Dienstag, 30. Juli 2013

[Rezension] Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner - Kerstin Gier


Katis Leben ist okay. Mehr aber auch nicht. Denn ihre Beziehung mit Felix ist ziemlich eingeschlafen und sie hätte gerne etwas mehr Action. Doch ihr Leben ändert sich gewaltig, als sie auf Mathias trifft. Plötzlich kribbelt alles und die beiden scheinen sich Hals über Kopf zu verlieben - bis Kati einen Unfall hat. Sich plötzlich fünf Jahre in der Vergangenheit befindet - und anscheinend die Chance hat, alles zu ändern (und für die Fußball-WM zu wetten)...


Ich bin mir ganz sicher, dass ich hier nicht der einzige Kerstin-Gier-Fan bin. Jedenfalls habe ich von ihr schon die Edelsteintrilogie (wer das noch nicht getan hat - nachholen!) gelesen, "In Wahrheit wird viel mehr gelogen" und auch "Für jede Lösung ein Problem". Frau Gier kann es halt einfach. ("Silber" muss ich noch lesen. Ich weiß. Ich schäme mich auch, dass ich es noch nicht besitze. :D) Daher musste "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" auch mit, als ich in der Bibliothek darüber stolperte.
Der Klappentext verspricht beinahe einen üblichen Frauenroman, vielleicht hat er sogar ein bisschen Ähnlichkeit mit "Kennen wir uns nicht?", und ich muss auch gleich hinzufügen, dass es wirklich nicht mehr ist als ein Frauenroman. Heißt ja nicht, dass das schlecht ist. :P
Was gleich zu Beginn an dem Buch auffällt, ist die Tatsache, dass es über und über mit Zitaten gespickt ist. Zum Einen an jedem Kapitelanfang, aber auch zwischendrin schmückt hin und wieder ein Zitat den Rand. Das hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen - die Zitate wurden zwar sehr sorgfältig ausgewählt, passen zum Buch und gefallen mir auch sehr gut, aber sie störten doch ziemlich im Lesefluss. War also sozusagen etwas zu viel des Guten. 
Sieht man jedoch davon ab, wird man von Anfang an mit dem  gewohnten Schreibstil von Kerstin Gier "konfrontiert". Jeder, der ein Buch von ihr gelesen hat, kennt ihn, und er ist genauso gut wie immer und bleibt sich treu. Das ist eines der Dinge, die mir an ihren Büchern wirklich unglaublich gut gefallen - der humorvolle Schreibstil, bei dem man sich wirklich stellenweise wegschmeißt, und der in jedem Buch von ihr prägnant hervor sticht! Frau Gier braucht keine dramatischen Romane. Das würde gar nicht zu ihr passen.
Es dauert ein bisschen, bis die eigentliche Handlung (Katis Unfall) ins Rollen kommt, und so plätschern die ersten paar Seiten auch ein bisschen vor sich hin. Dafür werden sowohl ihr Partner Felix, ihr ganzes Umfeld und natürlich auch der "böse" Mathias gründlich erläutert und man erhält einen guten Einblick. Die Charaktere sind allesamt nett und sicher nicht unrealistisch gewählt - ich bin mir ziemlich sicher, dass es da draußen ein Paar wie Kati und Felix gibt, aber sie sind jetzt nicht so, dass sie mir irgendwie besonders auffallen würden. Ich komme mit ihnen klar, aber mehr auch nicht. Eine enge Freundschaft ist sozusagen nicht in Aussicht. :P
Die Handlung selbst ist auch nichts Spektakuläres, aber es machte mir trotz allem Spaß, das Spektakel um Kati zu verfolgen und zu schauen, wie sie sich entscheiden wird. Das Ende selbst hat mich doch ein bisschen überrascht, aber ich war noch nie der Typ für große Vorhersagen. 


"Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" ist definitiv ein Liebesroman, der die Handschrift Kerstin Giers trägt! Der Schreibstil ist unverwechselbar komisch, aber die Geschichte selbst und auch die Charaktere sind nichts Besonderes. Trotzdem fühlt man sich das ganze Buch über sehr gut unterhalten, auch wenn es mehr ein leichter Roman für Zwischendurch ist.


