Freitag, 29. Juli 2016

[Rezension] Joyride - Anna Banks

Inhalt
Carly hat ein Ziel: zusammen mit ihrem Bruder Julio will sie genug Geld sparen, um ihre Eltern und zwei weitere Geschwister, die abgeschoben wurden, zurück in die USA zu holen. Außer ihrer Arbeit und der Schule kennt sie nichts.
Ardens Leben ist seit dem Suizid seiner Schwester nicht mehr dasselbe. Er gibt es auf, Football zu spielen, und auch die Schule interessiert ihn nicht mehr. Seine Zeit vertreibt er sich damit, anderen Leuten Streiche zu spielen. So zielt er eines Nachts mit einer Pistole auf seinen Onkel in dem Versuch, ihn dazu zu bringen, keinen Alkohol mehr zu trinken.
In dieser Nacht ist auch Carly anwesend. Und so beginnt die Geschichte der beiden...

Meine Meinung
Ich habe Joyride gekauft, weil ich Lust auf ein sommerliches Buch hatte, eine leichte Liebesgeschichte. Und so viel muss ich dem Buch auch lassen: Meine Anforderungen waren erfüllt. Aber viel mehr leider auch nicht.
Zuallererst muss ich sagen, dass ich die ursprüngliche Idee von Anna Banks zwar etwas schräg, aber sehr witzig finde. Ein Junge, der seinen Onkel über alles liebt und ihn von seiner Alkoholsucht abbringen will und dafür eine (nicht geladene, nur so nebenbei) Pistole auf ihn hält. Ein Mädchen, das besagten Onkel davor "bewahrt", überfallen zu werden. Erst später finden sie heraus, dass es sich bei dem Jungen um Arden handelte.
Das ist witzig. Es gibt immer diese klischeehaften Anfänge: Mädchen stolpert in Jungen, mysteriöser Junge ist neu in der Stadt und so weiter - Banks hat aber etwas Originelles kreiert.
Abgesehen davon fällt es mir leider schon schwerer, Gutes über das Buch zu sagen.
Arden ist natürlich schwer beeindruckt von Carly, die er in all den Jahren nie bemerkt hat. Deshalb beginnt er, öfters mit ihr zu reden, versucht, sie zu gemeinsamen Treffen zu überzeugen, obwohl sie ihm wieder und wieder eine Abfuhr erteilt. Ihm, den Mädchenschwarm.
Tja, ihr merkt sicher schon, dass das wiederum nach Klischee schreit. Hinzu kommt, dass Carly und Arden jede Menge Geheimnisse haben - übersetzt: Familiendrama. Besonders Ardens Vater, der Sheriff, unterstützt nach Kräften die Abschiebung von Einwanderern und hat eine angespannte (obwohl das noch untertrieben ist) Beziehung zu seinem Sohn. Anna Banks versucht, ihn als absoluten Bösewicht darzustellen, was ihr nur bedingt gelingt. Als Leser versteht man, dass der Sheriff ein ziemlicher Mistkerl ist. Aber sie treibt das Ganze so sehr auf die Spitze, dass ich nicht umhinkam, die Augen zu verdrehen. Der Sheriff bleibt, wie so ziemlich jeder Charakter in Joyride, zweidimensional.
Arden und Carly als Protagonisten sind... okay. Ich meine damit, dass ich mir ganz sicher bin, dass die Autorin etwas Gutes mit ihnen vorhatte. Die Intentionen sind da, und hin und wieder schimmern sie durch. So wirklich liebenswert wurden sie letztendlich nicht. Besonders, wenn sie sich andauernd trafen, um irgendwelche (wirklich idiotischen) Streiche zu spielen, konnte ich nur die Augen verdrehen. Banks wollte damit symbolisieren, dass Carly ein Stück ihrer Kindheit zurückerhält - ist ja schön und gut. Lächerlich wirkte es trotzdem auf mich.
Am allerwenigsten konnte ich übrigens Carlys Bruder leiden (okay, zusammen mit dem Sheriff). Julio wirkte nicht wie ein großer, hart arbeitender Bruder auf mich, sondern viel mehr wie ein Mann, der Carly das Leben zur Hölle machte, indem er ihr wieder und wieder ein schlechtes Gewissen einredete. Carlys Familie blieb generell sehr unsympathisch - auch das bisschen, was man von ihren Eltern mitgekriegt hat.
Ihr merkt schon, worauf es hinausläuft. Eine wirkliche Empfehlung kann ich euch nicht aussprechen, aber es wäre auch nicht fair, zu sagen, dass das Buch eine absolute Katastrophe ist. Denn Anna Banks Schreibstil ist völlig in Ordnung, und vereinzelte Wendungen sind gut gelungen. Wirklich, die Idee an sich ist nicht schlecht - ich bin mir ganz sicher, dass sie etwas Wunderbares mit der Geschichte von Carly und Arden erzählen wollte. Es gelang ihr nur nicht, das Ganze glaubhaft zu vermitteln.

