendbuch fand ich, berührt wurde ich leider nicht wirklich. Und auch jetzt versuche ich immer noch, zu rekonstruieren, wieso es mit mir und Über mir der Himmel nicht so wirklich klappen wollte.
Zuallererst hatte ich ziemliche Probleme mit unserer Protagonistin Lennie. Sie ist eines dieser unscheinbaren Mädchen, das immer im Schatten ihrer Schwester stand (und beschreibt sich selbst so), und eines Tages aus heiterem Himmel zum Jungenmagneten wird. Ich hätte darüber vielleicht noch hinweg gesehen, wenn es nur das gewesen wäre - aber teilweise ließ sie Dinge von sich, die ich einfach nur noch als bedenklich empfand. (Zum Beispiel, dass sie mit siebzehn Jahren "nur drei Jungen" geküsst habe.)
Was das Fass letztendlich zum Überlaufen gebracht hat, war Geschichte mit den zwei Jungs.
Okay. Man kann darüber streiten, wie schräg es ist, dass sie etwas mit Toby anfängt, dem Freund ihrer toten Schwester - wohlgemerkt einem Jungen, der sie vorher noch nie bemerkt hat. Weil unscheinbar. Aber die beiden trauern. Trauer macht komische Dinge aus Menschen, das will ich ja auch gar nicht bestreiten.
Doch dann kommt Joe hinzu. Der Neue, den plötzlich alle super heiß finden, mit diesen endlos langen Wimpern, der lieb ist und kein einziges negatives Attribut hat - und Lennie löst sich nicht von Toby, nein, sie macht einfach mit beiden rum. Im Abstand von Minuten. Ähhhhhh. Das Mädchen, das bis vor zwei Tagen noch unscheinbar und komplett unerfahren war (weil sie ja bisher nur drei Typen geküsst hat), ist plötzlich zur Sexbombe der Stadt geworden. Alles klar. Und das konnte ich ihr leider, leider nicht verzeihen. Weil sie sich nicht (nur) von Trauer gezeichnet verhalten hat, sondern einfach rücksichtslos und unfreundlich.
Ich könnte mich noch über die "Liebe" zwischen ihr und Joe aufregen. Was anfangs nach einer süßen Liebesbeziehung aussieht, wird spätestens dann komisch, als Joe jeden Morgen in Lennies Haus kommt, Schokocroissants mitbringt und mit Lennies Onkel (wohlgemerkt ein Kiffer) und ihrer Oma anbändelt. Ach ja, ich vergaß. Nach drei Tagen Beziehung reden sie schon darüber, wann die liebe Lennie denn entjungfert werden soll.
Spätestens an diesem Punkt sollte klar geworden sein, dass ich das Liebesideal, das im Buch vermittelt wurde, als völlig realitätsfern empfinde. Und überspitzt.
Außerdem - das nur am Rande angemerkt - ist es super schräg, dass alle Charaktere total belesen zu sein scheinen und richtige Literati sind, Zitate und Charaktere um sich werfen. Auch hier denke ich mir: So verhalten sich keine Jugendlichen. Oder, die These stelle ich mal in den Raum, zumindest verhält sich ein Großteil der Jugendlichen absolut nicht so. (Grundsätzlich ist Lennies Familie komplett abgedreht, aber darauf jetzt einzugehen, würde wirklich den Rahmen sprengen.)
Das mag nach meiner Schimpftirade zwar ein wenig abrupt kommen, aber ich hatte definitiv auch meine guten Momente mit Über mir der Himmel.
So sehr ich mich auch über Lennies und Joes Beziehung aufgeregt habe, die beiden haben vereinzelte gute Momente - Momente, in denen ich grinsend vor dem Buch saß. Gerade, wenn man die Tatsache, dass die ganze Beziehung etwas überstürzt gestaltet ist, ignoriert, gibt es doch ein paar süße Szenen.
Außerdem mochte ich, dass ein paar Überraschungsmomente eingestreut sind - zum Beispiel, als Lennie Dinge über ihre tote Schwester oder ihre Mutter, die vor sechzehn Jahren verschwunden ist, herausfindet. Ebenfalls gefiel mir, dass das Buch nicht ein komplett rundes Ende findet - dass Nelson zeigt, dass eben am Ende nicht alles perfekt ist und man nicht immer für jeden Aspekt eine Lösung finden kann. (Zugegeben: Das ist ihr nicht überall gelungen, aber ich schätze die Bemühung.)
Der größte Pluspunkt des Buches ist jedoch der Schreibstil. Jandy Nelson ist wirklich eine unglaublich begabte Autorin - jedes Wort steht an seinem Platz. Besonders schön sind die kleinen Zettelchen, Gedichte oder Gesprächsfetzen, die Lennie schreibt und irgendwo - in der Stadt, im Wald - deponiert. Hier kommt eine unglaublich poetische Seite des Buches hervor, die mir sehr, sehr gut gefiel!
Vor allem gab es doch ein paar Augenblicke, in denen ich mir dachte: Ja, das ist es. Wo Über mir der Himmel tatsächlich etwas in mir bewegte, wenn auch nur sporadisch - aber der Ansatz war da.
Schlussendlich hatte ich einige Probleme mit dem Buch, konnte es im Großen und Ganzen aber gut lesen. Vor allem gehöre ich mit meiner Kritik zur Minderheit, das heißt, was mich gestört hat, macht euch vielleicht gar nichts aus. :) Mit Sicherheit werde ich noch zu Nelsons aktuellem Buch, Ich gebe dir die Sonne, greifen, gerade, weil mir oft gesagt wurde, dass dieses (noch) stärker sei. Es ist auf jeden Fall nicht das letzte Mal, dass ich ein Buch von ihr gelesen habe - Lennies Geschichte war einfach nicht ganz meins.

