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Dienstag, 21. März 2017

[Rezension] Smoke - Dan Vyleta


Inhalt
Charlie und Thomas sind Kinder einer Welt, in der Sünden, falsche Gedanken und Lügen durch Rauch sichtbar werden. Sie gehen auf ein Elite-Internat, wo ihnen beigebracht wird, wie sie den Rauch auf ein Minimum reduzieren können. Doch mit der Zeit beginnen sie, die Gesetzlichkeiten des Rauches zu hinterfragen - und decken eine Verschwörung nach der anderen auf, in Dimensionen, die sie kaum erahnen können.

Meine Meinung
Smoke klang so vielversprechend. England im 19. Jahrhundert. Ein mysteriöser Rauch, die Frage nach Gut und Böse, darin zwei Heranwachsende.
Und die ersten 100 Seiten schienen mir auch genau das zu bieten. Wir lernen Charlie und Thomas kennen, die nicht nur beste Freunde sind, sondern eigentlich das Einzige sind, das der jeweils andere hat. Die Schule wird als eine erschreckende Institution beschrieben, mit dem Mitschüler Julius, der nachts alle zusammentrommelt und sie nach dem Zufallsprinzip auf ihre Sünden prüft. Doch dann naht Weihnachten. Thomas und Charlie machen sich zu Thomas' Onkel auf, und ab da geht die Geschichte, gelinde gesagt, den Bach runter.
Aber noch mal einen Schritt zurück, zu Thomas und Charlie. Vyleta hat mit ihnen nicht nur eine besondere, innige Freundschaft geschaffen, sondern auch ein Paar, das gegensätzlicher nicht sein könnte. Thomas' Eltern sind tot; sein Vater war ein Mörder, er fürchtet, ebenfalls der Sünde zu verfallen. Charlie hingegen ist in einem reichen Elternhaus aufgewachsen, seine Hemden sind quasi nie mit irgendwelchem Ruß (das Resultat des Rauches) befleckt. Ihre Freundschaft scheint unter schlechten Voraussetzungen zu stehen, doch in Wahrheit behandeln sie sich vorbehaltlos, erzählen sich alles und sind einfach füreinander da. Die Freundschaft der beiden war etwas, das mich durchweg durch das Buch beeindruckt hat.
"Du hättest es mir erzählen sollen. Ich bin dein Freund!"
[...]
"Ja. Aber wirst du es auch noch sein, wenn ich jemanden umbringe?"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Das Ganze hat aber eine Kehrseite. Eine ziemlich paradoxe, um ehrlich zu sein. Trotz der 600 Seiten, die das Buch fasst, hatte ich nach dem Zuschlagen der letzten Seite das Gefühl, nicht viel schlauer geworden zu sein - egal, auf welcher Ebene.
Wie gesagt: Vyletas Idee ist grandios. Aber es ist, als er hätte er einen Samen gepflanzt und wäre nie zurückgekommen, um die Ernte zu holen. Smoke ist eigentlich ein passender Titel, denn die Geschichte ist auch mehr Rauch als alles andere - die Idee einer Idee, eine Sammlung vieler Ansätze und nichts Handfestem. Obwohl sich Thomas, Charlie und Livia (auf die komme ich später noch zurück) auf die Suche nach Antworten begeben, "erhalten" sie diese nur mit Anführungszeichen. Bitten um Erklärung werden meist beantwortet, dass man es dem Fragenden "zeigen" werde, aber stattdessen bekommt man eine schwammige Vorführung und eine dürftige, ein paar Zeilen lange Erklärung. Selten habe ich mir bei Büchern eine längere Erklärung gewünscht, aber hier hätte ich selbst Infodumping mit offenen Armen empfangen. Dutzende, hunderte Seiten lang werden Fragen gehäuft und mehr oder weniger viel Spannung angesammelt... doch als Leser bleibt man in der Luft hängen.
Darunter gehört unter anderem die Frage, wie der Rauch ersteht - die Erklärung fand ich so an den Haaren herbeigezogen, dass ich mir lieber keine gewünscht hätte. Auch werden immerzu verschiedene Farben des Rauches beschrieben, deren Bedeutungen man nur erahnen kann. Es ist wirklich ein Jammer, und einer, der mich während des Lesens einfach an den Rand der Verzweiflung trieb. Ich frage mich immer noch, ob Vyleta einfach zu subtil gearbeitet hat, oder ob ich schlichtweg zu blöd war, um's zu verstehen.
Doch Zweidimensionalität ist auch bei Charlie und Thomas zu finden. Obwohl man sich mit dem Charakter der Jungen ausgiebiger beschäftigt, wird ihre Vergangenheit höchstens im Nebensatz erwähnt. Als wären sie mit 16 Jahren auf das Papier getreten und hätten nur vage Schatten hinter sich. Wieder war ich frustriert.
Ich kann leider auch verallgemeinernd sagen, dass die Motivation sämtlicher Charaktere ein bisschen rätselhaft ist und bleibt. Wer auf welcher "Seite" ist bzw. wer für was kämpft, wurde mir bis zum Ende nicht klar.
Mein größter Kritikpunkt, den ich in anderen Rezensionen so noch gar nicht gesehen habe (was mich schockiert), ist jedoch die Liebesgeschichte bzw. die weiblichen Charaktere in Smoke. Kurz gefasst: Es wird eine junge Frau, Livia, eingeführt, in die sich tatsächlich sowohl Charlie als auch Thomas verlieben - und vice versa. Es geht mir aber weniger um die Dreiecksgeschichte (obwohl die allein mich schon zur Weißglut bringen könnte) als um die Art und Weise, wie sie beschrieben wird.
"Was hältst du von ihnen?"
[...]
"Die Mutter ist ganz Parfüm und Charme. Und die Tochter [Livia]-"
"Teerseife und Gebetsbücher!"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Grundsätzlich gibt es keine Frauenfigur in Smoke, bei der nicht an irgendeinem Punkt das Aussehen kommentiert oder die als Verführerin dargestellt wird. Hier noch einmal Livia, die einem Mann ihre Wange anbietet:
"Möchten Sie mich küssen? Nur zu. Ihre Frau wird es nie erfahren."
Er tut es, flüchtig, schüchtern wie ein Kind.
"Oh, Sie Wüstling!"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Auch Thomas' Gedanken werden meiner Meinung nach sehr bedenklich dargestellt:
Wie leicht es ihr mittlerweile zu fallen scheint, ihn anzufassen. Der Gedanke macht ihn wütend.

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Und das sind nur ein paar wenige ausgewählte Beispiele. Ich habe dutzende Bemerkungen im Buch gefunden, manche noch erschreckender als die anderen. Solche Äußerungen sind schlichtweg erschreckend und sollten nicht in einem Buch stehen. Vor allem sollten sie niemandem als Vorlage dienen (können).
Ich muss generell eine Warnung für das Buch aussprechen, denn zum einen gibt es ein paar (wenn auch realitätsferne) explizite Szenen, in denen Gewalt angewandt wird. Außerdem gibt es tatsächlich eine Stelle, in der ein Charakter von selbstverletzendem Verhalten spricht bzw. dieses beschreibt. Um niemanden zu triggern, werde ich die Stelle nicht zitieren.
Wenn ich Dan Vyleta eines lassen muss, dann ist es der Schreibstil. Grundsätzlich ist der Aufbau des Buches sehr neuartig - es wird abwechselnd aus der dritten Person Präsens und der ersten Person Präsens eines Nebencharakters erzählt. Das habe ich nie so gesehen; vor allem funktioniert es bei Smoke sehr gut und bringt Abwechslung in das teils zähe Geschehen mit hinein. Und Vyleta kann wirklich fantastisch schreiben. Er flicht Weisheiten in seinen Text, die man einfach nur abnicken möchte.
Worte sind wie Rauch, entdecke ich: Lässt man sie erst einmal hinaus, vermehren sie sich unkontrolliert.

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Aber der Schreibstil rettet auch nicht über die Probleme des Buches hinweg. Und niemals über die tiefergehenden, über die Äußerungen, die einfach nur noch erschreckend sind. Smoke soll ein Buch über Moral sein, über Gut und Böse,  und das ist es auch die ersten hundert Seiten lang. Es ist nur irgendwie vom Weg abgekommen und ins Abseits gerutscht.

Fazit
Smoke ist mehr Schein als Sein. Die Idee, die ersten einhundert Seiten und der Schreibstil des Autors können was. Der Rest wird nur oberflächlich angekratzt; Charaktere und Geschichte bleiben zweidimensional und ziehen sich gewaltig. Was letztendlich den Ausschlag gab, sind bedenkliche Aussagen, die sich durch das Buch hindurchziehen - keine Empfehlung von mir. Solche Bücher sollte man nicht unterstützen.


Smoke ⚬ Paperback: 624 Seiten ⚬ carl's books ⚬ Einzelband ⚬ 16,99€ ⚬ Kaufen?

