Donnerstag, 22. September 2016

[Rezension] Queen of Shadows - Sarah J. Maas

Da es sich hierbei um den vierten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt
Aelin Ashriver Galathynius ist endlich bereit, nach Rifthold zurückzukehren und die Arbeit, die sie dort begonnen hat, zu beenden. Sie wird für ihren Cousin Aedion kämpfen, für ihren Freund Dorian und für ihr Volk - denn es ist an der Zeit, ihre Identität anzunehmen und sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

Meine Meinung
Ach, das Leben als Buchblogger ist schon hart, wenn man irgendwann einen Zwang entwickelt, alle Bücher einer Reihe in derselben Ausgabe besitzen zu wollen. Deshalb habe ich auch ein gefühltes Jahrzehnt darauf gewartet, dass das US-Paperback von Queen of Shadows endlich erscheint. Das Gute daran: Bei dem Folgeband, Empire of Storms, bin ich - worüber ich bereits hier gesprochen habe - über meinen Schatten gesprungen und habe einfach das Hardcover bestellt. Ich bin einfach gegen Spoiler allergisch, und in den letzten drei Wochen habe ich schon zu viele Dinge gelesen, die ich nicht lesen wollte.
Da ich ein großer Fan von Sarah J. Maas und ihren Büchern bin, (was ich nie müde werde zu betonen) war meine Aufregung dementsprechend groß, als Queen of Shadows endlich, endlich bei mir ankam. Anders ausgedrückt: Drei Tage später klappte ich das Buch zu und war mal wieder ein emotionales Wrack.
Aber fangen wir von vorne an: Schon an den ersten paar Seiten von Queen of Shadows merkt man, dass die Serie sich langsam ihrem Ende zuneigt - Fäden werden aufgenommen und verknüpft, Ereignisse, auf die man seit hunderten Seiten hingefiebert hat, finden endlich statt. So treffen wir ziemlich bald auf Arobynn, Celaenas Aelins Mentor, der sie zum Assassine ausgebildet hat. Und weil ich nicht spoilern will, sei so viel gesagt: Arobynn hat sich seit The Assassin's Blade kein bisschen gebessert. Man wünscht sich immer noch, dass er sich doch zum Guten wenden würde, aber... tief drinnen weiß man, dass er es nicht tun wird.
Eigentlich wollte ich auch weniger über Arobynn reden (aber ich steigere mich einfach zu sehr rein, wenn sein Name erwähnt wird), sondern vielmehr über die anderen Charaktere. Denn wie auch schon in den vorhergehenden Bänden gibt es viel Wachstum - und auch Stagnation.
Bei letzterem meine ich - wer hätte es gedacht - Chaol. Chaol ist auch jemand, den ich gern mögen würde, aber dann lese ich über die Dinge, die er macht und sagt, und verfluche ihn wieder aufs Neue. Trotzdem könnte ich ihn niemals hassen. Denn was ich an ihm schätze, ist seine unglaubliche Loyalität Dorian gegenüber. Bei vielen ist das umstritten, aber ich für meinen Teil bewundere ihn deswegen - habe es schon immer, vom ersten Band an. Allerdings verabscheue ich die Konsequenzen dieser Loyalität: Chaols Blindheit gegenüber allem anderen, und vor allem seine Vorurteile. Gerade die Art und Weise, wie er in Queen of Shadows mit Aelin umspringt, erweckte in mir schlichtweg den Wunsch, ihn zu erwürgen. Ständig stellt er ihren Charakter infrage, unterstellt ihr, ihre Magie - wenn sie eines Tages zurückkommt - zu missbrauchen und grundsätzlich ist er fast angewidert von der Frau, die Aelin geworden ist. Chaol ist einfach, wie man in Heir of Fire schon merkt, stehen geblieben. Während all die anderen Charaktere gewachsen sind, ist Chaol immer noch an demselben Platz, und besitzt nichts mehr als seinem Pflichtgefühl. Ich hoffe, nein, glaube, dass sich das noch ändern wird, und bin gespannt, wie er sich entwickelt.
