Donnerstag, 31. Dezember 2015

[Rückblick] GOODBYE 2015

Was für ein Jahr!
2015, das Jahr, in dem ich vollends wieder das Bloggen und somit auch amoureux des livres aufnahm. Der Blog war und wird immer mein Baby sein, und ich werde so bald bestimmt nicht damit aufhören. (Ich meine, er existiert jetzt schon seit über drei Jahren! Drei Jahre!)
Wahrscheinlich seid ihr schon ganz genervt von den Jahresrückblicken, aber mir kribbelt es immer in den Fingern und es macht mir richtig Spaß, einen Blick auf die letzten paar (Lese)Monate zu werfen. Deshalb saß ich seit heute Morgen an den Vorbereitungen für diesen Post - ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen! Lasst mir ruhig euer Lesejahr 2015 in den Kommentaren! :)

Mein Ziel für 2015? 50 Bücher lesen, darunter die 11 Bücher der "Schwert der Wahrheit"-Reihe von Terry Goodkind.
Um es vorweg zu nehmen: ich habe 9 von 11 Büchern gelesen (das sind zähe, endlos erscheinende Brocken... glaubt mir), doch heute Nachmittag, vor ungefähr zwei Stunden, habe ich tatsächlich Buch Nummer 50 vollendet! :D Ich glaube, so knapp war's noch nie. Aber geschafft ist geschafft!
Ich habe im Jahr 2015 also 50 Bücher gelesen, darunter ganze 20 englische (und zwei französische, um genau zu sein), auf die ich besonders stolz bin. Das kann ruhig so weiter gehen!
Insgesamt waren das 25417 Seiten, das macht im Durchschnitt 508,34 Seiten pro Buch - was vermutlich auch erklärt, warum diese 50 Schmöker eine Punktlandung waren :D Das längste Buch dabei war Die Schwestern des Lichts von Terry Goodkind mit 1316 Seiten. Meine durchschnittliche Bewertung war 4,0 (obwohl ich rückblickend ein paar schlechter bewertet hätte ;)).
Wenn ihr Details wollt, könnt ihr gerne meine Goodreads-Challenge ansehen.
Ich bin also, um es auf den Punkt zu bringen, sehr zufrieden.

Fangen wir zuerst mit meinem "Augenschmaus" 2015, also dem Buch mit dem schönsten Cover, an.
Dabei konnte ich mich gar nicht erst auf ein Buch festlegen - daher gibt's jetzt zwei für euch.
Das schöne, weiße Cover und generell die minimalistische Aufmachung von Speechless hat mich beeindruckt, und mich dazu gebracht, einen zweiten Blick auf das Buch zu werfen.
The Martian hingegen war ein reiner Coverkauf. Ich meine, das Buch wollte ich sowieso lesen, aber ich wollte UNBEDINGT diese Ausgabe. Ich kann mir nicht genau erklären, warum, aber ich finde sie einfach unglaublich schön!
Und wisst ihr, was das Beste ist? Beide Bücher sind lesenswert. Also stimmen sowohl die inneren als auch die äußeren Werte. :D

"Wortkünstler" 2015 ist ein Buch, das mich dieses Jahr mit seiner besonders schönen bzw. außergewöhnlichen Sprache begeistert hat. In diesem Fall ist das We Were Liars (obwohl Dreams of Gods and Monsters auch ein heißer Favorit war.)
We Were Liars beeindruckt nicht mit Schachtelsätzen, sondern kurzen, prägnanten Wortaneinanderreihungen, die sich ins Herz schleichen und nicht mehr loslassen. 
Auch wenn das Buch mich im Großen und Ganzen nicht umgehauen hat, so ist doch die besondere Sprache etwas, das mir sehr gut in Erinnerung geblieben ist.
Für all die Wortliebhaber unter euch also eine Empfehlung!


Über die folgenden Bücher habe ich bereits sehr, sehr oft gesprochen, und da es in der Reihe noch drei weitere Bände gibt/geben wird, werde ich noch einige weitere Male darüber sprechen. Ich hoffe, ihr könnt es noch hören.
Natürlich geht es um die Throne of Glass Bücher, die, um ehrlich zu sein, genauso gut zu meinen Lieblingen, zu den Wortkünstlern und zu den wunderschönen Covern gezählt werden können - aber wir wollen es ja mal nicht übertreiben.
Besonders beeindruckend finde ich aber immer noch die Charaktere - jeder einzelne von ihnen ganz besonders facettenreich, menschlich, so komplex geschaffen. Und wie sich meine Babys erst entwickeln!
Bevor es noch subjektiver wird: Sarah J. Maas, Sie sind einfach ein Genie!

