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Dienstag, 20. Juni 2017

[Rezension] The Distance from me to you — Marina Gessner


Inhalt
Kendra und ihre beste Freundin Courtney haben einen gemeinsamen Plan: In dem Sommer nach ihrem Schulabschluss wollen sie den 3500km langen Appalachian Trail bewältigen. Doch in der letzten Sekunde entscheidet sich Courtney, zu Hause zu bleiben.
Kendra will die Wanderung trotzdem durchziehen, und so startet sie alleine. Auf dem Trail trifft sie auf Sam, der vor seiner Vergangenheit fliehen will, und die beiden stürzen sich in eine Beziehung.

Meine Meinung
Vielleicht hätte ich es besser wissen müssen.
In letzter Zeit bin ich den "klassischen" Jugendbüchern à la Girl meets Boy aus dem Weg gegangen. Weil ich kein Fan von den Liebesgeschichten war, weil sie bestenfalls schlecht und schlimmstenfalls katastrophal dargestellt wurden. Dennoch entschloss ich mich, The Distance from me to you eine Chance zu geben. Denn die Idee eines Mädchens, das alleine eine 2000 Meilen lange Wanderung macht, hat mich einfach unglaublich fasziniert und ich war zumindest gespannt, wie die Autorin dieses Element ausgestalten würde.
Leider konnte mich das Buch nicht im Geringsten überzeugen, schlimmer noch: Es hat mich durchweg schockiert und wütend gemacht.
Schon in den ersten Kapiteln, noch bevor Sam überhaupt eingeführt wird, wird klar, dass hier viel schwarz-weiß gezeichnet wird. Courtney bleibt zu Hause wegen einem Jungen; obwohl sie als beste Freundin betitelt wird, hatte ich nicht das Gefühl, zwischen ihr und Kendra eine Freundschaft zu sehen.
Mit Brendan, Kendras Freund, ist es ähnlich. Er wird als "lieb, aufrichtig und ernst" beschrieben, außerdem will er im Herbst sein Studium aufnehmen. Da der Klappentext bereits Sam ankündigt, rechnete ich damit, dass Kendra und Brendan sich trennen würden. Genau das passierte auch: Als Kendra auf dem Trail unterwegs ist, erhält sich die Nachricht von Brendan, er wolle sich auf sein Studium konzentrieren und daher eine Beziehungspause. Aha. Das ist von seiner Seite schön blöd, aber Kendras Reaktion ist noch absurder. Sie trauert nicht, ist nicht wütend, verurteilt ihn höchstens für seine Prioritäten. Schließlich steckt er ja in seinen Plänen fest.
Grundsätzlich fiel es mir unglaublich schwer, eine emotionale Beziehung zu den Charakteren aufzubauen. Das liegt gar nicht einmal daran, dass Gessner in der dritten Person schreibt — vielmehr berichtet sie tatsächlich nicht von den Gefühlen der Charaktere. Sie reagieren kaum emotional, setzen sich nie mit ihren Handlungen auseinander... und das gilt für die Protagonisten! Die wenigen Nebencharaktere werden nur klischeehaft charakterisiert, sodass sie vollkommen blass bleiben.
Meine Meinung über Kendra schwankte regelmäßig, worauf ich später noch zurückkommen werde, aber aus ihr hätte man grundsätzlich etwas machen können. Was Sam anbetrifft... puh.
Eingeführt wird er als klassisches Loveinterest: Groß, gutaussehend, ein Mädchenmagnet. (Dass er seit Wochen auf dem Trail herumläuft und vermutlich nicht mehr frisch riecht, erwähnt niemand.) Er flirtet natürlich mit Kendra, die sich als bestenfalls unauffällig beschreibt, und da die beiden in dieselbe Richtung laufen, begegnen sie sich in der Folge immer wieder.
Anstatt die Chance auszunutzen und die beiden sich wirklich kennenlernen zu lassen, konstruiert die Autorin lediglich zufällige Treffen, von denen eins absurder als das andere ist. Sam erzählt nichts von sich selbst und seiner Vergangenheit, und wenn Kendra etwas sagt, dann verhöhnt er sie regelrecht dafür. Leute, ich habe so einiges gelesen, aber ich bin noch nie einem so verachtungsvollen Charakter begegnet. Sam ist unfähig, irgendetwas zu kommunizieren, und in der Folge dessen schlichtweg voreingenommen und verbittert:
Sam hatte ihr nichts davon gesagt, wie aufgewühlt und unruhig er war. Komisch, dass sie es nicht bemerkte. Er vergaß, dass er manchmal [...] schwer zu durchschauen war.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Nur, dass wir uns richtig verstehen. Sam macht Kendra für seine Unfähigkeit verantwortlich. Sie muss ihn verstehen. Ganz zu schweigen von verallgemeinernden, sexistischen Aussagen wie diesen:
Sie sah genauso aus, wie ein Mädchen aussehen sollte, süß, brav und anständig.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Unglaublich, wie reiche Mädchen ihr Geld verschwendeten, ganz abgesehen von ihrer Energie.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Da fehlen selbst mir die Worte, und ich dachte, ich hätte schon alles gelesen.
Das Ganze gipfelt in einem von zahlreichen Ausbrüchen Sams:
"Halt die Klappe", rief Sam endlich.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Es besteht einfach keinerlei Chemie zwischen den beiden, wie auch? Sie reden ja nicht miteinander. Sie wissen in der Konsequenz nichts voneinander und hören sich nicht zu. An irgendeinem Punkt entscheidet Kendra, sich vor ihm auszuziehen, was den Start der "Beziehung" der beiden markiert. Wow. Super romantisch. Ich glaube, ich hätte das sogar noch hingenommen, aber das, was ich oben zitiert habe, markiert keine schlecht geschriebene, sondern eine schlichtweg toxische Beziehung. (Sam bringt sie im Laufe des Buches auch noch dazu, sehr viele, sehr blöde Dinge zu machen.) Was für ein Bild wird da jüngeren Lesern vermittelt?
Dieses Verhalten färbt natürlich auch auf Kendra ab:
Die ganzen Bücherstapel zu Hause, das viele Lernen, die ganzen guten Noten, und trotzdem wusste sie nicht, wie man es anstellte: die simpelste, grundlegendste Sache der Welt, nämlich einen Jungen dazu zu bringen, sie zu küssen.
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)
Das Problem habe ich schon öfters bei Jugendbüchern beobachtet. Gerade, wenn das Mädchen einen Hintergrund aus einer intakten bzw. wohlhabenden Familie und guten Noten hat, wird das oft als etwas Schlechtes dargestellt? Als ob man sie dafür verurteilen müsste. Als ob sie das zu einem Langweiler oder einem weniger guten Menschen machen würde. Wieder gibt es nur schwarz oder weiß. Verdammt schade. Es ist nichts Falsches daran, aus seiner Komfortzone auszubrechen. Aber auch hier animiert Sam Kendra zu Dingen, auf die sie niemals eigenständig gekommen wäre, und wodurch sie unverantwortliche Entscheidungen trifft, mit denen sie sich selbst in Gefahr bringt. Und das nur, um mit ihren "langweiligen" Regeln zu brechen? Um begehrenswert für diesen Jungen zu sein?
Was Sam anbetrifft, kann ich nichts Revidierendes sagen. Seine Vergangenheit rechtfertigt nicht im Geringsten sein Verhalten.
Kendra... Kendra hätte eine ziemlich gute Protagonistin werden können. Es gibt vereinzelte Augenblicke im Buch, in denen man einen ganz anderen Blick auf sie erhaschen kann. Allein schon die Tatsache, dass sie sich vornimmt, die Wanderung alleine durchzuziehen, fand ich unglaublich bewundernswert! Leider geht die Kendra des Anfangs (wenn auch sie Vorurteile hegt und undankbar wirkt) im Mittelteil verloren. Der Wanderaspekt geht mit Sams Auftauchen den Bach herunter, rückt schlichtweg in den Hintergrund und verliert sich stellenweise komplett. Da wäre so viel mehr gegangen!
Am Ende des Buches gelang es Gessner zumindest, einen Hoffnungsschimmer zu erwecken (nicht nur, weil es vorbei war). Ich werde nichts spoilern, aber meiner Meinung nach hat sie mit dem Ausgang die bestmöglichste Entscheidung getroffen; noch dazu sieht auch Kendra bis zu einem gewissen Grad ein, was für gefährliche Entscheidungen sie getroffen hat.
Aber, wie bereits gesagt, nichts kann über diesen katastrophalen männlichen Protagonisten hinwegretten. Wieder einmal ist es schockierend, was man in Jugendbüchern vorfinden kann, was von vielen als schlichtweg "normal" gelesen wird. Da bildet The Distance from me to you keine Ausnahme.