Aelin ist dazu der krasse Gegensatz. In Queen of Shadows wird sie nicht mehr Celaena genannt, hat jetzt offiziell ihre "richtige" Identität angenommen. Ich weiß gar nicht mehr, was ich zu ihr noch sagen soll. Dass ich komplett beeindruckt von ihr bin? Vollkommen begeistert von der Art und Weise, wie Maas solch einen vielschichtigen und gleichzeitig abgründigen Charakter geschaffen hat? Das trifft es vermutlich. (Ansatzweise.)
Ein paar Worte wollte ich auch noch zu Manon verlieren. In Heir of Fire stand ich ihr noch unglaublich skeptisch gegenüber, konnte die Begeisterung anderer Leser gar nicht verstehen - in Queen of Shadows hat sich das vollkommen gewendet. Ich lernte, sie besser zu verstehen, vor allem auch den größeren Zusammenhang mit den anderen Charakteren, insbesondere Aelin - ich habe einfach ihre Rolle viel besser verstanden. Ich reihe mich nun also stolz bei den Manon-Fans ein, und bin gespannt, was die Geschichte für sie noch so bereithält.
Wenn es nach mir ginge, würde ich jetzt noch ähnliche Romane über Rowan und Dorian verfassen, aber das will ich euch nicht auch noch antun. So viel sei gesagt - bei ein paar Szenen mit Rowan hat Sarah J. Maas bewiesen, wie unglaublich gut sie schreiben kann (besonders, wenn es, nun, heiß wird). Und Dorian... Dorian ist wirklich einer meiner liebsten Charaktere. Ich kann hier wirklich nicht viel zu ihm sagen, ohne zu spoilern, aber ich würde ihm am liebsten eine lange, lange Umarmung geben.
Gleichzeitig führt Maas noch einen Haufen anderer Charaktere ein, zum Beispiel Lysandra, die wir schon aus The Assassin's Blade kennen, oder Nesryn, die... Vergangenheit mit Chaol hat. Oder Elide! Und zu guter Letzt kann ich natürlich nicht Aedion unterschlagen - Aelins Cousin. Was Aelin alles riskiert, um ihn zu befreien, sagt eigentlich schon alles. Der Bund zwischen den beiden ist unglaublich ergreifend.
Was an der ganzen Throne of Glass-Serie so beeindruckend ist, ist die Balance, die Sarah J. Maas einbringt. Obwohl es von Buch zu Buch mehr düstere Szenen gibt, gibt es immer noch diese hellen, lichtbringenden Momente, in denen ich vor dem Buch sitze und herzlich lachen muss. (Damit sie mir dann im nächsten Kapitel wieder das Herz brechen kann.) Obwohl das Buch über 600 Seiten hat, ist es ein richtiger Pageturner. Wieder und wieder gelang es der Autorin, mich in die Irre zu führen, mich nach Luft schnappen zu lassen. Das Buch strotzt nur vor unerwarteten Wendungen und schockierenden Enthüllungen. (Aber ganz im Ernst: Wer hat etwas anderes erwartet?)
Müsste ich Queen of Shadows mit einem Wort beschreiben, dann wäre das wohl episch. Die Welt, die Charaktere, die Geschichte, diese ganze Komplexität und die puren Emotionen auf jeder Seite - keine Ahnung, wie Sarah J. Maas das alles hinbekommt. Aber ich ziehe meinen Hut vor ihr, wieder und wieder, Seite für Seite, und bin ehrfürchtig und gespannt auf all das, was noch kommen wird.

Fazit
Queen of Shadows beweist wieder einmal, warum ich ein großer Fan von Sarah J. Maas bin: Das Buch übertrifft seine Vorgänger in Komplexität, Charakteren und Emotionen. Auch Tage nach Beenden des Buches bin ich noch vollkommen begeistert und kann es kaum erwarten, zu Aelins Geschichte zurückzukehren.