Fazit
Joyride ist ein Buch, das man schnell mal zwischendurch lesen kann. Doch viel mehr auch nicht: sowohl die Geschichte als auch die Charaktere bleiben zweidimensional und man kann nur erahnen, was für Intentionen die Autorin hatte. Kann man lesen... muss man aber wirklich nicht.


Titel: Joyride
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: cbt
Reihe: -
Preis: 9,99€

Mittwoch, 20. Juli 2016

Leselaunen #2

Bis Oktober ist Sanne von Life in Petricolour Gastgeberin der Leselaunen. Schaut gerne mal auf ihrem Blog vorbei, sie hat einen angenehmen Schreibstil und wirkt sehr sympathisch. :)


Aktuelles Buch?
Joyride von Anna Banks. Ich habe das Buch gestern in einem Anfall von "will irgendetwas Sommerliches" (was mir so ziemlich jedes Jahr passiert) gekauft und zumindest zu meiner aktuellen Lesestimmung passt es. Obwohl ich manchmal das Gefühl habe, dass die Protagonisten Carly und Arden sämtlichen Klischees entsprechen, ist die Idee an anderen Stellen wiederum sehr abwechslungsreich. (Er versucht, seinen Onkel vom Alkohol abzubringen, indem er einen Überfall simuliert - sie hält ihn auf. Das ist meiner Meinung nach interessant. Dann allerdings versucht er wochenlang, sie zu umgarnen, und sie ist quasi das erste Mädchen, das ihn jemals abblitzen hat lassen. Das kennen wir alle schon gut genug.)
Auch die Übersetzung stört mich stellenweise. Das ist ein Jugendroman, und manche Dinge, die die beiden sagen, sind... unpassend? Vielleicht ist das im Original genauso. Auf jeden Fall ist es seltsam.
Was man dem Buch allerdings lassen muss: Es ist genau das, was ich lesen wollte. Ein leichtes, unbeschwertes Sommerbuch. Deshalb bin ich auch schon fast bei der Hälfte.
Nebenher lese ich - immer noch - A Dance of Dragons. Es neigt sich dem Ende zu, Freunde! Ich bin schon ein wenig traurig, dass es GRRM bisher nicht hingekriegt hat, The Winds of Winter zu vollenden. Und nicht sehr optimistisch, dass ich es irgendwann in den nächsten Wochen Monaten in den Händen halten werde.
Ach ja: Wer Lust hat, mehr über die Bücher, die ich gerade lese oder gelesen habe, zu erfahren, darf mich gern als Freund bei Goodreads hinzufügen.

Momentane Lesestimmung
Fantastisch! Wie gesagt, ich habe gerade Lust auf eher leichtere Lektüren, aber dem schafft Joyride hoffentlich erst mal Abhilfe. Außerdem gibt es nichts Besseres, einen Sommertag zu verbringen, indem man draußen liegt und einfach in Ruhe liest.

Zitat der Woche
"'Super. Also, jetzt, da wir Freunde sind, habe ich eine sehr wichtige Frage an dich. Ich möchte gern wissen, ob du mir die Ehre erweisen würdest, meine Komplizin zu sein.'
Ich frage mich, ob den anderen auch auffällt, wie seltsam Arden Moss wirklich ist."
(Joyride, Anna Banks)

Und sonst so?
Viel hat sich seit dem letzten Post nicht verändert. Ich genieße immer noch meine freie Zeit, lese viel und arbeite auch viel an meinem Buch, wovon ich hin und wieder auch auf Twitter erzähle, und wenn dann noch Zeit übrig bleibt, mache ich Yoga und schaue Serien. Und seit ungefähr einer Woche freue ich mich über Pokémons, die mir über den Weg laufen.
Findet ihr langweilig? Ich nicht. Ich genieße es voll und ganz und bin fest entschlossen, bis Oktober so entspannt wie nur möglich zu sein. :)

Sonntag, 17. Juli 2016

[Rezension] The Song of Achilles - Madeline Miller

Inhalt
Greece in the age of heroes. Patroclus, an awkward young prince, has been exiled to the court of King Peleus and his perfect son Achilles. Despite their differences, Achilles befriends the shamed prince, and as they grow into young men skilled in the arts of war and medicine, their bond blossoms into something deeper - despite the displeasure of Achilles's mother Thetis, a cruel sea goddess. But when word comes that Helen of Sparta has been kidnapped, Achilles must go to war in distant Troy and fulfill his destiny. Torn between love and fear for his friend, Patroclus goes with him, little knowing that the years that follow will test everything they hold dear.

