Freitag, 30. September 2016

[Rückblick] Lesemonat September 2016

Erinnert ihr euch noch, was ich in meinem August-Post gesagt habe? Kurzgefasst: Ich war sehr überrascht, neun Bücher gelesen zu haben, und konnte mir das Ganze nicht so genau erklären.
Tja, diesen Monat habe ich elf Bücher gelesen. Ich kann mir das Ganze immer noch nicht erklären, aber ich nehme das jetzt so hin und freue mich einfach. Diesen Monat waren auch einige Re-Reads mit dabei, was mich besonders glücklich macht - ich will in Zukunft öfters (wenn es die Zeit zulässt) Bücher ein zweites, ein drittes Mal lesen.
Bevor ich mich komplett in irgendwelchen Schwärmereien verliere, hier der Überblick:


Hat mir, ehrlich gesagt, noch besser gefallen als beim ersten Mal. Ich habe im Nachhinein einfach das Gefühl, die ganzen kleineren Hinweise und Andeutungen viel besser verstehen zu können.



Von der allgemeinen Struktur her ein "typischer" Poznanski, allerdings mit kleineren Schwächen.

5) Magisterium: The Bronze Key - Holly Black & Cassandra Clare (5/5)
Wenn ich mir vorher noch nicht sicher war, dass die Reihe lesenswert ist, dann bin ich es spätestens jetzt. Ein überraschend grandioser dritter Band! Rezension folgt.

Mein Flop diesen Monat. Zu auslandende Beschreibungen und eindimensionale Charaktere.

7) Dream: Ich weiß, was du letzte Nacht geträumt hast - Lisa McMann (4/5)
Die Reihe habe ich vor Ewigkeiten angefangen und nie zu Ende gelesen - der zweite Teil gefällt mir im Nachhinein besser als der erste. Gerade das Ende war sehr überraschend.

Im Ernst jetzt, brauche ich da noch irgendetwas dazu sagen? :D Meine euphorische Rezension sagt wohl alles. 

9) Sleep: Ich weiß, was du letzte Nacht geträumt hast - Lisa McMann (2/5)
Tja, nach einem guten zweiten Teil war der letzte Band der Trilogie im Großen und Ganzen ein Flop mit einem sehr unbefriedigenden Ende. Kann man lesen - braucht man aber nicht.

10) Empire of Storms - Sarah J. Maas (5/5)
Der fünfte Band hat mich genauso wie seine Vorgänger überzeugt, aber mich überraschend viel nachdenken und reflektieren lassen. Rezension folgt.

11) Six of Crows - Leigh Bardugo Re-Read
Obwohl ich Six of Crows erstmalig vor drei Monaten gelesen habe, musste anlässlich Crooked Kingdom ein Re-Read her. Ich bin immer noch ganz verliebt in die Charaktere und könnte das Buch problemlos noch fünfmal lesen.

Das macht insgesamt 4867 Seiten, also ungefähr 167 pro Tag. September war für mich einfach ein grandioser Lesemonat - da waren einfach viele Bücher mit dabei, die mir am Herz liegen und gerade auf Queen of Shadows und Empire of Storms hatte ich mich schon ewig gefreut.
Für Oktober nehme ich mir genau ein Buch vor, und das ist - wer hätte es gedacht - Crooked Kingdom, das endlich mal demnächst bei mir ankommen sollte. Den Rest lasse ich mich auf mich zukommen - gerade auch, weil mein Studium bald beginnt.
Grundsätzlich bin ich aber seeehr zufrieden mit meinem momentanen Leseverhalten und gespannt, was der Rest des Jahres so bringt.

Wie war denn euer Lese-September?

Montag, 26. September 2016

[Rezension] Die Länder von Eis und Feuer - George R. R. Martin

Inhalt
Hinter Die Länder von Eis und Feuer verbergen sich zwölf Landkarten, die die Ländereien von George R. R. Martins Welt - von Westeros über Königsmund bis hin zu den Reisen der Charaktere - abbilden.

Meine Meinung
Es geht wahrscheinlich bereits aus dem Inhalt hervor, aber: Das ist hier keine gewöhnliche Rezension. Die Länder von Eis und Feuer ist kein Buch, das man lesen kann, sondern eine Kartensammlung, die zum Studieren, Staunen und Entdecken gedacht ist. Dennoch hoffe ich, dass ihr weiter lest und ich euch dieses wunderbare "Buch" näherbringen kann.