Titel: Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner
Broschüre: 288 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Reihe: -
Preis: 12,99€

Dienstag, 23. Juli 2013

[Rezension] Der Nachtzirkus - Erin Morgenstern

Originaltitel: The Night Circus


(Ich greife ausnahmsweise auf die Inhaltsangabe von Amazon zurück.)
Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.


Kennt ihr das? Ihr bekommt Wind von einem Buch, sei es durch Amazon, Facebook oder was auch immer, und ihr werdet total angefixt und wollt das Buch unbedingt haben. Aus welchem Grund auch immer gelangt das Buch nicht zu euch und ihr stolpert Monate oder gar Jahre später wieder drüber - und müsst es dann sofort mitnehmen... So erging es mir jedenfalls mit dem Nachtzirkus. Als ich von dem Buch zum ersten Mal hörte, hatte ich ein beinahe brennendes Verlangen danach, aber ohne Moos nix los, und, naja, so konnte ich das Buch damals nicht sofort erhalten und inhalieren. So kam es, dass ich vor einigen Tagen in meiner Bücherei (nach jahrelanger Abstinenz *räusper*) dieses Buch entdeckte und feststellte, dass es mittlerweile dort sogar eine Handvoll gute Bücher gibt. Oder Bücher, die jemand lesen will. :P
Wenn man anfängt, das Buch zu lesen, ist man erst einmal ein bisschen überwältigt. So ging es jedenfalls mir. Es ist alles ein bisschen konfus, und gleich auf den ersten Seiten werden zahlreiche Personen und Persönlichkeiten vorgestellt und auch benannt, und da ich eh kein Namengenie bin, war das alles etwas kompliziert. Diese Vorstellungen ziehen sich auch wirklich durchs Buch, immer wieder kommt sozusagen ein neuer Charakter hinzu, bis man irgendwann eine richtige Handlungsbasis hat - und an der Stelle kann ich beruhigend sagen, dass selbst ich Namengenie irgendwann alle Namen zuordnen konnte! :D
Zusätzlich merkt man schnell, dass es zwei Sachen gibt, die man über das Buch sagen kann: Zuerst ist es in einem unpersönlichen Stil geschrieben, (ich weiß das Fremdwort dazu nicht mehr, ihr dürft mich alle verkloppen) der das Ganze natürlich um einiges unpersönlicher macht und das Geschehen distanziert erzählt. Ich kann diesen Stil persönlich überhaupt nicht leiden, stolpere in letzter Zeit aber irgendwie häufig drüber, weshalb ich mich jetzt laaangsam damit anfreunden kann. Trotzdem muss ich auch hier sagen, dass ich lieber eine persönlichere Wahl getroffen hätte: es gibt zwar auch Sichtwechsel im Buch, aber ich bin mir sicher, dass das Geschehen um einiges spannender geworden wäre, hätte man mehr die Möglichkeit gehabt, mit den Charakteren mitzufühlen.
Denn bis das Geschehen mal an Fahrt aufnimmt, dauert es ziemlich... Besonders am Anfang, der auch diese vielen Vorstellungen benötigt, ist die eigentliche Handlung zwar nicht uninteressant oder gar unwichtig, aber eben ziemlich trocken. Und - schwammig. Ja, das ganze Buch ist schwammig, die ganze Magie, der Zauberwettstreit, die Regeln. Wer Konkretes will, wird enttäuscht. Ganz ehrlich. Das Seltsame daran ist allerdings, dass darin gleichzeitig die Magie des Buches besteht - die Magie, von der man unweigerlich eingesponnen wird, sobald man die ersten Seiten liest. Ich kann es nicht erklären. Wirklich nicht. Aber irgendwie wurde ich von der von Erin Morgenstern erschaffenen Welt einfach verzaubert und völlig in den Bann gezogen. Vielleicht liegt es an dem Schreibstil oder an dem liebevoll gestalteten Cirque, des Rêves, dem Zirkus der Träume. Oder an den Charakteren, die alle eine eigenes, zauberhaftes Kunstwerk im 19. Jahrhundert sind. Vielleicht liegt es auch an den raren, an ein "Du" gerichtete Szenen, die einem das Gefühl geben, selbst durch die Zelte zu streunen und ganz wunderbare Dinge zu erleben...


