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Samstag, 24. Juni 2017

[Rezension] Am I Normal Yet? — Holly Bourne


Inhalt
Evie will nur normal sein. Immerhin wurde die Dosis ihrer Medikamente verringert, und dass sie ein Date hat, muss bedeuten, dass es aufwärts geht, nicht wahr? Doch dann wird das Date nicht nur zu einem Albtraum, auch das Gefühlsdrama lässt Evie befürchten, wieder in alte Muster zurückzufallen. Das einzig Gute: Auf der Party, auf welcher ihr Date den Bach runterging, hat sie Amber und Lottie kennengelernt, mit denen sie sich ziemlich schnell anfreundet. Doch wie kann sie sich helfen lassen, wenn ihre Freunde nicht über ihre Krankheit Bescheid wissen?

Meine Meinung
Ich habe Am I Normal Yet? aus einer reinen Laune heraus gekauft. Das eBook war günstig, es klang nach einem etwas anderen Jugendbuch, und die Bewertungen bei Goodreads waren überraschend gut. Holly Bourne hat bereits ziemlich viele Bücher veröffentlicht, und ich bin fest entschlossen, in der Zukunft noch mehr von ihr zu lesen!
Aber zurück zum Anfang: Am I Normal Yet? hat schon eine ganz besondere Prämisse. Wir haben ein Jugendbuch, das sich auf Thematiken konzentriert, die in anderen Büchern oft untergehen oder gar nicht erst erwähnt werden: Freundschaft, Mental Health und Feminismus. Allein schon den Versuch zu unternehmen, das in ein Buch zu packen, finde ich bewundernswert — hinzu kommt, dass Holly Bourne verdammt gute Arbeit geleistet hat.
"When boys get older, if they don't find someone they get called bachelors. We get called spinsters. There isn't a word that means male spinster. Just like there isn't a word for a guy who sleeps around — whereas there are TONS for girls. The Englisch language itself is sexist — it reinforces those overgeneralized, screwed-up notions about how boys and girls are allowed to be..."
(Holly Bourne, Am I Normal Yet?)
Die Freundschaft der drei Mädchen — die später den Spinster Club (dt. Club der alten Jungfern) gründen — ist einfach herrlich. Sie unterstützen sich gegenseitig, sind ehrlich zueinander und können sich auch eingestehen, wenn sie etwas falschgemacht haben. Nie hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass Amber und Lottie nur als Freundinnen charakterisiert werden; stattdessen gibt Bourne ausnahmslos jedem Charakter in dem Buch einen wirklichen Charakter, mit eigenen Geschichten und entsprechenden Eigenheiten. Gerade beste Freundinnen werden so oft stereotypisiert — hier aber nicht, und allein das machte das Buch zu einem absoluten Lesevergnügen.
Bald häuften sich die positiven Aspekte: Ich schloss die Protagonistin Evie unglaublich ins Herz, liebte ihre enge Beziehung zu ihrer Schwester, allein schon der Schreibstil ist herrlich erfrischend. Holly Bourne bringt einen ganz besonderen Humor mit ein, wegen dem ich öfters lachend (oder zumindest grinsend) vor dem Buch saß.
"Everyone's on the cliff edge of normal. Everyone finds life an utter nightmare sometimes, and there's no 'normal' way of dealing with it." Sarah sighed. "There is no normal, Evelyn. There's only what's normal to you. You're chasing a ghost."
(Holly Bourne, Am I Normal Yet?)
Mein Lieblingsaspekt — neben der Freundschaft und den feministischen Einflüssen — war aber ganz klar die Ausgestaltung von Mental Health. Evie kämpft seit Jahren mit einer OCD und einer generalisierten Angststörung. Ich kann nicht als Betroffene sprechen, hatte aber den Eindruck, dass Bourne sehr sorgfältig recherchiert hat und das Thema auch im Buch exzellent angeht. Vor allem wird hier, im Gegensatz zu anderen Büchern, nichts romantisiert. Wir erleben Evie an Höhepunkten, aber auch an (vielen) Tiefpunkten. Ihr Verhalten wird nicht beschönigt, hässliche Aspekte nicht ausgelassen. Vor allem wird ihre Therapie nicht nur angesprochen, sondern explizit im Buch thematisiert und nicht klischeehaft abgespeist. Auch im Nachhinein bin ich noch vollkommen begeistert von dieser akkuraten und ehrlichen Repräsentation.
Es gab nichts, das mich an Am I Normal Yet? wirklich gestört hat. Ich habe hauptsächlich einen kleineren Kritikpunkt anzubringen, das einzige Klischee, das sich überhaupt in dem Buch finden lässt: Im Laufe der Handlung gibt es drei Jungs, die mehr oder weniger plötzlich an Evie interessiert sind. (Zugegeben, nicht gleichzeitig, und keiner schwört ihr seine ewige Liebe, was einen Pluspunkt gibt.) Ich war einfach manchmal etwas überrumpelt in der Hinsicht, weil es mir etwas... unrealistisch erschien? Gleichzeitig muss ich zumindest Bournes Umgang damit loben. Denn wieder wird nichts romantisiert, und auch Lottie und Amber halten vor Evie nicht zurück, was sie davon halten.
"You find his arrogance and his alphaness sexy — because you've been conditioned into thinking that's how boys should be."
(Holly Bourne, Am I Normal Yet?)
Tja, ich wünschte, ich hätte mit sechzehn Jahren so gedacht. Vor allem wünschte ich aber, dass solche Verhaltens- und Denkweisen in mehr Jugendbüchern herausgefordert werden würden.
Was soll ich sagen — ich habe es keine Sekunde bereut, Am I Normal Yet? spontan gekauft zu haben. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich das Buch verschlungen und allein schon die Tatsache, dass es zwei weitere Bände aus Ambers bzw. Lotties Sicht gibt, freut mich ungemein! Bourne hat ein unglaublich wichtiges Buch geschrieben, das nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit bekommt, wie es verdient — das muss sich ändern!
Schließen möchte ich mit einer Aussage der Autorin:
"Feminism is for all genders. Feminism benefits all genders."
Amen.

Fazit
Am I Normal Yet? hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistern können. Holly Bourne porträtiert nicht nur eine authentische Mädchenfreundschaft, sondern spricht auch wichtige Themen wie Mental Health und Feminismus an. Von diesem Werk könnten sich viele andere Jugendbücher eine Scheibe abschneiden!


Am I Normal Yet? ⚬ 433 Seiten ⚬ Usborne Publishing ⚬ kann als Einzelband gelesen werden ⚬ 2,76€* (eBook) bzw. 8,99€* (Print)  

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Samstag, 3. Juni 2017

[Rezension] One of Us Is Lying — Karen M. McManus


Inhalt
Bronwyn, Nate, Addy, Cooper und Simon finden sich — wenn es nach ihnen geht, zu Unrecht — beim Nachsitzen ein. Simon ist fünfzehn Minuten später tot. Während die Todesursache bald festgestellt werden kann, ist die Frage, wer es getan hat, eine, die unlösbar scheint. Waren die vier Mitschüler nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Hat es womöglich einer von ihnen getan oder — wie die Polizei behauptet — vielleicht sogar alle zusammen?
Eines ist sicher: Jeder von ihnen trägt ein Geheimnis mit sich herum, eines dunkler als das andere. Und wie es so mit Geheimnissen ist, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ans Licht kommen...

Meine Meinung
Auf One of Us Is Lying habe ich mich schon seit Monaten gefreut; dass der örtliche Thalia es schon Tage vor dem Erscheinen vorrätig hatte, wertete ich noch als zusätzliches Zeichen. Ich weiß gar nicht mehr, was mich so sehr an dem Buch fasziniert hat; vermutlich hatte ich einfach mal wieder Lust auf einen "guten alten" Contemporary. Genau das — und vielleicht noch ein bisschen mehr — sollte ich bekommen.
Zuallererst finde ich es beeindruckend, wie gut es McManus gelingt, die Geschichten der vier Jugendlichen (Simon bekommt logischerweise keine Perspektive) zu erzählen. Obwohl das Buch keine vierhundert Seiten hat, hatte ich nie das Gefühl, dass irgendjemand zu viel oder zu wenig zu Wort kam. Zugegeben habe ich nicht alle von ihnen von anfangs an gemocht, — gerade mit Addy hatte ich meine Probleme — aber als ich das Buch zuschlug, war ich schon ein wenig traurig, sie alle gehen zu sehen.
Das Ding ist, sie werden im Klappentext der Geschichte als Stereotype beschrieben: Bronwyn ist die Streberin, Nate der Drogendealer, Addy das folgsame Hündchen ihres Freundes, Cooper ist der perfekte Schönling, dem die Sportstipendien förmlich zufliegen. Dabei macht die Autorin so viel mehr aus ihnen, verpasst ihnen Familien, Hobbys, Freunde und schafft es noch irgendwie, das alles ins Buch zu packen, ohne dass irgendwo Längen entstehen. Grundsätzlich finde ich klasse, welche Rolle Familie in One of Us Is Lying einnimmt. Nein, es werden nicht harmonische Familien präsentiert — aber wenigstens werden die Eltern und Geschwister erwähnt und tauchen tatsächlich auf, anstatt immer "zufällig" außer Haus zu sein. Gerade Addys und Bronwyns Schwestern sind ziemlich präsent, was ich klasse finde.
Man könnte argumentieren, dass dadurch das Mysterium rund um Simons Tod in den Hintergrund rückt — wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, ist das definitiv bis zu einem gewissen Grad der Fall. Das Ding ist, dass mich das überhaupt nicht gestört hat. Ich hätte über die Charaktere einfach so lesen können und das Buch trotzdem noch genossen, obwohl dieser Kriminalaspekt dem Ganzen einen zusätzlichen Kick gegeben hat. Es ist durchaus gut gemacht — mit genau der richtigen Prise Überraschungen, dass ich das Buch nur noch mit Mühe weglegen konnte.
Zugegeben, ich habe ausnahmsweise tatsächlich erraten, wer Simon umgebracht hat. Ich hatte zumindest von Anfang an eine Vermutung, die sich bewahrheitete, und somit hatte ich nicht den "großen Knall" am Ende des Buches, was für mich okay war und zumindest meinem Lesegenuss keinen Abbruch tat.
Was ich allerdings kritisieren muss, — ohne zu sehr zu spoilern, daher keine Namen — ist ganz speziell das Ende zweier Charaktere. In den letzten Augenblicken wurde noch (unnötiges) Drama hineingebracht, weswegen besagte Charaktere nicht das Happy End bekommen konnten, was ich mir für sie gewünscht hätte (sie waren/sind meine Favoriten). Das ist ein klitzekleiner Wermutstropfen, denn im Großen und Ganzen hat mich One of Us Is Lying nicht nur überzeugt, sondern in erster Linie überrascht. Ja, die Idee ist nicht neu; manch andere würden sie vielleicht sogar als "ausgelutscht" bezeichnen. Aber mit authentischen Charakteren verleiht Karen M. McManus der Geschichte einen ganz besonderen Twist, weshalb ich letztendlich froh bin, ihr Debüt gelesen zu haben.

