Freitag, 28. April 2017

"Das Buch ist problematisch, aber..."

Das ist jetzt schon der härteste Beitrag, den ich jemals geschrieben habe. Vermutlich ist es auch der ehrlichste.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werdet ihr mehr oder weniger intensiv von den Diskussionen Wind bekommen haben, die derzeit in (Buch)Bloggerkreisen stattfinden. Von unglaublich wichtigen Diskussionen. Gerade Paper Princess stieß eine regelrechte Kaskade an Beiträgen los. Ein Buch, das für Jugendliche vermarktet wird und von vielen in den Himmel gelobt wird — trotz gewaltverherrlichender Inhalte. Trotz einer minderjährigen Protagonistin, die sich prostituiert. Trotz vieler, vieler anderer Probleme.

Während die Diskussion größer und größer wurde, kam mir immer öfter der Gedanke: Wie kann man so ein Buch lesen und nicht die Problematik erkennen? Dann sah ich letztens eine Frau in der Buchhandlung, die nach dem dritten Teil ebendieser Reihe fragte. Und zwei Mädchen, die vor dem Regal voller pseudo-erotischen, frauenfeindlichen Romane standen und sich über diverse Titel unterhielten. Da wurde das Ganze plötzlich um einiges realer. Diese abstrusen Rezensionen waren auf einmal nicht mehr so abstrakt. Ich hatte das Bedürfnis, die Leute zu schütteln. Zu rufen: Wie könnt ihr so etwas immer noch in Buchhandlungen ausstellen? Wie kann so etwas überhaupt durchs Lektorat kommen?

Ich sagte mir, dass ich besser sei. Dass ich niemals so ein Buch in den Himmel loben würde, und erst recht nicht würde ich die Inhalte unter den Tisch kehren. In den letzten Monaten bin ich schließlich aufgewacht. Ich habe endlich begriffen, warum Diversität so wichtig ist, und vor allem angefangen, Bücher zu lesen, die nicht nur heterosexuelle Beziehungen mit weißen, überdurchschnittlich attraktiven Figuren in den Vordergrund stellen. Ich habe angefangen, das, was ich lese, zu hinterfragen: Ist das eine gesunde Beziehung? Warum ist es problematisch, wenn Daemon Katy als "dumme Nuss" bezeichnet? Und warum sind eigentlich alle weißer als Mayonnaise? Ich fühlte mich, als wäre ich vom Weg abgekommen und hätte jetzt eine Erleuchtung gehabt.

Dabei habe ich selbst damals Obsidian in den Himmel gelobt, was in Retrospektive ebenso problematisch ist. Aber das war 2014, sagte ich mir. Jetzt weißt du es besser. Du bist damals genauso manipuliert worden wie alle anderen Teenager. Die meisten Bücher haben ihren Reiz verloren, sobald ich im Klappentext nur lese, dass ein mysteriöser Typ auf den Plan tritt. Alles, was mit New Adult betitelt wird, beäuge ich skeptisch. Ich lese Beiträge, die ausführen, warum der neue Film mit Scarlet Johansson rassistisch ist.

Aber dabei ignoriere ich die Bücher einer ganz bestimmten Autorin. Die ich auch hier auf dem Blog in den Himmel gelobt habe. Die ich auf verschiedenen Social Media-Kanälen angepriesen habe. Deren Bücher für mich fast eine Art Bibel waren. Und ich realisiere, dass ich mich die ganze Zeit selbst belogen habe. Dass ich mich für besser hielt. Aber am Ende des Tages war ich auch eine derjenigen, die vor problematischen Inhalten die Augen verschlossen hat. Die dachte: Ach, das ist doch nur Gelaber. Die haben sich eben auf die Autorin eingeschossen. Oder, auch ein Klassiker: Das ist Fantasy.

Vermutlich könnt ihr euch mittlerweile denken, um wen es hier geht. Vielleicht habt ihr sogar mitgekriegt, auf was genau ich anspiele. Richtig: Es ist Sarah J. Maas. Ich habe sämtliche ihrer Bücher, die bis dato erschienen sind, gelesen und rezensiert. Ich habe sie geliebt. Ich weiß nicht, ob ich sie immer noch liebe.

Wisst ihr, wenn man zumindest ein wenig in einem Fandom unterwegs ist, dann kriegt man eben auch Wind von "Hatern". Man entdeckt bei anderen Bloggern negative Rezensionen und will das so gar nicht wahrhaben. Das Buch irgendwie verteidigen. Man sucht nach Gründen, weswegen die Rezensenten unrecht haben. Denn schließlich ist ja jede Meinung berechtigt, genau?