Ich habe ganz schön lange nach einem Begriff für mein Anti-Lieblingsbuch gesucht und bin schließlich auf "Desaster" gestoßen - und ich meine das keinenfalls so krass, wie es sich erst einmal anhört. Ich meine damit schlichtweg ein Buch, das auf einer gewissen Ebene für mich (!) nicht funktioniert hat. Zu meiner Überraschung hatte ich dieses Jahr aber kein Buch, das richtig schlecht für mich war, sondern eher ein paar drei-Sterne-Bewertungen (und eine zwei-Sterne-Bewertung für Homo Faber, ups). 
Ein Buch, das mir aber noch besonders in Erinnerung geblieben ist, ist Hellhole. Die Gründe dafür sind einfach recht simpel: es besitzt zwar eine schöne Grundidee, doch die Ausarbeitung ist einfach unglaublich chaotisch! 
Bei dem Buch habe ich mich von Seite zu Seite geschleppt, und das ist wirklich etwas, was ich überhaupt nicht leiden kann. Deshalb gehört Hellhole dieses Jahr zu meinen "Desastern".


Wer die Rezension letzte Woche gelesen hat, der hat es vielleicht bereits geahnt. Zwei Wochen vor Jahresende habe ich ein Buch gelesen, das mich komplett umgehauen hat, das selbst die Throne of Glass-Bücher von ihrem Glasthron gestoßen hat.
Carry On von der lieben Rainbow Rowell hat mich einfach von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt.
Die Geschichte von Simon und Baz ist lustig, abenteuerlich, romantisch und macht einfach... Spaß. So viel Spaß, dass ich gar nicht wollte, dass es zu einem Ende kommt, dass ich am liebsten noch zehn Bücher von den beiden lesen würde.
Ein grandioses Werk, wenn man mich fragt - und mein absolutes Highlight 2015!



Da wir in wenigen Stunden das Jahr 2016 einläuten, will ich euch natürlich auch meine neuen Ziele nicht vorenthalten - die allerdings, um ehrlich zu sein, relativ simpel gehalten sind.
In 2016 möchte ich zuallererst die "Das Schwert der Wahrheit"-Reihe beenden (endlich!) und allgemein wieder 50 Bücher lesen, gerne auch zahlreiche im Original, weil Englisch einfach eine unglaublich schöne Sprache für mich ist.

Damit wüsche ich euch allen einen guten Rutsch in das nächste Jahr und eine Menge gute Bücher!
Und, bevor ich es vergesse - herzlichen Dank für all die Kommentare, Likes und Follows, die ihr dem Blog geschenkt habt; ich habe mich über jedes einzelne gefreut!

Mittwoch, 23. Dezember 2015

[Rezension] Carry On - Rainbow Rowell

Inhalt
Eigentlich sollte sich Simon Snow freuen, dass sein Erzfeind Baz verschwunden ist. Stattdessen aber ist er beunruhigt, und sucht nach jeder Ecke nach ihm. Außerdem hat er einige andere Probleme - unter anderem soll er die Welt retten. Da ist ja die Tatsache, dass seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hat, fast nebensächlich. Und so beginnt sein Abenteuer - sein letztes an der Watford School of Magicks.