Fazit
The Distance from me to you hätte ein außergewöhnliches Jugendbuch sein können, kann aber in seiner Umsetzung nicht überzeugen. Gerade die beschriebene Liebesgeschichte ist nicht nur unrealistisch und wenig romantisch, sondern geradezu toxisch. Da geht noch einiges!


Vielen Dank an bloomoon und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

The Distance from me to you ⚬ übersetzt von Katrin Behringer 336 Seiten ⚬ bloomoon ⚬ Einzelband 12,99€ (eBook) bzw. 14,99€ (Print)

Mittwoch, 24. Mai 2017

[Rezension] Der Schwarze Thron — Die Schwestern - Kendare Blake


Inhalt
Die Drillinge Katharine, Mirabella und Arsinoe sind mit verschiedenen magischen Talenten geboren worden — und sie alle sind Anwärterinnen auf den Thron. Wenn sie ein bestimmtes Alter erreichen, beginnt ein Kampf um Leben und Tod. Denn nur eine kann Königin werden...

Meine Meinung
Der Schwarze Thron  Die Schwestern ist eines dieser Bücher, das seit einer Ewigkeit auf meiner Wunschliste stand, ich mir aber — aus welchem Grund auch immer — nie zulegte. Deshalb habe ich mich umso mehr darüber gefreut, das Buch vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt zu kriegen. Vielen Dank an der Stelle noch mal dafür!
Die Idee klingt vielversprechend: Ein Drillingspaar, das sich auf den Tod bekämpfen muss. Eine Welt mit verschiedenen magischen Elementen, und vor allem vielen Leuten hinter den Kulissen, die versuchen, die Fäden nach ihren Vorstellungen zu ziehen. Leider konnte mich die tatsächliche Umsetzung weniger überzeugen.
Eines muss man Kendare Blake lassen: Ihr Schreibstil hat mich unglaublich fasziniert. Sie schreibt in der dritten Person Präsens, beschränkt sich nicht auf die Sicht der Drillinge, sondern schlüpft auch in die Perspektive zahlreicher Nebenfiguren. Dabei gelingt es ihr, nahtlos von einer Sicht in die andere überzugehen, manchmal auch inmitten einer Szene — fand ich sehr cool. Andererseits fürchte ich auch, dass der Schreibstil für dieses Buch vielleicht ungeeignet war; ich hatte oft das Gefühl, dass die Stimme von jedem Charakter dieselbe war und dass ich sie maximal durch ihre Namen unterscheiden konnte. Außerdem wirkt der Stil oft sehr nüchtern, fast schon kindlich; dass das Buch ein paar... brutalere Momente hat, bildet dazu einen ziemlich krassen Kontrast, der mir persönlich negativ aufgefallen ist.
Grundsätzlich hat Blake in mir einen Interessenskonflikt ausgelöst: Ich war überwältigt und unterwältigt zugleich. Einerseits bekommt man praktisch drei Bücher, schließlich wird die Geschichte von jeder Anwärterin erzählt, die in ihrer eigenen Nische mit eigenen Freunden/Ziehfamilien/politischen Machtpolen lebt. Das bedeutet verdammt viele Namen, die ich bis zum Ende des Buches ehrlich gesagt nicht auf die Reihe gekriegt habe. Gleichzeitig... gleichzeitig passiert einfach nichts. Alle drei Geschichten treten mehr oder weniger auf der Stelle, ein paar wenige Ausnahmen gegen Ende der Geschichte. Auf mich wirkte alles so... sinnlos. Als würde man bloß ein Ende herauszögern, die Reihe so weit wie möglich in die Länge strecken. Das war ziemlich frustrierend.
Auch in anderen Aspekten hätte so viel mehr passieren können — allen voran der Weltenbau, aber auch das politische Element des Romans war zweidimensional. Die Motivationen der einzelnen Charaktere sind schwach oder mir unergründlich, und die Magie und das ganze Warum bleiben auch sehr vage. Überhaupt weiß ich nicht, was ich von der Einteilung in Giftmischer (Katharine), Elementwandler (Mirabella) und Naturbegabte (Arsinoe) halten soll. Gerade die letzten beiden überschneiden sich irgendwie?
Seltsam fand ich auch, dass sie als Bewohner der Insel Fennbirn eine unglaublich stereotype und vorurteilige Auffassung von den Landbewohnern hatten, die nicht genauer erklärt wurde und auf mich einfach einseitig und voreingenommen wirkte.
Aber Arsinoe war eine Königin. Die Insel würde sie niemals gehen lassen.
(Der Schwarze Thron — Die Schwestern, Kendare Blake, Penhaligon)
Was mich jedoch am meisten frustrierte, waren die durchweg sinn- und zwecklosen Liebesbeziehungen. Ja, Plural. Leider. Zuallererst musste jede der (fünfzehnjährigen!) Anwärterinnen mindestens einen Typen zugeordnet kriegen. Meistens kennen sie sich genau fünf Minuten, bis sie bereits übereinander herfallen. Katharine, zum Beispiel, wird gelehrt, wie sie richtig küssen soll. Äh, ja. Grundsätzlich wird andauernd von irgendwelchen Freiern geredet, die sich dann auf die Königin stürzen wollen, die am ehesten den Kampf gewinnt. Als ob das bisher Beschriebene nicht schon schlimm genug wäre, wird das Ganze von einer Betrugsgeschichte getoppt.

Spoiler
Und zwar geht es dabei um Arsinoes beste Freundin, Jules, die in einer Beziehung mit Joseph ist. Joseph aber betrügt sie zweimal (!) mit Mirabella, OHNE GRUND, und sein Verhalten wird NICHT angeprangert. Jules ist einmal traurig, beim zweiten Mal schon fast resigniert. Joseph hingegen knutscht und schläft sich weiter durch die Weltgeschichte. Hä? Was genau sollte das? Ich versteh's nicht. Auf keiner der beteiligten Seiten. Aber toll, was damit dem jüngeren Publikum vermittelt wird.

Ich habe nicht genau darauf geachtet, aber meines Eindrucks nach ist die Gesellschaft Fennbirns darüber hinaus stark heteronormativ und, tja, weiß. Der einzige Junge (einer der Freier), der mit dunkler Haut beschrieben wird, wird ein paar Seiten später als flüchtend umschrieben und quasi als Feigling bezeichnet.
Ja, ich habe das Lesen des Buches nicht gehasst. Zumindest anfangs nicht. Der Schreibstil ist wirklich okay, und er ermöglicht es, das Buch zügig durchzukriegen. Katharine habe ich irgendwie ins Herz geschlossen, und ginge es nur um sie, würde ich die Reihe vielleicht sogar weiterverfolgen. In den letzten Zügen des Buches gibt es sogar ein paar wirklich überraschende Plottwists, aber das genügt leider auch nicht, um meinen Glauben in die Geschichte wiederherzustellen. Wie gesagt, die Idee ist toll, aber die Umsetzung ist flach und bisweilen katastrophal. Der Schwarze Thron Die Schwestern macht zahlreiche Versprechen, kann aber keins davon halten.

Fazit
Der Schwarze Thron Die Schwestern hat eine grandiose Prämisse, die in ihrer Umsetzung leider in den Sand gesetzt wurde. Die Charaktere sind flach und untereinander austauschbar, es gibt zu viele unrealistische Liebeleien und zu wenig Politik und Plot, und der Weltenbau ist auch dürftig. Von meiner Seite gibt es keine Empfehlung.