Titel: Queen of Shadows
Taschenbuch: 672 Seiten
Verlag: Bloomsbury
Reihe: 4/6
Preis: 9,99€

Montag, 19. September 2016

[Rezension] Elanus - Ursula Poznanski

Inhalt
Jona ist hochintelligent. So intelligent, dass er mit siebzehn Jahren ein Stipendium erhält und ein Studium beginnt. Auch an seinem neuen Wohnort geht er seinem speziellen Hobby nach: Seine selbstgebaute Drohne einzusetzen und damit verschiedenen Leuten zu folgen. Doch dann geht alles schief - und plötzlich ist Jonas Leben bedroht...

Meine Meinung
Ich habe schon seit einer gefühlten Ewigkeit nichts mehr von Ursula Poznanski gelesen. Einen Krimi von ihr letztes Jahr. Aber Saeculum habe ich sage und schreibe in 2011 gelesen! (Ich weiß, ich erwähne in so ziemlich jedem Beitrag, wie lange xy her ist. Aber es ist Fakt. Ich stecke gedanklich noch in 2012 fest, verzeiht mir.)
Also, auf jeden Fall habe ich mich gefreut, mit Elanus endlich wieder zu einem Jugendbuch Poznanskis greifen zu können - gerade, da ich so gute Erinnerungen an vergangene hatte.
Doch schon nach den ersten paar Seiten stockte ich. Nicht wegen dem Schreibstil - auch wenn der manchmal etwas holprig ist, so schreibt Poznanski dennoch im Großen und Ganzen flüssig und ermöglicht dem Leser, einfach Kapitel um Kapitel zu lesen.
Ich hatte ein gewaltiges Problem mit Jona. Was auch zu erwarten war. Jona ist nämlich nicht der Typ Protagonist, der dem Leser ans Herz wächst. Er ist arrogant und überheblich - lässt keine Gelegenheit aus, um seinen Kommilitonen verbal eins auszuwischen, muss immer seine geistige Überlegenheit beweisen. Er ist sich dem auch bewusst, kann seine unfreundlichen Reaktionen oft aber nicht vermeiden. Hinzu kommt ja auch noch die Sache mit Elanus, seiner Drohne - welcher Siebzehnjährige baut schon so ein Teil, um es (illegal) herumfliegen zu lassen und damit Leuten nachzustellen?
Es ist in meinen Augen schlichtweg gewagt, so jemanden als Protagonisten zu wählen. Aber vielleicht hat auch gerade seine oft verquere Sichtweise das Buch spannend gemacht - ganz sicher bin ich mir da nicht. Ich verfluchte ihn nur, ehrlich gesagt, ziemlich oft.
Ebenfalls meine Probleme hatte ich mit einem Großteil der Nebencharaktere - sie wirken etwas... zweidimensional konstruiert. Die Art, wie sie sprechen und agieren, machte oft einen sehr gestellten und unnatürlichen Eindruck auf mich. Zum Beispiel Pascal - ein Junge im Nachbarhaus, der sich aus irgendeinem mir unerklärlichen Grund mit Jona anfreundet. Im Ernst: Jona ist komplett unfreundlich zu ihm, Pascal aber kehrt wieder und wieder zurück und wird völlig überdreht dargestellt.
Das hört sich jetzt alles ziemlich negativ an - dabei hatte ich definitiv meine guten Momente mit Elanus. Zuallererst muss ich einwenden, dass Jona sich verändert. Darauf habe ich gehofft, und das wurde auch gut eingebunden. Er ist am Ende des Buches bei weitem kein Heiliger, aber Stück für Stück änderte er sich - ganz subtil. Das hat mir sehr gut gefallen.
Außerdem hat Ursula Poznanski wieder einmal bewiesen, wie gut sie Fragen aufwerfen kann. Nach über der Hälfte des Buches kamen immer noch neue Fragen in meinem Kopf hinzu, und nur wenige wurden beantwortet. Leider habe ich einen größeren Plottwist vorhergesehen (ich bin normalerweise die Letzte, die irgendwas errät), aber abgesehen davon war die ganze Auflösung sehr zufriedenstellend, wenn auch das Ende noch etwas besser ausgestaltet hätte werden können.
Kommt Elanus an Erebos oder Saeculum ran? Auf keinen Fall, wenn man mich fragt. Aber man kann definitiv angenehme Lesestunden mit Jona und seiner Geschichte verbringen, auch wenn man keinen sympathischen Protagonisten erwarten sollte. Elanus ist auf jeden Fall speziell - von der Idee her bis hin zu den Charakteren. Und vielleicht besteht gerade darin der Reiz des Buches.