Vielen Dank an carl's books für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Weitere Meinung: booktraveler

Mittwoch, 1. März 2017

[Rezension] My Not So Perfect Life - Sophie Kinsella


Inhalt
Cat ist 26 und hat sich ihren Traum erfüllt: Sie lebt nicht nur in London, sondern hat auch einen tollen Job und zeigt all dies auf ihrem Instagram-Feed.
Okay, vielleicht bleibt der Spitzname "Cat" nicht ganz hängen und alle nennen sie immer noch Katie, ihre Wohnung ist eine WG mit schrägen Mitbewohnern, im Job wird sie von ihrer Chefin Demeter tyrannisiert und ihr Instagram ist eine einzige Lüge.
Doch dann schlägt ihr Leben eine ganz andere Richtung ein...

Meine Meinung
Vor My Not So Perfect Life hatte ich zwei andere Bücher von Kinsella gelesen, und beide sehr gerne gemocht. Ich war umso aufgeregter, als ich ihr neues Buch in den Händen hielt: Die Geschichte könnte nicht aktueller sein, befinden wir uns doch gerade in einer Phase, in der die kollektive Erkenntnis, dass die sozialen Medien eben nicht die Realität widerspiegeln, einsetzt. Deshalb war ich sehr gespannt, was Kinsella aus dem Thema macht.
Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass Katie sich konstant selbst belügt - oder sich zumindest die Dinge schönredet: Die ewig lange und anstrengende Pendel-Strecke, die teils erniedrigenden Aufgaben, die sie für ihre Chefin erledigen muss - all das sei ja nicht so übel, schließlich habe sie ihren Traumjob in ihrer Traumstadt, endlich weg von dem Landleben, dem sie ihr Leben lang entfliehen wollte. Die Geschichte wird aus Katies Sicht in der ersten Person erzählt, aber leider schweifen Katies Gedanken schon auf den ersten Seiten ins schier Unermessliche ab. Das erste Kapitel besteht zu Großteilen aus Hintergrundgeschichten und ewigen Gedankengängen und wird dadurch immens in die Länge gezogen - in der Gegenwart passiert nämlich kaum etwas. Das ist mir im Laufe des Buches zwar nicht mehr so oft, leider aber oft genug negativ aufgefallen. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass My Not So Perfect Life knappe 100 Seiten weniger vertragen könnte. Vieles zieht sich einfach oder wird unnötig breitgetreten.
Auch mit Katie kam ich weniger gut klar. Am Anfang habe ich sie noch ein wenig verstehen können: Ich denke, wir alle würden versuchen, uns die Dinge schönzureden, wenn unsere Träume plötzlich zu Alpträumen zu tendieren drohten. Aber als dann alles noch schiefer läuft als zuvor, und Katie zwischenzeitlich auf der Farm ihres Vaters und dessen Freundin aushilft, entdeckt man als Leser eine fast schon... bösartige Seite an ihr. Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen, um Spoiler zu vermeiden - es war einfach hässlich. Gegenüber Kunden verhält sie sich schlichtweg unprofessionell und bringt Aktionen, die nicht mehr witzig, sondern nur noch traurig und bemitleidenswert sind. Ab dem Moment war sie bei mir leider unten durch - gerade in Anbetracht der Tatsache, dass sie in verschiedenen Situationen mehr als glimpflich davon kommt.
Viel mehr dagegen mochte ich Katies Chefin Demeter, was absurd klingt, gerade, weil sie zu Anfang der Geschichte sehr stereotypisch und schwarz-weiß dargestellt wird. Im Laufe des Buches ist allerdings gerade sie diejenige, die am meisten Entwicklung hinlegt und in deren Innenleben man den besten Einblick bekommt. Wenn es ein Highlight des Buches gab, dann definitiv Demeter.
Eine Liebesgeschichte gibt es - natürlich - auch. Sie war subtil und nett genug gestaltet, um mich nicht weiter zu stören, wurde aber am Ende so präsent gemacht, so erzwungen, dass sie mir eher nur ein weiterer Dorn im Auge war. Der Fokus wurde einfach auf brutale, unpassende Weise verschoben, wenn man mich fragt.
Glücklicherweise hat Kinsella plottechnisch noch etwas gutmachen können: Gerade in den letzten Zügen des Buches gibt es tatsächlich einen genial gestalteten Plottwist, der im Laufe der Geschichte so dezent eingeführt wurde, dass man ihn erst rückblickend begreifen konnte - dieses Element, das ich wirklich überhaupt nicht erwartet hatte, hat der Geschichte dann doch noch etwas Besonderes gegeben, was mir sehr gut gefallen hat.
Und - das muss man Sophie Kinsella lassen - die Moral der Geschichte ist definitiv eine wichtige, wie schon oben angedeutet. Nur weil der Instagram-Feed perfekt ist, muss es noch lang nicht das Leben der Person dahinter sein.

Fazit
My Not So Perfect Life war leider ein weniger perfektes Buch und definitiv schwächer als die anderen zwei Werke (Finding Audrey und Remember Me?), die ich bisher von Kinsella kennenlernen durfte. Ich kam mit der Protagonistin nicht wirklich klar, und die Erzählung wies darüber hinaus einige Längen auf. Dennoch mochte ich die Idee dahinter, und die Moral, dass vieles mehr Schein als Sein ist, ist definitiv eine, die wir uns alle vor Augen halten sollten.


Vielen Dank an Lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

My Not So Perfect Life ⚬ Hardcover: 400 Seiten ⚬ Bantam Press ⚬ Einzelband ⚬ ca. 20€ Kaufen?

Sonntag, 18. Dezember 2016

[Rezension] Giants: Sie sind erwacht - Sylvain Neuvel


Inhalt
Die kleine Rose stößt auf eine gigantische Metallhand beim Spielen. Siebzehn Jahre später, mittlerweile als außerordentliche Physikerin, arbeitet sie daran, das Mysterium aufzudecken. Doch die Körperteile sind auf der ganzen Welt verteilt, und schon bald wird das ganze Unternehmen größer und verworrener, als alle Beteiligten jemals erwartet hätten...

Meine Meinung
Giants: Sie sind erwacht ist eines dieser Bücher, von denen ich etwas ganz anderes erwartet habe, die meine Erwartungen erst sprengen und dann übertreffen.
Denn gleich beim Lesen der ersten Seiten fällt auf: Das ist kein gewöhnliches Buch. Tatsächlich erzählt Sylvain Neuvel seine Geschichte in Form von Interviews und Tagebucheinträgen... und wie gut er das macht!
Ehe ich mich versah, wurde ich völlig in die Geschichte hineingezogen. Stück für Stück erfahren wir mehr - über die Geschehnisse, über die Charaktere. Und vermutlich macht es gerade die besondere Erzählform so gut: Erstmalig hat man als Leser nicht das Gefühl, über alles Bescheid zu wissen, und erst recht nicht, mehr als die Charaktere zu wissen - man ist vielmehr direkt in der Geschichte drinnen, die Informationen werden Stück für Stück enthüllt. Alles ist so geschickt konstruiert und spannend niedergeschrieben, dass man nie das Gefühl hat, den Faden zu verlieren - im Gegenteil sogar.
Als Germanistikstudentin habe ich mich ganz besonders über die linguistischen Einflüsse gefreut - das Buch ist nicht nur Science Fiction, es umfasst Physik, Biologie, Linguistik, Geschichte, Mathematik, Politik... und alles auf eine Art und Weise präsentiert, die auch der Leser, der mit diesen Fachgebieten üblicherweise nichts zu tun hat, mühelos nachvollziehen kann. Neuvel hält die Balance zwischen all diesen wissenschaftlichen Informationen und Teilen, in denen es einfach nur um die Charaktere geht, gekonnt.
Und so entwickelt sich die Geschichte. Das anfangs so klar definierte Ziel - alle Teile des Roboters zu finden und sie zusammenzubauen - wird verschwommener, die Charaktere befinden sich auf Irrwegen und vor gewaltigen Hürden und dann ist da immer noch die Frage der Moral, wie weit kann man gehen, wie viel kann man riskieren? Es ist alles einfach auf so eine faszinierende Weise ineinander geflochten, dass man gar nicht anders kann, als weiterzulesen - an der Stelle also auch ein Lob an den Übersetzer, der hier wirklich großartige Arbeit geleistet hat.
Inmitten all dessen stehen natürlich die Charaktere - Rose, die das Ganze erst "ins Rollen" gebracht hat, aber zum Beispiel auch Kara oder Vincent. Die Interview-Form tut ihren Charakteren keinen Abbruch; ziemlich schnell erkennt man sie an der Art und Weise, wie sie sprechen, wie sie den Fragen des Interviewers (dessen Identität übrigens verhüllt bleibt) begegnen.
Ihr merkt es schon - ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite geliebt. Giants ist originell, in der Idee und in der Schreibweise, und vor allem darin, wie es den Leser wieder und wieder in die Irre führt und schockt. Ich kann den zweiten Band (der im Juni erscheinen wird) kaum abwarten!

Fazit
Giants ist ein genialer Auftakt zu einer Science-Fiction-Reihe, deren Komplexität einfach nur beeindruckt und gleichzeitig dem Lesefluss kein bisschen im Wege steht. Geniale Idee, genialer Plot, geniale Charaktere - ich bin völlig begeistert!


Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Giants ○ Broschur: 416 Seiten ○ Heyne Verlag ○ Band 1 ○ 14,99€ ○ Kaufen?

Sonntag, 4. Dezember 2016

[Rezension] Royal Me: The Masquerade - Tina Köpke

Inhalt
Von einem Tag auf den anderen wird Thronfolgern auf der ganzen Welt gesagt, dass ihr Leben in Gefahr ist - bedroht von einer Terrororganisation, deren Ziel keins geringeres ist als so viele Monarchien wie möglich ins Wanken zu bringen.
Eine Gruppe von jungen Royalen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, eingepfercht in einem Castle in Schottland. So abgeschottet von der Welt tritt das Überleben schnell in den Hintergrund... und stattdessen treten die verworrenen Liebesleben der jungen Erwachsenen zu Tage.

Meine Meinung
Wie sehr habe ich mich darauf gefreut, diese Rezension schreiben zu können <3 Royal Me ist nämlich ein Werk, das mir ganz besonders am Herzen liegt - ich hatte nämlich das Vergnügen, Betaleserin spielen zu dürfen. Schon damals hatte ich die Episode innerhalb weniger Tage durch - und zurück blieb der Wunsch nach mehr.
Für diese Rezension habe ich Tinas Werk ein zweites Mal gelesen, und wieder flog ich förmlich durch die Seiten.
Zum Einen liegt das an ihrem grandiosen Schreibstil - Tina schafft es nicht nur, das Callahan Castle (der Ort, an dem die Royalen verweilen) lebendig werden zu lassen, sondern auch die Gefühle der Charaktere sehr viel greifbarer und einfach echter zu machen. 
Ich war am Anfang skeptisch. Konnte mich die erste Episode eines Serials mit weniger als 30.000 Wörtern, noch dazu aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, überzeugen? Waren diese knapp hundert Seiten genug, um eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen?
Es brauchte nur eine erste Szene aus Vals Sicht. Val ist ein italienischer Bilderbuch-Macho, dessen Zunge viel zu scharf ist und der viel zu viel Alkohol verträgt (und trinkt). Binnen weniger Minuten saß ich lachend vor dem Dokument und war umso erstaunter, als ich die Szene plötzlich vorbei war.
Und so ging es mir mit einem Großteil der Charaktere - und die, denen ich anfangs skeptisch gegenüberstand, wuchsen mir mit der Zeit umso mehr ans Herz. Jeder von ihnen ist nicht nur in seinem Auftreten, sondern in seiner ganzen Erzählstimme so... individuell, dass ich nicht anders konnte, als sie zu lieben.
Abgesehen von Val wäre da zum Beispiel noch Priya aus Indien, deren Kultur so fremd ist und durch Tinas Schreibstil dem Leser doch erstaunlich gut nahe gebracht wird.
Da ist Oliver, der mit Val zusammen mein absoluter Liebling ist, den man einfach nur in den Arm nehmen möchte. Und Lina, mit der er eine gemeinsame Vergangenheit hat - doch die Dinge sind nicht so einfach...
Oder Anouk, die isländische Thronfolgerin, anfangs auch "Eisprinzessin" genannt. Doch eigentlich hat sie ein Herz aus Gold.
Und, wie gesagt, damit habe ich längst nicht alle angesprochen. Es sollte aber reichen, um zu zeigen, dass Royal Me: The Masquerade vor Diversität nur so strotzt - aber auch an Ideenreichtum mangelt es der ersten Episode nicht. Allein durch die enge Charakterbindung fiebert man automatisch mit, will, dass sich bestimmte Pärchen bilden und andere nicht, will am liebsten heulen, wenn es den Charakteren schlecht geht. (Vielleicht habe ich ein, zwei Mal selbst zu den Taschentüchern gegriffen...)
Obwohl es relativ kurz ist, so besitzt Royal Me dennoch einen ordentlichen Spannungsbogen, ist nicht nur ein Auftakt, sondern so viel mehr als das. Man liest ein Kapitel nach dem anderen, blinzelt zweimal, und plötzlich ist es vorbei und man will nur noch mehr. Mehr von Val und Oliver und Alicia und Priya und Lina und Anouk und Callum und Maya. Mehr Drama und mehr zauberhafte Worte. Mehr Royal Me.

Fazit
Es ist fast nicht zu glauben, dass es sich bei Royal Me: The Masquerade um Tina Köpkes Debüt handelt. Trotz der Kürze fehlt es der ersten Episode an nichts; stattdessen begegnet man einer Menge fantastischer Charaktere, wird in deren Leben hineingezogen und will sie gar nicht mehr loslassen. Ein toller Auftakt!


Titel: Royal Me: The Masquerade
E-Book: 87 Seiten
Verlag: Selfpublished
Reihe: Episode 1
Preis: 1,49€

Sonntag, 20. November 2016

[Rezension] Über mir der Himmel - Jandy Nelson

Inhalt
Lennie versucht immer noch, mit dem Tod ihrer Schwester klarzukommen - jeder Tag ohne Bailey fühlt sich einfach nicht richtig an. Als sie zum ersten Mal nach dem Verlust wieder in die Schule geht, trifft sie dort auf Joe, den Neuen, zu dem sie sich schnell hingezogen fühlt. Doch dann ist da auch noch Toby, Baileys Freund, der Einzige, der sie und ihre Trauer verstehen kann. Ehe sie sich versieht, steht Lennie zwischen zwei Jungs...

Meine Meinung
An Über mir der Himmel habe ich mal wieder gemerkt, wie sehr sich mein Blick auf Young Adult-Bücher verändert hat. Nicht, dass ich jetzt "zu alt" dafür bin. Aber gerade durch regen Austausch in letzter Zeit und vieler interessanter Artikel rund um Dinge, die ich sonst immer nur so hingenommen habe, habe ich doch einiges dazu gelernt - und einiges realisiert.
Jandy Nelsons Bücher wurden gefühlt immer und überall gepriesen. Deshalb freute ich mich sehr, ein Rezensionsexemplar von Über mir der Himmel zu erhalten, freute mich auf ein grundsätzlich eher leichteres Jugendbuch, das mich doch irgendwo berührte.
Ein leichtes Jugendbuch fand ich, berührt wurde ich leider nicht wirklich. Und auch jetzt versuche ich immer noch, zu rekonstruieren, wieso es mit mir und Über mir der Himmel nicht so wirklich klappen wollte.
Zuallererst hatte ich ziemliche Probleme mit unserer Protagonistin Lennie. Sie ist eines dieser unscheinbaren Mädchen, das immer im Schatten ihrer Schwester stand (und beschreibt sich selbst so), und eines Tages aus heiterem Himmel zum Jungenmagneten wird. Ich hätte darüber vielleicht noch hinweg gesehen, wenn es nur das gewesen wäre - aber teilweise ließ sie Dinge von sich, die ich einfach nur noch als bedenklich empfand. (Zum Beispiel, dass sie mit siebzehn Jahren "nur drei Jungen" geküsst habe.)
Was das Fass letztendlich zum Überlaufen gebracht hat, war Geschichte mit den zwei Jungs.
Okay. Man kann darüber streiten, wie schräg es ist, dass sie etwas mit Toby anfängt, dem Freund ihrer toten Schwester - wohlgemerkt einem Jungen, der sie vorher noch nie bemerkt hat. Weil unscheinbar. Aber die beiden trauern. Trauer macht komische Dinge aus Menschen, das will ich ja auch gar nicht bestreiten.
Doch dann kommt Joe hinzu. Der Neue, den plötzlich alle super heiß finden, mit diesen endlos langen Wimpern, der lieb ist und kein einziges negatives Attribut hat - und Lennie löst sich nicht von Toby, nein, sie macht einfach mit beiden rum. Im Abstand von Minuten. Ähhhhhh. Das Mädchen, das bis vor zwei Tagen noch unscheinbar und komplett unerfahren war (weil sie ja bisher nur drei Typen geküsst hat), ist plötzlich zur Sexbombe der Stadt geworden. Alles klar. Und das konnte ich ihr leider, leider nicht verzeihen. Weil sie sich nicht (nur) von Trauer gezeichnet verhalten hat, sondern einfach rücksichtslos und unfreundlich.
Ich könnte mich noch über die "Liebe" zwischen ihr und Joe aufregen. Was anfangs nach einer süßen Liebesbeziehung aussieht, wird spätestens dann komisch, als Joe jeden Morgen in Lennies Haus kommt, Schokocroissants mitbringt und mit Lennies Onkel (wohlgemerkt ein Kiffer) und ihrer Oma anbändelt. Ach ja, ich vergaß. Nach drei Tagen Beziehung reden sie schon darüber, wann die liebe Lennie denn entjungfert werden soll.
Spätestens an diesem Punkt sollte klar geworden sein, dass ich das Liebesideal, das im Buch vermittelt wurde, als völlig realitätsfern empfinde. Und überspitzt.
Außerdem - das nur am Rande angemerkt - ist es super schräg, dass alle Charaktere total belesen zu sein scheinen und richtige Literati sind, Zitate und Charaktere um sich werfen. Auch hier denke ich mir: So verhalten sich keine Jugendlichen. Oder, die These stelle ich mal in den Raum, zumindest verhält sich ein Großteil der Jugendlichen absolut nicht so. (Grundsätzlich ist Lennies Familie komplett abgedreht, aber darauf jetzt einzugehen, würde wirklich den Rahmen sprengen.)
Das mag nach meiner Schimpftirade zwar ein wenig abrupt kommen, aber ich hatte definitiv auch meine guten Momente mit Über mir der Himmel.
So sehr ich mich auch über Lennies und Joes Beziehung aufgeregt habe, die beiden haben vereinzelte gute Momente - Momente, in denen ich grinsend vor dem Buch saß. Gerade, wenn man die Tatsache, dass die ganze Beziehung etwas überstürzt gestaltet ist, ignoriert, gibt es doch ein paar süße Szenen.
Außerdem mochte ich, dass ein paar Überraschungsmomente eingestreut sind - zum Beispiel, als Lennie Dinge über ihre tote Schwester oder ihre Mutter, die vor sechzehn Jahren verschwunden ist, herausfindet. Ebenfalls gefiel mir, dass das Buch nicht ein komplett rundes Ende findet - dass Nelson zeigt, dass eben am Ende nicht alles perfekt ist und man nicht immer für jeden Aspekt eine Lösung finden kann. (Zugegeben: Das ist ihr nicht überall gelungen, aber ich schätze die Bemühung.)
Der größte Pluspunkt des Buches ist jedoch der Schreibstil. Jandy Nelson ist wirklich eine unglaublich begabte Autorin - jedes Wort steht an seinem Platz. Besonders schön sind die kleinen Zettelchen, Gedichte oder Gesprächsfetzen, die Lennie schreibt und irgendwo - in der Stadt, im Wald - deponiert. Hier kommt eine unglaublich poetische Seite des Buches hervor, die mir sehr, sehr gut gefiel!
Vor allem gab es doch ein paar Augenblicke, in denen ich mir dachte: Ja, das ist es. Wo Über mir der Himmel tatsächlich etwas in mir bewegte, wenn auch nur sporadisch - aber der Ansatz war da.
Schlussendlich hatte ich einige Probleme mit dem Buch, konnte es im Großen und Ganzen aber gut lesen. Vor allem gehöre ich mit meiner Kritik zur Minderheit, das heißt, was mich gestört hat, macht euch vielleicht gar nichts aus. :) Mit Sicherheit werde ich noch zu Nelsons aktuellem Buch, Ich gebe dir die Sonne, greifen, gerade, weil mir oft gesagt wurde, dass dieses (noch) stärker sei. Es ist auf jeden Fall nicht das letzte Mal, dass ich ein Buch von ihr gelesen habe - Lennies Geschichte war einfach nicht ganz meins.