Fazit
Über mir der Himmel und ich hatten einige Probleme. Vor allem störte mich die überspitzt dargestellten und unrealistischen Liebesbeziehungen, aber auch mit der Protagonistin Lennie kam ich nicht wirklich klar. Was das Buch jedoch lesenswert machte, war definitiv der Schreibstil - Jandy Nelson findet die richtigen Worte und beeindruckt mit einer poetischen Sprache.


Vielen Dank an cbt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Über mir der Himmel
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: cbt
Reihe: -
Preis: 9,99€

Mittwoch, 16. November 2016

[Rezension] This Savage Song - Victoria Schwab

Inhalt
Kate Harker und August Flynn leben in einer geteilten Stadt - in der es Monster gibt.
Kate strebt danach, ihrem Vater nachzueifern und selbst zu einem Monster zu werden. August ist bereits eines.
Trotz der Tatsache, dass sie in den verschiedenen Lagern aufgewachsen sind, kreuzen sich die Wege der beiden. Und als der Waffenstillstand zwischen den beiden Stadtteilen zu krümeln beginnt, stellt sich die Frage, wer hier wirklich gegen wen kämpft...

Meine Meinung
Endlich mein zweites Buch von Victoria Schwab! So viel sei vorweggenommen: Ich bin nun endgültig ein Fan der Autorin und muss nach und nach wirklich all ihre Bücher lesen.
In This Savage Song beweist sie wieder einmal, was für geniale Ideen sie hat. Das USA, wie wir es kennen, existiert nicht mehr (ironisch, ich weiß). Die Geschichte spielt in einer Stadt namens Verity, die geteilt ist - und die von Monstern bewohnt wird, von Malchai, Corsai und Sunai, die am seltensten sind. Die Monster sind unter Kommando der zwei Männer - Harker und Flynn -, die die beiden Stadtteile verteidigen, aber immer mehr Unruhen treten zutage. Der sechsjährige Waffenstillstand droht zu zerfallen.
Inmitten dieses Trümmerfelds der Menschheit befinden sich Kate und August. Kate hat ihre Mutter verloren und versucht seitdem umso mehr, zu einer Kopie ihres Vaters zu werden - sie will Harker beweisen, dass sie genauso rücksichtslos und brutal sein kann. Und sie ist es auch, zumindest zu Beginn des Buches.
August hingegen weiß selbst nicht genau, was er ist, seitdem er eines Tages einfach aufgetaucht ist. Die Sunais sind nicht nur selten, sondern sehen den Menschen am ähnlichsten - doch August fühlt sich nicht menschlich, nicht wirklich, sondern überwiegend leer.
Am Anfang tröpfelt die Geschichte ein wenig vor sich hin - Schwab nimmt sich Zeit, die Charaktere einzuführen, was auch gut so ist, da damit auch Stück für Stück Informationen über dieses besondere Setting eingestreut werden. Wie bei A Darker Shade of Magic war ich gerade am Anfang von This Savage Song noch ziemlich verwirrt. Mit der Zeit wurde das alles jedoch klarer, auch wenn der Weltenbau hier nicht ganz so stark ist wie bei ADSOM. Ich bin jedoch sehr gespannt, was wir darüber noch in der Fortsetzung erfahren.
