[Rezension] Schwarz (Der Dunkle Turm) – Stephen King


Inhalt
Schwarz ist der Auftakt zu der siebenbändigen Reihe rund um den dunklen Turm. Der Leser begegnet Roland, einem Revolvermann, der eine Verfolgungsjagd durch eine Wüste und tiefste Dunkelheiten auf sich nimmt, um dem Mann in Schwarz und dem Geheimnis des dunklen Turms auf die Schliche zu kommen …

Meine Meinung
Ach herrje.
Interessanterweise bin ich auf Schwarz gekommen, weil ich Der Dunkle Turm im Kino gesehen habe und mir dachte: Hey, der Film war ein bisschen kurz, ich bin total neugierig, wie Rolands Welt in Stephen Kings Werk beschrieben wird. Das wird keine Filmrezension, und ich habe mich auch nicht näher eingelesen, inwiefern der Film etwaige Details aus späteren Bänden aufnimmt, aber so viel kann ich sagen – retrospektiv war mir der Film um einiges lieber, weil ich da wenigstens irgendwelche Antworten bekommen habe.
Als Leser komme ich normalerweise gut damit klar – befürworte es sogar –, ins kalte Wasser geworfen zu werden. Stephen King hat mich jedoch nicht nur ins kalte Wasser geworfen, sondern meinen Kopf immer tiefer unter die Oberfläche gedrückt, wenn ich versucht habe, zu schwimmen.
Genug der Metaphorik: Ich bin einfach nicht in die Geschichte reingekommen, was an zwei Dingen liegt. Zum einen konnte ich keinerlei Verbindung zu den Charakteren aufbauen, weder zu Roland, dem Protagonisten, noch Jake, der ab dem ersten Drittel des Buches recht präsent wird. Die Nebencharaktere kamen mir bestenfalls wie Skizzen vor, und keine davon gefiel mir sonderlich gut. Stellenweise hat das immerhin zu der Geschichte gepasst, wenn deutlich wurde, dass Stephen King gerade dieses Unwohlsein beim Leser hervorrufen wollte – das gelingt ihm ganz wunderbar. Gerade die Kampfszenen in dem Buch haben mir mit ihrer brutalen Realität unglaublich gut gefallen! Aber mit den Charakteren wurde ich einfach nicht warm.
Der zweite, große Grund, der mich weiter von der Geschichte entfernt hat, war der Weltenbau. Nein, warte, der Weltenbau ist da, wird zumindest angedeutet – aber nicht im Geringsten erklärt. Das ganze Buch über passieren höchst seltsame Dinge, Roland gibt irgendwelche ominösen Begriffe von sich, und nichts, einfach gar nichts, wird erklärt. Eine Handvoll Dinge konnte ich mir zusammenreimen; vielleicht fehlte es mir beim Rest an Fantasie. Auf jeden Fall führte es dazu, dass ich mit jeder verstreichenden Seite nur noch frustrierter wurde.
Auf den letzten fünfzehn Seiten des Buches liefert King erstmalig Antworten. Und auch diese sind wieder so abstrakt, so vage verfasst, dass ich hinterher nur wenig schlauer war und dafür maximal frustriert und einfach froh, dass das Buch vorbei war. Ich habe noch nie ein 300 Seiten-Buch gelesen, das sich so verflucht lang angefühlt hat. Dabei lässt sich das Buch an sich leicht lesen, Kings Schreibstil hat mir gut gefallen, insbesondere die kleinen, allgemeingültigen Weisheiten, die im Text verstreut sind! Aber dieser konfuse Plot, diese Fragen, die sich angehäuft haben, haben es mir einfach unmöglich gemacht, meinen Gefallen an manchen Szenen für mehr als ein paar Seiten aufrecht zu halten.
Was Schwarz anbetrifft, scheint es einen allgemeinen Konsensus zu geben, den ich in einigen Rezensionen gelesen und von anderen Fans erzählt bekommen habe: "Nur dran bleiben, die Reihe lohnt sich erst ab den Folgebänden so richtig!", "Der erste Band ist der zähste, einfach durchbeißen!" – und so weiter. Aber ganz im Ernst: Ist das nicht ein Privileg Kings? Bei jedem weniger bekannten Autor würde man eher dazu raten, die Reihe abzubrechen … oder der Verlag würde sie einstellen, wenn sie sich nicht gut verkaufen würde.
Ja, vielleicht werde ich weiterlesen. Doch das rechtfertigt es in meinen Augen noch lange nicht, solch einen zähen ersten Band abzuliefern. Oder aber ich werde einem anderen Werk Kings eine Chance geben, und wenn es dann nichts wird, soll es eben nicht sein. Es ist verrückt, welche Ehrfurcht ich gegenüber diesem Mann empfinde; dass ich mich kaum traue, dieses Buch zu kritisieren, weil er einen (fast schon) legendären Status in Autorengefilden eingenommen hat.
Zuletzt möchte ich noch darauf eingehen, dass ich es schade finde, dass King im ersten Drittel des Buches mehrmals vulgäre Beschreibungen bei Frauen verwendet. Da finden sich Sätze wie "Ihre Brüste drängten sich in überreifer Pracht gegen die vom Waschen ausgebleichte Bluse, die sie trug" und "Der Revolvermann pustete sie um, und sie landete mit hurenhaft gespreizten Beinen und über die Schenkel gerutschtem Rock auf dem Boden" (beide zitiert nach Schwarz (Der Dunkle Turm), Stephen King, Heyne). Ich habe die Argumente gehört: Dass es ein Mittel sei, um die Figuren zu charakterisieren, dass man es im Kontext betrachten müsste … nein, finde ich nicht. Im Kontext und außerhalb des Kontexts sind solche Beschreibungen veraltet und unschön, und die Sexualisierung der weiblichen Nebencharaktere führte nicht gerade dazu, dass ich sie besser kennen lernte. Ein kleiner Trost: Diese Beschreibungen häufen sich lediglich in den ersten hundert Seiten, aber unschön sind sie immer noch.
Kurzum – mein erster King war ein absoluter Reinfall. Der Geschichte gelang es nur bruchstückhaft, mich zu fesseln, und anstatt Licht ins Dunkle zu bringen, habe ich mich als Leser irgendwann nur noch an der Nase herumgeführt gefühlt. Ich habe eine gefühlte Ewigkeit an dem Buch gelesen, und war einfach nur noch froh, als es vorbei war.