Fazit
One of Us Is Lying ist ein tolles Debüt. Karen McManus nimmt eine allseits bekannte Idee und macht ihr eigenes Ding daraus — besonders die Charaktere haben mich beeindruckt, aber auch das Mysterium rund um Simons Tod beinhaltet einige (böse) Überraschungen. Von mir gibt's eine ganz klare Empfehlung für alle, die Lust auf ein Contemporary mit authentischen Charakteren haben!


One of Us Is Lying ⚬ Taschenbuch: 368 Seiten ⚬ Delacorte Press ⚬ Einzelband ca. 7,99€

Samstag, 20. Mai 2017

[Rezension] A Court of Wings and Ruin - Sarah J. Maas

Da es sich hierbei um einen dritten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.


Inhalt
Der Krieg gegen Hybern steht kurz bevor. Doch Feyres persönlicher Rachezug beginnt schon viel früher, indem sie von innen heraus gegen Tamlin ankämpft. Doch schon ziemlich bald stellt sich die Frage, wie viele Verbündete sie wirklich zusammentrommeln kann — und ob das genug sein wird.

Meine Meinung
Ich glaube, ich habe einen Prythian-Overkill. Bevor ich A Court of Wings and Ruin begonnen habe, habe ich die ersten zwei Bände noch einmal gelesen, und im Gegensatz zu Throne of Glass hatte ich Feyre tatsächlich irgendwann ein bisschen satt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich das Gefühl hatte, dass Maas sich öfters wiederholt — aber dazu später mehr.
Ich bin im Nachhinein froh, keine unglaublich hohen Erwartungen gehabt zu haben. ACOWAR ist gut, aber es ist im Großen und Ganzen nicht grandios.
Fangen wir jedoch mit den Dingen an, die ich geliebt habe: Wir haben einen unglaublich ausgiebigen Einblick in die anderen Courts bekommen — zu sehen, wie jeder Court andere Eigenheiten hat oder wie die High Lords sich verhalten, hat einfach sehr viel Spaß gemacht. Da ist noch so viel von Prythian, das es noch zu entdecken gibt, und im Nachhinein bin ich nur noch neugieriger.
Ein weiteres Highlight waren die für Maas typischen Plottwists. Ich schreibe typischen, weil es nach neun Büchern von ihr wirklich einfach so ist; sie hat eine Art und Weise, die verschiedenen Stränge zu verknüpfen, die fast schon einzigartig ist. Es gibt wenige Autoren, denen es so oft gelingt, mich perplex vor dem Buch sitzen zu lassen.
Und natürlich könnte ich nicht über diese Trilogie sprechen, ohne all die fantastischen Charaktere zu erwähnen. Sie sind das Herzstück dieser Bücher, und gerade die Entwicklungen, die schon zu Beginn der Trilogie eingeführt wurden, haben sich hier auf eine grandiose Art und Weise weiterentwickelt. Damit meine ich nicht nur die üblichen Verdächtigen Feyre und Rhysand (auch wenn Feyres Entwicklung als Überlebende eines Traumas wirklich sehr sorgfältig konstruiert und beeindruckend ist), sondern gerade die "Neben"charaktere — Lucien, Nesta, Elain, Cassian, Amren, um ein paar zu nennen. Was sie so besonders macht, ist, dass jeder von ihnen seine eigene Geschichte hat; man mag zwar nicht jedes Detail von dieser Geschichte erfahren, doch allein durch die paar Einblicke entsteht eine unglaubliche Dreidimensionalität, von der die Bücher einfach leben. Ich kann gar keinen Favoriten mehr nennen. Ich habe sie alle auf ihre eigene Art und Weise geliebt und das Buch allein schon wegen ihnen genossen.
Was jedoch genervt hat: Dass sich ein paar Sachen bei Maas nach dem Schema F wiederholen. Wieder und wieder macht Feyre etwas Dummes, und Rhys sagt ihr, sie solle das nie wieder machen, und natürlich macht sie es wieder. Oder umgekehrt — Rhys begibt sich in Gefahr, Feyre rastet schier aus, weil Rhys ja nicht jahrhundertealt ist und weiß, was er macht, nicht wahr? Dieses übertriebene Beschützen hat mich einfach irgendwann dazu gebracht, die Augen zu verdrehen. Aber das ist vielleicht schon Kritik auf hohem Niveau.
Denn wahrscheinlich sind es auch die Charaktere, die mich über den etwas... trägeren Teil des Buches hinweggerettet haben. Es wäre übertrieben, zu sagen, dass es langweilig war oder dass nichts passiert ist — aber nach den ersten einhundert Seiten hatte ich schlichtweg das Gefühl, dass die Geschichte stagniert. Das Lesen hat immer noch Spaß gemacht, und es war irgendwie interessant, aber einfach nicht so spannend, dass ich sofort wissen musste, wie es weitergeht. In dem Teil des Buches geht es um mehr und mehr Gespräche, und die meisten von ihnen treten ein wenig auf der Stelle oder drehen sich andauernd um dieselben Themen. Und ja, für mich leider, gibt es auch wieder zahlreiche Sexszenen.

Leichter Spoiler für Empire of Storms und ACOWARDiese fast schon Sexbesessenheit war auch etwas, das mich bei Maas’ anderer Reihe unglaublich frustriert hat. Ich habe die ersten Bände geliebt, aber in Empire of Storms rückte das meiner Meinung nach wirklich Wichtige einfach in den Hintergrund, was so schade ist! Bei ACOWAR war es ähnlich; Feyre und Rhys haben über ihren mating bond andauernd irgendwelche schmutzigen Sachen ausgetauscht, egal, wie ernst die Situation war – als könnten sie keine fünf Minuten an etwas anderes denken. Sie schlafen nicht nur andauernd, sondern selbst im Kriegscamp miteinander, während um sie herum Leute sterben. Ich bin mir sicher, dass es zahlreiche Leute gibt, denen das gefällt. Aber ich habe mich aus anderen Gründen in die Bücher verliebt.

Wie steht es jetzt um die Diversität des Buches? Bereits im Voraus brach eine gigantische Diskussion aufgrund der Acephobia* in Kapitel 3 aus, die auch im Kontext immer noch bedenklich und problematisch ist. Ansonsten würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass Maas es nicht versucht hat; öfters ist von dunklen Hautfarben die Rede, und es werden tatsächlich mehrere bisexuelle bzw. lesbische/schwule Charaktere eingeführt. Meiner Meinung nach ist die Repräsentation ein passabler Anfang, wenn auch noch gehörig Luft nach oben ist; ich habe bei anderen Bloggern/Booktubern allerdings auch andere Perspektiven gehört.

Spoiler für ACOWARMors Sexualität liegt mir dabei besonders am Herzen – sie outet sich als lesbisch, was an sich klasse ist, aber die Art und Weise und vor allem der Zeitpunkt, den Maas dabei gewählt hat, ist katastrophal. Mor befindet sich seit Jahrhunderten in einem liebenden Umfeld: Warum öffnet sie sich ausgerechnet gegenüber Feyre? Warum hat sie vorher einfach nichts gesagt und sich stattdessen entschieden, Azriel leiden zu lassen? Auch das plötzliche Outing wirkte auf mich eher so, als würde Maas verbissen versuchen, mehr Diversität einzubringen. Mor lebt in keiner Gesellschaft, in der Homosexualität abgelehnt wird. Stattdessen lässt sie Azriel willentlich leiden und versteckt sich selbst... aber warum?

Ich kann mich nur wiederholen — es ist ein Anfang, so holprig er auch sein mag. Von Maas' Seite würde ich mir jedoch wünschen, dass sie vielleicht einmal Stellungnahme beziehen würde und sich in Zukunft besser informiert und weiterentwickelt.
Der letzte Punkt, den ich ansprechen möchte, ist natürlich das Ende. Ich war etwas nervös deswegen, schließlich handelt es sich hierbei um den ersten Abschluss einer Reihe, den wir von Maas bekommen haben. Im Nachhinein bin ich etwas zwiegespalten.
Versteht mich nicht falsch: In den letzten hundert Seiten war ich wieder einmal in Maas' Bann gefangen. Ein Plottwist folgte auf den anderen und, ja, auch ich saß wieder heulend im Bett. (Wenn auch nicht so schlimm wie bei A Court of Mist and Fury.) Aber es fehlte einfach etwas. Es war ein grandioses und berauschendes Finale, aber es war nicht vollständig. Es gibt so viele Storylines, die noch in der Luft hängen, was einfach unglaublich schade ist. Ob es schlichtweg Sorglosigkeit von Seiten der Autorin ist oder eine "Masche", um den Leser dazu zu bringen, auch ja die Spin-Offs zu lesen, wenn sie erscheinen — ich weiß es nicht. Ich bin ein wenig enttäuscht, auch wenn ich dem Buch gleichzeitig am liebsten wegen dem Nervenkitzel am Ende fünf Sterne gegeben hätte.
Eigentlich weiß ich selbst Tage später noch nicht so ganz, was ich von A Court of Wings and Ruin halten soll. Es war gut, aber es war immer noch problematisch, und die Story war zu lang und zu kurz an den falschen Stellen. Ganz im Ernst: Die Trilogie als Ganzes betrachtet würde ich niemandem empfehlen. Ich hoffe jedoch, dass es Maas in Zukunft mehr und mehr gelingt, sich von schädlichen Klischees abzuwenden.

