Samstag, 25. Februar 2017

[Rezension] Wing Jones - Katherine Webber


Inhalt
Wings Leben war bisher schon alles andere als einfach. Mit einer ghanaischen und einer chinesischen Großmutter wird ihr Aussehen immer wieder zum Inhalt verbaler Angriffe ihrer Mitschüler. Ihr einziger Lichtpunkt in ihrem Leben: Ihr Bruder Marcus, einer der besten Footballer der Schule und der "Star" der Familie, und sein bester Freund Aaron. Doch dann wird ihre Familie von einer Tragödie getroffen, und die Jones' stehen plötzlich vor noch viel größeren Problemen. In der bisher dunkelsten Zeit ihres Lebens entdeckt Wing ihr Lauftalent...

Meine Meinung
Es fiel mir sehr schwer, eine Inhaltsangabe von Wing Jones zu schreiben. Einerseits liegt das daran, dass mir selbst beim Lesen nicht ganz so klar war, wo die Geschichte hinwill - andererseits ist aber auch die Fülle von Themen "schuld", auf die ich später noch zurückkommen werde. Deshalb wundert euch nicht, wenn etwas bewusst vage klingt; ich will euch bloß nicht so viel vorwegnehmen.
Können wir zuallererst bitte darüber reden, was für ein absoluter Hingucker das Buch ist? Dieser Farbverlauf ist ein Traum! Ich bin immer noch ganz verliebt, hach. (Aber allein schon die Schrift auf dem Cover als Schnürsenkel ist super cool!)
Primär soll es aber um den Inhalt des Buches gehen. ;) Wie oben schon angedeutet, ist Diversität* in Wing Jones unglaublich präsent - eigentlich ist es seit Crooked Kingdom das erste "ordentlich" diverse Buch, das ich gelesen habe. Wing hat ghanaische und chinesische Wurzeln, aber auch Marcus' bester Freund Aaron ist schwarz; es ist die Rede von einer jüdischen Kindheitsfreundin Wings, und im Laufe des Buches lernen wir auch ein lesbisches Paar kennen. Gleichzeitig hat Webber die 1990er als Schauplatz gewählt: Wings (schwarzer) Vater fiel Rassismus zum Opfer, auch in der Schule kriegt Wing immer wieder blöde Kommentare zu hören, wegen ihres Aussehens, wegen ihres Gewichts... Webber porträtiert eine traurige Realität (die auch heute noch präsent ist) - und sie macht es verdammt gut.
Wing selbst ist mit fünfzehn Jahren eine noch relativ junge Protagonistin. Umso schockierender ist es, zu lesen, was sie bereits alles erleben musste - und jetzt in diesem Moment erlebt. Sie versucht immer, sich klein zu machen, kann aber dem großen Drama doch nicht ergehen, als ihre Familie von einem Schicksalsschlag getroffen wird. Mit einem Mal wächst die Vielfalt an Themen im Buch noch weiter: Familie, Schuld, Moral, Liebe, Freundschaft, Laufen - all das und noch so viel mehr wird thematisiert. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, und das ist etwas, was mir an dem Buch sehr gefiel. 
Leider wird im offiziellen Klappentext der Fokus auf Wings Laufen gelegt, was meine persönliche Leseerfahrung etwas trübte. Ich erwartete einfach mehr, was ich letztendlich erhielt, traf schlichtweg nicht darauf zu. Es dauert einen gesunden Teil des Buches, bis Wing das Laufen für sich entdeckt, und auch dann ist es nur kurze Zeit sehr positiv dargestellt. Irgendwann wird es mehr zum Mittel, um ein bestimmtes Ziel (das ich nicht spoilern möchte) zu erreichen - und das ist sehr schade; fast so erschreckend wird es, als Wings Training krankhafte Ausmaße annimmt. Ich vermisste die euphorische Darstellung, die Wing am Anfang verspürte.
Grundsätzlich gab es ein paar Aspekte im Buch, die mich gestört haben. Zum Beispiel Wings Löwin und ihr Drachen - ja, ihr habt richtig gehört. Bereits im ersten Kapitel werden zwei imaginäre Wesen eingeführt, die Wing immer wieder in ihrem Leben begleiten, die sie hinaus in die Nacht locken und seltsame Dinge tun lassen. "Seltsam" ist für mich wirklich das passende Wort hier - ich habe bis zum Ende nicht verstanden, was das sollte, fand es schlichtweg schräg.
Auch die Liebesgeschichte im Buch konnte mich nicht überzeugen. Die Beschreibungen sind einfach viel zu schwülstig gewesen, gerade für eine Fünfzehnjährige - seitenlang ging es darum, wie schnell ihr Herz schlug, dass sie an nichts anderes außer an ihn denken konnte und so weiter und so fort. Themenvielfalt okay - aber das war für mich einfach too much. Letztendlich war das so überwältigend, dass die vom Unfall betroffene Person, die Wings Entwicklung überhaupt erst ausgelöst hat, komplett in den Hintergrund rückte und ich nur noch genervt war.
Mein letzter Kritikpunkt ist das Ende - nach Längen innerhalb des Buches hatte ich als Leser das Gefühl, abrupt abgespeist zu werden. Viel zu viele Fragen waren für mich noch offen, und ich war einfach unbefriedigt.
Ich hatte allerdings wirklich zahlreiche gute Momente mit Wing Jones - wie bereits erwähnt, die Diversität ist ein großer Pluspunkt, und auch der Schreibstil transportierte die Geschichte sehr gut. Besonders mochte ich, dass die Familie nicht außen vor gelassen wurde, sondern wirklich in die Geschichte integriert war, und dass auch das Thema Freundschaft im Laufe des Buches immer wichtiger wurde.
Was ich bisher so von Wing Jones mitgekriegt habe, war durchweg positiv - meine Meinung fällt also etwas aus dem Raster. Vielleicht kann es euch ja mehr überzeugen als mich; es ist auf jeden Fall ein Buch, das sehr, sehr viele wichtige Dinge anspricht.