Der Schwarze Thron Die Schwestern ⚬ übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer ⚬ Klappenbroschur: 448 Seiten ⚬ Band 1 14,99€

Vielen Dank an Penhaligon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Mittwoch, 12. April 2017

[Rezension] Jackaby - William Ritter


Inhalt
Als Abigail Rook in New Fiddleham ankommt, will sie nur eines: Einen Job finden. Eins führt zum anderen, und so wird sie Assistentin des Detektivs R. F. Jackaby. Doch Jackaby ist kein gewöhnlicher Detektiv - er hat ein Auge für Ungewöhnliches... und ist meistens in ungewöhnliche Fälle verstrickt. Noch am selben Tag wird Abigail in ihren ersten Fall verstrickt. Ein Serienmörder ist am Werk, und als die Hinweise sich häufen, steigt auch der Verdacht auf, dass es sich dabei um keinen Menschen handelt...

Meine Meinung
Ich weiß gar nicht so genau, was ich von Jackaby erwartet habe - was seltsam ist, denn nach dem Lesen des Buches fühle ich mich, als wären meine Erwartungen überhaupt nicht erfüllt worden. Andererseits fällt es mir schon schwer, die Essenz des Buches zu umreißen; denn auch wenn es gute dreihundert Seiten lang ist, habe ich irgendwie das Gefühl, dass nichts passiert ist.
Aber zurück zum Wesentlichen. Zuallererst wäre da unsere Protagonistin Abigail. Am Anfang war sie mir irgendwie sympathisch: Das Geld, das ihre Eltern für ihr Studium gespart haben, hat sie verwendet, um die Welt zu bereisen - irgendwann aber landet sie in New Fiddleham und muss sich eingestehen, dass sie keinen Schritt weiter ist. Sie wirkt wie ein eigenständiges Mädchen, das für sich denken kann und vor allem einen eigenen Willen hat, was insbesondere in Anbetracht der Tatsache interessant ist, dass die Geschichte im späten 19. Jahrhundert spielt. Doch nach ein paar Kapiteln geht es mit ihr schlichtweg bergab. Sie heftet sich Jackaby an die Fersen; wenn sie überhaupt noch etwas sagt, dann etwas Offensichtliches. Das fast schon Absurde ist, dass sie genau wegen ihrer "Fähigkeit", das Offensichtliche und Banale auszusprechen, von Jackaby geschätzt und letztlich engagiert wird. Detektivarbeit leistet sie gar keine.
"[...] Genau das ist es, was mich gleich vom ersten Tag an so an Ihnen beeindruckt hat — Ihr Gespür für Banales und Nebensächliches."

(Jackaby, William Ritter, cbt)
Und das ist nur das Oberflächliche. Die Art und Weise, wie William Ritter von ihr erzählt, hat mir auch nicht gefallen - und dabei ist das Buch aus ihrer Perspektive geschrieben! Es misslang mir, auch nur die kleinste Verbindung zu Abigail aufzubauen. Ich interessierte mich einfach null für sie. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass sie alles nur observierte und letztendlich tatenlos war.
Besonders schade war auch, dass andere Frauencharakter typisch negativ dargestellt wurden - es wird beschrieben, wie sie über Abigails Auftreten lästern und sich klischeehaft verhalten. Bis auf einen Geist gibt es keinen weiblichen Nebencharakter, der nicht irgendwie negativ gegenüber Abigail auffällt.
Ich entdeckte zwei Damen, die miteinander flüsterten und strenge, tadelnde Blicke in meine Richtung warfen. Eine der beiden trug ein mit Blumen überladenes albernes Häubchen [...].

(Jackaby, William Ritter, cbt)
Auch besonders nervenaufreibend: Ziemlich schnell bekommt Abigail von Jackaby irgendwelche ominösen Dinge erzählt, von kleinen (unsichtbaren) Tieren, die in ihrer Kleidung sitzen, über seltsame Vorkommnisse bis hin zu Banshees. Und sie nimmt das einfach so hin. Von einer Sekunde auf die andere hat sie alles akzeptiert, obwohl sie das meiste nicht einmal sieht (darauf komme ich gleich noch).
Jackaby hingegen war mein "Highlight" des Buches. Anführungszeichen, weil selbst er letztendlich mich mehr verwirrt als begeistert zurückgelassen hat. Immerhin brachten mich diverse Aussagen von ihm zum Schmunzeln; sein ganzes Auftreten wirkt ziemlich inkohärent und mysteriös, wir erfahren quasi gar nichts über seine Vergangenheit und auch nicht wirklich viel über seine Fähigkeit. Wie eben schon angedeutet, ist Jackaby der Einzige seiner "Art". Er sieht, hört und weiß Dinge, die kein anderer beherrscht. Daher wirkten seine Erzählungen oft abgehoben und unglaubwürdig.
Grundsätzlich fühlte sich das magische Konstrukt einfach falsch an. Nichts an New Fiddleham ist magisch. Es ist eine stinknormale, durchschnittliche, ja, langweilige Stadt mit unterdurchschnittlichen Charakteren und... einer Prise Magie? Ich weiß nicht. Das wirkte auf mich zusammenhanglos, so zwecklos. Lieber wäre es mir gewesen, wäre Jackaby ein nicht-magisches Mysterium gewesen, "schlichtweg" ein Genie. Letztendlich war es absurderweise Jackabys mysteriöse Art, die das Buch halbwegs leserlich machte.
Für den Krimiplot konnte ich mich auch nicht wirklich begeistern, was eben vordergründig daran lag, dass ich sämtlichen Charakteren komplett neutral gegenüberstand. Die Geschichte konnte mich einfach nicht packen. Und die Spurenjagd war sehr offensichtlich und einfach total uninteressant gestaltet. Letztendlich ist es Jackaby, der das Rätsel löst, und Abigail bringt sich nur unnötig in Gefahr und muss dann zu guter Letzt, um alle Klischees zu erfüllen, auch noch gerettet werden.
Es ist nicht so, dass Jackaby ein schlechtes Buch ist. Dazu fehlt es ihm einfach an Essenz. Immer, wenn ich nach irgendetwas im Plot greifen wollte, glitt es mir zwischen den Fingern hindurch. Abigail als Protagonistin war eine graue Maus, die man kaum bemerkte. Höchstens der Dialog zwischen ihr und Jackaby war noch ganz amüsant. Abgesehen davon war Jackaby leider ein sehr nichtsaussagender Reinfall für mich.

Fazit
Die Prämisse von Jackaby war verlockend. Leider konnte mich die Umsetzung nicht im Geringsten überzeugen; die Protagonistin war nichtsaussagend und stellenweise schlichtweg nervenaufreibend, und auch der Plot plätscherte vor sich hin und konnte mich nicht packen. Schade!


Jackaby ⚬ Taschenbuch: 320 Seiten ⚬ übersetzt von Dagmar Schmitz ⚬ cbt ⚬ Band 1/4, aber in sich abgeschlossen ⚬ 9,99€ ⚬ Kaufen?

Dienstag, 21. März 2017

[Rezension] Smoke - Dan Vyleta


Inhalt
Charlie und Thomas sind Kinder einer Welt, in der Sünden, falsche Gedanken und Lügen durch Rauch sichtbar werden. Sie gehen auf ein Elite-Internat, wo ihnen beigebracht wird, wie sie den Rauch auf ein Minimum reduzieren können. Doch mit der Zeit beginnen sie, die Gesetzlichkeiten des Rauches zu hinterfragen - und decken eine Verschwörung nach der anderen auf, in Dimensionen, die sie kaum erahnen können.