Fazit
Über mir der Himmel und ich hatten einige Probleme. Vor allem störte mich die überspitzt dargestellten und unrealistischen Liebesbeziehungen, aber auch mit der Protagonistin Lennie kam ich nicht wirklich klar. Was das Buch jedoch lesenswert machte, war definitiv der Schreibstil - Jandy Nelson findet die richtigen Worte und beeindruckt mit einer poetischen Sprache.


Vielen Dank an cbt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Über mir der Himmel
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: cbt
Reihe: -
Preis: 9,99€

Freitag, 14. Oktober 2016

[Rezension] Holding Up the Universe - Jennifer Niven

Inhalt
Libby Strout hat sich nach dem Tod ihrer Mutter im Essen verloren. Jahre später musste sie aus ihrem Haus geschnitten werden, weil es keine andere Möglichkeit gab, sie aufgrund einer Panikattacke ins Krankenhaus zu bringen. Jetzt, um die Hälfte leichter, wagt sie sich wieder an den Schulbesuch.
Jack Masselin hat Prosopagnosie - er kann die Gesichter anderer Leute, auch die seiner Familie, nicht wiedererkennen. Sobald er einmal wegblickt, hat er sie vergessen. Doch niemand weiß davon.
Langsam verflechten sich die Leben der beiden Jugendlichen...

Meine Meinung
Auch wenn mich All the Bright Places von Jennifer Niven nicht komplett überzeugen konnte, so hat es mich doch neugierig gemacht - neugierig auf andere Werke der Autorin. Umso mehr freute ich mich, Holding Up the Universe als Rezensionsexemplar zu erhalten.
Niven erzählt sowohl aus der Sicht von Jack und Libby, wechselt sogar relativ häufig zwischen den beiden hin und her und ermöglicht somit einen leichten Einstieg in die Geschichte. Denn gerade die häufigen Wechsel machen die Storyline doch sehr reizvoll.
Ich habe sowohl Libby als auch Jack sehr gerne gemocht. Niven ist nicht auf Libbys Gewicht fixiert - oder auf irgendwelches Abnehmen -, sondern vielmehr auf die Message dahinter. Wie Libbys Umfeld darauf reagiert, wie Libby damit umgeht. Vor allem ist Libby kein schwächliches Mädchen, das sich verstecken will; sie steht mehr und mehr für sich selbst gerade und beweist ein grandioses Selbstbewusstsein. Außerdem entwickelt sie stückchenweise ihre eigene Message, die sie in die Welt hinausschreit.
Jack mochte ich fast noch ein bisschen lieber. Ich weiß nicht, warum - vielleicht, weil man gerade ihm anmerkt, dass er selbst noch mitten in diversen Lernprozessen steckt. Er kann sich nicht von seiner On-Off-Beziehung lösen, er bringt es nicht über sich, anderen Leuten von seiner Krankheit zu erzählen, manchmal wählt er schlichtweg die falschen Worte und stürzt sich in eine kleine Katastrophe. Gerade diese kleinen Fehler machen ihn unglaublich liebenswert, und es ist spannend zu sehen, wie er sich im Laufe des Buches entwickelt.
Was mich allerdings massiv, massiv gestört hat, war die Beziehung der beiden.
Jetzt ist es raus. Das ist einer der Sätze, von denen ich niemals gedacht habe, dass ich sie sagen würde. Aber in Holding Up the Universe hatte ich zum ersten Mal ein wirklich starkes Gefühl, dass ich die ganze Romantik nicht will und nicht brauche.
Versteht mich nicht falsch: Die beiden haben ein paar süße Szenen. Aber das ganze wechselt von Kitsch zu abrupten, teilweise absurden Streiten und letztendlich einem überstürzten Ende, das Niven viel zu unvollständig hinterlassen hat.
Wie auch schon bei All the Bright Places, und es macht mich fast traurig, da ein "Muster" zu erkennen, hat Holding Up the Universe eine ganz wundervolle Nachricht. Niven wählt die richtigen Worte, bereitet das Thema taktvoll auf und beweist, wie gut sie sich auskennt! Wirklich, wirklich grandios.
Aber diese Liebesgeschichte zwischen Libby und Jack verdrängt fast die Bedeutung des Buches... Das ist so ein Widerspruch, weil Libby und Jack als Individuen ganz wundervolle Charaktere sind. Und wenn sie sich gegenseitig helfen und unterstützen. Aber wenn man plötzlich nur noch an die Augen des anderen denkt und überlegt, ob man ihn küssen soll, und Jack trotz seiner Prosopagnosie sich an Libbys Gesicht erinnern kann, dann... dann verliert die Geschichte ihren Zauber. Und beide Protagonisten ihre Individualität.
Vielleicht werde ich es noch mit einem dritten Buch von Jennifer Niven versuchen - falls/sobald sie ein weiteres veröffentlicht. Aber letztendlich hatte ich bei Holding Up the Universe ein kleines Déjà-Vu: Ein angenehmer Schreibstil und eine grandiose, überwältigend gute Umsetzung der Thematik - aber die Romanze passte einfach nicht hinein. Letztendlich hat Holding Up the Universe versucht, mich zu berühren, ist aber auf dem Weg dahin gescheitert.

Fazit
Mit Holding Up the Universe beweist Jennifer Niven, wie gut sie problematische bzw. empfindliche Themen ansprechen und wichtige Weisheiten vermitteln kann. Leider verdrängt die erzwungen wirkende Liebesgeschichte die eigentliche Thematik des Buches, sodass das Lesevergnügen etwas getrübt wird.


Vielen Dank an Lovelybooks und Penguin Books für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Holding Up the Universe
Taschenbuch: 388 Seiten
Verlag: Penguin
Reihe: -
Preis: ca. 8,99€

Montag, 26. September 2016

[Rezension] Die Länder von Eis und Feuer - George R. R. Martin

Inhalt
Hinter Die Länder von Eis und Feuer verbergen sich zwölf Landkarten, die die Ländereien von George R. R. Martins Welt - von Westeros über Königsmund bis hin zu den Reisen der Charaktere - abbilden.

Meine Meinung
Es geht wahrscheinlich bereits aus dem Inhalt hervor, aber: Das ist hier keine gewöhnliche Rezension. Die Länder von Eis und Feuer ist kein Buch, das man lesen kann, sondern eine Kartensammlung, die zum Studieren, Staunen und Entdecken gedacht ist. Dennoch hoffe ich, dass ihr weiter lest und ich euch dieses wunderbare "Buch" näherbringen kann.