Fazit
Stephen Kings Schwarz konnte mich als Auftakt für die Dunkle Turm-Reihe leider nicht überzeugen. Für all die Fragen, die der Weltenbau aufwarf, wurden viel zu wenig – fast keine – Antworten geliefert, weswegen der Plot mich verwirrt und zunehmend frustriert zurückließ. Auch die Charaktere konnten mich nicht überzeugen, da ich bis zur letzten Seite keinerlei Verbindung mit ihnen aufbauen konnte. Von mir gibt es keine Empfehlung.


Vielen Dank an Heyne für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Schwarz (Der dunkle Turm) ○ übersetzt von Joachim Körber ○  Taschenbuch: 352 Seiten ○ Band 1/7 ○ Heyne ○ 9,99€*

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Kommentare

  1. Hey :)

    Ich habe bis jetzt erst ein Buch von King gelesen (der Todesmarsch) und dort hatte ich ebenfalls große Probleme mit den Figuren, da sie mir einfach egal blieben. Vielleicht ist das dann wohl einfach der Stil des Autors...?
    Auf jeden Fall hatte ich eigentlich überlegt, noch ein Buch von King zu lesen, vielleicht sogar der dunkle Turm/schwarz, weil es echt interessant klingt. Nach deiner Rezi und meinen sowieso schon vorhandenen Problemen mit King, werde ich das wohl lassen^^

    Liebe Grüße
    Lena

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    1. Liebe Lena,

      Oh man, wie doof, dass du ähnlich Erfahrungen gemacht hast. :( Ich habe bisher immer nur Positives über seine Charaktere gehört, frage mich im Nachhinein, wie viel davon aber einfacher Hype ist.

      Ja, die Prämisse klingt wirklich vielversprechend. Ich bin immer noch hin- und hergerissen, ob ich weiterlesen soll, finde es aber auch einfach unverschämt, als Leser so lange im Dunkeln zu schweben. :D

      Alles Liebe,
      Isabella

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  2. Oh, mann. Du hast ja so Recht.
    Ich weiß gar nicht mehr, wie lange es bei mir schon her ist, dass ich "Schwarz" gelesen habe, aber damals habe ich es mir aus der Bücherei ausgeliehen und ich fand es einfach furchtbar (vielleicht der Grund, warum ich seitdem kein Buch von King mehr angefasst habe).

    Irgendjemand auf YouTube hat so davon geschwärmt und ich dachte, hey, kann ja nicht schaden, es mal zu versuchen. Aber, tja, irgendwie doch. Komischerweise habe ich trotzdem überlegt, mir den Film anzugucken, weil der Trailer ganz cool aussah. Das hat sich nach den ganzen nicht so begeisterten Stimmen mittlerweile aber auch wieder erledigt.

    Ich weiß nicht, vielleicht werde ich es irgendwann nochmal mit "Es" oder "Friedhof der Kuscheltiere" versuchen, aber gerade kann ich mir echt besseres vorstellen...