Fazit
A Court of Wings and Ruin war ein solider Abschluss, wenn auch das Ende meiner Meinung nach zu offen gestaltet wurde. Vor allem ist es nicht frei von problematischen Aspekten; auch wenn Maas versucht, mehr Diversität zu integrieren, gelingt ihr das nur bedingt. Für Fans der Reihe lesenswert, Interessierten würde ich die Trilogie nicht empfehlen.


A Court of Wings and Ruin ⚬ Taschenbuch: 699 Seiten ⚬ Bloomsbury UK ⚬ Band 3/3 ca. 8,49€

* Ich kenne keinen deutschen Begriff für Acephobia; falls mir jemand damit aushelfen könnte, wäre ich sehr dankbar!

Samstag, 6. Mai 2017

[Rezension] The Young Elites - Marie Lu


Inhalt
Adelina ist eine malfetto — eines der Kinder, das das Blutfieber überlebt hat, wenn auch mit Narben. Für ihren Vater ist sie eine Abscheulichkeit, eine Schande für den Familiennamen.
Manche der Überlebenden haben Fähigkeiten entwickelt, was sie zu Young Elites macht. Adelina, mit dieser großen Dunkelheit in ihrem Inneren, ist womöglich eine von ihnen. Bald überschlagen sich die Ereignisse, und sie kommt in Kontakt mit der Dagger Society — einer fast schon elitären Gruppe Young Elites, die den König stürzen wollen. Adelina könnte ihre Rettung sein. Oder ihr Verderben.

Meine Meinung
Ich hätte The Young Elites fast nicht gelesen. Ich hatte das Buch schon im Hinterkopf, seitdem es im Englischen erschienen ist; habe zahlreiche Meinungen gehört, die meisten weniger begeistert. Dann kam die Publikation in Deutschland, und meine Neugier war wieder aufs Neue entfacht. So sehr, dass ich all die durchschnittlichen Rezensionen aus meinen Gedanken schob und mir sagte: Du hast Marie Lus Legend-Reihe auch geliebt. Versuch's doch einfach.
Ich sollte öfter auf mich selbst hören.
Adelinas Geschichte ist eine von Höhen und Tiefen — mehr Tiefen, um ehrlich zu sein — und natürlich könnte ich dieses Buch nicht rezensieren, ohne über sie zu sprechen. Sie wird oft als Anti-Heldin beschrieben, aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich der Bezeichnung zustimmen kann. Ist sie überhaupt eine Heldin? Wer ist sie? Und wie tief reicht die Dunkelheit in ihr? Ganz im Ernst: Ich kann keine dieser Fragen beantworten. Ihr Charakter hat mich dennoch unglaublich gepackt, gerade, weil er so schwer zu fassen ist — natürlich hat sie ihre guten Momente, denen, in welchen sie eher einer "typischen" Young Adult-Protagonistin entspricht, aber dann tut sie wieder Dinge, die ich weder nachvollziehen noch gutheißen kann, und ich bin einfach unglaublich... fasziniert? Manchmal habe ich sie hassen wollen. Meistens habe ich sie schütteln wollen. Doch am Ende des Buches war ich immer noch interessiert, wollte einfach mehr von ihrer Geschichte. Ich könnte nicht sagen, dass ich sie bewundere. Aber ich glaube, ich mag sie. (Irgendwie.)
Grundsätzlich beweist Lu mit The Young Elites, dass man nicht immer Charaktere braucht, die man gut leiden kann, um ihre Geschichte zu mögen — da ist zum Beispiel Tieren, der Inquisitor, der erst nach Adelinas Leben, dann nach ihren Kräften trachtet. Tieren ist ein unglaublich guter Bösewicht, mit Motiven, die mir beim ersten Lesen fast zu unglaublich erschienen, um wahr zu sein.
Oder Enzo, der Führer der Dagger Society. Wären wir in einem typischen YA-Buch, wäre er wohl das klassische love interest, mit der düsteren Aura und dem faszinierenden Aussehen. Aber auch hier wird der Geschichte Originalität verliehen, denn seine Motive, seine Ziele, sein ganzes Handeln haben mich schlichtweg beeindruckt. Ich glaube, zusammen mit Raffaele — einem weiteren Young Elite, der so sanft und nachsichtig auftritt, dass man es ihm fast nicht abkaufen möchte — ist er mein Lieblingscharakter. Wie Adelina konnte auch ich mich nicht seinem Bann entziehen.
Gut gefallen hat mir auch die Art und Weise, wie das Buch verfasst war, wenn auch es anfangs etwas befremdlich auf mich wirkte — Lu erzählt überwiegend aus Adelinas Sicht im Präsens, wechselt aber manchmal in die dritte Person Präsens, um in die Köpfe anderer Charaktere zu schlüpfen. Dadurch wurde das Spektrum der Geschichte noch einmal größer und nur noch spannender.
Die Geschichte spielt in Kenettra im 14. Jahrhundert, eine Welt, die mich stark an das Italien der Renaissance erinnert hat. Ich habe noch nie eine Geschichte mit solch einem Setting gelesen, und es hat mir unglaublich gut gefallen — Lu gelingt es mühelos, dem Leser Adelinas Welt nahezubringen, nicht zuletzt, weil diese bis ins kleinste Detail ausgearbeitet ist und einfach überzeugt. Normalerweise habe ich so meine Probleme, mich in einem mir fremden Setting zurechtzufinden, aber hier gelang mir die Anpassung mühelos. Auch die Erklärung, die für die Fähigkeiten der Young Elites geliefert wird, war besonders originell und toll integriert.
Warum ich dem Buch dennoch keine volle Punktzahl verleihe, kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht, weil mich die Entwicklung zum Ende hin so unerwartet getroffen hat, dass ich jetzt noch nicht sicher bin, wie die Geschichte weitergehen soll — vielleicht auch, weil ich Adelina doch nicht alles verzeihen kann. Ich glaube, es liegt auf jeden Fall daran, dass ich hin und wieder Adelinas Sicht auf die Dinge etwas zu abrupt fand, weswegen ein paar Ereignisse mich schlichtweg etwas aus der Bahn geworfen haben. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Adelinas Geschichte noch so einiges mehr beinhaltet — und ich sie definitiv weiter verfolgen werde. Letztendlich ist The Young Elites für mich ein weiterer Beweis für Marie Lus Können, und sie kann sich damit in die Ränge meiner Lieblingsautoren einreihen.

Fazit
The Young Elites ist ein gelungener Auftakt mit einer Protagonistin, die mich als Leser immer wieder dazu brachte, meine eigene Auffassung von Moral in Frage zu stellen. Zusammen mit einem actionreichen Plot und einem grandiosen Weltenbau hat mich Marie Lu wieder einmal überzeugen können.


The Young Elites ⚬ Taschenbuch: 384 Seiten ⚬ Speak ⚬ Band 1/3 ⚬ ca. 8,99€ ⚬ Kaufen?

Weitere Rezensionen: Ink of Books ⚬ Zeit zu Lesen

Mittwoch, 26. April 2017

[Rezension] The Crown's Game - Evelyn Skye


Inhalt
Vika ist ein Enchanter — eine mächtige Magierin, deren Kräfte eines Tages dem Zar dienen sollen. Ihr ganzes Leben lang wurde sie von ihrem Vater auf die Rolle vorbereitet.
Doch da ist auch noch Nikolai, der ebenfalls seit Jahren trainiert wurde. Ein zweiter Enchanter, was die beiden in eine Konstellation bringt, die höchstens alle paar hundert Jahre vorkommt. Denn wenn es zwei von ihnen gleichzeitig gibt, bleibt nur eine Option: The Crown's Game, ein Wettbewerb auf Leben und Tod.

