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Samstag, 25. März 2017

[Rezension] The Hate U Give - Angie Thomas


Inhalt
Die sechzehnjährige Starr lebt in zwei Welten: Garden Heights, einem verarmten Viertel, in dem sie aufgewachsen ist; und Williamson, eine Elite-Schule, wo sie eine von wenigen Schwarzen ist. Starrs Leben verändert sich radikal, als sie sieht, wie ihr bester Freund Khalil von einem weißen Polizisten erschossen wird. Bald ist Khalils Tod in allen Schlagzeilen, von vielen wird er als Drogendealer abgestempelt. Starr ist die einzige Zeugin. Doch ihre Worte könnten ihr Leben in Gefahr bringen...

Meine Meinung
Als ich The Hate U Give zum ersten Mal gelesen habe, brauchte ich zweieinhalb Tage dafür. Danach trug ich es bei Goodreads ein, verpasste dem Buch fünf Sterne, und tat zwei Stunden später etwas, das ich noch nie getan habe: Ich las es direkt noch einmal.
Beim zweiten Lesen liebte ich es noch mehr. Und, ganz im Ernst, ich habe jedes bisschen meiner Selbstbeherrschung zusammenkratzen müssen, um nicht noch ein drittes Mal damit anzufangen. The Hate U Give hat mir das Gefühl gegeben, bei jedem Lesen noch ein bisschen mehr zu entdecken, die Wichtigkeit des Buches noch stärker zu verinnerlichen. THUG ist das perfekte Beispiel für all die Dinge, die ich bei Young Adult Büchern lesen möchte, und ein Beispiel für die, von denen ich noch gar nicht wusste, dass ich sie lesen muss.
Zuallererst ist da natürlich Starr. Allein die Art und Weise, wie sie erzählt, ist einzigartig. Thomas' Schreibstil passt perfekt; sie redet nicht um den Brei herum und verschönt erst recht nichts. Wir erleben eine Starr, die zum zweiten Mal in ihren 16 Jahren den Mord eines schwarzen Kindes miterleben muss und sich von den Gräueln übergeben muss. Wir erleben eine Starr, die sich an die Schulter ihres Vaters anlehnt, weil er der Einzige ist, der ihr noch ein Gefühl von Sicherheit geben kann. Und wir erleben eine Starr, die realisiert, dass die Dinge, die sie zu sagen hat, sehr wohl wichtig sind.
A lump forms in my throat as the truth hits me. Hard. "That's why people are speaking out, huh? Because it won't change if we don't say something."
"Exactly. We can't be silent."
"So I can't be silent."
So wie Starr Stück für Stück mehr begreift, realisierte auch ich während des Lesens immer wieder, was für Privilegien ich eigentlich habe. Dass diese viel größer sind als ich bisher geahnt habe. In THUG gibt es eine Szene, wo Starr, ihre Mutter und ihre Brüder beim Essen sitzen und man Schüsse hört. Die Familie zieht sich in einen Raum zurück, der keine Außenwand hat, um geschützt zu sein. Erschreckend war nicht (nur), dass sie sich in solch einer Situation befanden. Was mich am meisten schockierte, war die Normalität, die Ruhe, mit der sie mit dem Ganzen umgingen. Weil sie es gewohnt waren.
Aber auch wenn Starr die Protagonistin von THUG ist, so ist sie längst nicht die Einzige, deren Geschichte hier erzählt wird. Wir erfahren auch über die Geschichte von Starrs Onkel Carlos, der ebenfalls Polizist ist. In den drei Jahren, die Starrs Vater im Gefängnis verbrachte, ist er für Starr wie ein zweiter Vater geworden. Wir lernen aber auch mehr über Starrs Halbbruder Seven, der alles für seine Familie tun würde und daraufhin zwischen zwei Fronten steht. Selbst die ganzen Nachbarn in Garden Heights bekommen eigene Namen, Gesichter, Geschichten. Ich habe noch nie ein Jugendbuch gelesen, in dem ausnahmslos jeder Charakter detailliert ausgearbeitet war und sich nahtlos einfügte. Ich hatte das Gefühl, bei Starr zu sein, im Laden ihres Vaters zu stehen, das Loft ihres Freundes Chris zu betreten.
I used to tell him he was so pale he looked like a marshmallow. He hated that I compared him to food. I told him that's what he got for calling me caramel. It shut him up.
Stichwort: Chris. Ein weiterer Aspekt, den ich an THUG als Jugendbuch liebte: Unsere Protagonistin ist ausnahmsweise mal schon in einer Beziehung, als ihre Geschichte beginnt. Darüber hinaus ist Chris weiß, was mehrmals zu Konflikten zwischen den beiden führt. So fragt sich Starr, ob sie ihre Identität vernachlässigt, wenn sie mit Chris zusammen ist. Ob nicht jemand Weißes, Blondes, Reiches (ihre Worte) besser geeignet wäre. Chris wird nicht nur sehr lieb und authentisch dargestellt, sondern tritt auch regelmäßig in Fettnäpfchen und wird für sein "weißes Verhalten" aufgezogen. Angie Thomas bringt vor allem bei ihm oft eine leichtere, humoristische Note rein.
"I swear, I don't understand white people. Breadcrumbs on macaroni, kissing dogs on the mouth—"
"Treating their dogs like kids," I add.
"Yeah!" says DeVante. "Purposely doing shit that could kill them, like bungee jumping."
"Calling Target 'Tar-jay,' like that makes it fancier," says Seven.
"Fuck," Chris mutters. "That's what my mom calls it."
Seven and I bust out laughing.
Was mich ebenfalls regelmäßig zum Schmunzeln brachte, war Starrs Familie, insbesondere ihre Eltern. Lisa und Maverick Carter erleben wir in allerlei Lebenslagen. Wir sehen sie streiten, sich gegen Starr "verschwören", es wird selbst erzählt, wie sie sich kennenlernten. Starr nennt ihre Eltern an einem Punkt ihr "OTP" (One True Pairing). Familie wird in THUG einfach großgeschrieben, ist immer präsent, und es wird fantastisch gemacht.
Die Themenvielfalt geht da noch weiter - auch alltäglicher Rassismus wird angesprochen. Eine "Freundin" Starrs lässt immer wieder bedenkliche Dinge von sich. Nach Khalils Tod entscheidet sich ein Großteil von Starrs Schule, zu protestieren - um dem Unterricht zu entkommen, nicht wegen Khalil, da er ja eh "nur" ein Thug war.
They act like I'm the official representative of the black race and they owe me an explanation. I think I understand though. If I sit out a protest, I'm making a statement, but if they sit out a protest, they look racist.
Denn zuletzt geht es in The Hate U Give um die Khalils. Um die Schwarzen, die in den letzten Jahren von weißen Polizisten erschossen wurden, obwohl sie keine Waffe bei sich trugen, geschweige denn eine Gefahr darstellten. Und, ja, es geht auch um die Khalils, die noch kommen werden. Starr formuliert es besser als ich es jemals könnte:
Yet I think it'll change one day. How? I don't know. When? I definitely don't know. Why? Because there will always be someone ready to fight. Maybe it's my turn.
The Hate U Give ist einer der besten YA-Romane, den ich jemals gelesen habe. Vor allem hat mir Angie Thomas eine Welt nahegebracht, die ich vorher so nicht kannte - vor der ich, ganz im Ernst, einen Großteil meines Lebens meine Augen verschlossen habe. Sie hat mir gezeigt, wie gut ich es habe, und mich fürchten lassen, was für idiotische Dinge ich Zeit meines Lebens von mir gegeben habe. All das hat sie in Starrs Geschichte gepackt, mit einer authentischen Erzählstimme, Charakteren, die ich unglaublich gerne kennenlernen würde, und Worten, die genau dort treffen, wo's wehtut.

Fazit
Ich habe es auf anderen Plattformen schon geschrieben, aber eigentlich brauche ich nicht viel mehr zu The Hate U Give sagen als: Wenn ihr 2017 nur ein einziges Buch lest, dann dieses. THUG begegnet all die hohen Erwartungen und übertrifft sie anschließend. Jetzt schon das wichtigste Buch des Jahres.


The Hate U Give ⚬ Hardcover: 464 Seiten ⚬ Balzer + Bray ⚬ Einzelband ⚬ aktuell 9,99€ ⚬ Kaufen?

Dienstag, 21. März 2017

[Rezension] Smoke - Dan Vyleta


Inhalt
Charlie und Thomas sind Kinder einer Welt, in der Sünden, falsche Gedanken und Lügen durch Rauch sichtbar werden. Sie gehen auf ein Elite-Internat, wo ihnen beigebracht wird, wie sie den Rauch auf ein Minimum reduzieren können. Doch mit der Zeit beginnen sie, die Gesetzlichkeiten des Rauches zu hinterfragen - und decken eine Verschwörung nach der anderen auf, in Dimensionen, die sie kaum erahnen können.