Als ich das Exemplar zum ersten Mal in der Hand gehalten hatte, war ich positiv überrascht: Die Länder von Eis und Feuer schlägt man nicht auf und blättert darin rum, und es ist auch im eigentlichen Sinne kein Schuber. Stattdessen findet man einen Magnetverschluss, und dahinter erst die Karten - alle sorgfältig gefaltet und sicher verstaut.


Die Innenseite - hier nicht abgebildet - zeigt noch einmal eine Kurzbiographie zu George R. R. Martin. Aber ehrlich gesagt: Ab dem Punkt siegt die Neugier und man greift zu den Karten. :D
Auch da wartete auf mich eine weitere Überraschung, denn die Karten sind ordentlich groß - wesentlich größer als ich erwartet habe. Und mal von der Gestaltung ganz abgesehen, fühlen sie sich schon hochwertig an - das Papier hat eine angenehme Dicke, sodass man keine Angst haben muss, zu fest anzupacken.


Tja... was soll ich zu den Karten an sich sagen? Ich bin vollkommen begeistert. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich gebeugt über den Büchern sitze und versuche, die mikroskopisch kleinen Zeichnungen zu entziffern. Endlich kann ich nachvollziehen, wo welche Ereignisse stattfinden - und zwar in Farbe und mit viel Liebe gestaltet.


Das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes: Allein die Darstellung von Königsmund begeistert mich jedes Mal wieder. Zum Einen ist die Stadt wesentlich größer als in meiner Vorstellung - aber die ganzen Details erst! Haus reiht sich an Haus, der Blick wandert über Flohloch, entdeckt Kleinfingers Bordell, endet bei dem Roten Bergfried... Egal, wie oft man die Karten anschaut, jedes Mal entdeckt man wieder ein kleines Detail, das man zuvor noch nicht gesehen hat.


Meine Favoriten? Jenseits der Mauer, Königsmund und Braavos - ersteres, weil dieser Ort einfach ein ganz großes Mysterium darstellt, ob in der Serie oder in den Büchern. Die letzten beiden, weil sie einfach so unglaublich gut dargestellt wurden, weil ich den anderen Blick auf die Städte einfach so spannend finde!
Es gibt sogar eine Karte, die die Reisen einiger Protagonisten darstellt - vor dieser bin ich bestimmt eine halbe Stunde gesessen und habe versucht, die Routen nachzuvollziehen. Da bekommt das, was man gelesen hat, noch einmal eine ganz andere Dimension.
Braucht man diese Karten? Natürlich nicht - man kann die Bücher (oder auch die Serie) einfach so hinnehmen. Aber dennoch sind sie eine unglaubliche Bereicherung; nicht nur, weil sie die Genialität und die Größe von George R. R. Martins Welt widerspiegeln, sondern auch, weil es einfach Freude bereitet, sie sich genauer anzuschauen und die bekannten (und weniger bekannten) Schauplätze zu entdecken. Ich für meinen Teil bin begeistert - und werde sie immer wieder hervorziehen.

Fazit
Die Länder von Eis und Feuer ist eine unglaublich liebevolle und detailliert gestaltete Kartensammlung. Für Fans der Das Lied von Eis und Feuer-Bücher eine tolle und hochwertige Erweiterung!


Vielen Dank an Penhaligon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Die Länder von Eis und Feuer
Gebunden: 12 Karten
Verlag: Penhaligon
Reihe: -
Preis: 39,99€
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Freitag, 16. September 2016

[Rezension] Wolf Moon River - Rainer M. Schröder

Inhalt
Patrick ist alles andere als begeistert, den neuen Freund seiner Mutter und seine Tochter Olivia kennenzulernen. Doch dann stürzt ihr Flugzeug mitten in der Wildnis ab - der Pilot ist tot, seine Mutter verletzt, und plötzlich müssen er und Olivia ums nackte Überleben kämpfen.
Zur gleichen Zeit kämpft sich Jack durch die Wildnis - er ist vor seinen "Freunden" geflohen, die ihn nach einer verhängnisvollen Nacht in einem Keller eingesperrt haben.

Meine Meinung
Klappentexte sind so eine Sache - manchmal liefern sie einen komplett falschen Eindruck von der Geschichte, dann sind sie viel zu kryptisch, und hin und wieder liefern sie auch viel zu viele Informationen.
Einen Klappentext wie den von Wolf Moon River habe ich selten erlebt. Hier könnt ihr den nachlesen, wenn ihr wollt. Aber ich würde es nicht machen - nicht, wenn ihr das Buch noch lesen wollt. Zu sagen, dass darin unglaublich viel verraten wird, wäre noch untertrieben. Da ich mich beim Bloggerportal für das Buch beworben habe, habe ich logischerweise den Klappentext zuvor gelesen (was ich sonst nicht so oft mache - ich weiß schon, wieso). Und er klang toll. Aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, WIE viel er verraten würde. Auch diese Inhaltsangabe, die ihr dort oben liest, greift schon relativ weit vor, aber das ist kaum anders möglich.
Am besten, ich fange von vorne an.
Aufgrund des Klappentextes ging ich stark davon aus, dass die Geschichte vordergründig von Patrick und Olivia handelt. Stattdessen bekam ich zuerst ein Kapitel aus Jacks Sicht zu lesen, dann auch zahlreiche aus Sicht seiner Verfolger, Scott und Frank. Ich war irritiert. Vor allem, weil die Storyline von Patrick und Olivia nicht richtig in die Gänge kam - zunehmend wuchs das Gefühl, dass ich plottechnisch auf der Stelle trete. Ich konnte nicht begreifen, weshalb das alles für mich wichtig sein sollte.
Jetzt, nachdem ich den Klappentext noch ein paar Mal gelesen habe, frage ich mich, ob das Problem eher beim Buch oder bei dieser kleinen Inhaltsangabe liegt. Aber auch das Buch hat gravierende Schwächen, über die ich einfach nicht hinwegsehen kann.
Die ganze Klappentext-Sache mal außer Acht gelassen, war schon allein der Schreibstil des Autors sehr störend. Zum Einen schreibt er sehr unpersönlich - wahrt immer eine Distanz zu den Charakteren und beschreibt ihre Gefühlslage eher, anstatt sie dem Leser aufzuzeigen und subtil näherzubringen. Dann allerdings neigt er zu unglaublichem Infodumping.
Ich habe keinen Zweifel, dass Rainer M. Schröder grandiose Recherche leistet. Beim Lesen von Wolf Moon River erhielt ich nur eine Andeutung auf das Wissen, das er vermutlich besitzt. Aber ist es wirklich nötig, dem Leser sämtliche Details über Kanufahren aufzuzeigen? Wieder und wieder die Beschaffenheit von einem Flugzeug zu erläutern, die die Geschichte nur bedingt voranbringt? Vor allem in solchen Längen, dass das Lesen wirklich, wirklich zur Qual wurde. 
Vielleicht will mir da jemand widersprechen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Aber ich bin der Typ Leser, der sich nicht mit Details wie der Marke des Motorbootes oder dessen PS aufhält.
Ich war also schon nach den ersten paar Kapiteln ungemein frustriert. Das Ganze wurde noch schlimmer, als Patrick und Olivia dann aufeinander trafen und sich kennenlernten.
Patrick ist... die Unfreundlichkeit in Person, so könnte man es zumindest sagen. Er ist nicht ganz sechzehn Jahre alt (Fun fact: Im Klappentext heißt es, er sei siebzehn) und verhält sich, als sei er zwölf. Und inmitten einer Trotzphase. Außerdem haut er Sätze raus, die... die, sorry, niemand so sagt. Um ein Beispiel zu nennen: "Ich bin nicht langsam, sondern im Energiespar-Modus." (Wolf Moon River, S. 42, Rainer M. Schröder, cbj) Charaktere dürfen gerne Sprüche raushauen und sarkastisch sein. Von mir aus können sie einfach von Grund auf unfreundlich sein, das macht sie zwar nicht sympathisch, aber na ja, solche Menschen gibt es eben. Aber ich habe noch nie im Leben jemanden getroffen, der Sätze herunterspult, die man auf irgendwelchen Facebook-Seiten findet. Und ja, das ist mehr als nur einmal vorgekommen. Und jedes Mal verfluchte ich Patrick nur noch mehr - anders kann ich es nicht ausdrücken.
Jack und seine "Freunde" sind kein Stückchen besser. Auch sie bleiben blass, ihre Hintergründe werden mehr heruntergebetet als dass sie realistisch wirken oder sie zu dreidimensionalen Charakteren machen.
Mein Highlight - wenn überhaupt - war Olivia. Auch sie wirkt nicht ganz... realistisch, doch bei ihr ist es Rainer M. Schröder zumindest gelungen, mich zu überraschen. Sie ist vermutlich auch die Einzige, mit der ich ansatzweise mitfühlen konnte.
Wobei - hier noch eine kurze Anmerkung. Da es gleich am Anfang der Geschichte passiert, ist es kein Spoiler, also: Ich dachte anfangs, Olivia würde an einer Essstörung leiden (es ist letztendlich etwas komplett anderes). Und zwar wegen dieser Äußerung: "Dabei hätte sie nur zu gern einen Becher heiße Schokolade genommen. Aber (...) sie [durfte] sich auf gar keinen Fall auch noch eine zweite Kalorienbombe leisten." (Wolf Moon River, S. 28, Rainer M. Schröder, cbj) Das ist, ganz abgesehen von Olivia als Charakter, eine sehr bedenkliche Äußerung, bei der ich unglaublich stutzig geworden bin und die - zumindest meiner Meinung nach - auch gut und gerne auf manche triggernd wirken kann.
Ein weiterer Aspekt, der mich sehr gestört hat, war die Überschneidung von manchen Kapiteln - dabei beziehe ich mich auf die Kapitel über Jack und seine Verfolger. Es wurde ein Teil aus Jacks Perspektive erzählt, und dann genau derselbe Teil noch einmal aus Scotts bzw. Franks Perspektive. Und das geht gar nicht. Ein kleines bisschen imaginativer Freiheit muss dem Leser wirklich noch bleiben.
Eines muss ich dem Autor lassen: In der Hinsicht wird das Buch besser, und hin und wieder gibt es sogar kleine Zeitsprünge. Zumindest gehen die Überschneidungen weg, spätestens dann, als wir endlich inhaltlich bei dem Klappentext ankommen.
Vielleicht hat Rainer M. Schröder einfach der Plot gefehlt? Im Nachhinein beschleicht mich zumindest das Gefühl. Denn bis zu dem Absturz (und dem Zusammentreffen beider Parteien, das erst kurz vor Ende des Buches passiert!) passiert schlicht und ergreifend wenig. Oder zumindest nichts, das man nicht auch in der Hälfte oder einem Viertel der Kapitel zusammenfassen könnte.
Das Ende, beziehungsweise der Showdown, ist okay, zumindest im Vergleich zum Rest des Buches. Es gibt ein paar Augenblicke, die mich überrascht haben, auch wenn diverse Erklärungen/Auflösungen schlichtweg dürftig sind. Der Epilog kam dann schon wieder zu plötzlich für mich, und gerade Olivia und Patrick handeln darin out of character, wenn man mich fragt.
Tja, das ist jetzt verdammt lang geworden. Wenn ihr alles gelesen habt, meinen Respekt! Wenn nicht, ich kann es euch nicht übel nehmen. Wolf Moon River ist für mich ein kompletter Reinfall gewesen. Ich respektiere das Wissen des Autors, denn man erkennt, dass er gute Vorarbeit geleistet hat - nur die Umsetzung ist nicht gelungen. Wenn ihr an Wolf Moon River interessiert seid, lest in die Leseprobe rein. Oder leiht es euch aus. Aber letztendlich ist es ein Buch, das man wirklich nicht lesen braucht.

