Mittwoch, 29. Mai 2013

[Rezension] Das ist also mein Leben - Stephen Chobsky

Originaltitel: The Perks of Being a Wallflower


Charlie ist sechzehn, er ist in seinem ersten Jahr in der Highschool und hat die Probleme, die man in diesem Alter so hat: mit Mädchen, mit der Schule, mit sich selbst. Zumindest scheint es so zu sein. Doch in den Briefen, die er an einen unbekannten »Freund« schreibt, wird deutlich, dass Charlie eine ganz besondere Sicht auf die Welt hat: Er beobachtet die Menschen um sich herum, fragt sich, ob sie ihr Leben so leben, wie sie es möchten, und versucht verzweifelt, seine eigene Rolle in all dem, was wir Leben nennen, zu begreifen.


So I guess we are who we are for a lot of reasons. And maybe we'll never know most of them. But even if we don't have the power to choose where we come from, we can still choose where we go from there. We can still do things. And we can try to feel okay about them.
(S. 211, The Perks of Being a Wallflower)


"The Perks of Being a Wallflower" wollte ich schon lange, lange lesen und ganz besonders, seitdem der Film raus kam (den ich nicht gesehen habe - ja, ich weiß, dass sich das widerspricht :D). Und als ich dann in England (ich war mit meiner Klassenstufe dort, erklärt meine Abstinenz Anfang März) und mich dieses Buch in der Auslage eines Buchladens angrinste, tja, da konnte ich nicht anders. Das ist auch der Grund, wieso das Zitat da oben englisch ist. 
Gleich vom Anfang wird klar, dass das nicht einfach eine stinknormale Erzählung ist: Charlie schreibt an einen Freund, der das ganze Buch über nicht namentlich genannt wird, in immer neuen Briefen und berichtet aus seinem Leben. Man merkt auch sofort, dass das Buch von seiner poetischen Sprache, seinen wunderbaren Worten und weisen Zitaten lebt. Ich schwöre euch, ich hätte dort oben auch mindestens zehn weitere gute Zitate hinklatschen können, ich hatte zeitweise das Gefühl, dass ich all diese wunderbaren Sätze in mich aufsaugen muss und etwas genauso Intelligentes und Wunderbares von mir geben muss.
So wird es, auch wenn Charlie meistens "nur" von seinem Leben erzählt und das nicht immer auf 180 läuft, das ganze Buch über nicht langweilig. Wie gesagt, ich hing förmlich an dem Schreibstil.
Außerdem dreht es sich im Buch auch nicht selten um Musik und Bücher, die Charlie von seinem Lehrer zu lesen bekommt. Wie kann man da NICHT interessiert sein?! :P
Leider muss ich nun zu einem großen Aber ausholen, denn ich muss gestehen, ein Problem mit dem Protagonisten selbst gehabt zu haben: Charlie und ich, wir kamen nicht so ganz klar. Schon auf den ersten Seiten zeigt sich, dass Charlie oft weint und (denkt jetzt bitte nicht, dass ich etwas aufs Weinen reduzieren würde, aber es war für mich echt nicht stimmig, sondern mehr seltsam) zeigt auch sonst immer sehr, sehr seltsame Verhaltenszüge auf. 
Wisst ihr, es gibt Bücher wie zum Beispiel die von John Green, die einfach weise sind und berühren wollen, und es fällt mir wirklich schwer, das in Worte zu fassen, weil ich fast ein schlechtes Gewissen habe, das Buch so zu kritisieren. Naja, es gibt diese Bücher - Bücher, bei denen man schon beim Lesen das Gefühl bekommt, dass man sie lieben muss, und hinterher liebt man sie auch, und genau das Gefühl hatte ich, als ich anfing zu lesen, aber als ich aufhörte, musste ich feststellen, dass es wohl doch nicht so war.
Ich muss nun allerdings auch einwenden, dass es für Charlies Verhalten eine Erklärung gibt: allerdings ist sie so versteckt, dass sie erst im Epilog versteckt ist und ja, wirklich versteckt: Ich habe sie nämlich nicht gesehen, sondern wurde letztendlich von einer Freundin drauf aufmerksam gemacht. (Und glaubt mir, ich mag ja manchmal echt auf dem Schlauch stehen, aber ich bin nicht die Einzige, die den Epilog nicht verstanden hat und googlen musste. :'D)
Wenn ich jetzt also im Nachhinein auf das Buch blicke, sehe ich eine wunderbar weise, intelligente Erzählung, die wirklich deutlich Potenzial hat, in mein Herz aufgenommen zu werden, (meine Güte, diese Rezension hört sich schon jetzt so doof an, ich glaub, ich veröffentlich sie und guck sie dann nie wieder an, sonst muss ich mich schämen :D) ABER ich würde mir falsch vorkommen, würde ich dem Buch jetzt volle Punktzahl geben, weil ich mich einfach während dem Lesen nicht so wohl gefühlt habe, wie ich es gern getan hätte.
Das soll jetzt nicht heißen, dass ich keine Empfehlung ausspreche - denn ich bin mir ganz, ganz sicher, dass viele Leute da draußen das Buch lieben werden, nur ich und The Perks of Being a Wallflower haben uns zur falschen Zeit getroffen.