Fazit
Elanus punktet nicht gerade mit einem sympathischen Protagonisten, dafür aber mit einer originellen Idee und einer spannenden Spurensuche, bei der ständig neue Fragen aufgeworfen werden.


Titel: Elanus
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Loewe
Reihe: -
Preis: 14,95€
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Freitag, 16. September 2016

[Rezension] Wolf Moon River - Rainer M. Schröder

Inhalt
Patrick ist alles andere als begeistert, den neuen Freund seiner Mutter und seine Tochter Olivia kennenzulernen. Doch dann stürzt ihr Flugzeug mitten in der Wildnis ab - der Pilot ist tot, seine Mutter verletzt, und plötzlich müssen er und Olivia ums nackte Überleben kämpfen.
Zur gleichen Zeit kämpft sich Jack durch die Wildnis - er ist vor seinen "Freunden" geflohen, die ihn nach einer verhängnisvollen Nacht in einem Keller eingesperrt haben.

Meine Meinung
Klappentexte sind so eine Sache - manchmal liefern sie einen komplett falschen Eindruck von der Geschichte, dann sind sie viel zu kryptisch, und hin und wieder liefern sie auch viel zu viele Informationen.
Einen Klappentext wie den von Wolf Moon River habe ich selten erlebt. Hier könnt ihr den nachlesen, wenn ihr wollt. Aber ich würde es nicht machen - nicht, wenn ihr das Buch noch lesen wollt. Zu sagen, dass darin unglaublich viel verraten wird, wäre noch untertrieben. Da ich mich beim Bloggerportal für das Buch beworben habe, habe ich logischerweise den Klappentext zuvor gelesen (was ich sonst nicht so oft mache - ich weiß schon, wieso). Und er klang toll. Aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, WIE viel er verraten würde. Auch diese Inhaltsangabe, die ihr dort oben liest, greift schon relativ weit vor, aber das ist kaum anders möglich.
Am besten, ich fange von vorne an.
Aufgrund des Klappentextes ging ich stark davon aus, dass die Geschichte vordergründig von Patrick und Olivia handelt. Stattdessen bekam ich zuerst ein Kapitel aus Jacks Sicht zu lesen, dann auch zahlreiche aus Sicht seiner Verfolger, Scott und Frank. Ich war irritiert. Vor allem, weil die Storyline von Patrick und Olivia nicht richtig in die Gänge kam - zunehmend wuchs das Gefühl, dass ich plottechnisch auf der Stelle trete. Ich konnte nicht begreifen, weshalb das alles für mich wichtig sein sollte.
Jetzt, nachdem ich den Klappentext noch ein paar Mal gelesen habe, frage ich mich, ob das Problem eher beim Buch oder bei dieser kleinen Inhaltsangabe liegt. Aber auch das Buch hat gravierende Schwächen, über die ich einfach nicht hinwegsehen kann.
Die ganze Klappentext-Sache mal außer Acht gelassen, war schon allein der Schreibstil des Autors sehr störend. Zum Einen schreibt er sehr unpersönlich - wahrt immer eine Distanz zu den Charakteren und beschreibt ihre Gefühlslage eher, anstatt sie dem Leser aufzuzeigen und subtil näherzubringen. Dann allerdings neigt er zu unglaublichem Infodumping.
Ich habe keinen Zweifel, dass Rainer M. Schröder grandiose Recherche leistet. Beim Lesen von Wolf Moon River erhielt ich nur eine Andeutung auf das Wissen, das er vermutlich besitzt. Aber ist es wirklich nötig, dem Leser sämtliche Details über Kanufahren aufzuzeigen? Wieder und wieder die Beschaffenheit von einem Flugzeug zu erläutern, die die Geschichte nur bedingt voranbringt? Vor allem in solchen Längen, dass das Lesen wirklich, wirklich zur Qual wurde. 
Vielleicht will mir da jemand widersprechen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Aber ich bin der Typ Leser, der sich nicht mit Details wie der Marke des Motorbootes oder dessen PS aufhält.
Ich war also schon nach den ersten paar Kapiteln ungemein frustriert. Das Ganze wurde noch schlimmer, als Patrick und Olivia dann aufeinander trafen und sich kennenlernten.