Meine Meinung
The Crown's Game war zu hundert Prozent ein Impulskauf. Ich hatte von dem Buch schon eine Weile gehört, und schließlich war es eine Rezension, die mir den letzten Stoß gab. Ein paar Tage später hielt ich es in den Händen; ein paar weitere Tage später schlug ich es zu und war mir nicht ganz sicher, was ich da gerade gelesen habe. Grundsätzlich ist The Crown's Game ein Buch, das mit den Erwartungen des Lesers spielt und dann doch einen ganz anderen Weg einschlägt.
Darüber hinaus ist es ein Werk, das vorrangig von den Charakteren lebt und weniger von actionreichen Szenen. Da sind natürlich Vika und Nikolai, die beiden Enchanter, aber auch Pasha, der Zarewitsch, Nikolas bester Freund und zuletzt der Sohn des Zars, des Mannes, der das Spiel erst initiiert hat.
Vika war meine absolute Favoritin des Trios. Zu ihr habe ich nicht nur die größte Verbundenheit gespürt, sondern sie hat mich schlichtweg mit ihrer Art beeindruckt — sie ist unglaublich willensstark und liebt ihren Vater über alles; gleichzeitig kämpft sie mit sich selbst, fragt sich, ob sie Nikolai einfach kaltblütig töten kann, um den Wettkampf zu gewinnen.
Nikolai mochte ich zumindest anfangs weniger — vermutlich, weil ich manchmal das Gefühl hatte, keinen richtigen Draht zu ihm zu finden. Dennoch war es spannend zu sehen, wo die Schwerpunkte seiner Fähigkeit im Gegensatz zu Vikas liegen. Außerdem ist er einer dieser Charaktere, die man erst im Nachhinein richtig zu schätzen weiß; wie zum Beispiel seine Selbstlosigkeit, die er hinter seinen Taten versteckt.
Ein wenig an Rhy aus A Darker Shade of Magic erinnert hat mich Pasha: Ein Thronfolger, der noch nicht wirklich bereit ist, die Bürden des Königsreichs auf den eigenen Schultern zu tragen — und es dennoch viel zu früh tun muss. Allein dafür habe ich ihn ins Herz geschlossen; er ist einfach ein unglaublich lebensfroher Charakter, immerzu optimistisch (anfangs sogar noch etwas naiv) und einfach so... weltoffen. Er macht, ohne zu viel zu verraten, meiner Meinung nach auch die spannendste Entwicklung durch. Leider geht sie etwas zu schnell vonstatten, was besonders im Kontrast zu dem gemächlicheren Tempo des Buches mich etwas aus der Bahn warf. Aber das ist eine Kleinigkeit; bei The Crown's Game ist jede Kritik auf hohem Niveau.
Evelyn Skye hat den Wettkampf zwischen Nikolai und Vika grundsätzlich ganz anders gestaltet, als ich erwartet habe; ich dachte eher an Kämpfe auf Leben und Tod wie bei The Hunger Games oder Throne of Glass. Stattdessen entwickelte sich der Wettbewerb eher wie ein Schachspiel; ein Enchanter macht seinen Zug, dann kommt der nächste... bei den einzelnen Runden nahm sich Skye ausreichend Zeit, um die Magie darzustellen und sie vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen.
Ich muss sowieso anmerken, dass sowohl der Weltenbau als auch die Ausgestaltung der Magie vollkommen gelungen ist. The Crown's Game spielt in Russland, und aus dem Nachwort der Autorin lässt sich schließen, dass sie sich tatsächlich an einen großen Teil der historischen Gegebenheiten gehalten hat. Durch ihr Studium wurde ihr bereits die meiste Recherche abgenommen, was ich besonders spannend finde. Ich kann nicht für eine korrekte Darstellung sprechen, aber zumindest so viel sagen: Vikas Russland ist vor meinen Augen zum Leben erwacht.
Mein Highlight dieses Weltenbaus: Dass Magie fast schon wie eine Religion behandelt wird. Entweder man glaubt daran — oder tut es nicht. Die Leute, die nicht daran glauben, erfinden unglaublich faszinierende/schräge Ausreden für bestimmte Phänomene. Das war einfach ein i-Tüpfelchen, das mich immer wieder zum Schmunzeln brachte.
Obwohl das Tempo der Geschichte zur Mitte hin etwas langsamer wird, nahm das Ende nur umso mehr Fahrt auf und ließ mich vollkommen schockiert zurück. Zwei gute Nachrichten: The Crown's Game ist der Auftakt einer Dilogie. Der zweite Teil erscheint im Mai. Mehr will man als Leser doch nicht hören, oder?
Es war wirklich ein fantastisches Debüt. Eines, dem man anmerkt, wie viel Arbeit hineingeflossen ist.  Es gibt nur kleinere Schwächen: Manchmal bewegt sich die Geschichte einfach zu langsam. Hin und wieder fehlte mir ein wenig der Draht zu den Charakteren. Aber abgesehen davon hat mich das Russland der Charaktere mit offenen Armen empfangen — und ich bin unglaublich gespannt, zu welchem Ende Vikas, Nikolais und Pashas Geschichte gelangen wird.

Fazit
The Crown's Game ist ein unglaublich gutes Debüt, das mit faszinierenden Charakteren, einem grandiosen und bildhaften Weltenbau und seiner ganz besonderen Magie beeindruckt. Für all die, die Geschichten lieben, die von ihren Charakteren und einem prächtigen Weltenbau leben — und erst recht etwas für Fans von Leigh Bardugos Grischa-Werken.


The Crown's Game ⚬ Taschenbuch: 416 Seiten ⚬ Balzer + Bray ⚬ Band 1/2 ⚬ ca. 9,99€ ⚬ Kaufen?

Samstag, 8. April 2017

[Rezension] A Shadow Bright and Burning - Jessica Cluess


Inhalt
Die sechzehnjährige Henrietta Howel würde alles für ihren besten Freund Rook tun. Und sie würde alles dafür tun, dass ihre Magie unentdeckt bleibt - denn sie weiß, dass die Entdeckung ihrer Fähigkeit, Feuer zu schaffen, ihren Tod bedeuten würde.
Dann jedoch wird Rook angegriffen, und um ihn zu retten, setzt Henrietta ihre Magie ein. Ein Zauberer wird auf sie aufmerksam; doch anstatt sie umzubringen, wird sie auf ein Anwesen gebracht, auf dem sie mit sechs weiteren Jungen lernen soll, ihre Kraft zu beherrschen. Denn laut einer Prophezeiung ist Henrietta die Auserwählte in dem andauernden Krieg.
... Aber ist sie das wirklich?

Meine Meinung
Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, weshalb ich A Shadow Bright and Burning überhaupt gekauft habe.
Es hat durchschnittliche Bewertungen auf Goodreads, der offizielle Klappentext ist voller Klischeesätze und gefühlt hat das Buch niemand gelesen. Es verging sogar so viel Zeit zwischen dem Kauf des Buches und dem tatsächlichen Lesen, dass ich bis dato vergessen hatte, worum es ging. Ich wusste nur noch irgendetwas von viktorianischem London und Fantasy.
In anderen Worten: Ich erwartete höchstens, A Shadow Bright and Burning zu mögen. Stattdessen war ich umso überraschter, dass ich es liebte.
Die Liebe fängt schon bei Henrietta an. (Extra Liebe gibt's dafür, dass ihre Hautfarbe als "dunkel" beschrieben wird!) Cluess erzählt aus ihrer Perspektive in der ersten Person Präteritum und verleiht der Protagonistin eine richtige eigene "Stimme" - Henrietta ist keine dieser Auserwählten, die keinen Plan hat, was sie macht; sie ist keine, die ihre Kraft dann von einem Tag auf den anderen perfekt beherrscht; und zu guter Letzt ist sie keine typische graue Maus, die sich selbst schlechtredet. Kurzum: Sie ist eine der seltenen Young Adult-Protagonistinnen, die nicht alle Klischees absahnen. Im Gegenteil: Mit teilweise bissigen Antworten brachte sie mich oft zum Lachen, und ihr Dickkopf gemischt mit ihrem Humor war einfach herrlich erfrischend und brachte in die teils doch düstere Geschichte eine leichtere Note rein. Mein Highlight: Ganz trocken nennt sie ihren Stab, mit dem sie Magie wirkt, "Porridge".
Ebenfalls genoss ich, wie mit dem Thema "die Auserwählte" gespielt wurde. Durch geschickte Wendungen und Offenbarungen wechselte ich manchmal jede Seite meine Meinung über Henrietta. Ist sie nun die Auserwählte, oder nicht? Wer ist sie dann? Woher kommt sie? Wer waren ihre Eltern? Cluess schafft ein Mysterium nach dem anderen, und es war faszinierend. 
Aber auch die anderen Charaktere haben verdammt viel Spaß gemacht. Von Agrippa, der Zauberer, der Henrietta aufnimmt und als Art Vaterfigur fungiert, bis hin zu den Jungs, mit denen sie trainiert - ihr hattet ja keine Ahnung, wie skeptisch ich anfangs war. Die weibliche Protagonistin eingepfercht mit sechs Jungs im selben Alter? Sollten wir statt einem Liebesdreieck jetzt ein Liebesheptagon haben? Die Antwort ist natürlich nein, sonst hätte ich vermutlich schon längst aufgehört, das Buch in den Himmel zu loben. Denn die Jungs sind nicht nur alle gut ausgearbeitet und jeder eine Persönlichkeit für sich, sondern auch zumindest zu einem Großteil wenig an Henrietta interessiert. Zumindest in dem Sinne. Und selbst als die Romantik dann auftaucht, ist sie so dezent und irrelevant für den weiteren Verlauf des Buches, dass ich mich nur noch mehr in das Werk verliebte.
Doch zurück zu den sechs Jungs - zwei davon habe ich ganz besonders ins Herz geschlossen. Da ist zum einen Magnus, der noch mehr Sprüche raushaut als Henrietta und mich von seinem ersten Auftreten an konstant zum Lachen brachte.
"Over there," Magnus called, pointing to the front of a beautiful building, "is the Theatre Royal. I should take you for a show sometime. Have you ever been to the theatre, Miss Howel? Do they get much Shakespeare up in Yorkshire?" His smile was full of false innocence.
"No, but I can spot bad acting when it's right in front of me," I said. Magnus laughed so hard I feared he'd fall off his horse.
Und dann ist da Blackwood, der auf mich wie eine Variation von William Herondale von Cassandra Clares The Infernal Devices wirkte, rein von dem Aussehen und dem Verhalten her. Blackwood ist der reifste von den Jungen; er ist jung zum Earl ernannt worden und trägt die größte Verantwortung in der Gruppe der Lehrlinge. Gegen Ende des Buches erhält seine Schale erstmalig Risse - und ich bin gespannt, was da noch kommt.
Jetzt redet sie die ganze Zeit von den Charakteren, denkt ihr? Die Geschichte ist mindestens genauso cool. Zum einen hat Cluess ein London abgebildet, das vor meinen Augen lebendig geworden ist; ich lief durch die Gänge der Schule, in der Henrietta zu Beginn des Werkes unterrichtet, und zuletzt auch im Anwesen, wo sie zur Schülerin wird. Inmitten all diesem befindet sich die Magie - Jessica Cluess unterscheidet zwischen Hexen, Zauberern und Magiern (Witches/Sorcerers/Magicians im Original), die alle ihre eigenen Fähigkeiten haben. Die Zauberer bilden dabei die Elite der Gesellschaft; durch Ereignisse der Vergangenheit sind Hexen quasi ausgestorben, und die Magier sollen ihnen bald folgen, wenn man die entsprechenden Leute fragt.
"What exactly were the terms of the royal pardon for magicians?" I asked.
"In exchange for their lives, they would take no apprentices and perform no public magic," Blackwood replied. "When this generation of magicians dies, their magic will end in England forever. To break the pardon is to forfeit your life."
Gleichzeitig wird Cluess' England von sogenannten Ancients bedroht; sieben dämonenartige Wesen, die seit Urzeiten bestehen und jetzt versuchen, die englischen Städte Stück für Stück an sich zu reißen. Wir befinden uns von der ersten Seite an in einem Krieg - ein weiterer Aspekt, den ich originell fand und an dem Buch geliebt habe -, zu dem Henrietta dazukommt; sie ist kein Auslöser, und erst recht ist sie nicht die Lösung.
Ich könnte allerdings nicht das Buch rezensieren, ohne nicht auch Rook zu erwähnen - Henriettas bester Kindheitsfreund, der mit ihr in die Stadt reist und in dem Haus, in welchem sie trainiert wird, als Stallbursche engagiert wird. Als Rook klein war, wurde er von einem Ancient angegriffen und trägt seitdem Wunden, die nicht verheilen, und ihn sowohl körperlich als auch mental beeinflussen. Soweit ich das mitgekriegt habe, wird Rook von den meisten Rezipienten des Buches gemocht; ich persönlich konnte ihn nicht leiden. Warum? Ganz einfach: Er erinnerte mich - aus irgendeinem idiotischen Grund - total an Mal aus der Grischa-Trilogie. Genau, wie ich Alina und Mal zusammen nie verstanden habe, konnte ich auch Rooks und Henriettas Freundschaft nur bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Ich fand ihre Motive nobel, ihm zu helfen; gleichzeitig brachte er sie mehrmals in unmögliche Situationen, und ich wollte ihn einfach nur noch schütteln. Ich habe außerdem die Befürchtung, dass er in sie verliebt ist, klopfe jetzt aber einfach dreimal aufs Holz und hoffe, dass sich das nicht bewahrheitet.
Es gab noch ein paar weitere kleine Dinge, die ich fairerweise zur Kritik anbringen muss: Leider hat auch Henrietta ihre Momente, in denen sie sich blindlings in irgendwelche Situationen stürzt, in denen sie sich nicht befinden sollte. Man muss ihr allerdings zugutehalten, dass sie sich meistens selbst rettet/retten kann (und, wie bereits gesagt, ich habe sie voll und ganz ins Herz geschlossen). Außerdem gibt es eine Stelle, in der wir in Magnus einen Wandel sehen, den ich persönlich als zu abrupt und einfach rätselhaft empfand - das war aber zum Glück einmalig. Zuletzt finde ich, dass bei Cluess' Weltenbau noch Luft nach oben ist. Wir haben schon eine spannende Basis bekommen, auf die sie hoffentlich in den nächsten zwei Bänden aufbauen wird.
Denn letztendlich handelt es sich hier nicht nur um den Auftakt zu einer Trilogie, sondern noch dazu um Jessica Cluess' Debüt - und was für eins es ist. Vor allem ist es ihr gelungen, mich voll und ganz in die Geschichte zu ziehen und mich meine Umgebung vergessen zu lassen. A Shadow Bright and Burning war für mich ein grandioser Auftakt; ich habe mit den Charakteren gelacht, geweint, geflucht und fast jeden von ihnen ins Herz geschlossen.