Wenn man sich auf "Der Nachtzirkus" einlässt, kann man nicht eine von der ersten Seite an packende Geschichte erwarten oder knallharte Fakten, zu dem beinahe märchenhaften Geschehen, das sich im Buch abspielt. Dafür bekommt man eine liebevoll konstruierte Welt, die einen verzaubert, sobald man sich auf sie einlässt!


Titel: Der Nachtzirkus
Hardcover: 464 Seiten
Verlag: Ullstein
Reihe: -
Preis: 19,99€
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Donnerstag, 18. Juli 2013

[Rezension] Taken at Dusk (Entführt in der Dämmerung) - C.C. Hunter

Originaltitel: Taken at Dusk

Achtung! Da es sich hier um den dritten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!


Kylies Leben scheint sich wohl nie zu normalisieren. Endlich kann sie die Eltern ihres wirklichen Vaters treffen - dann wird in Frage gestellt, ob das nicht nur ein Trick war, um an sie ranzukommen... Hinzu kommt ein Geist, bei dem sie eigentlich gar nicht so genau weiß, wie sie ihm helfen kann. Ganz zu schweigen von dem Lucas-und-Derek-Problem.
Ach ja. Und mit ihrer Identität ist es auch noch ein bisschen kompliziert.


Wie ihr vielleicht wisst, bin ich ohnehin Fan von der Reihe rund um Shadow Falls, Kylie und ihren Problemen. So war natürlich auch der dritte Band ein Must-Have für mich!
Auch wenn der zweite Band ein bisschen länger her sein sollte, hat man keine Probleme, in das Buch reinzukommen. Die Szene, in denen Kylie auf die Adoptiveltern ihres leiblichen Vaters trifft, kommt gleich zu Anfang des Buches und man ist somit mittendrin im Geschehen. Gleichzeitig gehen die Verschwörungen los - Langeweile kommt also sicher nicht auf! Wie auch in den Vorgängern nimmt die Autorin nicht nur alte Handlungsstränge (wie zum Beispiel das Verhältnis von Miranda zu Perry) auf, sondern auch neue hinzu. Man kann gar nicht anders - man muss einfach weiterlesen!
Auch wenn das Buch nicht vor Spannung strotzt. Genauso wenig wie Band 1 und Band 2 und das möchte ich hier an der Stelle auch gleich vorneweg nehmen, denn ich weiß, dass das bei vielen, sehr vielen als Kritikpunkt aufstößt. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass Band 4 und 5 genauso "langweilig" sein werden, aber mich stört das nicht. Dass das der ein oder andere vielleicht gar nicht nachvollziehen kann, kann ich verstehen, andererseits ist es genau das, was ich an der Shadow-Falls-Reihe so sehr genieße: die "Ruhe".
Es ist nämlich so, ich lese von Kylie, von Dellas und Mirandas Streiten, von Burnett und Holiday und ich fühle mich einfach wohl. Fast so, als würde ich von guten Freunden hören, Freunden mit vielen, zahlreichen Facetten. Denn kein Charakter gleicht einem anderen. Ja, vielleicht gab es schon unendlich viele Geschichten mit Dreiecksbeziehungen à la Derek-und-Lucas, aber ich kann einfach nicht bestreiten, dass ich die Charaktere an sich mag. Viell
eicht sind sie normal, vielleicht sind sie auch teilweise gewöhnlich, aber die Mischung in dem Camp, die Mischung aus den Übernatürlichen, die mir alle wie alte Freunde erscheinen, die macht für mich persönlich den Reiz der Reihe aus.
Klar finde ich es toll, wenn es mal etwas mehr Fahrt aufnimmt, aber ich komm auch gut damit klar, wenn es halt mal ein bisschen ruhiger um Kylie und ihre Freunde ist. Es ist doch im wirklichen Leben genauso, oder? Das Leben läuft auch nicht immer bei 180km/h auf der Autobahn. :)
Okay... Ich gestehe, jetzt bin ich etwas vom Thema abgekommen. :D Dabei trifft es eigentlich so ziemlich genau das, was mir an dem Buch gut gefallen hat, und ich wollte halt einfach denen, die die ersten beiden Teile nicht so überragend fanden, sagen, dass es in deren Augen nicht unbedingt besser wird.
Warum ich dem Buch dennoch einen kleinen Abzug gebe? Ganz einfach daher, da "Entführt in der Dämmerung" im Vergleich zu den anderen beiden Teilen mich einen Ticken weniger emotional umgerissen hat. Aber als wirklich dramatisch empfinde ich das nicht. ;) Dafür bin ich viel zu gespannt auf die letzten beiden Bände...