Meine Meinung
Carry On ist ein Buch, auf das ich sehr lange gewartet habe - und eines, an das ich sehr hohe Erwartungen hatte. Umso größer war die Freude, als ich es endlich in den Händen hielt. Kaum, dass ich es aufgeschlagen hatte, konnte ich mich nicht mehr davon lösen. Man wird regelrecht in Simons Geschichte reingezogen, in seine Welt der Magie.
Carry On ist ja nicht nur eine Geschichte über Zauberer und Magie, sondern auch ein kleines... "Spin-Off" aus Fangirl von Rainbow Rowell. Wie die Autorin selbst im Anhang von Carry On vermerkt, haben sie die Charaktere der Fanfiction aus Fangirl nicht mehr losgelassen, und so nahm sie Simons und Baz' Geschichte selbst in die Hand. Auch handelt es sich bei Carry On nicht, wie von vielen befürchtet wurde, um eine Kopie von Harry Potter. Simon und Baz sind nicht Harry und Draco, die sich plötzlich voneinander angezogen fühlen, und die Magierschule ist gewiss nicht Hogwarts.
Es ist so viel mehr als das.
Rainbow Rowell hat eine Welt geschaffen, bei der es mich innerhalb der ersten hundert Seiten (von über fünfhundert!) schmerzte, dass ich sie nach diesem Buch wieder würde gehen lassen müssen. Simon Snow ist zwar der mächtigste Magier seit Urzeiten, doch er ist gar nicht so begabt, wie alle glauben - er kämpft damit, Zaubersprüche richtig zu wirken und vor allem seine Magie unter Kontrolle zu kriegen. Nebenher muss er noch gegen seinen Erzfeind Baz kämpfen, mit dem er außerdem ein Zimmer teilt. Selbst die Idee für die Zaubersprüche, die Rainbow Rowell hatte, ist fantastisch (die werde ich an der Stelle aber nicht verraten - lest selbst!). 
Und die Charaktere erst. Ich habe Baz schon gemocht, bevor er überhaupt erst aufgetaucht ist. Die Spannung, die zwischen ihm und Simon ist, ist förmlich greifbar, und Rainbow Rowell ist eine Meisterin darin, die Charaktere zu lebendigen, agierenden Personen zu machen, mit denen man lacht (oft!) und weint (oh ja!). Dabei bedient sie sich nicht nur einer leichten, gut zu verstehenden Sprache, sondern schlüpft auch regelmäßig in unterschiedliche Sichtweisen, die das ganze Buch aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und es noch spannender machen. 
Ich brauchte seit Monaten verdächtig lange für ein Buch - Carry On hatte ich innerhalb von drei Tagen durch. Ich konnte es nicht weglegen. Wenn ich es doch tat/tun musste, dann gingen mir die Charaktere weiterhin im Kopf herum. Auch wenn die Geschichte stellenweise vorhersehbar ist, so hat man dennoch so viel Vergnügen an dem Buch, dass es gar nichts ausmacht. Stattdessen kann man kaum den ersten Kuss von Simon und Baz abwarten, und als es dann passiert, gibt man irgendwelche Quietsche-Laute von sich (oder mach das nur ich?). Das Buch ist eine Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang, aus Sarkasmus und Ernst, aus Ruhe und Spannung, aus Liebe und Wut. Es ist eine Achterbahn der Gefühle, und als ich die letzte Seite umblätterte, wollte ich am liebsten noch einmal von vorne anfangen. Ich war gar nicht bereit, Simon und Baz, Penelope und Agatha und all die anderen gehen zu lassen.
Vermutlich werde ich einfach sämtliche naive Hoffnungen in mir sammeln und hoffen, dass es eines Tages eine Fortsetzung geben wird.
(Und wo ich das alles gerade noch mal so lese, ärgere ich mich, dass es mir nicht besser gelungen ist, meine Begeisterung in Worte zu packen. Lest das Buch einfach!)

Fazit
Carry On hat meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Rainbow Rowell zeigt wieder einmal, dass sie es einfach KANN, und die 500 Seiten fliegen nahezu an einem vorbei. Mein Jahreshighlight!

+ noch 10000 Herzen mehr

Titel: Carry On
Hardcover: 528 Seiten
Verlag: St. Martin's Griffin
Reihe: -
Preis: ca. 15€
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Donnerstag, 17. Dezember 2015

[Rezension] The Martian - Andy Weir

Inhalt
Auch wenn ihr vermutlich alle mehr oder weniger gut den Inhalt kennt, noch einmal die Kurzfassung: Mark Watney wird aufgrund eines Unfalls auf dem Mars zurückgelassen, während seine Crew ihn für tot glaubt. Tag für Tag begegnet er neuen Hindernissen, und ein Kampf ums Überleben beginnt.