Fazit
A Shadow Bright and Burning hat mich vollkommen begeistert. Jessica Cluess hat das viktorianische London als Schauplatz für eine faszinierende Magie und noch faszinierendere Charaktere gewählt. Das Buch ist definitiv etwas für Fans von Clares The Infernal Devices; aber auch Leute, die Lust auf ein ganz besonderes Urban Fantasy-Abenteuer mit originellen Charakteren haben, werden hier auf ihre Kosten kommen. Von mir gibt's eine klare Empfehlung!


A Shadow Bright and Burning ⚬ Hardcover: 416 Seiten ⚬ Random House ⚬ Trilogie-Auftakt ⚬ aktuell ca. 14€ ⚬ Kaufen?

Mittwoch, 15. Februar 2017

[Rezension] And I Darken - Kiersten White


Inhalt
Lada und Radu könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie ist brutal, schonungslos, eifert ihrem Vater nach. Er ist zart, verletzlich, sensibel, will am liebsten nicht bemerkt werden. Die Kindheit der beiden nimmt eine abrupte Wendung, als sie ihrer Heimat Wallachia entrissen werden, um im Osmanischen Reich aufgezogen zu werden. Umso älter sie werden, desto größer wird auch das Netz aus Intrigen und Geheimnissen um das ungleiche Geschwisterpaar...

Meine Meinung
Ich habe die Inhaltsangabe bewusst grob und vage gehalten, da ich der festen Überzeugung bin, dass man lieber etwas ahnungsloser an ein Buch herangeht als umgekehrt. Und gerade die offizielle Inhaltsgabe von And I Darken verrät so einiges, das wirklich erst nach einem guten Stück des Buches passiert.
Zugegeben liegt das zum Teil daran, dass in And I Darken eine Zeitspanne von 16 Jahren abgedeckt wird und, das möchte ich gleich vorwegnehmen, die Charaktere die treibende Kraft sind, nicht der Plot. Es hatte ein paar The Song of Achilles-Vibes, was ein Grund war, weswegen ich mich gleich wohl fühlte.
Die Geschichte spielt erst im Fürstentum Walachei, dann im Osmanischen Reich... und zu einer Zeit (um 1400 herum), die mir völlig fremd war - und gleichzeitig nicht. Kiersten White gelingt es, mit viel Liebe zur Detail all diese fremden Welten zu erschaffen. Verschiedenste Sitten und Bräuche, ganze Religionen sind geschickt in die Geschichte eingeflochten - selbst ein Glossar gibt es (das ich leider viel zu spät entdeckt habe). Ich bin jemand, der leicht den Überblick verliert, gerade bei vielen Namen und Ämtern und Kulturen, die ich nicht kenne, von daher war ich angenehm überrascht und vor allem nur selten verwirrt. ;)
Aber auch wenn die Beschreibung der Welt ein Teil des Romans ist, so sind die Charaktere, wie bereits angedeutet, doch einfach das Kernstück der ganzen Erzählung. Ich meine, gerade Lada und Radu begleiten wir von ihrer Geburt an! Und ich kann nicht mal ansatzweise beschreiben, wie fasziniert ich sowohl von ihrer Entwicklung als auch von ihrer Komplexität bin. Bei den Geschwistern handelt es sich um keine Figuren, die man unbedingt mag oder zumindest nicht liebt - aber sie sind einfach so unglaublich interessant. Lada mit ihren brutalen Zügen und unbeschreiblicher Determination, Radu, der lernt, ein anderes Spiel zu spielen, um zu überleben. Gleichzeitig flicht White weitere Themen ein; zum Beispiel Radus Homosexualität, mit der er immer wieder anstößt, Fragen nach Moral, Politik, Krieg. And I Darken mag als Young Adult vermarktet werden, doch es ist düster und komplex und ganz sicher keine leichte Lektüre.
Radu, Lada und Mehmed (ein ostmanischer Thronfolger, der erst im Laufe der Geschichte eingeführt wird) basieren alle auf realen Figuren, Lada insbesondere auf Vlad dem Pfähler; in diesen Teil der Vergangenheit habe ich mich erst hinterher etwas eingelesen und bin fasziniert von Whites Parallelen, vielmehr aber auch von den Interpretationen, die sie vorgenommen hat.
Es gab rückblickend nur ein paar Kleinigkeiten, die mich daran hinderten, dieses Buch zu lieben: Stellenweise war es einfach zu langsam, vor allem nach der Hälfte schleppte es sich ein wenig. Außerdem konnte ich Mehmed, der trotz seiner späten Einführung zu einem zentralen Charakter wird (wer's wissen will, kann es in der Kurzbeschreibung nachlesen), nicht so gut leiden wie Radu und Lada. Mehmed bleibt einfach etwas blass, etwas sprunghaft und gleichzeitig undurchsichtig, was zumindest stellenweise daran liegt, dass wir schlichtweg keine Szenen aus seiner Sicht bekommen haben - aber wer weiß, vielleicht kann ich mich ja im zweiten Band vollends für ihn erwärmen. Denn die Fortsetzung Now I Rise erscheint - zum Glück! - schon Ende Juni.
Letztendlich bin ich einfach froh, dass ich zu And I Darken gegriffen habe. Das Buch lag wieder einmal etwas außerhalb meiner Komfortzone, und wieder einmal habe ich diesen Ausbruch definitiv nicht bereut. Sehr empfehlenswert!

Fazit
And I Darken ist ein gelungener Auftakt zu einer Trilogie, die mit einem spannenden historischen Setting und vor allem mit unglaublich faszinierenden Protagonisten überzeugt. Eine klare Empfehlung meinerseits!


And I Darken ⚬ Taschenbuch: 496 Seiten ⚬ Band 1/3 ⚬ Delacorte Press Books for Young Readers ⚬ ca. 7,99€ ⚬ Kaufen?


Samstag, 28. Januar 2017

[Rezension] Windwitch - Susan Dennard

Da es sich hierbei um den zweiten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!