Nein.

Schon allein, weil man die Inhalte von Paper Princess auch nicht objektiv gut finden kann. Oder Den Mund voll ungesagter Dinge oder Trinity oder wie sie alle heißen.

Aber ich kann doch die problematischen Inhalte eines Buches sehen, darauf aufmerksam machen und das Buch trotzdem lieben, oder?

Kann ich das? Ich habe mir die Frage schon vor Monaten gestellt. Damals habe ich sie mit ja, klar beantwortet. Natürlich kann ich das. Heute sehe ich das nicht mehr so. Heute weiß ich gar nicht mehr, was ich sagen soll.

Ich wollte zuerst argumentieren, dass in der Throne of Glass-Reihe das Problem ja "nur" darin besteht, dass die Charaktere zu 99% weiß sind und heterosexuelle Beziehungen führen und allein schon, dass jeder unbedingt einen sexy Fae-Partner haben muss. Aber wer bin ich, zu sagen, dass Rassismus weniger problematisch ist als Ellas Prostitution in Paper Princess? Eben. Da gibt es kein Abwägen. Es ist beides verdammt noch mal ein Problem. Es ist sogar ein Problem, über das gesprochen wird. Aber die Fans — und da nehme ich mich nicht aus! — verschließen davor die Augen. Geht ja um die Lieblingsbücher. Kann gar nicht sein, dass die problematisch sind. Ist alles nur Fiktion! Die Leute motzen doch bloß, weil [hier absolut nicht legitimen Grund einfügen].

Oder A Court of Thorns and Roses. (Leichte Spoiler für den ersten Band folgen.) Ich habe das Buch zum ersten Mal vor etwas über einem Jahr gelesen. Damals kam es mir schon komisch vor, dass die Fae auf dem Fest ihren Trieben nachgehen müssen. Dass Tamlin sich fast auf Feyre stürzt. Aber ich hab's auf mein Alter geschoben. Habe nicht weiter darüber nachgedacht. Aber das hat nichts mit dem Alter zu tun. Höchstens damit, dass zu wenig darüber gesprochen wird, dass Männer sich nicht wie liebesgeile Tiere auf Frauen stürzen und sich dabei einen Sch*** um die Zustimmung der Frau kümmern sollten. Jetzt lese ich das Buch zum zweiten Mal. Schließlich kommt nächste Woche der letzte Band der Trilogie raus. Aber zum ersten Mal in meinem Leben lese ich ein Maas-Buch und es schüttelt mich einfach. Das Weiterlesen ist fast schon schmerzhaft.

Das war der fast-Auslöser für diesen Beitrag. Den letzten Anstoß hat mir dann folgendes gegeben:
Wisst ihr, als allererstes hat mein Kopf wieder nach Ausreden gesucht. Ich würde abwarten, bis A Court of Wings and Ruin draußen ist und mir dann selbst ein Bild machen. Die beiden Charaktere in dem Ausschnitt sind Zwillinge. Und so weiter und so fort. Dieses Rechtfertigungs-Denken ist so tief in mir drinnen, dass es zum Reflex geworden ist. Es erschreckte mich selbst. Es führte dazu, dass ich vor meinem Laptop saß und dutzende Diskussionen zu dieser Leseprobe durchlas, neben mir wohlgemerkt das Exemplar von A Court of Thorns and Roses. Und ich überlegte, wie ich es rechtfertigen würde, wenn ich mir A Court of Wings and Ruin zulegen würde. Was, wenn ich es mögen würde? Was, wenn ich es nicht mögen würde? Wie sollte ich das rezensieren?

Wie sollte ich das rezensieren und dabei noch länger ignorieren, dass die Frau, die ich als Lieblingsautorin beschrien habe, verdammt üble Dinge in ihren Büchern stehen hat? Wie sollte ich das rezensieren und über diese Dinge reden, ich, die das alles sonst gefeiert hat? Macht mich das zu einem schlechten Fan?

Aber bin ich überhaupt noch ein Fan? Vor allem, was habe ich getan? Schließlich habe ich diese Bücher empfohlen. Es gibt genug Leute in meinem Umfeld, die die Throne of Glass-Reihe oder die ACOTAR-Bücher wegen mir zur Hand genommen habe. Und irgendwie fühle ich mich, als hätte ich versagt. Ich fühle mich elend, und das zurecht. Denn auch ich habe eine Vorbildfunktion, jedes verdammte Mal, wenn ich hier auf Veröffentlichen drücke.