"Das ist also mein Leben" ist ein wundervolles, poetisches Buch, das auf jeder Seite, die man aufschlägt, mit einem weiteren berührenden und nachdenklich machenden Zitat daher kommt. Leider haben das Buch und ich uns auf dem falschen Fuß kennen gelernt - was nicht heißen soll, dass es schlecht ist! Ich spreche eine klare Empfehlung vor allem an die aus, die auch die Bücher von John Green gerne gelesen haben.


Titel: Das ist also mein Leben
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Reihe: -
Preis: 12,99€
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Montag, 20. Mai 2013

[Rezension] Escape - Jennifer Rush


Annas Leben ist alles andere als normal: schon seit fünf Jahren leben Sam, Cas, Trev und Nick unter ihrem Dach. Aber nicht als freie Menschen - nein, sie dienen als Objekte für die Forschung ihres Dads, bei der Anna ab und zu assistiert. Natürlich hat sie diese seltsame Situation schon oft genug hinterfragt - aber Antworten bekommt sie nie. So versucht sie das Beste draus zu machen und den vier Jungs - und ganz besonders Sam - diese eingesperrte Zeit mit Tests, Medikamenten und allem anderen so angenehm wie möglich zu machen. Bis sich eines Tags die Ereignisse überstürzen und sie mit ihnen fliehen muss...


So war das auch mit der Hoffnung. Man klammerte sich an etwas, von dem man nicht wusste, ob man es jemals erreichen würde. Aber man musste sich trotzdem weiter daran festhalten, denn wo blieb sonst der Sinn?
(Escape, S. 117 Z. 26-29)


Ihr wisst gar nicht, wie froh ich bin, dass ich Escape letzten Endes doch noch gelesen hatte. Ich war zwar seit dem Erscheinen "heiß drauf", aber irgendwie hatte ich es mir nicht gleich zu Anfang geholt und als ich dann endlich die Möglichkeit dazu hatte, war die Lust nicht mehr so groß - und das bei den positiven Rückmeldungen, die jedenfalls ich überall lesen konnte. Letztens stand ich aber in der Buchhandlung und hatte das Gefühl, auf Teufel komm raus ein Buch kaufen zu müssen. (Schrecklich so was. Kennt das jemand?) Und so wurde es eben Escape. 