Fazit
Wing Jones ist ein Young Adult-Buch, das nicht in das übliche Muster passt - und das ist positiv gemeint. Diversität ist groß geschrieben, und auch eine gewaltige Vielfalt an Themen wird im Laufe des Buches angesprochen. Ich hatte zwar vereinzelte Probleme mit dem Buch, bin letztendlich aber dennoch froh, Wing und ihre Familie kennengelernt zu haben.


Wing Jones ⚬ Taschenbuch: 384 Seiten ⚬ Walker Books ⚬ Einzelband ⚬ ca. 8,99€ ⚬ Kaufen?

* Einen grandiosen Artikel, weshalb Diversität so wichtig ist, hat Sanne vom Papierplanet geschrieben.

Mittwoch, 22. Februar 2017

[Rezension] Traitor to the Throne - Alwyn Hamilton

Da es sich hierbei um einen zweiten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.


Inhalt
Es ist über ein halbes Jahr vergangen, seitdem Amani bei den Rebellen ein Zuhause gefunden hat. Ahmeds Botschaft verbreitet sich langsam, aber sicher - wenn auch nicht ohne Rückschläge. Auch Amanis Weltbild wird erneut erschüttert, als sie gekidnappt wird und in den Fängen des Sultans höchstpersönlich landet. Stück für Stück kommt sie hinter die Pläne des Mannes, gegen dessen Herrschaft sie kämpft, und muss feststellen, dass diese größer und wahnsinniger sind als sie jemals hätte ahnen können.