Meine Meinung
Smoke klang so vielversprechend. England im 19. Jahrhundert. Ein mysteriöser Rauch, die Frage nach Gut und Böse, darin zwei Heranwachsende.
Und die ersten 100 Seiten schienen mir auch genau das zu bieten. Wir lernen Charlie und Thomas kennen, die nicht nur beste Freunde sind, sondern eigentlich das Einzige sind, das der jeweils andere hat. Die Schule wird als eine erschreckende Institution beschrieben, mit dem Mitschüler Julius, der nachts alle zusammentrommelt und sie nach dem Zufallsprinzip auf ihre Sünden prüft. Doch dann naht Weihnachten. Thomas und Charlie machen sich zu Thomas' Onkel auf, und ab da geht die Geschichte, gelinde gesagt, den Bach runter.
Aber noch mal einen Schritt zurück, zu Thomas und Charlie. Vyleta hat mit ihnen nicht nur eine besondere, innige Freundschaft geschaffen, sondern auch ein Paar, das gegensätzlicher nicht sein könnte. Thomas' Eltern sind tot; sein Vater war ein Mörder, er fürchtet, ebenfalls der Sünde zu verfallen. Charlie hingegen ist in einem reichen Elternhaus aufgewachsen, seine Hemden sind quasi nie mit irgendwelchem Ruß (das Resultat des Rauches) befleckt. Ihre Freundschaft scheint unter schlechten Voraussetzungen zu stehen, doch in Wahrheit behandeln sie sich vorbehaltlos, erzählen sich alles und sind einfach füreinander da. Die Freundschaft der beiden war etwas, das mich durchweg durch das Buch beeindruckt hat.
"Du hättest es mir erzählen sollen. Ich bin dein Freund!"
[...]
"Ja. Aber wirst du es auch noch sein, wenn ich jemanden umbringe?"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Das Ganze hat aber eine Kehrseite. Eine ziemlich paradoxe, um ehrlich zu sein. Trotz der 600 Seiten, die das Buch fasst, hatte ich nach dem Zuschlagen der letzten Seite das Gefühl, nicht viel schlauer geworden zu sein - egal, auf welcher Ebene.
Wie gesagt: Vyletas Idee ist grandios. Aber es ist, als er hätte er einen Samen gepflanzt und wäre nie zurückgekommen, um die Ernte zu holen. Smoke ist eigentlich ein passender Titel, denn die Geschichte ist auch mehr Rauch als alles andere - die Idee einer Idee, eine Sammlung vieler Ansätze und nichts Handfestem. Obwohl sich Thomas, Charlie und Livia (auf die komme ich später noch zurück) auf die Suche nach Antworten begeben, "erhalten" sie diese nur mit Anführungszeichen. Bitten um Erklärung werden meist beantwortet, dass man es dem Fragenden "zeigen" werde, aber stattdessen bekommt man eine schwammige Vorführung und eine dürftige, ein paar Zeilen lange Erklärung. Selten habe ich mir bei Büchern eine längere Erklärung gewünscht, aber hier hätte ich selbst Infodumping mit offenen Armen empfangen. Dutzende, hunderte Seiten lang werden Fragen gehäuft und mehr oder weniger viel Spannung angesammelt... doch als Leser bleibt man in der Luft hängen.
Darunter gehört unter anderem die Frage, wie der Rauch ersteht - die Erklärung fand ich so an den Haaren herbeigezogen, dass ich mir lieber keine gewünscht hätte. Auch werden immerzu verschiedene Farben des Rauches beschrieben, deren Bedeutungen man nur erahnen kann. Es ist wirklich ein Jammer, und einer, der mich während des Lesens einfach an den Rand der Verzweiflung trieb. Ich frage mich immer noch, ob Vyleta einfach zu subtil gearbeitet hat, oder ob ich schlichtweg zu blöd war, um's zu verstehen.
Doch Zweidimensionalität ist auch bei Charlie und Thomas zu finden. Obwohl man sich mit dem Charakter der Jungen ausgiebiger beschäftigt, wird ihre Vergangenheit höchstens im Nebensatz erwähnt. Als wären sie mit 16 Jahren auf das Papier getreten und hätten nur vage Schatten hinter sich. Wieder war ich frustriert.
Ich kann leider auch verallgemeinernd sagen, dass die Motivation sämtlicher Charaktere ein bisschen rätselhaft ist und bleibt. Wer auf welcher "Seite" ist bzw. wer für was kämpft, wurde mir bis zum Ende nicht klar.
Mein größter Kritikpunkt, den ich in anderen Rezensionen so noch gar nicht gesehen habe (was mich schockiert), ist jedoch die Liebesgeschichte bzw. die weiblichen Charaktere in Smoke. Kurz gefasst: Es wird eine junge Frau, Livia, eingeführt, in die sich tatsächlich sowohl Charlie als auch Thomas verlieben - und vice versa. Es geht mir aber weniger um die Dreiecksgeschichte (obwohl die allein mich schon zur Weißglut bringen könnte) als um die Art und Weise, wie sie beschrieben wird.
"Was hältst du von ihnen?"
[...]
"Die Mutter ist ganz Parfüm und Charme. Und die Tochter [Livia]-"
"Teerseife und Gebetsbücher!"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Grundsätzlich gibt es keine Frauenfigur in Smoke, bei der nicht an irgendeinem Punkt das Aussehen kommentiert oder die als Verführerin dargestellt wird. Hier noch einmal Livia, die einem Mann ihre Wange anbietet:
"Möchten Sie mich küssen? Nur zu. Ihre Frau wird es nie erfahren."
Er tut es, flüchtig, schüchtern wie ein Kind.
"Oh, Sie Wüstling!"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Auch Thomas' Gedanken werden meiner Meinung nach sehr bedenklich dargestellt:
Wie leicht es ihr mittlerweile zu fallen scheint, ihn anzufassen. Der Gedanke macht ihn wütend.

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Und das sind nur ein paar wenige ausgewählte Beispiele. Ich habe dutzende Bemerkungen im Buch gefunden, manche noch erschreckender als die anderen. Solche Äußerungen sind schlichtweg erschreckend und sollten nicht in einem Buch stehen. Vor allem sollten sie niemandem als Vorlage dienen (können).
Ich muss generell eine Warnung für das Buch aussprechen, denn zum einen gibt es ein paar (wenn auch realitätsferne) explizite Szenen, in denen Gewalt angewandt wird. Außerdem gibt es tatsächlich eine Stelle, in der ein Charakter von selbstverletzendem Verhalten spricht bzw. dieses beschreibt. Um niemanden zu triggern, werde ich die Stelle nicht zitieren.
Wenn ich Dan Vyleta eines lassen muss, dann ist es der Schreibstil. Grundsätzlich ist der Aufbau des Buches sehr neuartig - es wird abwechselnd aus der dritten Person Präsens und der ersten Person Präsens eines Nebencharakters erzählt. Das habe ich nie so gesehen; vor allem funktioniert es bei Smoke sehr gut und bringt Abwechslung in das teils zähe Geschehen mit hinein. Und Vyleta kann wirklich fantastisch schreiben. Er flicht Weisheiten in seinen Text, die man einfach nur abnicken möchte.
Worte sind wie Rauch, entdecke ich: Lässt man sie erst einmal hinaus, vermehren sie sich unkontrolliert.

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Aber der Schreibstil rettet auch nicht über die Probleme des Buches hinweg. Und niemals über die tiefergehenden, über die Äußerungen, die einfach nur noch erschreckend sind. Smoke soll ein Buch über Moral sein, über Gut und Böse,  und das ist es auch die ersten hundert Seiten lang. Es ist nur irgendwie vom Weg abgekommen und ins Abseits gerutscht.

Fazit
Smoke ist mehr Schein als Sein. Die Idee, die ersten einhundert Seiten und der Schreibstil des Autors können was. Der Rest wird nur oberflächlich angekratzt; Charaktere und Geschichte bleiben zweidimensional und ziehen sich gewaltig. Was letztendlich den Ausschlag gab, sind bedenkliche Aussagen, die sich durch das Buch hindurchziehen - keine Empfehlung von mir. Solche Bücher sollte man nicht unterstützen.


Smoke ⚬ Paperback: 624 Seiten ⚬ carl's books ⚬ Einzelband ⚬ 16,99€ ⚬ Kaufen?

Vielen Dank an carl's books für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Weitere Meinung: booktraveler

Mittwoch, 15. März 2017

[Rezension] We Are Okay - Nina LaCour


Inhalt
Marin ist nach dem Tod ihres Großvaters regelrecht geflohen. Nichts außer ihrem Handy und ihrem Geldbeutel hat sie mit nach New York genommen, und erst recht hat sie mit niemandem aus ihrem alten Leben gesprochen. Jetzt ist Weihnachten, und Marin bleibt als Einzige in ihrem Wohnheim über die Ferien.
Vor allem kommt Mabel - Marins beste Freundin - zu Besuch, und Marin bleibt nichts anderes übrig, als sich Stück für Stück ihrer Vergangenheit zu stellen.