Fazit
Wolf Moon River hat mir leider gar nicht gefallen. Der Plot war die Länge gezogen, die Charaktere wirkten auf mich unrealistisch und auch mit dem Schreibstil des Autors hatte ich meine Probleme. Meiner Meinung nach auf keiner Ebene empfehlenswert.


Vielen Dank an cbj für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Wolf Moon River
Hardcover: 384 Seiten
Verlag: cbj
Reihe: -
Preis: 16,99€

Montag, 5. September 2016

[Rezension] Secret Fire - Die Entflammten - C.J. Daugherty, Carina Rozenfeld

Inhalt
Taylor hat ein Ziel: es nach Oxford zu schaffen und dort Archäologie zu studieren. Dafür lernt sie nicht nur viel, sondern nimmt auch viel Extra-Arbeit auf sich. Nur ist ihr neuer Nachhilfeschüler Sacha aus Frankreich anders.
"Anders" im Sinne von: Sacha ist verflucht. Er wird keine 18 Jahre alt werden, doch davor ist er quasi unsterblich. Und er interessiert sich für so ziemlich alles außer seinen Englischunterricht. Allerdings sind Sachas und Taylors Leben miteinander verflochten - denn Taylor könnte Sacha das Leben retten...

Meine Meinung
Endlich ein neues Buch von C.J. Daugherty! Nach der Night School-Reihe war ich ja echt gespannt auf ihr nächstes Werk. Und so viel sei vorweggenommen: ich wurde nicht enttäuscht!
Schon auf den ersten Seiten ist man mitten im Geschehen und beobachtet Sacha dabei, wie er eine Wette abschließt, fünf Stockwerke herunterspringt und quicklebendig wieder aufsteht. Sofort werden die ersten Fragen aufgeworfen - wie ist das möglich? Und was ist das für ein seltsamer Fluch?
Während der nächsten paar Kapitel kommen immer mehr Fragen hinzu, und auch der Schreibstil trug definitiv dazu bei, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. C.J. Daughertys und Carina Rozenfelds Stile schmelzen ineinander, es ist unmöglich, zu erkennen, wer was geschrieben hat. Generell liest sich das Buch so leicht wie auch Daughertys andere Bücher - was ich persönlich sehr mag.
Auch wenn der Schreibstil eher schlicht gehalten ist, kreierte er doch lebendige Bilder vor meinem inneren Auge. Ich liebte die Darstellung Englands und ganz besonders die Frankreichs. Ich hatte bereits das Glück, beide Länder zu besuchen, und war begeistert von der Atmosphäre in Secret Fire (und bekam, zugegeben, ein bisschen Fernweh).
Inmitten dieses Settings spielt Sachas und Taylors Geschichte, die jeweils aus der Sicht der beiden in der dritten Person erzählt wird. Sie sind quasi Gegensätze in Person: Taylor, die folgsame, fleißige Schülerin - Sacha, der schwankt zwischen Verleugnung und Akzeptanz seines nahenden Todes und immer noch mit dem Tod seines Vaters kämpft. 
Als die beiden sich das erste Mal treffen, - und schon vorher bei diversen Chats - ist die Harmonie zwischen den beiden unübersehbar. Und gerade das schätze ich an ihnen: die Chemie, die sich Stück für Stück zwischen den beiden entwickelt. Gerade zum Ende hin wurde diese immer stärker, ohne die Beziehung unangemessen schnell wachsen zu lassen, und ich freue mich schon darauf, zu sehen, was die beiden in Band 2 erwartet.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich Sacha wesentlich lieber als Taylor mochte. Ich hatte nämlich manchmal das Gefühl, dass Taylor Adjektive zugeordnet wurden, denen sie sich nicht gemäß verhielt. Sie bekam zahlreiche Auszeichnungen für Ehrenämter, ist aber gerade in der ersten Hälfte des Buches öfters unfreundlich und teilweise abweisend.
Dafür machte es mir umso mehr Spaß, über Sacha zu lesen. Woran genau das lag? Ich weiß es nicht. Vermutlich, weil er tendenziell ein... dunklerer Charakter ist. Diese Zerrissenheit macht ihn einfach unglaublich reizvoll zu lesen, diese Balance zwischen Leben und Tod, mit der er spielt. Ich bin wirklich - wie bereits gesagt - gespannt, was die Geschichte noch für diese beiden bereithält.
Es gab noch ein paar weitere kleine Aspekte, die mich gestört haben. Zum Einen die Übersetzung (aber das hatte ich bereits hier und hier angesprochen) - ich kann es einfach nicht leiden, wenn ich mitten im Text Wörter wie "relaxed" oder "trendy" entdecke. Ich hatte stellenweise bei Secret Fire - Die Entflammten einfach das Gefühl, man würde zwanghaft versuchen, Jugendsprache nachzuahmen (und dabei scheitern).
Ein bisschen schade fand ich auch, dass die Nebencharaktere stellenweise etwas blass blieben. Es gibt eine Ausnahme (Louisa - eine supercoole, toughe Frau, über die ich nicht viel erzählen kann, ohne zu spoilern), aber gerade Sachas und Taylors Familien waren auffällig oft "nicht da" oder "in der Schule".
Zuletzt gab es ein paar inhaltliche Durststrecken im Buch. Wie bereits gesagt, ist der Schreibstil super angenehm, deshalb ist das auch nicht weiter aufgefallen - aber hin und wieder beschlich mich das Gefühl, dass versucht wurde, die Geschichte unnötig in die Länge zu ziehen.
Das hört sich allerdings viel zu negativ an - im Großen und Ganzen hat mir Secret Fire - Die Entflammten wirklich gut gefallen. Gerade die Idee, die letztendlich hinter all dem steckt, finde ich sehr cool und originell. Außerdem hatte das Buch ein paar Wendungen drinnen, die ich definitiv nicht kommen gesehen habe, und gerade Sachas Entdeckungen im Laufe des Buches haben mich in ihren Bann gezogen.
Um es kurz zu fassen: alles in Secret Fire - Die Entflammten hat mich verdammt neugierig gemacht, wie Sachas und Taylors Geschichte wohl weitergehen mag. Ich bin wirklich gespannt, was C.J. Daugherty und Carina Rozenfeld sonst noch in petto haben!
(Und WIE schön ist das Cover, bitte?!)

Fazit
Mit Secret Fire - Die Entflammten haben C.J. Daugherty und Carina Rozenfeld einen faszinierenden Auftakt geschaffen. Besonders die Idee und die Atmosphäre des Buches haben mich völlig in den Bann gezogen. Ich bin gespannt auf Band 2!