Ich weiß nicht mehr, was ich mit dem Beitrag sagen wollte. Ich weiß nur, dass ich es sagen musste, weil ich es nicht länger nicht sagen konnte. Weil ich auch weiß, dass es unter euch viele Maas-Fans gibt, und es tut mir leid, aber irgendwie können wir das Ganze nicht mehr totschweigen. Nein, es tut mir nicht leid. Es tut mir nur leid, dass ich ebenfalls nicht besser war. Dass ich ebenfalls zu den "Das Buch ist problematisch, aber..."-Sagern gehöre. Gehörte? Ich hoffe, gehörte.

Ich weiß nicht, ob ich A Court of Wings and Ruin kaufen werde. Ich denke, dass ich die Throne of Glass-Reihe beenden werde, wenn es so weit ist. Macht mich das zu einem schlechteren Menschen? Das weiß ich nicht. Aber ich kann mit Sicherheit eines sagen: Ich werde nicht mehr die Klappe halten, wenn ich es komisch finde, dass jetzt jeder Charakter ein Loveinterest hat. Ich werde nicht mehr still sein. Denn der Status "Lieblings"-irgendwas schützt kein Buch, keinen Autor vor seinen Fehlern. Niemals.



Weitere Links:

Über Paper Princess' Problematik: Paper Princess, ein Exempel; Oder: Was zur Hölle ist los mit euch?! ಠ_ಠ von Bücher verschlingen.

Eine Rezension zu Den Mund voll ungesagter Dinge und warum das Buch ein schlechtes Vorbild für Heranwachsende ist.

Über A Court of Thorns and Roses von Bücher verschlingen: "Eine Neuerzählung von Die Schöne und das Biest, mit rapey biest-Biest und seinen Vergewaltiger-Freunden."

Auch sehr lesenswert: die Rezension zu ACOTAR von Mareike.

Eine exzellente Link-Sammlung von Artikeln rund um das Frauenbild in Büchern (erneut von Bücher verschlingen): Paper Princess, ein Exempel; oder: Es hat begonnen.

Ein Video von whittynovels über schädliche Beziehungen in Young Adult.

Und zuletzt noch der Blog Writing with Color, an dem einfach alles grandios ist — nicht zuletzt, weil er über all die PoC-Tropes spricht, die viel zu viele von uns viel zu lange hingenommen haben.

(Wer mehr Beiträge hat, nur her damit: Ich würde euch gerne verlinken.)

Mittwoch, 26. April 2017

[Rezension] The Crown's Game - Evelyn Skye


Inhalt
Vika ist ein Enchanter — eine mächtige Magierin, deren Kräfte eines Tages dem Zar dienen sollen. Ihr ganzes Leben lang wurde sie von ihrem Vater auf die Rolle vorbereitet.
Doch da ist auch noch Nikolai, der ebenfalls seit Jahren trainiert wurde. Ein zweiter Enchanter, was die beiden in eine Konstellation bringt, die höchstens alle paar hundert Jahre vorkommt. Denn wenn es zwei von ihnen gleichzeitig gibt, bleibt nur eine Option: The Crown's Game, ein Wettbewerb auf Leben und Tod.