Meine Meinung
Das Cover von We Are Okay hat mich fast schon verfolgt - egal, wo ich im Internet unterwegs war, immer wieder schien ich darüber zu stolpern. Dann stand ich im Buchladen vor einem Exemplar, und einen Augenblick später an der Kasse. Ich wusste lediglich, dass es sich um ein Jugendbuch handelt und dass LaCours Schreibstil grandios sein soll, als ich mit dem Buch begann - und das reichte vollkommen aus.
We Are Okay ist nicht vom Plot getrieben. Es ist ein Buch, das vom Zwischenmenschlichen lebt, von Gefühlen und Beziehungen und noch mehr Gefühlen. Die Kapitel wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die sich im Laufe des Buches annähern, und es wird durchgängig aus Marins Sicht erzählt.
Anfangs fiel es mir noch etwas schwer, in die Geschichte reinzukommen - gerade, weil es eben nicht auf Action zielt, sondern der Ton eher sanfter, langsamer ist. Ich fragte mich immer wieder, wohin die Erzählung führen soll, was die verschiedenen Passagen bedeuten. Erst nach ein paar Kapiteln erkannte ich den roten Faden, die Motive, die sich durch das Buch ziehen - Freundschaft und Familie im Vordergrund, aber auch Einsamkeit und Trauer.
Ab da war ich vollkommen in der Geschichte gefangen. We Are Okay hat gerade mal 230 Seiten, man kann das Buch - und das kann ich nur empfehlen - locker in ein paar Stunden lesen. Und Nina LaCours Schreibstil ist wirklich grandios, wird den Lobpreisungen voll und ganz gerecht. Jedes Wort ist richtig platziert, und ein Großteil traf mich mitten ins Herz. Mehrmals standen mir die Tränen in den Augen, teils auch, weil ich Marins Gefühle - als sie diese dann zulässt - sehr gut nachvollziehen konnte.
"I was okay just a moment ago. I will learn how to be okay again."
(Nina LaCour, We Are Okay)
Wie oben schon angedeutet, behandelt We Are Okay eine Vielzahl von Themen, die trotz des Schwerpunkts auf Marins Gedankenwelt nicht zu kurz kommen. Auch ihre beste Freundin Mabel und die Vergangenheit der beiden wird ausreichend beleuchtet, genauso wie die Geschichte von Mabels Großvater. Zum Ende hin warteten sogar noch mehrere Überraschungen auf den Leser, die ich so nie erahnt hätte.
We Are Okay ist außerdem ein weiteres tolles Beispiel für Diversität: Mabel ist Spanierin, und LaCour flicht ihre Kultur geschickt und sensibel ein, außerdem ist die Protagonistin Marin homosexuell. Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass das Thema Sexualität nicht explizit diskutiert wird, sondern einfach als selbstverständlich dargestellt wird. Ich kann für die Art der Darstellung nicht sprechen, da Nina LaCour allerdings selbst mit einer Frau verheiratet ist, denke ich, dass sie das Thema korrekt repräsentiert haben wird.
Letztendlich war We Are Okay viel zu schnell vorbei, und es kochten immer noch viel zu viele Gefühle in mir. Das Buch hat einfach irgendetwas in mir getroffen, und ich werde es eines Tages noch mal zur Hand nehmen und Marins Geschichte ein weiteres Mal durchleben müssen.
We Are Okay mag mit leisen Tönen sprechen - aber es hinterlässt einen lauten Nachklang.

Fazit
We Are Okay ist das erste Buch, das ich von Nina LaCour gelesen habe, aber es wird definitiv nicht das letzte sein. Mit unglaublichem Feingefühl erzählt die Autorin Marins Geschichte und bringt nicht nur eine Vielfalt von Themen in die Erzählung, sondern schafft es wieder und wieder, den Leser zu berühren. Ein tolles Buch, das vom Zwischenmenschlichen lebt und es sich zu Eigen macht.


We Are Okay ⚬ Taschenbuch: 240 Seiten ⚬ Dutton Books for Young Readers ⚬ Einzelband ⚬ ca. 9,99€ ⚬ Kaufen?
  

Mittwoch, 1. März 2017

[Rezension] My Not So Perfect Life - Sophie Kinsella


Inhalt
Cat ist 26 und hat sich ihren Traum erfüllt: Sie lebt nicht nur in London, sondern hat auch einen tollen Job und zeigt all dies auf ihrem Instagram-Feed.
Okay, vielleicht bleibt der Spitzname "Cat" nicht ganz hängen und alle nennen sie immer noch Katie, ihre Wohnung ist eine WG mit schrägen Mitbewohnern, im Job wird sie von ihrer Chefin Demeter tyrannisiert und ihr Instagram ist eine einzige Lüge.
Doch dann schlägt ihr Leben eine ganz andere Richtung ein...

Meine Meinung
Vor My Not So Perfect Life hatte ich zwei andere Bücher von Kinsella gelesen, und beide sehr gerne gemocht. Ich war umso aufgeregter, als ich ihr neues Buch in den Händen hielt: Die Geschichte könnte nicht aktueller sein, befinden wir uns doch gerade in einer Phase, in der die kollektive Erkenntnis, dass die sozialen Medien eben nicht die Realität widerspiegeln, einsetzt. Deshalb war ich sehr gespannt, was Kinsella aus dem Thema macht.
Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass Katie sich konstant selbst belügt - oder sich zumindest die Dinge schönredet: Die ewig lange und anstrengende Pendel-Strecke, die teils erniedrigenden Aufgaben, die sie für ihre Chefin erledigen muss - all das sei ja nicht so übel, schließlich habe sie ihren Traumjob in ihrer Traumstadt, endlich weg von dem Landleben, dem sie ihr Leben lang entfliehen wollte. Die Geschichte wird aus Katies Sicht in der ersten Person erzählt, aber leider schweifen Katies Gedanken schon auf den ersten Seiten ins schier Unermessliche ab. Das erste Kapitel besteht zu Großteilen aus Hintergrundgeschichten und ewigen Gedankengängen und wird dadurch immens in die Länge gezogen - in der Gegenwart passiert nämlich kaum etwas. Das ist mir im Laufe des Buches zwar nicht mehr so oft, leider aber oft genug negativ aufgefallen. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass My Not So Perfect Life knappe 100 Seiten weniger vertragen könnte. Vieles zieht sich einfach oder wird unnötig breitgetreten.
Auch mit Katie kam ich weniger gut klar. Am Anfang habe ich sie noch ein wenig verstehen können: Ich denke, wir alle würden versuchen, uns die Dinge schönzureden, wenn unsere Träume plötzlich zu Alpträumen zu tendieren drohten. Aber als dann alles noch schiefer läuft als zuvor, und Katie zwischenzeitlich auf der Farm ihres Vaters und dessen Freundin aushilft, entdeckt man als Leser eine fast schon... bösartige Seite an ihr. Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen, um Spoiler zu vermeiden - es war einfach hässlich. Gegenüber Kunden verhält sie sich schlichtweg unprofessionell und bringt Aktionen, die nicht mehr witzig, sondern nur noch traurig und bemitleidenswert sind. Ab dem Moment war sie bei mir leider unten durch - gerade in Anbetracht der Tatsache, dass sie in verschiedenen Situationen mehr als glimpflich davon kommt.
Viel mehr dagegen mochte ich Katies Chefin Demeter, was absurd klingt, gerade, weil sie zu Anfang der Geschichte sehr stereotypisch und schwarz-weiß dargestellt wird. Im Laufe des Buches ist allerdings gerade sie diejenige, die am meisten Entwicklung hinlegt und in deren Innenleben man den besten Einblick bekommt. Wenn es ein Highlight des Buches gab, dann definitiv Demeter.
Eine Liebesgeschichte gibt es - natürlich - auch. Sie war subtil und nett genug gestaltet, um mich nicht weiter zu stören, wurde aber am Ende so präsent gemacht, so erzwungen, dass sie mir eher nur ein weiterer Dorn im Auge war. Der Fokus wurde einfach auf brutale, unpassende Weise verschoben, wenn man mich fragt.
Glücklicherweise hat Kinsella plottechnisch noch etwas gutmachen können: Gerade in den letzten Zügen des Buches gibt es tatsächlich einen genial gestalteten Plottwist, der im Laufe der Geschichte so dezent eingeführt wurde, dass man ihn erst rückblickend begreifen konnte - dieses Element, das ich wirklich überhaupt nicht erwartet hatte, hat der Geschichte dann doch noch etwas Besonderes gegeben, was mir sehr gut gefallen hat.
Und - das muss man Sophie Kinsella lassen - die Moral der Geschichte ist definitiv eine wichtige, wie schon oben angedeutet. Nur weil der Instagram-Feed perfekt ist, muss es noch lang nicht das Leben der Person dahinter sein.

Fazit
My Not So Perfect Life war leider ein weniger perfektes Buch und definitiv schwächer als die anderen zwei Werke (Finding Audrey und Remember Me?), die ich bisher von Kinsella kennenlernen durfte. Ich kam mit der Protagonistin nicht wirklich klar, und die Erzählung wies darüber hinaus einige Längen auf. Dennoch mochte ich die Idee dahinter, und die Moral, dass vieles mehr Schein als Sein ist, ist definitiv eine, die wir uns alle vor Augen halten sollten.


Vielen Dank an Lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

My Not So Perfect Life ⚬ Hardcover: 400 Seiten ⚬ Bantam Press ⚬ Einzelband ⚬ ca. 20€ Kaufen?