Danke an den Oetinger Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Secret Fire - Die Entflammten (The Secret Fire)
Hardcover: 448 Seiten
Verlag: Oetinger
Reihe: 1/?
Preis: 18,99€
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Montag, 29. August 2016

[Rezension] AMANI - Rebellin des Sandes - Alwyn Hamilton

Inhalt
Die sechzehnjährige Amani will nur eines: Dustwalk endlich hinter sich lassen. Um das notwendige Geld zu sammeln, nimmt sie an einem Schießwettbewerb teil. Nur läuft der Abend nicht so wie geplant, und sie lernt den mysteriösen Fremden Jin kennen. Aus irgendeinem Grund wird Jin verfolgt - und ehe sie sich versieht, ist Amani in eine Rebellion verstrickt...

Meine Meinung
AMANI - Rebellin des Sandes ist der perfekte Beweis, dass ich öfters mal aus meiner Komfortzone ausbrechen sollte. Ich liebe zwar Fantasy, dachte aber, dass Rebellin des Sandes thematisch nicht unbedingt mein Fall ist. Ich hatte aber mittlerweile so viel von englischsprachigen Buchbloggern (vor allem viel Gutes) gehört, dass ich mich entschloss, es zu versuchen. Denn woher konnte ich wissen, dass ich solche Geschichten nicht mag, wenn ich es nie versucht habe?
Von der ersten Seite an ist man mitten im Geschehen. Amani bereitet sich gerade auf den Wettbewerb vor. Ziemlich bald zeigt sich, dass sie eine begnadet gute Schützin ist - wenn nicht sogar die beste der Anwesenden. Alwyn Hamiltons simpler, fast schon nüchterner Schreibstil brachte mir nicht nur die Geschichte näher, sondern machte es auch unmöglich, das Buch beiseitezulegen. Mit jeder weiteren Seite entfaltete sich eine unglaublich umfassende und detaillierte Welt vor mir.
Dabei ist das Buch gerade einmal 352 Seiten lang. Hamilton gelingt es, dem Leser nur das Nötige an Informationen zu füttern, sodass ich nur ahnen kann, wie viel mehr da noch folgt. Auch sonst verbringt sie keine Zeit mit unnötigen Beschreibungen, ein Aspekt, der mir immer sehr gut gefällt. Beim Lesen von AMANI - Rebellin des Sandes hatte ich das Gefühl, dass jedes Wort am richtigen Platz ist. Und ich kann mich nur wiederholen: Amanis Welt faszinierte mich vollkommen - von magischen Wesen bis hin zu Sultanen und mysteriösen Waffen ist alles mit dabei. Selten konnte ich mir eine fiktive Welt so gut vorstellen.
Amani als Protagonistin hat mir unglaublich gut gefallen. Sie ist ein sehr starkes, eigenwilliges Mädchen, und vor allem ist sie alles andere als fehlerfrei. Um ihr Ziel zu erreichen, ergreift sie vor allem anfangs Maßnahmen, die zweifelhaft, wenn nicht sogar verwerflich sind. Und - so komisch sich das anhört - gerade das mochte ich an ihr. Es ist eine Sache, eine starke Protagonistin zu schaffen, das ist heutzutage nicht mehr allzu selten. Es ist allerdings eine andere Sache, sie nicht total selbstlos zu machen. Sie auch mal selbstsüchtig handeln zu lassen. Denn das macht Amani so real - so sympathisch.
Selbst die Gesellschaft hat die Autorin detailliert ausgearbeitet - Frauen haben wenig, wenn nicht gar nichts zu sagen und sind mehr ein Objekt als eine Person, die zu einer Meinung berechtigt ist. Deshalb ist Amani oft als Junge verkleidet unterwegs, und stößt in ihrer "wahren" Erscheinung nicht selten auf Schwierigkeiten. Auch die Art und Weise, wie der Sultan und seine Untertanen eingeflochten sind, fand ich unglaublich faszinierend. Für jemanden wie mich, der sich mit dem Thema bisher nicht befasst hat, hat Hamilton alles erstaunlich einfach erklärt und mir wieder einmal das Gefühl gegeben, ihre Welt ein Stückchen besser kennenzulernen.
Auch Jin mochte ich sehr gerne. Die Chemie zwischen den beiden ist fantastisch, und ich hatte wirklich Spaß, von ihnen zu lesen. Sie sind sich einfach auf Augenhöhe, und im Verlaufe des Buches werden sie zu einem Team, das immer enger zusammenarbeitet. Natürlich bahnt sich auch hier eine Romanze an, aber Alwyn Hamilton flechtet diese überraschend dezent ein. (Alles andere wäre auch bei der Seitenanzahl zu viel gewesen.)
Tja... was soll ich sagen? Ich war und bin restlos begeistert. Schon nach den ersten paar Kapiteln wünschte ich mir, das Buch würde niemals enden, und das Gefühl blieb bis zur letzten Seite. Die Autorin hat nicht nur eine Welt erschaffen, die in meinem Kopf lebendig geworden ist, sondern auch zwei starke Protagonisten, die unglaublich gut miteinander harmonieren. AMANI - Rebellin des Sandes ist ein grandioser Auftakt - anders kann man es einfach nicht in Worte fassen.

Fazit
AMANI - Rebellin des Sandes ist ein vollkommen gelungener Auftakt. Alwyn Hamilton beeindruckt mit einer detailliert gestalteten und fantasievollen Welt, einem grandiosen Schreibstil und zwei Protagonisten, deren Chemie mich jedes Mal wieder aufs Neue beeindruckt hat. Absolute Empfehlung!


Vielen Dank an cbt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Titel: AMANI - Rebellin des Sandes (Rebel of the Sands)
Hardcover: 352 Seiten
Verlag: cbt
Reihe: 1/3
Preis: 16,99€

Mittwoch, 24. August 2016

[Rezension] Schwestern der Wahrheit - Susan Dennard

Inhalt
In einer Welt voller Magie sind Safi, eine Wahrmagis, und Iseult, die die Gefühle ihrer Mitmenschen sehen kann, beste Freundinnen - sogar noch mehr als das, sie sind Strangschwestern. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, und Safi wird von verschiedenen Parteien mit verschiedenartigen Interessen verfolgt. Und während die Hetzjagd ihren Lauf nimmt, nähert sich auch das Ende des zwanzigjährigen Waffenstillstandes...

Meine Meinung
Im Englischen sind Safi und Iseult schon seit Anfang Januar in aller Munde, deshalb freute ich mich umso mehr, als ich das deutsche Exemplar in den Händen hielt. Noch bevor man das Buch aufschlägt, merkt man, dass es mit Liebe gestaltet wurde - von dem Cover hin bis zur farbigen Karte, die mich mehrmals vor der absoluten Verwirrung bewahrt hat.
Jetzt aber zum Inhalt des Buches. Aufgrund der Bloggeraktion wusste ich schon vorher mehr über Safis und Iseults Welt als vor den meisten anderen Büchern, die ich lese, dennoch war ich zu Beginn ganz schön überwältigt. Susan Dennard hält sich nicht bei Begriffen, wie zum Beispiel Strangschwestern, Blutmagis, Höllenbarden und vielen mehr, zurück. Und diese Begriffe werden auch selten erklärt, vielmehr muss der Leser seine eigenen Schlüsse ziehen. Gerade zu dem zwanzigjährigen Waffenstillstand beziehungsweise dem Krieg davor hätte ich noch mehr erfahren - aber vielleicht kommt das noch im zweiten Band. Generell bin ich einfach nicht ein Fan davon, alles der Fantasie des Lesers zu überlassen - bis ich zumindest ansatzweise durchgeblickt hatte, waren schon einige Seiten vergangen.
Das ist auch so ziemlich der Hauptgrund, weshalb sich der Anfang für mich etwas schleppend hinzog. Außerdem musste ich mich ein wenig an Susans Schreibstil gewöhnen - sie schreibt zwar aus der dritten Perspektive, bleibt aber doch immer einen Ticken distanziert. Doch sobald ich die Anfangsschwierigkeiten überwunden hatte, wurde ich immer wärmer mit dem Buch und war zunehmend begeisterter.
Denn auch wenn es an Erklärungen mangelt, ist die Welt, die Susan Dennard kreiert hat, schlichtweg grandios und gewaltig komplex (erneut: mit meinem Gedächtnis bin ich sehr dankbar für die schöne Karte) und ich hatte Spaß, sie mit Iseult und Safi zu erkunden. Da ich selbst schreibe, weiß ich, wie schwierig es ist, solche Welten zu erstellen, und Susan Dennard macht nicht bei Städten oder Ländereien halt, sondern kreiert verschiedene Stämme/Völkergruppen. Ich kann nur ahnen, wie viel Arbeit sie da reingesteckt hat.
Auch die Charaktere sind ein Kunstwerk an sich. Da sind natürlich Iseult und Safi, die im Mittelpunkt stehen, aber gerade die Nebencharaktere sind für mich noch einmal einen Ticken interessanter - zum Beispiel Merik, der verzweifelt um Handelsbündnisse kämpft und alles für sein Land tun würde, Aeduan, ein Blutmagis, dessen Absichten oft unergründlich sind und Leopold, ein Prinz, der mich immer wieder überrascht hat. Das ganze Netzwerk, das die Autorin geschaffen hat, hat mir einfach unglaublich Spaß gemacht! Deshalb habe ich mich auch gefreut, Kapitel aus den Sichten all dieser Charaktere zu sehen, weil das einfach alles viel greifbarer und vielschichtiger gemacht hat.
Vor allem ist es toll, dass eine Freundschaft im Mittelpunkt steht anstatt irgendeiner Liebesgeschichte. Damit will ich nicht sagen, dass Schwestern der Wahrheit komplett ohne Romantik auskommt, aber sie ist sehr subtil, was immer wieder erfrischend ist.
Leider habe ich mich hin und wieder an der Übersetzung gestört - mir ist bestimmt fünfzehn, wenn nicht zwanzig Mal, ein fehlender Buchstabe aufgefallen, und natürlich kann das mal passieren, aber in der Häufigkeit hat es mich wirklich überrascht. So etwas ist mir noch nie untergekommen! Auch an anderen Stellen wirkte die Wortwahl beinahe ein wenig unpassend, aber da ich das Original nicht kenne, kann ich das natürlich nicht vergleichen oder kritisieren.
Letztendlich aber steht die Geschichte im Vordergrund, und auch den Showdown will ich nicht unerwähnt lassen. Ich habe schon seit Ewigkeiten keinen gut ausgestalteten Showdown mehr gelesen, deshalb habe ich mich umso mehr über diesen gefreut! Susan Dennard nimmt jede Storyline wieder auf und haut noch so einige Wendungen rein, die mich vollkommen überrascht haben. Und viel schneller, als mir lieb war, hatte ich die letzte Seite von Schwestern der Wahrheit gelesen und war noch gar nicht so richtig bereit, die Welt, die ich kennengelernt habe, loszulassen. Ein toller Auftakt!