"Entführt in der Dämmerung" ist wie ein Zurückkommen in eine geliebte Heimat - in die Welt von Kylie, ihren Freunden und diversen Identitätsproblemen. Zu einem regelrechten Pageturner ist die Reihe rund um Shadow Falls immer noch nicht geworden - was mich persönlich nicht stört. Ich habe es genossen, heimzukehren, denn die Handlung hat immer noch einiges intus!


Titel: Entführt in der Dämmerung
Broschiert: 544 Seiten
Verlag: Fischer FJB
Reihe: 3/5
Preis: 14,99€
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Sonntag, 14. Juli 2013

[Rezension] Ugly: Verlier nicht dein Gesicht - Scott Westerfeld


Tally kann es kaum noch erwarten, es ihrem besten Freund Peris nachzutun und endlich zur Pretty zu werden - und zwar durch eine Operation nach der Vollendung des 16. Lebensjahrs. Doch in den drei Monaten, die es noch dauert, trifft sie auf Shay. Shay ist ganz anders als alle Uglies, - die noch nicht operierten - die Tally je kennen gelernt hat. Shay ist nämlich nicht so scharf auf die Operation, sie redet sogar davon, dass sie lieber ihr Gesicht behalten würde. Tally kann das gar nicht verstehen. Bis alles komplett schief läuft - und sie vor eine unglaubliche Wahl gestellt wird...


"Auch der Anblick von Smoke lenkte sie von ihren Sorgen ab. Jeder neue Tag schien den Berg zu verändern und den Himmel und die Täler der Umgebung, ließ sie auf immer neue Weise großartig erscheinen. Die Natur wenigstens brauchte keine Operation, um schön zu sein. Sie war es einfach."
(Ugly, S. 229)


Ich persönlich finde, dass Ugly der Inbegriff der Dystopie ist. Sozusagen Adam und Eva, nur dass das Buch existierte, lange bevor Dystopien überhaupt so richtig gehypt wurden. Umso interessanter fand ich es eigentlich, das Buch zu lesen, denn der Begriff Dystopie war damals wahrlich noch nicht so verbreitet und ich hatte wirklich das Gefühl, noch ein "Urgestein" in der Hinsicht zu lesen.
Das Buch selbst fängt eigentlich ziemlich gewöhnlich an. Man wird in Tallys Situation eingeführt, erzählt wird in der Vergangenheit und in der dritten Person aus Tallys Sicht, allerdings immer mit einer gewissen Distanz, die auch das ganze Buch über beibehalten wird. Dadurch passierte es mir, dass ich hin und wieder mit den Charakteren "aneckte", da es teilweise einfach zu emotionslos und schwer nachzuvollziehen war.
Dennoch, wie gesagt, kommt man eigentlich relativ einfach klar, obwohl zu Beginn alles wohl eher das Gegenteil ist - total unklar. Denn Scott Westerfeld erläutert nicht mal eben das gesamte Ugly-und-Pretty-System, sondern wirft einem lieber mal hier und dort ein kleines Stückchen zu. Für mich persönlich ist das ein weiterer Kritikpunkt, da ich bei Beenden das Buches mehr das Gefühl hatte, nur ein Stück von Tallys Welt gesehen zu haben, und das Stück auch nur notdürftig zusammengeflickt ist. Da es sich bei Ugly aber um den Auftakt einer Reihe handelt, kann auch gut sein, dass man in den Fortsetzungen mehr dazu erfährt. 
Sieht man davon ab, ist Tally als Protagonistin ein sehr interessanter Charakter und damit komme ich zu dem Punkt, in welchem sich Ugly in meinen Augen am meisten von anderen Dystopien unterscheidet: dadurch, dass Tally selber betroffen ist. Tally ist nämlich keine Heldin. Sie ist nicht die, die das böse, schlimme System sieht und alles daran setzt, dagegen anzutreffen. Nein. Ganz und gar nicht! Man bekommt gleich am Anfang mit, dass Tally begeistert von dem ganzen System ist. Wie sie sich freut, hübsch zu werden, und auch zu Shay sagt, dass ihr Gesicht nach der Operation sicher nicht mehr so hässlich ist. Weil sie es selber glaubt. Weil sie auch naiv ist. Und das "Schlimme" gar nicht sieht.
Zugegeben, ich bin mit Tally bis zum Ende nicht so wirklich warm geworden. Das liegt aber nicht daran, dass sie schlecht konstruiert wurde. Nein, bloß nicht, sie ist komplex und wirklich gut durchdacht und ich finde es einfach genial, aus ihrer Perspektive zu lesen! Ich kann sie nur einfach nicht leiden. :D Aber das hat keinen Einfluss darauf, wie ich das Buch gefunden habe.
Den sonst dystopietypischen Rebellen findet man daher mehr in Shay. Die, die Fluchtpläne schmiedet, waghalsig ist und lieber ihr asymmetrisches Gesicht behalten würde. Und auch in vielen anderen Figuren, die noch im Laufe der Geschichte auftreten, ist diese Abneigung gegen das System vorhanden. An ihnen hab ich wirklich nichts auszusetzen und ohne jetzt zu spoilern, muss ich sagen, dass selbst die Liebesgeschichte in dem Buch extrem anders und irgendwie originell ist!
Die kurz gehalten Kapitel machen das Lesevergnügen noch ein wenig "vergnügter" und tragen auf jeden Fall dazu bei, dass man das Buch rasant durchgelesen hat...