Meine Meinung
Smoke klang so vielversprechend. England im 19. Jahrhundert. Ein mysteriöser Rauch, die Frage nach Gut und Böse, darin zwei Heranwachsende.
Und die ersten 100 Seiten schienen mir auch genau das zu bieten. Wir lernen Charlie und Thomas kennen, die nicht nur beste Freunde sind, sondern eigentlich das Einzige sind, das der jeweils andere hat. Die Schule wird als eine erschreckende Institution beschrieben, mit dem Mitschüler Julius, der nachts alle zusammentrommelt und sie nach dem Zufallsprinzip auf ihre Sünden prüft. Doch dann naht Weihnachten. Thomas und Charlie machen sich zu Thomas' Onkel auf, und ab da geht die Geschichte, gelinde gesagt, den Bach runter.
Aber noch mal einen Schritt zurück, zu Thomas und Charlie. Vyleta hat mit ihnen nicht nur eine besondere, innige Freundschaft geschaffen, sondern auch ein Paar, das gegensätzlicher nicht sein könnte. Thomas' Eltern sind tot; sein Vater war ein Mörder, er fürchtet, ebenfalls der Sünde zu verfallen. Charlie hingegen ist in einem reichen Elternhaus aufgewachsen, seine Hemden sind quasi nie mit irgendwelchem Ruß (das Resultat des Rauches) befleckt. Ihre Freundschaft scheint unter schlechten Voraussetzungen zu stehen, doch in Wahrheit behandeln sie sich vorbehaltlos, erzählen sich alles und sind einfach füreinander da. Die Freundschaft der beiden war etwas, das mich durchweg durch das Buch beeindruckt hat.
"Du hättest es mir erzählen sollen. Ich bin dein Freund!"
[...]
"Ja. Aber wirst du es auch noch sein, wenn ich jemanden umbringe?"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Das Ganze hat aber eine Kehrseite. Eine ziemlich paradoxe, um ehrlich zu sein. Trotz der 600 Seiten, die das Buch fasst, hatte ich nach dem Zuschlagen der letzten Seite das Gefühl, nicht viel schlauer geworden zu sein - egal, auf welcher Ebene.
Wie gesagt: Vyletas Idee ist grandios. Aber es ist, als er hätte er einen Samen gepflanzt und wäre nie zurückgekommen, um die Ernte zu holen. Smoke ist eigentlich ein passender Titel, denn die Geschichte ist auch mehr Rauch als alles andere - die Idee einer Idee, eine Sammlung vieler Ansätze und nichts Handfestem. Obwohl sich Thomas, Charlie und Livia (auf die komme ich später noch zurück) auf die Suche nach Antworten begeben, "erhalten" sie diese nur mit Anführungszeichen. Bitten um Erklärung werden meist beantwortet, dass man es dem Fragenden "zeigen" werde, aber stattdessen bekommt man eine schwammige Vorführung und eine dürftige, ein paar Zeilen lange Erklärung. Selten habe ich mir bei Büchern eine längere Erklärung gewünscht, aber hier hätte ich selbst Infodumping mit offenen Armen empfangen. Dutzende, hunderte Seiten lang werden Fragen gehäuft und mehr oder weniger viel Spannung angesammelt... doch als Leser bleibt man in der Luft hängen.
Darunter gehört unter anderem die Frage, wie der Rauch ersteht - die Erklärung fand ich so an den Haaren herbeigezogen, dass ich mir lieber keine gewünscht hätte. Auch werden immerzu verschiedene Farben des Rauches beschrieben, deren Bedeutungen man nur erahnen kann. Es ist wirklich ein Jammer, und einer, der mich während des Lesens einfach an den Rand der Verzweiflung trieb. Ich frage mich immer noch, ob Vyleta einfach zu subtil gearbeitet hat, oder ob ich schlichtweg zu blöd war, um's zu verstehen.
Doch Zweidimensionalität ist auch bei Charlie und Thomas zu finden. Obwohl man sich mit dem Charakter der Jungen ausgiebiger beschäftigt, wird ihre Vergangenheit höchstens im Nebensatz erwähnt. Als wären sie mit 16 Jahren auf das Papier getreten und hätten nur vage Schatten hinter sich. Wieder war ich frustriert.
Ich kann leider auch verallgemeinernd sagen, dass die Motivation sämtlicher Charaktere ein bisschen rätselhaft ist und bleibt. Wer auf welcher "Seite" ist bzw. wer für was kämpft, wurde mir bis zum Ende nicht klar.
Mein größter Kritikpunkt, den ich in anderen Rezensionen so noch gar nicht gesehen habe (was mich schockiert), ist jedoch die Liebesgeschichte bzw. die weiblichen Charaktere in Smoke. Kurz gefasst: Es wird eine junge Frau, Livia, eingeführt, in die sich tatsächlich sowohl Charlie als auch Thomas verlieben - und vice versa. Es geht mir aber weniger um die Dreiecksgeschichte (obwohl die allein mich schon zur Weißglut bringen könnte) als um die Art und Weise, wie sie beschrieben wird.
"Was hältst du von ihnen?"
[...]
"Die Mutter ist ganz Parfüm und Charme. Und die Tochter [Livia]-"
"Teerseife und Gebetsbücher!"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Grundsätzlich gibt es keine Frauenfigur in Smoke, bei der nicht an irgendeinem Punkt das Aussehen kommentiert oder die als Verführerin dargestellt wird. Hier noch einmal Livia, die einem Mann ihre Wange anbietet:
"Möchten Sie mich küssen? Nur zu. Ihre Frau wird es nie erfahren."
Er tut es, flüchtig, schüchtern wie ein Kind.
"Oh, Sie Wüstling!"

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Auch Thomas' Gedanken werden meiner Meinung nach sehr bedenklich dargestellt:
Wie leicht es ihr mittlerweile zu fallen scheint, ihn anzufassen. Der Gedanke macht ihn wütend.

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Und das sind nur ein paar wenige ausgewählte Beispiele. Ich habe dutzende Bemerkungen im Buch gefunden, manche noch erschreckender als die anderen. Solche Äußerungen sind schlichtweg erschreckend und sollten nicht in einem Buch stehen. Vor allem sollten sie niemandem als Vorlage dienen (können).
Ich muss generell eine Warnung für das Buch aussprechen, denn zum einen gibt es ein paar (wenn auch realitätsferne) explizite Szenen, in denen Gewalt angewandt wird. Außerdem gibt es tatsächlich eine Stelle, in der ein Charakter von selbstverletzendem Verhalten spricht bzw. dieses beschreibt. Um niemanden zu triggern, werde ich die Stelle nicht zitieren.
Wenn ich Dan Vyleta eines lassen muss, dann ist es der Schreibstil. Grundsätzlich ist der Aufbau des Buches sehr neuartig - es wird abwechselnd aus der dritten Person Präsens und der ersten Person Präsens eines Nebencharakters erzählt. Das habe ich nie so gesehen; vor allem funktioniert es bei Smoke sehr gut und bringt Abwechslung in das teils zähe Geschehen mit hinein. Und Vyleta kann wirklich fantastisch schreiben. Er flicht Weisheiten in seinen Text, die man einfach nur abnicken möchte.
Worte sind wie Rauch, entdecke ich: Lässt man sie erst einmal hinaus, vermehren sie sich unkontrolliert.

(Smoke, Dan Vyleta, carl's books)
Aber der Schreibstil rettet auch nicht über die Probleme des Buches hinweg. Und niemals über die tiefergehenden, über die Äußerungen, die einfach nur noch erschreckend sind. Smoke soll ein Buch über Moral sein, über Gut und Böse,  und das ist es auch die ersten hundert Seiten lang. Es ist nur irgendwie vom Weg abgekommen und ins Abseits gerutscht.

Fazit
Smoke ist mehr Schein als Sein. Die Idee, die ersten einhundert Seiten und der Schreibstil des Autors können was. Der Rest wird nur oberflächlich angekratzt; Charaktere und Geschichte bleiben zweidimensional und ziehen sich gewaltig. Was letztendlich den Ausschlag gab, sind bedenkliche Aussagen, die sich durch das Buch hindurchziehen - keine Empfehlung von mir. Solche Bücher sollte man nicht unterstützen.


Smoke ⚬ Paperback: 624 Seiten ⚬ carl's books ⚬ Einzelband ⚬ 16,99€ ⚬ Kaufen?