Meine Meinung
Normalerweise bin ich ja der Typ Mensch, der erst das Buch liest und dann den Film schaut. Wenn man allerdings etwas zu spät dran ist und den Film noch sehen will, bevor er nicht mehr läuft, dann geh ich auch gern mal zuerst in den Film. ;) Ihr erahnt es schon, bei The Martian war das der Fall, deshalb werde ich nach Möglichkeit auch den Film hier miteinbeziehen.
Nun aber erst einmal zum Buch. Da ich ja den Film vorher sah, wusste ich schon größtenteils, was mich erwarten würde, dennoch war das Buch nicht minder interessant. Die Geschichte steigt mitten im Geschehen ein, wo Watney bereits verletzt ist und sich erst einmal eine Antenne aus dem Körper ziehen muss. Ab da beginnen seine Log-Einträge, die er schreibt, damit sie im besten Fall der Nachwelt dienen können, und sein Kampf um das Überleben.
Andy Weir nutzt dabei eine sehr leichte, oft flapsige Sprache, sodass man als Leser das Gefühl bekommt, Watney würde als Freund zu einem sprechen. Dabei spart er nicht an Flüchen, aber auch gewiss nicht an Witz. Mark Watney ist der Typ Mensch, der dem Tod ins Gesicht blicken und trotzdem noch einen Spruch reißen kann. Damit ist das Buch längst nicht so düster, wie es sein könnte, sondern bringt einen immer mal wieder zum Schmunzeln/Lachen.
Man darf allerdings auch nicht vergessen, dass es hier auch um viel Chemie geht, Watney regelmäßig mit irgendwelchen Kohlenstoffdioxid- und Sauerstoff-Werten jongliert und weiß Gott mit was sonst noch. Hier wird wert darauf gelegt, dass es möglichst verständlich erklärt wird, dennoch waren die Erklärungen harter Tobak für mich - an der Stelle sei zu erwähnen, dass ich Genie das Buch auf Englisch lesen musste/wollte und ich darüber hinaus Chemie abgewählt habe, weil ich mit dem Fach so ziemlich gar nichts am Hut hatte. Ich gebe also ganz offen zu: viel kapiert hab ich von dem Kram nichts, dennoch konnte ich die Vorgänge zumindest grob nachvollziehen und das hat die Story nicht sonderlich getrübt. (Ich meine, ist ja auch meine Schuld - ausnahmsweise hätte ich mal zu der Übersetzung greifen sollen.)
Was mir ebenfalls sehr gut an dem Buch gefallen, war die Leichtigkeit, mit der Weir zwischen den Charaktern hin- und her springt. Schließlich geht es nicht nur um Watney selbst, sondern auch um die Leute von der NASA, die versuchen, sein Leben zu retten, und seine Crew, die erst einmal mächtige Schuldgefühle hat. Manchmal beschreibt er Watneys Erlebnisse sogar aus der dritten Person statt durch den Ich-Erzähler. Diese Abwechslungen machen das Buch noch einmal interessanter, spannender, wenn man sieht, wie viele Personen an einem Ereignis beteiligt sind bzw. wie diese das aufnehmen. Weir hält sich nicht mit langen Beschreibungen auf, sondern schreibt lieber kürzere Szenen und erzeugt somit mehr spannend.
So, und abschließend noch einmal einen Schwenk zum Film. Da es schon über einen Monat her ist, seitdem ich ihn gesehen habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich noch alles so detailgetreu auf die Reihe kriege, also verzeiht mir bei Ungereimheiten. Generell fand ich den Film sehr gelungen, mit faszinierenden Bildern und einer guten Aufmachung. Soweit ich das beurteilen kann, sind sie dem Buch SEHR treu geblieben, lediglich kleinere Szenen fehlen und meines Erachtens wurde am Ende des Filmes noch eine Szene drangehängt. Der Marsianer: Rettet Mark Watney ist also eine sehr gelungene Adaption, durchaus sehenswert! Genauso, wie es sich lohnt, das Buch in die Hand zu nehmen! :)

Fazit
The Martian ist quasi Science Fiction für Einsteiger. Mit Witz und einer faszinierenden Leichtigkeit fasst Andy Weir den Überlebenswillen seines Protagonisten in Worte. Lesenswert!


Titel: The Martian
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Random House
Reihe: -
Preis: ca. 10€

Sonntag, 6. Dezember 2015

[Rezension] Die Königin der Schatten - Erika Johansen

Inhalt
An ihrem 19. Geburtstag soll Kelsea Glynn ihr Erbe antreten - als Königin von Tearling. Bisher hatte sie ein behütetes Leben fernab geführt, wurde aufgezogen von Pflegeeltern. Jetzt wird sie in eine Welt voller Korruption gerissen, ungewiss, ob sie den nächsten Tag noch erleben wird. Doch Kelsea lässt sich davon nicht beirren - und setzt alles daran, ihr Volk für sich zu gewinnen.