Als ich das Exemplar zum ersten Mal in der Hand gehalten hatte, war ich positiv überrascht: Die Länder von Eis und Feuer schlägt man nicht auf und blättert darin rum, und es ist auch im eigentlichen Sinne kein Schuber. Stattdessen findet man einen Magnetverschluss, und dahinter erst die Karten - alle sorgfältig gefaltet und sicher verstaut.


Die Innenseite - hier nicht abgebildet - zeigt noch einmal eine Kurzbiographie zu George R. R. Martin. Aber ehrlich gesagt: Ab dem Punkt siegt die Neugier und man greift zu den Karten. :D
Auch da wartete auf mich eine weitere Überraschung, denn die Karten sind ordentlich groß - wesentlich größer als ich erwartet habe. Und mal von der Gestaltung ganz abgesehen, fühlen sie sich schon hochwertig an - das Papier hat eine angenehme Dicke, sodass man keine Angst haben muss, zu fest anzupacken.


Tja... was soll ich zu den Karten an sich sagen? Ich bin vollkommen begeistert. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich gebeugt über den Büchern sitze und versuche, die mikroskopisch kleinen Zeichnungen zu entziffern. Endlich kann ich nachvollziehen, wo welche Ereignisse stattfinden - und zwar in Farbe und mit viel Liebe gestaltet.


Das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes: Allein die Darstellung von Königsmund begeistert mich jedes Mal wieder. Zum Einen ist die Stadt wesentlich größer als in meiner Vorstellung - aber die ganzen Details erst! Haus reiht sich an Haus, der Blick wandert über Flohloch, entdeckt Kleinfingers Bordell, endet bei dem Roten Bergfried... Egal, wie oft man die Karten anschaut, jedes Mal entdeckt man wieder ein kleines Detail, das man zuvor noch nicht gesehen hat.


Meine Favoriten? Jenseits der Mauer, Königsmund und Braavos - ersteres, weil dieser Ort einfach ein ganz großes Mysterium darstellt, ob in der Serie oder in den Büchern. Die letzten beiden, weil sie einfach so unglaublich gut dargestellt wurden, weil ich den anderen Blick auf die Städte einfach so spannend finde!
Es gibt sogar eine Karte, die die Reisen einiger Protagonisten darstellt - vor dieser bin ich bestimmt eine halbe Stunde gesessen und habe versucht, die Routen nachzuvollziehen. Da bekommt das, was man gelesen hat, noch einmal eine ganz andere Dimension.
Braucht man diese Karten? Natürlich nicht - man kann die Bücher (oder auch die Serie) einfach so hinnehmen. Aber dennoch sind sie eine unglaubliche Bereicherung; nicht nur, weil sie die Genialität und die Größe von George R. R. Martins Welt widerspiegeln, sondern auch, weil es einfach Freude bereitet, sie sich genauer anzuschauen und die bekannten (und weniger bekannten) Schauplätze zu entdecken. Ich für meinen Teil bin begeistert - und werde sie immer wieder hervorziehen.

Fazit
Die Länder von Eis und Feuer ist eine unglaublich liebevolle und detailliert gestaltete Kartensammlung. Für Fans der Das Lied von Eis und Feuer-Bücher eine tolle und hochwertige Erweiterung!


Vielen Dank an Penhaligon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Die Länder von Eis und Feuer
Gebunden: 12 Karten
Verlag: Penhaligon
Reihe: -
Preis: 39,99€
Kaufen?

Donnerstag, 22. September 2016

[Rezension] Queen of Shadows - Sarah J. Maas

Da es sich hierbei um den vierten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt
Aelin Ashriver Galathynius ist endlich bereit, nach Rifthold zurückzukehren und die Arbeit, die sie dort begonnen hat, zu beenden. Sie wird für ihren Cousin Aedion kämpfen, für ihren Freund Dorian und für ihr Volk - denn es ist an der Zeit, ihre Identität anzunehmen und sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