Vielen Dank an carl's books für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Weitere Meinung: booktraveler

Samstag, 24. Dezember 2016

[Kurzrezension] Ein Heim für besondere Kinder und ein Überfluss an Katherines


Miss Peregrine's Home for Peculiar Children - Ransom Riggs Worum geht's?
Um Jacob, der seinen Großvater auf grausame Art und Weise verliert. Zur Bewältigung seines Traumas begibt er sich auf die Spuren der Vergangenheit seines Opas und stellt fest, dass die Geschichten, die er immer erzählte, wohl doch wahr waren...
Meine Meinung
Der Hype um Miss Peregrine's Home for Peculiar Children ist gewaltig. Und nach Jahren, in denen ich nichts als Lob gehört habe, habe ich mir endlich ein eigenes Exemplar zugelegt. Tja, was soll ich sagen? Es gefiel mir überhaupt nicht.
Riggs kann gut schreiben, das steht außer Frage, und auch die Idee für die Geschichte ist ganz zauberhaft. Aber die Umsetzung... puuuh. Jacob konnte ich auf den Tod nicht ausstehen - ich wurde einfach nicht mit ihm als Erzähler warm und er blieb, wie die anderen Charaktere auch, unglaublich blass. Zusätzlich wurde eine absolut unrealistische Liebesgeschichte in die Story reingepresst, und das Ende hat mich noch zusätzlich wütend gemacht.
Was mich aber am meisten gestört hat, war diese schleppend langsame Erzählung. Es passiert nichts, einfach gar nichts. Die Ermordung von Jacobs Großvater und der Pseudo-Showdown am Ende sind das Einzige am Buch, was irgendwie spannend ist. Dazwischen... endlose Seiten voller Nichtigkeiten, in denen weder die Geschichte noch die Charaktere irgendwie vorankommen. Die Bilder sind zwar nett und auch echt unheimlich, tragen aber nichts zur Geschichte bei.
Den Hype kann ich absolut nicht verstehen. Für mich wohl eine der Enttäuschungen des Jahres.

Taschenbuch ○ 382 Seiten ○ Quirk Books ○  Kaufen?

An Abundance of Katherines - John Green
Worum geht's?
Um Colin, der soeben von der 19. Katherine verlassen wurde. Und einen IQ von über 200 hat. Mit seinem Freund Hassan begibt er sich auf einen unvergesslichen Road-Trip.
Meine Meinung
Mit An Abundance of Katherines habe ich alle John Green-Bücher gelesen, und auch dieses stellt keine Enttäuschung dar! Zugegeben, anfangs war ich skeptisch - man hört nicht gerade viel Gutes über das Buch. Ich kann's nur teilweise nachvollziehen.
Mein größter Kritikpunkt ist eigentlich der Anfang des Buches - es zieht sich einfach, und so ziellos, wie der Road-Trip anfangs ist, scheint auch die Geschichte zu sein. Doch dann kommt das Ganze erst so richtig ins Laufen, und mit jeder Seite schließt man Colin etwas mehr ins Herz. Er versucht, ein Theorem zu entwickeln, das den Verlauf seiner alten Beziehungen erfasst und sogar zukünftige vorhersagen kann. Das bedeutet, dass man im Buch immer mal wieder kleine Graphen und Formeln findet, was mir unglaublich gut gefiel! (Es handelt sich dabei um leichte Mathematik, keine Sorge. ;)) Außerdem gibt es immer wieder kleine Fußnoten, die das Geschehen einfach bereichern - gerade eben, weil Colin so intelligent ist. Ich dachte zuerst, das würde den Lesefluss stören, aber dem war überhaupt nicht so.
Vor allem die Message, die sich immer stärker aus der Geschichte rauskristallisiert, hat mir mal wieder unglaublich gut gefallen. So ist An Abundance of Katherines nicht mein liebstes John Green-Buch, aber deswegen nicht weniger lesenswert.


Taschenbuch ○ 272 Seiten ○ Penguin Books ○ Kaufen?

~

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ganz frohe Weihnachten! <3 Und wenn ihr nicht feiert, dann wünsche ich euch ein ruhiges, erholsames Wochenende!

Freitag, 29. Juli 2016

[Rezension] Joyride - Anna Banks

Inhalt
Carly hat ein Ziel: zusammen mit ihrem Bruder Julio will sie genug Geld sparen, um ihre Eltern und zwei weitere Geschwister, die abgeschoben wurden, zurück in die USA zu holen. Außer ihrer Arbeit und der Schule kennt sie nichts.
Ardens Leben ist seit dem Suizid seiner Schwester nicht mehr dasselbe. Er gibt es auf, Football zu spielen, und auch die Schule interessiert ihn nicht mehr. Seine Zeit vertreibt er sich damit, anderen Leuten Streiche zu spielen. So zielt er eines Nachts mit einer Pistole auf seinen Onkel in dem Versuch, ihn dazu zu bringen, keinen Alkohol mehr zu trinken.
In dieser Nacht ist auch Carly anwesend. Und so beginnt die Geschichte der beiden...

Meine Meinung
Ich habe Joyride gekauft, weil ich Lust auf ein sommerliches Buch hatte, eine leichte Liebesgeschichte. Und so viel muss ich dem Buch auch lassen: Meine Anforderungen waren erfüllt. Aber viel mehr leider auch nicht.
Zuallererst muss ich sagen, dass ich die ursprüngliche Idee von Anna Banks zwar etwas schräg, aber sehr witzig finde. Ein Junge, der seinen Onkel über alles liebt und ihn von seiner Alkoholsucht abbringen will und dafür eine (nicht geladene, nur so nebenbei) Pistole auf ihn hält. Ein Mädchen, das besagten Onkel davor "bewahrt", überfallen zu werden. Erst später finden sie heraus, dass es sich bei dem Jungen um Arden handelte.
Das ist witzig. Es gibt immer diese klischeehaften Anfänge: Mädchen stolpert in Jungen, mysteriöser Junge ist neu in der Stadt und so weiter - Banks hat aber etwas Originelles kreiert.
Abgesehen davon fällt es mir leider schon schwerer, Gutes über das Buch zu sagen.
Arden ist natürlich schwer beeindruckt von Carly, die er in all den Jahren nie bemerkt hat. Deshalb beginnt er, öfters mit ihr zu reden, versucht, sie zu gemeinsamen Treffen zu überzeugen, obwohl sie ihm wieder und wieder eine Abfuhr erteilt. Ihm, den Mädchenschwarm.
Tja, ihr merkt sicher schon, dass das wiederum nach Klischee schreit. Hinzu kommt, dass Carly und Arden jede Menge Geheimnisse haben - übersetzt: Familiendrama. Besonders Ardens Vater, der Sheriff, unterstützt nach Kräften die Abschiebung von Einwanderern und hat eine angespannte (obwohl das noch untertrieben ist) Beziehung zu seinem Sohn. Anna Banks versucht, ihn als absoluten Bösewicht darzustellen, was ihr nur bedingt gelingt. Als Leser versteht man, dass der Sheriff ein ziemlicher Mistkerl ist. Aber sie treibt das Ganze so sehr auf die Spitze, dass ich nicht umhinkam, die Augen zu verdrehen. Der Sheriff bleibt, wie so ziemlich jeder Charakter in Joyride, zweidimensional.
Arden und Carly als Protagonisten sind... okay. Ich meine damit, dass ich mir ganz sicher bin, dass die Autorin etwas Gutes mit ihnen vorhatte. Die Intentionen sind da, und hin und wieder schimmern sie durch. So wirklich liebenswert wurden sie letztendlich nicht. Besonders, wenn sie sich andauernd trafen, um irgendwelche (wirklich idiotischen) Streiche zu spielen, konnte ich nur die Augen verdrehen. Banks wollte damit symbolisieren, dass Carly ein Stück ihrer Kindheit zurückerhält - ist ja schön und gut. Lächerlich wirkte es trotzdem auf mich.
Am allerwenigsten konnte ich übrigens Carlys Bruder leiden (okay, zusammen mit dem Sheriff). Julio wirkte nicht wie ein großer, hart arbeitender Bruder auf mich, sondern viel mehr wie ein Mann, der Carly das Leben zur Hölle machte, indem er ihr wieder und wieder ein schlechtes Gewissen einredete. Carlys Familie blieb generell sehr unsympathisch - auch das bisschen, was man von ihren Eltern mitgekriegt hat.
Ihr merkt schon, worauf es hinausläuft. Eine wirkliche Empfehlung kann ich euch nicht aussprechen, aber es wäre auch nicht fair, zu sagen, dass das Buch eine absolute Katastrophe ist. Denn Anna Banks Schreibstil ist völlig in Ordnung, und vereinzelte Wendungen sind gut gelungen. Wirklich, die Idee an sich ist nicht schlecht - ich bin mir ganz sicher, dass sie etwas Wunderbares mit der Geschichte von Carly und Arden erzählen wollte. Es gelang ihr nur nicht, das Ganze glaubhaft zu vermitteln.