Samstag, 25. Februar 2017

[Rezension] Wing Jones - Katherine Webber


Inhalt
Wings Leben war bisher schon alles andere als einfach. Mit einer ghanaischen und einer chinesischen Großmutter wird ihr Aussehen immer wieder zum Inhalt verbaler Angriffe ihrer Mitschüler. Ihr einziger Lichtpunkt in ihrem Leben: Ihr Bruder Marcus, einer der besten Footballer der Schule und der "Star" der Familie, und sein bester Freund Aaron. Doch dann wird ihre Familie von einer Tragödie getroffen, und die Jones' stehen plötzlich vor noch viel größeren Problemen. In der bisher dunkelsten Zeit ihres Lebens entdeckt Wing ihr Lauftalent...

Meine Meinung
Es fiel mir sehr schwer, eine Inhaltsangabe von Wing Jones zu schreiben. Einerseits liegt das daran, dass mir selbst beim Lesen nicht ganz so klar war, wo die Geschichte hinwill - andererseits ist aber auch die Fülle von Themen "schuld", auf die ich später noch zurückkommen werde. Deshalb wundert euch nicht, wenn etwas bewusst vage klingt; ich will euch bloß nicht so viel vorwegnehmen.
Können wir zuallererst bitte darüber reden, was für ein absoluter Hingucker das Buch ist? Dieser Farbverlauf ist ein Traum! Ich bin immer noch ganz verliebt, hach. (Aber allein schon die Schrift auf dem Cover als Schnürsenkel ist super cool!)
Primär soll es aber um den Inhalt des Buches gehen. ;) Wie oben schon angedeutet, ist Diversität* in Wing Jones unglaublich präsent - eigentlich ist es seit Crooked Kingdom das erste "ordentlich" diverse Buch, das ich gelesen habe. Wing hat ghanaische und chinesische Wurzeln, aber auch Marcus' bester Freund Aaron ist schwarz; es ist die Rede von einer jüdischen Kindheitsfreundin Wings, und im Laufe des Buches lernen wir auch ein lesbisches Paar kennen. Gleichzeitig hat Webber die 1990er als Schauplatz gewählt: Wings (schwarzer) Vater fiel Rassismus zum Opfer, auch in der Schule kriegt Wing immer wieder blöde Kommentare zu hören, wegen ihres Aussehens, wegen ihres Gewichts... Webber porträtiert eine traurige Realität (die auch heute noch präsent ist) - und sie macht es verdammt gut.
Wing selbst ist mit fünfzehn Jahren eine noch relativ junge Protagonistin. Umso schockierender ist es, zu lesen, was sie bereits alles erleben musste - und jetzt in diesem Moment erlebt. Sie versucht immer, sich klein zu machen, kann aber dem großen Drama doch nicht ergehen, als ihre Familie von einem Schicksalsschlag getroffen wird. Mit einem Mal wächst die Vielfalt an Themen im Buch noch weiter: Familie, Schuld, Moral, Liebe, Freundschaft, Laufen - all das und noch so viel mehr wird thematisiert. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, und das ist etwas, was mir an dem Buch sehr gefiel. 
Leider wird im offiziellen Klappentext der Fokus auf Wings Laufen gelegt, was meine persönliche Leseerfahrung etwas trübte. Ich erwartete einfach mehr, was ich letztendlich erhielt, traf schlichtweg nicht darauf zu. Es dauert einen gesunden Teil des Buches, bis Wing das Laufen für sich entdeckt, und auch dann ist es nur kurze Zeit sehr positiv dargestellt. Irgendwann wird es mehr zum Mittel, um ein bestimmtes Ziel (das ich nicht spoilern möchte) zu erreichen - und das ist sehr schade; fast so erschreckend wird es, als Wings Training krankhafte Ausmaße annimmt. Ich vermisste die euphorische Darstellung, die Wing am Anfang verspürte.
Grundsätzlich gab es ein paar Aspekte im Buch, die mich gestört haben. Zum Beispiel Wings Löwin und ihr Drachen - ja, ihr habt richtig gehört. Bereits im ersten Kapitel werden zwei imaginäre Wesen eingeführt, die Wing immer wieder in ihrem Leben begleiten, die sie hinaus in die Nacht locken und seltsame Dinge tun lassen. "Seltsam" ist für mich wirklich das passende Wort hier - ich habe bis zum Ende nicht verstanden, was das sollte, fand es schlichtweg schräg.
Auch die Liebesgeschichte im Buch konnte mich nicht überzeugen. Die Beschreibungen sind einfach viel zu schwülstig gewesen, gerade für eine Fünfzehnjährige - seitenlang ging es darum, wie schnell ihr Herz schlug, dass sie an nichts anderes außer an ihn denken konnte und so weiter und so fort. Themenvielfalt okay - aber das war für mich einfach too much. Letztendlich war das so überwältigend, dass die vom Unfall betroffene Person, die Wings Entwicklung überhaupt erst ausgelöst hat, komplett in den Hintergrund rückte und ich nur noch genervt war.
Mein letzter Kritikpunkt ist das Ende - nach Längen innerhalb des Buches hatte ich als Leser das Gefühl, abrupt abgespeist zu werden. Viel zu viele Fragen waren für mich noch offen, und ich war einfach unbefriedigt.
Ich hatte allerdings wirklich zahlreiche gute Momente mit Wing Jones - wie bereits erwähnt, die Diversität ist ein großer Pluspunkt, und auch der Schreibstil transportierte die Geschichte sehr gut. Besonders mochte ich, dass die Familie nicht außen vor gelassen wurde, sondern wirklich in die Geschichte integriert war, und dass auch das Thema Freundschaft im Laufe des Buches immer wichtiger wurde.
Was ich bisher so von Wing Jones mitgekriegt habe, war durchweg positiv - meine Meinung fällt also etwas aus dem Raster. Vielleicht kann es euch ja mehr überzeugen als mich; es ist auf jeden Fall ein Buch, das sehr, sehr viele wichtige Dinge anspricht.

Fazit
Wing Jones ist ein Young Adult-Buch, das nicht in das übliche Muster passt - und das ist positiv gemeint. Diversität ist groß geschrieben, und auch eine gewaltige Vielfalt an Themen wird im Laufe des Buches angesprochen. Ich hatte zwar vereinzelte Probleme mit dem Buch, bin letztendlich aber dennoch froh, Wing und ihre Familie kennengelernt zu haben.


Wing Jones ⚬ Taschenbuch: 384 Seiten ⚬ Walker Books ⚬ Einzelband ⚬ ca. 8,99€ ⚬ Kaufen?

* Einen grandiosen Artikel, weshalb Diversität so wichtig ist, hat Sanne vom Papierplanet geschrieben.

Mittwoch, 22. Februar 2017

[Rezension] Traitor to the Throne - Alwyn Hamilton

Da es sich hierbei um einen zweiten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.


Inhalt
Es ist über ein halbes Jahr vergangen, seitdem Amani bei den Rebellen ein Zuhause gefunden hat. Ahmeds Botschaft verbreitet sich langsam, aber sicher - wenn auch nicht ohne Rückschläge. Auch Amanis Weltbild wird erneut erschüttert, als sie gekidnappt wird und in den Fängen des Sultans höchstpersönlich landet. Stück für Stück kommt sie hinter die Pläne des Mannes, gegen dessen Herrschaft sie kämpft, und muss feststellen, dass diese größer und wahnsinniger sind als sie jemals hätte ahnen können.

Meine Meinung
Traitor to the Throne gehört ebenfalls zu den Büchern, deren Erscheinen ich dieses Jahr kaum erwarten konnte. Und - so viel kann ich vorwegnehmen - es hat mich nicht im Geringsten enttäuscht.
Das Buch setzt einige Monate nach den Geschehnissen im letzten Band ein. Ein erstes, zusammenfassendes Kapitel klärt darüber auf, was in der Zwischenzeit vorgefallen ist. Dann sind wir zurück im Geschehen, das wieder aus Amanis Perspektive erzählt wird - und Leute, ich verrate euch nicht zu viel, wenn ich sage, dass Amani in diesem Teil noch mehr Biss hat.
Ich habe Amani im ersten Band geliebt; jetzt, nach Traitor to the Throne, vergöttere ich sie schon fast. Ihre Entschlossenheit, ihre Fähigkeit, einen kühlen Kopf auch in brenzligen Situationen zu behalten, ihre sarkastischen Kommentare - all das ist präsenter denn je. Doch Hamilton zeigt auch, dass Amani eben nicht perfekt ist. Amani selbst sagt es - dass sie zum Beispiel immer noch sich zuerst retten würde, dass es ihr nicht gelingt, so selbstlos zu sein, wie sie manchmal gern sein würde.
Gleichzeitig ist sie unabhängig - natürlich bewegt sie sich in einem Netzwerk von Freunden (ich werfe hierbei einen intensiven Blick auf Shazad, die fast die verborgene Heldin der Geschichte ist) und bändelt auch mit Jin an, doch das ist alles nicht so überwältigend. Gerade die Romanze (was auch teils daran liegt, dass Jin in diesem Band kaum anwesend ist) ist einfach so schön dezent, sie überwiegt nicht die ganze andere Handlung und strotzt auch nicht vor schwülstigen Liebesgeständnissen. Ich liebe einfach die Charaktere, alte und neue, die wir in Traitor to the Throne kennenlernen - und was für welche!
Was ich besonders an dem Band liebte, war die Tatsache, dass der Sultan auftritt - mehr als nur einmal, er nimmt zeitweise eine große Rolle in Amanis Leben ein, prägt ihre Gefangenschaft im Harem sehr. Der Sultan ist der große Endgegner - derjenige, den Ahmed stürzen will. Zu den Anschuldigungen bekommen wir plötzlich ein Gesicht, und nicht nur das: Wir bekommen eine dreidimensionale Figur, einen Mann, der mehr als nur ein Bösewicht ist, sondern ein Charakter mit Tiefen, wie man sie kaum erahnen kann. Ich war fasziniert, so fasziniert - generell von dem ganzen Einblick ins Innere des Harems, der uns geboten wurde. Ich würde gerne mehr sagen, doch das ist kaum möglich, ohne zu spoilern - aber glaubt mir: Alwyn Hamilton hat so einiges in petto, und vor allem trampelt sie ausgiebig auf den Leserherzen herum.
Grundsätzlich wird der Weltenbau in Traitor to the Throne weiter ausgearbeitet; einerseits kriegen wir mehr von der Welt zu sehen, andererseits werden aber auch so viele Legenden mehr erzählt, die sich Stück für Stück in das Bild einer Welt einfügen, die trotz ihrer Fremdheit sehr vertraut wirkt. Nicht zuletzt "schuld" daran ist Hamiltons Schreibstil, der sich nicht mit überflüssigen Beschreibungen aufhält, sondern auf den Punkt kommt und einfach... erzählt.
Traitor to the Throne misst fasst 600 Seiten - und es gibt keine einzige, die ich nicht geliebt habe. Das Buch hat mich zum Lachen gebracht, es ließ mir den Atem stocken und ja, mir kamen auch die Tränen. Ein grandioser Folgeband zu einem fantastischen Debüt.