Meine Meinung
Ach, das Leben als Buchblogger ist schon hart, wenn man irgendwann einen Zwang entwickelt, alle Bücher einer Reihe in derselben Ausgabe besitzen zu wollen. Deshalb habe ich auch ein gefühltes Jahrzehnt darauf gewartet, dass das US-Paperback von Queen of Shadows endlich erscheint. Das Gute daran: Bei dem Folgeband, Empire of Storms, bin ich - worüber ich bereits hier gesprochen habe - über meinen Schatten gesprungen und habe einfach das Hardcover bestellt. Ich bin einfach gegen Spoiler allergisch, und in den letzten drei Wochen habe ich schon zu viele Dinge gelesen, die ich nicht lesen wollte.
Da ich ein großer Fan von Sarah J. Maas und ihren Büchern bin, (was ich nie müde werde zu betonen) war meine Aufregung dementsprechend groß, als Queen of Shadows endlich, endlich bei mir ankam. Anders ausgedrückt: Drei Tage später klappte ich das Buch zu und war mal wieder ein emotionales Wrack.
Aber fangen wir von vorne an: Schon an den ersten paar Seiten von Queen of Shadows merkt man, dass die Serie sich langsam ihrem Ende zuneigt - Fäden werden aufgenommen und verknüpft, Ereignisse, auf die man seit hunderten Seiten hingefiebert hat, finden endlich statt. So treffen wir ziemlich bald auf Arobynn, Celaenas Aelins Mentor, der sie zum Assassine ausgebildet hat. Und weil ich nicht spoilern will, sei so viel gesagt: Arobynn hat sich seit The Assassin's Blade kein bisschen gebessert. Man wünscht sich immer noch, dass er sich doch zum Guten wenden würde, aber... tief drinnen weiß man, dass er es nicht tun wird.
Eigentlich wollte ich auch weniger über Arobynn reden (aber ich steigere mich einfach zu sehr rein, wenn sein Name erwähnt wird), sondern vielmehr über die anderen Charaktere. Denn wie auch schon in den vorhergehenden Bänden gibt es viel Wachstum - und auch Stagnation.
Bei letzterem meine ich - wer hätte es gedacht - Chaol. Chaol ist auch jemand, den ich gern mögen würde, aber dann lese ich über die Dinge, die er macht und sagt, und verfluche ihn wieder aufs Neue. Trotzdem könnte ich ihn niemals hassen. Denn was ich an ihm schätze, ist seine unglaubliche Loyalität Dorian gegenüber. Bei vielen ist das umstritten, aber ich für meinen Teil bewundere ihn deswegen - habe es schon immer, vom ersten Band an. Allerdings verabscheue ich die Konsequenzen dieser Loyalität: Chaols Blindheit gegenüber allem anderen, und vor allem seine Vorurteile. Gerade die Art und Weise, wie er in Queen of Shadows mit Aelin umspringt, erweckte in mir schlichtweg den Wunsch, ihn zu erwürgen. Ständig stellt er ihren Charakter infrage, unterstellt ihr, ihre Magie - wenn sie eines Tages zurückkommt - zu missbrauchen und grundsätzlich ist er fast angewidert von der Frau, die Aelin geworden ist. Chaol ist einfach, wie man in Heir of Fire schon merkt, stehen geblieben. Während all die anderen Charaktere gewachsen sind, ist Chaol immer noch an demselben Platz, und besitzt nichts mehr als seinem Pflichtgefühl. Ich hoffe, nein, glaube, dass sich das noch ändern wird, und bin gespannt, wie er sich entwickelt.