Fazit
Joyride ist ein Buch, das man schnell mal zwischendurch lesen kann. Doch viel mehr auch nicht: sowohl die Geschichte als auch die Charaktere bleiben zweidimensional und man kann nur erahnen, was für Intentionen die Autorin hatte. Kann man lesen... muss man aber wirklich nicht.


Titel: Joyride
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: cbt
Reihe: -
Preis: 9,99€

Donnerstag, 27. Juni 2013

[Rezension] Bruderliebe - Stefanie Heindorf und Kathrin Lange


Wie Rapunzel lebt Theresia schon seit vielen Jahren - abgeschottet von der Außenwelt, selten Kontakt zu den Menschen da draußen. Sie schiebt es auf die Fürsorge ihrer Stiefmutter, doch trotzdem wächst der Wunsch in ihr heran, das Leben da draußen zu erforschen und hinter den Grund dieser "Fürsorge" zu kommen... Als sie ihre Stiefmutter Henriette überreden kann, für ein Mal mit in einen Gottesdienst kommen zu dürfen, trifft sie prompt auf Sebastian und verliebt sich in ihn. Damit nimmt das Drama seinen Lauf...


Ich habe diese Rezension eine Weile vor mir hergeschoben, muss ich ehrlich zugeben. Denn ich möchte, um das gleich vorneweg zu nehmen, "gestehen", dass das Buch für mich einfach ein totaler Genrefehlgriff war und daher schon schwer bei mir eine volle Bewertungspunktzahl erhalten zu können.
Ich muss auch zugeben, dass ich hier wieder gleich von Anfang an ein wenig skeptisch war: Das Buch ist nämlich von zwei Autoren geschrieben, noch dazu zwei deutschen. (Dass ich ein wenig "vorbelastet" bin, hatte ich ja schon mal erwähnt.)
Allerdings ist zumindest die "Mischung" der Autoren gut gelungen. Ich jedenfalls habe das ganze Buch über keine Stilunterschiede gemerkt; es hätte also genauso gut ein Autor sein können und mir wäre es wohl nicht aufgefallen...
Ansonsten schleppt sich der Anfang ziemlich. Die ganze Situation um Theresia, ihr Kokon und auch die anderen Charaktere werden sehr, sehr langsam und ausführlich eingeführt. Das empfand ich persönlich als zu lang und gestreckt und sehr nervig - ich wollte endlich, dass etwas passiert! Wo bleibt dieser Sebastian, der im Klappentext angepriesen wird? Und wo zur Hölle bleibt die Intrige?
Sieht man davon ab, ist es auch von Anfang an ziemlich historisch: Die Sprache ist stilecht und sicher gut der Zeit damals nachempfunden, und das wird auch wirklich konsequent durchgezogen. Man kann also nicht behaupten, dass sich die Autorinnen nicht gut informiert und sich in der Hinsicht keine Gedanken gemacht hätten.
Als die Geschichte dann endlich Fahrt aufnimmt, wird es gleichzeitig sowohl schockierend als auch spannend. Ich merkte also, dass es auch anders geht! Denn sobald die Einführung vorüber war, flogen die Seiten an mir nur so vorbei und ich wollte auch wirklich wissen, wie es nun mit Sebastian und Theresia weiterging.
Die Geschichte wird nicht nur aus Theresias, sondern auch aus der Perspektive von zahlreichen anderen Nebencharakteren erzählt. Das bringt mich doch leider zu meinem nächsten Manko - dadurch wird die Geschichte selbst stellenweise sehr vorausschaubar und besonders den Grund, warum Henriette Theresia so "einsperrte", kannte ich schon ziemlich schnell...
Nicht nur das machte mir das Buch etwas leidig, sondern wie gesagt auch schon die Tatsache, dass ich mich etwas im Genre vergriffen hatte. Ich empfand das Buch außerdem als ziemlich distanziert und konnte mit den Charakteren nicht ganz so sehr mitfiebern, wie ich wollte, weiß aber nicht, ob das jetzt mit dem Genre zusammen hängt oder an dem Buch selbst liegt...
Die Charaktere sehe ich zusätzlich ziemlich zwiegespalten. Denn - und der Ausdruck tut mir leid, aber das ist die pure Wahrheit - Theresia ist eine ziemlich.... nun ja, doofe Protagonistin. Und ich meine das nicht im dem Sinne von "mäh ich kann sie nicht leiden" sondern mehr in dem Sinne, dass sie einfach naiv ist. Von vorne bis hinten. Ich weiß nicht, wie oft ich das Mädchen gerne geschüttelt hätte oder es angebrüllt, weil sie gewisse Dinge einfach nicht geschnallt hat, obwohl sie wirklich mehr als offensichtlich waren.
Sebastian hingegen hat mir schon besser gefallen und auch sein Bruder, der wirklich ein übler Kerl ist, ist letzten Endes gut gelungen. Leider reichte das nicht aus, damit das Buch zu einem Vergnügen wurde...


"Bruderliebe" war für mich nicht nur ein Genre-Fehlgriff, denn ich hatte auch massive Probleme mit der naiven Protagonistin und der zu Anfang ziemlich schleppenden Geschichte, die stellenweise einfach total durchschaubar war... Ähnlichkeiten mit Rapunzel? Ja, aber ich mag das Original lieber.
Was mich jetzt noch interessieren würde - ist das euch auch mal passiert? Dass ihr zu einem komplett falschem Genre gegriffen habt?

Titel: Bruderliebe
Taschenbuch: 316 Seiten
Verlag: Dryas
Reihe: -
Preis: 12,95€
Kaufen?


Vielen Dank an Blogg dein Buch und den Dryas Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Freitag, 21. Dezember 2012

[Rezension] Meeresflüstern - Patricia Schröder


Vor einigen Wochen verstarb Elodies Vater. Weil sie es jetzt nicht mehr aushält, beschließt sie, für ein halbes Jahr zu ihrer Großtante nach Guernsey zu ziehen. Sie findet relativ schnell Anschluss und natürlich ist da auch wieder ein mysteriöser Junge - Cyril, der irgendwie zu perfekt ist und sich auf einmal für sie interessiert. Dann wird plötzlich ein Mädchen tot aufgefunden...