Fazit
Traitor to the Throne steht Rebel of the Sands in nichts nach, im Gegenteil - es übertrifft seinen Vorgänger um Längen. Hamilton begeistert mit neuen Charakteren, einer fantastischen Protagonistin und fesselnden Plottwists. Wer Rebel of the Sands liebte, wird Traitor to the Throne vergöttern!


Traitor to the Throne ⚬ Taschenbuch: 592 Seiten ⚬ Faber & Faber ⚬ Reihe: 2/3 ⚬ ca. 6,99€ ⚬ Kaufen?

Mittwoch, 15. Februar 2017

[Rezension] And I Darken - Kiersten White


Inhalt
Lada und Radu könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie ist brutal, schonungslos, eifert ihrem Vater nach. Er ist zart, verletzlich, sensibel, will am liebsten nicht bemerkt werden. Die Kindheit der beiden nimmt eine abrupte Wendung, als sie ihrer Heimat Wallachia entrissen werden, um im Osmanischen Reich aufgezogen zu werden. Umso älter sie werden, desto größer wird auch das Netz aus Intrigen und Geheimnissen um das ungleiche Geschwisterpaar...

Meine Meinung
Ich habe die Inhaltsangabe bewusst grob und vage gehalten, da ich der festen Überzeugung bin, dass man lieber etwas ahnungsloser an ein Buch herangeht als umgekehrt. Und gerade die offizielle Inhaltsgabe von And I Darken verrät so einiges, das wirklich erst nach einem guten Stück des Buches passiert.
Zugegeben liegt das zum Teil daran, dass in And I Darken eine Zeitspanne von 16 Jahren abgedeckt wird und, das möchte ich gleich vorwegnehmen, die Charaktere die treibende Kraft sind, nicht der Plot. Es hatte ein paar The Song of Achilles-Vibes, was ein Grund war, weswegen ich mich gleich wohl fühlte.
Die Geschichte spielt erst im Fürstentum Walachei, dann im Osmanischen Reich... und zu einer Zeit (um 1400 herum), die mir völlig fremd war - und gleichzeitig nicht. Kiersten White gelingt es, mit viel Liebe zur Detail all diese fremden Welten zu erschaffen. Verschiedenste Sitten und Bräuche, ganze Religionen sind geschickt in die Geschichte eingeflochten - selbst ein Glossar gibt es (das ich leider viel zu spät entdeckt habe). Ich bin jemand, der leicht den Überblick verliert, gerade bei vielen Namen und Ämtern und Kulturen, die ich nicht kenne, von daher war ich angenehm überrascht und vor allem nur selten verwirrt. ;)
Aber auch wenn die Beschreibung der Welt ein Teil des Romans ist, so sind die Charaktere, wie bereits angedeutet, doch einfach das Kernstück der ganzen Erzählung. Ich meine, gerade Lada und Radu begleiten wir von ihrer Geburt an! Und ich kann nicht mal ansatzweise beschreiben, wie fasziniert ich sowohl von ihrer Entwicklung als auch von ihrer Komplexität bin. Bei den Geschwistern handelt es sich um keine Figuren, die man unbedingt mag oder zumindest nicht liebt - aber sie sind einfach so unglaublich interessant. Lada mit ihren brutalen Zügen und unbeschreiblicher Determination, Radu, der lernt, ein anderes Spiel zu spielen, um zu überleben. Gleichzeitig flicht White weitere Themen ein; zum Beispiel Radus Homosexualität, mit der er immer wieder anstößt, Fragen nach Moral, Politik, Krieg. And I Darken mag als Young Adult vermarktet werden, doch es ist düster und komplex und ganz sicher keine leichte Lektüre.
Radu, Lada und Mehmed (ein ostmanischer Thronfolger, der erst im Laufe der Geschichte eingeführt wird) basieren alle auf realen Figuren, Lada insbesondere auf Vlad dem Pfähler; in diesen Teil der Vergangenheit habe ich mich erst hinterher etwas eingelesen und bin fasziniert von Whites Parallelen, vielmehr aber auch von den Interpretationen, die sie vorgenommen hat.
Es gab rückblickend nur ein paar Kleinigkeiten, die mich daran hinderten, dieses Buch zu lieben: Stellenweise war es einfach zu langsam, vor allem nach der Hälfte schleppte es sich ein wenig. Außerdem konnte ich Mehmed, der trotz seiner späten Einführung zu einem zentralen Charakter wird (wer's wissen will, kann es in der Kurzbeschreibung nachlesen), nicht so gut leiden wie Radu und Lada. Mehmed bleibt einfach etwas blass, etwas sprunghaft und gleichzeitig undurchsichtig, was zumindest stellenweise daran liegt, dass wir schlichtweg keine Szenen aus seiner Sicht bekommen haben - aber wer weiß, vielleicht kann ich mich ja im zweiten Band vollends für ihn erwärmen. Denn die Fortsetzung Now I Rise erscheint - zum Glück! - schon Ende Juni.
Letztendlich bin ich einfach froh, dass ich zu And I Darken gegriffen habe. Das Buch lag wieder einmal etwas außerhalb meiner Komfortzone, und wieder einmal habe ich diesen Ausbruch definitiv nicht bereut. Sehr empfehlenswert!

Fazit
And I Darken ist ein gelungener Auftakt zu einer Trilogie, die mit einem spannenden historischen Setting und vor allem mit unglaublich faszinierenden Protagonisten überzeugt. Eine klare Empfehlung meinerseits!


And I Darken ⚬ Taschenbuch: 496 Seiten ⚬ Band 1/3 ⚬ Delacorte Press Books for Young Readers ⚬ ca. 7,99€ ⚬ Kaufen?


Samstag, 4. Februar 2017

[Rezension] Heartless - Marissa Meyer


Inhalt
Der unverheiratete König hat Interesse an Catherine - für jedes andere Mädchen wäre dies ein Grund zur Freude. Catherines Leidenschaft liegt jedoch beim Backen, ihr Traum ist es, zusammen mit ihrer Magd Mary Ann eine Bäckerei zu eröffnen.
Als Catherine auf einem Ball begreift, dass der König ihr gleich in aller Öffentlichkeit einen Heiratsantrag machen wird, entflieht sie den Festivitäten - und stolpert in die Arme Jests, der Joker des Königs. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebe, und Cath ist fest entschlossen, ihre Zukunft eigenhändig zu gestalten... doch das Schicksal hat andere Pläne.