Fazit
Mit Schwestern der Wahrheit hat Susan Dennard einen gelungenen Reihenauftakt mit starken Charakteren und einer faszinierenden Welt kreiert. Ich freue mich schon auf den nächsten Band!


Vielen Dank an Penhaligon für das Rezensionsexemplar!

Titel: Schwestern der Wahrheit (Truthwitch)
Hardcover: 512 Seiten
Verlag: Penhaligon
Reihe: 1/4
Preis: 19,99€


Und wer noch nicht genug von Safis und Iseults Welt hat, kann gerne mal hier oder hier vorbeischauen. :)

Samstag, 13. August 2016

[Rezension] Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen - Ulla Scheler

Inhalt
Hanna und Ben sind schon seit ihrer Kindheit beste Freunde, auch wenn beide unterschiedlicher nicht sein könnten. Nach dem Abitur fahren sie spontan ans Meer, ohne Verpflichtungen, oft mit kaum mehr als einem Zelt zum Schlafen. Dort hören sie auch erstmals von einer schicksalhaften Legende - die sich Stück für Stück bewahrheiten scheint. Schon bald fürchtet Hanna um Bens Leben...

Meine Meinung
"Zu meinem achtzehnten Geburtstag schenkte mir mein bester Freund Ben eine Sachbeschädigung."

Mit diesen Worten heißt Ulla Scheler zu Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen willkommen und markiert damit den Beginn eines Abenteuers, das sich Stück für Stück vor dem Leser ausbreitet. Denn auch wenn ich mir im Nachhinein nicht vollkommen sicher bin, was ich über dieses Buch denke, eines ist sicher - es ist zumindest eines, das hervorsticht und beeindruckt durch seine Andersartigkeit.
Wir lernen ziemlich schnell die beiden Hauptfiguren kennen: Hanna, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, und Ben, ihr bester Freund seit vielen Jahren. Ben ist jedoch seit einem Monat verschwunden, und als er wieder auftaucht, ist die Beziehung zwischen den beiden angespannt. Die beiden sind pure Gegensätze: Ben, der Sprayer, der in der Schule öfters fehlt als dass er anwesend ist. Hanna, die ein wenig still ist, die sich ihre Abschlussfeier auf keinen Fall entgehen lassen will.
Man sagt ja immer, dass sich Gegensätze anziehen - das muss auch der Fall bei den beiden sein, weil mir immer wieder die Frage aufkam, wie sie sich überhaupt erst angefreundet haben, wo sie doch so unterschiedlich sind.

"Wir machten die Leute um uns herum wahnsinnig, aber wir fühlten uns golden."

Ich mochte Hanna sehr gerne als Protagonistin. Ihre Erzählart und ihr Verhalten machte sie sehr sympathisch und vor allem realistisch. Ich konnte sie verstehen, konnte mit ihr mitfühlen und mitfiebern. Selbst als sie mit Ben auf diese fast schon wahnsinnige (oder zumindest wahnsinnig überstürzte) Reise geht, konnte ich ihr Bedürfnis nach Abenteuer, danach, aus dem Alltag auszubrechen, sehr gut nachvollziehen.

"Während er knipste, hatte Ben ein abwesendes Lächeln auf dem Gesicht. Wie viele Menschen sahen wohl den Ben, den ich sehen durfte? Wie viele Menschen sahen mich so, wie ich war? Nein, stopp. Wie viele Menschen sahen mich so, wie ich sein könnte? Ich wusste nicht, was von beiden ich wichtiger fand, aber die Antwort auf beide Fragen war wohl Ben."

Als das Buch jedoch voranschritt, hatte ich das Gefühl, dass die beiden einander nicht guttun. Sie konnten irgendwie nicht voneinander loslassen, obwohl sie zusammen auch nicht funktionierten.
Auch mit den Nebencharakteren - vor allem Chloé und Sam - hatte ich Probleme. Sie waren für mich sehr abstrakt, fast absurd dargestellt. Gerade weil sie letztendlich eine wichtigere Rolle spielten als zuerst angenommen, hätte ich sie gerne besser verstanden.
Ich fragte mich ebenfalls, was Ulla Scheler genau erzählen wollte - ging es ums Erwachsenwerden? Darum, aus dem Alltag auszubrechen, Dinge zu wagen? Manchmal hatte ich das Gefühl, den Kern der Geschichte zu verpassen oder nicht zu sehen, und das war schade.

"Wie mutig man sein musste, um ein Leben zu leben."

Den Fluch hingegen fand ich sehr spannend. Die Legende, die Chloé erzählt hat, dass man nicht wusste, ob es sich dabei um die Wahrheit handelte, und wenn ja, wie wahr es war - hier hat Scheler gute Arbeit geleistet. Zumindest ich war die ganze Zeit verunsichert, ob ihr Roman nicht doch fantastische Elemente hätte. Die ganze Auflösung, die Idee, die dahintersteckte, hat mir auch einfach unglaublich gut gefallen!
Aber, und das muss ich leider auch sagen, ist die Geschichte in meinen Augen viel zu lang gestreckt. Ich hatte das Gefühl, dass Hanna und Ben einen Großteil der Zeit in der Schwebe hingen, wusste nicht, welche Bedeutung diverse Szenen haben sollten, und vor allem Dialoge waren oftmals zu lang und zu wenig wichtig. Fünfzig, vielleicht hundert Seiten weniger hätten das Buch noch einmal reizvoller gemacht.

"Ich bin seine Achillesferse, seine epische Schwachstelle."

Was mir allerdings am besten an Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen gefallen hat, ist der Schreibstil.
Ulla Scheler ist nicht nur eine sehr junge Autorin, hierbei handelt es sich auch um ihr Debüt. Und sie beweist jetzt schon, mit was für einer Finesse sie schreiben kann, Ich bin gespannt, wo das noch hinführt, und bin mir sicher, dass ihr nächstes Buch noch besser wird!
Es ist nämlich nicht so, als hätte es mir kein Vergnügen bereitet, Hannas und Bens Geschichte kennen zu lernen. Ich hatte das Buch binnen weniger Stunden durchgelesen, ich hätte mir lediglich an manchen Stellen etwas mehr und an anderen etwas weniger gewünscht. Gerade das Ende hat mich sehr unbefriedigt zurückgelassen (was allerdings auch teilweise daran liegt, dass ich offene Enden in den meisten Fällen nicht ausstehen kann).
Aber letztendlich handelt es sich bei Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen um ein solides Debüt, das sicher nicht jeder Autor so gut gemeistert hätte. Ich mag, dass Ulla Scheler mit verschiedenen Elementen spielt und ihre Worte so auswählt, dass sie nicht nur eine Gänsehaut, sondern auch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Wer Lust hat, noch mehr zu lesen: Hier findet ihr ein tolles Interview mit Ulla Scheler.
Fazit
Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen ist ein gelungenes Debüt, das durch Ulla Schelers fantastischen Schreibstil und der ungewöhnlichen Idee etwas ganz Einzigartiges bekommt.


Vielen Dank an Heyne fliegt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen
Klappenbroschur: 368 Seiten
Verlag: Heyne fliegt
Reihe: -
Preis: 14,99€