Ohje. Ooohje. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich habe mir bei dem Buch gedacht: Komm, geh mal  unvoreingenommen daran. Ich hatte also keinen Klappentext, gar nichts, gelesen und mich überraschen lassen. Und es schien doch gar nicht so schlecht. Der Anfang jedenfalls klang noch ganz vielversprechend.
Deshalb fangen wir einfach mal ganz oberflächlich an - die Aufmachung dieses Buches! Ich habe noch NIE ein so mit Liebe gestaltetes Buch gesehen. Das Cover ist mit Glitzereffekt und selbst das Lesebändchen mit einem silbernen Faden durchwoben! Wow, hach. Ich könnte es immer noch anschmachten.
Na ja, also, wie bereits gesagt, ich habe ohne jede Idee, was kommt, (okay, der Titel sagt schon vage etwas aus) angefangen mit dem Lesen und fand es gar nicht so schlecht. Elodie ist ein ganz netter Charakter und man leidet mit ihr mit, weil man wirklich merkt, wie sehr sie an ihrem Vater hängt. Der Schreibstil macht es besonders einfach, sich in das Buch einzulesen, er hat mir wirklich sehr gut gefallen.
An dieser Stelle muss ich leider mit dem Lob aufhören. Denn die ersten zweihundert Seiten des Buches hat man keine Ahnung, worauf es überhaupt hinaus will. Und dann ist schon die Hälfte um. Der rote Faden fehlt komplett, das ganze Buch über.
Es ist nicht langweilig, nein, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass nichts passiert. Dass die Autorin angefangen hat zu schreiben, einfach so, und ihr irgendwann eingefallen ist, dass sie dem Buch irgendeinen Sinn, irgendein Ziel geben muss.
Elodie lernt nämlich im Laufe des Buches noch einen perfekten Typen kennen (natürlich) und lieben: Gordy. Sobald sie ihn das erste Mal sieht, spürt sie eine unglaubliche Anziehung, und sagt bereits nach dem zweiten oder dritten Treffen, dass sie niemand anderen mehr will als ihn. Und ihm geht es genauso. Dabei ist er ein Nix. Natürlich, Hauptsache, dass es irgendeinen Konflikt gibt. Ich kann es mir bis jetzt nicht erklären, wieso die beiden sich so unsterblich ineinander verliebt haben? WO kommt diese Liebe her? Ich begreife es einfach nicht. 
Der richtige, hauptsächliche Konflikt, der gegen Ende des Buches endlich auftaucht, entpuppte sich auch bloß als Attrappe. Der Showdown des Buches? Spielte sich nebenbei auf fünf Seiten ab. Mir ist erst nach Beendung aufgefallen, dass das der Showdown war. Es ist fast so, als ob jemand gesagt hätte: "Ach nee, mach das mal zu Ende, hab keine Lust mehr" und so wäre es geschehen...
Es gibt richtig viele offene Dinge und auch einfach unlogische bzw. übertriebene Sachen. Leider. Wirklich leider. Denn ich sage nicht, dass es eine schlechte Idee ist: Gut, es hatte stellenweise eiiiniges von Twilight, aber die Grundidee hat mir eigentlich richtig, richtig gut gefallen! Nur die Umsetzung ist leider total misslungen und das Buch war eine Enttäuschung auf ganzer Linie. :(
Die Charaktere sind daher auch ein Reinfall. Der Einzige, der mir gefallen hat, war Cyril. Nicht, weil er so ein typischer "Anschmachttyp" ist, sondern weil er irgendwie der Einzige ist, der sich interessant entwickelt hat. Die anderen waren einfach langweilig, übertrieben. Elodie hat irgendwann nur noch mit dem "Er ist meine große Liebe!"-Getue genervt und die Selbstgespräche, die sie mit ihrer besten Freundin (die in Deutschland war, also gar nicht bei ihr) geführt hat, fand ich auch seeehr merkwürdig. Nicht erheiternd. Einfach sehr merkwürdig, weil sie nämlich nicht gedanklich stattgefunden haben, sondern Elodie wirklich manchmal vor sich hergebrabbelt hat...
Wie gesagt, ich finde es wirklich schade, dass sich das Buch so entwickelt hat. Und es tut mir auch sehr leid, dass die Rezension so konfus ist, bloß habe ich keine Ahnung, wo ich anfangen und aufhören soll. Kommt leider auch mal vor.


"Meeresflüstern" war leider eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Das Buch hat zwar eine richtig gute Idee, die durchaus Potenzial hätte, aber die Umsetzung ist leider mehr als ein Griff ins Leere. Unlogische Dinge, wohin man sieht, nervende Charaktere und ein roter Faden, der irgendwie nicht rot, sondern unsichtbar ist. Ob ich die Fortsetzung lesen werde, weiß ich noch nicht, denn immerhin der Schreibstil war angenehm und das Lesen war immerhin keine Qual.


Titel: Meeresflüstern
Hardcover: 416 Seiten
Verlag: Coppenrath
Reihe: 1/3?
Preis: 16,95€
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Titel: Meeresrauschen
Hardcover: 448 Seiten
Verlag: Coppenrath
Reihe: 2/3?
Preis: 16,95€

Montag, 1. Oktober 2012

[Rezension] Noir - Jenny-Mai Nuyen


Der 23-jährige Nino Sorokin hat eine besondere Gabe: bei manchen Menschen kann er, wenn er sie anblickt, sehen, wann und wie sterben. Und das nicht nur bei anderen - auch bei sich selbst. Er weiß, dass er mit 24 Jahren sterben wird. Aber er weiß nicht, wieso. 
Sein Geburtstag rückt immer näher. Auf einer Party nimmt er an einem Gläserrücken rein und die darauffolgenden Erlebnisse stellen sein ganzes Leben auf den Kopf. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn kann er seinem Tod entrinnen?


"Wie gesagt gibt es diverse Einflüsse, die unser Schicksal bestimmen, und ich kenne längst nicht alle. Aber ich habe entdeckt, dass das Schicksal nicht änderbar ist, jedenfalls nicht durch Willenskraft. Es ist jedoch zu Beginn formbar - von Mächten, die außerhalb unseres Einflusses stehen."
(Jean Orin in Noir, Seite 259 Z. 13-18) 


Ich habe mich ziemlich gefreut, als ich bei vorablesen ein Exemplar von Noir gewonnen habe, denn von Jenny-Mai Nuyen habe ich doch schon einiges gehört, letztendlich aber noch nie etwas gelesen. Trotz allem hatte ich keine sonderlich hohen Erwartungen an das Buch, und wollte mich einfach überraschen lassen.
Das, was mich im Buch erwartet hat, war dann doch etwas komplett anderes. Abgesehen davon gab es sowohl einen sehr hohen Drogen-, Zigaretten als auch Sexkonsum in dem Buch. ôo Na gut, kommen wir jetzt mal zu dem Wesentlichen.
Am Anfang gibt es interessanterweise sogar zwei Prologe, der eine spielt im "Jetzt" und der andere erzählt von einem einschneidenden Ereignis in Ninos Vergangenheit: der Autounfall, bei dem seine Eltern umkamen.
Mittendrin im Buch gibt es noch weitere kurze Kapitel, die im "Jetzt" stehen, und man ist gespannt auf dem Moment, wo die Vergangenheit zum Jetzt wird.
Die Idee zu dem Buch finde ich im Grunde genommen nicht schlecht: dass Nino Tode sehen kann, ist nicht originell, okay, aber vor allem das mit dem Gläserrücken hat mich ziemlich interessiert. Allerdings kam es mir manchmal so vor, als hätte die Autorin es bei der groben Idee belassen, jedenfalls was es Ninos Gabe anbetrifft, denn zu der wird überhaupt nichts mehr gesagt. Entweder fällt sie Nino gar nicht auf, oder sie wird nicht erwähnt. Sie scheint ihm weder zu gefallen, noch zu stören (ich  meine, ist man da nicht ein bisschen psychisch belastet, den Tod von vielen, vielen Menschen zu kennen?!) und Details darüber werden auch nicht erwähnt. Ups...

