Mittwoch, 31. Mai 2017

[Rückblick] Lesemonat Mai 2017


Keine Ahnung, wie der Mai an mir vorbeigezogen ist. Ich bin mir ganz sicher, dass gestern erst Silvester war.
Aber ganz im Ernst: Ich weiß auch nicht, wie ich so viel gelesen habe. Der ganze Monat ist ein großes, schwarzes Loch in meiner Erinnerung. Vielleicht sollte ich auch einfach mehr schlafen. 😂 Steigen wir einfach gleich in die Materie ein:

Beim zweiten Lesen hat mir ACOTAR wesentlich weniger gut gefallen. Einerseits war es zu erwarten gewesen, weil ich mich in den Wochen davor intensiv mit Maas auseinandergesetzt habe, andererseits... andererseits frage ich mich, wie ich so viel beim ersten Mal übersehen konnte? Gerade die Beziehung zwischen Feyre und Tamlin konnte ich null nachvollziehen.

ACOMAF hingegen hat mir genauso gut wie beim ersten Lesen gefallen! Ich finde einfach Prythian unglaublich faszinierend und Feyres Entwicklung und Überwindung ihrer Traumata ist einfach gut und sensibel beschrieben.

Zugegeben: Nach ACOWAR hatte ich eine Maas-Überdosis. Das Buch hat mir gut gefallen, wenn auch es definitiv noch einige Problemstellen hat, weswegen ich die Reihe im Ganzen auch nicht empfehlen würde. Die Charaktere sind klasse, aber viel zu oft (und in viel zu vielen unangemessenen Augenblicken) liegt der Fokus auf Feyres und Rhysands schmutzigen Gedanken, was nach einer Weile echt nervt.

War für mich leider ein Reinfall. Ich war sehr auf das Buch gespannt, doch Blake kann kaum etwas, das über die gute Idee hinausgeht, abliefern. Die Charaktere bleiben flach, der Plot ist dürftig, und es gibt einen Haufen erzwungene Liebeleien, von denen eine unrealistischer als die andere ist.

Giants: Zorn der Götter ist wohl mein Monatshighlight. Der zweite Band hat mich fast noch mehr als sein Vorgänger gepackt; Neuvel schreibt einfach ein unglaublich zugängliches Science Fiction, und auch wenn der dritte Teil noch in Arbeit ist, freue ich mich jetzt schon darauf.

Mit Furthermore beweist Mafi ein weiteres Mal, wie gut sie schreiben kann; leider ist der Anfang des Buches etwas zäh und es dauerte, bis ich eine Verbindung zu den Charakteren aufbauen konnte. Alles in allem ist es jedoch eine schöne Geschichte, aus der jede Altersklasse etwas wegnehmen kann.

Auch hier hatte ich ein paar Probleme, einen Zugang zu finden, was sich nach den ersten sechzig Seiten jedoch legte. Ich hatte gar nicht gedacht, jemals so an den Seiten eines Non-Fiction Buchs zu kleben, aber Sows Schreibstil ist exzellent, die Themenauswahl präzise und trifft dort, wo es wehtut. Was gut so ist. Absolute Pflichtlektüre!

Das macht insgesamt 3338 Seiten, ca. 109 pro Tag.  Das ist okay, schließlich hat mittlerweile auch die Uni wieder begonnen und erfordert meine Aufmerksamkeit — ich glaube dennoch, dass stellenweise etwas mehr gegangen wäre. Andererseits hat das bestimmt auch damit zu tun, dass die gelesenen Bücher diesen Monat mich einfach (bis auf Giants) nicht umgehauen haben. Und nach Giants hatte ich kurzzeitig eine ich-lese-nie-wieder-so-etwas-Gutes-Phase, was ihr bestimmt kennt.

Juni... wie zur Hölle kann es jetzt schon Juni sein?! Ich habe es mittlerweile aufgegeben, zu versuchen, die Neuerscheinungen dann zu lesen, wenn sie rauskommen, und hoffe einfach, dass ich bis zum Ende des Jahres halbwegs up-to-date bin. Mir fällt langsam auf, dass all die neuen und besonderen Autoren/Bücher, die ich letztes Jahr entdeckt habe, mir dieses Jahr zum Verhängnis werden, weil ich all die Neuerscheinungen und Fortsetzungen lesen will. Befinde mich gerade also in einer Buch-Geld-Ratio-Krise. 😂 Nichts Neues, nicht wahr?