"Ugly" ist ein guter Reihenauftakt, der allerdings noch definitiv Platz nach oben offen lässt! Denn man bekommt nicht selten das Gefühl, nicht ganz über das System informiert zu sein, und durch einen distanzierten Schreibstil ist auch das Unternehmen, Tally und die anderen Charaktere nachzuvollziehen, ein wenig erschwert. 


Titel: Ugly: Verlier nicht dein Gesicht
Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Carlsen
Reihe: 1/4
Preis: 8,99€
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Freitag, 5. Juli 2013

[Rezension] Boot Camp - Morton Rhue


Connor ahnt nicht das Geringste, als er eines Nachts plötzlich von zu Hause abgeführt wird und mit Handschellen gefesselt in einem Auto auf dem Weg in ein Camp ist. Und nicht nur irgendein Camp. Sondern Lake Harmony. Auch wenn Connor nicht einsieht, warum seine Eltern ihn ins Camp geschickt haben, so begreift er doch schnell, dass das Camp versucht, ihn zu ändern, ihn zu "bessern" - und das sowohl mit körperlicher als auch mit psychischer Gewalt. Er weiß, dass er nichts Unrechtes getan hat. Einen Ausweg weiß er trotzdem nicht. Flucht - oder sich ändern lassen?!


Wisst ihr, liebe Leser, das hier ist eine ganz besondere Rezension. Nicht weil sie besonders gut oder besonders interessant ist und vielleicht auch nicht wegen dem Buch, sondern aus dem Grund, dass ich zum ersten (und sicher auch zum letzten) Mal in meinem Leben eine Schullektüre rezensiere. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr meine Gedanken nachempfinden könnt. Normalerweise liest man in der Schule nicht Bücher, die so... rezensionswürdig sind. Geschweige denn gut. Ich sage nicht, dass Andorra oder Wilhelm Tell nicht ihre Reize hatten, (irgendwo... irgendwie... ein paar nette Zitate geben sie jedenfalls alle ab) aber ich glaube, hätte ich eines der beiden hier rezensiert, wären alle Leser geflüchtet. Hehe. Naja. Das war einmal. Denn dieses Jahr kam es wie es kommen musste und wir begannen im Deutschunterricht die erste lesbare und gute Schullektüre.
Die Geschichte beginnt gleich mitten im Geschehen, an der Stelle, wo Connor von zwei "Transporteuren" ins Camp gebracht wird, und dadurch, dass sie direkt aus seiner Sicht und auch noch in der Gegenwart geschrieben ist, ist man wirklich mittendrin! Außerdem stellt man schnell fest, dass jedes Kapitel mit einer Regel von Lake Harmony beginnt. Das kann zum Beispiel "Du musst uns deine intimsten Gedanken mitteilen" sein. Hört sich jetzt unglaublich an, ist aber wahr.
Von Anfang an erfährt nämlich Connor den puren Drill in Lake Harmony, einer "Erziehungsanstalt", in die Eltern ihre Kinder schicken können, weil sie auf Besserung hoffen. Connors Vergehen? Eine Beziehung zu seiner mittlerweile ehemaligen Lehrerin, die seinen Eltern schwer im Magen lag. Denn besonders seine Mutter muss auf ihr Image achten - und so kam es, dass sie Connor in das Camp schicken.