Zu dem Gläserrücken gibt es im Laufe des Buches eine sehr interessante Erklärung, die aber sehr philosophisch ausfällt. Mir persönlich hat es gefallen, aber ich kann mir vorstellen, dass es auch ein paar Leute gibt, die sich an der vielen Philosophie, auf der das Buch basiert, die Zähne ausbeißen werden.
Die Handlung im Buch ist zu Anfang ziemlich schleppend, lange passiert kaum etwas, lange fragt man sich, was es denn jetzt mit "Noir" auf sich hat. Als nach etwa zweihundert Seiten die Handlung langsam ins Rollen kommt, wird es auch spannender und man kann sich richtig mitreißen lassen.
Die Charaktere im Buch allerdings sind für mich die größten Pluspunkte: Nino zum Beispiel war ein sehr interessanter Protagonist, (jetzt mal abgesehen von der Sache, wie er über seine "Gabe" denkt) und das vor allem deshalb, weil er komplett anders ist, nicht so 0815. Er reißt manchmal ziemlich unbeholfen Witze über sich selbst, versteht nicht, wieso sich viele Mädchen von ihm angezogen fühlen und ist manchmal einfach ein bisschen tollpatschig. Anders kann ich's nicht beschreiben. 
Noir bleibt ziemlich im Dunkeln und von ihr wird leider nicht ziemlich viel aufgedeckt, allerdings die Art, wie sie umgeht, erst langsam auftaut und allgemein, wie sie beschrieben wurde, hat mir ziemlich gut gefallen und sie zu jemand Interessanten gemacht, über den man mehr erfahren wurde.
Wie man sich bereits beim Klappentext des Buches denken konnte, bahnt sich eine Liebesgeschichte zwischen Nino und Noir an. Diese nimmt dann aber doch eine ziemliche, nun ja, andere Richtung ein und wird auf eine seltsame Art und Weise ziemlich präsent. Zum Einen wurde mir nicht recht klar, wieso Nino sich in sie verliebt, und zum anderen fand ich die Art und Weise ihrer Beziehung ziemlich - gewöhnungsbedürftig. [ACHTUNG Spoiler: Nur markieren, wenn das Buch bereits gelesen wurde!] Ich fand das ziemlich langweilig gegen Ende des Buches, dass Noir nur durch Sex mit Nino davon abgehalten werden konnte, zu vergehen. Das war so... ziemlich eintönig und als Lösung für das Problem ziemlich schlecht und billig, ehrlich gesagt. [SPOILER ENDE]
Der Schreibstil von Jenny-Mai Nuyen ist meiner Meinung nach ziemlich gewöhnungsbedürftig, besonders, da mehr Wert auf Gespräche als auf Handlungen gelegt wird und man manchmal nicht genau weiß, wer eigentlich gerade spricht... hat man sich dran gewöhnt, ist er ganz okay und auf jeden Fall erträglich.
Besonders schön an dem Buch ist das Cover: fährt man darüber, spürt man die Einbuchtungen der Glassplitter. Gefällt mir sehr gut, definitiv ein Hingucker.
Das Ende war für mich leider unbefriedigend, außerdem sind für mich einfach viel zu viele Sachen offen geblieben.

 

Noir ist sicher kein gewöhnliches Buch, aber deshalb auch nicht jedermanns Geschmack. Meinen konnte es nicht recht treffen, denn die Umsetzung hat in meiner Auffassung einfach einige Makel. Dafür trifft man auf schön gestaltete Charaktere.
Wer gerne etwas Philosophisches liest und sich nicht daran stört, dass viele Drogen und Sex in der Handlung vorkommen, dem kann ich das Buch nur empfehlen. Bei mir konnte es leider nicht überzeugen.


Details

Titel: Noir
Klappenbroschüre: 384 Seiten
Reihe: - 
Verlag: Rowohlt Polaris
Preis: 14,95€
Kaufen?


Danke an vorablesen und den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 28. Juni 2012

[Rezension] Timeless - Alexandra Monir

Timeless - Alexandra Monir

Inhalt


Als die Mutter der sechzehnjährigen Michele Windsor bei einem Autounfall ums Leben kommt, ist Michele gezwungen, zu ihren Großeltern zu ziehen, die sie ihr ganzes Leben lang nicht gesehen hat, da diese sich von ihrer Mutter entzweit haben. So verlässt sie ihr altes Leben und zieht nach New York in ein luxuriöses Haus, das ihr so gar nicht passt. Auch zwischen ihr und ihren Großeltern kriselt es gewaltig.
Wenig später entdeckt sie auf dem Dachboden ein altes Tagebuch von einer ihrer Urgroßtante Clara - doch als sie es aufschlägt, geschieht das unglaubliche: sie wird in das Tagebuch hineingezogen und landet im New York 1910. Dort trifft sie auf den Jungen Philip, der sie schon seit mehreren Jahren in ihren Träumen besucht...


Meine Meinung


Handlung / Idee

Hach. Die Idee ist eigentlich nicht schlecht. Zeitreisen, indem man in bestimmte Gegenstände reingezogen wird, wie auch immer. Das ist nämlich das grundlegende Problem an dem Buch: man weiß nicht, warum. Es wird nichts erklärt, das einzige, was es gibt, ist eine vage Theorie. Wer hier nach dem Warum fragt, wird bitter enttäuscht.
Die Handlung ist ziemlich... suspekt. Es geht kaum voran - wenn man wenigstens wüsste, wohin das Buch gehen sollte. Es passt an allen Ecken und Kanten nicht, ich habe kaum etwas wirklich Schlüssiges gefunden und das ist richtig schade. Denn wie man auch bei der Idee sieht, hätte Alexandra Monir einfach mehr draus machen können...

Charaktere

Eine weitere Katastrophe beim Buch - tut mir leid... ich habe bis kurz vor Ende des Buches keinen Draht zu Michele kriegen können und das ist doch schon hart, weil schließlich das ganze Buch aus ihrer Perspektive erzählt wird. Sie ist total... naiv. Naiv und gleichzeitig irgendwie... gefühlskalt? Ihre Mutter ist gestorben, und bald interessiert es sie nicht mal mehr. Außerdem ist sie im Laufe des Buches gezwungen, bestimmte Dinge zu tun (auch wenn diese nicht wirklich begründet waren...) und ein, zwei Stunden danach interessierte es sie noch einen feuchten Kehricht...
Englische Ausgabe
Dann auch noch Philip. Von ihm hat man nicht sonderlich viel mitbekommen, außer dass er genauso unsterblich in Michele verliebt war, wie diese in ihn.. ähm, ja! Also, ich habe wirklich nicht viel Ahnung von Beziehungen. Aber ich finde es schon seeehr seltsam, wenn er Michele beim zweiten Treffen küsst und ihr beim dritten oder vierten ihre Liebe gesteht und für sie eine Verlobung löst... und nein, diese Treffen haben nicht aus stundenlangen, romantischen Treffen bestanden, sondern fielen meistens nur sehr kurzweilig aus.
Bei Michele hatte ich natürlich dasselbe Drama. Gut, sie träumt ihr halbes Leben lang von Philip. Aber kann man da so eine innige Beziehung aufbauen, dass sie gleich beim ersten Mal sagen kann, dass sie verliebt in ihn ist?! Also wie gesagt, das finde ich seeehr unschlüssig.
Die einzigen Personen, die ich nachvollziehen konnte, waren wirklich Micheles Großeltern. Ihre Wandlung und Erklärungen waren wenigstens einigermaßen nachvollziehbar und das hab ich wirklich sehr wertgeschätzt. *seufz*
Die restlichen Charaktere sind leider auch ziemlich schlecht. Sie bleiben total blass, jammern immer und manchmal sind sie sehr... äh... als würden sie permanent auf der Leitung stehen. Außerdem sind sämtliche Charaktere sofort beste Freunde mit Michele und das ist richtig extrem. Sie hat nicht mal irgendwelche Feinde oder so, kaum trifft sie auf jemanden, wird umarmt, alles anvertraut (ja, auch sämtliche Lebensgeschichten...) und so getan, als kenne man diesen Jemand schon ein Leben lang. 
Also Entschuldigung, Frau Monir, aber hier passt es vorne und hinten nicht...


Schreibstil

Alexandra Monirs Schreibstil ist richtig gut. Sie schafft es, Bilder vor Augen hervorzurufen, und das finde ich wunderbar gelungen. Das Einzige, was sie - wie bereits gesagt - nicht schaffte, war, dass ich eine Beziehung zu Michele aufbauen konnte. Aber ansonsten mag ich den Schreibstil sehr gerne und will dort nichts kritisieren.

Fazit

Uff. Nein, das Buch hat mir definitiv nicht gefallen und war eine sehr große Enttäuschung, besonders nachdem ich so gespannt drauf war. :( Die Idee ist zwar nett, aber wird kein bisschen erklärt. Nichts im Buch ist annähernd schlüssig oder richtig erklärt, es gibt keine Beweggründe. Beinahe alle Handlungen der Charaktere sind unklar und man weiß nicht, wieso sie das jetzt tun...
Die Beziehungen zwischen den Charakteren sind auch alle sehr seltsam und man weiß nicht, warum sie die jetzt überhaupt führen. ôo Auf einmal ist da eine Liebe oder große Freundschaft oder oder oder... 
Der Schreibstil ist allerdings gut. Trotzdem kann ich das Buch nicht weiterempfehlen, tut mir leid. Wer es lesen möchte, sollte es sich lieber erst ausleihen.

2/5 Punkte

"Trockenzeug"

Timeless
Hardcover, 352 Seiten, Heyne Verlag