Patrick ist... die Unfreundlichkeit in Person, so könnte man es zumindest sagen. Er ist nicht ganz sechzehn Jahre alt (Fun fact: Im Klappentext heißt es, er sei siebzehn) und verhält sich, als sei er zwölf. Und inmitten einer Trotzphase. Außerdem haut er Sätze raus, die... die, sorry, niemand so sagt. Um ein Beispiel zu nennen: "Ich bin nicht langsam, sondern im Energiespar-Modus." (Wolf Moon River, S. 42, Rainer M. Schröder, cbj) Charaktere dürfen gerne Sprüche raushauen und sarkastisch sein. Von mir aus können sie einfach von Grund auf unfreundlich sein, das macht sie zwar nicht sympathisch, aber na ja, solche Menschen gibt es eben. Aber ich habe noch nie im Leben jemanden getroffen, der Sätze herunterspult, die man auf irgendwelchen Facebook-Seiten findet. Und ja, das ist mehr als nur einmal vorgekommen. Und jedes Mal verfluchte ich Patrick nur noch mehr - anders kann ich es nicht ausdrücken.
Jack und seine "Freunde" sind kein Stückchen besser. Auch sie bleiben blass, ihre Hintergründe werden mehr heruntergebetet als dass sie realistisch wirken oder sie zu dreidimensionalen Charakteren machen.
Mein Highlight - wenn überhaupt - war Olivia. Auch sie wirkt nicht ganz... realistisch, doch bei ihr ist es Rainer M. Schröder zumindest gelungen, mich zu überraschen. Sie ist vermutlich auch die Einzige, mit der ich ansatzweise mitfühlen konnte.
Wobei - hier noch eine kurze Anmerkung. Da es gleich am Anfang der Geschichte passiert, ist es kein Spoiler, also: Ich dachte anfangs, Olivia würde an einer Essstörung leiden (es ist letztendlich etwas komplett anderes). Und zwar wegen dieser Äußerung: "Dabei hätte sie nur zu gern einen Becher heiße Schokolade genommen. Aber (...) sie [durfte] sich auf gar keinen Fall auch noch eine zweite Kalorienbombe leisten." (Wolf Moon River, S. 28, Rainer M. Schröder, cbj) Das ist, ganz abgesehen von Olivia als Charakter, eine sehr bedenkliche Äußerung, bei der ich unglaublich stutzig geworden bin und die - zumindest meiner Meinung nach - auch gut und gerne auf manche triggernd wirken kann.
Ein weiterer Aspekt, der mich sehr gestört hat, war die Überschneidung von manchen Kapiteln - dabei beziehe ich mich auf die Kapitel über Jack und seine Verfolger. Es wurde ein Teil aus Jacks Perspektive erzählt, und dann genau derselbe Teil noch einmal aus Scotts bzw. Franks Perspektive. Und das geht gar nicht. Ein kleines bisschen imaginativer Freiheit muss dem Leser wirklich noch bleiben.
Eines muss ich dem Autor lassen: In der Hinsicht wird das Buch besser, und hin und wieder gibt es sogar kleine Zeitsprünge. Zumindest gehen die Überschneidungen weg, spätestens dann, als wir endlich inhaltlich bei dem Klappentext ankommen.
Vielleicht hat Rainer M. Schröder einfach der Plot gefehlt? Im Nachhinein beschleicht mich zumindest das Gefühl. Denn bis zu dem Absturz (und dem Zusammentreffen beider Parteien, das erst kurz vor Ende des Buches passiert!) passiert schlicht und ergreifend wenig. Oder zumindest nichts, das man nicht auch in der Hälfte oder einem Viertel der Kapitel zusammenfassen könnte.
Das Ende, beziehungsweise der Showdown, ist okay, zumindest im Vergleich zum Rest des Buches. Es gibt ein paar Augenblicke, die mich überrascht haben, auch wenn diverse Erklärungen/Auflösungen schlichtweg dürftig sind. Der Epilog kam dann schon wieder zu plötzlich für mich, und gerade Olivia und Patrick handeln darin out of character, wenn man mich fragt.
Tja, das ist jetzt verdammt lang geworden. Wenn ihr alles gelesen habt, meinen Respekt! Wenn nicht, ich kann es euch nicht übel nehmen. Wolf Moon River ist für mich ein kompletter Reinfall gewesen. Ich respektiere das Wissen des Autors, denn man erkennt, dass er gute Vorarbeit geleistet hat - nur die Umsetzung ist nicht gelungen. Wenn ihr an Wolf Moon River interessiert seid, lest in die Leseprobe rein. Oder leiht es euch aus. Aber letztendlich ist es ein Buch, das man wirklich nicht lesen braucht.