Inhalt
Merik Nihar sollte tot sein. Doch er überlebt die Explosion seines Schiffes und macht sich auf die Suche nach dem Verräter.
Safi und Vaness werden ebenfalls von einer Attacke auf ihr Schiff überrascht. Auch ihnen gelingt es, zu fliehen... nur um in die Fänge von jemand ganz anderem zu geraten.
Iseult macht sich auf die Suche nach Safi, ihrer Strangschwester, doch ihr Weg kreuzt sich mit Aeduans. Die beiden schließen eine Allianz, die unmöglich halten kann - und es doch irgendwie tut.
Doch die Konflikte zwischen den Charakteren sind längst nicht die einzigen, die brodeln - und auch die Abgründe in ihnen sind tiefer als erwartet...

Meine Meinung
Windwitch war eines meiner meistantizipierten Bücher dieses Jahres - und, so viel kann ich vorwegnehmen, auch wenn es mich nicht umgehauen hat, so war es definitiv keine Enttäuschung!
Laut der offiziellen Inhaltsangabe steht Merik im Mittelpunkt des Buches, aber so ganz kann ich das nicht bestätigen. Ist wohl auch gut so, denn Merik war einer der Charaktere im Buch, die mich am wenigsten überzeugt haben. Er wirkte distanziert und abweisend; so sehr ich mich auch bemühte, gelang mir kaum ein Einblick in seinen Kopf. Und seine Begleiterin Cam von seiner ehemaligen Crew konnte ich noch weniger ausstehen - warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Irgendetwas an ihrer Art wirkte einfach noch schroffer, noch distanzierter als Meriks Verhalten.
Das ist besonders in Anbetracht der Tatsache schade, dass ich Merik in Truthwitch unglaublich gut leiden konnte - aber gerade rückblickend war das wohl mehr Schein als Sein, haben wir in Truthwitch nie übermäßig viele Szenen aus seiner Perspektive gekriegt. Allerdings muss ich auch anmerken, dass meine Perzeption von ihm gerade zum Ende Windwitchs hin geändert hat... und ich ihn zumindest ein wenig besser verstehen konnte.
Für die anderen Charaktere konnte ich zum Glück mehr Sympathie aufbringen. Zum Einen für die anderen Neuankömmlinge - darunter Caden, ein Hell-Bard, den ich Stück für Stück mehr ins Herz schloss. Auch Vaness ist ein interessanter Charakter, über den wir in Windwitch etwas mehr lernen. 
Von den Protagonisten war Safi war so bissig, direkt und einfach... lebendig wie eh und je. Iseult macht einige Veränderungen durch, die sie als Charakter nur noch komplexer werden lassen. Und Aeduan... Aeduan ist sowieso mein Liebling. Die mysteriöse Aura, die ihn umhüllt, wird nur ein wenig in Windwitch gelüftet, aber gerade die Szenen mit ihm und Iseult sind pures Gold wert - nicht, weil Dennard plötzlich eine Romanze vom Himmel fallen lässt oder dergleichen. Stattdessen sind es die kleinen Dinge, die Andeutungen, zwischenmenschliche Kleinigkeiten, die mir einfach Lust machten, weiterzulesen. 
"A blink of confusion. Two shuddering breaths. Then understanding braced through him. [...] He wiped his face on his shoulder, then offered Iseult his hand. She clasped it tight, her fingers lacing between his. Together they ran."
(Windwitch, Susan Dennard)
Das Buch lebt von diesem Zwischenmenschlichen, von den Charakteren - weswegen die Tatsache, dass die Handlung stellungsweise etwas ziellos ist, zumindest ein wenig in den Hintergrund rückt.
Denn ich will es nicht beschönigen: Ich habe mich oft gefragt, wo das große Ganze ist. Warum ich das Gefühl habe, dass die Charaktere auf der Stelle treten... und erst gegen Ende gelang es mir, die einzelnen Fäden miteinander zu verbinden.
Im letzten Viertel geht die Geschichte auch erst so richtig los - Plottwist folgt auf Plottwist und Susan Dennard beweist einmal mehr, warum ich mich überhaupt erst in Truthwitch verliebt habe. Die Welt, der Schreibstil und natürlich die Charaktere sind einfach ein Meisterwerk.
Es ist kein Geheimnis, dass Susan Dennard Schwierigkeiten hatte, Windwitch zu schreiben. Und unabhängig davon, ob/wie sich das auf das Buch ausgewirkt hat, hat auch Windwitch seine Schwierigkeiten - damit meine ich vor allem den Plot, der etwas hinterherhinkt. So hat am Ende des Tages das Lesen des Buches zwar ein wenig länger gedauert, aber ich habe es nicht maßgeblich weniger genossen. Die Charaktere (Merik ausgenommen) und vor allem die unglaubliche Entwicklung, die sie durchmachen, haben mich zusammen mit dem Schreibstil vollkommen in den Bann gezogen. Susan Dennard ist einfach die Meisterin der Andeutungen, und vor allem gelingt es ihr, packende Bücher zu schreiben, die auch ohne die obligatorische Romanze den Leser packen.
Wer Truthwitch (Schwestern der Wahrheit im Deutschen) mochte, wird Windwitch mögen, wenn nicht sogar lieben!

Fazit
Windwitch ist kein perfekter Folgeband, aber trotz Schwächen ein gelungener. Susan Dennard zeigt abermals, was für grandiose, dreidimensionale Charaktere sie geschaffen hat, die nicht nur mit ihren hellen, sondern auch mit ihren dunklen Seiten den Leser in den Bann ziehen.


Windwitch ⚬ Hardcover: 384 Seiten ⚬ Reihe: 2/4 ⚬ Tor Teen ⚬ ca. 10,49€ ⚬ Kaufen?

Samstag, 7. Januar 2017

[Rezension] Tales from the Shadowhunter Academy - Cassandra Clare


Inhalt
Das Leben von Simon Lewis ist in Begriff, sich ein weiteres Mal fundamental zu ändern. Immer noch mit den Folgen seines Gedächtnisverlusts kämpfend macht er sich nun auf den Weg in die Shadowhunter Academy - um selbst einer dieser berüchtigten Schattenjäger zu werden. Doch der Weg dahin ist nicht einfach...

Meine Meinung
Ich muss ehrlich sein.
Bei den Tales from the Shadowhunter Academy kam mein keine-Ahnung-aber-muss-kaufen-Syndrom voll und ganz zu Tage. Ich dachte, dass es sich hierbei um eine Kurzgeschichtensammlung handelt, die eben zu "Clarys Zeit" spielt. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass sich das Buch primär um Simons Erfahrungen dreht - und das in Anbetracht der Tatsache, dass ich Simon bisher eher weniger leiden konnte. Ob das idiotisch von mir war? Absolut. Dafür war dann die Wirkung, die das Buch auf mich hatte, umso schöner.
Zugegeben: Gerade bei der ersten Kurzgeschichte war ich noch sehr skeptisch. Cassandra Clare hat die Geschichten ja nicht alleine, sondern in Zusammenarbeit mit Sarah Rees Brennan, Maureen Johnson und Robin Wasserman geschrieben. Und anfangs merkt man das noch sehr deutlich - dass es eben nicht primär Clares markanter Stil ist. Außerdem wirkte Simon einfach sehr... weinerlich. Ich meine, klar, ist verständlich. Aber seine Selbstzweifel wurden primär als ein ewiges Hin und Her dargestellt, und das hat mich eben genervt.
Dann kamen allerdings die Geschichten, in denen es um vergangene Schattenjäger ging. Ich werde jetzt nicht verraten, welche - aber es war eine gesunde Mischung aus Charakteren, die ich noch nicht kannte und lieben lernte, und Charakteren, die ich bereits liebte. Und es war einfach herrlich. Dass Simon eben ein wenig in den Hintergrund rückte und wir zum Beispiel Clary und Jace wiedersahen, oder Alec und Magnus. Vor allem in Interaktion mit denen wurde Simon langsam aber sicher sympathischer - auch am Ende des Buches bin ich noch nicht so weit, ihn zu lieben, (ein paar Geschichten mehr hätten mich gefreut! :D) aber ich verstehe und respektiere ihn um einiges mehr.
Eine der Fragen, die mich auch noch herumgetrieben hat, war diese: Wie relevant sind die Tales from the Shadowhunter Academy für das Verständnis von Lady Midnight? Man las unterschiedliche Meinungen - es sei essentiell, es sei optional. Ich würde mich tendenziell letzterem zuordnen - sie waren auf jeden Fall eine schöne Ergänzung! Von bestimmten Charakteren lese ich sowieso gerne, und von manchen Aspekte, die in Lady Midnight nur am Rande erwähnt werden, werden die Hintergründe immens ausgearbeitet, was einfach sehr cool ist!
Verglichen mit den Bane Chronicles sind mir diese noch ein bisschen lieber, aber das liegt eben an den Charakteren. ;) Und ich bin immer noch nicht der größte Fan davon, dass mehrere Autoren an einer Geschichte schreiben... aber grundsätzlich war es einfach schön, wieder in die Schattenjäger-Welt zurückzukehren. <3

Fazit
Die Tales from the Shadowhunter Academy machen einfach Spaß zu lesen - man lernt nicht nur über Simon, sondern auch über andere Charaktere, neue und altbekannte, und grundsätzlich ist dieses "Schattenjäger-Feeling" einfach wieder da. Eine tolle Ergänzung!


Tales from the Shadowhunter Academy ○ Hardcover: 672 Seiten ○ Margaret K. McElderry Books ○ ca. 11,99€ ○ Kaufen?