Im Zentrum stehen aber auch einfach die Charaktere. Und, Gott sei Dank, nicht in einer "Ich-liebe-meinen-Feind"-Weise - This Savage Song fokussiert einfach stark auf Kates und Augusts Entwicklung, was mir unglaublich gut gefiel. Beide Figuren sind einfach nicht Gutmenschen oder Heilige, sondern haben wirkliche Schwächen und weniger schöne Charakterattribute - aber das macht sie nur umso dreidimensionaler und spannender.
Ich möchte auch gerne noch einmal betonen, wie toll ich es finde, dass das Buch ohne eine Liebesgeschichte auskommt - auch wenn Kate und August zusammenarbeiten und sich "näher kommen", so bleiben sie doch bis zum Schluss Individuen mit ihren eigenen Köpfen und Entscheidungen.
Der Schreibstil ist, wie "üblich", einfach grandios. Victoria Schwab schreibt in der dritten Person jeweils aus Kates bzw. Augusts Sicht, und sie brilliert darin, schafft eine Nähe zu den Charakteren und somit eine emotionale Bindung.
Gegen Ende des Buches stieg die Spannung fast ins Unermessliche, und ich flog förmlich durch die Seiten, konnte das Buch gar nicht mehr beiseite legen. Irgendetwas an This Savage Song hat mich vollkommen in die Welt der beiden Jugendlichen hineingezogen und in mir den Wunsch erweckt, sie niemals wieder verlassen zu müssen.
Was kann ich also sagen? Victoria Schwab hat es wieder getan - wieder eine originelle Idee in Buchform verpackt, wie ich sie so noch nie gelesen habe, mit authentischen Charakteren und einem tollen Schreibstil versehen. Ich bin begeistert!

Fazit
This Savage Song ist nur ein weiterer Beweis für Victoria Schwabs Genialität. Sie kombiniert eine spannende und originelle Idee mit Charakteren, die einem gerade durch ihre dunklen (und hellen) Seiten ans Herz wachsen, und schafft so einen spannenden Auftakt zu der Dilogie rund um Kate und August.


Titel: This Savage Song
Hardcover: 427 Seiten
Verlag: Greenwillow Books
Reihe: 1/2
Preis: ca. 12,99€
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Freitag, 11. November 2016

[Rezension] Gemina - Amie Kaufman, Jay Kristoff

Da es sich hierbei um den zweiten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt
Hanna lebt ein wohlbehütetes Leben mit einem wunderbaren Vater und einem liebenden Freund. Nik dagegen stammt aus einer Familie von Kriminellen, hat selbst schon einen Teil seines Lebens im Gefängnis verbracht. Die Wege der beiden Jugendlichen kreuzen sich, als BeiTech einen neuen Angriff startet. Und auf einmal ist nicht nur das Leben von Hanna und Nik, sondern auch das sämtlicher anderer Bewohner Heimdalls bedroht...