Aelin ist dazu der krasse Gegensatz. In Queen of Shadows wird sie nicht mehr Celaena genannt, hat jetzt offiziell ihre "richtige" Identität angenommen. Ich weiß gar nicht mehr, was ich zu ihr noch sagen soll. Dass ich komplett beeindruckt von ihr bin? Vollkommen begeistert von der Art und Weise, wie Maas solch einen vielschichtigen und gleichzeitig abgründigen Charakter geschaffen hat? Das trifft es vermutlich. (Ansatzweise.)
Ein paar Worte wollte ich auch noch zu Manon verlieren. In Heir of Fire stand ich ihr noch unglaublich skeptisch gegenüber, konnte die Begeisterung anderer Leser gar nicht verstehen - in Queen of Shadows hat sich das vollkommen gewendet. Ich lernte, sie besser zu verstehen, vor allem auch den größeren Zusammenhang mit den anderen Charakteren, insbesondere Aelin - ich habe einfach ihre Rolle viel besser verstanden. Ich reihe mich nun also stolz bei den Manon-Fans ein, und bin gespannt, was die Geschichte für sie noch so bereithält.
Wenn es nach mir ginge, würde ich jetzt noch ähnliche Romane über Rowan und Dorian verfassen, aber das will ich euch nicht auch noch antun. So viel sei gesagt - bei ein paar Szenen mit Rowan hat Sarah J. Maas bewiesen, wie unglaublich gut sie schreiben kann (besonders, wenn es, nun, heiß wird). Und Dorian... Dorian ist wirklich einer meiner liebsten Charaktere. Ich kann hier wirklich nicht viel zu ihm sagen, ohne zu spoilern, aber ich würde ihm am liebsten eine lange, lange Umarmung geben.
Gleichzeitig führt Maas noch einen Haufen anderer Charaktere ein, zum Beispiel Lysandra, die wir schon aus The Assassin's Blade kennen, oder Nesryn, die... Vergangenheit mit Chaol hat. Oder Elide! Und zu guter Letzt kann ich natürlich nicht Aedion unterschlagen - Aelins Cousin. Was Aelin alles riskiert, um ihn zu befreien, sagt eigentlich schon alles. Der Bund zwischen den beiden ist unglaublich ergreifend.
Was an der ganzen Throne of Glass-Serie so beeindruckend ist, ist die Balance, die Sarah J. Maas einbringt. Obwohl es von Buch zu Buch mehr düstere Szenen gibt, gibt es immer noch diese hellen, lichtbringenden Momente, in denen ich vor dem Buch sitze und herzlich lachen muss. (Damit sie mir dann im nächsten Kapitel wieder das Herz brechen kann.) Obwohl das Buch über 600 Seiten hat, ist es ein richtiger Pageturner. Wieder und wieder gelang es der Autorin, mich in die Irre zu führen, mich nach Luft schnappen zu lassen. Das Buch strotzt nur vor unerwarteten Wendungen und schockierenden Enthüllungen. (Aber ganz im Ernst: Wer hat etwas anderes erwartet?)
Müsste ich Queen of Shadows mit einem Wort beschreiben, dann wäre das wohl episch. Die Welt, die Charaktere, die Geschichte, diese ganze Komplexität und die puren Emotionen auf jeder Seite - keine Ahnung, wie Sarah J. Maas das alles hinbekommt. Aber ich ziehe meinen Hut vor ihr, wieder und wieder, Seite für Seite, und bin ehrfürchtig und gespannt auf all das, was noch kommen wird.