Samstag, 24. Dezember 2016

[Kurzrezension] Ein Heim für besondere Kinder und ein Überfluss an Katherines


Miss Peregrine's Home for Peculiar Children - Ransom Riggs Worum geht's?
Um Jacob, der seinen Großvater auf grausame Art und Weise verliert. Zur Bewältigung seines Traumas begibt er sich auf die Spuren der Vergangenheit seines Opas und stellt fest, dass die Geschichten, die er immer erzählte, wohl doch wahr waren...
Meine Meinung
Der Hype um Miss Peregrine's Home for Peculiar Children ist gewaltig. Und nach Jahren, in denen ich nichts als Lob gehört habe, habe ich mir endlich ein eigenes Exemplar zugelegt. Tja, was soll ich sagen? Es gefiel mir überhaupt nicht.
Riggs kann gut schreiben, das steht außer Frage, und auch die Idee für die Geschichte ist ganz zauberhaft. Aber die Umsetzung... puuuh. Jacob konnte ich auf den Tod nicht ausstehen - ich wurde einfach nicht mit ihm als Erzähler warm und er blieb, wie die anderen Charaktere auch, unglaublich blass. Zusätzlich wurde eine absolut unrealistische Liebesgeschichte in die Story reingepresst, und das Ende hat mich noch zusätzlich wütend gemacht.
Was mich aber am meisten gestört hat, war diese schleppend langsame Erzählung. Es passiert nichts, einfach gar nichts. Die Ermordung von Jacobs Großvater und der Pseudo-Showdown am Ende sind das Einzige am Buch, was irgendwie spannend ist. Dazwischen... endlose Seiten voller Nichtigkeiten, in denen weder die Geschichte noch die Charaktere irgendwie vorankommen. Die Bilder sind zwar nett und auch echt unheimlich, tragen aber nichts zur Geschichte bei.
Den Hype kann ich absolut nicht verstehen. Für mich wohl eine der Enttäuschungen des Jahres.

Taschenbuch ○ 382 Seiten ○ Quirk Books ○  Kaufen?

An Abundance of Katherines - John Green
Worum geht's?
Um Colin, der soeben von der 19. Katherine verlassen wurde. Und einen IQ von über 200 hat. Mit seinem Freund Hassan begibt er sich auf einen unvergesslichen Road-Trip.
Meine Meinung
Mit An Abundance of Katherines habe ich alle John Green-Bücher gelesen, und auch dieses stellt keine Enttäuschung dar! Zugegeben, anfangs war ich skeptisch - man hört nicht gerade viel Gutes über das Buch. Ich kann's nur teilweise nachvollziehen.
Mein größter Kritikpunkt ist eigentlich der Anfang des Buches - es zieht sich einfach, und so ziellos, wie der Road-Trip anfangs ist, scheint auch die Geschichte zu sein. Doch dann kommt das Ganze erst so richtig ins Laufen, und mit jeder Seite schließt man Colin etwas mehr ins Herz. Er versucht, ein Theorem zu entwickeln, das den Verlauf seiner alten Beziehungen erfasst und sogar zukünftige vorhersagen kann. Das bedeutet, dass man im Buch immer mal wieder kleine Graphen und Formeln findet, was mir unglaublich gut gefiel! (Es handelt sich dabei um leichte Mathematik, keine Sorge. ;)) Außerdem gibt es immer wieder kleine Fußnoten, die das Geschehen einfach bereichern - gerade eben, weil Colin so intelligent ist. Ich dachte zuerst, das würde den Lesefluss stören, aber dem war überhaupt nicht so.
Vor allem die Message, die sich immer stärker aus der Geschichte rauskristallisiert, hat mir mal wieder unglaublich gut gefallen. So ist An Abundance of Katherines nicht mein liebstes John Green-Buch, aber deswegen nicht weniger lesenswert.


Taschenbuch ○ 272 Seiten ○ Penguin Books ○ Kaufen?

~

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ganz frohe Weihnachten! <3 Und wenn ihr nicht feiert, dann wünsche ich euch ein ruhiges, erholsames Wochenende!

Samstag, 10. Dezember 2016

[Rezension] The Crown - Kiera Cass


Da es sich hierbei um den letzten Band einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!

Inhalt
Eadlyns Selection neigt sich dem Ende zu - doch sie weiß weder, wen sie erwählen soll, noch kann sie sich überhaupt Gedanken um die Bewerber machen; ihre Mutter liegt im Krankenhaus, ihr Bruder ist in Frankreich und das Gewicht eines Königreiches lastet auf ihren Schultern. Und egal, was sie macht, die Zustände scheinen sich nur noch weiter zu verkomplizieren...

Meine Meinung
Ich habe das Lesen dieses Buchs ein wenig hinausgezögert - allein der Gedanke, mich dieses Mal wirklich von Eadlyn, America und Maxon zu verabschieden, ließ mich ein wenig melancholisch werden. Diese Reihe wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.
Nach dem Beenden des vierten Bandes, The Heir, war ich selbst unschlüssig, wo die Geschichte noch hinführen würde - gerade in Anbetracht des jungen Herren, den Eadlyn wählen würde. Es gab viele Bewerber, und vor allem viele Bewerber, die gut zur Eadlyn gepasst hätten, und ich war wirklich gespannt, wie Cass sich festgelegt hatte.
Stattdessen nahm die Geschichte eine Wendung, die ich gar nicht so erwartet habe. Aufgrund von Americas Zustand entschließt sich Eadlyn, mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen, macht erste (unangenehme) Erfahrungen in der Politik und muss ziemlich bald lernen, ihren Standpunkt und ihre Werte zu vertreten. Besonders gut gefiel mir, dass Cass hierbei der Eadlyn treu blieb, die wir bereits aus dem Vorgänger kennen. Eine Eadlyn, die sich traut, den Mund aufzumachen - die manchmal abweisend oder kalt wirkt, aber eigentlich nur einen Weg zu finden versucht, mit all diesen Verpflichtungen umzugehen. Viele ihrer Entscheidungen brachten mich nur dazu, sie weiter ins Herz zu schließen.
So wie auch bei The One (dem dritten Band) wird auch in The Crown der Fokus (noch) ein wenig stärker aufs Volk gelenkt. Trotz der Abschaffung der Kasten gibt es dort immer noch viele Missstände, da die Leute Schwierigkeiten haben, das Rangdenken abzulegen. Ich mochte dieses Politische, diese Ernsthaftigkeit, die die Autorin somit in die Geschichte einbrachte, unglaublich gerne.
Trotz der unerwarteten Wendungen liegt letztendlich der Fokus immer noch auf Eadlyns Selection. Ich mochte einen Großteil der Jungs sehr gerne - egal, ob Erik, Kile, Hale... sie alle wurden immer lebendiger mit eigenen Hintergründen und Persönlichkeiten und einfach Eigenheiten, die sie immer charmanter machten.
Ich würde jetzt am liebsten schreiben "trotz der Kürze des Buches..." - doch es gab leider ein paar Aspekte, die tatsächlich dadrunter gelitten haben. Es hätte dem Plot einfach gut getan, mehr Zeit zu haben, in der er sich entfalten kann. Es gab so viele spannende Handlungsstränge, die in Band 4 eingeführt wurden und die in The Crown zwar nicht fallen gelassen, aber dennoch eher dürftig abgewickelt wurden. Auch das Ende - so toll es auch war, aber dazu komme ich gleich - hätte sich gern noch über ein paar Seiten mehr ziehen dürfen.
Aber meine Güte... was für ein Ende es war! Ich konnte das Buch absolut nicht weglegen und habe bis in die Nacht hinein gelesen, getrieben von dem Verlangen, zu erfahren, wie Eadlyns Geschichte ausgeht - puuuh. Anders formuliert: Ich saß Rotz und Wasser heulend im Bett. Nicht einmal, weil das Ende traurig war. Oder unpassend. Es war einfach so... schön und rührend! Der richtige Abschluss für die süße Geschichte, die ich über die Jahre kennen und lieben gelernt habe. Auch wenn ich America, Maxon und Eadlyn definitiv vermissen werde.

Die Selection-Reihe - Resümee
Ich erinnere mich noch daran, wie ich nach dem ersten Buch gegriffen habe. Ich erwartete nicht viel - eine leichte Geschichte, wenn auch mit viel Kitsch und Klischees.
Eine leichte Geschichte bekam ich... gewissermaßen. Gleichzeitig gefielen mir die Bücher besser und besser, umso weiter ich las, und irgendwann fühlte ich mich in Americas Welt schlichtweg zu Hause.
Vielleicht liegt es daran, dass ich nie die höchsten Erwartungen an die Bücher hatte, und sie sind natürlich nicht vollkommen. Aber ich habe es keine Sekunde bereut, vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren The Selection aufgeschlagen zu haben.

Fazit
In The Crown findet Eadlyns Geschichte ein rundes, wenn auch nicht perfektes Ende. Ein Buch, eine Reihe, die mich zum Lachen und Weinen, zum Schwärmen und Bewundern gebracht hat, und die definitiv einen Ehrenplatz in meinem Regal hat.


The Crown ○ Taschenbuch: 279 Seiten ○ HarperCollins ○ Reihe: 5/5 ○ ca. 8,78€ ○ Kaufen?

Freitag, 11. November 2016

[Rezension] Gemina - Amie Kaufman, Jay Kristoff

Da es sich hierbei um den zweiten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt
Hanna lebt ein wohlbehütetes Leben mit einem wunderbaren Vater und einem liebenden Freund. Nik dagegen stammt aus einer Familie von Kriminellen, hat selbst schon einen Teil seines Lebens im Gefängnis verbracht. Die Wege der beiden Jugendlichen kreuzen sich, als BeiTech einen neuen Angriff startet. Und auf einmal ist nicht nur das Leben von Hanna und Nik, sondern auch das sämtlicher anderer Bewohner Heimdalls bedroht...