Fazit
Wolf Moon River hat mir leider gar nicht gefallen. Der Plot war die Länge gezogen, die Charaktere wirkten auf mich unrealistisch und auch mit dem Schreibstil des Autors hatte ich meine Probleme. Meiner Meinung nach auf keiner Ebene empfehlenswert.


Vielen Dank an cbj für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Wolf Moon River
Hardcover: 384 Seiten
Verlag: cbj
Reihe: -
Preis: 16,99€

Mittwoch, 14. September 2016

Leselaunen #6

Auch diesen Mittwoch mache ich wieder bei der Aktion mit, die bis Oktober von Sanne von Papierplanet vertreten wird.

Aktuelles Buch?
Dream von Lisa McMann, der zweite Teil einer Trilogie rund um ein Mädchen, das in die Träume anderer Menschen (weniger freiwillig) reingerät und nach und nach lernt, die Kontrolle über die Fähigkeit zu erlangen. Ich habe den ersten Band, Wake, vor... fünf Jahren gelesen und war hin und weg. Vor allem hatte ich mir fest vorgenommen, mir die anderen Teile so bald wie möglich zuzulegen. Tja, das ist nie passiert, aber mich hat es immer geärgert, nicht zu wissen, wie die Bücher ausgehen.
Glücklicherweise sind die Bücher jeweils keine dreihundert Seiten lang und super leicht zu lesen und ReBuy meinte es gut mit mir, und ich konnte sie für zwei Euro pro Stück im besten Zustand kaufen. ... das war jetzt eine total überflüssige Information. :D
Auf jeden Fall habe ich den ersten Band noch mal gelesen, und auch wenn er längst nicht so gut ist, wie ich ihn in Erinnerung hatte, (oder sagen wir's so: auch wenn mein zwölfjähriges Ich ihn wesentlich lieber mochte) so kann man die Bücher dennoch gut lesen - und vor allem kann ich endlich herausfinden, wie Janies Geschichte ausgeht.

Aktuelle Lesestimmung
Immer noch ziemlich gut! Sie hatte zwar einen kleinen Dämpfer, aber das Buch, das mich etwas heruntergezogen hat (Wolf Moon River - Rezension folgt), habe ich gestern beendet. Davor habe ich schon ordentlich Bücher für diesen Monat gelesen, und auch jetzt geht es gut weiter. Bin gespannt, wie viel ich in den nächsten zwei Wochen noch schaffe, bevor dann der Umzug ansteht.