Meine Meinung
Bevor ich in meine Lobeskapaden ausbreche, einen kleinen Disclaimer: Ich habe weder Alice im Wunderland gelesen noch irgendeine Filmadaption gesehen -  schlug also mit nahezu keinem Vorwissen Heartless auf.
Denn Heartless ist nicht nur irgendeine Geschichte; sie ist eine Vorgeschichte der Königin der Herzen, oder vielmehr Meyers eigene Interpretation davon. Für mich war das Ganze besonders schräg; ich bin Alice im Wunderland bisher nicht nur entgangen, ich habe es regelrecht gemieden, wirkte es immer etwas befremdlich auf mich. Heartless habe ich vordergründig wegen der Autorin erworben, wegen meiner Neugier, was sie wohl als Nächstes zu Papier gebracht hat - ich hatte somit keinerlei Erwartungen, als ich an das Buch heranging.
Und ich hatte auch keine Ahnung, was mich erwarten würde. Vom ersten Kapitel an begegnet man als Leser einer ganz besonderen, wundersamen Welt mit sprechenden Hasen, Kartensoldaten und allerlei weiterer wundersamer Bewohner. Meistens ist es so, dass die Hauptfigur selbst neu in solch einer Welt ist; hier allerdings waren alle mit den Begebenheiten vertraut und ich war die "Fremde", die, die sich umsah, sich wunderte, sich mit einer ganz neuen Welt vertraut machte.
Das ist alles bewusst so gewählt - denn Meyers Schreibstil ermöglichte es mir ohne weiteres, die Welt und ihre Bewohner nachzuziehen. Vor meinen Augen erstanden Cheshire, der Laden des Hutmachers, Jest mit seinem Raben als Begleiter, als hätte ich sie mein ganzes Leben lang schon gekannt.
Zu Anfang überwiegt auch die locker-leichte Atmosphäre des Buches - wir schweben in den Düften von Caths Zitronentarts und bissigen Austauschen mit Cheshire.
"Are you here for a reason, Cheshire?"
"Why, yes, I would enjoy a cup of tea. I take mine with lots of cream, and no tea. Thank you."
(Marissa Meyer, Heartless, S. 199)
Schnell aber schwindet diese Atmosphäre, und das Buch wird immer düsterer, düsterer, düsterer - in Dimensionen, die sich nicht mehr mit den Lunar Chronicles vergleichen lassen.
Inmitten all dem ist natürlich vorrangig Catherine - eine Protagonistin, die ich so noch nie gelesen habe, die ich aber doch schnell ins Herz schloss. Ich konnte mich unglaublich gut mit ihr identifizieren, und kann mir vorstellen, dass ich damit nicht die Einzige bin. Ihr Traum von der Bäckerei ist quasi unmöglich, da ihre Eltern strikt dagegen sind, und doch hört sie nie auf zu träumen - sie schafft den Schritt vom Traum zur Wirklichkeit jedoch nur so halb, ist letztendlich irgendwie eine Gefangene der Gesellschaft. Die ganze Zeit über bleibt die Frage, ob es ihr gelingt, auszubrechen.
Auf der anderen Seite ist Jest. Jest ist einer dieser männlichen Charaktere, die eine oberflächliche Nonchalance mit sich bringen, und ehe ich mich versah, grinste ich nur noch wegen der Gespräche der beiden. Sie haben eine wundervolle Dynamik zusammen, und obwohl von Anfang an klar ist, dass es eine Liebesgeschichte geben wird, so streckt sich diese über das Buch aus und ist einfach herzerwärmend. Ich kann es nicht anders beschreiben - es ist, als wäre Heartless zu einem Zeitpunkt in mein Leben gekommen, in dem ich es dringend benötigte.
"She shuddered. 'No, it wasn't Raven. It was... I thought I saw... nothing.'
'I see nothing all the time.'
'As I said before, it was very warm inside, that's all. And I've barely eaten all day.'
'No doubt the corset of tortures didn't help.'
Her scowl deepened. 'A lady's undergarments are not a suitable topic of conversation.'
He raised his hands in surrender. 'Only a theory, my lady. I'm sure your lack of sustenance is much more the culprit. Here.' He reached for a pouch at his belt and retrieved a chocolate. 'I was saving this for later, and so I must have been saving it for you.'
(Marissa Meyer, Heartless, S. 56)
Auch die Nebencharaktere sind alle ein Faszinosum in sich - der Hutmacher, der König, selbst Caths Eltern. Alle sind durch ihre eigenen Charakteristika gekennzeichnet und, obwohl nicht durchgehend liebenswert, passen sich perfekt in dieses wundersame Gefüge ein.
Wie ich oben schon erwähnt habe, ist Heartless nicht durchweg eine leichte Geschichte. Spätestens ab der Hälfte des Buches schnürte sich mir immer öfter und öfter die Kehle zu, als sich Ahnungen anbahnten, eine düstere als die andere... Und tatsächlich löste das Buch einen Haufen Emotionen aus, von Trauer über Wut bis zu mehr Trauer, ehe ich es zuschlug und einfach gar nicht mehr wusste, was ich fühlen sollte. Auch jetzt muss ich immer noch an die Geschichte denken und kann gar nicht glauben, was Meyer mir damit angerichtet hat - vor allem bei einem Buch, von dem ich keinerlei Erwartungen hatte. Heartless hat mir definitiv mein Herz gestohlen.

Fazit
Mittlerweile glaube ich, dass es nichts gibt, das Marissa Meyer nicht schreiben kann. Der Einzelband Heartless hat mich mit der wundersamen Welt, in der er spielt, und den noch wundersameren Charakteren von der ersten Seite an überzeugt und mich unglaublich berührt. Ein grandioses Werk!


Heartless ⚬ Taschenbuch: 453 Seiten ⚬ Einzelband ⚬ Feiwel and Friends ⚬ ca. 7,99€ ⚬ Kaufen?

Samstag, 28. Januar 2017

[Rezension] Windwitch - Susan Dennard

Da es sich hierbei um den zweiten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!


Inhalt
Merik Nihar sollte tot sein. Doch er überlebt die Explosion seines Schiffes und macht sich auf die Suche nach dem Verräter.
Safi und Vaness werden ebenfalls von einer Attacke auf ihr Schiff überrascht. Auch ihnen gelingt es, zu fliehen... nur um in die Fänge von jemand ganz anderem zu geraten.
Iseult macht sich auf die Suche nach Safi, ihrer Strangschwester, doch ihr Weg kreuzt sich mit Aeduans. Die beiden schließen eine Allianz, die unmöglich halten kann - und es doch irgendwie tut.
Doch die Konflikte zwischen den Charakteren sind längst nicht die einzigen, die brodeln - und auch die Abgründe in ihnen sind tiefer als erwartet...

Meine Meinung
Windwitch war eines meiner meistantizipierten Bücher dieses Jahres - und, so viel kann ich vorwegnehmen, auch wenn es mich nicht umgehauen hat, so war es definitiv keine Enttäuschung!
Laut der offiziellen Inhaltsangabe steht Merik im Mittelpunkt des Buches, aber so ganz kann ich das nicht bestätigen. Ist wohl auch gut so, denn Merik war einer der Charaktere im Buch, die mich am wenigsten überzeugt haben. Er wirkte distanziert und abweisend; so sehr ich mich auch bemühte, gelang mir kaum ein Einblick in seinen Kopf. Und seine Begleiterin Cam von seiner ehemaligen Crew konnte ich noch weniger ausstehen - warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Irgendetwas an ihrer Art wirkte einfach noch schroffer, noch distanzierter als Meriks Verhalten.
Das ist besonders in Anbetracht der Tatsache schade, dass ich Merik in Truthwitch unglaublich gut leiden konnte - aber gerade rückblickend war das wohl mehr Schein als Sein, haben wir in Truthwitch nie übermäßig viele Szenen aus seiner Perspektive gekriegt. Allerdings muss ich auch anmerken, dass meine Perzeption von ihm gerade zum Ende Windwitchs hin geändert hat... und ich ihn zumindest ein wenig besser verstehen konnte.
Für die anderen Charaktere konnte ich zum Glück mehr Sympathie aufbringen. Zum Einen für die anderen Neuankömmlinge - darunter Caden, ein Hell-Bard, den ich Stück für Stück mehr ins Herz schloss. Auch Vaness ist ein interessanter Charakter, über den wir in Windwitch etwas mehr lernen. 
Von den Protagonisten war Safi war so bissig, direkt und einfach... lebendig wie eh und je. Iseult macht einige Veränderungen durch, die sie als Charakter nur noch komplexer werden lassen. Und Aeduan... Aeduan ist sowieso mein Liebling. Die mysteriöse Aura, die ihn umhüllt, wird nur ein wenig in Windwitch gelüftet, aber gerade die Szenen mit ihm und Iseult sind pures Gold wert - nicht, weil Dennard plötzlich eine Romanze vom Himmel fallen lässt oder dergleichen. Stattdessen sind es die kleinen Dinge, die Andeutungen, zwischenmenschliche Kleinigkeiten, die mir einfach Lust machten, weiterzulesen. 
"A blink of confusion. Two shuddering breaths. Then understanding braced through him. [...] He wiped his face on his shoulder, then offered Iseult his hand. She clasped it tight, her fingers lacing between his. Together they ran."
(Windwitch, Susan Dennard)
Das Buch lebt von diesem Zwischenmenschlichen, von den Charakteren - weswegen die Tatsache, dass die Handlung stellungsweise etwas ziellos ist, zumindest ein wenig in den Hintergrund rückt.
Denn ich will es nicht beschönigen: Ich habe mich oft gefragt, wo das große Ganze ist. Warum ich das Gefühl habe, dass die Charaktere auf der Stelle treten... und erst gegen Ende gelang es mir, die einzelnen Fäden miteinander zu verbinden.
Im letzten Viertel geht die Geschichte auch erst so richtig los - Plottwist folgt auf Plottwist und Susan Dennard beweist einmal mehr, warum ich mich überhaupt erst in Truthwitch verliebt habe. Die Welt, der Schreibstil und natürlich die Charaktere sind einfach ein Meisterwerk.
Es ist kein Geheimnis, dass Susan Dennard Schwierigkeiten hatte, Windwitch zu schreiben. Und unabhängig davon, ob/wie sich das auf das Buch ausgewirkt hat, hat auch Windwitch seine Schwierigkeiten - damit meine ich vor allem den Plot, der etwas hinterherhinkt. So hat am Ende des Tages das Lesen des Buches zwar ein wenig länger gedauert, aber ich habe es nicht maßgeblich weniger genossen. Die Charaktere (Merik ausgenommen) und vor allem die unglaubliche Entwicklung, die sie durchmachen, haben mich zusammen mit dem Schreibstil vollkommen in den Bann gezogen. Susan Dennard ist einfach die Meisterin der Andeutungen, und vor allem gelingt es ihr, packende Bücher zu schreiben, die auch ohne die obligatorische Romanze den Leser packen.
Wer Truthwitch (Schwestern der Wahrheit im Deutschen) mochte, wird Windwitch mögen, wenn nicht sogar lieben!

