Dienstag, 30. Juni 2015

[Gequassel] Ode an die Spoilerwarnung

Manchmal komme ich mir vor wie ein Pferd mit Scheuklappen. Mehr der Scheuklappen als des Pferdes wegen, wenn ihr versteht, was ich meine.
Ich bewege mich nicht mehr mit offenen Augen durch Facebook, Pinterest und Blogs - traue mich kaum nach links und rechts zu schauen. Eben so, als hätte ich Scheuklappen auf.


Früher war das nicht so. Früher... früher klickte ich mich munter durch die Seiten. Las Kommentare zu meinen Lieblingsbüchern und verfolgte die Facebook-Seiten wie ein Heiligtum. Bis es zum ersten Mal passierte. Dann noch mal. Und noch mal.
Es ist sehr bitter, wenn ihr die ersten beiden Teile der Ewiglich-Reihe lest, und dann über ein blödes Kommentar stolpert und plötzlich wisst, was im dritten Teil passiert. Diesen Teil habe ich bis heute nicht angerührt. Allein der Gedanke daran macht mich traurig.
Es ist genauso bitter, wenn ihr euch durch irgendwelche Pins auf Pinterest klickt und ein Bild rebloggen wollt, und dann aus heiterem Himmel darunter steht, wie der letzte Teil der Bestimmung endet. Gelesen hab ich's trotzdem noch, aber das Mitgefühl hatte ich irgendwo zwischen Pinterest und dem Ausschalten meines Laptops verloren.
Oh, das Schlimmste ist Game of Thrones - oder Serien generell. Ich weiß, dass George R. R. Martin einen hohen Grad an Sadismus ausübt, und ich weiß, dass ich jede Sekunde damit rechnen muss, dass einer meiner Lieblingscharaktere stirbt - aber trotzdem finde ich es nicht sehr toll, wenn plötzlich aus heiterem Himmel über xyz diskutiert wird, und ich erfahre, was in Staffel 4 passiert, obwohl ich noch nicht einmal die dritte gesehen habe.
Ausschlag zu diesem Beitrag hat mir dieses Video gegeben. Das ist das erste und letzte Mal, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, mich über no spoilers zu informieren. Das erste Mal, dass ich nicht Angst hatte, dass ich gleich erfahren muss, wer denn noch so draufgeht.
Ufff. Ein kompliziertes Thema. Ich kann und will nicht jedem Einzelnen den Mund verbieten - das wäre ja dämlich, und die ganze Lust an der Diskussion über Bücher wäre dahin. Austausch ist toll - Spoiler sind's halt nicht. Am liebsten würde ich meine Scheuklappen ablegen und eine Brille aufsetzen... eine, die mir auf 10 Meter Entfernung sagt, wo Spoiler sind, und wo ich hintreten kann, ohne mir den Knöchel zu verstauchen - oder das Herz zu brechen.

Wie steht ihr zu Spoilern? Warnt ihr auch fleißig davor, oder seid ihr sogar selbst mal zum Opfer geworden?

Mittwoch, 24. Juni 2015

[Rezension] Hide - Jennifer Rush

Achtung! Da es sich hierbei um einen zweiten Band handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!

Inhalt
Anna, Sam und die übrigen Jungs sind auf der Flucht vor der Sektion, und während sie das Versteckspiel weiter spielen, finden sie immer weitere Dinge über sich und ihre Vergangenheit heraus. Als dann plötzlich Annas tot geglaubte Zwillingsschwester auf einem Überwachungsfilm zu sehen ist, wird die Verwirrung nur noch größer... wer sagt die Wahrheit, und wer will nur Anna in die Fänge der Sektion ziehen?