Zitat der Woche
“The human soul is the opposite of chaos, of nothingness. The soul is everything.” 
(Holly Black & Cassandra Clare, Magsterium: The Bronze Key)

Und sonst so?
Um kurz ein paar Gedankengänge aus den letzten Leselaunen aufzunehmen: Ich habe mittlerweile einen Platz im Wohnheim, yay! Jetzt muss ich nur noch die Ersti-Woche meistern, die nächsten Monat ansteht, und irgendwann/-wie meinen Stundenplan erstellen. ;)
Ansonsten war in letzter Zeit ja viel auf dem Blog los. Ich freue mich immer noch ungemein über die neue Domain und dass alles verhältnismäßig gut geklappt hat. <3 Selbst das Drop-Down-Menü habe ich irgendwie gemeistert gekriegt, und die Posts unterliegen jetzt auch einer neuen Ordnung. Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch, aber das Wichtigste steht, der Blog lebt noch und erstrahlt im neuen Glanz. :D
Schreibtechnisch arbeite ich an einem neuen alten Projekt. Also, ein Herzensprojekt, das ich vor geraumer Zeit geschrieben habe und bei dem mir besonders die Charaktere ans Herz gewachsen sind. Da die Geschichte storytechnisch etwas wacklig war, habe ich mir einfach die Charaktere geklaut und versucht, das Ganze umzuformen und besser zu machen. Auf jeden Fall fühlt es sich gut an, nach den ganzen Überarbeitungsvorgängen der letzten Monate endlich mal wieder nur zu schreiben. (Auch wenn mir der diesjährige NaNoWriMo bereits im Hinterkopf herumspukt... mal schauen.)

Montag, 12. September 2016

[Rezension] Illuminae - Amie Kaufman, Jay Kristoff

Inhalt
2575. Als ihr Planet angegriffen wird, wirkt die Trennung von Ezra und Kady harmlos dagegen. Was danach folgt, ist eine Flucht - und ein Krieg inmitten des Weltalls. Nicht zu vergessen, dass die beiden Liebenden auf zwei verschiedenen Schiffen untergebracht sind... und auf einem dieser Schiffe eine Seuche ausbricht. Schon bald kämpfen sie nur noch ums nackte Überleben.