(Quelle: Bloomsbury - ihr wisst ja, dass ich in der Regel den Inhalt selbst zusammenfasse, aber das fiel mir bei diesem Buch unglaublich schwer. Einen deutschen Klappentext findet ihr hier.)

Meine Meinung
Bin ich die Einzige, die manchmal ein Buch bestellt, von dem sie eigentlich gar nichts weiß? Ich habe lediglich den Namen von The Song of Achilles öfters in Buchbloggerkreisen gehört. Nicht laut, eher so ein Flüster-Tipp. Und als ich das Buch gebraucht für gute zwei Euro sah, hab ich's eben bestellt.
Ohne die geringste Ahnung zu haben, was mich erwartet.
Als ich schließlich das Buch das erste Mal in die Hand nahm und herausfand, dass es sich hierbei um griechische Mythologie handelte, wusste ich erst recht nicht, was ich davon halten sollte. Bitte verzeiht mir - aber ich kannte die Geschichte von Achilles und Patroclus nicht. Den Namen Achilles habe ich schon mal gehört, natürlich. Ich wusste ein bisschen von dem Trojanischen Krieg, Odysseus war mir zumindest etwas vertraut.
Und es war wunderbar.
Ich habe im Nachhinein überlegt, ob ich das Buch (noch) mehr gemocht hätte, wenn ich von Anfang an die Geschichte gekannt hätte. Und ich glaube, die Antwort ist nein. Madeline Miller hat mir die Geschichte (die ich hinterher ausgiebig recherchiert habe, keine Sorge) auf eine Art und Weise nahe gebracht, wie es kein Geschichtsbuch, kein Wikipedia-Eintrag hätte tun können. Außerdem hatte die Art und Weise, ganz unwissend an die Sache heranzugehen, etwas gewaltig Erfrischendes.
Wenn ihr also ebenfalls die Geschichte von Patroclus und Achilles nicht kennt und euch das Buch interessiert - ihr könnt da mit wenig oder sogar ohne jegliches Vorwissen herangehen. Meiner Meinung nach lohnt es sich.
Was mich allerdings zuallererst in den Bann gezogen hat, war etwas ganz anderes. Es war der erste Satz. Der erste Abschnitt. Das erste Kapitel.
Ich kann euch nicht sagen, wann ich zuletzt ein Buch gelesen habe, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Immer öfter kommen mir Bücher unter, die zwar gut, wenn nicht sogar exzellent sind, aber die mich erst nach einigen Seiten fesseln können. Das war bei The Song of Achilles nicht der Fall.
Ein Teil dieser Wirkung ist gewiss der Geschichte zuzuschreiben. Der andere Teil jedoch (ein ziemlich großer, wenn es nach mir geht) gebührt Millers Begabung.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich außerschulisch einen Stift zur Hand genommen und begonnen, Sätze zu unterstreichen. Für mich ist das ein großer Schritt - normalerweise lasse ich meine Bücher nahezu unberührt.
Hier jedoch konnte ich mich nicht halten. 

"The rosy gleam of his lip, the fevered green of his eyes. There was not a line anywhere on his face, nothing creased or greying; all crisp. He was spring, golden and bright."

Madeline Miller macht die simpelsten Beschreibungen zu wahren Kunstwerken, sodass ich manche Zeilen wieder und wieder lesen wollte, absolut beeindruckt von ihrem Schreibstil. Miller hat ganze zehn Jahre für das Verfassen dieses Buches gebraucht - aufgrund der Recherche, wie es in diversen Quellen heißt. Ich fragte mich öfters, ob sie wohl auch eine lange Zeit an den Sätzen gefeilt hat, oder ob dies überwiegend Begabung ist - wie auch immer es sei... In nicht einmal 400 Seiten hat sie mich komplett überzeugt. The Song of Achilles ist das am besten geschriebene Buch, das ich in meinem Leben gelesen habe.