Meine Meinung
Traitor to the Throne gehört ebenfalls zu den Büchern, deren Erscheinen ich dieses Jahr kaum erwarten konnte. Und - so viel kann ich vorwegnehmen - es hat mich nicht im Geringsten enttäuscht.
Das Buch setzt einige Monate nach den Geschehnissen im letzten Band ein. Ein erstes, zusammenfassendes Kapitel klärt darüber auf, was in der Zwischenzeit vorgefallen ist. Dann sind wir zurück im Geschehen, das wieder aus Amanis Perspektive erzählt wird - und Leute, ich verrate euch nicht zu viel, wenn ich sage, dass Amani in diesem Teil noch mehr Biss hat.
Ich habe Amani im ersten Band geliebt; jetzt, nach Traitor to the Throne, vergöttere ich sie schon fast. Ihre Entschlossenheit, ihre Fähigkeit, einen kühlen Kopf auch in brenzligen Situationen zu behalten, ihre sarkastischen Kommentare - all das ist präsenter denn je. Doch Hamilton zeigt auch, dass Amani eben nicht perfekt ist. Amani selbst sagt es - dass sie zum Beispiel immer noch sich zuerst retten würde, dass es ihr nicht gelingt, so selbstlos zu sein, wie sie manchmal gern sein würde.
Gleichzeitig ist sie unabhängig - natürlich bewegt sie sich in einem Netzwerk von Freunden (ich werfe hierbei einen intensiven Blick auf Shazad, die fast die verborgene Heldin der Geschichte ist) und bändelt auch mit Jin an, doch das ist alles nicht so überwältigend. Gerade die Romanze (was auch teils daran liegt, dass Jin in diesem Band kaum anwesend ist) ist einfach so schön dezent, sie überwiegt nicht die ganze andere Handlung und strotzt auch nicht vor schwülstigen Liebesgeständnissen. Ich liebe einfach die Charaktere, alte und neue, die wir in Traitor to the Throne kennenlernen - und was für welche!
Was ich besonders an dem Band liebte, war die Tatsache, dass der Sultan auftritt - mehr als nur einmal, er nimmt zeitweise eine große Rolle in Amanis Leben ein, prägt ihre Gefangenschaft im Harem sehr. Der Sultan ist der große Endgegner - derjenige, den Ahmed stürzen will. Zu den Anschuldigungen bekommen wir plötzlich ein Gesicht, und nicht nur das: Wir bekommen eine dreidimensionale Figur, einen Mann, der mehr als nur ein Bösewicht ist, sondern ein Charakter mit Tiefen, wie man sie kaum erahnen kann. Ich war fasziniert, so fasziniert - generell von dem ganzen Einblick ins Innere des Harems, der uns geboten wurde. Ich würde gerne mehr sagen, doch das ist kaum möglich, ohne zu spoilern - aber glaubt mir: Alwyn Hamilton hat so einiges in petto, und vor allem trampelt sie ausgiebig auf den Leserherzen herum.
Grundsätzlich wird der Weltenbau in Traitor to the Throne weiter ausgearbeitet; einerseits kriegen wir mehr von der Welt zu sehen, andererseits werden aber auch so viele Legenden mehr erzählt, die sich Stück für Stück in das Bild einer Welt einfügen, die trotz ihrer Fremdheit sehr vertraut wirkt. Nicht zuletzt "schuld" daran ist Hamiltons Schreibstil, der sich nicht mit überflüssigen Beschreibungen aufhält, sondern auf den Punkt kommt und einfach... erzählt.
Traitor to the Throne misst fasst 600 Seiten - und es gibt keine einzige, die ich nicht geliebt habe. Das Buch hat mich zum Lachen gebracht, es ließ mir den Atem stocken und ja, mir kamen auch die Tränen. Ein grandioser Folgeband zu einem fantastischen Debüt.

Fazit
Traitor to the Throne steht Rebel of the Sands in nichts nach, im Gegenteil - es übertrifft seinen Vorgänger um Längen. Hamilton begeistert mit neuen Charakteren, einer fantastischen Protagonistin und fesselnden Plottwists. Wer Rebel of the Sands liebte, wird Traitor to the Throne vergöttern!


Traitor to the Throne ⚬ Taschenbuch: 592 Seiten ⚬ Faber & Faber ⚬ Reihe: 2/3 ⚬ ca. 6,99€ ⚬ Kaufen?

Mittwoch, 15. Februar 2017

[Rezension] And I Darken - Kiersten White


Inhalt
Lada und Radu könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie ist brutal, schonungslos, eifert ihrem Vater nach. Er ist zart, verletzlich, sensibel, will am liebsten nicht bemerkt werden. Die Kindheit der beiden nimmt eine abrupte Wendung, als sie ihrer Heimat Wallachia entrissen werden, um im Osmanischen Reich aufgezogen zu werden. Umso älter sie werden, desto größer wird auch das Netz aus Intrigen und Geheimnissen um das ungleiche Geschwisterpaar...