Meine Meinung
Ich erinnere mich noch gut an meine Lobeshymnen auf Escape, dem Vorgänger zu Hide. (Über zwei Jahre ist das jetzt schon her, wie krass ist das denn bitte!) Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich an wenig bis gar nichts mehr erinnern konnte, aber eines wusste ich noch: ich fand den ersten Band genial. Ich weiß nicht, ob es an meinen hohen Erwartungen lag, aber Hide gab meiner Begeisterung leider einen gewaltigen Dämpfer.
Trotz meines mangelnden Wissens (umso begeisterter ich von einem Buch bin (und schneller lese), desto mehr vergesse ich - dämlich, ich weiß) gelang mir ein Einstieg in Hide sehr gut. Rush hält sich zwar nicht damit auf, ausgiebig Details aus dem Vorgänger aufzuzählen, doch geschickt eingestreute Erinnerungen und Anmerkungen machten es mir letztendlich möglich, der Geschichte gut und ohne weitere Probleme zu folgen. Falls es euch also wie mir geht, und Escape schon eine Weile zurückliegt, habt keine Sorge!
Auch Jennifer Esteps Schreibstil ist wie jeher knapp und gibt nur die nötigsten Informationen, sowohl was die Umgebung als auch die Geschichte im Allgemeinen angeht. Das ermöglicht ein schnelles Lesen und erzeugt auch schon ein dezentes Gefühl von Spannung.
An Spannung mangelt es natürlich auch nicht - der Inhalt sagt es ja schon, Anna und die anderen sind auf der Flucht, und das will etwas heißen. Es geht selbstverständlich nicht ruhig her, es gibt einige Intrigen zum Aufdecken und auch wieder mehrere düstere Szenen, auch wenn Hide an Action nicht ganz an seinen Vorgänger herankommt.
Während des Buches musste ich allerdings oft entnervt innehalten - aus vielerlei Gründen. Zum Einen haben mich Anna und Sam, die ja quasi die Protagonisten sind, oft etwas gestört. Ihre Beziehung kam sehr... speziell rüber, und noch dazu gab es oft diese klassischen "Du kommst nicht mit, bleib in Sicherheit" oder "Das ist viel zu gefährlich"-Streitigkeiten, die irgendwann einfach nur noch nerven. Besonders als dann Annas Schwester ins Spiel kommt, die ja früher mit Sam zusammen war, hatte ich nicht selten das Gefühl, in einem schlechten Liebesroman zu sitzen - alle wirkten seltsam unbeteiligt und emotionslos, somit kam das Ganze etwas unrealistisch rüber.
Auch manche Entscheidungen, die Anna im Laufe des Buches traf, waren sehr unüberlegt und einfach... dumm. Sie handelt ganz anders als im ersten Band, irgendwie etwas naiver an manchen Stellen, besonders an solchen, wo es schier offensichtlich ist, dass da mehr dahintersteckt. Ich glaube allerdings, dass da Frau Rush selbst Probleme mit ihrem Plot hatte - dieser wirkte sehr konstruiert, auf Intrige folgte Intrige, Lügen überall, so viel, dass es zeitweise einfach nur noch schwer zu glauben war!
Auf der anderen Seite verbrachte ich dann doch noch einige schöne Momente mit Hide - besonders Nick, den ich ohnehin sehr mochte, bekommt noch einmal einen nicht unwichtigen Teil, insbesondere in Verbindung mit Annas Vergangenheit. Besonders diese Szenen und die damit verbunden Emotionen empfand ich als sehr gelungen. Auch die komplette Idee, die sich bisher durch alle Bücher zieht, hat immer noch etwas Erfrischendes und Interessantes, über das man mehr erfahren möchte.
Im Großen und Ganzen hatte ich während des Lesens immer das Gefühl, einen Lückenfüller in der Hand zu halten, besonders, da das Buch mit nicht einmal 300 Seiten sehr dünn ist und das Ende wenig befriedigend rüberkam. Ich war bisher davon ausgegangen, dass es sich dabei um den letzten Band handele, aber eine Recherche ergab, dass es noch einen dritten Teil geben wird! Da ich mir noch nicht sicher bin, wie ich das bewerten soll, stempele ich Hide erst einmal als einen typischen "Zwischenband" ab - und hoffe, dass Frau Rush noch einmal zeigt, dass sie mehr als nur befriedigende Bücher schreiben kann!