Wie war denn euer Lesemonat Mai? Hattet ihr ein Monatshighlight — wenn ja, welches?

Samstag, 27. Mai 2017

[Rezension] Giants: Zorn der Götter - Sylvain Neuvel

Da es sich hierbei um einen zweiten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!


Inhalt
Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Dr. Rose Franklin und ihr Team die wahnwitzige Aufgabe auf sich nahmen, den Roboter Themis zusammenzubauen. Doch noch immer haben sie mehr Fragen als Antworten, und ihnen läuft die Zeit davon, als ein weiterer Roboter in London auftaucht. Schon bald müssen sie realisieren, dass dies nur der Anfang ist — und dass ihnen die größte Herausforderung erst noch bevorsteht, die die ganze Menschheit bedroht.

Meine Meinung
Giants: Sie sind erwacht war eines meiner Jahreshighlights 2016. Ihr könnt gar nicht glauben, wie sehr ich mich auf die Fortsetzung gefreut habe — und so viel kann ich sagen, ich bin wieder einmal begeistert!
Das System ist dasselbe wie schon beim ersten Band: Die Geschichte wird auf ihre ganz besondere Art und Weise durch Interviews und gegebenenfalls Berichte erzählt. Im Zentrum steht wieder der mysteriöse Interviewer (über den wir in diesem Band tatsächlich mehr erfahren!), der die Fäden in den Händen zu halten scheint.
Obwohl zwischen den Ereignissen in beiden Büchern zehn Jahre verstrichen sind, wurde man als Leser erstaunlich schnell und mühelos in die zwischenzeitlichen Geschehnisse eingeführt. In Giants: Zorn der Götter gibt es sogar einen weiteren Zeitsprung, und auch dieser gelingt Sylvain Neuvel mühelos.
Auch die Thematik bleibt spannend, Neuvel kreiert ein weiteres Mal Science Fiction vom Feinsten: In dem Buch finden sich Aspekte der Physik, Linguistik, Politik und verstärkt der Biologie — all das Komplexe wieder so heruntergebrochen, dass selbst Fachfremde kein Problem haben, sich zurechtzufinden. Im Gegenteil: Man ist wieder und wieder aufs Neue fasziniert, was der Autor geschaffen hat. Es wirkt so real, dass mir die Idee, dass es in dem Buch eigentlich um eine Alien-Invasion gibt, stellenweise fast schon absurd vorkam! An dieser Stelle liegt auch mein einziger, kleiner Kritikpunkt: Der Grund hinter der Invasion war mir letztendlich fast schon zu banal. Ich hatte nach all den Geschehnissen irgendetwas Größeres, Wirkgewaltigeres erwartet — aber vielleicht muss ich das Ganze auch erst sacken lassen.
Wo ich schon von Geschehnissen spreche — meine Güte. Ich dachte, Giants: Sie sind erwacht hätte mich an die Grenzen meiner Nerven gebracht. Aber das war noch gar nichts gegen diesen Band. Ich habe die zweite Hälfte des Buches in einem Rutsch durchgelesen, was mir wirklich schon ewig nicht mehr passiert ist; es war mir einfach unmöglich, es wegzulegen. Grundsätzlich ist der Plot einfach so viel größer angelegt, als ich jemals erwartet hätte. Vom Syndrom eines schlechten zweiten Bandes keine Spur, im Gegenteil — Neuvel legte immer noch einmal eine Schippe drauf, wenn ich es für unmöglich glaubte.
Ich kann auch nicht genug betonen, wie sehr mir die Charaktere ans Herz gewachsen ist — allen voran Kara und Vincent, aber auch Rose und selbst den mysteriösen Interviewer habe ich lieb gewonnen. Ich bin wieder einmal beeindruckt, wie viel nur über Dialog bzw. Interviews übermittelt werden kann. Und meine Güte, haben sie mich in Existenzkrisen gestürzt. Ich habe einen Großteil des Buches auf einer Busfahrt gelesen, und ich habe unverschämt oft aus dem Fenster geblinzelt, weil mir die Tränen kamen.
Also, ja, ich bin aufs Neue begeistert. Eigentlich noch mehr als zuvor. Giants: Zorn der Götter ist mehr eine würdige Fortsetzung, die ich nur auf hohem Niveau kritisieren kann. Ansonsten beweist Neuvel erneut, wie gut er nicht nur schreiben, sondern auch diese verschiedenen Themenbereiche miteinander verflechten kann. Von mir gibt's eine ganz klare Empfehlung. Und alle, die die Reihe noch nicht begonnen haben, sollten das definitiv nachholen!