Fazit
Windwitch ist kein perfekter Folgeband, aber trotz Schwächen ein gelungener. Susan Dennard zeigt abermals, was für grandiose, dreidimensionale Charaktere sie geschaffen hat, die nicht nur mit ihren hellen, sondern auch mit ihren dunklen Seiten den Leser in den Bann ziehen.


Windwitch ⚬ Hardcover: 384 Seiten ⚬ Reihe: 2/4 ⚬ Tor Teen ⚬ ca. 10,49€ ⚬ Kaufen?

Samstag, 7. Januar 2017

[Rezension] Tales from the Shadowhunter Academy - Cassandra Clare


Inhalt
Das Leben von Simon Lewis ist in Begriff, sich ein weiteres Mal fundamental zu ändern. Immer noch mit den Folgen seines Gedächtnisverlusts kämpfend macht er sich nun auf den Weg in die Shadowhunter Academy - um selbst einer dieser berüchtigten Schattenjäger zu werden. Doch der Weg dahin ist nicht einfach...

Meine Meinung
Ich muss ehrlich sein.
Bei den Tales from the Shadowhunter Academy kam mein keine-Ahnung-aber-muss-kaufen-Syndrom voll und ganz zu Tage. Ich dachte, dass es sich hierbei um eine Kurzgeschichtensammlung handelt, die eben zu "Clarys Zeit" spielt. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass sich das Buch primär um Simons Erfahrungen dreht - und das in Anbetracht der Tatsache, dass ich Simon bisher eher weniger leiden konnte. Ob das idiotisch von mir war? Absolut. Dafür war dann die Wirkung, die das Buch auf mich hatte, umso schöner.
Zugegeben: Gerade bei der ersten Kurzgeschichte war ich noch sehr skeptisch. Cassandra Clare hat die Geschichten ja nicht alleine, sondern in Zusammenarbeit mit Sarah Rees Brennan, Maureen Johnson und Robin Wasserman geschrieben. Und anfangs merkt man das noch sehr deutlich - dass es eben nicht primär Clares markanter Stil ist. Außerdem wirkte Simon einfach sehr... weinerlich. Ich meine, klar, ist verständlich. Aber seine Selbstzweifel wurden primär als ein ewiges Hin und Her dargestellt, und das hat mich eben genervt.
Dann kamen allerdings die Geschichten, in denen es um vergangene Schattenjäger ging. Ich werde jetzt nicht verraten, welche - aber es war eine gesunde Mischung aus Charakteren, die ich noch nicht kannte und lieben lernte, und Charakteren, die ich bereits liebte. Und es war einfach herrlich. Dass Simon eben ein wenig in den Hintergrund rückte und wir zum Beispiel Clary und Jace wiedersahen, oder Alec und Magnus. Vor allem in Interaktion mit denen wurde Simon langsam aber sicher sympathischer - auch am Ende des Buches bin ich noch nicht so weit, ihn zu lieben, (ein paar Geschichten mehr hätten mich gefreut! :D) aber ich verstehe und respektiere ihn um einiges mehr.
Eine der Fragen, die mich auch noch herumgetrieben hat, war diese: Wie relevant sind die Tales from the Shadowhunter Academy für das Verständnis von Lady Midnight? Man las unterschiedliche Meinungen - es sei essentiell, es sei optional. Ich würde mich tendenziell letzterem zuordnen - sie waren auf jeden Fall eine schöne Ergänzung! Von bestimmten Charakteren lese ich sowieso gerne, und von manchen Aspekte, die in Lady Midnight nur am Rande erwähnt werden, werden die Hintergründe immens ausgearbeitet, was einfach sehr cool ist!
Verglichen mit den Bane Chronicles sind mir diese noch ein bisschen lieber, aber das liegt eben an den Charakteren. ;) Und ich bin immer noch nicht der größte Fan davon, dass mehrere Autoren an einer Geschichte schreiben... aber grundsätzlich war es einfach schön, wieder in die Schattenjäger-Welt zurückzukehren. <3

Fazit
Die Tales from the Shadowhunter Academy machen einfach Spaß zu lesen - man lernt nicht nur über Simon, sondern auch über andere Charaktere, neue und altbekannte, und grundsätzlich ist dieses "Schattenjäger-Feeling" einfach wieder da. Eine tolle Ergänzung!


Tales from the Shadowhunter Academy ○ Hardcover: 672 Seiten ○ Margaret K. McElderry Books ○ ca. 11,99€ ○ Kaufen?

Samstag, 24. Dezember 2016

[Kurzrezension] Ein Heim für besondere Kinder und ein Überfluss an Katherines


Miss Peregrine's Home for Peculiar Children - Ransom Riggs Worum geht's?
Um Jacob, der seinen Großvater auf grausame Art und Weise verliert. Zur Bewältigung seines Traumas begibt er sich auf die Spuren der Vergangenheit seines Opas und stellt fest, dass die Geschichten, die er immer erzählte, wohl doch wahr waren...
Meine Meinung
Der Hype um Miss Peregrine's Home for Peculiar Children ist gewaltig. Und nach Jahren, in denen ich nichts als Lob gehört habe, habe ich mir endlich ein eigenes Exemplar zugelegt. Tja, was soll ich sagen? Es gefiel mir überhaupt nicht.
Riggs kann gut schreiben, das steht außer Frage, und auch die Idee für die Geschichte ist ganz zauberhaft. Aber die Umsetzung... puuuh. Jacob konnte ich auf den Tod nicht ausstehen - ich wurde einfach nicht mit ihm als Erzähler warm und er blieb, wie die anderen Charaktere auch, unglaublich blass. Zusätzlich wurde eine absolut unrealistische Liebesgeschichte in die Story reingepresst, und das Ende hat mich noch zusätzlich wütend gemacht.
Was mich aber am meisten gestört hat, war diese schleppend langsame Erzählung. Es passiert nichts, einfach gar nichts. Die Ermordung von Jacobs Großvater und der Pseudo-Showdown am Ende sind das Einzige am Buch, was irgendwie spannend ist. Dazwischen... endlose Seiten voller Nichtigkeiten, in denen weder die Geschichte noch die Charaktere irgendwie vorankommen. Die Bilder sind zwar nett und auch echt unheimlich, tragen aber nichts zur Geschichte bei.
Den Hype kann ich absolut nicht verstehen. Für mich wohl eine der Enttäuschungen des Jahres.

Taschenbuch ○ 382 Seiten ○ Quirk Books ○  Kaufen?

An Abundance of Katherines - John Green
Worum geht's?
Um Colin, der soeben von der 19. Katherine verlassen wurde. Und einen IQ von über 200 hat. Mit seinem Freund Hassan begibt er sich auf einen unvergesslichen Road-Trip.
Meine Meinung
Mit An Abundance of Katherines habe ich alle John Green-Bücher gelesen, und auch dieses stellt keine Enttäuschung dar! Zugegeben, anfangs war ich skeptisch - man hört nicht gerade viel Gutes über das Buch. Ich kann's nur teilweise nachvollziehen.
Mein größter Kritikpunkt ist eigentlich der Anfang des Buches - es zieht sich einfach, und so ziellos, wie der Road-Trip anfangs ist, scheint auch die Geschichte zu sein. Doch dann kommt das Ganze erst so richtig ins Laufen, und mit jeder Seite schließt man Colin etwas mehr ins Herz. Er versucht, ein Theorem zu entwickeln, das den Verlauf seiner alten Beziehungen erfasst und sogar zukünftige vorhersagen kann. Das bedeutet, dass man im Buch immer mal wieder kleine Graphen und Formeln findet, was mir unglaublich gut gefiel! (Es handelt sich dabei um leichte Mathematik, keine Sorge. ;)) Außerdem gibt es immer wieder kleine Fußnoten, die das Geschehen einfach bereichern - gerade eben, weil Colin so intelligent ist. Ich dachte zuerst, das würde den Lesefluss stören, aber dem war überhaupt nicht so.
Vor allem die Message, die sich immer stärker aus der Geschichte rauskristallisiert, hat mir mal wieder unglaublich gut gefallen. So ist An Abundance of Katherines nicht mein liebstes John Green-Buch, aber deswegen nicht weniger lesenswert.


Taschenbuch ○ 272 Seiten ○ Penguin Books ○ Kaufen?

~

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ganz frohe Weihnachten! <3 Und wenn ihr nicht feiert, dann wünsche ich euch ein ruhiges, erholsames Wochenende!