Achilles und Patroclus sind keine Helden, auch wenn vor allem Ersterer unter diesem Beinamen nach Troja geht. Beide sind fehlerhaft. Beide sind keine vollkommenen Charaktere - meistens überwiegen sogar die negativen Eigenschaften - Patroclus mit seiner Passivität, Achilles und seine Arroganz. Trotzdem habe ich sie vergöttert, ganz besonders die Tatsache, dass die Geschichte aus Patroclus' Sicht verfasst ist. Natürlich beschönigt er manchmal das Verhalten Achilles' - gleichzeitig stellt Miller seinen inneren Kampf dar, die Frage, ob die Liebe der beiden Männer stark genug ist, um das alles auszuhalten.
Doch vor allem anfangs, zu Beginn der Belagerung, ist alles noch sehr positiv gestimmt. Wie Miller es treffend beschreibt:

"It was as Odysseus had said: he had light enough to make heroes of them all."

Später, in den Jahren, die sie ihre Lager aufgespannt haben, ändert sich das alles natürlich. Doch so sehr man Achilles' Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen sein kann, die Liebe zwischen ihm und Patroclus ist... rein. Madeline Miller beschreibt sie sehr sanft, gleichzeitig innig und unzerstörbar.


"'You chose her,' he says. 'Over me.' 

'Over your pride.' The word I use is hubris. Our word for arrogance that scrapes the stars, for violence and towering rage as ugly as the gods."

Und weil ich sowieso gerade eine Flut an Zitaten abtippte, will ich euch ein letztes nicht vorenthalten. Ich bin mir relativ sicher, dass wir vor ein paar Jahren in der Schule Ausschnitte der Ilias gelesen haben. Auf jeden Fall hatte ich schon immer eine leichte Begeisterung für Odysseus, und mir gefiel die Art und Weise, wie Miller ihn porträtiert hat, einfach unglaublich gut - so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Für mich ist er einfach ein unberechenbarer, gleichzeitig aber auch unglaublich genialer und intelligenter Charakter.

"Odysseus shrugged. 'There are many ways to start a war. I always think raiding makes a good beginning. It accomplishes almost the same thing as diplomacy, but with greater profit.'"

Natürlich kann ich euch nicht sagen, ob Millers Darstellung historisch korrekt ist. Ich habe schon zahlreiche Rezensionen gelesen, die sich über die Homosexualität in dem Buch beschwert haben, aber die stemple ich mal unter "nicht ernstzunehmen" ab. ;) 
Wie ich bereits gesagt habe: The Song of Achilles stellt die griechische Mythologie auf eine unglaublich faszinierende, spannende Art und Weise da, die mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen hat. Selbst als ich erst fünfzig Seiten gelesen hatte, wollte ich nicht, dass das Buch jemals endet.
Und jetzt noch zwei Dinge zum Schluss: Wer kann, soll das Buch auf Englisch lesen. Ich kenne zwar die deutsche Übersetzung nicht, doch das Original besticht in diesem Falle mit einem unglaublich brillanten Schreibstil, der auch für weniger erfahrene Leser gut verständlich sein müsste.
Außerdem entschuldigt bitte die Länge der Rezension. Ich habe meines Erachtens noch nie so eine lange verfasst, und ich habe auch selten so lange überlegt, wie ich die Liebe, die ich für dieses Buch empfinde, in Worte fassen soll. Jetzt, am Ende, glaube ich zwar nicht, dass es mir besonders gut gelungen ist, aber... aber wenn ihr euch nur ansatzweise für Madeline Millers Werk interessiert, dann nehmt es zur Hand. Egal, ob neu oder gebraucht - dieses Buch ist ein spektakuläres Meisterwerk, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Fazit
The Song of Achilles ist ein fantastisches Buch. Nach nur wenigen Seiten hatte mich die Geschichte und vor allem der brillante Schreibstil Millers in den Bann gezogen und einen festen Platz in meinem Herzen gefunden. Eines der besten Bücher, das ich jemals gelesen habe!



Titel: The Song of Achilles
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Bloomsbury
Reihe: -
Preis: ca. 6,99€
Kaufen?
(Hier findet ihr die deutsche Version.)

Freitag, 8. Juli 2016

[Rezension] Das Morgen ist immer schon jetzt - Patrick Ness

Originaltitel: The Rest of Us Just Live Here

Inhalt
Im Moment ist es Mikeys größtes Problem, es endlich mal auf die Reihe zu kriegen, Henna seine Liebe zu gestehen und seinen Abschluss zu machen. Die blauen Lichter, die komischen Polizisten und die toten Indie Kids werden da schon fast zur Nebensache. Aber nur fast. Denn schließlich wäre es blöd, wenn seine Schule in die Luft fliegen würde, bevor er sein Zeugnis hätte.