    Liebe Grüße
    Aileen

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    1. Ahh, danke für den Kommentar!! :D Es beruhigt mich total, dass es nicht nur mir so ging. Vor allem, weil gefühlt jeder von King schwärmt … aber mich hat es einfach nur abgeschreckt.

      Ja, das stimmt, der Film wird generell auch nicht so gut aufgenommen. Mich hat er ganz gut unterhalten, aber ich bin auch mit niedrigen Erwartungen hingegangen. :D Da laufen aktuell bestimmt bessere Filme.

      Da geht es mir genauso wie dir – irgendwann vielleicht mal … aber Priorität hat ein zweiter King ganz gewiss nicht.

      Alles Liebe,
      Isabella

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  3. Halli-Hallo :-)
    Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und finde ihn wirklich bezaubernd schön - da musste ich mich natürlich direkt als Leserin eintragen.

    Ich selbst bin noch sehr neu in der Blogger - Welt. Falls du dich ein bisschen für Kunst, Illustrationen und kleine Geschichten interessierst, dann kannst du ja mal vorbei schauen. Ich würde mich auf jeden Fall total freuen!

    Liebste Grüße, Chiara <3

    https://mia-louu.blogspot.de/

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  4. "Schwarz" war nach einer Novelle das erste richtige Buch, das ich von King gelesen habe, und ich wurde von einer Person sogar entgeistert angeguckt und gefragt, ob ich wirklich ausgerechnet dieses Buch als erstes King-Buch lesen will :D. Die meisten Fans der Reihe, die ich kenne, schwören, es würde danach besser und man würde im Rückblick viel mehr aus Band 1 verstehen. Was einem aber natürlich nur was bringt, wenn man nach Band 1 überhaupt weiterlesen will.

    Mir ging das da wie dir. Ich konnte zu den Figuren überhaupt keine Verbindung aufbauen, weil ja hauptsächlich Roland eine Rolle spielt und der immer ziemlich kühl und abweisend wirkt und man keine Ahnung hat, was er eigentlich will.

    Mich hat auch gestört, dass es so wirklich überhaupt keine Erklärungen gibt. Zum Teil wirkt die Welt postapokalyptisch, dann wieder irgendwie wie aus dem 19. Jahrhundert, da die Menschen einige technische Errungenschaften kennen, andere wiederum nicht. Dann taucht Jake auf und bringt die Verbindung zu unserer Gegenwart und dann war ich einfach nur endlos verwirrt.
    Ist ja schön, dass man als Autor ein paar Fragen offen lassen und erst später beantworten will, aber hier war wirklich alles offen.

    Ich sehe das wie du. Nur weil man bekannt wie Stephen King ist und der Rest der Reihe vielleicht genial ist, muss man noch lange nicht einen so unglaublich verwirrenden ersten Band schreiben. Dass der Verlag da nichts gesagt hat, wundert mich auch, aber ich denke, die wussten, dass es genug Fans gibt, die die Bücher lesen werden, weil sie schon wissen, dass die besser werden (das war ja vorher ein Episodenroman oder so, glaube ich).

    Mich hat auch gestört, dass man die ganze Zeit nicht weiß, was zum Geier Roland überhaupt will. Er folgt dem Mann in Schwarz, okay. Aber warum? Das ist mir auch am Ende nicht so ganz klar geworden. Er will zum Dunklen Turm - aber warum?

    Diese vulgären Beschreibungen fand ich übrigens auch schrecklich. Überhaupt hab ich in den Sexszenen nie verstanden, wie da irgendetwas bei Roland oder der Frau Lust erzeugen sollte oder wie Sex da jetzt reinpasst. Das ging mir aber auch schon in der Novelle, die ich zuerst von ihm gelesen habe, so. In "Der Nebel" sterben grad alle um den Protagonisten herum und er denkt an nichts anderes als daran eine Frau flachzulegen.

    Ich kann deine Meinung also voll und ganz nachvollziehen!

    Viele Grüße
    Charlie

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    1. Liebe Charlie,

      vielen Dank für deinen Kommentar – ich bin froh, dass ich nicht die Einzige bin, die mit dem Buch nichts anfangen konnte.

      Guter Punkt mit den technischen Errungenschaften! Das hat mich während dem Lesen auch sehr irritiert. Es wirkte sehr willkürlich, ohne einem ausgearbeiteten System dahinter.

      Und Rolands Motivation war mir auch ein Rätsel. Welche Rolle er in der Geschichte spielt, warum ausgerechnet er die Jagd aufnimmt … nichts wird erklärt. Echt ärgerlich. Umso länger ich darüber nachdenke, desto frustrierter bin ich wegen dem Buch. :D

      Alles Liebe,
      Isabella

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