Meine Meinung
Illuminae hatte meiner Meinung nach ein paar Schwächen. Aber irgendetwas an dem Konzept des Buches, der Idee dahinter, hat mich so sehr in den Bann gezogen, dass ich mir Gemina wenige Tage nach dem Erscheinen zulegte.
War ich anfangs noch ein wenig "traurig", dass sich die Geschichte jetzt primär um andere Charaktere drehte, legte sich das schnell - denn Nik und Hanna sind verdammt coole Protagonisten, über die Stück für Stück mehr enthüllt wurde.
Hanna, auf der einen Seite, ist nicht (nur) das verwöhnte Mädchen, das sie vor allem anfangs den Eindruck macht zu sein. Schnell stellt sich heraus, dass sie ziemlich gut darin ist, am Leben zu bleiben - und auch zurückschlagen kann.
Niks Auftreten, auf der anderen Seite, ist auch zu einem gewissen Teil Schein. Der Leser fragt sich ziemlich bald, was wirklich in seiner Vergangenheit vorgefallen ist - und wie viel von dem, was man von ihm erfährt, wirklich wahr ist.
Warum ich die beiden letztendlich lieber als Kady und Ezra mochte? Ich bin mir nicht sicher, ehrlich gesagt. Aber sie wirkten einfach um einiges... dreidimensionaler auf mich. Nicht unbedingt realitätsnaher (sorry, doch diese Romanzen und Bad Boys sind teilweise doch etwas klischeebehaftet), aber dennoch greifbarer. Ich hatte einfach das Gefühl, besser in Niks und gerade Hannas Köpfe hineinschauen zu können als in die von Kady und Ezra. In Gemina wird auch mehr mit Überwachungsprotokollen gearbeitet als in Illuminae, vermutlich liegt es daran - was auch half, das Geschehen des Buches übersichtlicher zu gestalten.
Was in Illuminae etwas schwächer war, ist Geminas große Stärke: der Plot! Zugegeben ist er teilweise etwas konfus - aber einen Großteil des Buches über ist es einfach nur genial. Man wird förmlich in die Geschichte hineingezogen und nicht mehr losgelassen. Und wer von den Plottwists in Illuminae schon nicht genug bekommen konnte, wird in Gemina mindestens genauso viel (und noch mehr Freude) mit ihnen haben. Das ist mein vollkommener Ernst. Mein Weltbild innerhalb einer Geschichte wurde selten so sehr erschüttert - Kaufman und Kristoff haben alles auf den Kopf gestellt, spielen mit der Grenze zwischen Genialität und Absurdität. Ich war perplex, habe gelacht, habe sogar geweint - konnte nicht glauben, was für eine Lösung letztendlich präsentiert wurde. Gemina ist vollkommen abgefahren; ist nicht so von AIDAN oder der Aufmachung abhängig, wie es Illuminae war, und allein in diesem Aspekt schlägt es seinen Vorgänger definitiv.

Gerade auf die Illustrationen möchte ich noch einmal eingehen; in Gemina hat Marie Lu einen grandiosen Beitrag geleistet - ja, die Frau kann nicht nur fantastische Bücher schreiben, sondern auch fantastisch illustrieren. Ich hätte auch 600 Seiten gefüllt mir ihren Bildern anschauen können und hätte das völlig in Ordnung empfunden.

Um auf eine Frage einzugehen, die bestimmt vielen im Kopf herumschwirrt - ja, Kady und Ezra tauchen in Gemina auf. Hätte ich mir gewünscht, dass sie etwas präsenter sind? Ja und nein zugleich - denn letztendlich ist die Frage drängender, was zur Hölle in dem dritten Band passieren wird. Ohne Witz. Ich hoffe inständig darauf, dass wir keine neuen Protagonisten mehr bekommen und stattdessen die (überlebenden) alten Gesichter wieder zu sehen bekommen. Gerade nach den Enthüllungen in Gemina - meine Güte, ich war ja so was von ahnungslos.
Ich bin noch nicht so weit, sagen zu können, dass ich Gemina geliebt habe - auf jeden Fall werde ich beide Bücher vor dem Erscheinen des finalen Bandes ein weiteres Mal lesen; ich glaube, dass ich sie dann (noch) mehr mögen werde. Aber gerade im Vergleich zu seinem Vorgänger hat mir dieser Band schon wesentlich besser gefallen - es gab nur kleinere Mankos wie Niks Cousine (ich kam mit ihr als Charakter einfach nicht klar) und hin und wieder kleinere Verwirrung bezüglich der Storyline.
Aber wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann, dann das: Wer Illuminae gemocht/geliebt hat, wird noch mehr Spaß mit Gemina haben!

Fazit
Gemina ist ein gelungener zweiter Band mit tollen Protagonisten und schockierenden Enthüllungen. Wer Freude mit Illuminae hatte, wird Gemina lieben!


Titel: Gemina
Hardcover: 608 Seiten
Verlag: Knopf Books for Young Readers
Reihe: 2/3
Preis: ca. 14,95€