Meine Meinung
The Crown's Game war zu hundert Prozent ein Impulskauf. Ich hatte von dem Buch schon eine Weile gehört, und schließlich war es eine Rezension, die mir den letzten Stoß gab. Ein paar Tage später hielt ich es in den Händen; ein paar weitere Tage später schlug ich es zu und war mir nicht ganz sicher, was ich da gerade gelesen habe. Grundsätzlich ist The Crown's Game ein Buch, das mit den Erwartungen des Lesers spielt und dann doch einen ganz anderen Weg einschlägt.
Darüber hinaus ist es ein Werk, das vorrangig von den Charakteren lebt und weniger von actionreichen Szenen. Da sind natürlich Vika und Nikolai, die beiden Enchanter, aber auch Pasha, der Zarewitsch, Nikolas bester Freund und zuletzt der Sohn des Zars, des Mannes, der das Spiel erst initiiert hat.
Vika war meine absolute Favoritin des Trios. Zu ihr habe ich nicht nur die größte Verbundenheit gespürt, sondern sie hat mich schlichtweg mit ihrer Art beeindruckt — sie ist unglaublich willensstark und liebt ihren Vater über alles; gleichzeitig kämpft sie mit sich selbst, fragt sich, ob sie Nikolai einfach kaltblütig töten kann, um den Wettkampf zu gewinnen.
Nikolai mochte ich zumindest anfangs weniger — vermutlich, weil ich manchmal das Gefühl hatte, keinen richtigen Draht zu ihm zu finden. Dennoch war es spannend zu sehen, wo die Schwerpunkte seiner Fähigkeit im Gegensatz zu Vikas liegen. Außerdem ist er einer dieser Charaktere, die man erst im Nachhinein richtig zu schätzen weiß; wie zum Beispiel seine Selbstlosigkeit, die er hinter seinen Taten versteckt.
Ein wenig an Rhy aus A Darker Shade of Magic erinnert hat mich Pasha: Ein Thronfolger, der noch nicht wirklich bereit ist, die Bürden des Königsreichs auf den eigenen Schultern zu tragen — und es dennoch viel zu früh tun muss. Allein dafür habe ich ihn ins Herz geschlossen; er ist einfach ein unglaublich lebensfroher Charakter, immerzu optimistisch (anfangs sogar noch etwas naiv) und einfach so... weltoffen. Er macht, ohne zu viel zu verraten, meiner Meinung nach auch die spannendste Entwicklung durch. Leider geht sie etwas zu schnell vonstatten, was besonders im Kontrast zu dem gemächlicheren Tempo des Buches mich etwas aus der Bahn warf. Aber das ist eine Kleinigkeit; bei The Crown's Game ist jede Kritik auf hohem Niveau.
Evelyn Skye hat den Wettkampf zwischen Nikolai und Vika grundsätzlich ganz anders gestaltet, als ich erwartet habe; ich dachte eher an Kämpfe auf Leben und Tod wie bei The Hunger Games oder Throne of Glass. Stattdessen entwickelte sich der Wettbewerb eher wie ein Schachspiel; ein Enchanter macht seinen Zug, dann kommt der nächste... bei den einzelnen Runden nahm sich Skye ausreichend Zeit, um die Magie darzustellen und sie vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen.
Ich muss sowieso anmerken, dass sowohl der Weltenbau als auch die Ausgestaltung der Magie vollkommen gelungen ist. The Crown's Game spielt in Russland, und aus dem Nachwort der Autorin lässt sich schließen, dass sie sich tatsächlich an einen großen Teil der historischen Gegebenheiten gehalten hat. Durch ihr Studium wurde ihr bereits die meiste Recherche abgenommen, was ich besonders spannend finde. Ich kann nicht für eine korrekte Darstellung sprechen, aber zumindest so viel sagen: Vikas Russland ist vor meinen Augen zum Leben erwacht.
Mein Highlight dieses Weltenbaus: Dass Magie fast schon wie eine Religion behandelt wird. Entweder man glaubt daran — oder tut es nicht. Die Leute, die nicht daran glauben, erfinden unglaublich faszinierende/schräge Ausreden für bestimmte Phänomene. Das war einfach ein i-Tüpfelchen, das mich immer wieder zum Schmunzeln brachte.
Obwohl das Tempo der Geschichte zur Mitte hin etwas langsamer wird, nahm das Ende nur umso mehr Fahrt auf und ließ mich vollkommen schockiert zurück. Zwei gute Nachrichten: The Crown's Game ist der Auftakt einer Dilogie. Der zweite Teil erscheint im Mai. Mehr will man als Leser doch nicht hören, oder?
Es war wirklich ein fantastisches Debüt. Eines, dem man anmerkt, wie viel Arbeit hineingeflossen ist.  Es gibt nur kleinere Schwächen: Manchmal bewegt sich die Geschichte einfach zu langsam. Hin und wieder fehlte mir ein wenig der Draht zu den Charakteren. Aber abgesehen davon hat mich das Russland der Charaktere mit offenen Armen empfangen — und ich bin unglaublich gespannt, zu welchem Ende Vikas, Nikolais und Pashas Geschichte gelangen wird.

Fazit
The Crown's Game ist ein unglaublich gutes Debüt, das mit faszinierenden Charakteren, einem grandiosen und bildhaften Weltenbau und seiner ganz besonderen Magie beeindruckt. Für all die, die Geschichten lieben, die von ihren Charakteren und einem prächtigen Weltenbau leben — und erst recht etwas für Fans von Leigh Bardugos Grischa-Werken.


The Crown's Game ⚬ Taschenbuch: 416 Seiten ⚬ Balzer + Bray ⚬ Band 1/2 ⚬ ca. 9,99€ ⚬ Kaufen?