Meine Meinung
Ich habe die Inhaltsangabe bewusst grob und vage gehalten, da ich der festen Überzeugung bin, dass man lieber etwas ahnungsloser an ein Buch herangeht als umgekehrt. Und gerade die offizielle Inhaltsgabe von And I Darken verrät so einiges, das wirklich erst nach einem guten Stück des Buches passiert.
Zugegeben liegt das zum Teil daran, dass in And I Darken eine Zeitspanne von 16 Jahren abgedeckt wird und, das möchte ich gleich vorwegnehmen, die Charaktere die treibende Kraft sind, nicht der Plot. Es hatte ein paar The Song of Achilles-Vibes, was ein Grund war, weswegen ich mich gleich wohl fühlte.
Die Geschichte spielt erst im Fürstentum Walachei, dann im Osmanischen Reich... und zu einer Zeit (um 1400 herum), die mir völlig fremd war - und gleichzeitig nicht. Kiersten White gelingt es, mit viel Liebe zur Detail all diese fremden Welten zu erschaffen. Verschiedenste Sitten und Bräuche, ganze Religionen sind geschickt in die Geschichte eingeflochten - selbst ein Glossar gibt es (das ich leider viel zu spät entdeckt habe). Ich bin jemand, der leicht den Überblick verliert, gerade bei vielen Namen und Ämtern und Kulturen, die ich nicht kenne, von daher war ich angenehm überrascht und vor allem nur selten verwirrt. ;)
Aber auch wenn die Beschreibung der Welt ein Teil des Romans ist, so sind die Charaktere, wie bereits angedeutet, doch einfach das Kernstück der ganzen Erzählung. Ich meine, gerade Lada und Radu begleiten wir von ihrer Geburt an! Und ich kann nicht mal ansatzweise beschreiben, wie fasziniert ich sowohl von ihrer Entwicklung als auch von ihrer Komplexität bin. Bei den Geschwistern handelt es sich um keine Figuren, die man unbedingt mag oder zumindest nicht liebt - aber sie sind einfach so unglaublich interessant. Lada mit ihren brutalen Zügen und unbeschreiblicher Determination, Radu, der lernt, ein anderes Spiel zu spielen, um zu überleben. Gleichzeitig flicht White weitere Themen ein; zum Beispiel Radus Homosexualität, mit der er immer wieder anstößt, Fragen nach Moral, Politik, Krieg. And I Darken mag als Young Adult vermarktet werden, doch es ist düster und komplex und ganz sicher keine leichte Lektüre.
Radu, Lada und Mehmed (ein ostmanischer Thronfolger, der erst im Laufe der Geschichte eingeführt wird) basieren alle auf realen Figuren, Lada insbesondere auf Vlad dem Pfähler; in diesen Teil der Vergangenheit habe ich mich erst hinterher etwas eingelesen und bin fasziniert von Whites Parallelen, vielmehr aber auch von den Interpretationen, die sie vorgenommen hat.
Es gab rückblickend nur ein paar Kleinigkeiten, die mich daran hinderten, dieses Buch zu lieben: Stellenweise war es einfach zu langsam, vor allem nach der Hälfte schleppte es sich ein wenig. Außerdem konnte ich Mehmed, der trotz seiner späten Einführung zu einem zentralen Charakter wird (wer's wissen will, kann es in der Kurzbeschreibung nachlesen), nicht so gut leiden wie Radu und Lada. Mehmed bleibt einfach etwas blass, etwas sprunghaft und gleichzeitig undurchsichtig, was zumindest stellenweise daran liegt, dass wir schlichtweg keine Szenen aus seiner Sicht bekommen haben - aber wer weiß, vielleicht kann ich mich ja im zweiten Band vollends für ihn erwärmen. Denn die Fortsetzung Now I Rise erscheint - zum Glück! - schon Ende Juni.
Letztendlich bin ich einfach froh, dass ich zu And I Darken gegriffen habe. Das Buch lag wieder einmal etwas außerhalb meiner Komfortzone, und wieder einmal habe ich diesen Ausbruch definitiv nicht bereut. Sehr empfehlenswert!

Fazit
And I Darken ist ein gelungener Auftakt zu einer Trilogie, die mit einem spannenden historischen Setting und vor allem mit unglaublich faszinierenden Protagonisten überzeugt. Eine klare Empfehlung meinerseits!


And I Darken ⚬ Taschenbuch: 496 Seiten ⚬ Band 1/3 ⚬ Delacorte Press Books for Young Readers ⚬ ca. 7,99€ ⚬ Kaufen?


Mittwoch, 8. Februar 2017

Lieber Harry...