Fazit
Giants: Zorn der Götter steht seinem Vorgänger in nichts nach. Wieder beweist Neuvel, dass er nicht nur authentische Charaktere schreiben, sondern auch seinen Plot größer und größer konstruieren kann, ohne sich in komplizierten Erklärungen zu verstricken. Er macht Science Fiction zugänglich, und er macht es verdammt gut — ich bin begeistert!


Giants: Zorn der Götter ⚬ übersetzt von Marcel Häußler ⚬ Taschenbuch: 480 Seiten ⚬ Band 2 14,99€

Vielen Dank an Heyne für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 24. Mai 2017

[Rezension] Der Schwarze Thron — Die Schwestern - Kendare Blake


Inhalt
Die Drillinge Katharine, Mirabella und Arsinoe sind mit verschiedenen magischen Talenten geboren worden — und sie alle sind Anwärterinnen auf den Thron. Wenn sie ein bestimmtes Alter erreichen, beginnt ein Kampf um Leben und Tod. Denn nur eine kann Königin werden...

Meine Meinung
Der Schwarze Thron  Die Schwestern ist eines dieser Bücher, das seit einer Ewigkeit auf meiner Wunschliste stand, ich mir aber — aus welchem Grund auch immer — nie zulegte. Deshalb habe ich mich umso mehr darüber gefreut, das Buch vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt zu kriegen. Vielen Dank an der Stelle noch mal dafür!
Die Idee klingt vielversprechend: Ein Drillingspaar, das sich auf den Tod bekämpfen muss. Eine Welt mit verschiedenen magischen Elementen, und vor allem vielen Leuten hinter den Kulissen, die versuchen, die Fäden nach ihren Vorstellungen zu ziehen. Leider konnte mich die tatsächliche Umsetzung weniger überzeugen.
Eines muss man Kendare Blake lassen: Ihr Schreibstil hat mich unglaublich fasziniert. Sie schreibt in der dritten Person Präsens, beschränkt sich nicht auf die Sicht der Drillinge, sondern schlüpft auch in die Perspektive zahlreicher Nebenfiguren. Dabei gelingt es ihr, nahtlos von einer Sicht in die andere überzugehen, manchmal auch inmitten einer Szene — fand ich sehr cool. Andererseits fürchte ich auch, dass der Schreibstil für dieses Buch vielleicht ungeeignet war; ich hatte oft das Gefühl, dass die Stimme von jedem Charakter dieselbe war und dass ich sie maximal durch ihre Namen unterscheiden konnte. Außerdem wirkt der Stil oft sehr nüchtern, fast schon kindlich; dass das Buch ein paar... brutalere Momente hat, bildet dazu einen ziemlich krassen Kontrast, der mir persönlich negativ aufgefallen ist.
Grundsätzlich hat Blake in mir einen Interessenskonflikt ausgelöst: Ich war überwältigt und unterwältigt zugleich. Einerseits bekommt man praktisch drei Bücher, schließlich wird die Geschichte von jeder Anwärterin erzählt, die in ihrer eigenen Nische mit eigenen Freunden/Ziehfamilien/politischen Machtpolen lebt. Das bedeutet verdammt viele Namen, die ich bis zum Ende des Buches ehrlich gesagt nicht auf die Reihe gekriegt habe. Gleichzeitig... gleichzeitig passiert einfach nichts. Alle drei Geschichten treten mehr oder weniger auf der Stelle, ein paar wenige Ausnahmen gegen Ende der Geschichte. Auf mich wirkte alles so... sinnlos. Als würde man bloß ein Ende herauszögern, die Reihe so weit wie möglich in die Länge strecken. Das war ziemlich frustrierend.
Auch in anderen Aspekten hätte so viel mehr passieren können — allen voran der Weltenbau, aber auch das politische Element des Romans war zweidimensional. Die Motivationen der einzelnen Charaktere sind schwach oder mir unergründlich, und die Magie und das ganze Warum bleiben auch sehr vage. Überhaupt weiß ich nicht, was ich von der Einteilung in Giftmischer (Katharine), Elementwandler (Mirabella) und Naturbegabte (Arsinoe) halten soll. Gerade die letzten beiden überschneiden sich irgendwie?
Seltsam fand ich auch, dass sie als Bewohner der Insel Fennbirn eine unglaublich stereotype und vorurteilige Auffassung von den Landbewohnern hatten, die nicht genauer erklärt wurde und auf mich einfach einseitig und voreingenommen wirkte.
Aber Arsinoe war eine Königin. Die Insel würde sie niemals gehen lassen.
(Der Schwarze Thron — Die Schwestern, Kendare Blake, Penhaligon)
Was mich jedoch am meisten frustrierte, waren die durchweg sinn- und zwecklosen Liebesbeziehungen. Ja, Plural. Leider. Zuallererst musste jede der (fünfzehnjährigen!) Anwärterinnen mindestens einen Typen zugeordnet kriegen. Meistens kennen sie sich genau fünf Minuten, bis sie bereits übereinander herfallen. Katharine, zum Beispiel, wird gelehrt, wie sie richtig küssen soll. Äh, ja. Grundsätzlich wird andauernd von irgendwelchen Freiern geredet, die sich dann auf die Königin stürzen wollen, die am ehesten den Kampf gewinnt. Als ob das bisher Beschriebene nicht schon schlimm genug wäre, wird das Ganze von einer Betrugsgeschichte getoppt.