Fazit
Hide kommt nicht einmal annähernd an seinen Vorgänger ran. Ein konstruiert wirkender Plot und eine etwas flache Geschichte mit wenig Gefühl und noch weniger Seiten vermitteln das Gefühl, einen Lückenfüller in der Hand zu halten. Lediglich der Schreibstil und berührende Nebencharaktere machen das Buch doch noch zu einem Lesevergnügen - wenn auch nicht auf dem Niveau von Escape.

Titel: Hide
Broschüre: 272 Seiten
Verlag: Loewe
Reihe: 2/3 (?)
Preis: 12,95€
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Mittwoch, 17. Juni 2015

[Rezension] Paper Towns - John Green

Inhalt
Quentin, genannt "Q", ist schon seit seiner Kindheit in Margo Roth Spiegelman verliebt. Margo ist ein wildes, verrücktes und unnahbares Mädchen, begannt für ihre extravaganten Pläne. Eines Nachts taucht sie an Qs Fenster auf und nimmt ihn mit auf unvergleichliche Erlebnisse. Q erlebt eine der besten Nächte seines Lebens, doch am nächsten Morgen taucht Margo nicht mehr in der Schule auf. Tage vergehen ohne ein Lebenszeichen. Doch Q findet heraus, dass Margo Spuren hinterlassen hat. Und er beginnt, ihnen zu folgen...

Meine Meinung
Anlässlich der bald startenden Verfilmung sah ich es als einen Wink des Schicksals, als ich eine Ausgabe von Paper Towns, zu deutsch Margos Spuren, in der Buchhandlung sah. Da ich ohnehin gerne von John Green lese, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich die Geschichte von Margo und Quentin in die Hand nahm.
John Green startet mit einer Szene aus der Kindheit der beiden, in welcher sie einen Mann finden, der sich selbst umgebracht hat. Wenig danach verlief ihre Freundschaft im Sand, auch wenn Q Margo nie vergessen hat. Bis Margo eines Nachts plötzlich an seinem Fenster auftaucht und ihm erklärt, dass sie zusammen in dieser Nacht einige Dinge zu erledigen haben.
Wer von John Green gelesen hat, der weiß, dass seine Bücher oft einem bestimmten "Muster" folgen. Außergewöhnliche Charaktere, eine (nicht sehr gefestigte) Liebesgeschichte, und so weiter. Ich will gleich vorneweg nehmen, auch Paper Towns passt in dieses Muster, doch das empfand ich überhaupt nicht als störend. Jedes John Green Buch hat eine gewisse Besonderheit, das es von den anderen unterscheidet, und alleine für die Charaktere würde ich immer zu einem der Bücher greifen!
Quentin und Margo sind für mich zwei Meisterwerke. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein - Q als Nerd, der Margo immer nur aus der Distanz betrachtet und im Laufe des Buches eine wunderbare Entwicklung durchmacht, zu einem Mann, der wertvolle Dinge über Freundschaft lernt und über die Vorstellungen, die man von anderen Leuten hat und die womöglich nur Vorstellungen sind. Dagegen ist Margo wild, unzähmbar, ein starker Frauencharakter mit doch vielen sanften, verletzlichen Seiten. Obwohl Margo eines Großteil des Buches passiv ist, hat man als Leser doch das Gefühl, so einiges über sie zu lernen und man würde sich am liebsten in das Auto mit Q wünschen und dieses rätselhafte Mädchen finden. (Außerdem finde ich, nebenbei gesagt, Cara Delevigne als Margo unglaublich passend! Ich glaube, sie kann dieses Mädchen perfekt verkörpern. Auch wenn ich mit der deutschen Übersetzung nicht so glücklich bin, als sie aus "Paper Towns" "Plastikstädte" gemacht haben.)
Auch die Nebencharaktere, Margos und Qs Freunde, sind ein kleines Kunstwerk in sich. Jeder von ihnen hat seine eigene Facette, die ihn irgendwie liebenswert macht.
Was mir auch sehr gut an dem Buch gefallen hat, war, dass die Geschichte sich nicht unnötig in die Länge zog. Klar, sind 300 Seiten für ein Buch kein Schmöker, aber es hätte auch keine Seite länger sein brauchen - John Greens bildhafter, aber simpler Schreibstil passt perfekt dafür. Außerdem liebe, liebe, liebe ich die ganzen Metaphern und wunderbar gewählten Worte. Wer kann, sollte Greens Bücher unbedingt auf Englisch lesen!
Zum Ende möchte ich auch kurz meinen Senf abgeben - das wird kontrovers diskutiert, aber ich denke, es ist eine Besonderheit, es ist unerwartet, und es ist eine gute, wenn nicht sogar exzellente Lösung von Green, besonders in Anbetracht der Tatsache, welche unglaubliche Charakterentwicklung Quentin hinlegt.
Paper Towns gehört auf jeden Fall zu den Büchern, die ich anderen nur ans Herz legen kann. Es hat mich nicht komplett gefesselt, doch es war auf jeden Fall ein gutes, wenn nicht sogar sehr gutes Leseerlebnis.