Fazit
Queen of Shadows beweist wieder einmal, warum ich ein großer Fan von Sarah J. Maas bin: Das Buch übertrifft seine Vorgänger in Komplexität, Charakteren und Emotionen. Auch Tage nach Beenden des Buches bin ich noch vollkommen begeistert und kann es kaum erwarten, zu Aelins Geschichte zurückzukehren.



Titel: Queen of Shadows
Taschenbuch: 672 Seiten
Verlag: Bloomsbury
Reihe: 4/6
Preis: 9,99€

Montag, 19. September 2016

[Rezension] Elanus - Ursula Poznanski

Inhalt
Jona ist hochintelligent. So intelligent, dass er mit siebzehn Jahren ein Stipendium erhält und ein Studium beginnt. Auch an seinem neuen Wohnort geht er seinem speziellen Hobby nach: Seine selbstgebaute Drohne einzusetzen und damit verschiedenen Leuten zu folgen. Doch dann geht alles schief - und plötzlich ist Jonas Leben bedroht...

Meine Meinung
Ich habe schon seit einer gefühlten Ewigkeit nichts mehr von Ursula Poznanski gelesen. Einen Krimi von ihr letztes Jahr. Aber Saeculum habe ich sage und schreibe in 2011 gelesen! (Ich weiß, ich erwähne in so ziemlich jedem Beitrag, wie lange xy her ist. Aber es ist Fakt. Ich stecke gedanklich noch in 2012 fest, verzeiht mir.)
Also, auf jeden Fall habe ich mich gefreut, mit Elanus endlich wieder zu einem Jugendbuch Poznanskis greifen zu können - gerade, da ich so gute Erinnerungen an vergangene hatte.
Doch schon nach den ersten paar Seiten stockte ich. Nicht wegen dem Schreibstil - auch wenn der manchmal etwas holprig ist, so schreibt Poznanski dennoch im Großen und Ganzen flüssig und ermöglicht dem Leser, einfach Kapitel um Kapitel zu lesen.
Ich hatte ein gewaltiges Problem mit Jona. Was auch zu erwarten war. Jona ist nämlich nicht der Typ Protagonist, der dem Leser ans Herz wächst. Er ist arrogant und überheblich - lässt keine Gelegenheit aus, um seinen Kommilitonen verbal eins auszuwischen, muss immer seine geistige Überlegenheit beweisen. Er ist sich dem auch bewusst, kann seine unfreundlichen Reaktionen oft aber nicht vermeiden. Hinzu kommt ja auch noch die Sache mit Elanus, seiner Drohne - welcher Siebzehnjährige baut schon so ein Teil, um es (illegal) herumfliegen zu lassen und damit Leuten nachzustellen?
Es ist in meinen Augen schlichtweg gewagt, so jemanden als Protagonisten zu wählen. Aber vielleicht hat auch gerade seine oft verquere Sichtweise das Buch spannend gemacht - ganz sicher bin ich mir da nicht. Ich verfluchte ihn nur, ehrlich gesagt, ziemlich oft.
Ebenfalls meine Probleme hatte ich mit einem Großteil der Nebencharaktere - sie wirken etwas... zweidimensional konstruiert. Die Art, wie sie sprechen und agieren, machte oft einen sehr gestellten und unnatürlichen Eindruck auf mich. Zum Beispiel Pascal - ein Junge im Nachbarhaus, der sich aus irgendeinem mir unerklärlichen Grund mit Jona anfreundet. Im Ernst: Jona ist komplett unfreundlich zu ihm, Pascal aber kehrt wieder und wieder zurück und wird völlig überdreht dargestellt.
Das hört sich jetzt alles ziemlich negativ an - dabei hatte ich definitiv meine guten Momente mit Elanus. Zuallererst muss ich einwenden, dass Jona sich verändert. Darauf habe ich gehofft, und das wurde auch gut eingebunden. Er ist am Ende des Buches bei weitem kein Heiliger, aber Stück für Stück änderte er sich - ganz subtil. Das hat mir sehr gut gefallen.
Außerdem hat Ursula Poznanski wieder einmal bewiesen, wie gut sie Fragen aufwerfen kann. Nach über der Hälfte des Buches kamen immer noch neue Fragen in meinem Kopf hinzu, und nur wenige wurden beantwortet. Leider habe ich einen größeren Plottwist vorhergesehen (ich bin normalerweise die Letzte, die irgendwas errät), aber abgesehen davon war die ganze Auflösung sehr zufriedenstellend, wenn auch das Ende noch etwas besser ausgestaltet hätte werden können.
Kommt Elanus an Erebos oder Saeculum ran? Auf keinen Fall, wenn man mich fragt. Aber man kann definitiv angenehme Lesestunden mit Jona und seiner Geschichte verbringen, auch wenn man keinen sympathischen Protagonisten erwarten sollte. Elanus ist auf jeden Fall speziell - von der Idee her bis hin zu den Charakteren. Und vielleicht besteht gerade darin der Reiz des Buches.

Fazit
Elanus punktet nicht gerade mit einem sympathischen Protagonisten, dafür aber mit einer originellen Idee und einer spannenden Spurensuche, bei der ständig neue Fragen aufgeworfen werden.


Titel: Elanus
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Loewe
Reihe: -
Preis: 14,95€
Kaufen?

Freitag, 16. September 2016

[Rezension] Wolf Moon River - Rainer M. Schröder

Inhalt
Patrick ist alles andere als begeistert, den neuen Freund seiner Mutter und seine Tochter Olivia kennenzulernen. Doch dann stürzt ihr Flugzeug mitten in der Wildnis ab - der Pilot ist tot, seine Mutter verletzt, und plötzlich müssen er und Olivia ums nackte Überleben kämpfen.
Zur gleichen Zeit kämpft sich Jack durch die Wildnis - er ist vor seinen "Freunden" geflohen, die ihn nach einer verhängnisvollen Nacht in einem Keller eingesperrt haben.