Lieber Harry,

Ich bin mir nicht ganz sicher, wann wir uns das erste Mal trafen. Ich glaube, ich war sechs Jahre alt. Vor allem aber erinnere ich mich daran, im Zug gewesen zu sein. Ich flog förmlich über die letzten Seiten deines Abenteuers, und dann war es auf einmal vorbei - zumindest vorerst - und ich hatte für den Rest der langen Zugfahrt gar nichts mehr zu lesen.
Ich erinnere mich auch noch an dein letztes Abenteuer. Direkt am Erscheinungstag landete deine Geschichte bei uns im Haus, und ich sah das Buch auf dem Tisch liegen. Fast schon ehrfürchtig schlug ich es auf, erhaschte einen Blick auf den Epilog, klappte es schnell wieder zu.
Im selben Jahr erschien auch der fünfte Teil im Kino. Auch daran erinnere ich mich noch. Dass ich, obwohl der Film FSK 12 war, zusammen mit meiner Mutter im Kinosaal sitzen durfte. Die Leinwand erhellte sich und ergänzte Bilder zu den Fantasien in meinem Kopf.
Vielleicht hat mich hast du mich geprägt, Harry, vielleicht aber war ich letztendlich bei all diesen "ersten Malen" zu jung, um es vollkommen zu begreifen. Du warst auf jeden Fall ein Teil meines Lebens, und wenn ich zufällig über einen der Filme im Fernsehen stolpere, dann freue ich mich.
Streichen wir den letzten Satz: Du bist ein Teil meines Lebens.
Denn wenn ich eines mit Sicherheit benennen kann, dann ist es das Gefühl, das mich überkommt, wenn ich eines deiner Abenteuer in den Händen halte. Zuhause. Denn obwohl mein Hogwarts-Brief nicht kam und ein Teil von mir dem immer noch hinterher trauert, so sind mir Hogwarts und Dumbledore und Hermine und Ron und auch du, Harry, so vertraut wie kaum etwas anderes. Wenn ich die ersten Worte lese, dann überkommt mich eine Wärme, ein Gefühl von Sicherheit, das mich für eine Weile von der "echten" Welt ablenkt.

Und dafür bin ich dir sehr, sehr dankbar.

Liebe Grüße,
Isabella


Zu Weihnachten habe ich das wunderbare Geschenk des Harry Potter-Schubers bekommen und mich wieder einmal in den Büchern verloren - oder, besser gesagt, gefunden. Etwa zur gleichen Zeit habe ich Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind im Kino gesehen und geliebt. Wirklich den Ausschlag für den Post gegeben hat allerdings das Drehbuch dazu. Ich war erst skeptisch, und es dauerte ein paar Seiten, bis ich mich richtig an diese ganz besondere Art von Lektüre gewöhnen konnte. Dann aber kehrte das vertraute Gefühl von Heimat zurück - besonders mit Joanne K. Rowlings kleinen Andeutungen im Nebentext, die man im Film gar nicht so mitkriegt.
Es wird immer Menschen geben, die argumentieren, dass man endlich aufhören soll, Harry Potter als Heiligtum zu behandeln. Die sagen, dass es nur noch eine Geldmache Rowlings ist. Das sehe ich nicht so, und es ist auch kein Post, in dem ich irgendwelche Argumentationen abhandeln will. Ich will euch einfach nur dazu ermuntern, in euren "Harry Potters" zu schwelgen - ob das jetzt tatsächlich die Potter-Bücher sind oder einfach Werke, an die ihr verdammt gute Erinnerungen habt.

“It matters not what someone is born, but what they grow to be.”
(J.K. Rowling, Harry Potter and the Goblet of Fire

Samstag, 4. Februar 2017

[Rezension] Heartless - Marissa Meyer


Inhalt
Der unverheiratete König hat Interesse an Catherine - für jedes andere Mädchen wäre dies ein Grund zur Freude. Catherines Leidenschaft liegt jedoch beim Backen, ihr Traum ist es, zusammen mit ihrer Magd Mary Ann eine Bäckerei zu eröffnen.
Als Catherine auf einem Ball begreift, dass der König ihr gleich in aller Öffentlichkeit einen Heiratsantrag machen wird, entflieht sie den Festivitäten - und stolpert in die Arme Jests, der Joker des Königs. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebe, und Cath ist fest entschlossen, ihre Zukunft eigenhändig zu gestalten... doch das Schicksal hat andere Pläne.