Zitat
"... es ist, als würde ich am Grund eines Brunnens sitzen. Als würde ich in diesem tiefen, tiefen Loch hocken und nach oben schauen, wo nur ein winziger Lichtpunkt zu sehen ist, und um überhaupt gehört zu werden, müsste ich mir die Lunge aus dem Leib schreien, aber selbst wenn ich das täte, würde ich nur etwas Falsches sagen, oder sie würden mir nicht zuhören, und falls doch, würden sie sich nur über mich lustig machen."
(Patrick Ness, Das Morgen ist immer schon jetzt)

Meine Meinung
Ich wollte schon immer mal ein Buch von Patrick Ness lesen. Einfach, weil ich schon so viel Gutes von ihm gehört habe. Was mich erwarten würde, wusste ich dennoch nicht - und Das Morgen ist immer schon jetzt war definitiv eine ganz besondere Erfahrung.
Es ist unglaublich schwer, den Inhalt zu beschreiben. Ich habe auch während des Lesens oft innegehalten und mich gefragt, was genau gerade vor sich geht - was Ness mit seiner Erzählung erreichen möchte.
Man muss sich das so vorstellen: Zu Beginn jeden Kapitels widmet sich Patrick Ness in einem Absatz den sogenannten "Indie Kids". Die Indie Kids sind eine Gruppe Kinder, die irgendwie abgesondert von dem Rest der Stadt leben und denen immer so seltsame Geschichten passieren. (Unter anderem gab es einmal eine Vampirwelle - eine Anspielung, wie ich erst im Nachhinein begriffen habe.) Und Patrick Ness hat sich für diese Kinder quasi eine komplette Storyline ausgedacht, die er parallel zu der von Mikey erzählt, nur in absoluter Kurzform. Und das hat mich am Anfang verwirrt, als ich mit Namen bombardiert wurde. Ich kam mir fast zu blöd vor, um diesen Aspekt zu verstehen, auch wenn sich das beim Voranschreiten der eigentlichen Geschichte gelegt hat, insbesondere, als sich beide Storylines zumindest kurzzeitig überschnitten.
Das ist eine Eigenheit des Buches.
Die andere Eigenheit betrifft die Geschichte an sich. Von Vampiren über tote Indie Kids bis hin zu blauen Lichtern ist alles dabei - darunter auch zahlreiche Anspielungen bzw. Anlehnungen an andere Geschichten. Dieser Mix ist teilweise verdammt verwirrend, zumindest erging es mir so. Von den meisten Büchern ist man ein Wesen gewohnt oder zumindest eine überschaubare Auswahl - für Das Morgen ist immer schon jetzt fand ich keine passende Schublade.
Wohlgemerkt sage ich nicht, dass das schlecht ist. Ich empfand es lediglich als ungewöhnlich und stellenweise verwirrend - wenn man sich jedoch einmal darauf einlässt bzw. daran gewöhnt, dann ist es schlichtweg originell. Jedenfalls ist mir bisher noch nichts dergleichen untergekommen. (Und Schubladendenken sollte man sowieso aufgeben!)
Was ich an dem Buch jedoch uneingeschränkt liebte? Einmal die Charaktere. Nicht nur Mikey, sondern auch seine Freunde Henna, Jared und Mel (die auch seine Schwester ist). Und das ist nur eine kleine Auswahl. Selbst die Indie Kids habe ich ziemlich ins Herz geschlossen. Ness kreiert damit nicht nur Diversität (Jared, zum Beispiel, ist schwul), sondern auch ein fantastisches Netz an Freunden mit unterschiedlichen Problemen, Eigenheiten und Interessen. 
Die einzige Ausnahme davon ist meiner Meinung nach Mikeys Mutter, deren Charakter mir ziemlich künstlich vorkam. Auch die Art und Weise, wie sie als Politikerin porträtiert wurde, hat mir nicht gefallen, aber das ist wirklich eine Kleinigkeit, die nicht weiter ins Gewicht fällt. Abgesehen davon habe ich riesigen Gefallen daran gefunden, mehr über die anderen zu erfahren - von Nenn-mich-Steve bis hin zu "Merde Breath" (ein Spitzname für Meredith, Mels und Mikeys Schwester).
Auch unglaublich gut gefallen hat mir die Art und Weise, wie Ness von psychischen Krankheiten erzählt. Mikey leidet unter einer Zwangsstörung, die sich während des Buches wieder verschlimmert, und seine Schwester Mel leidet/litt an einer Essstörung. Hier wird nichts verschönt, aber gleichzeitig auch nicht übermäßig dramatisiert - Patrick Ness fügt diese beiden Aspekte geschickt in die Geschichte ein. Auch wenn ich diese Krankheiten nicht nachvollziehen kann, so hatte ich doch den Eindruck, dass Ness alles sehr realistisch darstellt.
Tja, und der angenehme Schreibstil des Autors trug nur dazu bei, dass ich das Buch binnen weniger Tage ausgelesen hatte. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, was ich dazu sagen möchte, wie genau ich meine Wertung begründen kann - was mir, zugegeben, nicht einfach fiel. Ich möchte das jetzt einfach mal so loswerden: Das Morgen ist immer schon jetzt IST ein seltsames Buch. Es hat zahlreiche Eigenheiten und Aspekte, die auf den ersten Blick schräg wirken, aber das ist auf keinen Fall etwas Schlechtes. Das Buch macht Spaß. Es macht Spaß, von Mikey und seinen Freunden zu lesen, und zusammen mit den Indie Kids zu hoffen, dass sie Schlimmeres vermeiden können. Und in diesem Sinne ist Das Morgen ist immer schon jetzt ein wirklich wertvolles Buch.