Meine Meinung
Klappentexte sind so eine Sache - manchmal liefern sie einen komplett falschen Eindruck von der Geschichte, dann sind sie viel zu kryptisch, und hin und wieder liefern sie auch viel zu viele Informationen.
Einen Klappentext wie den von Wolf Moon River habe ich selten erlebt. Hier könnt ihr den nachlesen, wenn ihr wollt. Aber ich würde es nicht machen - nicht, wenn ihr das Buch noch lesen wollt. Zu sagen, dass darin unglaublich viel verraten wird, wäre noch untertrieben. Da ich mich beim Bloggerportal für das Buch beworben habe, habe ich logischerweise den Klappentext zuvor gelesen (was ich sonst nicht so oft mache - ich weiß schon, wieso). Und er klang toll. Aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, WIE viel er verraten würde. Auch diese Inhaltsangabe, die ihr dort oben liest, greift schon relativ weit vor, aber das ist kaum anders möglich.
Am besten, ich fange von vorne an.
Aufgrund des Klappentextes ging ich stark davon aus, dass die Geschichte vordergründig von Patrick und Olivia handelt. Stattdessen bekam ich zuerst ein Kapitel aus Jacks Sicht zu lesen, dann auch zahlreiche aus Sicht seiner Verfolger, Scott und Frank. Ich war irritiert. Vor allem, weil die Storyline von Patrick und Olivia nicht richtig in die Gänge kam - zunehmend wuchs das Gefühl, dass ich plottechnisch auf der Stelle trete. Ich konnte nicht begreifen, weshalb das alles für mich wichtig sein sollte.
Jetzt, nachdem ich den Klappentext noch ein paar Mal gelesen habe, frage ich mich, ob das Problem eher beim Buch oder bei dieser kleinen Inhaltsangabe liegt. Aber auch das Buch hat gravierende Schwächen, über die ich einfach nicht hinwegsehen kann.
Die ganze Klappentext-Sache mal außer Acht gelassen, war schon allein der Schreibstil des Autors sehr störend. Zum Einen schreibt er sehr unpersönlich - wahrt immer eine Distanz zu den Charakteren und beschreibt ihre Gefühlslage eher, anstatt sie dem Leser aufzuzeigen und subtil näherzubringen. Dann allerdings neigt er zu unglaublichem Infodumping.
Ich habe keinen Zweifel, dass Rainer M. Schröder grandiose Recherche leistet. Beim Lesen von Wolf Moon River erhielt ich nur eine Andeutung auf das Wissen, das er vermutlich besitzt. Aber ist es wirklich nötig, dem Leser sämtliche Details über Kanufahren aufzuzeigen? Wieder und wieder die Beschaffenheit von einem Flugzeug zu erläutern, die die Geschichte nur bedingt voranbringt? Vor allem in solchen Längen, dass das Lesen wirklich, wirklich zur Qual wurde. 
Vielleicht will mir da jemand widersprechen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Aber ich bin der Typ Leser, der sich nicht mit Details wie der Marke des Motorbootes oder dessen PS aufhält.
Ich war also schon nach den ersten paar Kapiteln ungemein frustriert. Das Ganze wurde noch schlimmer, als Patrick und Olivia dann aufeinander trafen und sich kennenlernten.
Patrick ist... die Unfreundlichkeit in Person, so könnte man es zumindest sagen. Er ist nicht ganz sechzehn Jahre alt (Fun fact: Im Klappentext heißt es, er sei siebzehn) und verhält sich, als sei er zwölf. Und inmitten einer Trotzphase. Außerdem haut er Sätze raus, die... die, sorry, niemand so sagt. Um ein Beispiel zu nennen: "Ich bin nicht langsam, sondern im Energiespar-Modus." (Wolf Moon River, S. 42, Rainer M. Schröder, cbj) Charaktere dürfen gerne Sprüche raushauen und sarkastisch sein. Von mir aus können sie einfach von Grund auf unfreundlich sein, das macht sie zwar nicht sympathisch, aber na ja, solche Menschen gibt es eben. Aber ich habe noch nie im Leben jemanden getroffen, der Sätze herunterspult, die man auf irgendwelchen Facebook-Seiten findet. Und ja, das ist mehr als nur einmal vorgekommen. Und jedes Mal verfluchte ich Patrick nur noch mehr - anders kann ich es nicht ausdrücken.