Meine Meinung
Bevor ich in meine Lobeskapaden ausbreche, einen kleinen Disclaimer: Ich habe weder Alice im Wunderland gelesen noch irgendeine Filmadaption gesehen -  schlug also mit nahezu keinem Vorwissen Heartless auf.
Denn Heartless ist nicht nur irgendeine Geschichte; sie ist eine Vorgeschichte der Königin der Herzen, oder vielmehr Meyers eigene Interpretation davon. Für mich war das Ganze besonders schräg; ich bin Alice im Wunderland bisher nicht nur entgangen, ich habe es regelrecht gemieden, wirkte es immer etwas befremdlich auf mich. Heartless habe ich vordergründig wegen der Autorin erworben, wegen meiner Neugier, was sie wohl als Nächstes zu Papier gebracht hat - ich hatte somit keinerlei Erwartungen, als ich an das Buch heranging.
Und ich hatte auch keine Ahnung, was mich erwarten würde. Vom ersten Kapitel an begegnet man als Leser einer ganz besonderen, wundersamen Welt mit sprechenden Hasen, Kartensoldaten und allerlei weiterer wundersamer Bewohner. Meistens ist es so, dass die Hauptfigur selbst neu in solch einer Welt ist; hier allerdings waren alle mit den Begebenheiten vertraut und ich war die "Fremde", die, die sich umsah, sich wunderte, sich mit einer ganz neuen Welt vertraut machte.
Das ist alles bewusst so gewählt - denn Meyers Schreibstil ermöglichte es mir ohne weiteres, die Welt und ihre Bewohner nachzuziehen. Vor meinen Augen erstanden Cheshire, der Laden des Hutmachers, Jest mit seinem Raben als Begleiter, als hätte ich sie mein ganzes Leben lang schon gekannt.
Zu Anfang überwiegt auch die locker-leichte Atmosphäre des Buches - wir schweben in den Düften von Caths Zitronentarts und bissigen Austauschen mit Cheshire.
"Are you here for a reason, Cheshire?"
"Why, yes, I would enjoy a cup of tea. I take mine with lots of cream, and no tea. Thank you."
(Marissa Meyer, Heartless, S. 199)
Schnell aber schwindet diese Atmosphäre, und das Buch wird immer düsterer, düsterer, düsterer - in Dimensionen, die sich nicht mehr mit den Lunar Chronicles vergleichen lassen.
Inmitten all dem ist natürlich vorrangig Catherine - eine Protagonistin, die ich so noch nie gelesen habe, die ich aber doch schnell ins Herz schloss. Ich konnte mich unglaublich gut mit ihr identifizieren, und kann mir vorstellen, dass ich damit nicht die Einzige bin. Ihr Traum von der Bäckerei ist quasi unmöglich, da ihre Eltern strikt dagegen sind, und doch hört sie nie auf zu träumen - sie schafft den Schritt vom Traum zur Wirklichkeit jedoch nur so halb, ist letztendlich irgendwie eine Gefangene der Gesellschaft. Die ganze Zeit über bleibt die Frage, ob es ihr gelingt, auszubrechen.
Auf der anderen Seite ist Jest. Jest ist einer dieser männlichen Charaktere, die eine oberflächliche Nonchalance mit sich bringen, und ehe ich mich versah, grinste ich nur noch wegen der Gespräche der beiden. Sie haben eine wundervolle Dynamik zusammen, und obwohl von Anfang an klar ist, dass es eine Liebesgeschichte geben wird, so streckt sich diese über das Buch aus und ist einfach herzerwärmend. Ich kann es nicht anders beschreiben - es ist, als wäre Heartless zu einem Zeitpunkt in mein Leben gekommen, in dem ich es dringend benötigte.
"She shuddered. 'No, it wasn't Raven. It was... I thought I saw... nothing.'
'I see nothing all the time.'
'As I said before, it was very warm inside, that's all. And I've barely eaten all day.'
'No doubt the corset of tortures didn't help.'
Her scowl deepened. 'A lady's undergarments are not a suitable topic of conversation.'
He raised his hands in surrender. 'Only a theory, my lady. I'm sure your lack of sustenance is much more the culprit. Here.' He reached for a pouch at his belt and retrieved a chocolate. 'I was saving this for later, and so I must have been saving it for you.'
(Marissa Meyer, Heartless, S. 56)
Auch die Nebencharaktere sind alle ein Faszinosum in sich - der Hutmacher, der König, selbst Caths Eltern. Alle sind durch ihre eigenen Charakteristika gekennzeichnet und, obwohl nicht durchgehend liebenswert, passen sich perfekt in dieses wundersame Gefüge ein.
Wie ich oben schon erwähnt habe, ist Heartless nicht durchweg eine leichte Geschichte. Spätestens ab der Hälfte des Buches schnürte sich mir immer öfter und öfter die Kehle zu, als sich Ahnungen anbahnten, eine düstere als die andere... Und tatsächlich löste das Buch einen Haufen Emotionen aus, von Trauer über Wut bis zu mehr Trauer, ehe ich es zuschlug und einfach gar nicht mehr wusste, was ich fühlen sollte. Auch jetzt muss ich immer noch an die Geschichte denken und kann gar nicht glauben, was Meyer mir damit angerichtet hat - vor allem bei einem Buch, von dem ich keinerlei Erwartungen hatte. Heartless hat mir definitiv mein Herz gestohlen.