Sonntag, 18. Dezember 2016

[Rezension] Giants: Sie sind erwacht - Sylvain Neuvel


Inhalt
Die kleine Rose stößt auf eine gigantische Metallhand beim Spielen. Siebzehn Jahre später, mittlerweile als außerordentliche Physikerin, arbeitet sie daran, das Mysterium aufzudecken. Doch die Körperteile sind auf der ganzen Welt verteilt, und schon bald wird das ganze Unternehmen größer und verworrener, als alle Beteiligten jemals erwartet hätten...

Meine Meinung
Giants: Sie sind erwacht ist eines dieser Bücher, von denen ich etwas ganz anderes erwartet habe, die meine Erwartungen erst sprengen und dann übertreffen.
Denn gleich beim Lesen der ersten Seiten fällt auf: Das ist kein gewöhnliches Buch. Tatsächlich erzählt Sylvain Neuvel seine Geschichte in Form von Interviews und Tagebucheinträgen... und wie gut er das macht!
Ehe ich mich versah, wurde ich völlig in die Geschichte hineingezogen. Stück für Stück erfahren wir mehr - über die Geschehnisse, über die Charaktere. Und vermutlich macht es gerade die besondere Erzählform so gut: Erstmalig hat man als Leser nicht das Gefühl, über alles Bescheid zu wissen, und erst recht nicht, mehr als die Charaktere zu wissen - man ist vielmehr direkt in der Geschichte drinnen, die Informationen werden Stück für Stück enthüllt. Alles ist so geschickt konstruiert und spannend niedergeschrieben, dass man nie das Gefühl hat, den Faden zu verlieren - im Gegenteil sogar.
Als Germanistikstudentin habe ich mich ganz besonders über die linguistischen Einflüsse gefreut - das Buch ist nicht nur Science Fiction, es umfasst Physik, Biologie, Linguistik, Geschichte, Mathematik, Politik... und alles auf eine Art und Weise präsentiert, die auch der Leser, der mit diesen Fachgebieten üblicherweise nichts zu tun hat, mühelos nachvollziehen kann. Neuvel hält die Balance zwischen all diesen wissenschaftlichen Informationen und Teilen, in denen es einfach nur um die Charaktere geht, gekonnt.
Und so entwickelt sich die Geschichte. Das anfangs so klar definierte Ziel - alle Teile des Roboters zu finden und sie zusammenzubauen - wird verschwommener, die Charaktere befinden sich auf Irrwegen und vor gewaltigen Hürden und dann ist da immer noch die Frage der Moral, wie weit kann man gehen, wie viel kann man riskieren? Es ist alles einfach auf so eine faszinierende Weise ineinander geflochten, dass man gar nicht anders kann, als weiterzulesen - an der Stelle also auch ein Lob an den Übersetzer, der hier wirklich großartige Arbeit geleistet hat.
Inmitten all dessen stehen natürlich die Charaktere - Rose, die das Ganze erst "ins Rollen" gebracht hat, aber zum Beispiel auch Kara oder Vincent. Die Interview-Form tut ihren Charakteren keinen Abbruch; ziemlich schnell erkennt man sie an der Art und Weise, wie sie sprechen, wie sie den Fragen des Interviewers (dessen Identität übrigens verhüllt bleibt) begegnen.
Ihr merkt es schon - ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite geliebt. Giants ist originell, in der Idee und in der Schreibweise, und vor allem darin, wie es den Leser wieder und wieder in die Irre führt und schockt. Ich kann den zweiten Band (der im Juni erscheinen wird) kaum abwarten!

Fazit
Giants ist ein genialer Auftakt zu einer Science-Fiction-Reihe, deren Komplexität einfach nur beeindruckt und gleichzeitig dem Lesefluss kein bisschen im Wege steht. Geniale Idee, genialer Plot, geniale Charaktere - ich bin völlig begeistert!


Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Giants ○ Broschur: 416 Seiten ○ Heyne Verlag ○ Band 1 ○ 14,99€ ○ Kaufen?

Samstag, 10. Dezember 2016

[Rezension] The Crown - Kiera Cass


Da es sich hierbei um den letzten Band einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!

Inhalt
Eadlyns Selection neigt sich dem Ende zu - doch sie weiß weder, wen sie erwählen soll, noch kann sie sich überhaupt Gedanken um die Bewerber machen; ihre Mutter liegt im Krankenhaus, ihr Bruder ist in Frankreich und das Gewicht eines Königreiches lastet auf ihren Schultern. Und egal, was sie macht, die Zustände scheinen sich nur noch weiter zu verkomplizieren...

Meine Meinung
Ich habe das Lesen dieses Buchs ein wenig hinausgezögert - allein der Gedanke, mich dieses Mal wirklich von Eadlyn, America und Maxon zu verabschieden, ließ mich ein wenig melancholisch werden. Diese Reihe wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.
Nach dem Beenden des vierten Bandes, The Heir, war ich selbst unschlüssig, wo die Geschichte noch hinführen würde - gerade in Anbetracht des jungen Herren, den Eadlyn wählen würde. Es gab viele Bewerber, und vor allem viele Bewerber, die gut zur Eadlyn gepasst hätten, und ich war wirklich gespannt, wie Cass sich festgelegt hatte.
Stattdessen nahm die Geschichte eine Wendung, die ich gar nicht so erwartet habe. Aufgrund von Americas Zustand entschließt sich Eadlyn, mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen, macht erste (unangenehme) Erfahrungen in der Politik und muss ziemlich bald lernen, ihren Standpunkt und ihre Werte zu vertreten. Besonders gut gefiel mir, dass Cass hierbei der Eadlyn treu blieb, die wir bereits aus dem Vorgänger kennen. Eine Eadlyn, die sich traut, den Mund aufzumachen - die manchmal abweisend oder kalt wirkt, aber eigentlich nur einen Weg zu finden versucht, mit all diesen Verpflichtungen umzugehen. Viele ihrer Entscheidungen brachten mich nur dazu, sie weiter ins Herz zu schließen.
So wie auch bei The One (dem dritten Band) wird auch in The Crown der Fokus (noch) ein wenig stärker aufs Volk gelenkt. Trotz der Abschaffung der Kasten gibt es dort immer noch viele Missstände, da die Leute Schwierigkeiten haben, das Rangdenken abzulegen. Ich mochte dieses Politische, diese Ernsthaftigkeit, die die Autorin somit in die Geschichte einbrachte, unglaublich gerne.
Trotz der unerwarteten Wendungen liegt letztendlich der Fokus immer noch auf Eadlyns Selection. Ich mochte einen Großteil der Jungs sehr gerne - egal, ob Erik, Kile, Hale... sie alle wurden immer lebendiger mit eigenen Hintergründen und Persönlichkeiten und einfach Eigenheiten, die sie immer charmanter machten.
Ich würde jetzt am liebsten schreiben "trotz der Kürze des Buches..." - doch es gab leider ein paar Aspekte, die tatsächlich dadrunter gelitten haben. Es hätte dem Plot einfach gut getan, mehr Zeit zu haben, in der er sich entfalten kann. Es gab so viele spannende Handlungsstränge, die in Band 4 eingeführt wurden und die in The Crown zwar nicht fallen gelassen, aber dennoch eher dürftig abgewickelt wurden. Auch das Ende - so toll es auch war, aber dazu komme ich gleich - hätte sich gern noch über ein paar Seiten mehr ziehen dürfen.
Aber meine Güte... was für ein Ende es war! Ich konnte das Buch absolut nicht weglegen und habe bis in die Nacht hinein gelesen, getrieben von dem Verlangen, zu erfahren, wie Eadlyns Geschichte ausgeht - puuuh. Anders formuliert: Ich saß Rotz und Wasser heulend im Bett. Nicht einmal, weil das Ende traurig war. Oder unpassend. Es war einfach so... schön und rührend! Der richtige Abschluss für die süße Geschichte, die ich über die Jahre kennen und lieben gelernt habe. Auch wenn ich America, Maxon und Eadlyn definitiv vermissen werde.

Die Selection-Reihe - Resümee
Ich erinnere mich noch daran, wie ich nach dem ersten Buch gegriffen habe. Ich erwartete nicht viel - eine leichte Geschichte, wenn auch mit viel Kitsch und Klischees.
Eine leichte Geschichte bekam ich... gewissermaßen. Gleichzeitig gefielen mir die Bücher besser und besser, umso weiter ich las, und irgendwann fühlte ich mich in Americas Welt schlichtweg zu Hause.
Vielleicht liegt es daran, dass ich nie die höchsten Erwartungen an die Bücher hatte, und sie sind natürlich nicht vollkommen. Aber ich habe es keine Sekunde bereut, vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren The Selection aufgeschlagen zu haben.

Fazit
In The Crown findet Eadlyns Geschichte ein rundes, wenn auch nicht perfektes Ende. Ein Buch, eine Reihe, die mich zum Lachen und Weinen, zum Schwärmen und Bewundern gebracht hat, und die definitiv einen Ehrenplatz in meinem Regal hat.


The Crown ○ Taschenbuch: 279 Seiten ○ HarperCollins ○ Reihe: 5/5 ○ ca. 8,78€ ○ Kaufen?