Ich ging also mit relativ hohen Erwartungen an das Buch ran, weil es wirklich überall gelobt wird und sich auch wirklich nicht schlecht anhörte. Schon auf den ersten Seiten kommt man gut in die Geschichte rein, die aus Annas Sicht in der Vergangenheit erzählt wird. Man erfährt etwas von ihrem alltäglichen - für uns total schräg und sonderbar - Leben, wie sie sich um die Jungs kümmert und natürlich auch davon, dass sie sich wünscht, Sam würde auch eine gewisse Zuneigung zu ihr entwickeln.
Ich habe Anna von Anfang an gemocht. Auf der einen Seite hat sie ihre verletzlichen Stellen, aber trotz allem erweist sie sich als starke, wirklich tolle Protagonisten, an der ich wirklich nichts auszusetzen habe. Im Laufe des Buches entwickelt sie sich zusätzlich und wird mutig, tut Dinge, die man ihr zu Anfang gar nicht recht zugetraut hätte.
Dann sind da die Jungs - und auch wenn das jetzt ein bisschen subjektiv wird: Wie kann man sie NICHT mögen? Also wirklich, ich kann - mich - nicht - entscheiden. *schwärm* Allen voran ist da natürlich Sam, der Anführer, der zwar auch eine herzliche Seite hat, aber genauso gut hart und abweisend, "nüchtern" sein kann. Er versucht immer, einen klaren Kopf zu behalten und über sein vergangenes Leben, an das er sich, wie die anderen Jungs, nicht erinnern kann, zu erfahren. Trev ist Annas bester Freund und glänzt immer mit Zitaten, da sein Gedächtnis außerordentlich gut ist. Er liest gern, ist klug und scheint immer einen Rat für Anna zu haben. Cas hat immer einen Witz auf Lager - und das auch in den unpassendsten Situationen. Außerdem isst er für sein Leben gerne, was man ihm natürlich nicht ansieht; denn alle vier Jungs sind genmanipuliert und haben unglaublich viele und ausgeprägte Muskeln. Zum vierten im Bunde, Nick, haben Anna und auch die anderen eher ein weniger gutes Verhältnis, denn Nick ist oft nicht ihrer Meinung, aggressiv oder total defensiv.
Wie man sieht, sind die Jungs wirklich verschieden - und zwar in einem guten Mix, finde ich, und das sind wirklich ungelogen die genialsten Charaktere, von denen ich in letzter Zeit gelesen habe. Selbst Nick habe ich definitiv in mein Herz geschlossen und ich freue mich so, dass es einen zweiten Band geben wird, in dem hoffentlich noch mehr von allen erzählt wird. ^_^
Okay. Genug geschwärmt. *räusper* Ich habe ja bereits erwähnt, dass man gut in die Geschichte hineinkommt, der Schreibstil erschafft schöne Bilder, ist aber dennoch relativ schlicht, was mir sehr gut gefällt und auch gut mit der Geschichte harmoniert. Außerdem macht die Story selbst einfach so neugierig, dass man weiterlesen, mehr erfahren will. 
Nach nur ein paar Kapiteln schlittert man schließlich in den ersten spannenden Moment - und ab da gibt es wirklich kein Halten mehr! Escape nimmt so sehr an Fahrt auf, dass man beinahe atemlos von einem Kapitel ins nächste rutscht und gar nicht mehr aufhören will, weil es so spannend ist. Es ist unglaublich, was Jennifer Rush geschafft hat. Die Geschichte strotzt nur von energiereichen Momenten, unglaublich überraschenden Momenten und gleichzeitig auch - egal in welcher Ebene - berührenden Szenen.
Wie ihr seht, bin ich wirklich unglaublich begeistert von dem Buch und ich war wohl selten so froh, dass es noch einen zweiten Teil gibt, auch wenn das Buch in sich zumindest größtenteils abgeschlossen ist. Falls es also tatsächlich irgendeine verirrte Seele :P geben sollte, der das Buch nicht gefällt... :D


"Escape" ist ein atemberaubendes Debüt, das wirklich nur so vor Spannung strotzt. Wer sich bisher noch nicht dran getraut hat, der sollte es spätestens jetzt tun - es lohnt sich wirklich und ich habe nichts daran auszusetzen!


Titel: Escape
Klappenbroschüre: 320 Seiten
Verlag: Löwe
Reihe: 1/?
Preis: 12,95€
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Samstag, 11. Mai 2013

[Rezension] Selection - Kiera Cass


Das Amerika wie wir es heute kennen existiert nicht mehr, die Spaltung der verschiedenen Schichten wurde in Kasten umgewandelt. 
Die junge America Singer gehört Kaste 5 an, einer niedrigen Kaste voller Künstler und Sänger, als die Castings Landesweit zum Vorschein treten.
Der unverheiratete Kronprinz Maxon sucht eine Frau, aus diesem Zwecke soll eine Selektion zwischen den Bewerberinnen stattfinden, aus welchen 34 Mädchen ausgewählt werden. 
Weil Americas Freund und große Liebe, sowie ihre Familie, sie erst dazu überredet teilzunehmen, bricht eine Welt zusammen, als sie doch gewählt wird.
Im Schloss trifft das Mädchen mit den anderen Kandidatinnen und dem Prinzen zusammen und schnell wird klar: Eine künftige Prinzessin unter seinen Reihen zu haben ist alles andere als einfach. Als sie dann beginnt, sich mit dem Prinzen anzufreunden, nimmt alles ungeahnte Bahnen.