Fazit
"Paper Towns" hat von der ersten Seite an Spaß gemacht. John Green hat wieder einmal wunderbare, einzigartige Charaktere geschaffen und besonders der Protagonist Q glänzt durch eine unglaubliche Entwicklung. Ein tolles Buch, das mir sicher noch lange in Gedanken nachklingen wird!


Titel: Paper Towns
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Bloomsbury Childrens
Reihe: -
Preis: ca. 7€
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Titel: Margos Spuren
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: dtv
Reihe: -
Preis: 9,95€

Mittwoch, 10. Juni 2015

[Kurzrezension] Zwei Bücher, die mich positiv überrascht haben

Hallo ihr Lieben!
Heute habe ich zwei Kurzrezensionen für euch, bevor es wieder ausführlichere gibt. Ich weiß nämlich nicht, was mich in meinen letzten Ferien geritten hat, auf jeden Fall habe ich überdurchschnittlich viel gelesen. Egal. Davon profitieren wir alle ja letztendlich nur, oder? Das hoffe ich jedenfalls.
Dann starten wir gleich mal - bevor ich weitere sinnlose Details preisgebe. ;)

Death of a Salesman - Arthur Miller
Worum geht's?
Um Willy Loman, einem Mann, der an seinem Traum gescheitert ist und jetzt vor den Trümmern seines Lebens steht. Ich kann hier gar nicht so viel verraten, auf jeden Fall ist das Thema American Dream sehr präsent.
Meine Meinung
Erinnert ihr euch noch an meinen Post, in welchem ich ansprach, dass ich Schullektüren eigentlich überhaupt nicht gern rezensiere? Tja, dann ist das jetzt wohl eine Prämiere. Meine unzensierte und vor allem auch wenig professionelle Meinung. Ich hoffe, ihr verzeiht mir das.
Death of a Salesman, zu deutsch Tod eines Handlungsreisenden, ist ein Drama, das mir überraschend gut gefallen hat. Um ehrlich zu sein, hat es mich anfangs schrecklich genervt: nur konfuse Dialoge, die ich zwar wortwörtlich übersetzen konnte, aber doch nicht so wirklich Sinn ergeben haben. Dann aber nimmt die Geschichte ihren Lauf, und die Charaktere mit ihren verschiedenen Background-Stories begeisterten mich. Ich fühlte mit. Und war ziemlich überrascht, als das Stück viel zu schnell zu Ende war. Können nicht alle Schullektüren so sein?
Taschenbuch / 140 Seiten / Klett / Kaufen?