Der Morgen beginnt mit einem 8-Meilen-Lauf. Wer nicht mehr laufen kann, muss kriechen. Das Essen. Ungenießbar, Fast Food, gleichzeitig hört man Vorträge über gesunde Ernährung, zur Provokation, damit man nicht nachdenken kann. Man muss mindestens die Hälfte essen. Was man nicht isst, bekommt man wieder zum Essen. Einmal die Woche ist Restetag.
Das ist nicht alles, aber ich denke, es ist unglaublich genug. Und ich war auch wirklich schockiert, als ich gelesen habe, welche Zustände dort herrschen. Es ist außerdem umso unglaublicher und auch trauriger, dass solche Camps tatsächlich existieren. Es ist grausam. 
Durch den einfach gehalten Schreibstil lassen sich Connors Erlebnisse gut - beinahe hautnah - mitverfolgen, aber sein Charakter trägt dazu sicher noch einiges bei. Connor ist nämlich hochintelligent. Er durchschaut das Spiel der Aufseher, wenn sie ihn provozieren wollen, und er sieht auch gleichzeitig, dass er aus dem Camp nicht rauskommt, wenn er sich nicht verändert. Natürlich will er sich nicht verändern - er will nicht "gehirngewaschen" werden und Gedanken und Überzeugungen annehmen, die nicht seine sind. Ich konnte seinen Zwist immer gut nachvollziehen, denn es ist wohl mehr als schrecklich und unmenschlich, was ihm alles widerfährt.
Connor ist natürlich nicht der einzige Charakter des Buches, aber wohl doch der, der den größten Anteil daran hat. Es gibt da natürlich noch Joe, den Aufseher, der alles darauf anlegt, Connor bloß zu stellen und zu schikanieren. Pauly, der von seinen Eltern nach Lake Harmony geschickt wurde, weil er seinem Dad nicht Mann genug war. Und Sarah, die Sarah, die nicht mal mehr von den Aufsehern provoziert wird, weil sie alles aufgegeben hat. Jeder der Charaktere hat seine eigene Geschichte zu erzählen und sie sind doch auf ihre Art und Weise interessant, selbst wenn meist nur die Oberfläche angekratzt wird.
Das hat mich ausnahmsweise mal nicht großartig gestört, da die Geschichte mich so gepackt und gefesselt hat, dass sie für mich trotzdem - ja, beinahe vollkommen war. Man will ein Kapitel lesen, noch eins, noch eins, und so fliegen die knapp 300 Seiten nur so an einem vorbei. Das Ende selbst reißt noch einmal das Ruder herum und kommt wirklich nicht so, wie ich es je erwartet hätte. Es hat mir wirklich Tränen in die Augen getrieben und es war einfach ein überraschender Abschluss!


"Boot Camp" ist eine grausame Geschichte, die leider auf einem wahren Hintergrund basiert. Trotz allem wird sie von Morton Rhue erstaunlich gut und spannend erzählt, sodass man vom Buch aufgewühlt und atemlos zurückgelassen wird. Volle Empfehlung!
Und zuletzt wieder eine Frage an euch - wie schaut's denn mit euren Schullektüren aus? Habt ihr schon mal eine rezensiert, oder habt ihr bisher auch nur die "typisch grausamen" Klassiker gelesen?


Titel: Boot Camp
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Ravensburger
Reihe: -
Preis: 6,95€
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