Jack und seine "Freunde" sind kein Stückchen besser. Auch sie bleiben blass, ihre Hintergründe werden mehr heruntergebetet als dass sie realistisch wirken oder sie zu dreidimensionalen Charakteren machen.
Mein Highlight - wenn überhaupt - war Olivia. Auch sie wirkt nicht ganz... realistisch, doch bei ihr ist es Rainer M. Schröder zumindest gelungen, mich zu überraschen. Sie ist vermutlich auch die Einzige, mit der ich ansatzweise mitfühlen konnte.
Wobei - hier noch eine kurze Anmerkung. Da es gleich am Anfang der Geschichte passiert, ist es kein Spoiler, also: Ich dachte anfangs, Olivia würde an einer Essstörung leiden (es ist letztendlich etwas komplett anderes). Und zwar wegen dieser Äußerung: "Dabei hätte sie nur zu gern einen Becher heiße Schokolade genommen. Aber (...) sie [durfte] sich auf gar keinen Fall auch noch eine zweite Kalorienbombe leisten." (Wolf Moon River, S. 28, Rainer M. Schröder, cbj) Das ist, ganz abgesehen von Olivia als Charakter, eine sehr bedenkliche Äußerung, bei der ich unglaublich stutzig geworden bin und die - zumindest meiner Meinung nach - auch gut und gerne auf manche triggernd wirken kann.
Ein weiterer Aspekt, der mich sehr gestört hat, war die Überschneidung von manchen Kapiteln - dabei beziehe ich mich auf die Kapitel über Jack und seine Verfolger. Es wurde ein Teil aus Jacks Perspektive erzählt, und dann genau derselbe Teil noch einmal aus Scotts bzw. Franks Perspektive. Und das geht gar nicht. Ein kleines bisschen imaginativer Freiheit muss dem Leser wirklich noch bleiben.
Eines muss ich dem Autor lassen: In der Hinsicht wird das Buch besser, und hin und wieder gibt es sogar kleine Zeitsprünge. Zumindest gehen die Überschneidungen weg, spätestens dann, als wir endlich inhaltlich bei dem Klappentext ankommen.
Vielleicht hat Rainer M. Schröder einfach der Plot gefehlt? Im Nachhinein beschleicht mich zumindest das Gefühl. Denn bis zu dem Absturz (und dem Zusammentreffen beider Parteien, das erst kurz vor Ende des Buches passiert!) passiert schlicht und ergreifend wenig. Oder zumindest nichts, das man nicht auch in der Hälfte oder einem Viertel der Kapitel zusammenfassen könnte.
Das Ende, beziehungsweise der Showdown, ist okay, zumindest im Vergleich zum Rest des Buches. Es gibt ein paar Augenblicke, die mich überrascht haben, auch wenn diverse Erklärungen/Auflösungen schlichtweg dürftig sind. Der Epilog kam dann schon wieder zu plötzlich für mich, und gerade Olivia und Patrick handeln darin out of character, wenn man mich fragt.
Tja, das ist jetzt verdammt lang geworden. Wenn ihr alles gelesen habt, meinen Respekt! Wenn nicht, ich kann es euch nicht übel nehmen. Wolf Moon River ist für mich ein kompletter Reinfall gewesen. Ich respektiere das Wissen des Autors, denn man erkennt, dass er gute Vorarbeit geleistet hat - nur die Umsetzung ist nicht gelungen. Wenn ihr an Wolf Moon River interessiert seid, lest in die Leseprobe rein. Oder leiht es euch aus. Aber letztendlich ist es ein Buch, das man wirklich nicht lesen braucht.

Fazit
Wolf Moon River hat mir leider gar nicht gefallen. Der Plot war die Länge gezogen, die Charaktere wirkten auf mich unrealistisch und auch mit dem Schreibstil des Autors hatte ich meine Probleme. Meiner Meinung nach auf keiner Ebene empfehlenswert.


Vielen Dank an cbj für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Wolf Moon River
Hardcover: 384 Seiten
Verlag: cbj
Reihe: -
Preis: 16,99€