Die Idee erinnert deutlich an Castingshows wie wir sie kennen: Die Kandidaten treten vor eine Jury, ohne dass die Kamera dabei ist. Die ausgewählten unter ihnen kommen ins Fernsehen, die Castings werden also öffentlich, genauso wie in diesem Buch. Obwohl sie es nicht will, wird America ausgewählt und hat nun den ganzen Luxus zu ertragen: ernsthaft?
Ganz genau. Ein Punkt, der mich ziemlich verwirrte. Sie konnte doch froh sein, ihrer Familie durch ihre Teilnahme zu helfen. Denn eins steht doch mal fest: Wenn man nicht ausgewählt werden möchte, dann wird man es auch nicht, oder etwa doch? 
Sie ist nun mal „Liebeskrank“, was allerdings auch ein Stück weit verständlich ist. Ihr ganzes Leben, für die Liebe – fairer Handel. (pah. xD)
An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich eigentlich kein Fan von Castings bin, doch das Cover des Buches war einfach zu schön… Ich habe ein Faible für schöne Dinge :D 
Allerdings möchte ich auch festhalten, dass mich das alles ein bisschen an Panem erinnert hat – und klein Denise muss natürlich lesen und Parallelen suchen. Die ich auch gefunden habe, obwohl sie meiner Meinung nach nicht erwähnenswert sind, weil die Story so ganz gut funktioniert. Die Selektion, also die Auswahl und die Kasten, sind denke ich eine ziemlich offensichtliche Parallele, die wohl nicht all zu sehr abschreckt. Auch finden sich sehr viele Aspekte aus dem heutigen Leben, Autos, Flugzeuge. Im großen und Ganzen gibt es keine neuen Technologien... 
Das Szenario ist eindeutig: Die Welt steht im Wandel – und da ist es nicht schwer, auf eine solche Schichten-Teilung zu kommen. Im Grunde genommen gibt es diese ja auch heute: Oberschicht, Mittelschicht und alles darunter. 
Meiner Meinung nach ist es auch gar nicht falsch, die Situation ein bisschen ins extreme zu ziehen, schöne Geschichten entstehen daraus und vielleicht werden dem ein oder Anderen die Augen geöffnet, etwas zu ändern. 
Die Charaktere dieses Buches sind nicht unbedingt immer gleich beleuchtet. Je nach Americas Kenntnisstand sind sie eher gut, oder weniger gut beschrieben. Die Namen waren allerdings ein bisschen viel. Ehrlich gesagt fallen mir wohl einige wenige beim Schreiben dieser Rezension ein, aber das war’s dann auch schon wieder. 
Aber – und das ist positiv zu bewerten – braucht man eigentlich auch nicht so viele Namen. Die Flut hält sich in Grenzen, es werden nur Mädchen erwähnt, in dessen unmittelbarer Umgebung die Protagonistin sich aufhält. 
Die Charakterzüge der Hauptcharaktere sind schön aufgebaut, auch wenn sie sich grob gesehen nur auf Aspen, Maxon und America beschränken. Ab da ist alles „Schichtweise“ – das heißt, dass die Familie und die Hausmädchen, sowie Freunde noch ganz gut beschrieben werden, dann nimmt die Information bis hin zu den unwichtigsten Leuten stetig ab. 
So entsteht kein Infodumping, alles bleibt aber schön Detailgetreu wiedergegeben. 
Der Schreibstil dieses Buches lässt sich im Grunde gut und flüssig lesen, er lässt nicht zu viele Fragen offen und gibt einen guten Überblick. Während ich las, konnte ich mir die Leute und die Umgebung gut vorstellen, wenngleich sie nicht immer zu 100% beschrieben waren. Es gibt viel Freiraum für die eigene Kreativität. 
America als Protagonistin ist eher typisch: Eine starke junge Frau mit eigenem Willen, die sich für andere einsetzt und auch manchmal ihr eigenes Wohl vergisst. An sich keine schlechte Idee – in diesem Typus können sich viele Mädchen wieder finden, (obwohl nicht gesagt ist, ob andere es auch so sehen. Ich persönlich habe immer – wenn auch nicht unbedingt erkenntlich – einen eigennützigen Hintergrund bei so ziemlich allem… *pfeif*) aber er ist mittlerweile ein wenig abgegriffen. Sicher hatte sie auch ihre Ecken und Kanten, war aber ziemlich vorhersehbar…


Zugegeben: Ich bin ein wenig zwiegespalten. Ich finde dieses Buch wirklich gelungen und empfehlenswert für zwischendurch. Wenn man allerdings den fesselnden, spannenden Lesespaß erwartet, ist man hier ein wenig fehl am Platz. 
Zweifellos ist das Buch gut und schön zu lesen – aber wirklich vorhersehbar, Klischeehaft und nichts für Skeptiker. Ich bin ohne Vorurteile an das Buch heran gegangen und muss sagen, dass es mich positiv überrascht hat, auch wenn die Dreiecksgeschichte ein bisschen genervt hat...





Titel: Selection
Hardcover: 368 Seiten
Verlag: Sauerländer
Reihe: 1/3
Preis: 16,99€
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