Meine Meinung
Ich bin bestimmt ein halbes Jahr lang um Illuminae herumgeschlichen. Keine Ahnung, warum. Vermutlich eine Mischung aus Geiz und Unsicherheit, ob mir das Thema beziehungsweise das Genre zusagen würde. Als ich das Buch für unglaubliche zehn Euro (ich frage mich immer noch, wo der Haken ist) entdeckte, betrachtete ich das als einen Wink des Schicksals. Und mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass ich einfach ein Problem mit Science-Fiction habe. Ich rede mir immer ein, dass ich das Genre nicht mag, aber langsam glaube ich, dass ich das Genre sogar sehr, sehr gerne mag und einfach immer gewaltigen Respekt vor solchen Büchern habe. Weil Verständnis(probleme), ihr wisst schon.
Deshalb war ich nicht gerade sehr begeistert, als ich Illuminae aufschlug und nur Bahnhof verstand. Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben. Aber plötzlich begegnete man mir mit unzähligen Dokumenten, Namen, Raumschiffen... lauter Dingen, an die ich mich erinnern sollte und die ich teilweise nicht einordnen konnte. Statt die Erzählart zu genießen, versuchte ich, die einzelnen Fragmente irgendwie einzuordnen, was mir nicht immer gelang.
Sagen wir es so: Ich hatte das Gefühl, sehr langsam voranzukommen (wie ihr hier nachlesen könnt). Und das bei dem Buchformat. Mir fehlte komplett die Orientierung, die der Erzähler normalerweise bietet. Eine Einordnung, wo genau man sich aufhält und wie die Welt aussieht und wie man sich das alles vorstellen muss. Und das war sehr frustrierend - ich war schon so weit, mein Englisch anzuzweifeln. Dabei ist Illuminae sicher nicht mehr oder weniger kompliziert verfasst als andere Bücher aus dem Genre.
Aber ich wollte es unbedingt verstehen. Wollte begreifen, warum Illuminae so gehypt wird.
Und langsam, ganz langsam wurde es besser. Ich konnte die Raumschiffe auseinander halten und mich mehr auf die Geschichte und die Charaktere als nur auf das reine Verständnis konzentrieren.
Kady und Ezra sind nämlich tolle Protagonisten, wenn auch nicht im traditionellen Sinne. Dadurch, dass Illuminae so fragmentiert gestaltet ist, bekommt man sie nicht im eigentümlichen Sinne mit. Es ist mehr, als würde man eine Show, einen Bericht über sie anschauen, und das ist etwas, an das ich mich erst einmal gewöhnen musste. Letztendlich habe ich sie beide ins Herz geschlossen - Ezra sogar ein bisschen mehr als Kady. Bei ihm fand ich besonders spannend, wie er mit Kady und ihrer Beziehung umgegangen ist. Generell kam die Darstellung der beiden sehr realistisch rüber und hat mir unglaublich gut gefallen.
Mein Highlight des Buches war allerdings AIDAN. AIDAN ist (schlagt mich, wenn ich das jetzt falsch erkläre) eine künstliche Intelligenz. Quasi das Gehirn eines der Raumschiffe. Und es beginnt, auf eigene Faust zu handeln - auf Kosten von Menschenleben. Ein Großteil Illuminaes ist aus AIDANs Sicht geschrieben, und das ist mir natürlich einerseits noch nie untergekommen, andererseits fand ich es so unglaublich faszinierend. Ich war gefangen zwischen Begeisterung und Schock, und dann dachte ich wieder darüber nach, ob so tatsächlich eine mögliche Zukunft aussehen könnte. Das war vermutlich auch so ziemlich der Aspekt, der mich letztendlich überzeugt hat. Hier haben Kaufman und Kristoff grandiose Arbeit geleistet!

Ich will die Aufmachung natürlich nicht außen vor lassen. Das Buch ist ein Hingucker. Es ist ein Individuum. Es gibt zahlreiche Bücher mit Chatverläufen, Dokumenten, Notizen - aber keines, das Illuminae auch nur ansatzweise gestaltungstechnisch das Wasser reichen kann. Ich mochte es, aber ich bin nicht so weit zu sagen, dass ich es liebte. Es war eine grandiose und einzigartige Erfahrung, so viel ist klar... aber gleichzeitig ist es mein Kernproblem.
Ich glaube nämlich, dass Illuminaes Charm darin liegt, dass es inhaltliche Schwächen - damit meine ich vor allem den langsamen und stockenden Anfang - hinter der schönen Aufmachung versteckt. Und in diesem Fall hat mich der Rest des Buches nicht so unglaublich umgeworfen, dass ich darüber hinwegsehen könnte.
Das soll nicht heißen, dass ich dieses Buch nicht weiterempfehle - die Story hat mich definitiv gepackt, und gerade das Ende macht doch neugierig darauf, wie dieser spezielle Krieg verlaufen wird. Der Folgeband Gemina wird im Oktober erscheinen, und der wird definitiv bei mir einziehen. 

Fazit
Illuminae und ich hatten gewaltige Anfangsschwierigkeiten, was vor allem an dem sehr plötzlichen Einstieg lag und der Tatsache, dass ich den Schauplatz und die ganzen Namen nicht wirklich einordnen konnte. Danach jedoch stand meinem Lesevergnügen nichts mehr im Wege, und gerade die originelle Idee gefiel mir. Empfehlung!


Titel: Illuminae
Hardcover: 599 Seiten
Verlag: Knopf Books for Young Readers
Reihe: 1/3
Preis: ca. 9,99€
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