Meine Meinung
Illuminae hatte meiner Meinung nach ein paar Schwächen. Aber irgendetwas an dem Konzept des Buches, der Idee dahinter, hat mich so sehr in den Bann gezogen, dass ich mir Gemina wenige Tage nach dem Erscheinen zulegte.
War ich anfangs noch ein wenig "traurig", dass sich die Geschichte jetzt primär um andere Charaktere drehte, legte sich das schnell - denn Nik und Hanna sind verdammt coole Protagonisten, über die Stück für Stück mehr enthüllt wurde.
Hanna, auf der einen Seite, ist nicht (nur) das verwöhnte Mädchen, das sie vor allem anfangs den Eindruck macht zu sein. Schnell stellt sich heraus, dass sie ziemlich gut darin ist, am Leben zu bleiben - und auch zurückschlagen kann.
Niks Auftreten, auf der anderen Seite, ist auch zu einem gewissen Teil Schein. Der Leser fragt sich ziemlich bald, was wirklich in seiner Vergangenheit vorgefallen ist - und wie viel von dem, was man von ihm erfährt, wirklich wahr ist.
Warum ich die beiden letztendlich lieber als Kady und Ezra mochte? Ich bin mir nicht sicher, ehrlich gesagt. Aber sie wirkten einfach um einiges... dreidimensionaler auf mich. Nicht unbedingt realitätsnaher (sorry, doch diese Romanzen und Bad Boys sind teilweise doch etwas klischeebehaftet), aber dennoch greifbarer. Ich hatte einfach das Gefühl, besser in Niks und gerade Hannas Köpfe hineinschauen zu können als in die von Kady und Ezra. In Gemina wird auch mehr mit Überwachungsprotokollen gearbeitet als in Illuminae, vermutlich liegt es daran - was auch half, das Geschehen des Buches übersichtlicher zu gestalten.
Was in Illuminae etwas schwächer war, ist Geminas große Stärke: der Plot! Zugegeben ist er teilweise etwas konfus - aber einen Großteil des Buches über ist es einfach nur genial. Man wird förmlich in die Geschichte hineingezogen und nicht mehr losgelassen. Und wer von den Plottwists in Illuminae schon nicht genug bekommen konnte, wird in Gemina mindestens genauso viel (und noch mehr Freude) mit ihnen haben. Das ist mein vollkommener Ernst. Mein Weltbild innerhalb einer Geschichte wurde selten so sehr erschüttert - Kaufman und Kristoff haben alles auf den Kopf gestellt, spielen mit der Grenze zwischen Genialität und Absurdität. Ich war perplex, habe gelacht, habe sogar geweint - konnte nicht glauben, was für eine Lösung letztendlich präsentiert wurde. Gemina ist vollkommen abgefahren; ist nicht so von AIDAN oder der Aufmachung abhängig, wie es Illuminae war, und allein in diesem Aspekt schlägt es seinen Vorgänger definitiv.

Gerade auf die Illustrationen möchte ich noch einmal eingehen; in Gemina hat Marie Lu einen grandiosen Beitrag geleistet - ja, die Frau kann nicht nur fantastische Bücher schreiben, sondern auch fantastisch illustrieren. Ich hätte auch 600 Seiten gefüllt mir ihren Bildern anschauen können und hätte das völlig in Ordnung empfunden.

Um auf eine Frage einzugehen, die bestimmt vielen im Kopf herumschwirrt - ja, Kady und Ezra tauchen in Gemina auf. Hätte ich mir gewünscht, dass sie etwas präsenter sind? Ja und nein zugleich - denn letztendlich ist die Frage drängender, was zur Hölle in dem dritten Band passieren wird. Ohne Witz. Ich hoffe inständig darauf, dass wir keine neuen Protagonisten mehr bekommen und stattdessen die (überlebenden) alten Gesichter wieder zu sehen bekommen. Gerade nach den Enthüllungen in Gemina - meine Güte, ich war ja so was von ahnungslos.
Ich bin noch nicht so weit, sagen zu können, dass ich Gemina geliebt habe - auf jeden Fall werde ich beide Bücher vor dem Erscheinen des finalen Bandes ein weiteres Mal lesen; ich glaube, dass ich sie dann (noch) mehr mögen werde. Aber gerade im Vergleich zu seinem Vorgänger hat mir dieser Band schon wesentlich besser gefallen - es gab nur kleinere Mankos wie Niks Cousine (ich kam mit ihr als Charakter einfach nicht klar) und hin und wieder kleinere Verwirrung bezüglich der Storyline.
Aber wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann, dann das: Wer Illuminae gemocht/geliebt hat, wird noch mehr Spaß mit Gemina haben!

Fazit
Gemina ist ein gelungener zweiter Band mit tollen Protagonisten und schockierenden Enthüllungen. Wer Freude mit Illuminae hatte, wird Gemina lieben!


Titel: Gemina
Hardcover: 608 Seiten
Verlag: Knopf Books for Young Readers
Reihe: 2/3
Preis: ca. 14,95€

Montag, 24. Oktober 2016

[Rezension] The Thousandth Floor - Katharine McGee

Inhalt
In einem eintausend Stockwerke hohem Hochhaus leben Avery, Leda, Eris, Watt und Rylin. Avery, die heimlich in ihren Adoptivbruder verliebt ist. Leda, die den Sommer in einer Entzugsklinik verbracht hat. Eris, deren Familie auseinander bricht. Watt, der ein Geheimnis hat, das ihn ins Gefängnis bringen könnte. Und Rylin, die am absoluten Existenzminimum lebt. Stück für Stück verflechten sich die Welten all dieser Bewohner, und immer größere Konflikte entstehen...

Meine Meinung
The Thousandth Floor ist eines dieser Bücher, das ich einfach lesen musste, weil ich die Idee so unglaublich spannend finde. Manhattan 2118, ein futuristisches, gigantisches Hochhaus und eine Geschichte, die ein wenig Gossip-Girl-Vibes versprach - ich war sofort mit dabei!
Gerade dieses Setting ist eine Stärke des Buches. Ich habe festgestellt, dass ich durch die Straßen laufe, Häuser angucke und versuche, mir die Größe des "Towers", wie er im Buch genannt wird, vorzustellen. Bisher bin ich wieder und wieder gescheitert. 1000 Stockwerke - 2,5 Meilen laut dem Buch - sind eine Sache. Aber sich dann noch eine Fläche vorzustellen, die ganze Straßen beherbergt? Wo nicht nur ein paar Apartments aneinandergereiht sind, sondern dutzende Wohnungen und Geschäfte? Wow. Einfach wow.
Immer wieder flechtet McGee kleine Details ein, die beweisen, wie gut sie sich den Tower selbst vorstellen und auch dem Leser nahebringen kann. Ich bin immer noch ganz fasziniert und frage mich - wie so ziemlich bei allen futuristischen Büchern -, was genau davon eintreffen wird.
Im Zentrum des Buches stehen sonst natürlich die Charaktere. Bei The Thousandth Floor gibt es nicht einen elaborierten Plot, sondern wird dieser vielmehr durch die Figuren vorangebracht und entwickelt.
Die fünf oben erwähnten Charaktere sind die, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist. Es gibt allerdings noch zahlreiche weitere, und damit meine ich wirklich zahlreiche. Dennoch gelang es mir überraschend gut, den Überblick zu behalten und schnell entwickelten sich Favoriten oder... eben nicht-Favoriten.
Von den Perspektivträgern konnte ich nur zwei richtig gut leiden, und das waren Avery und Rylin - der Reichtum in Person (Averys Eltern besitzen das Apartment im 1000. Stock) und dagegen Rylins krasse Armut. Sie ist ein wenig das Äquivalent zu Dan aus Gossip Girl, nur weniger... nervig und sprunghaft. (Wenn hier Gossip Girl-Fans mitlesen: Sorry!) Avery ist vor allem missverstanden und überraschend isoliert, auch wenn jeder von ihr annimmt, das Gegenteil zu sein. Ich konnte ihre Gefühle besonders gut nachvollziehen und vor allem ihr Adoptivbruder Atlas ist mir auch sehr sympathisch geworden.
Watt habe ich mehr oder weniger toleriert, zu Eris habe ich nie wirklich eine Verbindung aufgebaut und Leda... Leda ist schlichtweg unsympathisch, schon fast krankhaft neidisch. Ich frage mich, ob das absichtlich so konzipiert war - wenn ja, hätte ich einfach gar nicht erst aus ihrer Perspektive geschrieben. Ihre Kapitel haben sich einfach immer gezogen und waren durchweg negativ.
Dafür gab es ja noch ein paar angenehmere Nebencharaktere - allen voran Cord, der Chuck Bass des Towers. Er hat eine düstere Vergangenheit, einen herrischen Bruder und verbirgt sich hinter seinem Reichtum und einer Maske. Einer meiner Favoriten.
Katharine McGees Schreibstil ist simpel, sodass man trotz dem eher komplexen Weltenbau der Geschichte gut folgen kann. Vor allem haben die Kapitel eine angenehme Länge, sodass man selbst bei eher ungeliebten Charakteren nicht lange warten muss, bis jemand anderes auftaucht.
Vor allem das Ende des Buches hat mich komplett aus der Bahn geworfen - auch wenn bereits im Prolog etwas vorweggenommen wird, war ich doch ziemlich überrascht. Gerade die Art und Weise, wie alle Storylines jetzt unwiederbringlich miteinander verflochten sind, macht mich doch verdammt neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Ich bin definitiv wieder mit dabei, wenn die Geschichte der Tower-Bewohner weitererzählt wird!

Fazit
The Thousandth Floor kann man treffend als ein futuristisches Gossip Girl beschreiben - Intrigen, Lügen und Geheimnisse verbergen sich überall. Es ist eher eine leichtere Lektüre, und man wird nicht jeden Charakter lieben, aber im Großen und Ganzen ist es wirklich lesenswert.

Titel: The Thousandth Floor
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: HarperCollins
Reihe: 1/?
Preis: ca. 8,99€
Kaufen?