Samstag, 22. April 2017

8 Anzeichen, dass dein Schreibleben langsam überhand nimmt


Ich habe auf dem Blog schon ein paar Mal über das Schreiben geredet. Vor ein paar Tagen habe ich mein elftes Manuskript beendet und plane jetzt gerade das nächste Projekt. Das läuft aktuell etwas zäh, aber immerhin gab es mir die Idee für den Beitrag. Ich wette, dass es unter euch auch den ein oder anderen Hobbyschreiber/Autor gibt. Für all die anderen: Nächste Woche kommt wieder eine Rezension.

Lange Rede, kurzer Sinn — auf geht's. 8 Anzeichen, dass dein Schreibleben langsam überhand nimmt.

1. Du bist überall, aber nicht hier
Eigentlich sitze ich mit meiner Mutter beim Essen. Aber irgendwann schweift mein Blick ab und ich schaue eigentlich nirgendwo mehr hin, weil ich in Gedanken bei meinem Plot bin. Ich wollte ja schon längst damit fertig sein. Aber da sind immer noch die zwei Lücken, die ich geflissentlich ignoriere. Und für die fünfundzwanzig Nebencharaktere brauche ich noch Namen. Mit total cooler Bedeutung, die außer mir niemals jemand verstehen wird.
Mama wiederholt ihre Frage ein zweites Mal. Vielleicht kriegt sie dieses Mal sogar eine Antwort.

2. Deine Aufmerksamkeit erreicht einen Tiefpunkt
Nicht, weil ich nicht aufmerksam sein will. Aber Spotify spielt auf einmal das Lied, das mich total an meine Protagonisten erinnert. Plötzlich muss ich mit den Tränen kämpfen, weil ich fast schon stolz auf das super dramatische Ende bin, das ich geplant habe.

3. Pinterest ist nicht länger dein bester Freund
Es ist so viel mehr als das: Ich könnte schließlich neue Bilder finden, die perfekt die Atmosphäre meines Projekts einfangen. Oh, ein Model, das genau wie meine Protagonistin aussieht? Ein Spruch, der die Einstellung meines Nebencharakters wiedergibt?
Ganz im Ernst: Ich habe mich schon mehrmals auf eine stundenlange Suche begeben, um die Namen von verschiedenen Models herauszufinden. Ich folge zweien auf Instagram, die tatsächlich genau so aussehen, wie ich mir die Charaktere vorgestellt habe. Schäme ich mich? Ein wenig. Aber man tut, was man tun muss.

4. Du verlässt öfter denn je das Haus
Normalerweise zähle ich mich eher zu den Eremiten unter den Schreiberlingen. Aber seitdem ich mir vorgenommen habe, diese Geschichte wirklich zu plotten und daraus resultierend ein Problem nach dem anderen auf mich wartet, habe ich das Spazierengehen für mich entdeckt. Jetzt laufe ich wie eine Blöde durch die Gegend und spreche in mein Handy, wenn mir endlich eine Lösung einfällt*.

* Mit jeder Lösung kommen mindestens fünf neue Probleme.

5. Und nachdem du einen Überschuss an frischer Luft hast, verlässt du dein Bett nicht mehr
Vorteil: Ich verhalte mich nicht mehr auffällig in der Öffentlichkeit.
Nachteil: Ich kann nicht einmal normal im Bett liegen. Stattdessen habe ich die Fötus-Haltung bezogen und frage mich, wie ich jemals glauben konnte, dass die Geschichte funktionieren würde.

6. Du weißt nicht, was höher ist: Dein Koffein- oder Zuckerkonsum?
Aber wem will ich hier was erzählen.
(Außerdem gibt es nur eine richtige Antwort darauf: Beides.)

7. Wenn dir ein neuer Logikfehler auffällt, hast du eine Sinnkrise
Oder du bist wie ich: Nachdem ich den ganzen Plot fünfmal umgeworfen habe, kann mich nichts mehr schocken. Ich bin schon betäubt.

8. Aber du freust dich auch wie ein kleines Kind, wenn etwas tatsächlich funktioniert
Wenn es richtig klick macht. Wenn all die Zahnrädchen, die ich vorher so sorgfältig konstruiert habe, ineinander greifen. Dann weiß ich wieder, warum ich all das mache: Weil ich es liebe.

Im Ernst: In wie vielen Anzeichen habt ihr euch wiedererkannt? Fallen euch noch mehr ein? Und —wie gefallen euch solche Beiträge?
In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Samstag, und viel Erfolg mit euren Projekten. Schokolade mag nicht gegen existenzbedrohende Schreibkrisen helfen, aber Salat tut das ja auch nicht.