Die Geschichte von Blue - Solomonica de Winter
Worum geht's?
Blue ist ein dreizehnjähriges Mädchen und lebt in ihrer eigenen Welt, vorzugsweise in der des Zauberers von Oz. Sie hat ihren Vater verloren und spricht seitdem nicht mehr. In einem Brief an ihren Arzt erzählt sie die unglaubliche Geschichte, wie sie zwei Menschen umgebracht hat und ihren Vater rächen wollte.
Meine Meinung
Eine Verwandte meine Mutter hatte mir das Buch geschickt, mit den Worten, dass sie an mich gedacht hat, als sie es gelesen hatte. Solomonica de Winter ist genau vor einer Woche 18 Jahre alt geworden, beim Erscheinen des Romans war sie also noch jünger.
Ich war skeptisch, als ich das Buch zur Hand genommen habe, es klang irgendwie konfus, unglaubwürdig. Und dann wurde ich in Blues Welt gezogen. Die Seiten flogen nur vorbei und mein Herz begann zu schmerzen bei all den schrecklichen Dingen, die den Charakteren dort widerfuhren. Man wird geradezu süchtig nach Blue. Sie soll mehr erzählen, auch wenn ihre Gedanken grausam sind. De Winter zeichnet eine sehr düstere, hoffnungslose Welt, und vor allem das Ende des Buches ist alles andere als zu erwarten. Mir tut immer noch die Brust weh, wenn ich daran denke. Das Buch werde ich sicher nicht so schnell vergessen... Unbedingt lesen!
Broschüre / 288 Seiten / Diogenes / Kaufen?


Mir ist eben erst aufgefallen, dass die beiden Bücher eigentlich einen interessanten Kontrast abgeben. Ein Klassiker vs. einem ganz frischen Buch mit einer sehr jungen Autorin. 
In dem Sinne wünsche ich euch eine schöne Restwoche!

Samstag, 6. Juni 2015

[Rezension] Fünf - Ursula Poznanski

Inhalt
Eine tote Frau wird auf einer Kuhweide aufgefunden. Nicht nur das. Jemand hat sie offensichtlich eine Klippe heruntergestoßen, ihre Hände sind mit Kabelbinder auf den Rücken gebunden. Außerdem sind ihre Fußsohlen tätowiert. Dort sind Koordinaten zu finden, die den Beginn eines perfiden Spiels markieren, ein Spiel, in welches Beatrice Kaspary und ihr Kollege Florin Wenninger schnell hineingezogen werden...