Spoiler
Und zwar geht es dabei um Arsinoes beste Freundin, Jules, die in einer Beziehung mit Joseph ist. Joseph aber betrügt sie zweimal (!) mit Mirabella, OHNE GRUND, und sein Verhalten wird NICHT angeprangert. Jules ist einmal traurig, beim zweiten Mal schon fast resigniert. Joseph hingegen knutscht und schläft sich weiter durch die Weltgeschichte. Hä? Was genau sollte das? Ich versteh's nicht. Auf keiner der beteiligten Seiten. Aber toll, was damit dem jüngeren Publikum vermittelt wird.

Ich habe nicht genau darauf geachtet, aber meines Eindrucks nach ist die Gesellschaft Fennbirns darüber hinaus stark heteronormativ und, tja, weiß. Der einzige Junge (einer der Freier), der mit dunkler Haut beschrieben wird, wird ein paar Seiten später als flüchtend umschrieben und quasi als Feigling bezeichnet.
Ja, ich habe das Lesen des Buches nicht gehasst. Zumindest anfangs nicht. Der Schreibstil ist wirklich okay, und er ermöglicht es, das Buch zügig durchzukriegen. Katharine habe ich irgendwie ins Herz geschlossen, und ginge es nur um sie, würde ich die Reihe vielleicht sogar weiterverfolgen. In den letzten Zügen des Buches gibt es sogar ein paar wirklich überraschende Plottwists, aber das genügt leider auch nicht, um meinen Glauben in die Geschichte wiederherzustellen. Wie gesagt, die Idee ist toll, aber die Umsetzung ist flach und bisweilen katastrophal. Der Schwarze Thron Die Schwestern macht zahlreiche Versprechen, kann aber keins davon halten.

Fazit
Der Schwarze Thron Die Schwestern hat eine grandiose Prämisse, die in ihrer Umsetzung leider in den Sand gesetzt wurde. Die Charaktere sind flach und untereinander austauschbar, es gibt zu viele unrealistische Liebeleien und zu wenig Politik und Plot, und der Weltenbau ist auch dürftig. Von meiner Seite gibt es keine Empfehlung.


Der Schwarze Thron Die Schwestern ⚬ übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer ⚬ Klappenbroschur: 448 Seiten ⚬ Band 1 14,99€

Vielen Dank an Penhaligon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!