Fazit
Das Morgen ist immer schon jetzt ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss - und wie sich das lohnt! Hier gibt es nichts, das man in eine Schublade stecken kann, sondern stattdessen eine wundervolle Gruppe an Charakteren und eine außergewöhnliche Geschichte. Ein ganz besonderes Werk!


Danke an cbj für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Das Morgen ist immer schon jetzt
Hardcover: 320 Seiten
cbj 
Reihe: -
Preis: 16,99€

Mittwoch, 6. Juli 2016

Leselaunen #1

Seit mehreren Monaten lese ich schon den Blog der lieben Novembertochter und immer, wenn ich von ihren Leselaunen las, wollte ich unbedingt auch mal mitmachen. Endlich ist es mal so weit. ;) Vor allem wollte ich euch auch mal anderen Content als ausschließlich Rezensionen bieten, und ich finde dieses Konzept einfach sehr toll/abwechslungsreich!


Aktuelles Buch?
Nun ja... "aktuell" ist es nicht. A Dance of Dragons lese ich schon seit über zwei Monaten, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Das liegt aber nicht daran, dass es schlecht ist. Ich brauche einfach eine Weile für George R. R. Martins Bücher. Außerdem bin ich gerade in der Post-Staffel-6-Depression. Und nach A Dance of Dragons heißt es, dass ich offiziell zu denen gehöre, die auf The Winds of Winter warten... 
Gestern habe ich Das Morgen ist immer schon jetzt von Patrick Ness beendet, dazu kommt demnächst die Rezension!
Und ganz aktuell debattiere ich innerlich, ob ich als Nächstes Passagier 23 oder The Song of Achilles lesen soll. Irgendwelche Meinungen?


Momentane Lesestimmung
Gut! Zugegeben, es könnte besser sein. Jetzt nach dem Abi arbeite ich vor allem aber auch an meinen eigenen Schreibprojekten intensiver, sodass ich quasi einen gesunden Teil des Tages damit verbringe, die zu lesen. Das ist zumindest eine kleine Entschuldigung. ;) Aber ich schaffe locker meine durchschnittlichen vier bis fünf Bücher pro Monat. (Vielleicht sollte ich mir vornehmen, diesen Monat endlich ADoD auszulesen.)

Zitat der Woche
"... es ist, als würde ich am Grund eines Brunnens sitzen. Als würde ich in diesem tiefen, tiefen Loch hocken und nach oben schauen, wo nur ein winziger Lichtpunkt zu sehen ist, und um überhaupt gehört zu werden, müsste ich mir die Lunge aus dem Leib schreien, aber selbst wenn ich das täte, würde ich nur etwas Falsches sagen, oder sie würden mir nicht zuhören, und falls doch, würden sie sich nur über mich lustig machen."
(Patrick Ness, Das Morgen ist immer schon jetzt)

Und sonst so?
Post-Abi-Leere. Das sollte eigentlich alles sagen. Oder in anderen Worten: Ich habe in den letzten zwei Wochen so viele Serien geguckt wie in einem halben Schuljahr... Aber ich genieße es. Irgendwie.