Meine Meinung
Was für ein interessantes Buch! Ich habe schon lange nicht mehr von so einem vagen, gleichzeitig unglaublich interessanten Weltenentwurf gelesen. Beim Betreten von Kelseas Welt, die sehr mittelalterlich angehaucht ist, befinden wir uns nicht in der Vergangenheit, sondern mehr in einer Art Zukunftsvision (zumindest, wenn man die Anzeichen im Buch richtig deutet): Bücher sind etwas Wertvolles, denn eine Druckerpresse gibt es nicht mehr. Es werden Pakte geschlossen, um Königreiche davon abzuhalten, sich gegenseitig abzuschlachten. Ich war regelrecht fasziniert von Tearling und seiner Umgebung und hoffe inständig, dass wir noch mehr Informationen darüber bekommen.
Nun zu Kelsea, eine sehr ungewöhnliche Protagonistin. Kelsea ist nicht das hübsche, schlanke und erfolgreiche Mädchen, dem wir regelmäßig bei anderen Romanen begegnen, sie wird sogleich in den ersten Seiten als überaus durchschnittlich und unaufällig beschrieben. Es gibt sogar eine Stelle, in der ihr subtil vermittelt wird, dass sie etwas... sportlicher werden sollte. Auch vom Charakter her zeigt Kelsea ihre Eigenheiten - ist sie anfangs noch etwas widerwillig, ihr Amt anzutreten, und unsicher, ob sie es schaffen wird, zeigt sie schon ziemlich bald einen unglaublich starken Willen und ein kräftiges Rückgrat. Kelsea macht eine unglaubliche Wandlung durch, auch wenn sie nicht gleich erwachsen wird und sicher nicht fehlerfrei handelt; Johansen hat hier eine Protagonistin geschaffen, die man nicht unbedingt mögen muss, aber definitiv schätzen lernt.
Auch die anderen Personen, wenn auch die meist nur grob skizziert sind, haben ihren Reiz. Besonders interessant sind hier Kelseas Onkel, der alles andere als interessiert daran ist, dass seine Nichte auf dem Thron sitzt, und die Rote Königin zu nennen. Beides sind Charaktere, die nicht unbedingt liebenswert, aber durch ihre Verdorbenheit unglaublich spannend sind. Die Rote Königin, die zumindest anfangs als Antagonistin herausgestellt wird, ist gar nicht so böse, wie man zuerst annimmt - in den paar Szenen, die aus ihrer Perspektive geschrieben sind, wirkt sie eher wie eine Frau, die kurz vor dem persönlichen Untergang steht. Ich habe selten so einen gut gestalteten Gegenspieler in einem Buch gefunden, und ich bin beeindruckt!
Man muss allerdings einwenden, dass Die Königin der Schatten ein langsames, gemächliches Buch ist. Es ist nicht langweilig - aber wer kontinuierlich Spannung und Action sucht, ist hier vermutlich am falschen Platz. Trotzdem fesselt die Storyline so sehr, dass man wissen möchte, wie es weitergeht, welcher Konflikt sich herausbildet. (Ein paar Seiten weniger hätten vielleicht trotzdem nicht geschadet.)
Was mich auch noch etwas gestört hat, war der Stil der Autorin. Er ist simpel und flüssig zu lesen, doch gleichzeitig etwas umgangssprachlich und distanziert. Ich meine damit, dass ich oft Dialoge als viel zu steif/unangemessen empfand, besonders, wenn Kelsea und ihre Gardisten miteinander sprachen. Es wirkte, als wäre Johansen kläglich daran gescheitert, eine mittelalterliche Sprechweise nachzuahmen - natürlich kann ich hier auch falsch liegen und das war niemals die Absicht der Autorin. Trotzdem hätte ich mir eine andere Umgangsweise gewünscht.
Außerdem fühlte es sich oft so an, als würde man das Geschehen nur distanziert betrachten, und ich hatte meine Schwierigkeiten, mit den Charakteren mitzufühlen - die ja ohnehin noch ein wenig Ausbaupotential besitzen. ;) Was das anbetrifft, bin ich definitiv auf die Folgebände gespannt - denn Die Königin der Schatten hat auf jeden Fall einen guten Gesamteindruck hinterlassen.

Fazit
Mit Die Königin der Schatten hat Erika Johansen einen nicht makellosen, aber dennoch guten ersten Band geschaffen. Besonders die Welt, in der Kelsea lebt, und die Zwielichtigkeit einiger Charaktere faszinieren. Auf jeden Fall ein Buch, bei dem ich zum Folgeband greifen werde!


Vielen Dank an Heyne für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Die Königin der Schatten
Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Heyne
Reihe: 1/3
Preis: 14,99€
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