Meine Meinung
Ich habe eine sehr hohe Meinung von Ursula Poznanski. Ihre ersten beiden Jugendbücher Erebos und Saeculum habe ich schon vor vielen, vielen Jahren gelesen verschlungen, und ich war begeistert gewesen. Danach habe ich lange kein Buch mehr von ihr in die Hand genommen, hauptsächlich, weil ich normalerweise kein Krimi-Leser bin, und auch bei neuen Trilogien (Die Verratenen-Reihe, die sie geschrieben hat) bin ich immer etwas skeptisch.
Letztens entdeckte ich jedoch das Buch in den Mängelexemplaren (und ich war bisher der Meinung, dass man dort kaum gute Bücher findet, aber ich werde immer gerne belehrt) und entschloss mich, mich doch auf ein Abenteuer mit Beatrice Kaspary einzulassen. Und das sollte es wirklich werden...
Bereits im Prolog geht es spannend los, als man Zeuge wird, wie eine Frau einen Mann erschießt. Mehr soll über die beiden nicht erzählt werden, dann geht es schon los mit dem Fund der toten Frau und Kasparys Erzählung startet.
Ziemlich schnell erfährt man einiges über die Ermittlerin: Beatrice Kaspary ist Mutter von zwei Kindern und geschieden, wobei sie mit ihrem Ex-Mann alles andere als klar kommt - er nutzt jede Gelegenheit, um ihr das Leben schwerzumachen. Als sie den Fall rund um die tote Frau aufnimmt und er immer größeres Ausmaß nimmt, merkt man, dass sie selbst eigentlich schon beinahe ausgebrannt ist: sie tut sich schwer darin, auf sich selbst zu hören und sich Auszeiten zu nehmen, außerdem nagt sie sehr an dem Konflikt mit ihrem Ex-Mann.
Es viel mir schwer, Beatrice immer nachzuvollziehen; das mag einerseits daran legen, dass sie wesentlich älter ist als ich, andererseits aber auch, dass sie im Buch immer sehr distanziert rüberkam. Selbst in emotionaleren Momenten konnte ich nicht mit ihr mitfühlen - generell las ich das Buch ohne größere Emotionen durch. Ich bin mir nicht ganz sicher, woran das lag, allerdings empfand ich auch den Schreibstil als einen Ticken zu neutral. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es letzten Endes ein Krimi ist und der Fokus nicht unbedingt auf der Ermittlerin liegt, doch da die Geschichte ja schon aus ihrer Sichtweise erzählt wird, hätte ich mir dennoch etwas mehr... Nähe gewünscht.
Die Geschichte selbst nimmt relativ schnell an Fahrt auf. Es bleibt nicht bei einer Toten, schon bald entdecken Kaspary und ihr Kollege Wenninger Leichenteile, und werden immer weiter zu neuen Koordinaten, neuen Stages geschickt. Hierbei möchte ich auch noch anmerken, dass Poznanski nicht an schaurigen Beschreibungen spart; wen das stört oder wer dort empfindlich ist, sollte das Buch ggf. überdenken.
Was aber hinter den ganzen Koordinaten steckt, ist für mich viel beeindruckender: Ursula Poznanski führt damit das Hobby Geocaching ein, und
auch die Leute, die darüber (noch) nichts wussten (= ich), wurden gut informiert. Ich bin ehrlich gesagt beeindruckt, wie gut recherchiert das alles war - sehr glaubhaft und ohne jegliche Lücken. Auch wenn es mit einer solch grausigen Geschichte verbunden ist, so bekommt man als Leser dennoch irgendwie Lust, es selbst mal mit dem Geocachen zu versuchen (blöd nur, wenn man mitten in der Pampa wohnt).
Zurück zu der Geschichte selbst: die Story wird immer verschlungener und undurchsichtiger, und bis zum Schluss ist es schwierig, herauszufinden, wer der Täter ist. Ich will nicht sagen, unmöglich - ich selbst bin einer der Menschen, die den Täter selbst dann nicht finden, wenn er im Nachbarzimmer hockt. Ähm, ja... Auf jeden Fall bleibt es bis zum Ende hin spannend, zumindest inhaltlich her, denn fühlen konnte ich die Spannung irgendwie nicht; ich konnte das Buch jederzeit aus der Hand legen, und es haperte bei mir einfach am Schreibstil. Die Spannung kam nicht rüber. Ich war zwar interessiert, wer es denn nun war, aber so richtig gespannt... nein, leider nicht. Außerdem ärgert es mich brutal, dass mal wieder die Ermittlerin selbst in die Hände des Täters gelang. Inklusive schmutzigem Geheimnis. Wie gesagt, ich lese nicht viele Krimis, aber in 4 von 5 passiert das. Und es nervt. 
Im Großen und Ganzen war das Buch aber gut zu lesen, und auch interessant - ich mag besonders die Konstellation Kaspary-Wenninger, denn letzterer ist wirklich ein sehr interessanter Charakter, von dem ich gerne noch mehr hören möchte! Da ich sowieso nicht up-to-date bin und bald der dritte Band von den beiden erscheint, werde ich es bestimmt nicht ausschließen, noch mehr zu lesen. 

Fazit
"Fünf" ist ein interessanter Thriller mit einer gut durchdachten, neuen Idee. Poznanski flechtet Geocaching ein und erweckt im Leser den Wunsch, es selbst einmal auszuprobieren. Lediglich mit der Ermittlerin hatte ich Probleme, da ich Schwierigkeiten hatte, mit ihr mitzufühlen und mir letztendlich auch die Spannung fehlte. Das Buch ist jedoch durchaus lesenswert!

Titel: Fünf
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: rororo
Reihe: 1/?
Preis: 9,99€