Fazit
Mittlerweile glaube ich, dass es nichts gibt, das Marissa Meyer nicht schreiben kann. Der Einzelband Heartless hat mich mit der wundersamen Welt, in der er spielt, und den noch wundersameren Charakteren von der ersten Seite an überzeugt und mich unglaublich berührt. Ein grandioses Werk!


Heartless ⚬ Taschenbuch: 453 Seiten ⚬ Einzelband ⚬ Feiwel and Friends ⚬ ca. 7,99€ ⚬ Kaufen?

Mittwoch, 1. Februar 2017

[Rückblick] Lesemonat Januar 2017

Ja, ich zitiere mich selbst. Aber dieser Tweet fasst eigentlich alle meine Gefühle dem Januar gegenüber zusammen.
Was mich am meisten ärgert? Dass es Marissa Meyers Heartless es nicht auf die Liste geschafft hat. Aber ich hätte entweder (noch mehr) Lernzeit oder Schlafzeit opfern müssen, und das... das konnte ich mir nicht antun. 😂 Macht euch jetzt schon auf Lobeskapaden in der Rezension und im nächsten Rückblick gefasst. Februar ist ja noch kürzer als jeder andere Monat. Januar war trotzdem ein okayer Lesemonat, und, wie ich euch bereits vorgewarnt habe, ein sehr Harry Potter-lastiger.


1) Harry Potter and the Chamber of Secrets - Joanne K. Rowling (5/5)
Leute, was erwartet ihr von mir? Wie könnte ich dem - irgendeinem - Harry Potter-Buch weniger als fünf Sterne geben?
Leigh Bardugo hat es in diesem Interview überraschend gut beschrieben: "There are times when I want to read stories of underdogs and revolution and great corrupt powers being overthrown. Hypothetically. But there are also times I want to simply be transported and I want to escape and I want to believe that magic is real. And I think there is a certain gentleness we look for even in fantasy stories sometimes. A kind of wish fulfillment that’s really satisfying and comforting.
I often find myself rereading the first few books of the "Harry Potter" series because it’s such a comforting world. And I think that it’s OK to indulge in that.
"

Dasselbe gilt somit auch für:

2) Harry Potter and the Prisoner of Azkaban - Joanne K. Rowling (5/5)
(Obwohl ich diesen Teil ein bisschen mehr als alle anderen liebe.)

3) Harry Potter and the Goblet of Fire - Joanne K. Rowling (5/5)

4) Windwitch - Susan Dennard (4/5)
Windwitch war eine tolle Fortsetzung mit ein paar Schwächen - im Großen und Ganzen war ich einfach wieder sehr froh, mit Aeduan, Iseult und Co. wiedervereint zu sein.
Meine Rezension findet ihr hier.

Das macht, wie man unschwer erkennen kann, vier Bücher. 1823 Seiten (über 2000, wenn ich Heartless rechtzeitig gelesen hätte, damn), ca. 59 pro Tag. Januar begann klasse, dann waren die Weihnachtsferien jedoch vorbei und Januar war zwar immer noch klasse, nur zwang ich mich, meine Lesezeit auf meine Uni-Notizen zu verwenden. 😉
Februar... in Februar warten zwei Neuerscheinungen auf mich, auf die ich mich unglaublich freue - Traitor to the Throne von Alwyn Hamilton und A Conjuring of Light von V.E. Schwab. Mein Herz wird also mindestens zweimal gebrochen.
Außerdem befinden sich fünf Klausuren in der nahen Zukunft, die erste morgen... super, jetzt hab ich mich selbst nervös gemacht. Aber so was hält mich mit Sicherheit nicht davon ab, irgendwelche Blogartikel zu posten. Macht ja auch Spaß, der Kram hier. 😋

Wie war denn euer Lesemonat Januar? Irgendwelche bestimmte Vorsätze fürs Lesejahr 2017?